Iohaii Winckelmans samtliche Werke. Einzige vollständige Ausgabe; dabei Porträt/ Facsimile und ausführliche Viogra» xhie des Autors; unter dem Texte die frühern und viele neuen Citate und Noten; !>ic allerwärts gesammelten Briefe nach der Zcitordnung/ Fragmente, Abbildungen und vierfacher Index. Von Joseph Eiselein. Zehnter Band. D o n a u ö s ch i n g e N/ im Verlage deutscher Classiker 18 2 6. MMW Freundschaftliche Briefe. 7 4 7 — 1 7 6 8. Kurze Notiz über die Personen/ D welche WinckclmanS Briefe gerichtet sind. Anhalt -Dessau, Fürst, über ihn sehe man die Biogra, phie im 1 Bande, S. LVII. Baldani, romischer Prälat. Biographie S. I.XXVNI. Perends, Hieron»»ius Dietrich; geboren zu Seehau- scn im Jahre ^720, schloß bei einem Aufenthalt in seiner Heimat innige Freundschaft mit Winekelman, durch dessen Empfehlung er sodaii später des jüngsten Graven von Bünau Erzieher wurde. Er besuchte mit diesem das Carolinum in Braunfchweig, und als der jun< ge Herr in sranzöstsche Dienste trat, verschafte dessen Vater? damals weiniarischer Minister, dem gewesenen Führer seines Sohns die Stelle eines Kriegsraths in Weimar. In der Folge wurde Berends Kammerrath und Eassaverwalter der Herzogin Mutter. Er starb in Weimar den 26 October I7SZ. ZZ erg, Fri e dr i ch Reinhold; aus Livland, nachmals Land» rath. Man sehe die Biographie, S. L > l. Biinau, Heinrich, Grav; geboren zu Weissenfels im Jal> re Iü?7. Biographie S. XXVII. Cleinow, Superintendent in Salzwedel. Clerisseau, ein französischer Künstler, der sich langezeit in Italien aufgehalten hat. Man sehe den Vers»ch einer Allegorie §. Z-i6. Erdmailsdorf, Baron; im Gefolge des Fürsten von Anhalt-Dessau. Fcronee, in braunschweigischen Diensten zu Wolsenbüttel. Franke, Johaii Michael; Bibliothekar zu Notheniz i nd nachher in Dresden. B iographie S. XXVIl. Füejzli,/ Johan Kaspar; Maler und Nathschreiber iii Zürich, Biographie S. I^XXXIV, Füßli, Heinrich; geboren zu Zürich im Jahre 1745, de dafelbst Professor der vaterländischen Geschichte und der Staatskunst. Nachher widmete er sich der Iugmd, bildung und dem Dienste des Vaterlands. Im Jalir« 1777 kam er in den großen Ratl>. Er lebt »och gegw wärtig im Jahre 1S2Z, und der ehrwürdige Greis l« mich zur Verfassung von Wi nekc lsina ii s Biographie und zur Herausaabe von dessen Werken sehr bereitwillig und voll Güte mit fchäzbaren Nachrichten uuterstüzt, >««> für ich ihm hier öffentlich meinen Dank darbringe. Genzniar, Probst in Stargard, starb 1772. Seine Frcimd> schast mit Winckelmaii sing ans der Universität m Halle an. Er besaß eine schäzbare Minevalienfamlunz und war sowohl der Naturwissenschaften als der Lim»! tur des Altertums kundig. Eesiner, Salomo, der Jd»llendichter und Landschaftmakr. Die Briefe a» ihn gehören unter die schönsten, die WW ekslmaii geschrieben hat. Giorgi, Wahrscheinlich ein Abate im Hause des CardiM Alba ii i. Harper, Landfchaftmaler aus Berlin. Nach seinen Reift» in Italien und Frankreich wurde er Direetor der Malw akademie in Stuttgart, und starb 81 Jahre alt zu Bw lin 1806. Biographie S. 1-XXII. Hevne, Christian Gottlob, berühmter Professor in Göttingen, des Hofraths Heeren Schwiegervater. M er Kopist in der Bibliothek des Graven Vrühl war, lernte er Winckelmaii in Dresden kennen. Warpurg, Friedrich Wilhelm, königlich, preußisch» Kriegsrath, geboren zn Se^haufen 1720, gestorben 17?Z. Er hat viele fehr scharfsinnige Werke über die Musik herausgegeben. Mecbeln, Christian von, berühmter Kupferstecher in B»- sel, der auch Winckelmans Porträt, von Angelic» Kaufsniaii gemalt, in Kupfer ausgeführt bat. Mengs, Anton Navhael, der berühniteste Maler des vorigen Jahrhunderts. Biographie S. I^XXX. Moltke, Grav; königlich dänischer geheimer Conferenzrath und Domdechant zu Lnbek. Er hatte Winekelmarl in Nom kennen gelernt. Nünchhausen, Verlach Adolf Freiherr von; kö> niglich grokbritannischer ?ZUnister zu Hanover und Cura- tor der hohen Schule zu Gottingen. Nine l > S t o s ch, Pl> iliv; Schwestersohn und Erbe des Archäologen und berühmten Antikensamlers Baron Philip von Stosch. Sein Vater, Muzell/ war Professor in Berlin. Biographie S. I^XXXVI. Nicolai, Friedrich; Autor und Buchhändler in Berlin, Lessings und Mendelsohns Freund. Paciaudi, ein Tbeatiner, berühmt durch seine Hlonuiuem» ?eloponuesia, Bibliothekar in Parma. Pagliarini, Buchhändler i» Rom, der Winckelmaüs Uonumeiiti »llUclii drukte. Raspe, Bibliothekar in Cassel. Niedesel, Johaii Hermaii Freiherr von; bekant durch seine Reise in Sicilien und Großgrie- chenland. Geboren zu Wien gestorben auf seinein Landgut im Dorfe Hiezig bei Wien. Schla b b r e n d or f/ Friedrich Wilhelm/ Freiherr und nachmals GraV, aus Schlesien. Er war ei» selir gebildeter Heller Kopf und starb 60 Jahre alt zu Stolz in Schlesien l80Z. Seine Neife in Italien machte er mit einem gewissen Herrn von Kleber. Steinmetz, Abt zu Klosterbergen. llde», Arzt in Stendal, Winckelmaüs ältester Freund. Er starb in einem hohen Alter zu Anfang dieses Jahrhunderts in feiner Baterstadt. llfteri, Leonhard; gebore» zuZurichI74l; wurde dasellst Professor der Logik nud Rhetorik im Jahre j?7Z. Seiner Bemühung hat Zürich die Errichtung einer Mädchenschule zu verdanken. llsteri, Paul; iünaercr Bruder des Vorigen, kein Gelehrter, aber ein sehr gesitteter »nsn uloiger Jüngling von äuge- nehmer Gestalt und fast milchivrissem Haare. Er ist daher das Milchlam, dessen in den Briefen oft Erwähnung geschieht. Nalenti, Gonzaga; wahrscheinlich ei» Neffe des CM »uls Naleuti. Volgenau, Diakonus in Stendal. Volk man, Johan Jakob, bekant durch Viele gkogravlB sche Werke, war geboren zu Hamburg 17Ä2 und stsri aus seinem Gute Tichortau im Jahre 1SVZ. Seine kautfchaft mit Winekelman fing sich bei seinem?l«i senthalt in Rom an. Nebst andern Schriften sind auch noch Briefe Winckelmans an ihn durch eiuen Unfall verloren gegangen, als er sich im Jahre t764 ein Zlml ! feiner Habseliakeiten nach Sachsen zusenden ließ. Sil» ^ Bruder war Nathslierr in Hamburg. In seinen hift» rischen Nack, richten von Italien sagt er: „ Kein Gelehrter hat mit fo vielem Geschmake von 5m „ ?lltertümern geschrieben als Winckelnian; er zünd» te gleichsam ein neues Licht zur Betrachtung derselbe ' „ an. Sein Auge drang in die Geheimnisse der Kunsi, „ und war durch unaufhörliches Betrachten geübt. V»>l „ von der Leetüre der Alten trat er zu den DenkmM „ hinzu, und fand sich dadurch im Stande, die Mon«, „ mente durch die Alten , und diefe wieder durch >ene U „ erklären. Ein Genie, wie das seiiiige, wird viellciilit ^ „ in hundert Jahren nicht wieder geboren. Wer die „ Werke der Alten mit rechtem Nuzen besehen und dtll Geschmak bilden will, kau nichts Besseres thun, »IS „Winckelmans Geschichte der Kunsi in Rs»l » selbst lesen, und die Statuen darnach untersnchen. Sii, i, ne ?l n m erkungen über die Baukunst de r ?ll> l ten, seine werden die Rli> senden auf Kentnisse führen, die sie in allen ander» » Büchern vergebens suchen. " Walt her, Buchhändler in Dresden und Verleger mehrmr Schriften Winckelmans. Der Bibliothekar Dab dorf wählte zu seiner Sanilung w i nek e lmanni- scher Briefe aus sechzig und mehr nur aus, und ließ selbst aus diesen noch Stellen weg. Warum? -- Ich bringe derselben Z weitere bei. Weiße, Christian Felix; Schriftsteller und Steuere!»' nehmer des sächsischen Kreises zu Leipzig. Niele feimr von Win ekel man erhaltenen Briefe sind verloren ge< gange». Wiedew elt, I o ha »; Justizrath und Professor der Bildhau- rei in Kopenhagen? war einer der besseren Bildhauer des vorigen Jahrhunderts. Die Bekaiitschaft mit ihm war eine der erste»/ fo Winekelman zu Rom machte, und und sie wohnte» etliche Monate beisammen, Wille, Johan Georg; beriihmter Kupferstecher in Paris, der daselbst im Jahre 1808 in eineni sehr hohen Alter starb. Man sehe die Biographie S. I-.XXXIV. Man wird schwerlich von irgend einem deutschen Gelehrten eine fo vollständige und zahlreiche Samlung Briefe, als diese vo» Winckel m a » ist, bestzen; den nur wenige Schreiben, wie B, an G a l ia »i, Ta » u ec i, d'H ancarville und Hami l- ton in Neapel, an Desmärest, Rochefoucauld, Ca»- Ills uud Barthelemy in Paris, an Cardinäle und Gelehrte in Rom, und a» einige Engländer sind bis iezo noch unedivt oder verloren; ihr Verlust ist aber nickt fo fehr zu tediuiren, weil sie wahrscheinlich keines andern Inhalts waren, al§ viele derer, die an's Licht getreten si»d; auch ohne Zweifel sich durch ihre Einkleidung nicht besonders auszeichneten. . ?!nr die Auffindung von drei feiner Correspondcnze» wäre fehv zu wünfchen und ließe etwas von den übrigen Verschiedenes und ganz Eigentümliches erwarten: die Correfpondenz mit dem Jesuiten Rauch, Beichtvater des Königs von Polen, zu dem er wie ein Kind zu feinen Eltern stand; die Corre- spenden; mit dem kajserliche» Gesandten Graven Firmian, den er unter die Beste» der Menschenkinder zählte und die höchste Freundschaft ;» ihm trug; und endlich die Correspon- den; mit der Frau des Malers Mengs, der schone» Margarethe! Guazzi, an die er wie ein icuriger Liebhaber und doch voll Unschuld schrieb, wie in der B i o g r a p h i e S> VXIl. sehen erwähnt worden. Allein es ist wenig Hofnnng zur Auft Adimg dieser drei Correfponde»;«» vorhanden, den höchst wahrscheinlich wurde die erste und dritte vorfezlich vernichtet. In der neuen berliner Samlung der Briefe Winekelmails sind nicht nnr, wie man ans deren Vorrede schlicken sollte, Wiederholungen ausgelassen worden, fon- dern wirklich interessante und charakteristische Stellen; man hat hingegen i» dieser Ausgabe altes geliefert, was vorhanden ist, und die dunklen Stelle» sowohl als iene,dl,! Künstlichen betreffen/ theils durch Noten, theils durch I Weisungen auf die größer» Werke des Autors zu erläutn,! gesucht, indem um» hier der Ansicht Nicolais beistintt, ,«,>/ eher in der Vorrede zu der Saniluuq Briefe W i n ck e l nianj an Muzel-Stosch sagt: »Sonderbar, daß noch imm« „ einige Leute behaupte», man niiiße nichts bekaiit mache», „ was nur irgend eine Schwachheit ciues großen Alaiimz verriethe. Etwa, daß man nie zu richtiger Erkennung iiZ Menschen komme, und sich stets in Büchern das Mensch» „ geschlecht aiiders rräume, als man es im wirklichen Lcbi, „ findet? Bei Freunden hat man diese Art Bekantmachmg „ gar Bruch der Freundschast im Grabe, Berrätherei, «nd „ Gott weiß mit welchen gehässigen Namen sonst noch benM, Die gutherzige» Leute! Sie wissen es vielleicht nicht, daß ei» Man bei gewisse» Schwachheire» sehr schäzbar und sti, „ nen Freunden sehr werth sein kaii; daß aus manckien tw „ ser Schwachheiten eben liebenswürdige Eigenschasten, und, „gerade herausgesagt, Tugenden entspringe»; daß solch! „ Schwachheiten sich mir gegen Freunde zeigen können, dem» „ ma» also deren Bekaütmachuiig nicht untersage» darf, und „daß Charaktere, die man nur immer von einer Seite,» „ he» lassen darf, des Schenlassens wohl überhaupt nicht rccht „ werth sind. " An den Abt Steinmetz zu Klosterbergen bei Magdeburg. 8uinine veneranllel LekusW vet. ^Vlare?i. k'er. i.?a8ck. 17^7. Diu est, ex In3!8 Iininanio- ri!)U8 alicvo, c^narnn^ aniore ea^l.n8 niliil ^er arnkit-um. vt'eei, nee ad ianl.a8 in eeele8ia eondidi0tte8 »(I3^)ir3v! unc^unm, rne^ne, c^ni acl inveniudern erncliendain na- tii5 sjuodammodo villeri ^>088em, non lakor, non iN- ciium lledeiruii. veio 0^>era in ^)^imi8 lilerarnin rnclimen- lis jlieuleancli8 deine^a, <^ui ^snllurn io ine virinni dejn-eliendo, einn ndeiioii einolninenic) o^eiani lianQ coUecaie in acInIt.ioie ed ina^i3 in^enua 8oI)0le. ^niclein ex nni.n ^)r0videniiN clivinre nsc^ne^na- hue ^enclec», ^uud innixu8 ino1iminiI)U8 8ponianei8: von iamen ai)50num <^nicl eornmildere credi^i, in- ^recli Iiane viam, in csn.i müli 8i^nn,n alic^uod illustre ex^ulid 1)eu8. Lonün^at inüii HIusi8 Ve8trat.idns in- t2 Freundschaftliche seri, o^el^mc^ne me»m l'ün ^,rc>t>»ri ^osse ?uiz^^ ne ^enuri» lilirorum sulisicliorums^ne lleslitutus Izn. Auesezm, et inosssum reoic?!>nt vani conatuz illterin. ^eni-t /Zxvscv»'« cd i>orri>iula. Ignosce, Vii- summe vener»n>Ie, süerenti, sine »ncu^atione ^loriolse clictuin velim,) c^u-e u w! exs^>eet»ri ^ossunt. In lectione velerum (^rsecorum totus kui, cuinzli». Aiioe sNilliui», elimin»tri>n 5ere e <^eimanis, » rx. susciwlum et anti<^uc>/livnciii vinclicatum iri .lulli»^ llallicani et Itnlvrum lin-^iiam Llllieo, nee III. üis in ^Vn^Iorum icliomate. ÄI»x!me verc>, si o^>tio s!l, seliolis Iiistoricis »s- inen slare Volute 5ueiit^, cjU!> Iiistoii.im (^eiwliiii,; csU» universalem, eiusijne polissimum triuin lecenw- luin sseeuloiuni^ In Ilistoii» liteisii:, cjU!>Sli»m ,1« ine s^es excitaie siossein ex iuclieic) ill. L. Lanecll, äi I^ucie^vig, in cuius dililitillieca, <1um viveret, cii^ereiillz xer semestie -estivum oceu^.itus ^ i'ui. (^eometiizni Zu5o,iorem cd n> rs»stent?!>>-» jueril, um,' saltem liie- ruli, I'uis veikis a I'uoiuin -zuoc^m LX.'N» Dcuin k^nosso, ut sevvet 'I'e enlumen eeelesim tu. telamc^uc ^lusarum se>Ii, ^milii tuntum Vii'uni jiro- ^>iuum led^-u. 8um, ^Iilzas summe venersnije, scrvus "I'uus cievotissimus Briefe. 13 zln den Superintendent Cleinow zu S a l z w e d e l. Viro summe Venerav6c>, Ooctissimo et ^m^>I. 8u^>ciinten<1enti Lreneraii Fravissimv vwlligellam keliciwtem salutatione sua s^precsmr doniancler. O^^ortune milii sllsla: sunt literse ^».-e ^le- cum me oom^iosnersm mcxlo acl scrilien<1nm !><1 ^e, r!>m Z-L li-iAiixsv?--? s>ost I'll- äiwm, vc>to eessisse, ^Nüe meciitatns cram, me- iiorüri suklieiat ism nnne veni» I'us, d»m altins ar- AiiinellttlM Alnsis mcis ^rosiositum ivisti, !^nc> cumn- lum ailclis injzentibus I'nis in me beneliciis. leistn- lor ^rim»m tenuit!tti mess, ^use ^m^>Iissimo Lenatni Lolthueüensium civitatis in »ksentem excitare ^otnit ^nnc mentem pro^iitiam, c^ns mei inpiimis r»tionem Ziübeiiäam ei acl tentandas viics cliem >Iici clnxeiint: tum vero <^nse cle me inclnl^enter ststni ^>I»cuit Lyl- leßio illustri, c^uomotZo ex^ileam, c^unm ^lirum in ms öüsirdlenllerim, nc>n vicleo, nisi in i^soium Iionitate et ?uo iurlieic». Lxentientla: ei^nnt omnesviies, izuas Lcuz suiiiciet, <üc>nieeisses me in sncc^is Consilium I>oc ivo^iinatc» senatus «Zeereto, non dene sute» per- 5j>cclis ecin-etus, niliil, nisi c^u»: e >e me» sind, veile kre^nenlilins ^>rc>I>asses «Inenmentis. LIiilum milii Izilur » illusti-e «livinitus si^nnm jiu- t»I)o, <^uocl sei^ni cletreetzsse reli^ioni milii knerit, eo^iic ma^is, ssnia in ineremenUS, ssure s»s>ienter con- Slttutiz le^iltns et certo »nguizmnr, c>^elli,m wezin oum kructn ulieriore et in nilnltiore I>rolv eollnegtnm iri conüclo. 8ec> nescio, Vir s. Ven. <^uo vultu 'I'ilii si^uilleem nun^uum inteimorilurüS grsN 14 Freundschaftliche svimi »on -c^uc c^nocl cle Lsi.irl, (>>,. tinl!n. Denz, ^ snimorum ^>rc>^LiisionL ^rsesi-ns, l>sevtcm Loll. non inkerior cligccclam, »ei Ldeiu, l^iisin körte inte^osuisti, rckellam. Valo, l?ltt Lampvecht?^ cl7-is.z o ^hre Briefe habe alle richtig erhalten. Es »mit! überflussig sein, Ihnen zu belhenren, daß sie mir an- ^ genehm gewesen. Mein Herz ist nicht anders worden: es' ist das getreueste Herz, das irgend in li1. 46 Freundschaftliche Wege mache«/ die zur Ehre führe»/ und/ wen mein Beistand gebricht/ Ihnen einen treuen Freund senden. Sie haben verstehen lernen/ Freunde zu wiih. le»/ und/ wen Sie etwas bemühter sein wollen, auch Freunde zu verbinden und sich zuzueignen. Breche» Sie in Gottes Namen auf Michael auf. Des Hoch, sten Ange wird über Sie wachen. Wie manch« wird seiner eigenen Führung überlassen/ dem so viel Einsicht nicht verliehen worden! Sie müßen wissen, daß ein verlorener und versäumeter Winter mehr zu bedauren/ als ein müßiger Sommer/ und daß m nüzlich angewandter Winter eine größere Arnte verspricht/ vornehmlich auf der Akademie. Es wird gut sein, wen Sie bei einem von den französischen Predigern sich eine Stube bestellen/ um sich mit gute» Büchern betaut zu machen. Es sind Leute von Wissenschaft. Auf den Anfang komt alles an. W wen Sie da sind/ so suchen Sie ^»ovis moclo, es sei gekauft oder geliehen/ deS Napin '1'Ix^ras l,isro>,- tl'^ugleterre, ic> vul, zu lesen / und nicht einilllll, sondern zehnmal. Dergleichen Geschichte hat noch keine Zeit gesehen. Sie gehet bis auf die Königin Anna. Die Continuation tauget nichts. Bei mir aber treffen Sie nichts an nach ihrem Geschmch sonst sollte Ihnen alles zu Diensten stehen Durch die Finsterniß der schreklichsten Nacht wollte ich gehen/ Ihnen Vortheil zn stiften/ ohne Dank und Vergeltung zu hoffen. ES gehe Ihnen beständig wohl, und wie es Ihnen ergehen mag, so gedenken Sie M Ihren Freund. Zch bleibe beständig Ihr getreuer «. t) Hier sind wieder folgende Worte ausgestrichen: „Zt „ habe leider lange in einer finstern Nacht von VorurtlM „ le» hernmtapen müßen." Hartmaü. Briefe. 27 LA» LamPrecht?! VIon 5 ieIIr ! 8tü6tmcrslel>cn, Iv 4 ^sliin 1748. Votre lettrs Kleine cle bonte sionr moi m'i» cl>i>rmee: eile etoit pertuileinent I>ieii ecrite et se consoivciü tou^onrs coniine Is vraie co^ie ^iii en s>ent ^vuir! ^e n'v siietencls clesormüis man »ncien ciioit^, poiir vous 1»isser im <.Iioix Iii>re cl'nn Iiean ^eune Iiomme, hui soit corivenükle k votre es^rit, !> vo- Ire cnjoucinent. ^e v-iis m'en^oneer cluns im inorns silence et mc clesnire we, <^ui kcra n>on Civile nnic^ue et ^ue ie ne ^»ercliai Sinais > 1,sture in'.l form,! si inl>,il>ile » nie ^sire aiiner, !>nl»nt <^ue ioulisiterois et c^ue rnon astre malin ni'i-Ioi^ne cie ines ümis; ne venx eorn^ter rien; mal^r« les sen- limens >Ie mon eoenr sur I'nmitiv, I» regardsn^ com- Ii>c »no i^ee trom^ense. ^e von» kerai nu moins lü Zittiskietion cle n'entrer ä ^,-im.iis c!sns ime vtroits li^ison ->vee ^ersönne. I'oul« in» ^nsSioii se iloi t Körner NS Ic Souvenir cle notre amitie cnltivee ^ar moi ot recliercliee intiniment. liest«?. lä, ^je vous z>r!e. ^vant^ tont etnclie? !>><.n votre t !t>u< t, i^ et k»i- tcz ^ ime ex»cle attention. Oe mes clesseins vous se- rc- svise tot ou tsrcl. suis etc. Auf der folgenden Seite stehen noch diese zwei lateinische Verse: iomienti gcnus omnis .imoi- si scrviclus o^ites, I^inoreiisz vel si te^>il!us, nil ear^is amcvni. i) sZSalirscheinlich von einem neucni Dichter, n.ich ^u?cu»I. Ä.it. Vl. v.2lif). 18 Freundschaftliche An Buna u. 2Iollseigiio»r! !l Leeliauseir, ili»>z 1.1 vleille Narclil!^ le lö 6e ^ui>i >74^- »I'ose iei kaire av.incer cette lettie le lettres m'euii-li'ilit, et c'ez> par oii je crois jiistisier NU! Nun I«'. Oepuis c^us j'ai etuclie eette «ciinirndle t?o i » »spire ^u'it lui temiziAirer, i^ue je veuille sussi av«i, <^uel^»e psrt s Is verieration, c^ue tc>ut le ir>orivoir 81 V3»le et si r.ire clüns une per- zoime cle si Ir»ute Reureux vorsl>Ies ctaus l'e-zlise. Oiius cette vi>- i) dctle lettre est reiiiplio ile lsule» 6e Inng.igc. On » e I'a pliieee iei c^ue pttiir f^ire eonnoltre le point, oü )Ir. e»u^> pour uii liegend 6e (^«IleAe clans une sielite vill» 6e I ^Ilcnisgne, livre u I ' seille etuile lies I.inziies »»' cicnnes, 6e u avoir zioint entiercnieiit mepi'ise Iz co» noizzonee tie su moins proiive, r^iie I>> leeture <1es Iions suteutt iui vtvit asse/, 5iimi!iere. Briefe. He me su!s al)iine de^uis eiin^ ans dans l'eevle de mz. j)atrie, a^n d'^ ensei^ner les Keiles - let.t.res. Nais l'etat d^^lvrakle de ioul^es les eeoles de 1105 con- trees in'en a i.c»ui a iaid de^0ud6 et. ins^ire en ine- me teins 1a ^ensee a forcei', j?0ur ainsi dire, inoir desün dans nne ^eadeinie. ^e coininencar d'^ relle- cliir mureinent. ed in'et.udier rnvi- incrne dans 1a cai- riere s^ae j'ai ecnii-n jus^u'iei, ^)0ur lia^arder ina fvr- Uwe dans un. sieele lnet.li^1i)'si^ue, 0u les^ Keiles - leNrcs sont. l'vulees aux ^ieds. Ale vc»^and a^rüs toud L.1U8 ressonree ed de^)0urvu des secouis 6tran^eis a. me ^ousser, ^'ai aussi akandvnne ee desseiu - ei. On ne cvm^>l.e rien a ^»resent snr la lilderatni-e (^rec- <^ie, a la^uelle ^e me snis spönne anlant c^ue ^uis ^«'Nt.'t.l-ei' dans 1a ckei l.^ ed diselde des Kons livres. ?en <1e jeunes ^ens s'a^li^uend a 1'el.ude de la lan- ^ue Itidienne ed ^.n^lvise, ei 0n ne man<^ue ^>as ds mailies. I^a lan^ue ^.n^lo - 8axvnne esd un cliam^> sterile a lakvuier. 1^' I^isdvire ne se ^»eud ^rokter si^us perrnissivn, ed lautes 110s ^eademies iourinillent de jenues savans c^u'011 void s»ai0idie sni' le llieadie avee un des kras ^0ur claklii- les ^»linei^es de I.i jilulosojtlne, 1-evel.us de la di^nit.6 duma^lie, aün t^ii'on ne s'^ ^ent^ in^^rer. ()ne resl.e- i - il a 5aiie ? 5e ne trouve ressonice c^n'a avvir re.e0uis a 1a ^race d'un des i>1us ^rauds Iilimmes du sieele, dond l'lin- manil.t', ^11'il t'ait eeladei' de tous les l.raids de ses eciitz immortels, 1,012s ins^iie uue si Iiaul-e id«?e, c^u'on ne se ^>eud di's^enser d'ev es^erer Kien. AIon- seiHneui', ^e deinande pardon d'uue 0st.enl.al.i0n de mon ^eu de ca^acil-e. Dis^vse?.-en. ^e suis z?ved c!e me saeriUev aux Services de Volre ILxcellenee. ?!aee?. lnvi dans «in eoin de Volie 1iil!0l.kec^ne, ^)0nr cv^ier les raies aneedoles, t^ni servnt^ ^.ukliees, evin- we vn clid. ^'en^isa^e 1e in)'0n d'une eilleaee ^ivtee- liou <^ui se re^andia s^r 1x10! ed s^ni 5ait. dHa reluire 2a Freundschaftliche claus ruon eceur I-, dvuee es^eiauce cle me t'aruiliurl- ser tl^vanl.a^e avee les Muses. I^eul.-e^re clevieudrai -je a 1'aveuir ^lus ulile zu ^u1)1ic, c^uaud, tire de 1'0l)seuril.e ^ae l^uelc^ue vo)e c^ue ce lud, ^e l.i0uv0is de^uvi. vivie daus 1a capi- lale. »l'im^Iore Vieu czu'il veuille ^je^er uu re^ard Arz. cieux sur 1a I^aude destiuee de Vodre ^xeellenee el^ lzu'il veuille a^reer ivus les souliaits ardeus du ^u- 1>1ie, <^ui svu^iie a^irüs 1a e0ul.iuual.i0Q d'une ko//e si aelievee. »le suis ede.^) Antwort des Graven Bünau. ^lousieur! ^ O^Iileu 1 ^uillet 1746. ^e^u'a! pas voulu luan^uei' 6e Vouz tenivibrier p-ir diüvn ou trauern e c^uelc^ues liilzllodtö^ue^. ()uoi czue z'ai 6eux xer?onues emxlu^eeK 6ün.>; uiienue, je pour- roig I>ieu douner a iravJiIIei- u uue troi>;i^me ^ a tac^uelle je luc-Uini a lavenii- toutes mes soiuü. ^e 6onne a ceux-ci outre !a talzle, ou 6c»n!, nion all- seuoe 1' poui- ee!Ie-ci et le loAoruc?nt, ä I'uu 3o^ iot ljue ce!a so pou^c», eu »^(Zressaut la lei.li'e ou par Dresde ou a Viilileu, coiuptant 6e m'aric- tcr euoore c^uel^ue? .^eiuaines a oeUe terre. l'IioniTeui' 6'elre avee ke^uevup 6e cous!t.lei'aüoll Vlousieur ete. Briefe. An Büna u. y lllus drissiine (Zornes! LeliusW, I'al. IVlarc:^. 6ie lc». ^uli! 1746. I^iterN tUN die se^Umo mensis 0s)^0rt.unR rnilii red- äil.N suut. ^.d 05 o^pressi ei ad ^eetus. (üce^erain temerit.al.i jain inkensus esse ed amdi^nus, c^no vuldn susee^tN 5oreni literse, vel ^0l.ius ^ndore dejeetus s^e mea, aliud c^uidvis res^ieere eo^itavi. ^n ni- lül e^us sus^icanlenr I)easl.i adrniranda ^enitus in- llul^entia, de c^na nee c^nid eo»il.ein, ne durn elo- «jui sit., seio. ^IVon din »niino ^e^endi, c^uin, l^uod tiiust.nrn et 5e1ix esse Deus ^ube»t, rnanns dein in eonditiones. ^on renuarn Iierele in c^ueinvis me casum dare, duinrnodo eontin^ai meis Nnsis ^ende- le ex uuin illustrissimi Nns.t^etLe, inanninc^ue admc»- vere operi adeo di^nissirno. vero du^n rationein Lluäioruin viisec^lie enltnin Iinmanissiine dradere ^ju- lies, le^ein videris iniponere, eni c^ui saiis Hat, sine iNlliosa ^rolixidate non video. 1) Ilanc epislo^m, in c^ua lle vllW suse at- c^ue sludioruin raüone ulierius exp05uit, Icel^ori^us no- poi'^une cvüocul.0 non siiiiclü«: 8vluiu, sed i^sarun» ü- lcraruin nonnne !u:tLrcr. >> ' V" 22 Freundschaftliche I^itnr sie Inilzeto, ine antic^uitkitis et likerarum artiuin stntliis nullo non iern^ore cleleetasse. 1^. vit» vero Minei-va SAneiioi-idus Iiteiis noinen t^re coin^nlei-unt ii, Quorum odse^nic» lekiki^ari reli^iy inilii kuisset. I^ledicina ina^is ^lacnit. ^ou e c^lii eor^ns ssn^mvis Arneile et inocliee ^ro- eerum it.T inclniavi, ne^ata i^isi a ^uero meUuie su^ina, ut vel I)iniv ^resve liorm t^nieti suiLeiaiu? sed c^nod vi^rn iniln ^razelus^m videiein, c!etrii«i,z torte intei' clissitos »Aresl.es »cl ^aioeliiain curaridam, acls^irandi ncl coininer-eiuin enin viris civelis. Ilalum coniendi ^liino, sedulo ine exenssi: gellem ex sl.i- c!io, lzuod ernetieitdum ei-^t^ reguliere nec^nivi. In- terini re^nxit clenuo stnclinin (^lieeariiin liteiarum, »cl s^onte I^eioliui inter ^ileee^tores coin^ellalzAi'. 8ed ^»ruin in su^^etia- inin mltnum 5uit, (^lsee» .ini-o earior». Heki-ai- eani lin^uain non ne^lexi i^iiclein. ?0St liienniuw, euin dnncell^rius c/e c!e kjklivtjie- ea sua eo^it^iet, c^ule situ o^dneta ^ieel)at, inei a^nä illuin meutione i'!letki, areesseie ^ussit, et ^rolie ex^iscatnin o^ieii ^rselecit. ^uris ^endulis l^lnintula- euiic^ne ^lineijiia Intusi tnm ex ore e^jus. ^cl j»§ pu^Iicnln ine it» coni^osiii, nt cnin sio^u. larikus ^s. ?. (PaneelI.-iiii e^usclemc^ue ^//Lce//«ne/L ^na- viter eonfe:rem. (Quanta vero ciux, eum in^enÜ5 conilielai'i e^usinotli! ne f^uicl ^iavius clieani^ et tan- li ceteivssnin viti Nnni1)lis vide-'ii detr^Iiere. Inte- ^rliin seie semestre in liae sarrn^ine delitni, tanc^ew VLi-o Inibis ed tloinesUeis tiieis ine ^rori^io, et 5or- t.e soi tnna inilii inunia cilpesso a^uti 1^. c/e ^ ?i a;5ectttin e^nitum nl« L»e^0vi»v!e. ^.nnum itii coininoi^tus et Ij^er^Iiter Ini^itus u».'» eum mJ^istio lin^ii.'ii'uin et ^3- licNz c^uein z^enes ine concluetum ^a!)ej>at^ Briefe. 23 coateudi, certum^ue tnit ad niedicinarn animuni ^lienre, et ^eometiise su^liiniori in8ndare. O^era vew in ^rivadis ibidem eoniinentati0ni^>u8 ad vietnin. ^iiXrendnm derner8a vix re^irare me ^sssa est. ^uic^uid vero 8it, ^nod inde kruetn8 de^ortaverini, tol.uin id aenti88inio o liefere 5ateoi'. ^.11- ie^uun vero akitnin ^ararem, totn8 in addi8eendis illäimenl.is Italoinin et ^n^Ioinm idioinati8 fni. Le- rolinum nieditadar, et dnni ^Ia1:e in iiinere ^sesi aliquot die8, 8ati8 I.iuti8 c0ndilioniku8 invital^ar tlad- meisleliülm adiie, (c^nod v^^idnm cnrn ccenokio ^lo- melwrum et ^rM^ectura ^ee1e8i:e C.atkediali8 ^Vla^de- j)Ul-^ensis dno rnilliai ia akest La1j)ei8tadi0,) ut iilio ad- ulüori su^eiioiis ut ajunt ?^Le5ecti al) in- sUUitione essem, c^nein ineeum c^uo^ue adduxi, euni avnum et dirnidiuni ad (^onieetoris innnns in seliola 8eliu8iana evoeaier. II)i in a^ro Hadme,8le- j,ensi in eain^nin ine kistvi'icuin a1ii8 ^ostliaditis clecli, et milii sit, non inte8tatani relinc^nere eo- ram te, illnstiissime Eomes, doeti 8euiz //tt/!565 eomitatern, <^ni snlzministi'ando n!tidi8si- M08 et M?l^0i'i8 M0Ü8 eoinnien tai'ic>3 1ii8t0iie03 (^al- liei i^inml»ti8, <^N08 ?aii8Ü8, nl)i le^ato Danim re^is a5eei-eU8 i'uit, eo6mer?lt, 8i.udiuin live in8i^nitei' ^ro- movit. dl8 ^erle^i, et va8tuni in- llo voluiuen n^i8eeIIaneoi'uin con8eiij>8i. 8e1iu3N, lziiklin l>riinnni a^)^nli, 1itera8 <^icvea8 retiaetavi, un-- cle^uac^ue eon<^ni8lti8 Ii1)ri8 veterum. ^ tsuem vix de^ono rnaniI)U8, ex 8eIio1Ü8 (?ileei3 ad!ii- !)!tis conjeetnli3 iullniti8 Ioei8 emendavi et inter- ^uuxi, ut exem^lar meum in reeudendo I^oe tia^i-^ co ^oi-ta videatur a^z^uid 1uci3 a^Ieiie ^c»88e. IIi8tc>- i'ievs 0j)tiin!v nolse "/' ^t/e c?'<'>, 7^/t0),v?5) eom^aravi, et 8i in T-ecentioia L.^eul.i cxcurrendnin luit, c?/t/kc//e^ 24 Freundschaftliche alioi-um^ue nou cont-emnendas eliai'tas sedulo le^j. ^oznided, /^ e.r/cc,n ^er?g- liesse, et cjuiec^nicl in ,em esse fossil, vellit^ »urum ex stercoie eolle^isse. ^euuiiam (^oclieum et Diplom, sujz^levit, <^06?6^r Hisdoiism cuni ^)iv1e e^uesdiis ^i0S!i^i?L, eu^us uuuin ei alterum seorsim in eonlukeinio eiuciienduni zum- si, il^a ^erlrael^vi, ul. a s.-eeull) XV. visus c^ioUllie (^uinc^uennium :»ut. minus ^lo^onerem et li ^est.is In^^e^io (?e>m. iel)us omnes cl^nusUns ^eieuireiew, vaviler inculealo e^^eulo cl^ionolo^ieo et. seiierun, ed sdemm:'.t.um nolit.i^, ^cls^er^enclo nou ineon^ruiz retlexionidus, ut^ uause« et. osoit.-lnÜN consuieiew. Huie trium sleeuloi^im cleeuisui ncl l, ansäet ionem uz. tsue II1t.i^eci.ensem ^nnum im^endeie soliuis zum, ed, ud cerüs ^»inei^iiis nilei-er, Fe//^ et /'«e/L eum 6,o»c)lV/ et ^<7,nol.is «.lili genier evolvi. I^eel^io o^il-imoium poel^rum ed ^los^ieorum e (?^1Iis, It^.ilis et. Liil^nnis reli^u^s lueu^iaüooe; oeeu^Avid. pr^etere^ aUi^i ^eomel.; iam, eamc^ue, zi c^ui iue'unt, ^loeui alZuItioiem setkll.em cum pi-inci- ziiis ^1li^0S0^I,iR. Li1)1if)iliee»in I^e^ium kernlineo- sem ed ^enensem, «^uvlies jieuit., aclii, Vles^en- sem eti^m SKlis ins^nuetam ins^exi, <^uo nie eon- 1.uleiam i^38. in eonnultiis solemni^us. I^nosce veio, iUustrissime (^omes, si ac! um^ra- Ul ia ed summ« viro minus c^i«7n^ t^eseen(!i, ksiiN ta- men, cum ^uu inl.eressed jienitius noscei'e vil't.s et. Ingenium, csuamvis minudÄ si ^!0j)e nodeudur, iacle con^eci!lN(Ii ansam ^iNl>ent. z) Hanc autem no^tr^m ?)il)liot.?^eerlm DreZclk'nsein <^ ipl!ci evruin f^uuruln sikriia exem^Iniia .i^>u6 uvsei-^ i-Ucrun^ Oat.a!.«Z05. Briefe. 26 1'iigcsimum nnnurn nun« ^limuin com^ilevi. ^Innclus coi^oiis, ^»anl.uin tieri ^>ot»it,, ^enio 8ccu1i sccvuiino^ii^us cst, ncin ei^nillein ^vil?o^ ^iroesenü in- tcr in^enii», >^ni eum »IlLiins Sj>cctsi'ein, ijuo iler t'aeeie kui'e i^notnnnis consuevi, con- S!>icin!»re c>ii»vi vestimenls nicxleste tinct», ut nc>n cl>.^anliuin Iil»ni»um ora s»I>ne. <^uc>d ine- munsse cluxi, ne kronlcin scli^IiisNciiln ni^iis ^iiinnis odvolutnin, ut Lori solet a inei oi-cliuis Iioininil^uz, !>il lc !>, ut, milii sumini viii ^xo^ensiouein conciliurc voluit, canlicm rnilii sci-vct, viiesc^ue cciinniodet, von inclig- n»m !>li^»!>nclo videii tantu nomini o^ellsrn ^>rss- smissc, Vix cs^io ^audinni. 8uin etc. i) Antwort des Graven V ü nau : Wohl edler, Vielgeehrter Herr! Dahlen, den 2V.Jul. 17^8. Da mir anjezo die Zeit nicht zuläßt/ aus Deroselbe» Schreiben vom 10 Imjus in der Von Ihnen gebraueten lateinische» Sprache zu antworten/ ich aber im übrigen daraus vernommen/ daß Ihnen die iiingsthi» gemeldeten Conditionen anzunebmen gesittlig: so'habe nur so viel melden wolle»/ weil zugleich ersehen/ wie Sie anderthalb Jahr Conrcctor gewesen/ nicht aber inelden/ ob Sie dieses Amt noch bekleiden/ oder bereits niedergelegt / da es doch eine gewisse und lebenslang dauernde Station ist, ob Dero Couvenien; sein möchte/ solche gegen eine andere/ die wegen Sterbesällen doch nicht so gewiß und beständig, zu vertauschen. Ausserdem aber und wen hierunter bei Ihnen kein Bedenke» obwaltet uud Ihnen gefällig, gegen die jungstgemeldeten Cvnditiones auf ein Jahr, zur Probe, damit sowohl Sie »i i ch, als ich Dieselben ") l5 Jahres > Winckrliilan, lg. 2 26 Freundschaftliche A i! Ud c n. lNach Stcndal^ Nötheniz, den lZ Jan. j7Z0. Allerliebster Freund und Bruder! Dein sehr angenehmes Schreiben habe den Soiitag nach heil, drei Könige mit vielem Vergnügen erhalten. Die erfreuliche Nachricht von deinen Umständen hat mir und meinem lieben Verend6/>) der dich mit vieler Zärtlichkeit grüßen läßt/ eine große Zufriedenheit verursachet. Gott sei gelobet; ich freue mich gegen die Zeit/ wen ich dich sehen werde. Ich bin gesund und vergnügt: Berends deßglci- chen. Mein Herr hat stch nur vier Wochen in M- theniz ausgehalten/ und ist heute mit der Gemahlin, der Comtesse ze. nach Gotha abgereiset/ um mir dem Herzog auf dessen Einladung über gewisse Sachen zu conferiren/ und wird etwa 6 Wochen abwesend kennen lerne, zu mir in meine Bibliothek zn kommen, so wird mir solches mit Anfang des Monat Septembni ganz angenehm sein. Nötheniz, wo ich meine Bibliothek stehe» Haie/ liegt eine halbe Meile von Dresden, nn» weis, ich nicht, ob Sie naher nach Dresden haben, oder den Weg über Leipzig nehme» miiken, leztern Falls worden Sie von Leipzig aus über Wer»sdorf mir der Post gehen müßen, allwo Sie stck> erkundigen können, ob ich mich noch, so selbst noch-nicht weiß, an hiesigem, eine Stunde von da entlegene» Srte aushalte, auf welche» Fall Sie erst am hero komme» könten; weil sie aber gerade nach Dresden gehen, ist es vorher zu melden, damit im Falle noch selbst nicht allda wäre, wegen Ihrer Nufnahme das Nöthige ver> anstalten könne. Mir aller Consideratio» verharrend »> t) tDer von Winckelma» empfohlene Privatlehrer dei jungen Grave» Bünau.Z Briefe. 27 sein. BerendS und scin Grav sind zurükgeblieben. Künftigen Sommer werde ich mich vermuthlich in Mahlen aufhalten/ um mit Jhro Excellenz unsere Geschäfte in Ordnung zu bringen. Der Druk des eri?en Theils der Liklioi^licc»! Lun!>vigi>!v wird stark Mieden, und hoffet man/ noch denselben auf die Osiermesse zu liefern. Der erste Theil wird aus 2 Vol. in /<. bestehe»/ welche mit dem vollständigen Zndice an 12 Alphabet betragen könten, ohngeach- tet der Druk klein/ aber dabei sauber ist/ «Kci- v!> iZi-cKKopk, Jhro Excellenz haben/ den Verleger zu cncouragiren und das Werk zu befördern/ 500 Tbaler Vorschuß gethan. Der Minister Brühl, um in allen Stüken zu brillircn/ hat anch anfangen lassen/ einen Katalogum über seine Bibliothek zu verfertigen / der aber nur ein bloßer Nominalka- talogus ist/ nach Art der imperialifchen aus Rom. Der unsrige ist wie ei» Universalindex zu gebrauchen/ die ScriptoreS in allen möglichen Materien darin zu finden. Wir hoffen eine schöne Lieferung von neuen Werken/ die in Engeland ediret sind, durch Besorgung des preußischen Gesandten Herrn von Klinggräf zn bekommen. I» 5->cuIi->i.e c-> und in den botanischen Fächern fehlet noch manches. Ich lese izo die Iidr c v inc^eliiiavnu5, lNach Saljwcdel.) Kwtlicni^iil! 6. i Hlaii >7?i. acl Hlns.is mcns cl. in cum eis recli- io iiieniiinsse ^ossum, i^uin so Freundschaftliche et tui ^ivissim memineiim, Os>us vero köret, xiini cleses pl-ine et, remissus kilotus sim, imc> »ure» vellicet et Intus perkodiat, ut ezlumo mi>- nus »clmoveum^ expecii.im^ue <^uic<^»ic^ eessations nie» -Sri» alieni milii ilpucl amicos con tractuin cstj et inprimis üpucl (^leinovium meum pro urriiciu^i, z inter nos ßratissimis milii üuspieiis co!>1mi, Hubes coniitentem renm. Lave i-zitur nmori irieo cri- meu impinAsz. OkUcii enim tiie lanAnor, non item »kkectns, c^ui integer »e vere cx P§evc>)v c^uew- c^ue signis Iinuc! inclulliis prokatum ivi. I'.ii c^uicl »Ais <7ll/c/55!me t)uicl ?rse8ul Veneranclus? l^uicl Llia puerpera Lellingensis? 5U- /is/'atnL et Vota pro eins incolumi- täte suscss>i, utinsm solvam! I^^gie-im nec ego mi- Iii pl .ine Ilic propitisin recipiere potui, 80MNUS spes miili cleoollsvit Isenscum »Izeuncli, idil^uc a^uula, cui impensie Ilie plaue im- psr zum, uteucli. De g^mn-isii illustris in Iiac urbe prockectura non oi>1ata i^uiciem Iiactenus milii, seil laut» eiim Lpe clesignst», ex, Vc^enio, cu! plurimum mevö sa- lutis impertiss rogo, intellexisse te ereciidi. t)uiä ztütuam, non integrum est, IIIuiI enim milii 8c- Iiusss obnst»m pulveris scluzlastici tiedium, cui ta- inen c.iput llevotum ex innsta «^usclnm propensiooe Zainnsveram, nondnm excussi, cpiilzus nobiz insults^it bomo umkra suberis levior et omnium dipeclum «.lignissiinus, c^ui 8IIell <1di'cvU>Izo Interim 8^<>rtsrn ^»»üoi^m et va^> incli^nam Iivminü in»enuc>, si il-l visnni siici'it jomino ilicliil^enNssiirio, c«^ns milii j>.ir»ussim!>iii 5oII>cit!>n»i voinnts^em ausim ^roinitterc; cju.imviz nou ncgem ^Icniovem cüus , ve^»c1i-tnclo con- ilitionein, iniii, (.^aüinnukiis nn^icr socnm ^>rimi or« (liois viiis, c^usill I^onorillcc ile inc senl^iret, ^>rc>tcs- 5US 68 t. I^se totii8 e8t in Ilisloria ex clelineatione n08tra el ^er^oliencta, iniln^ue, dum ad um- liilieum ^eidneta erit, (^utalo^uin Ilistorii« Oeiinaniaz Oeneralis j^aiiter »e 8^)eeiaÜ8 Iiirisc^ue ?u1)1iei con- Leienclum deinanclavit. Oinne8 oinniuin c^uot^uot. sunt Lidlivtl^eeaiuin datalci^i peieontancli, exeuti- encli, minntillatim et, nt i^le -iit, c^uAsi s^ieulis rimaiicli 8unt, nt csniel^uid nl)ienncsue latent et Iiio llezi^eretur, siuklie! iiilis Lad, Acllrue conc^uiii ^xissid. ?ainin i^itni' vel nriuiinuin otii 8u^i- ^etit, ^^»oliini et ÄIn8!8 litancli, et ^.tticce ^oniece- r^ne dliarite8, <^uil^n8, ^uic^ni/5ia ino^8 8um, non nt X^/VV77^?-IX/ 8i1)i et a1Ü8 tjni1)N8 al'ünnnt, ii'.viclen- te8, euln ^olinz ?-/ 77^7-sv ?-t e)' L57S/?-ce atliii^am, ve8e!0. ^üiüotliecR nc)8tr:v ex IuW8e^erinni datal. tomo 2. inL'.Ane inereinentnin denno »eees.^i^ 32 Freundschaftliche ^micos in uuiveisum oinnes salvere julieo. Dno. c!e Anesekeek. Iseda oinnia et. L^usda nji^recor. ^ecsiiec) verv sine ruliore reeo,tl.iri viri vener. 8e^»rcelleri, euius in ine exdaut merNa, c^uem, c^w- dies ^lÄdii.'lln ol'im ed ^i-iclern viseie eonti^id, saludare ! ne^exi; nee un^uain d^men veil)um eurn illo com- ! mud^vi. In inendem inüii venid oftleii, euin ex col- > le^.i eius rev. indelli^eiem, is>sum inei vicleinli eu- ^>i<1um. ^.innlio te, salula illum <^uani diii^enUz- si:ne ineis veil^is, ed si c^uicl subsid nescio c^uicl o^j- Z nionis ii,coinnl0^se, ctimove. ^roesulis venerandi Ldei, etilR ed ^reei!)us ine cornlnencl^ ed ne ne^- i li^entii« reus oeinio c^esdidudus causa^ ed l eius excicl:iin, eauss^ni du. nie:irn n^e, cle^recau^o: solus euirn »7?^o//e5 te?n/i07'« »05k/. vero lieel lioo iem^>c)ie //.sv 7c«/ NT-ys-n ! iuus esse nc>n siossirn, rluimuin deinen ineuiu di!)i clevoveo. ^e^Ii^endi^ in seiideuclo ex^iü^idui- et re- lic^na suiiln le^i^ionein sanedissiine eonsei^audo. (1^- ve ied.-l^ies : odii eniin tidi ^)1us ed i'aeullatis ncl scril^en luni. V:?Ie, nii (^leiuovi, noltisc^ue ^e ali- ! c^uun^o dui vicleucli eo^iain. Nachschr. Ich habe vor etwa ,; oder c> Wochen c>n ! den Herrn Regimcntoquartiermeiiser Gold deck in Magdeburg geschrieben- und einen Briefan Herrn Fulß eingeschlossen/ worin ich denselben ersuchet / mir ^ von meinen Büchern nach Nötheniz zu nberschiken. Ich will hoffen/ daß der Brief von Magdeburg aus wird bestellet sein. Ich meinete/ man sollte die Vücbcr ^ nur an M', Lamprech t nach Heimerslebenp-ii-cott- ver^ schikeN/ der dieselben weiter befördern würde. ! Ich habe aber von diesem Menschen noch gar kein Briefe. 33 Schreiben erkalte». Machen Sie bei Gelegenheit M Herrn Doctor Udcn und der Frau Doctorin meine gehorsamste Empfehlung, und einen Gruß an alle Freunde, sonderlich an Herrn Naßbach und Fulß. Zch wünschete nur eine 2» Meilen näher zu sein: ich bin gar zu weit entfernt von allen meinen guten Freunden, welches mir um so viel peinlicher ist, da ich gewiß den Umgang mit Freunden „ach meinem Herzen höher als Ehre und Glük schäz- le. Die Briefe gehen am besten hierher über Wit- tenberg. All Uden. lNach Stendal.Z Netheniz, de» 2 März, j/52. Liebster Freund und Bruder! Acin Schreiben ist mir kaum so angenehm gewesen, als die Entschuldigung deines' Stillschweigens. Lch danke Gott mit dir, der dich in deinem Briefe segnet, er wird dir auch Kräfte verleihen. Wen ein junger Sohn der Hygiea, der »eben seiner Wissenschaft sehr viel Redlichkeit besizet, heut zu Tage, und an einem Ort, als mein liebes Vaterland ist, empor komt, das will viel sagen. Gott erhalte dich in deinem jezigen Lauf deiner Sachen, ich will gerne zufrieden sein, wen du auch nur zwei Zeilen schreibest. Ich bedaure nichts, als daß ich so entfernt von dir bin. An meine Beförderung dnikt kein Mensch, und ich kaum selbst. „Die Gelehrsamkeit (sagt jener) ist ein Ding, das die Leute unempfindlich machet." Dieses trift auch bei unserm Herrn Statthalter ein Ich denke zuweilen indessen auf etwas anderes, und weil ich glaube, daß ich schwer- sä Freundschaftliche lich zu einem ruhigen eigenen Stand kommen werde/ so werde ich mir auch ein besonder System ent- > werfen. Wer hier in Dresden gedenket an seinem Glükc zu arbeiten/ muß/ wo nicht Italien/ doch wenigstens Frankreich gesehen haben: präsupponirt, daß er plaudern kan/ und ein Air hat. Das andere hilft nicht». Die übrigen/ welche hier Gelehrte hcif- sen/ kennen nichts als Titel und Indexe der Bücher/ und daS ist auch hier für einen Gelehrten genug. Ich habe also keinen Appetit/ Bekancschaft mir hiesigen fogenanten Gelehrten zu machen: ausser daß ich dan und wan die beiden Bibliotheken in Dresden besuche. Hingegen bin ich unter die Malcr gerathen / und dieses unter Leute/ die auch sagen ttn- ! nen: /komnm -?-/«, Ein einziger solcher Maler ist mir lieber als ic> Tirel Stuzer. Ich habe die Erlaubniß erhalten/ die königliche Schildereiengalerie, so ! oft ich will/ zu frequentiren. Mit Anfang des Früh- ^ lingS werde gewiß Stunden zum Zeichnen für mich ! anSfezen. Die hiesigen CarnevalSlustbarkeiten sind ! sehr prächtig gewesen. Ein einziges Ballet, welches ! zweimal aufgeführt ist/ soll 36/000 Thaler gerostet haben/ Einige sagen noch mehr. Die Oper Adrians war prächtig. Die Liste von CompositeurS, Sängern, MusiciS und Ballettänzern und Tänzerinen in königlicher Pension/ und die noch izo agiren/ ist nach dem hiesigen Adreßkalender 176 Personen. Halb so viel, möchte ich fast sagen/ als diese Zahl ist, bekommen Pension und sind schon eximirt. DieCo- lotänzerin Mad. Andre bekomt 6000 Thaler; Zhr Man bekömt nur als ihr Man/ den er ist weder Tänzer noch MusikuS/ 3000 Thalcr.— Ich habe Herrn Roßbachen Geld geschiket/ mir ein ha!d Duzend Unterhemden machen zn lassen und mir die- ^ selben auf der Post, weil ich keine andere Gelegen- j hejt habe/ zu schiken. Ich habe ihn gebeten/ ein j Briefe. M von meinen Büchern dabei zu paken / und dich >,n dieselben zu erinnern/ nämlich 4) Lriecil ^Icli .>I,-tuu>.ii. 8. 2) pvllucis Ononiaslicuill Lmcum, und weii es fiiglich geschehen tönte/ ohne w" Paket zu vergrößern/ die griechische märkische Mmnmtik.— Ich bin unendlich froh / daß du einigermaßen zu deiner Bezahlung koiiist. Gott weiß/ jih habe oft daran gedaclit/ und mich zerhärmt. Gott vergelte dir deine Brudertreue. Ich armer Mensch! ich habe weder Befreundete noch Anverwandte mehr: M Gott erweket mir Freunde in der Noth. Das th» er künftig wiederum an deinen Kindern. Du biß mein ältester Freund / und deine Freundschaft iß so redlich allezeit gewesen/ als dein Herz; ich merke/ viel andere Freundschaften/ worauf ich ge- bauct/ sind betrüglich erfunden. Meine gehorsamste Empfehlung an deine geliebte Ehegattin/ der Gott viel Vergnügen gebe/ wie auch an deine Herren Brüder. Ich ersterbe mir ewiger Erkentlichkeit dein :e. Nachschr. Vergiß nicht die venionsrr-lüones vom Ilicoiemai,« welches vermuthlich in Wolfs Rathest in liegt/ mitzuschiken. Ich habe schon einmal darum gebeten; du wirst es vergessen haben. Gieb dir keine Mühe mit einer Rechnung. Wozu soll das? Hast du nicht mehr Vertrauen? ES widerspräche sich: ein Freund/ der mir so viel Güte miesen / sollte mich in Kleinigkeiten hintergehen? Vergiß nicht bei Gelegenheit dem Herrn Generalsu- IMiitcndent meinen Respect zu vermelden/ und entschuldige mich / ich werde ehestens an denselben schreiben. 36 Freundschaftliche An BerendS. INach Dahlen oder Eisenach.Z Dresden i» der waltherischen Handlung, den 27 März nzz^ Liebster Freund! ^sch gedachte/ dir etwas nicht wissen zu lassen, weil ich besorge/ du möchtest anfangen/ mir zu mo- ralisiren; allein ich kau es dir nicht verbergen. Ich habe eine Reise nach Potsdam gethan/ Lamprech- ten zu besuche»/ der mir durch sein unaufhörliches Schreiben keine Ruhe gelassen hat. ES sind mir drei Wochen/ weniger ein Tag/ darauf gegangen. Hch habe Wohllüste genossen / die ich nicht wieder genießen werde; ich habe Athen und Sparta in PotS> dam gesehen/ und bin mit einer anbetungsvollen Verehrung gegen den göttlichen Monarchen erfüllet. ! Von den erstaunlichen Werken/ die ich dort gesehen j habe/ und von denen du nichts weißt/ will ich mündlich mehr berichten. Ich habe aus dieser Neise, i die mir ziemlich kostbar gewesen/ dennoch einigen Nuzen gezogen/ und der ist dieser! ich bin entschlossen, mich auf einen gewissen Fuß in Rom zu sezen. Ich habe nach der Nnkkunft des HofeS aus Polen ^ den Herren Nuntium nur ein einzigeSmal gesprochen. Da eS auf das Gehalt kam/ erklärte er sich sehr undeutlich. Er gab vor/ er müßte seine ganze römische Correspondenee/ die durch die polnische Neisc in Unordnung gerathen, nachsehen/ um stükweife ans den Briefen zusammenzusuchen, wozu sich der C>ir- dinal erboten. DaS war mir gleich anfangs bedenklich. Unterdessen konte ich mit niemand davon freundschaftlich sprechen. Den vergangenen Dienstag bin ich über Witten- berg in Dresden zurük angelanget; heute werde ich Briefe. 27 M Pater Nauch gehen, und ibm meine Besorgungen eröfnen. Man möchre sonst gedenken/ ich sähe es allein als ein Gliik an, Italien zu sehen. ES i»iite sein/ daß der Cardinal sich nicht die Mühe Mme, mich zu exploriren, und glaubte etwa, ich mißte allererst dort die Rutine lernen, ehe man mich gebrauchen konte, und was dergleichen Zweifel mehr lind; die, wen sie auch ungegründet wären, jj« nicht schaden, wen ich nnr behutsam genug gehe/ und eS hier nicht verderbe. Heute als den (als heute vor acht Tagen bin ich wiederum zurükgekommen) habe ich dieses alles dem Pater vorgetragen. Den Nuntium habe ich noch nicht sprechen können: ich gebe aber nach Mtage zu ihm. Sein Seeretär aber hat mir zwei Briefe von Seiner Eminenee gezeiget, die mich betreffen. In dem lezten stehet: „daß er sich wun- ^ „dcre, warum ich nicht komme; er erwarte mich mit ^„großem Verlangen. " Er stellet dem Herrn Nun- !,»nochmals vor: „ daß ich allein in l^dessen^ Hände „Profeß thun sollte." Aeine Bedenken an den Herrn Pater waren: t) Wie es werden würde, wen der Cardinal bald mßerben sollte, welches auch geschehen könte, wen ich noch auf der Reise wäre. Antwort: „ Verlassen Sie sich auf uns, wir werden Sie nicht ver- '«lassen." 2) Wegen des Salarii. Antwort: „Darüber «bat sich Seine Eminenee nicht erkläret, allein Sie »können versichert sein, daß Sie Honnet placiret wer- ^,dcn." — Der Herr Cardinal verlangt den Ka- tiliMM der grävlichen Bibliothek in dem lezten Briefe. Mein Profeß wird in acht oder vierzehen Tagen kor sich gehen. Weil Herr Franke nach Leipzig Z8 Freundschaftliche reisen muß auf Ordre des' Herrn / und in vierzchc» Tagen returniren wird/ so muß ich so lange warten. Meine Abreise von hier ist den Dienstag vor Osicr» festgestellet. Ich umarme und küsse dich/ treu» Freund! und bin :c. Lleinovio s n c> cv ^ ? eiv W incl< eI- in ,1i> n >i s. lNach Salzwedel. Z . ?>eni^ia!, I»l XXIV lull. I^?2. V iclen' exulsse ine lanciern xmAsv kiciliccl cxcutiencliis tüixlein alii^uanclo sc>^ior et fcecl» il>z, ^uie nie oliseclit Iiactenns, clesiclig. fiiigein rcilco, amice; secl noli ex^ectsre, ut tilii nie ^ur^ein, lim leiiz frustra o^erain ^lerclere,) <^iii im^Inrancl» Im- inanito.tis tuse ^eniuin inelinz milii consulUini in creclo. Fi /Nt «!e/icta -Ano^'^e I >c/,mu». Ln! <^uid !>ßis, c/u/c/^tt»e (^estirem tc vollere »lZseitilia ^rolixiori eoma, cceruleis illis ?^iix »uk mento et ^>!>Ilio ^iirler- solituin ^rnvilei' iucs- deuteln. (^ratiilor sscro inuneri, (^Iiod c>l>is, tilzic^ue eoäem llißnissiino, <^ui ut l>lii5»s ^)ic>^>ili!i8 ex^iertus es, m Il^^ieüNi et Üuselii-Iin Iialieas o^tc>. Di^nu» ainore locii», in ssiio seclem liiere tidi oonti^i't, milii<^iie inultis noiniiiilziis memoratn iucmi- ^>c>rtuit. Z) lDieses bezicht sich auf das Schulamt i» Salzwedel, >w zu ihm Hosnung -icniackt war? welches er aber nicht w hielt. Biographie S. XXV.) Briefe. 39 n^il. ven. Kol-Ilius? reetene viliilne .in^^lius InenI)i"U,ionnrn,/! exiie iu^)e- j)jt? I1U ue ^i.iveie odseuri iioiniliis s>Iu»imum 8alu- jm^eiNie, o/Iici^c^ne ij)si mea c^nanl.u.l3eun^ne z^ionäere, ui, si lznid mczIiaUir, in c^no siki ex Lililio- tiieca Runaviana ei. Dre8(1en8i^n8 lucis alic^uid »tlnndi ^iul.et, manclet ^aral.0 ex8e^ui. (^uit.1 8e^0lltus rernrn, ott/us /)«//«,6 ^uonclain? 05^/)5,!ce? anl. 8! l^6L- cüll,' crl/te^ea^ kiic i^)8nm N08l.ri rnernini88e, precando i^8i, c^nain iij^i kld8eiil)0, in8i^nern 8alnl^en,, ul inlelli^at, niinirne eon8enui85e, 8ec1 vifere A8iu8, tum cand0r!8 ed inte- ^lilaüs rnemoriain. 8alveie ^orro in!)eo Her8i08 krat.re8, in ^onllvuin lil^erarurn cnrrienlo, eAris8ima milii ca^il^a ^,cr c»^ud I,oe inenm, c^uocl lanAv ae l.e8tor; et enm illis t) ^0^r:«^>liuni liellernin jnte^errimnm, c^ni 8a1n- t.ilu8 a me, nd e8t in ine »K'eel.n ex8n!^^it. ?ro!)e nnne 8ajn Nation ij)U8 0nei!ilnin te redclicli: Ni vero iI1i8 ^licsnid Ai-aUN tnle ^dde8; et 81 te veÜ8 uleisei, ean8.im non dieo, l^uin cleen^Io ^ravioii one- re me maete8, nt. Iinl)e^8 ti!)i nt a8innni e1il.eI1ariuni aut ud innlnln nin. ^xcei^l.0inm, <^u.'v jia!)ere c1e8idera8, vix nnurn sllemmve sil^^nlam (exee^iti8 Ii!8, <^UR itineri et jiere^nnsUoni ac! Il^^08 in8erviie ^>c>88unl) ex^edivi, e»m non ^ol^^n8 8c0^ulc) M!t^i8 Stlixn8 81 l, f^nain eAO sim (^1-^018 eodiei^n8, c^u>j)N8 Iioi'Arurn c^niec^nid 8nf- kliror 8u1?5ieivai nrn ^cieo im^endo, nt vix »clanre8 c^ni- i!em seÄl^end.i8 olinin 8u^^etAl. i//e , /), o- elc. ^Ii!n iuin t'eliei nondnn^ lieuit e88e, miln sc)?i viveie, ^Iu8i8 80Ü8 (^enioc^ne in- äul^eie ^>088!m. Freundschaftliche Lemuin til)i ^ersu^ile»» velim, neminern me wi m.igis 8tuclic-sum esse, c^ui te lestim» et clili^o, »x» tuum .ilkeetum »uro »Ilo conti-k» caium li»t>eaii>. V»Ie, ?. 8. 8i comnicolo tuo Leii ^loterit, Sülnts milii ven. ^I!>nc1cl»Iein il>enii> ^uoixlain et. nmieum, cui znliil ncin l>onc>rum ex »nimc> «^>^>>0001'. lVee ins.ilu- tat»s »keilt (ne c>l>Iiviscaris) civis et sutor, zj tilzi ianotuit. An BerendS. lNach Dahlc» oder Eiftnach.Z Dresden, den 8 Dec. t7ZZ. Liebster Freund und Bruder! ^eiii angenehmes Schreiben hat mich sehr bestürzt gemaehet. Ich schreibe deßhalben sogleich aus der Stelle in Dresden/ da ich eben dein Schreiben erhalten habe. Meine Sacke ist nicht weiter gekommen/ als wie sie vor der Abreise des HofeS war; ausser daß ich auS Grodno vom 2>i October/ an eben dem Tage/ da der Reichstag zerrissen worden, vo» dem Herrn Pater Rauch ein Schreiben erhalte», darin er mir berichtet, „ daß nach Briefen auS Nom „die Sache so gut als gewiß sei/" oder mit seine» eignen Worten/ so viel ich mich cntstnne: »t »°- gotium evilkectlim dici ^ossit, Das heißt so viel gesagt : ich sollte nur nicht ungeduldig werden; welches des Herrn Nuntius Sorge ist/ wie er mir vielmals zu verstehen gegeben. Wie tönte ich also darnach die geringsten MesureS nehmen/ oder gar davon redeu, ES kan noch viel dazwischen kommen, wen sonderlich die ConditioneS nicht annehmlich sind. Du kanst hautement sagen/ daß der Herr/ der Briefe. sich vorgeschlagen/ schlecht berichtet sei.^) Weil eS aber doch heissen würde/ die Sache müßte ciiügen Grund haben, so kaiist du ja nur sagen/ daß man dergleichen schließen möchte aus einigen Adresse»/ die ich mir gemachet/ um einen freien Zutritt zur königlichen Galerie zu bekommen. Man müßte daraus sogleich eine ungegründete Folgerung gezogen haben. Ich habe dieselbe/ so wie sie irgend ein königlicher Hofmaler hat/ und noch besser/ da mir erlaubt ist/ allezeit zur geheimen Thüre hinaufzukommen/ in deSZnspectorS^) wvrmem Kabinet zu sizeii/ bei welchem ich verschiedentlich gegessen/ und zu Tische kommen kaii/ wan ich will. Zch freue mich/ daß ich vielleicht das Glük haben könre/ dich und den Herrn Graven herumzuführen: ich selbst/ und kein Fremder. Suche ihm eine Kcntniß von Künstlern beizubringen; ich will dir dazu schikcN/ was du nöthig hast/ damit er und du davon profitiren könnest. Ich bin mit den größten Maler»/ sowohl Italienern als Deutsche»/ bekant! man verstchert/ daß diese Galerie ihresgleichen nicht habe/ und dieses' aus beigebrachten Gründen. Du töntest auch sage«/ ich hatte den Herrn Pater Nauch auf der Galerie und bei dem Herrn Inspektor Niedel/ wohin er komt, weil sie bisher in einem Hause logiret/ kennen lernen/ und sei ein paarmal zu ihm gegangen; wobei du seinen Charakter machen lanst so nimable als du willst. Er ist eS werth; den diese Bekantschaft kan mich 1) lEs geht aus diesen« Briefe an Berends und jenen vom l j Jan. 175.4/ V. 2? Dee, 1754 und v. ZI Jan. I7Z5 hervor, daß sich bei dem Graven Bünau jemand für die Stelle Winekclnians angetragen hat. In den zwei zulezr angeführten Briefen wird ein Neapolitaner aus Bianconis Haust, ein E rz w indbeute I, als Bewerber genant,^ 2) »Riedes Freundschaftliche bei dem Herrn nicht vräjudieire»/ ist auch keine Folge unter Gelehrten daraus zu ziehen. Hat doch Mr. Grummert Bekantschaft mit der Königin Beichtvater. ES wird auch wohl nöthig sein/ diese Adresse bei dem Herrn Pater nicht zu verschweigen/ weil vielleicht der Herr/ der sich gemeldet/ von meine» Absichten könte Nachricht eingezogen habe,,/ so geheim ich cS auch halte/ und um meine Veränderung dem Herrn Graven glaublich zu machen/ dieses zugleich cntdekt. Schreibe sogleich zuruk; aber'erkundige doch/wer der Mensch ist. Der Herr sagt es vielleicht selbste». — Meine Bekantschaft ist ausser Malern und Kupferstechern noch sehr klein in Dresden/ nnd ich vermuthe/ daß eS ein Bekaiiter sein müße. Der Abend übereilet mich. Schreibe mir ja/ wer es ist, Lebe wohl und vergnügt. Ich ersterbe ?c. An VerendS. lNach Dahle» oder Eisenach, Z Nöthenij, de» ü Ja». 475Z. Einziger Freund nnd Bruder! Niemals ist mir ein Brief saurer als dieser geworden. Ich befürchte endlich/ nach so vielfältigem Widerrathe»/ deinen Zorn und Ungnade/ theuerster aller Freunde! Du hast mir gerathen/ als ein Freund / als ein Vater seinem Kinde rathen kan. Deine Gründe, die dir ein .Her; voll Zärtlichkeit/ voll wahrer Treue dictiret/ haben mich mehr/ als mir selbst lieb war, überzeuget/ daß meine Veränderung sehr besorglich sei. Gott ist mein Zenge/ wie sehr mich die Eruinc- Briefe. rung/ meines Herrn Gnade auf immer zu verscherze,,/ martert. Erinnere dich aber izo/ mein Bruder, daß du es an keiner Vorstellung gesparet/ mich in Scehauseir zu behalten; es war fast nicht weniger gewagt/ als „ach Nom zu gehen. Ich war mir selbst nicht un- betaut; ich wußte/ ich hatte nichtS/ was großen Herren gefallen köüte; sol.i viitulc.-»msuis ging ich zuversichtlich aus meinem Vaterlande. Gott ließ mich Gnade vor den Augen meines Herrn finden. Ich gebe mich gern einer Liebe zur Veränderung schuld/ die du mir nur gar zu oft in allen deinen Briefen vorwirfst. NuII»m INÜ^NUM in^enim» 5)— und dlis ist nur allzu wal>r. (llluck mttAnu?» 5>i!rl>scini clixc- lim, »ec milii ai-nogem!) Man muß die gemeine Bahn verlassen/ sich zu erheben. Die Weifen des Altertums durchzogen unzählige Länder/ Wissenschaften zu suchen. Mein Schaz! du weißt/ daß ich allen PlaisirS abgesaget/ und daß ich allein Wahrheit und Wissenschaft gesuchet. Du weißt/ wie sauer es mir geworden: durch Mangel und Armuth/ durch Mühe und Noth habe ich mir müßen Bahn machen. Fast in allem bin ich mein eigener Führer gewesen. Die Liebe zu den Wissenschaften ist es/ und die allein/ welche mich bewegen könne,!/ dem mir gethanen Anschlag Gehör zu geben. ES ist meiu Unglük/ daß ich nicht an einem großen Ort geboren bin/ wo ich Erziehung und Gelegenheit baben können/ meiner Neigung zu folgen und mich zu formtreu. Dieses lezte fehlet mir/ nebst der Fertigkeit/ mich in ein paar fremden Sprachen gut auszudrü- Dsliio VIUNUI'A 6en»en>!ic.I Frelmdschafyichc ken. Kan cS aber ohne Umgang mit Mensche» »ich ausser der Arand moiille erhallen werden? Du würdest dazu nicht Rom zuerst wählen, und ich vielleicht auch nicht/ wen ich meinem Triebe wi- verstehen könte. Gott und die Natur haben wollen einen Maler/ einen großen Maler aus mir machen: und beiden zum Troz. sollte ich ein Pfarrer werden. Nunmehr ist Pfarrer und Maler an mir verdorben. Allein mein ganzes' Herz hänget an der Kentniß dcr Malerei und Altertümer/ die ich durch fertigere Zeichnungen gründlicher machen muß. Hätte ich noch das Feuer oder vielmelir die Munterkeit/ die ich durch ein heftiges Studiren verloren/ ich würde weiter in der Kunst gehen. Nnnmehro habe ich nichts vor mir/ worinen ich mich hervorthun könte/ als die griechische Literatur. Ich finde keinen Ort als Rom geschiktcr/ dieselbe weiter/ und wen es sein könte/ auf s Höchste zu treiben. Es ist bei allem diesem nicht auf Bewirkung eines scheinbaren größeren GlükS angesehen- Zch wollte nach ein paar Jahren meiner Pilgrini- schast mit unendlichem Vergnügen meine izige Station wiederum antreten. Ich würde mich alsdaii in gewissen Vorzügen/ die ich erlanget (den man muß sich doch durch etwaS/ das in die Augen fällt/ erheben) beruhigen/ und/ waS sonst den gemeinen Wahn dcr Menschenkinder beunrubiget/ »>e halten. Die Gnade des Herrn wird bei mir ein ewiges Denkmal bleiben. Du kanst dir aber wohl einbilden/ daß der Antrag des Paters Rauch nicht sin- concUuone z,»- yu» non geschehen. Das ist dcr wichtigste Punkt. Eusebie und die Musen sind hier sebr smi- tig bei mir: aber die Partei dcr lezten ist stärker. Die Vernunft/ die das Gegentheil in solchem Falle Briefe. thun sollte/ tritt derselben bei. Sie ist bei mir der Meinung/ man könne aus Liebe zu den Wissenschaften über etliche theatralische Gaukeleien hinsehen; der wahre Gottesdienst sei allenthalben nur bei wenigen AuSerwählten in allen Kirchen zu suchen. Ich will hier die Stimme der Vernunft unterbrechen; ich will hernach sagen/ was ich selbst gedenke. Du wirst mich/ glaube ich/ wohl verstehen: ich habe nicht das Herz/ deutlicher zu rede»/ ohne deinen Unwillen zu erregen. Hast du das Herz/ es seiner Excellenz vorzutragen/ so muß eS alles' geradezu geschehen. Ich wünschte dir die Minerva in der Gestalt deS MentorS/ zu der du wie Telemach beim Homer sagen töntest: „Mentor! wie bringe ich eS „an? wie rede ich ihn an?" Sage ihm/ was ich dir geschrieben habe. Die Wahrheit soll leben/ wie er sie auch anhören möchte. Ich glaube/ daß ich weder Gott noch Menschen betrügen zu wollen scheinen könte/ ich mag mich gegen die coiicli«,ionem sine selben hat uns der Schöpfer die Vernunft zur Füh- rerin gegeben; wir würden / wie P haethou / Zügel und Bahn ohne dieselbe verlieren. Pflichte»/ welche aus diesem Principio fließe», vereinigen alle Menschen in eine Familie zusammen. Hierin bestand bis auf Mosen Gesez und Propheten. Die folgenden göttlichen Offenbarungen erhalten ihre Überzeugung nicht durch den todten Buchstaben/ sondern durch göttliche Rührungen/ die ich / wie vielen Gläubigen geschehe»/ billiz auch an mir in stiller Anbetung erwarte. Da hast du mein wiederholtes Glaubensbekciit- »iß. Man kan nicht lciugne»/ daß gewisse andere Kd- liegenheiten/ wodurch sich Menschen in viele Haus« sondern/ Heuchler zu mache» sähig sind/ ne ^uiä vius clicsm. Ich habe rechtschaffen und seit meinen akademischen Jahren/ wie du weißt, unsträflich (menschlich zu reden) gewandelt. Ich bin treu gewesen ohne Absichten; ich habe gearbeitet ohne Schein einer Gefälligkeit: Gott hat mir Leben und Gedeihe» gegeben. Ich habe mein Gewissen rei» gehalten; wie sollte ich es' verlezen/ wen mich jemand, der mich befördern will/ nöthiget, ihm und seinen GlanbenSgciW sen Im Dingen^ die in göttlicher Offcnbaruiig M Briefe. gegründet und/ aber die auch selbige nicht umstoße»/ beizupflichten? Ich glaube/ ich wurde eben so wenig findigen / als es ein Professor zu Wittenberg zu thu» glaubet/ der die ?orm»l->m Lc>ncoi<1i»! unterschreibet/ ohne sie gelesen zu habe»/ oder ^Verspricht/Z darauf sterben zu wollen. Er thut eS/ Professor zu werden/ »nd rröstet sich mit seiner Reservation. Meine Be- AgungSgründe sind noch edler und uneigennüziger. Wie müßte man thun, wen man ein Komödiant geworden wäre? eine Profession/ die man bei zunehmenden Jahren verdamme» würde/ und dieselbe um's Brod nicht verlassen könte. Ich müßte gedenke»/ ich hätte oder erhielte so viel Gcschik/ ein paar Jahre eine lächerliche Person zu spielen. Gliiklich wäre ich/ wen ich könte und dürfte/ mich/ so wie ich geschrieben und was ich sonst noch gedenke/ gegen den Herrn erklären. Ich glaube/ er würde mich nach seiner Menschenliebe wenigstens ertragen können. Bisher habe ich nicht eigentlich gewußt/ was eS in Nom werden würde. Nunmehro ist mir'S eröfnet/ mir wird angst und bange. Mei» Trieb/ Freundschaft und Dankbarkeit sind in mir grausam wider einander empört. Oft verwerfe ich/ was ich verlanget; dan verlange ich wieder/ was ich verwarf. Lch bin in großer Unruhe. Die Sache ist zu weit gekommen. Freund! den meine Seele liebt/ du hast gefeblet: ich bin ohne Freund gewesen/ dem ich mich vertraue» können. Was ist zu thun? jsct» Man hat mir die Stelle eines Bibliothecarii bei dem Cardinal Passionei angetragen; er hat meine t) e^k n/ea,' «I/Mc! So sagte Cäsar/ als er mit seinem Heer über dem Rubieon, die Gränze seiner Provinz, gegen Rom schritt. Sni-ton. >u c-es> c. ?2> klutarc!» ia r. Z2. 35^1 Freundschaftliche griechische Hand gesehen/ die man vor einiger Zeit, ich wußte nicht wozu/ verlanget. Sie hat ihm gefallen/ und er hat dem Herrn Nuntius geschrieben, Meine Reisegelder svll ich hier erhalten. Von der Religion hat man mit mir/ doch nur weitläustig/gesprochen; ich muß bekennen/ ich habe keine» Widerwillen merken lassen. Man gibt mir den Rath/ vor dem Frühling zu reisen/ wegen der terriblen Wege in Wälschland um diese Zeit. Der Cardinal Passion ei ist ein alter Herr; er ist A. ^682 geboren. Weil er stirbt/ und es ge-> füllt mir nicht länger/ so komme ich heraus. Den lezten Entschluß werde ich nach deiner Antwort fassen. Meine Arbeit ist mehrentheils geendigt: ich weiche nicht vor der Endigung derselben; ich habe nachzutragen/ und ich glaube/ daß sie gefallen wird. Sehen aber mnß ich dich. Wen Seine Excel- > lenz mich noch sehen könten und wollten/ so wM' ich den Umweg nicht achten/ um mich wenigstens acht Tage noch mit dir zu lezen/ und Rechnung m ! meiner Zeit abzulegen. Ich wurde von meiner Arbeit/ ans Beseul des Herrn/ beträchtliche Stüre mitbringen. Das ganze Werk ist zu groß / es ist ein ganzer Schiebkarren voll. Die Scrivtores der ssschen Geschichte allein machen etliche achtzig Bs> gen aus. Mich verlanget mehr als jemals nach deiner Antwort/ welche ich mit bebenden Knochen erbrcchcn werde. Lebe wohl! Ich ersterbe ?c. Briefe. An BevendS. Mach Eiscnach.1 Nvtheniz, dc» N Jan. t75Z. Liebster Freund und Bruder! ^)icr überschike ich etwas von meinen Gedanken über die königliche Galerie. Ich habe eS an deinen lieben Herrn Graven gerichtet, und auf ihn eingerichtet. Dn wirst in einem Briefe/ welchen ich in diesem Anfsaz besonders an dich eingeleget/ auf dem lezten Blatte desselben/ mehr davon finden. Lies nur diesen Brief erst, und hernach die Beschreibung der Galerie. Wen du meinest/ daß es mochte gut aufgenommen werden, so nim deinen Brief heraus'/ sigle diese geschriebene Sache wieder zu/ und übergieb es dem jungen Herrn Graven. Der Pater Nauch hat mir nach seiner Rükkunst angedeutet/ daß der Cardin«! Passionei dem Herrn Nuntius / welcher diese Woche erwartet wird aus Polen/ geschrieben/ daß er mich nach Rom abfchi- km sollte/ doch mit dem Beding/ daß ich vorher Profeß thäte. Er sal>e/ daß ich über dieses Wort ßu;ig wurde/ so gut ich mich zu fassen gedachte/ und »klärte sich/ daß es ganz insgeheim/ nnd in die Hiinde des Nuntii und in dessen Kabinet geschehen sollte. Ich kan belheureu/ daß ich niemals mit so großer Unruhe als damals aus Dresden gegangen bin. Meine Abreise soll noch vor dem Frühling geschehen/ weil man mir nicht rathen will/ um diese Zeit/ noch Weniger im Sommer/ in Wälschland zu reisen. Nun höre und merke aufmeine Neben! Ich bin Willens ein 20 ReichSthaler nicht anzusehen und über Eisenach zu reisen/ um mich mit dir ein Mr Wochen zu lezeii/ und dem Herrn von meiner Winckclmaü. to. 3 L0 Freundschaftliche Arbeit/ wovon ich beträchtliche Stüke auf meine Kosten mitbringen will/ Rechnung abzulegen. Vierzehen Tage bei dir in Eisenach werde» mir »ingenehmer sein/ als vier Wochen hier. Nun höre: ich wollte den Herrn nicht gerne hintergehen, da er doch hinter die Wahrheit kommen würde/ sollte es auch durch den Nuntium selbst ge< schehen/ den er kent. ES würde dir aber ein schwerer Vortrag sein, ihm die Sache/ wie sie ist, zu eröfnen. Ich bin daher auf die Gedanken gekommen, ihm meine Meinung indirekte selbst zu eröfnen, weil ich nicht glaube/ daß er Geduld hätte/ es alles zu höre»/ oder ausser seiner Fassung kommen möchte. In dem andern Briefe habe ich meine Meinung, wie es mir um's Herze ist/ geschrieben; worin alles, auch die künftigen Absichten / weil man nichl weiß/ wie eS gelingen möchte/ wahr sind. Wen ich nun vorher des Herrn Nuutii völlige Erklärung geboret/ und wegen der Bestallung und Reisegelder Richtigkeit sehe, welches ich dir umständlich melden werde, alsden solltest du dein Herrn Gra- ven ganz weitläuftig eine Erösnung davon mache», ^ und ihm/ um dich zu debarrassire«/ deinen Brief zeigen/ damit er die Sache in Ruhe und Fassung überdenken könne. Ich habe ihn auf's heutige Darum eingerichtet, und du töntest sage», daß du denselben schon um diese Zeit bekommen, aber noch bei dir an> > gestanden, sihn^I zu eröfnen. Überlege alle Worte in demselben/ und was dn Anstößiges stndest/ das schreibe mir. Dieser Briefwechsel/ welcher stark gehen dürfte/ soll auf meine Kosten geschehen. Bezahle du keinen Brief. Esisi meine Sache/ und wen ich dich nicht hätte, ich wüßte nicht, wie ich mir rathen sollte. Mit keiner Seele kan ich es überlegen. Briefe. Ich habe geglaubt/ daß der Herr kein Sternorthodox sei/ und daß er dir/ da du in solcher Admis- ß?n stehest/ sich einigermaßen dceoiivriren möchte. Ich M nicht geglanbet/ daß ich ihm ein Abscheu wegen meiner Meinung werden würde. Ich hätte mich ordentlicher »och gefasset/ allein er möchte es merken/ daß er aufgesezt sei/ ihm den Brief j„ communiciren. Ich wollte aber auch gerne/ daß er alleS/ was ich geschrieben/ möchte geheim halten. Deil/ wen sollte dem Nuntio bekant werde»/ daß ich keine Religion Me,l) möchte »lan mir in Rom gar zu gern aufdie Finger sehend) Ferner wollte ich gerne / daß es dcn Namen hätte/ daß ich auf königliche Kosten rci- srtt/ damit es einen bessern und gerechtem Schein/ hier sowohl als in der Mark/ hätte. ES ist der kühnste Schritt/ den ich in meinem Lckn gethan/ und ich thu eine Reise/ die/ so völlig me ich/ vielleicht keiner der theuren Märker in zwei KmliS gethan. Wen ich so gliiklich wäre/ daß es alles mit des Mn gnädige»! Gefallen/ oder wenigstens Nachsicht >»>d Connivenz geschähe/ ich würde so zeitig reisen/ ich noch länger köiite bei dir sein. Die ganze Sache von Glafeyeii/ dem Schmie- rax, komt von DreSlers seinem Abzüge her. Vlafey hat Loch mannen darum gefraget/ und Franke hat es' lange vorher gewußt. Hätte er mir'S I) Was heißt: keine positive Religion; den daß er Religion habe, zeigt er in Worten und Handlungen genug- sam.Z -! söhne Zweifel irrte sich W i n ckel in an hierin: man sieht dort lieber keine Religion als eine>/ die dem römischen Interesse zuwider ist; nur muß man es nicht öffentlich ausrufen/ daß man keine Religion habe.Z LZ Freundschaftliche gesagt/ hätte man den Herrn nicht hintergehen dürfen. Glafey muß also niemand haben namhaft gemacht. Die Galerie sollst du so oft/ und ohne Heller und Pfennig/ sehen/ als du willst/ nach meiner Abreise: das will ich alles ausmachen. Den Zutritt zum Pater will ich dir auch eröfnen/ wen du sicher bist. „ Überlege alles wohl und schreibe mir ohne Anstand, und ohne deine Kosten/ deine Gedanken von jene!» Briefe/ von der ganzen Sache/ und wie dir meine Arbeit gefallen. ES sind mehrentheilS eigene Ersah- , rungen/ die ich wohl geprüfet habe. Sei vergnüg und lebe wohl. Ich ersterbe ;e. Nachfchr. Ich habe etwas aufgesezet von der G al erie d er S chil d er e ie u i n D reSd e n/ zuei- ner Anleitung deS jungen Herrn Graven. Meinest du, daß er Geschmak daran finden möchte/ so übergiebeSilM. Aber mache es nicht gemein/ wegen einiger Urtheile über Stüke in der katholischen Kirche. Ein Maler von Metier ist wie ein MustkuS / wo man ihn in seiner Kunst angreift/ eine rächende Creatur. Du kaiist darnach die Leben der Maler il« vorlesen. ES hat mich nicht wenig Mühe gekostet/ einen Zutritt/ und zwar mit einer Freiheit zu bekommen/ daß ich allenthalben allein/ auch an Tagen, wo niemand zugelassen wurde/ z. E. des ContaO, an katholischen Festtage»/ Galatagen :e. die Galerie habe frequenciren können. Dies hat mich verhindert/ nur ein einzigeSmal eine Promenade in Dresden zu genießen. Ich bin etwa alle vierzehen oder acht Tage nach Tische bingelaufen/ oder früh und ze> gen Tische wieder heraus'. t) lMan sehe den Nr. v. Z Dec. 1752, und ZS Dcc. !7Zö>I Briefe. ,53 Der größte Theil der Stüke/ die ich namhaft gemacht habe/ hängen in der innern Galerie/ worüber M Quarienti ans Modeiia gesezt ist. Ich werde/ wen es sein kan/ den zweiten Abschnitt gegen Ostern fertig machen. Ich ersterbe -c. Nachfchr. Dn mußt auch wissen/ daß ich diesen Winter mein Hebräisch wieder in Schwung gebracht habe. An Verend 6. l^Nach Eiscnach.Z Nöthcni» u> Dresden/ den 2S Jan. 57SZ. Liebster Freund und Bruder! kan deinen Brief nicht erwarten; ich muß dir dmchten/ daß die Cache nunmehro ihre Richtigkeit h «t. Ich gehe zu Seiner Eminence/ dem Herrn Car- iiml Passionei/ als BibliothekariuS; er hat sich «i meine griechische Hand verliebet/ und meine grie- ^chische Wissenschaft/ die ihm geriihmet worden / hat mir dessen Achtung erworben. Seine Excellence der Herr Nuntius versichern mir/ daß ich sehr gut stehen Wrde. Die Reisekosten bekomme ich hier. Nunmehro ist es Zeit/ daß du eS Seiner Excellence vorträgst. Mir wird angst und bange um'S herz/ weil ich daran gedenke; du wirst eS ungerne thun: ich glaube es; ich auch. Ich will es ein oder zwei Jahre versuchen/ gehet mr'S nicht nach Wunsch/ so bin ich so gut als vorher. Also drüke nur los. Den wen ich darf und soll nnch Eisenach kommen/ so muß ich schon von iicr um die Mitte des Märzes wegreisen/ so daß ich ml dem Anfang deS April»/ ehe der hohe Frühling ilcht eintritt/ in Italien bin. Freundschaftliche Nunmehro hilft kein Aufschub/ die Sache» sind nun einmal in Gang gebracht und müßen cui>cni° rot!> zu Ende. Ich arbeite aus allen Kräfte»/ meine Arbeit völlig zu enden. Es ist ein ganzer Schiebkarren voll, und ich glaube/ daß ich meiner Pflicht ein Genüge gethan zu haben werde scheinen können. — So weit in Nötheniz. Ich bin heute nach Dresden gegangen / um eine» Brief von dir zu holen/ habe aber nichts gefunden. ES sei unterdessen wie es wolle / und was du auch schreiben magst/ es ist zu spät. estU) ^ Viicle nos rstio vocst, velü tlsncla suiil. Wen ich an den gnädigen Herrn gedenke/ von dem ich so viele Gnade genossen/ so wird mir freilich angst und wehe. Allein es sei genug hiermit. Ich sehne mich/ dich zu sehen und zu küssen/ und ersterbe?c. Nachschr. Säume nicht/ zu antworten. Golt weiß eS/ wie angst mir ist/ deinen Brief zu erbrechen. Vielleicht komt noch heute einer an. Warte auf weiter keine Resolution. Zl n Ude n. lNach Stcndal. Z Nöthe»!»/ den Z0 Jan.l75Z. Liebster Freund und Bruder! Ach will zu Gott hoffe»/ daß du dich nebst deiner sehr werthgcschäzten Frau Liebsten und kleinen Familie bei allem erwünschten Wohlsein befindest. Ich bin/ Gott Lob/ gesund und vergnügt. t) lMan sehe oben S.-i7. Nvte.ü Briefe. 66 Endlich ist cs mit mciucr Reise in fremde Länder zu Stande gekommen. Ich habe einen Weg durch einen großen Minister gefunden , und Se. Maj. haben mir gnädigst accordirt/ auf königliche Kosten mic Reise in fremde Länder/ und vornehmlich nach Wälschland zu thun. Ich glaube nicht / daß etwas könne dazwischen kommen/ als eines großen ManneS Tod. Ich werde mich so einrichten/ daß ich vor dem hohen Frühling entweder nach Venedig oder nach Bologna komme/ und also werde ich etwa um die Mitte des Mär; von hier aufbrechen. Die Hauptabsicht gehet auf Rom/ wo ich mich wenigstens ein Jahr aushalten werde: und zwar mit Versicherung meiner Gewissensfreiheit. Meine Hauptrecommendationsschreiben werden alt den Cardinal Albani und Cardinal Passion ei/ ?w - LiI>Iic>l1iLc»rio I?!k>I, V-iUcan.-«, gerichtet werden. Der lezte ist einer von den gelehrtesten Männern und vcrsuchtcsten Staatsleuten und besizet selbst eine Bibliothek/ die an Privatbibliotheken in Italien nicht ihresgleichen hat. Ich wünschete nichts mehr/ als dich noch zu küssen; allein Zeit und Umstände erlauben cs nicht. Das Ziel meiner Wünsche habe ich zwar/ und durch mich selbst/ wie bei meiner Veränderung hierher geschehe»/ erreichet; allein ich werde mit schwerem Herzen reisen. Ich kan nicht läugnen/ daß man vielleicht eine gewisse Absicht mit mir in Rom zu erreichen gedenket: ich verlasse mich aber auf die Versicherung und auf meine Pension. Man pfleget sonst insgemein über Wien und von da, wo die ordinären Posten aufbore»/ mit der Erträgst zu gehe»/ welches eine Depense ist, von hier A6 »ach Rom, auf 100 Dueaten. Es ist mir srei- S-fiellet; ich werde aber über Augsburg und von da 36 Freundschaftliche mit den Vetturini gehen, wo man nicht geschnellet wird. Man bedinget Kracht und Kost in eins. Ich glaube/ daß ich zu einer Reise nach Wälsch- land in allerband Absichten so gut als ein Mensch vorbereitet bin: und hoffe, wen ich gesund bleibe, wie ich es izo bin, davon nach aller Möglichkeit zu profitiren. Meine Equipage zur Reise wird vornehmlich in Wäsche bestehen. Den alles Leinengeräthe ist dort theuer. Mit feinem weissen Zeuge und Cannesas bin ich hinlänglich versorgt. Nur Unterhemden brauche ich noch. Ich habe etwas Geld an Herrn Raßbach geschikt. Sollte die Frau Doctorin Hochedclgcboren etwa Nachricht zu einem guten Kauf wissen, so ersuche dieselbe gehorsamst, Herrn Raßbach davon Nachricht zu geben. Die Elle -> 6 Gr. wie die vorige gewesen. Ich weiß nicht, ob mm in solcher kurzen Frist aus meinen übrigen wenigen Sachen noch ein paar Thälerchen herausbringen könte. Ist eS nicht möglich, (den ich will weder dem Herrn Bruder, noch sonst jemand Mühe verm> fachen,) so bin ich es auch zufrieden. Ich muß nun freilich wie auf ewig Abschied nehmen. Den die Alpen sind nicht leicht überstiegen. Ich suche kein Glük in Rom zu machen, das weiß Gott der Allmächtige! und ich würde nichts über das Vergnügen haben, wen ich meine Freunde im Vaterlande nach meinen Wallfahrten im Wohlstande wieder sehen könte. An Nachricht von meinen Umständen werde ich eS nicht ermangeln lassen. Meine Briefe werden mit Sachen der Nuneiatnr bis Dresden gehen können, und ich werde dieselbe» hier dnrch gute Freunde weiter besorgen lassen. Gott walte über dir mit Gnade und Segen: er fördere das Werk deiner Hände; er mache dich stark, zu helfen den Kranken und Elenden. Du warst Briefe. mein Freund/ der beste Freund auf Erden: das mrst du bleiben/ wie ich. Das vergelte dir Gott. Du hast mir viel Liebe erzeiget/ ich habe nicht ohne Riibrung daran gedenken können. Auf Widerver« gcltung kan ich nicht gedenken. Mein Herz wird mich an dem entlegensten Orte meiner Verpflichtung cnnnern. — Vielleicht kan ich noch einmal vor meiner Abreise schreiben. Ich erwarte ein paar Zeilen von dir und ersterbe -e. An B e r e n d S. sNach Eisenach.Z Nötheniz u. Dresden, den 2l Febr. i?5Z. Einziger und theuerster Freund! Niemals in meinem Leben ist mir ein vergnügter Schreiben als das heutige von dir eingelaufen. Ich bin ganz ausser mir. Mein Herr wird mir durch seine Erklärung größer/ als er mir gewesen; und die liebe erleuchtete Grävin— Gott gebe ihr viel Segen und Leben! Das hätte ich nicht gedacht, daß man so frei und so vernünftig denken würde. Denke du an mich/ ich halte mein Wort: einen so gnädigen Herrn lasse ich nicht. Stand und Ehre ist nichts' bei mir: Ruhe und.Freiheit sind die größten Euter. So weit bin ich weise geworden, daß ich sie zu schäzen weiß. Der gnädige Herr! ich wollte seine Fußstapsen küssen. Preise Gott mit mir/ lieb- t) lES scheint/ das, der Gr>N' sich erklärt habe, Winckel- maü in seinem zu »erhoffenden Gliike keineswegs zu hindern, so gern er ihn auch bei sich behielte.) L« Freundschaftliche ster Freund! Gott friste dem Herr» Leben und Tage! ich will ihm dienen mit Leib und Leben. Gott/ der mich prüfet und erforschet, weiß/ daß ich schreibe, wie ich gedenke. Nur muß ich alsdan niemand Unterthan sein, wie ich bisher gewesen. Bisher aber habe ich den Pelz noch nicht gewendet. Allein es ist couclnio »ine nc>n. Seine Excellence der Herr Nuntius haben mir zu verstehen gegeben, daß es Seine Eminenee nicht allein verlangten, (vermuthlich aus Mißtrauen wegen der Reisegelder, dazu er sich doch nicht hat verstehen wollen, wie man mir weiß machen wollen; den der Hm Nuntius' sagt ausdrüklich, daß er und der Herr Pater Rauch dafür stünden, und es mir gäben;) sondern daß es mir auch niizlich sein würde, (Gott weiß, wie wenig mich der Nuzen rühret!) wen ich in seine Hände Profeß thäte; wen etwan Seine Eminenee und Seine Heiligkeit (lache nur nicht!) mit Tode abgingen, so würde darauf bei der Veränderung im römischen Stuhl sehr gesehen, und cs Würde mein Glük darauf beruhen. Ich glaube, er will die Ehre haben, einen Pro- selyten zu machen! Weil ich mich nicht irre, denket er so vernünftig, wie ich. Er hat eine schöne Maitresse, die ich kenne. Morgen gehe ich nach Dresden, und werde meinen lezten Entschluß eröfnen. Ich glaube, daß ich um die Mitte des MonaU März von hier werde abgehen können. Ich werde nicht wieder schreiben; ich komme unverhoft. Die Zeit in Eisenach, die nur sehr kurz werden wird, wird mir die vergnügteste in meinem Leben sein. Ich werde dich gar nicht aus den Händen lassen. ttbergieb den Aufsaz von der Galerie, wen es dir gefällt; ich habe nicht die Zeit, den zweiten Abschnitt hinzuzuthun. Briefe. n Ich habe nunmehro meine Neise denen in Sten« iml und Seehauseii bekaiit gemachet/ und habe an deinen Bruder besonders geschrieben. Ich gebe vor/ ich reise auf königliche Kosten/ und meine Jnstruction ginge dahin/ mich wenigstens ein ganzes Jahr in Rom aufzuhalten. Vielleicht bleibt ihnen meine Veränderung geheim. Und dieses mußt du auch in Eisenach vorgeben/ damit mich Mr. Werkenthien etwa nicht verrathen kau. Gott vergelte dir's; du Host mir aus einer großen Noth geholfen. Wie ruhig werde ich nunmehro/ was noch übrig ist/ vollziehen. Alle Augenblike stehe ich auf/ und lese deinen Brief und küsse ihn. Den Sonabend war eine Person aus Eisenach hier/ der ich die Bibliothek zeigete. Ich weiß nicht/ wer er ist: er hieß/ däucht mich/ Schreber; der Herr von Fritsch hat mit ihm zu thun. Lebe wohl/ mein theurer Bruder! Ich küsse dich/ und ersterbe :e. Nachschr. Mir ist eingefallen / daß der Herr Pater Ranch dem König auf die Messe und nach Hubertsburg folgen muß, und also/ wen ich Zeit genug gewänne/ dich zu sehen in Dahlen/ bei meiner Profession nicht könte gegenwärtig sein. Ich habe ihn überraschet/ und ich befürchte/ daß er stch bestnnen wird/ und mir die Profession/ ehe ich sie durch eine Reife evi- tiren kaii/ antragen möchte. Ich soll ihn morgen als den 23 (ich habe den Briefs Tage später )atirt/ als ich ihn geschrieben) sprechen/ er will stch erkundigen lasse»/ waii Belli >) zu reisen gedenket. Wen ihm einfällt/ daß er nicht hier fein wird/ so bin ich gezwungen/ alles einzugehen/ ehe ich eS convenable für mich finde. Die wenigen Stunden find sehr decisiv für mich/ und ich kau keinen schriftlichen I) lEin Vceschnittmcr Sänger.) 60 Freundschaftliche Rath von dem Herrn erhalten. Ich merke/ ich bin nicht zu Intriguen gemacht. Wie glüklich ist der, der allezeit den geraden Weg gehen kan! Ich könte zwar vorgeben/ ich hätte die Post schon bezahlet/ und müßte also den Sonabend noth» wendig abgehen. Allein ich habe dem Pater gesagt/ daß ich wegen schlechter Situation meiner Finances mit der heimlichen Post gehen müßte/ (wie ich auch thun muß,) um zusehen/ ob er mir ein Präsent zur Reise machen wird. Allein man köiite mir auch antworten: ich müßte das bezahlte Postgeld im Stiche lassen / oder man könte sich gar erkundigen auf der Post/ ob es auch an dem sei. Ich werde mit ein paar Worten in Dresden hinzufügen/ wie ich mich heraus gewikelt, und wie ich den Coup evitirct. Wen es ohne Reisen geschehen könte, wäre es mir sehr lieb. — Zzo höre ich/ das' der Nuntius meine Reift contremandirt. Der Pater Rauch ist zufrieden, daß es soll anstehen, bis ich den Herrn gesprochen habe. Ich sagte ihm: ich kan nicht lügen; ich muß es sagen/ wen er mich fragt. Allein der Nuntius glaubt/ ich suche Zeit zu gewinnen. Die ganze Sache wäre ganz anders gegangen/ wen wir einmal seit der Zeit hätten reden können, ^lc» csU l) Mit Schusterdinte geschrieben! — Ich küsse dich tausendmal. l) tMa» sehe oben S> 47. ?>ote,ü Briefe. 6t An u d e n. Mach Stcnd.U.Z Nötheniz, de„ 2? März 175Z. Lieber Freund und Bruder! Ach hätte auf dein Schreibe» an mich/ voller Lieb und wahrhafter Treue/ eher geantwortet/ wen nicht eine Neise nach Potsdam darzwischen gekommen wäre/ die mir 3 Wochen Zeit weggenommen. Ich rüste mich nunmehro zu meiner nahen Abreise/ welche/ so Gott will/ den Dienstag vor Ostern festgestellet ist. Die Feiertage werde ich in Eisenach bei meinem gnädigen und gütigen Herrn zubringen/ der mir allererst bei dieser Veränderung/ die ihm nicht gelegen fällt/ über alles' schäzbar geworden. Ich reise so weit uui/ als Eisenach von hier ist/ d. i. ganzer 3t> Meilen. Kein Freund hat seinen Freund lieber/ als mein Herr mich gehabt bat. Seine Begriffe von mir sind gröfier/ als es wahr ist. Alles mein Bezeigen/ alle meine Arbeit war/ ohngeach- ten aller meiner wenigen Behutsamkeit/ wohl gethan. Die Freiheit/ welche ich hier genossen/ finde ich an keinem andern Orte wieder. Wen ich auch wenig gearbeitet hätte, so glaubte der Grav doch einmal/ daß ich unanfhörlich für ihn arbeitete. Urtheile daranS von meiner Zufriedenheit und von meinem Glüke. Ich habe vieles gekostet: aber über die .Knechtschaft in Seehausen ist nichts gegangen. Diese mußte mir den Weg nach Sachsen zeigen. Ich schrieb in halber Desperation an einen großen Herrn/ den ich so wenig/ als er mich/ kante. Der Anfang 62 Freundschaftliche war mir hier blutsauer/ und sich^j habe in den erste»Monaten alle grauen Haare bekommen/ die ich noch habe. Endlich ging mir ein Licht auf. Nach meiner Rükkunft ans der Altmark machete ich mich bekanter/ und fand gegenwärtigen Weg. Ich bitte nichts von Gott als Gesundheit. Ich werde sehen / wie ich dir ans Rom Nachricht schreibe. Gott vergelte dir deine Freundschaft. Mit meinen Büchern / wen du ihnen eine Stelle einräumen willst/ mache/ was du willst/ wen ich sterbe oder nicht wieder komme. Ich ersuche aber^ den Herrn Bruder/ nachgeseztc Bücher nach Potsdam an Mr. Lamprecht^) zu übermachen. Mußt du Wachsleinwand zum Paken kaufen/ so wird er eS ersezen. Ich habe sie ihm geschenkt; es sind folgende: l) HübnerS genealogische Tabellen. Fol. 2) (Julius, 'I'ikuIIu» et?i»j,erti»s. 8, 3) Ovi- clius. 26. 5) Lciirielius 'lacitus. 2^. 3) Vir^i- liiis c. 110t. (>) Loi-viiii 7) linlis c. not. varioi. 8) fließe (^i-animuire ^n-Ioize. g) ^liscellnnies. Ii>) Krügers Natnr- iehre. 1. Ich habe sie in dem Verzeichnisse auSgestrichen. Lassen es deine Geschäfte zu/ so lasse sie so bald abgehen als möglich. Sie sollen unver muthet kommen/ und ich erwarte deßhalb noch ein Schreiben von ihm/ worin er mir seine Freude darüber bezeigen wird. Seine Adresse ist: » N,-, Kredit, Ll-crütaire clo HIr, le tüolouel tlo !> ?ats,l!lir>. Empfehle mich allen guten Freunden/ die ich neulich namhaft und nicht namhaft gemacht. Unter t) lSo bat P»rrhus.Z 2) Volni des Sberamtinans Lam»recht z» Heimersleben bei Halberstadt; Winckel mans Schüler anfangs i»» väterlichen Hause, und nachher zu Seehausen.l Briefe. Dieselben^ gebort auch der Pastor Kiihze in Aus'the- ern. Die Zeit ist nur zu kurz, an jeden besonders' zu schreiben. Der Krau Doctorin Hochedelgeboren und deinen werthesten Herren Brüdern und Verwandten empfehle mich gehorsamst. Höre nichr auf/ mein Freund zu sein. Wie gern hätt' ich dich noch yesehen! Lebe ivobl, theurer Freund/ und ärnte die Früchte ein von deinem Fleiß und Gcschiklichkeit. Ich ersterbe. re. An Verend 6. l Nach Eiscnach, ü ylotheniz, den lZ April 475Z. Freund über alle Freunde! Ä>ie habe ich eS um dich verdient? wie soll ich eF dir vergelten? Freund! ich hoffe dich noch hier zu sehen. Ja, mein Freund! in Dahlen hoffe ich dich/ j«deine Füße zu küssen, und mich zu meines Herrn Füßen zu werfen. Warum hast du mir die ver- Mintliche Zeit eurer Abreise aus Eisenach nicht geschrieben? Hch höre von der Kathin, daß e6 auf den ül Mai festgesezr ist. Ich kan dich nicht sehen/ göttlicher Freund! ihr nicht nach Sachsen komt. Über Augsburg kan ich nichr reisen / es ist keine Gelegenheit daselbst bis im September. Ich muß über Prag und Wien gehe»/ und auf die Nachricht von eurer Abreise habe ich Aufschub Oberen, so sehr der Cardinal auch auf meine Abreise dringet. Göttlicher Frennd! ich muß dich sprechen; ich miß die Kniee des gnädigen Herrn umarmen. Er muß mir seinen Segen ertheilen. Ich thu den lez- I> lDee ihm in Berlin Herberg gegeben.! 64 Freundschaftliche teil, den entscheidenden Tritt nicht/ bevor ich ihn gesprochen. Noch ist res ini,eßra. Die Vortheile sind sehr unbeträchtlich; und dennoch kan ich fast nicht zurük- ziehen. Der Nuntius dringet mehr als der Pater Rauch auf meine Profession; eS sollte künftigen Freitag vorgenommen werden. Ich wußte keine andere Ausflucht, als daß ich eine nothwendige Reife vorschiizte, nachdem ich ihm vorher angedeutet hatte, daß es mir unmöglich fei, zu reifen, ohne den Herrn gesprochen zu haben. Ich sagte also, ich müßte den Tag darauf, als den Sonabend, nothwendig verreisen. Er ließ ßch eS endlich gefallen. Eben dieses erlüelt ich von dcm Herrn Pater Rauch/ gegen den ich mich deutliche erklärte. Ich sagte ihm/ daß ich Nachricht hätt-/ der Herr würde um die Mitte des Monats Mai aus Eisenach abreisen/ ich wollte ihn hier erwarten. Damit ich aber vor unserer Geistlichkeit Ruhe hätte/ (den eS ist in ganz Dresden bekant/ und ein jeder, der eS weiß/ glaubt/ daß ich bereits changiret habe/) so wollte ich verreisen/ bis der Herr auf seinen Gütern in Dahlen angelangt sei; und >m ich ihn gesprochen/ sollte es ferner an mir nicht fehlen. Zu allem Elüke war meine Profession in ein« Woche angefezt/ wo die Jesuiten ihre Exercitien, wie sie es nennen, haben, d. i. ihre Vorbereitung zur heiligen Woche, wo ste nicht ausgehen dürfen/ auch nicht einmal zum Nuntio/ in dessen Zimmer der ActuS geschehen soll. Ich habe also bis zum t Juni Aufschub erhalt» Ich würde verzweifle»/ wen euere Abreise nicht m Mai geschähe. Aber hier zu bleiben / ist kein Rath. Ich würde verrathen werden, und man würde merken, daß ich ste hintergehen wollte. Briefe. Fch bin sehr unruhig/ das weiß Gott der All- W'chtiqe. Weil ich dich nur gesehen / mein Freund! >lild den Herrn gesprochen / nlsdail will ich mich dem ßlrom überlassen. Es gehe wie es wolle: währet es doch nicht ewig! Ich weiß nirgend hin/ wo ich ohne Unkosten und ohne EmbarraS leben kaii/ als nach Potsdam. Ich innß mit der heimlichen Post gehen/ um mir nicht Schaden zu thun. Vielleicht ist eS gut/ daß ich pressant war bei dem Antrag des Nuntii. Englischer Freund! deine Liebe und die Gnade des Herrn machet/ daß ich noch balancire. Der Cardinal hat sich nur / ausser dem Logis/ z» Z Ducaten monatlich erboten/ okngeachtet er er- schreklich peinlich schreibet um meine baldige Ankunft. Zu einer Zulage bat er sich erkläret und zur Besorgung meines fernern GliikeS. Der Nuntius hat mir auch en äel.-ul vorgerechnet/ wie wohlfeil man in Rom leben konte/ und mir/ bei diesem schreibermäßigen Gehalt/ betheuern wollen/ daß ich Gott danken würde in Rom. Mit diesem Briefe / (den ich/ wie verschiedene andere/ von dem Cardinal in meiner Sache geschrieben/ selbst gelesen/) hat der Nuntius bis auf die lezte Stunde zuriikgebalten/ (ohngeachtet es der erste Brief von allen meinetwegen ist/) bis er hörete/ daß ich Migniret hätte. Ich ließ dem Nuntio merken / wie sehr mich dergleichen Antrag befremde/ (den izo reden wir offenherziger/ weil ich französisch mit ihm spreche/) und gegen den Herrn Pater R a n ch beklagte ich mich. Es erbot sich aber derselbe zu iou Gulden jährlichen Zuschuß/ und mir in allen meinen Umständen zu sou- »uriren/ wen ich ausserdem noch etwas gebrauchete/ und ionre deßhalb zuversichtlich schreiben. 2* 66 Freundschaftliche Ich war schon Willens'/ die ganze Negotiation abzubrechen/ allein das genereuse Anerbieten hielt mich zurük. Der Nuntius gab beständig vor/ wen ich auf das Salair kam/ daß er die Briefe nicht finden könte/ worin sich der Cardinal darüber erkläret; er versicherte mich aber/ ich sollte honet placiret werden. Das that der Herr Pater Rauch auch; aber dieser wußte nicht, was der Cardinal geschrieben. Nunmehro bin ich dreiste geworden/ mich »in die Reisekosten zu erkundigen. Der Pater versichert mich, daß ich reichlich und gemächlich soll versorget werden, und zwar dergestalt/ daß ich in Sicherheit solle gesezl werden/ wen mir auf der Reise etwas anstoßen sollte. Ich verlangte/ ausser den baaren Reisekosten/ Briefe an Wechsler/ im Fall man krank wurde. Er gab aber zur Antwert: „ eS sei besser/ daß man es bm „ im Sak habe." Unter Ducaten nehme ich nicht an. Ich will mich gerne / sollte eS auch Wochen mid langer währen/ in Potsdam aufhalten/ wen ihr nur vor AuSgang des MonatS Mai in Dahlen anlanget. Lch würde vergehen, wen ich reisen müßte/ ohne dich zn sehen. Wären eS nur nicht 36 Meilen bis Ei- senach; es ist gar zu weit/ und ich kan nicht kommen/ wie ich in Potsdam erscheinen kan. O Gott! mache mich so selig! Alle meine Seligkeit hanget an der lezten Unterredung mit dir. Die lezte aber soll eS/ so Gott will/ nicht sein! ES ist mir lieb/ daß ich von einem Zuschuß in Rom leben muß. Deii dieses kan mir Gelegenheit geben/ allezeit wieder herauszugehen. Der Nuntius betheuerte/ daß ich vor 3 Paoli den Tag reichlich leben könne in Rom/ das werden ohngefähr Groschen sein. Ich glaube es, und nunmehro wollte ich endlich wohl auskommen. Ich bin aber auch versichert/ daß/ wen der Herr Briefe. 67 Pater Rauch sollte bcim Leben bleiben/ ich meine Besorgung künftig/ nach meiner Wallfahrt/ in Dresden erhalten könne. Den ich glaube/ daß ich ihn völlig gewonnen habe. Auf ihn allein / und auf sonst »icinand/ seheich/ wen ich mich entschließen werde. Bei allem diesen gereuet mich nicht/ daß ich die Sache angefangen habe; weil es nur gleich mit mir fortgegangen wäre/ und zwar über Eisenach/ so wäre ich mit einmal aus dem Gerede gekommen. Den wen 3 oder -4 Dneate» monatlich in Rom schon etwas Rechtes ist, so glaube ich/ daß ich mit der Emi- nence gut auskommen werde. Er schreibet ganze Briefe von mir allein/ und »ls wen er einen guten Freund erwartete. „ Ich „soll (ganz bürgerliche Einfälle) sogleich in seinem „Palais abtreten/ ohne in ein Wirthshaus vorher „ zn gehen. — Er wohne als 8ecletarius lirevium „dem päbstlichen Palast gegenüber. Ich soll daselbst „ commodamcnte logiret werden. Ich würde nichts ,, >in der gräulich-bünauischen Bibliothek verlieren; „die seinigc sei die stärkste in Italien/ und eine der „stärksten vielleicht in der Welt. Sie sei stark an „ 30l)/i>l)0 und Zwar cli/ lilxi soelt-i. Sie sei mit „griechischen Manuscriptis so wohl versehe»/ daß er „ glaubte/ zu des Paters Montsaucon „ Lr-rea Zusäze machen zu können. Es sei zwar Gebrauch/ daß diejenigen/ die bei einem Cardinal »in Diensten stünden/ schwarz und ä sollet „gingen; doch sollte ich meine Freiheit haben. Hene ,! Tracht aber verbinde mich zu keinen geistlichen Ge- „schäften; den die Advocaten in Rom gingen selbst >, also gekleidet/ " und dergleichen Kleinigkeiten mehr/ / welche zeigen; daß es ihm sehr um mich zu thun sei. Man glaubt auch/ daß des Nuntii seine Bot- 68 Freundschaftliche schaft binnen einem Jahr werde zu Ende geheiy da er dan nach Nom gehen wird. Ich suche keine Herlichkeit, weil nur ein paar Zahre vorbeigehen. So lange der Pater Rauch lebt/ werde ich allezeit in bester Form herausgehen können. Sollte ich aber auch auf meine Kosten herausgehen müßen/ so ist eS in Wälschland so wohlfeil/ und zwar mit den ordentlichen Couriers/ zu reise»/ daß mir von vielen glaubwürdigen Personen versichert worden, daß sie von Venedig bis nach Rom mit 20 Thalern gereiset/ Kost und alles mit gerechnet. Von Venedig bis Dresden kan man aber mit ordentlichen.Kutschen für 3» Thaler reisen. Ich habe noch beständig zu thun gehabt. Nun- mehro aber werde ich völlig schließen. Von nun an prätendire ich auch weiter keinen Pfennig von dem Herrn. Wollte Gott/ du wärest Herr und Freund zugleich in einer Person/ und köiitest aufbrechen »ach ! deinem Gefallen/ ich wollte gerne etwas von deine» z Reisekosten tragen. Ich sehne mich eben so sehr nach euerer baldigen Ankunft/ als der Psalmist nach der Hülfe aus Zion. Nur acht Tage wünsche ich mir: ich will gerne zufrieden sein. Ohngeachtet der Cardinal und der Nuntius besorge! sind um meine Gesundheit/ wen ich sollte m der Hize reisen/ die um Pfingsten schon für n»S unerträglich ist/ wen man nicht mit Extravost des NachtS gehen tan: so wollte ich alles nichts achte»/ und warren bis ihr kommet/ und alsdan nach Dah- len gehen. Allein was mich am bangesten macht/ sind Gelegenheiten/ die gegen die Messe/ wie man vermutlich nach Wälschland abgehen. Die erste und zuverläßig- ! ste ist/ mit dem schönen Sänger Belli zu gehen, der vor einem Jahre durch einen gewissen Cardinal Briefe. 69 mit einem Geistlichen hierher geschikt worden/ und auch mit demselben nach Rom zurükgehen wird. Sie werden vermuthlich mir der Extrapost gehen, und der Herr Pater Rauch meinet/ daß ich mitgehen iijnne. Ganz allein in einem fremden Lande zu reisen/ ist betrübt, und dergleichen Gelegenheit könte ich fast unmöglich ausschlagen. Ich würde zugleich auf dem langen Wege der Sprache mächtig. Ich habe allezeit geantwortet, daß es mir sehr angenehm sein sollte/ wen ich nur den Herrn gesprochen hätte. Der Herr Pater ist so aufrichtig, daß er mir selbst Anschläge gegeben, einen Aufschub von dem Herrn Nnnrio zu eriialten, welcher schwer daran ging, und sonderlich aus bekaiiten Ursachen wider meine Reise mich Eisenach war. Er glaubte nämlich, man würde mich wieder umstimmen; doch hat er mir dieses nicht selbst merken lassen, den er hat eine große Hochachtung vor unserm Herrn. Wen aber die Gelegenheit fällt, (wovon mir der Herr Pater nach Potsdam Nachricht geben will,) lilsden weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich würde alles Vertrauen verlieren, wen ich sie aus- schlüge. Man würde glauben, ich wartete auf euere Ankunft, um mich wieder von neuem bei dem Herrn zu engagiren. Vielleicht gehen beide Herrn noch auf die Messe »ach Leipzig/und alsdan bin ich geborgen. 8ch bin immer der Meinung, ihr werdet in der Zlihlwoche nach Leipzig kommen. Ach Gott, möchte d»ch beides geschehen! Der NuntiuS gehet vermuthlich mit auf die Messe, imd wen meine Abreise unter der Zeit vorfiele, so kiime ich von meiner Profession, weil ich nicht hier bin, und könte also dieselbe, wie der Herr meinet, mit besserer Avantage in Rom tvun. Ich kan nichts anderes t un, als daß ich dieselbe noch zur Zeit evilire, und da ich »UN einmal eine 70 Freundschaftliche Reift vorgewandt/ so will ich mich weg machen, Krank kaii ich mich nicht stellen/ ohne Mißtraue» wider mich zu erweken. Man würde mir Doctorcs zuschiken, da man so sehr um mich besorgt ist, Ich weiß keinen andern Rath/ englischer Freund! Ich will erstlich höre«/ was der Herr nnd was du zu den Vorschlägen in Rom sagest. Schreibe/ i>->r cvuvert an Herr Fran ken/an mich nach Potsdam/ und melde mir euere Abreise, und wie ich cS halten soll. Kaii ich Zeit gewinnen, so will ich alSden von Wittenberg, auf der Relur von Potsdam, mit der Kutsche bis nach Strehlen gehen/ oder bis nach Würzen. Gott gebe/ daß ich dich erwarten kari/ ich würde sonst untröstlich sein. Ich küsse deine Fußtapfen!». ?l n B « n a u. y Nötheniz, den 22 Ja». t7Z^i. Euer Excellenz gnädigen Beseht über die von Herrn Landvogt Engeln gesuchte Untersuchung habe allererst den 16 dieses erhalten. Ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben/ finde ! 5) Unter verschiedenen vor uns liegenden Briefen, dieWii» ckelma» zuweilen a» seinen abwesenden Graven schrieb, wählen wir nur einen, da sie ausser ganz kurzen Nach« richten, daß er diese oder jene ihm aufgetragene Viblw thekarbcit beendigt, nur gewöhnliche Hoflichkeitsvech cherungeu enthalten. Wir wähle» diesen Brief, weil » uns nicht blos sagt, daß W i »ckelma» gearbeitet, sw der» uns auch die Art bekaüt macht, wie er gearbeitet, und wie er i» Untersuchung solcher Sachen, die aussci seinem Lieblingskreise lagen, zu Werk gegangen >!>> D a ß d o r f. Briefe. 74 ober keine Spur von ältern Geschichten der Stadt Viel. Ausser den Seribenten von der Schweiz findet sich kaum Meldung dieses OrtS. ES finden sich i»ich weder in Georgisch kegestis Oi^iom->l, noch indem für Euer Excellenz verfertigten in.Iice vi- Urkunden/ welche die Herrn Engel vermeintlich aus dem neuburgischen Archiv mitgeteilte Nachricht bestätige»/ oder die vom Stift Basel aus vorgegebene Schuldbekanciüsse (welche selbst noch nicht gemein gemachet sein müßen) widerlegen tönten. In unserem lniLÜejr. Lecl. On U III. j,. 1226, »0 sich die Urkunde befindet/ angegeben wird/) mit Namen Viel/ betreffend/ welcher Ort aber von dieser Stadt Viel verschieden sein mnß/ weil es eine Belchnungssache zwischen Grav Gerharden «on Mümpelgard und Bischof Bertholden von Slraßburg betrift. Von einem Orte dieses NamenS/ tiusscr der Stadt am bieler See/ findet sich nirgend Meldung. In Herzogs Cbronika von Elsaß stehet der Name Bihel i» einem Verzeichnis gewisser Örter/ welche an der Saar liegen. — In angezeigter llrkunde heißt es: „ (^,5Uuin nosi,rum in ,^c»ni ^erl.illeiiuis suis univeisn boua noztr» irl „ villli! Vulcnli»»^ - viler «>.c. " V-'tlenUn!»^ - viler ist so wenig als dieses (!!i5>,riiii> kelinin zu finden. Vermuthlich ist es ein jeziger Zeit unerheblicher Ort der Eravschast Mümpelgard. Bei dieser Gelegenheit habe Euer Excellenz un- terthänigen Bericht von meiner Arbeit ertheilen Wollen. Freundschaftliche ZlNI Otalo^o 8cii^wi. ?li«l. Ocrm, hoff,: ich NUN- mehro die lezte Hand geleget zu haben; ausser den Schriften / welche au» den i>ut>Iicis, welche nicht extrahirct worden/ nachzutragen sind/ und welches' mit allen aus Kol-las^i <üc>nsiiu>r. Imp. Reichs« sazungen und andern bereits geschehen. Diese Arbeit ist nach der lezten Revision um ein Merkliches angewachsen/ sonderlich theils durch die mir gelieferte Schriften und neue Deduktionen / theils durch Titel derjenigen Dcclnüt clesi>1er»lc>n>ini, die im L ü »i g sie- hen und Streitigkeiten betreffe»/ die mir bei der Ausarbeitung selbst nicht haben einfallen können. Diese Ergänzungen aber haben wegen «>cr langen Titel, wo man sich ohne Verwirrung mit Einschieben neuer Bogen nicht helfen kan / verursachet/ daß vieles hat Mußen umgeschrieben werden. Am 8cri>>tc>r. ^ur. s>»l>I. arbeite schon geraume Zeit/ wiewohl nicht mit sehr merklicher Forderung / weil alle große dahin gehörigen Werke nicht extrahiret sind. Ich habe/ um Zeit zu erspare»/ mir Gold »st 6 Werken einen Versuch gethan/ und sehr viele Titel von Deci-cli», (^onslilui,. und dergleichen, gleich an ilren Ort eingetragen/ allein mit den mehresten hat dieses nicht geschehen können/ welche ! haben extrabiret werden müßen. Eben so bin ich mit I-,oncloijiil ^»>>1, Verfahren / aus welchen ich nullinehro die Titel von Stükcn/ die allgemein sind, , habe. Es bleiben aber viele Zweifel übrig zu Euer Excellenz gnädigen näheren Erklärung. Der vor- ^ nchmste betrift (ausser den Friedensschlüssen/ M welchen das deutsche Reich Antheil hat,) diejenigen Schriften/ welche den Münster-und osnabrükischcn Friedensschluß betreffen. Die von EuerExcellenz vorgeschlagenen Otalo- AI, unter denen kloümanni üil»!ic>tlieca der vornehmste ist/ kommen mir nicht im Geringsten z» Briefe. 73 statten. I» H o ffm a n S Verzeichniß ist / ausser den sehr wenigen Schriften/ die eigentlich znin 5uie pn- I-Iico Coim. zu rechne»/ und die nicht den 60 Theil lmSmacheN/ (den die mehreffen betreffen Streitigkeiten hoher Häuser/) die größte Nnordnnng. Der vorgeschlagene R i n ki sch e Katalog ist nur zur Auc- lion gemachet und sehr unvollständig. Ich erwart/ Euer Excellenz gnädigen Befehl und bin An B e r e n d ö. lNach Eisenach.Z SZötheniz, den 6 Juli l?54. Mein liebster Freund und Bruder.' ^ch habe bisher immer gedacht/ mit Gelegenheit j» schreiben; da man mir aber/ meine» AnsragenS «hiicrachtet/ niemals Nachricht davon gegeben/ so M,ch nun nicbt länger warten. Zzo wird mir gemeldet / daß ich könne einen Brief an dich einschließen. Wen du gesund bist/ ist mir es l'erzlich lieb; ich tiil es nicht. Man saget mir/ daß ich taglich abnehme, und ich selbst merke eS. Mein altes Übel/ die ungewöhnlichen Nawtschwciffe finden sich/ bei der mngsten Diät/ von neuem wieder. Ich merke eine merkliche Änderung in meiner Natur. Mein Magen iß überaus schwach. Ich bin daher genöthiget worden/ schon seit geraumer Zeit nur einmal in der Woche Fleisch zu esse»/ um mich nicht ganz zu verwöhnen; izo habe ich es ganz abandonnirt. Ich lrinke bereits iiber ein Vierteljahr kein Bier. Aber alle die angewandte Sorgfalt will das Übel nicht Wlnckelman. in. 4 Fremldschaftlichc heben. Man hat mir die Milchcur gerathen/ welche ich auch seit einiger Zeit gebrauche/ und mit derselben bestandig fortzufahren gedenke. Mein Getränk ist den ganzen Tag Ziegenmolken. Des Morgens hole ich mir selbst Milch/ die ich/ so warm sie von der Knh konit, zuweilen allein/ zuweilen mit Thee, trinke. Des Mittags esse ich blos Zugemüße, vielmals nur eine Wassersupe. Du hast vielleicht gedacht/ ich habe eine Reise »«ich Potsdam gethan. Vielleicht wäre mir eine Neise und eine GemtttbSverändernng besser/ als alle die strenge Diät. DaS CommercemitLamp rechten aber ist nun gänzlich aufgehoben. Sein Bezeigen ist schändlich, und ich will und muß ihn vergessen. Der Gram und Kummer über diesen Umstand/ der mich unbeschrcii- lich angegriffen/ ist die Hauptursache zu meiner Schwachheit/ und hat mich beinahe/ ähnliche Umstände dazu genommen/ zu dem Schluß veranlasset, niemandes Freund zu sein. Ich muß -> kurce >1- lecuirs und der Arbeit mich in Fassung suchen zu erhalten/ da mir selbst meine Promenaden die Vorstellung meiner Einsamkeit schrcklichcr machen. Gehet man auch nach Dresden, mit jemand zu sprechen, so muß man gewärtig sein/ den Tag darauf einen Besuch auf's Land zu bekommen. Meine einzige Zuflucht ist der königliche Beichtvater gewesen; ich kan ihm aber doch mein ganzes Herz nicht offenbaren. Unterdessen hindern mich noch zur Zeit iueiuc GesundheitSumstände weder an meiner Arbeit, noch an meinem Studiren. Ich habe mich gewundert, daß ich scit einiger Zeit mit einer ganz andern Ein- sscht/ sonderlich die Alten, angefangen habe zu lesen. Den Homer allein habe ich diesen Winter dreimal mit aller Application/ die ein so göttliches Werk erfordert/ gelesen. Vor der Zeit habe ich ihn bei- Briefe. 76 nahe nicht anders geschmeket, als Leute, die ihn in einer prosaischen ttbersezung gelesen/ meine Extraitö sind auf einen ganz andern Fuß eingerichtet/ und sehr angewachsen. Ich habe sie sehr sauber geschrieben; ich halte sie nunmehro für einen großen Schaz, „ni> wünschete/ daß du Zeit hättest/ daraus zu profi- tire». Aber dieses muß in Nötheni; sein. Man saget in Dresden, die Deklaration der Ma- jmnnität werde bald geschehen. Schreibe mir doch davon Nachricht. Ich freue mich/ dich nunmehro bald in Dahlen zu sehen. Mit dem schweren ^»>e bin ich mehren- thcilS fertig/ aber es wird nicht so stark/ als eS sich der Herr Grav einbildet. Ich habe unterdessen den Katalog von der italiänischen Geschichte angefangen; Mil der Herr Grav muß dieses eben nicht wissen. Ze mehr man macht, je mehr man machen soll. Ich habe die Physik/ Medicin und Anatomie bisher mit vielem Fleisse studiret/ und von besondern Nachrichten und Anmerkungen/ auch aus geliehenen Werken/ eine kleine/ aber rare Collectiv» gema- chct. Wen mich nicht ein Hauptumstand/davon ich mündlich mit dir sprechen will/ verhinderte/ so würde ich auf eine Zeit Dimission suchen/ um mich von der Arbeit und von den Bücher» zu entfernen/ und sollte ich auch auf einige Zeit zu Bülowen gehen/ weil ich keinen andern Weg weiß. So aber kan es nicht geschehen. Ich habe nunmehro bald 6 Jahre in Sach< scn gelebet/ nnd kan mich nicht entsinne»/ daß ich recht gelachet hätte. Bülow ist lnnter's Licht geführet. Man hat sich gefürchtet, feine Vorschläge möchten Beifall bei der Kaiserin finden. Er bedauerte auch endlich seine i) Mangel a» Geld 76 Freundschaftliche Retraite/ und seine Mutter ist genöthigt/ seine .Maitresse im Dorfe zu leiden; ja/ sie thut ihr viel Gutes und hat seinen ältesten Sohn bei sich/ den er selbst unterrichtet. Brohm ist befördert in Hartenstein/ grävlich- schönbnrgischer Hoheit/ wo er in diesem Städtchen Diakonus ist. Er wünschet dir indessen viel tausend Elük und Segen. Mit der Mark bin ich nun aus aller Connexion; melde doch/ was du von Neuigkeiten weißt. Bringe mir doch die Toxlisl, ?!->?-, vol. XVll, mit nach Dahlen/ wen eS sich schikcn will, ?dcr vergiß sie nicht/ bei Gelegenheit eines Transports/ mit zu schiken. Einer von meinen sehnlichsten Wünschen wäre die Approbation deS Vorschlages mit dem jungen Herrn Eraven. Ich zweifle sehr/ daß eS geschehen wird Ich denke täglich an die große Reise nach Zahlen) ich küsse dich/ liebster Freund und ersterbe». An Berend 6. tNach Eisenach.l Nötlieniz, den 4 2 Juli <754. Einziger Freund und Bruder! » Da ich's wollte verschweigen, verschmachte»« mmie Gebeine, j) " Ä^ein Bruder! ich liabe leider den unglüklichen Schritt gethan/ dem ich vor einem Jahre mit Noth auStjewichen bin. Mein Freund! sprich dein Herz,« das allein an meiner Noth theil nimt/ zufrieden? höre mich, und erwäge meine Gründe. -l) sPs. Z2. R.Z.I Briefe. 77 Meiner Gesundbeit ist nicht anders zu helfe»/ M durch eine Veränderung. Hier fehlet e6 mir an aller Gemüthsveränderung / und die Einsamkeit wird ,»ir allein durch beständige Arbeit erträglich: ich bin ruhiger/ wen ich beständig arbeite/ als wen ich pro- mcnire/ und dieses kan ich gleichwohl unmöglich forttreiben. Kein Gliik sehe ich vor mir/ (bedenke eS irohl!) keine Netraire ist mir mehr übrig; selbst Biilo w wird sich an Prinz Heinri ch 6 Hofstatt enga- girc». Mein Brod kan ich/ wen der Grav sterben sollte/ auf keine anständige Art verdienen/ da ich keine einzige fremde Sprache reden kan; ^einen^ Schuldienst mag ich nicht; zur Universität tauge ich nicht; mein Griechisch gilt auch nirgends. Wo sind B>b- livthekärstellen? Wen Franke sollte bei der neuen Besezung in Weimar können employiret werden/ mißte ich nothwendig aus Dankbarkeit bleibe». Mit wie vieler Unruhe und Kummer ich an diesen äussersten Entschluß gegangen bin/ das weiß mein Ektt! Ich bat Lamvrechten recht sehnlich/ mir zu erlaube»/ meiner Gesundheit wegen auf eine Woche mch Potsdam zu kommen; aber er hat mir es mehr ° als dreimal rund abgeschlagen. Dieses brachte mich der Verzweiflung näher. Ich suchete unterdessen die Sache zu trainiren. Ich ging nach Ostern zum Nuntio/ weil es damals hieß/ daß er schleunig abgeben würde/ Abschied zu nehmen/ und mich seiner Gnade zu empfehlen. Es «m also über ein Jahr/ daß ich ihn nicht gesehen. Er sezete mich wider Vermuthen durch sein Bezeigen «us aller Fassung; er war schon im Begriffe/ mir um den Hals zu fallen/ und ich kan nicht begreifen/ woher der große Begrif kommen/ de» er von mir hat/ den ich mir bei dem Beichtvater selbst nicht er- weken können. „ Mein lieber Winckelma n / (sagte »er unter einem beständigen Händedrüken/) folgen 7s Freundschaftliche „ Sie mir/gehen Sie mit mir; Sie sollen sehen/ daß „ ich ein ehrlicher Man bin/ der mehr leistet/ als er verspricht; ich will Ihr Glük machen auf eine Art, , die Sie sich selbst nicht vorstellen." Alles dieses fand keinen Eindruk. Ich sagte ihm: ich habe einen Freund/^) den ich nicht verlasse» kan z ich eröfnete ihm den Ursprung der Freundschaft/ (mein Bruder! werde nicht eifersüchtig über die Stimme der Natur,) und sagte weiter nichts zu, als daß ich mich entschließen wollte/ wen ich sehe» wurde/ wie der Freund sein Glük machen würde; den ich Hoffete ihn mit mir zu nehmen; ausser den,/ fuhr ich fort/ bin ich in einer Arbeit engagiret, die ich als ein ehrlicher Man vollenden muß. Ich gedachte/ mich loszumachen/ allein ich mußte verspreche», wieder zu kommen. „Mein lieber Freund! (sagt? „ er im Weggehen/) ich muß Ihnen aufrichtig sage», » daß Sie sich und mir einen schlechten Begrif bei der königlichen Herschaft/ der ich Sie damals bestens „ empfohlen/ u»d alles Gute von Ihnen gesagt/ ge- machet haben. " Ich ließ einen ganzen Monat hingehen; ich M bei mir mit nnbeschreiblicher Unruhe zu Rathe, ich schrieb dan und wan gleichgültige Briefe nach Potsdam/ (doch ohne hiervon zu melde«/) um zu sehe», ob ich ihn könte erweken; da ich aber endlich sah, daß weiters nichts für mich iirs Künftige zu hoffe»: so entschloß ich mich/ ließ es durch den Beichtvater dem Nuntio vortragen, daß ich nämlich insgeheim in des Nuntii Hände die Confession verrichten wollte; aber nicht eher von hier zu gehen/ bis ich meine Arbeit geendiget. Die Freude des Nuntii über seine erste ConMte in der Nuntiatur/ und vielleicht in seinem Leben,^ j) lLamprccht.^ Briefe. mr ungemein, und der ActuS geschahe in seiner Ca- Me, wo er in pvniillcaUlius nebst zwei von seinen »^intiaturgeistlichen erschien mit Beistand des Beichtvaters. AlSdan ging ich mit dem Beichvater in sein Kahinct/ und er (der Nuntius) wiederholte mir sii»e Promissen mit der Erklärung: „ Ich werde Jhro „?)?ajestät demKönige rind der Königin melden; und, ^ Reverende Pater, Sie werden, (sagte er,) wen cr „abgehen kan, bei dem Könige die Kosten zur Neise „suchen, welches' ich auch ti>un will., Sie sind dem „Kurprinzen bekant, (sagte cr zu mir,) Sie können ,^sich alle Protcction und Beistand, auch von dem „ganzen königlichen Hause, versprechen. Ich will „Sie nachdrüklich recommandiren. Herr Pater, (fuhr „cr fort,) da ich rcisen muß, sorgen Sie für seinen „Leib, Er muß eine Cur gebrauchen, che wir ihn „verlieren. " — Ich habe dem Nuntio alle meine Uiwollkommenheit entdekt. Ich werde allein ihren Kredit verderben, sagte ich, wen mich der Kurprinz kbcr dergleichen suchte zu sprechen. „ Sie müßen „sich von der Arbeit relachiren, (antwortete er,) „ Sie haben die Nuhe noch nicht genossen. Sie wer- „dcn dreiste werden, wen Sie werden eine angenehme „Gesellschaft haben." — Alle diese Besuche habe ich mit dem jämmerlichsten Französich von der Welt gemacht, wie du gedenken lanst. Der Pater war Willens, mir da? Sacrament seli,? in dem Stifte zu geben; cr wurde aber verhindert, weil eS den Tag vor der Neise war, und dieses ist den 8 dieses privatim von dem Pater BriSkorn geschehen. Bisher bin ich ziemlich ruhig gewesen über meine Veränderung, da ich aber den b hörte, daß eS be- kaut worden, fingen die Unruhen an. ^-1---» esl.'! Es ist weiter nichts zu thun. Ich betheuere unterdessen bei unserer heiligen und ewigen Freundschaft, mein Bruder! wen ich einen andern Weg wüßte/ 8» Freundschaftliche des Umganges eines einzigen Freundes zu genieße»/ ich wollte ihn wählen. Was mache ich mir ans den. Hos/ und ans den hundsföttischen Pfaffen. Nun bitte ich dich flehentlich/ gib mir einen Ratti/ wie ich es mit dem Herrn in dieser Sache zu halten habe. Ich will eS ihm schreibe»/ wen du es gut findest; aber wie und aus was für Gründen? Ex sieht/ daß ich mein Wort halten will; ich h>U>e mich viel lieber aller der Lästerung blos! stellen wollen/ als seine Arbeit unvollkommen zu lassen; ja/ ich habe/ wie ich dir geschrieben/ eine neue Arbeit angefangen. ES wird ihm ohnfehlbar bekant werden/ und es ist besser/ daß man zuvorkomt. Wollte er mich nicht länger haben/ so kan ich dir sagen/ daß ich dadurch im Geringsten nicht unglüklich werde. Ich Hin von Seiten des HofeS meiner Subfistenee gewiß/ und ich glaube/ ich könte auch die Erlaubniß bekommen/ mich anderwärts aufzuhalten/ bis ich reise» könte. Der Nuntius/ dem es unendlich darum z» thun/ seinen Convertiten in Rom zu zeigen/ quälet mich / nach der Netur des HofeS aus Polen / welches im December sein wird/ zu reisen. Es wird aber wohl bis gegen den Frühling Austaud haben. Nun muß ich dir meine Absichten sagen: Ich werde einige Zeit in Rom wohl ohne Engagement bleiben/ theils lim mir meine Veränderung anfangs nicht schwer zu machen/ (wie mir auch der NuntinS versprochen,- daß ich Ruhe bei ihm finden sollte/) theils weil man sieht/ daß ich es nöthig habe/ und werde eS suchen zu verhüten/ so lang als ich kan; und vielleicht behalte ich eine beständige königliche Pension/ wenigstens wird das Reisegeld honorabcl sei»/ da ich izo weiß/ (welches ich vorher nicht wußte/) daß es der König selbst gibt. Es wird also etwas zu erübrigen sein; ausserdem hoffe ich/ mit Briefe. dem/ was ich L a mprechten geliehen/ auf Michael air go Thaler ersparet zu haben. Man will mich mit Wechseln versehe»/ daß/ wen ich etwa auf der Neise krank wurde/ ich es an allen Ortcn abwarten könne. Ich werde also so viel übrig behalten/ daß ich kan/ NÜ ich will/ wieder zurükreiseii. Kan mich der Krav in Dahlen künftig gebrauchen / so will ich zu ihm gehen/ er mag mir geben/ was er will. Ich werde doch wenigstens mein Brod verdienen; den ich bleibe nicyt in Rom: das ist gewiß. Sollte aber dieses nicht sein, so werde ich suchen in beiden Sprachen/ der sranzösischen und wälschen/ fertiger zu werden/ und kau nebst dem andern wenigen Wisse»/ Mc Opinion von iemand/ der einige Jahre in Rom gelebt/ dazu genommen,) meinen Unterhalt auf einer Universität/ oder in einer großen Stadt finde»/ da ich den in diesem Falle Berlin wählen würde. Ich schwöre dir, daß ich/ da eS mir leicht sein sollte/ die Stelle eines Informators bei dem süng- ßen Prinzen/ oder bei des Kurprinzen Söhne»/ nach- timgein Aufenthalt in Rom zu bekomme»/ ich dennoch die Freiheit aller Hcrlichkcit der Welt vorziehen mrde. Ich sehe nun/ mit wie Wenigem ich meinen Magen befriedigen kan. Eine Wassersnpe machet mich vergnügt/ und bekomt mir besser als alles Fleisch/ wenigstens/ wie es mir hier zugerichtet wird. Ich habe unterdessen den Doctor/ der für mich sorge» soll/ noch nicht gesprochen; ich hoffe/ meine Dmt und die Milchcur soll etwas thun. Ein vergnügtes Herz/ welches ich nunmehro vollends nicht haben kau / würde mehr thu» als alle Arznei. Ich Die eS einigermaßen nicht ungern / wen mir der Herr de» Abschied gäbe. Den ich fürchte/ ich fürchte/ dich es den Winter möchte schlechter mit mir werde». Gieb dich zufrieden/ mein Freund! mir ist nicht s? Freundschaftliche anders zu helfen, ich bekenne es/ ich gedenke zuweilen mit Widerwillen an Noi:i; das gütige Herz des Nniit'i aber machet mir wieder Muth. Lieber wäre mir's/ wen ich plözl-ch stürbe. M höbe mein Leben niemals genossen/ und der Zwang meiner Sentiments- wird mir in Rom sehr vieles bitter machen. M hoffe/ durch deine Antwort etwas ruhiger zu werden. Ich küsse dich tausendmal/ »nd ersterbe«. Nachschr. Oder wen es scheinen könte, man wolle ihn durch eine uUm geschehene Nachricht gleichsam bra- Viren, so sei es u>i eovsiUi, ob ich erwarte/ wie es kommen wird. ES kan mir nicht übel gehen, lind sollten mich ja im Alter mißliche Umstände betreffen — „ Wer den Tod nicht scheuet/ fürchtet sich vor « keinen Schatten! " ^) An B e r e n d S. s?!ach Eisonach,) Nöthenij, den 17 Sept. j75-i. Liebster Freund und Bruder! ^Lch habe dein Schreiben aus Altenburg durch den Tafeldeker den dieses erhalten; aber ich be< theuere bei unserer Freundschaft/ daß ich keine Zeile von dir aus Nudolstadt gesehen. Ich konte nicht begreifen/ wie du mich in einer mir fo wichtigen j) IIlinx, Ähnliche Stellen gibt es beiEnrixides viele, besonders im blercul, sui-. Man sehe auch Lm'ip. l>ax- Iiionla >»cert!>, nunn LXVI. ans ?Iut^rcI,i Alorsl. x> Briefe. 83 Cache ohne Antwort lasse» könne»/ und ich bin sehr unruhig über den Verlust des Briefes. Vielleicht jß derselbe hier jcmand in die Hände gerathen/ welches ich am wenigsten wollte. Ich hätte sogleich nach deiner Antwort meine Veränderung Seiner Excellenz cntdckct. »Du berufest dich auf so viel Gründe/ die du mir gegen mein schon vollzogenes Vorhabe» vorgehalten; wie crkeiitlich bätte ich sie annehmen wollen! Nunmehr» ist ferner keine Zeit zum vorläufigen Hin-nnd Herschreiben. Der Herr muß es einmal erfahren./ und hier ist der Brief. Er enthält nichts »lS Wahrheit. Sein gütiges Herz bat es verdienet, daß Mund und Herz mit ihm spreche. Der Vegrif einer heroischen Frenudschaft/ welche diese und alle meine Veränderungen zum Grunde bat/ wird vielleicht ein Abenteuer/ wenigstens in meine» Umständen/ scheinen/ und konte veranlassen/ mich vor einen künftigen irrenden Ritter zu halten. Mein Gott! ich weiß wohl/ dergleichen Freundschaft/ wie ich suche und eultivire/ ist ein Phönix/ «on welchem viele rede»/ und den keiner gesehen. In allen neueren Zeiten ist mir nur ein einziges Exempel bekant zwischen Marco Barbari go und Francesco Trevisanv/ zweien Kol>ili c?i Vene?.!», deren Andenken in einer kleinen raren Schrift erhalten worden. >) Dieser göttlichen Freundschaft sollte ein Denkmal an allen Thoren der Welt/ an allen Tenipeln und Schulen zum Unterricht der Menschenkinder/ ein Denkmal wo möglich »-re percuilius gesezt werden. Es verdienet den großen Beispielen des Altertums/ die Lncian in seinem Gespräche Toxa riS/ oder von der Freundschaft/ gesammelt hat/ an die Seite gesezet zu werden. 1) lErläulerung über die Gedanken !e. §. 54 Freundschaftliche Eine von den Ursachen der Seltenheit dieser/ tiach meiner Einsicht/ größten menschlichen Tugend lie^t mit an der Religion/ in der wir erzogen sind. Auf alles/ was sie befiehlt/ oder anpreiset/ sind zeitliche und ewige Belohnungen geleget; die Privatfreundschaft ist im ganzen neuen Testamente nicht einmal dem Namen nach gedacht, wie ich unumstößlich beweisen kan: und es ist vielleicht ein Glük vor die Freundschaft; den sonst bliebe gar kein Plaz vor den. Uneigennuz. Der Begrif der Freundschaft reisset mich allenthalben/ auch in Briefen mit hinweg. Hch weiß wohl/ daß ich nicht nöthig habe, dir dieselbe von neuem zu predigen. Seitdem ich an dich geschrieben/ bin ich / ausser der Bekümmerniß über deine Antwort/ ziemlich rn« hig gewesen; ich habe alles der Zeit überlassen. Ich habe geglaubet/ Lamprecht würde nnnmehro/ da er Ernst sieht/ alles möglich zu machen suchen. Er ist an 5 bis 6 Tage hier gewesen: ich bin mit ihm znsrieden; allein es ist noch keine nahe Hofnung da. Es kan geschehen/ daß ich meinen Zwek niemals erreiche/ ich bin aber doch sicherer/ nach erlangter Fertigkeit in der wälschen und französischen Sprache/ mein Brod commodcment im Alter zu verdienen. Vor ein langes Lager/ welches in Umstünden/ wie die meinigen künftig sein könten/ gefährlich ist/ grauet mir nicht. Dawider reichet mir meine kleine Philosophie die Mittel dar. Das ist mein Unglük allein/ daß ich kein Mittel sehe/ zu meinem Iweke zu gelangen/ ohne einige Zeit ein Heuchler zu werden. Unterdessen da ich mir fest vornehme, alles Glük in Rom von mir zu stoßen und Monsignore mir Relagement und Mnße versprochen: so will ich es ein Jahr mit ansehen; das erste halbe Jahr le ra-llaäs (vielleicht wahrhaftig) machen und Vmfc. «5 olles Engagement tr.nniren/ so lange ich kan/ da ich glaube/ daß ich doch das Mehreste anfänglich von Hofe bekommen werde. Und endlich kan man, wen ich alle Tage meine Messe höre/ doch weiter nichts verlangen. Vielleicht kan ich in Nom ruhiger sein/ als wen Ich einem Antrage von Seiten des Ministers (wovon mündlich ein MehrereS) Gehör gegeben/ welches ich vor eine Veränderung anfalle/ die viel undankbarer und unserem Herrn mißfälliger fein müßen. Der LeibmedicuS des Kurprinzen/ Hofrath Bi- anconi/ verlangte mit mir zu sprechen/ und fragte mich/ vermuthlich im Namen des Prinzen/ womit iiiiNl mir dienen könne; er habe keine Ordre sich nach meiner Gesundheit zu erkundigen/ sondern nur zu vernehmen/ was ich verlangte? NichtS/ war meine Antwort/ ich gebrauche nichts. Die Antwort schien ihm sehr etrange und unerwartet. Hch wußte wohl/ was ich hätte bitten wollen: eine comiiiode Bedienung für einen meiner Freunde^) nebst 8<>o Thaler jährlicher RevenucS. Der Herr Grav Wacker- darth wird mich vielleicht dem Kurprinz präsentire». M will nulimehro dem Strom folge»/ wohin er mich führet. ES ist besonders/ sogleich nach Lamp rechts Abreise finden sich die hektischen Schweisse wieder ein; vielleicht durch die Unruhe/ die mir sein Abschied verursachet. Diese Schweisse kommen schon im ersten Schlaf. Gegen Mitternacht muß ich die Hemden wechseln/ alsdan ziehe ich mich an und lege mich unter die Deke/ endlich komt der zweite Schweiß/ der aber nicht so heftig ist. Ich habe meine Cur an U Tage auSgefezt/ um mich nicht gänzlich daran zu gewöhnen; aber ich sehe wohl/ ich muß sie wiederum anfangen. t) lL a »i prech t.) 86 - Freundschaftliche Ich bitte dich/ mci» Freund! suche es möglich zu machen/ auf ein paar Tage nach Nöthe»,; zu kommen: um loserer Freundschaft willen bitte ich. Vielleicht sehe ich dich künftig nimmermehr wieder. Wen meine Schweisse nicht gehoben werde», werde ich schwerlich den Frühling erleben. Mci» Gott! ich wollte sehr gerne sterben/ mit großer Wohllust meiner Seelen: so weit habe ich es in der That und Wahrheit gebracht. Du hast mich nicht mehr nöthig. Aber Lamprecht hat Mich nöthig. Ich erwarte dich gewiß. ES satiguirt mich, so viel zu schreiben, was sich mündlich besser sagen lässet. Lebe wohl! Nach sehr. Ich werde dir izo können die raren Schildereien in des Königs Kabinet zeige» / sonderlich die Madalena von Correggio lind den schöne» Nafaello/ aus des verstorbenen Prinz von WalliS G^crie erhandelt; der große Raphael auf der Galerie aus Piaceuza kostet üv/0l)o ff. ohne Transport und Präsent. An V ü n a u. t) LNach Eisenach.1 Nötheniz, den 17Sevt. 1754. Achkan und darfeS EuerExcekle nee nichtverschwei- gen: ich habe mein lezteS Vorhaben von neuem ergrif' feil/ und habe leider den lezten Schritt gethan. O Dieser wichtige Brief enthält die Nachricht vo» ckelmaiis Neligionsveränderung. unsere Lescr nw gen nun selbst entscheiden: ob das Studium der »Kirchenväter, twie dcr Vorredner von der wiener Ausgabe der Geschichte der Kunst S. 4?- »iutl>> makt Z etwas beigetragen habe, i» der Folge ihn mit des Briefe. 87 Ho chgciioriier Grav! ich habe mich Dero ferne- tt» Geduld mit mir unwürdig gemachet z ich flehe aber Dero Herz voll Güte und Gnade an, mich wenigstens j» hören. Gott/ der Gott aller Zungen, Völker und Fetten lasse Euer Exeellence wiederum Barmherzigkeit erfahren! Zu Ende des Winters fingen sich verschiedene besorgliche Umstände in meinem Körver an zu äussern, »>id mein altes Übel/ fast unerhörte Nachtschweisse, finden sich mit solcher .Heftigkeit von neuem ei»/ daß mir alles eine gänzliche Verzehrung zu drohen schien, und nnr neulich bin ich zweimal mit Schwindeln befallen worden, welche einige Stunden anhielten. Dieses veranlassete mich, an meine künftigen Um- ßaüde, mehr als sonst geschehen, zu gedenken. Ich fiihle wohl, daß die bisherige Art meiner Arbeit und meines Studirens mit meiner Gesundheit nicht bethen kaii; gleichwohl kan ich in der Einsamkeit nur allein in der Arbeit Ruhe finden. Eine gewisse Art aber zu denken und zu handeln, von welcher ich schwerlich abgehen möchte, verbietet mir gleichsam, denen in der gewöhnlichen Ordnung mir zuträglichen Wegen zu folgen. Ich glaube, daß Euer Excellenee in diesem Punkt von mir unterrichtet sind. Ausser diesen Grundsäzen (ich muß hier mitEnerEx- ccllence als wie mit meinem besten Freund sprechen) Kirche zu vereinigen, zu der er sich vorher» »ichc bc- kaiit hatte. Wir sind ausrichtig genug, um zu gestehen, daß wir weder der Lecrure der Kirchenväter, wie der Herr Vorredner mnthmasit, noch der LectUre seiner yeyebten Heiden, wie Herr P a a l z o w, sei» ehemaliger Collega in Seehanfen, befürchtet hat, diese Veränderung zuschreiten. Wer diesen höchst merkwürdigen Brief aufmerksam dnrchgelesen, dürfte wohl anders urtheile». D a ß d o r f. 38 ' Freundschaftliche habe ich die Freundschaft/ die größte aller menschlichen Tugenden/ als das größte Glük, wohin die Menschheit nach meiner Einbildung streben kan, sehr zeitig zu schäzen angefangen; nicht die Freundschaft, die Christen üben sollen, sondern diejenige, welche nur allein in einigen ewigen Beispielen des Altertums bekant ist. Dieses Glük ist den Großen in der Welt uubekant, weil eS nicht anders als durch Verläug- nung alles Eigennuzes und aller fremden Absichten kan errungen werden. Es erfordert eine Philosophie, welche Armuth und Noth, ja den Tod selbst nicht scheuet: Nsoi» ille c,-li!z amlois (^ul^ jistriü) Niuiclus ^>erire, nnd ich halte mein Leben vor nichts ohne Freund, der mir ein Schaz ist, welcher nicht theuer genug kan erkaufet werden. Auf diesen großen Grundsaz zielet meine Veränderung ab, und hierüber rufe ich die ewige Wahrheit zum Zeugen. Sollte mich jemand, ausser meinen Freunden, bis auf diesen Punkt haben kennen lernen: so glaube ich, daß er überzeugt sein könte , ich rede die Wahrheit; . nnd ich wünschete, daß Zuer Excellence, da ich blos ^ undalleinDero selben Gnade zu danken habe, daß ich fähiger geworden bin, mein eingebildetes Glük künftig zu erreichen, dieses als Wahrheit, aus meiner folgenden weitern Erklärung, zu einiger Rechtfertigung meiner unanständig und undankbar scheinenden Unbeständigkeit anzunehmen geruhen möchten. Nächst dem sind die Kürze unsers Lebens und die sehr engen Gränzen unserer Erkeütuiß zwei Stille, die wenigstens einen Menschen, wie ich bin, der seine Jugend in Armuth, und die Jahre, wo man am fä- > ) llloi-at, od. g>Z Briefe. higsten ist/ ZU empfinden, in anhaltender Arbeit und langer Einsamkeit zugebracht hat, und der endlich das Glük gehabt hat/ diejenigen Schriften/ in welchen die gesunde Vernunft/ ohne heutige weitgesiichte Gelehrsamkeit/ welche jene unterdrükct/ und die wahre MltweiSheit den Menschen zuerst aufgekläret worden/ kennen zu lernen; diese dopelte Betrachtung/ sage jch, sollte einen Menschen/ wie ich bin/ dem weder Geburt noch Stand im Wege stehet, mächtig unterrichten/ daß das Leben zn kurz sei, um in der lezten Hälfte desselben allererst einen Entwurf zu seinem künftigen sogenanten Gliike zu mache»/ und daß es in Betrachtung unserer Vernunft/ die uns zu einem weit edler» Gebrauche/ als gewöhnlich/ verliehen worden/ eine fast strafbare Eitelkeit fei/ dieselbe bis in's Alter fast blos mit Dingen/ die nur das Gedächtniß in Bewegung erhalten/ zu beschäftigen. Ich glaube daß diese Betrachtungen/ da ich schon das 36 Jahr Mükgelegct/ reif und beständig bei mir geworden Md. EnerExcellenee geruhen mich noch aufein raar Worte zu hören/ um mich über meine eigentliche Absicht zu erklären. Ich habe feit vielen Jahren gesnchet/ zween Freunde zu enltiviren/ von denen einer oder der andere »lich künftig gewiß aufnehmen wird. Auf der einen Seite gründet sich diese Hofnnng mit auf Euer Ex- ttllence Gnade; auf der andern Seite auf ähnliche Empfindungen von einer gewissen Art/ und auf die Cr- kentlichkeit/ die ich/ich will nicht sagen so rde rN/ doch ^hoffen kan. Meinen Freunden diese» Weg zu erleichtern/ und/ so lange es dem Schiksale oder mir selbst gefällt/ für meine wenigen Bedürfnisse auf cine meiner Freunde künftigen Stand gemäße/ oder/ wen alles fehlschlagen sollte/ für mich leichtere Art zu sorge»/ köiite ich Ge-, 4' Lo Freundschaftliche legenheit suchen/ junge Leute von Stande zu unterrichten. Den mit Leuten/ welche Bücher ums Brod schreiben/ ist die Welt mehr als zu viel angefüllet. Dieses kaii ohne mehrere Fertigkeit in den zwei gangbaren fremden Sprachen nichr füglich geschehen. Die Kentniß der Alten/ sonderlich der Griechen, scheinet der Jugend ein Weg/ der mit Dornen und Disteln verwachsen ist/ wie er cS den in der That ist. Wäre cS möglich/ den bei mir überschwänglich gewordenen Bcgrif der Freundschaft zu unterdrükeii/ oder hätten meine Freunde bereits ihr bestimtcs Glük/ so glaubte ich/ bei mir selbst zu finden / was ich nöthig hätte. ?!>us>e>iem »ine clore Gegenwärtig aber muß ich suchen/ mich auf einige mögliche Fälle gefaßt zu mache» / als ein Mensch/ der sagen muß: Hexers milii veus. Die schuldige Vorsorge für meine Gesundheit verlanget hernach/ mich von der Arbeit und den Büchern auf eine Zeit lang zu entfernen und Gelegenheit zu mehreren GemüthSverändernngen zu suchen. Ich ging einige Zeit nach den neuen Anfällen, die meine Gesundheit erlitten/ zu dem gewesenen Nuntiv/ Herrn Archintv/ den ich in Jahr und Tag nicht gesprochen/ blos in der Absicht, mich über meinen Rüktritt zu entschuldigen und Abschied j» nehmen/ ja/ wen es ohne weirer zu gehen möglich sein können/ mir den Weg nach Rom offen zu erhalten. Sein Bezeigen gegen mich war gütiger als cS mir selbst lieb war; er suchte mich durch Bitte» und Versprechen zu bewegen/ ihm zu folgen. Er sahe meinen ausgezehrten Körper und machte nur- keine Hofiiung zur Genesung/ als durch eine Veränderung der Lebensart und eine Erholung von d,e'i Arbeit, i.) I. 3. vä. 2g ) Vncfc. Ihm zu folgen schlug ich ni»d ab und wandte wie billig vor/ daß ich meine Arbeit ohnmöglich un° geendiget köiite liegen lasse»/ und was die Sache überhaupt betraf/ bat ich mir Bedenkzeit aus. Des Nuntii Abreise wurde aufgeschoben/ und innerhalb dieser Zeit/ ehe ich mich erklärte/ brachte ich den 5lllis pnlikici mehrentheils zu Stande/ und machte den Ansang mit dem l,is,o>i- coiu», Ii-ili-v, welcher auch beinahe geendiget ist, und ich suchte gewisse Nachrichten von dem einen meiner Frcunde einzuziehen/ die mir aber noch zur Zeit nichts versprechen koüten. Endlich erklärte ich mich/ aber so/ daß ich mir vorbehielt/ bis künftige Ostern in Sachsen zu bleiben. Seine königliche Majestät erklärten sich/ da dieses geschehe»/ zu den Reisekosten, und der Beichtvater versichert mich/ daß eS mir ausserdem a» nichts fehlen sollte. Lch falle Euer Excellence demüthig zu Füßen. Ich lasse mir nicht einfallen/ mich D e n en s e l b e n persönlich zu zeigen; a^'iu ich hoffe dennoch, das Herz voll Menschenliebe/ das meine vielen Fehler gnädig übersehen, werde noch zulezt wenigstens menschlich über mich urtheilen. >— Wo ist der Mensch/ der immer weise handelt? „Die Götter (spricht Homer) »geben den Sterblichen nur immer auf einen Tag „ ihr abgemessenes Theil von Vernunft. " i) Der Entwurf/ den ich mir gemacht/ kan/ von einer andern Seite betrachtet, thöricht/ verwegen/ ja vielen gottlos und abscheulich scheinen. Ein erleuchtetes Äuge/ womit Euer Exccllcnee, nach dem Bilde der Gottheit, das Ganze der Dinge anzusehen rslegen, wird mich leicht zu entschuldigen finden können. 2!. XVIIt. v. 1^6. klusunli p. 661. Lasi>. i. 2. x. 19g. cclit. 02 Freundschaftliche Schaam und Betrübniß erlauben mir nicht, mehr zu schreiben. Ich glaube eine ewige Vergeltung: die sei Euer Excellence großer Lohn. Hier habe ich eigentlich erst angefangen zu lebe»/ und erlange ich künftig das Glük, in dem Schooße der Freundschaft mein Leben zu beschließen: so habe ich die bestärkte Einsicht und die Mittel dazu der Gnade des größten Wohlthäters'/ den mir Gott in Eurer Excellence hohen Person erweket/ zuzuschreiben. Ich bin ». An B e r e n d 6. lNach Eistnach.Z Dresden, dc» 2? Dee. t754. Mein bester Freund und Bruder! ^'ch habe bereits' vor drei Wochen an dich schreiben wollen; der Brief war fertig und sollte mit dem Bedienten/ den Herr Öser dem Herrn Legationsrath von Fritsch absenden wollte/ abgehen. Dieser Mensch hatte seine Abreise von einer Zeit zur andern aufgeschoben/ und endlich hat er sich anders resolvirct, und brachte die ihm vorgeschossene 6 Thaler Reisegeld zurük. Ich habe endlich mit dem Briefe anstehe» wolle»/ bis' nach der Rükkunft des HofeS/ welches 2 Tage vor Weihnachten geschehen, um dir vollständige Nachricht zu geben; ich weiß aber dennoch izo noch nicht mehr als vorher. Ich ging zu Anfang deS MonatS October »ach Dresden und nahm Stube/ Kammer und Vorzimmer, alle» tapezirt/ für 6 Thaler monatlich. Da ich auf 2 Briefe nach Marsch,ui keine Antwort erhielt, hielt ich cS für rathfamer, meine Wirthschaft einzuschränken/ und bezog zu Anfang des' MonatS November Briefe. 93 eine Stube ohne Kammer/ welche mir Herr Oser überlassen bat/ monatlich für 2 Thaler 42 Gr. Sobald ich nach Dresden kam/ adressirte ich mich an den Hofrath Bianconi; ich war alle Abend ein Mitgleid einer artigen Assemblee in seinem Hanfe/ woraus alle Pedanten in Dresden verbannet sind. Ich schäzete mich glüklich, in einem Hause einen freien Zutritt zu haben, wo man allein in ganz Dresden eine artige Gesellschaft gewiß trift/ und wo alle Fremde introducirt werden. Ich supirte sehr oft bei ihm selb vierte mit dem Sänger Annibali/ der der Ordinaire ist. Ich nahm dergleichen Höflichkeiten an, weil ich sahe/ daß man es ungern sahe, wen ich vor dem Abendessen nebst der übrigen Gesellschaft meinen Abschied nahm. Ich glaubte/ ich würde ikm dafür nüzlich sein können/ da er mich bat, ihn zu infinit- ren und ihm behülflich zu sein/ seine Studia/ welche cr einige Jahre rnben lassen/ wieder hervorzusuchen. Diese Höflichkeiten hatten ein ganz ander Absehen. Er kam mir schon den zweiten Tag mit einem An- tng/ ihm zu Gefallen (so war sein AuSdruk) eine neue Übersezung vom Pindaro und von dessen Scho- liaste»/welche noch garnicht übersezet sind/ zu machen. Ich glaubte nicht/ daß es sein Ernst war/ und stellte ihm dieses Unternehmen in ein mebrereS Licht/ und er ging davon ab. Sogleich hatte er ein ander Pro- ject/ welches viel wichtiger/ weitläuftiger/ und auf meiner Seite gefährlicher war. Dieses bestund in der Verfertigung einer neuen ttberfezung von dem griechischen Arzt Dioskorides/ welcheS/ weil du ihn nicht kennest/ ein Folioband von 4 Finger dik ist. Alle Ausgaben davon sind gemachet ohne Collation des berühmten griechischenCodieis von 1200 bis Jahren in der wienerischen Bibliothek.^) Diese ttber- t) lPon diesem l'enihmtm Codex ist bis jezt noch kein. Freundschaftliche seznng sollt«! von Wort zu Wort gemacht werden,, damit er aus derselben hernach eine zierliche Umschreibung entwerfen tönte/ weil er kein Griechisch versteht. Ich suchte anfänglich Ausfluchte/ und schob/ da diese nichts verfangen wollten bei einem so feinen Kopf/ die Sache in die Länge/ weil ich glaubte/ er wäre mir nothwendig zur Erreichung meiner Absichten. Er machte mir tausend angenehme Pro- messen. Weil er wohl einsähe/ daß eS eine Arbeit tM/ welche diesen Winter nicht könte geendigt werden/ und ich allezeit darauf bestnnd/ auf Ostern nach Nom zu gehen: fo fing er an/ mir viel Schwierigkeiten zu zeigen/ die ich in Rom finden würde/ und dre- hete das Ding so wunderbar herum/ bis er mir endlich entdekete/ daß er wünsche/ mich bei sich zu behalten/ mir eine kleine Pension zu verschaffen/ um dieses Werk zu endige»/ und die Reise nach Wie» zu thun/ daselbst die Collation des Codicis/ die Ergänzung der theils mangelhaften/ theils dunkelen Stellen anzustellen; ein gewisses Werk/ welches inc dirt dafelbst ist/ und hierzu gehört/ zu eopiren/ und endlich die gehörigen Anmerkungen und Indices auszuarbeiten/ welches eine Arbeit zum wenigsten von 2 Jahren würde gewesen sein/ wen ich den ganze» Tag gearbeitet hätte. Er ist Willens/ eine Neisc nach Italien zu thun/ und diese Reise sollte bis zur Vollendung dieses Werkes aufgeschoben bleiben. Er ließ mir keine Ruhe/ ich mußte deu Anfang machen/ ich merkte aber/ daß er mich blos zu mize» suchete/ und machte mich los davon. Er schien nicht sehr empfindlich zu sein/ und glaubte noch immer/ mich zu seinen Absichten zu bewegen. Von dieser Zeit an ging ich seltener zu ihm/ und schlug alle rechter Gebrauch zur verbesserten Ausgabe des Diosk«> lives »emacht werden, ü » Briefe. S5 seine Offerte» a»S; und um Ruhe zu haben/ verwies ich alles auf die mündliche Entscheidung des Beichtvaters. Man rechnete von da an bis zu der Rük- kunft des Hofes L Wochen. „Ich dächte/ (fing er „an/) wir suchten auch diese 6 Wochen zu nuzen." Warum nicht/ war meine Antwort. „ Gut/ (sagte „ er/) Sie sind so gütig und saugen eine Überseznng „an/ welche Sie binnen dieser Zeit endigen kön- „nen. " Hr kam mit einer elenden und mangelhaften Brochure MoschiouS/ eines griechischen ArzteS/ clc morkiis muiieium, Er schikte mir das Buch auf meine Stube noch um li Uhr die Nacht. Ich schikte es ihm zuriik und ging nicht wieder zu ihm. Ich habe etwas davon dem Beichtvater erösnet/ (seine eigentliche Absicht aber will ich verschweigen/ wen er mir nicht zu schaden suchen wird;) er billiget mein Verfahren. Zu der Zeit/ da ich nur dan und wan meinen Besuch machte/ ist der Vorschlag an den Herrn Graven mit einem Bibliothecario geschehen. Der Mensch/ welcher vorgeschlagen ist/ ist ein Erzwindbeutel. Biaueoni fragte mich/ „ob nicht „der Mensch in meine Stelle treten köiite?" Ich stellte ihm alle Schwierigkeiten vor/ und wollte Franken davon Nachricht geben/ ich fand ihn aber nicht in Nötheniz. Um dieser Sache wegen habe ich sehr leiden müßen/ und Franke hat mich als ein wahrhafter Flegel darüber angelassen. Ich kan bei Gott bezeugen/ daß ich nicht gewußt habe/ daß man an den Graven geschrieben. 2) Lm übrigen bin ich sehr zufrieden/ ohngeaclM es mullenim xasziomkus lilicr, vcrs. litt. Viertle 8,^ Z> lM?» fts'c dantt'rr den Vcicf g nl>m,7 96 Freundschaftliche mir an vielen Dingen mangelt. Ich bin gesund/ nur fehlt es mir an genugsanier Gelegenheit/ mich im Neben zu üben. Dem Beichtvater habe ich mein Complimcnt bei seiner Ankunft gemacht; ich bin zufrieden mit ihm/ bis aufs Geld/ wovon er keine Meldung that. Ich will mich bis auf den lezten Heller halte»/ und man soll nicht sagen/ daß ich bettle. Ich brauche/ als ein ehrlicher Kerl zu leben/ ivn Thaler alle Quartal/ welche ich aber nicht.bekommen werde. Den Z Freitag habe ich zum erstenmal aus eigener Bewegung die heilige Messe gehöret und gedenke noch vor dem neuen Zabre zu eommiiniciren/ damit ich thu, was man fordern kan. Meine Sache werde ich gar nicht heftig treiben/ man mag mir hier meinen hinlänglichen Unterhalt geben oder nicht. Fallt die Sache nicht auS/ wie ich raifonablement fordern kaii, so bin ich frei. Gott weiß/ ich bin zur wahren Zufriedenheit gelanget/ die mir kein niciifchlicher Zufall rauben soll noch kan. ES ist kein Angenblik gewesen/ wo mich es gereuet/ Nötheniz verlassen z» haben. ES schielt mich izo kein neidischer Hund mehr an! In einiger Zeit werde ich dir mehr Nachricht geben. Den ganzen Vormittag bleibe ich zu Hause, um ä l Uhr pflege ich zuweilen auf die königliche Bibliothek zu gehe»/ und suche mir Bücher/ welche mir willig eommuniciret werden. Von 42 bis halb 2 speise ich; bis 2 mache ich eine Promenade über die Brüke und nach Hause/ gehe auch selten vor 7 Uhr auS/ und wen es geschieht/ zu dem Htakiäuer Sala/ wo ich etwa eine halbe Kanne rothen Wein trinke. Alle Tage zeichne ich wenigstens 2 Stunden. Herr Öser ist hier mein einziger Freund uud wird es' bleiben. l) lGcht den Bibliothekar Franke an>1 Briefe. 97 An Lamprecht habe ich seit meiner Neise nach Dahlen ein einzigeSmal geschrieben/ lind er ein einzi- gcSmal an mich. Nach Berlin kan ich nicht reisen/ ich habe kein Geld dazu/ und da er mich in Potsdam nicht haben kaii/ so wird er sich zufrieden geben und ich auch sehr gerne. Meine ExtraitS habe noch nicht zunik; ich vermuthe sie aber alle Posttage. Ich werde' nun nicht eher als etliche Tage nach dem neuen Jahre zu dem Beichtvater gehen; ist das Geld für mciiicn Unterhalt nicht beträchtlich und monatlich 2^ bis 30 Thaler/ so werde ich nichts' nehmen/ und will alsden von Lamprechten mein Geld fordern und sehen/ wie weit es reichen will. Sonst habe ich keinen Menschen über meine Umstände besuchet/ und werde es auch künftig nicht thun. An den Gouverneur von Nom habe durch Bianconi geschrieben/ aber noch keine Antwort erhalten. Wen ich reise/ wird eS vor dem Monat Mai nicht geschehen; ich wnnschete/ wir könten uns noch vorher in Dahlen sprechen. Lebe wohl/ mein liebster Freund! Sorge nicht/ eS wird alles gut werden; ungliiklich kan mich nichts in der Welt machen. Bleibe mein Frennd! Mache dem jungen Herrn Graven meine unterthänige Empfehlung. Ich küsse dich und ersterbe -c. N a ch sch r. Mein Logis ist in derFrauenga s- se in RitschelS Hause/ bei dem Herrn Maler Öser/ Trepen Joch. Herr Öser bittet/ nebst nnterthnnigem Compli« ment ihn bei dem Herrn LegationSrath zu entschuldige»/ daß er nicht schreiben können. Winckelmaii. to. 6 Freundschaftliche An B er end 6. lNach Eisenack!. Z Dresden, den 2Z Jan. t7ZZ. Liebster Freund und Bruder! ^)u wirst meine 2 Schreiben in ciiiem einzigen Einschluß durch den Herrn LegationSrath von F ritsch erhalten haben. Ich weiß noch nicht sonderlich viel mehr/ als ich damals wußte; so viel aber weiß ich, daß ich mir nicht die geringste Hosnung auf irgend einen Namen einer Pension vom Hofe machen darf. Ich werde mich befriedigen müßen mit dem, waS man mir von hieraus durch den General des' Ordens Societ^is .1 es,, wird assigniren lassen. Unterdessen ist mir ein Strahl von Hofnung aufgegangen, der mir Muth und Her; gibt, alles, waS mir auf diesem Wege kan beschwerlich fallen, herzhaft zu ertragen. Mein gutes Glük hat unreinen zuverläßigen Weg gezeiget, einen mir gleich anfänglich anständigen und allmählig reichlichen l!u- tervalt zu verschaffen, sobald ich in Rom meine Zufriedenheit nicht finde und hierher zurükgehen will. ES gründet sich dieses Glük auf gar kein Engagement, auf gar keine Arbeit, die nicht nach meinem Geschnuik ist; sondern ich finde eS aus einem Wege, den ich beständig bisher vergebens gesuchet habe, auf welchem mir Freiheit und Freundschaft die Hände reichen. ES ist noch zu zeitig, mich hierüber völlig zu erklären; ich richte aber von nun an mein Augenmerk auf dieses Ziel. ES erfordert einige Vorbereitung, ich habe dazu meine historischen Entwürfe, die ich zu den Vorlesungen der Grävin von H. ehemals gemacht habe/ nöthig, ttberschike mir alles, was du hast, nebst Briefe. den großen ExtraitS. >) Du hast nicht nöthig/ ganz zu frankiren. Der Herr Pater Na u 6) hat angefangen/ seine milde Hand aufzuthun/ und hat mir bis in den Februar tu Ducaten ausgezahlt. Die Armuth ist allenthalben sehr groß/ und größer/ als man eS wirklich hier und anderwürtS glaubet. Meine ExtraitS habe ich noch nicht zurük erhalte»! ich habe auch in 3 Monaten kein Schreiben von Potsdam bekommen. Ich lerne immer mehr des Mensche» böses Herz kennen. Um alle Besuche zu cludi- re»/ hat er den Besuch in Berlin vorgeschlagen/ über den cr sich hernach am leichtesten zu entschuldigen gedacht. Deßwegen hat cr nicht wieder geschrieben/ und weil cr mir schriftlich und mündlich angedeutet hat/ daß es (ohne Ursache anzugeben) in Potsdam nicht möglich sei/ ihn zu sehen/ so hat er mich zum lcztenmal gesehen. Sein Gedächtniß sei bei mir vertilget!^) Ich werde dir die ExtraitS communicireii/ so bald eS mir möglich ist. Die alten ExtraitS sind nicht für dich: sie sind inehrentheils kritisch und voller griechischer Literatur und Altertümer. Ich glaube/ daß ich dir Mi den Schreiben des Gouverneurs von Rom an mich in dem lezten Briefe gemeldet; ich muß endlich darauf antworten. ES ist über alles freundschaftlich und gütig. Ich glaube/ daß ich an 6 Dueaten in Rom/ den Zuschuß von hier ans mitgerechnet/ haben werde/ welches dort/ wo die päbstliche» Kammerjunker nur auf 4 Ducaten monatlich, worin Kost und alles begriffen ist, stehen, schon was Rechtes ist. Als eine Anscheinung eines großen tWvllte cr sich durch Unterricht in der Geschickte sei» Auskommen sichern? Man sehe darüber auch den folgenden Brief-1 2) lDie Siede ist von La »ivr e ch t.Z Freundschaftliche GlükeS ist es zu geringe; aber es' wird mir zu meinem Endzwek hinreichend sein. Im April werde ich höchstens von hier aufbrechen. Ich habe seit der Zeit/ da ich den Brief aus Nom erhalte»/ wieder angefangen/ den Hofrath Bian- coni dan und wan zu besuchen/ sonderlich da da Neapolitaner/ der dem Herrn Graven vorgeschlagen worden/aus seinem Hanse relegiret worden. ES macht mir der Man die feinsten TonrS/ dergleichen mir niemals in meinem Leben vorgeleget worden/ um mich hier zu behalten. Ich mache sie aber alle unfruchtbar durch ein angenommenes Phlegma; z»> mal ich gewiß weiß/ daß der Aurprinz nicht im Stande ist/ mir zu helfen. Meine Vorsicht gehet nicht weiter/ als nur zu verhindern/ daß mir Bi- aneoni nicht schaden soll. Wen ich nur so glüklich bin/ in der Vaticam etwas zu sinden/ das man ediren und dem Kurprinzen dediciren kan/ so glaube ich künftig das Vergnügen zu erlebe»/ daß man mich selbst hier suchen soll. Der Pater Ranch hat mir sein Wort gegeben, baß im Fall der Chevalier Constanti»/ Li>>lio^°- cair cl» Koi, ein Man all 70 Jahren/ versterbe/ ich der nächste zu dessen Stelle und Pension 5 Thäler sein solle. ES komme wie eS wolle/ ich st»de/ wen ich von Rom zurükgchen will/ auf einem sehr anständigen und eommoden Wege mein Brod; auf einem Wege/ wo ich den Nnzen von meinen Arbeiten genießen kaii. Sei nicht säumig/ mir die ExtraitS und sonder- t) lEr nent il>» im vorig»» Briefe einen E rzwi ndl> cu> tel, der sur ihn bei dem Gravcn von Nünan Wie sollen angestellt werden. Man vergleiche dc» Br. v. S Dec. 57S2.Z Briefe. lich meine historischen Ausarbeitungen zu überschiken, und dieses mit der ehesten Post. Ich habe sie höchst nöthig und warte mit Verlangen darauf. Schreibe mir/ ob der Herr Grav eS gnädig aufnehmen möchte, wen ich an ihn schreibe. Herrn Werkcnthicn mein Compliment. Ich ersterbe?c. Nachschr. Ich will dir die erwähnten historischen Ausarbeitungen nebst allen meinen alten Ex- lraitS/ zurüklasscii bei Herrn Öser, von dem du sie bekommen sollst. Nur schike mir izv/ was ich verlange. Herr Öser läßt sich empfehlen. Mein Logis ist in RitschelS Hause in der Frauengasse beiden, Herrn Maler Öser. An B e r e n d S. lNach Eisenach, Z Dresden/ lungcfähr den lll MärzZ Mein liebster Freund und Bruder! o ^ch habe alles wohl erhalten/ und freue mich herzlich/ daß du gesund bist. In deinem neuen Leiden mußt du zu deinem Trost mit deiner Kirche (v-e orian» -mm-«!) singen: „Sollt ich izt auch nicht et- „waS tragen?" Meine ExtraitS habe nach vielem Erinnern allererst den vorigen Posttag von Potsdam zurük erhalten. Ich wollte dir mit tausend Freuden meine Schäze/ die hier in Dresden sehr angewachsen sind/ mittheilen/ wen ich wüßte/ wan ich reisen sollte. Ich glaube/ man werde nach Ostern auf meine Abreise dringen/ zumal da der König nach der Messe und sodan 1»2 Freundschaftliche nach F'ranstadt gehet/ das Compliment des türkischen Botschafters anzunehmen. Es sind mir von neuem 10 Dukaten ausgezahlet worden. Hm Übrige» lasset man mich immer wie in, Traume. Dem Gouverneur habe ich mich etwas deutlicher erkläret/ aber noch keine Antwort erkalte». Ich werde die ganze Sache/ da es mir immer an Kek. heit fehlet/ wenigstens mit demjenigen kalten Blute den schleichenden und kriechenden Ton gehen lasse», den sie izo hat/ und alsdan/ wen man anfängt/ Ernst zu zeigen/ Forderungen inachen. Der Pater Ranch hat sich wenigstens erkläret, mir etwas Gewisses durch den General des Ordens auszahlen zu lassen; wen ich nur so viel Reisegeld erhalte/ daß ich die Kosten der Retur ersparen kan/ (ich gehe aber nicht eher von hier/ bis man mich raisonnable befriediget/) so wird ein Jahr oder zwei wol,l hingehen. Gibt man mir nicht viel/ so arbeite ich nicht viel; den es ist auf kein Glük angesehen. Bianeoni machet die feinsten Züge/ mich hier ! z u behalten/ und er hat zu dem Ende dem Gonver- 1 nenr geschrieben, daß man mir eine Stelle im Batica- no ausmachen soll/ da mein vräsumtiver Patro», Passion ei, an O. nirinis Stelle Bibliothekarin? worden. Mich suchet er dahin zu bringen, mich zil erklären/ nicht von hier z» gehe»/ wen mir dieses vorher nicht ausgemacht worden. Ich habe/ olmgeachtet alles seinen ungestümen Anliegens/ selbst dieses nicht suchen wollen/ um eS hier mit dem Pater R a u ch nicht zu verderben; (ohne dessen Vorwissen dergleichen geschehen müßen;) nnd um nicht Dinge zu verlangen, die man mir zwar versprechen/ aber ohne vorhergehende Vacance nicht conferiren-kan. Unterdessen da ich sehe, daß hier die griechische Literatur, und sonderlich von dem Kurprinzen geschä- zet wird/ ohne daß man einen einzigen Mensche»/ so Briefe. viel ich weiß, in ganz Dresden hätte/ der nur die geringste Kentniß hätte: so werde ich wenigstens/ weil >ui meine Neise gedacht werden wird/ zum Eraven Wackerb arth gehe«/ und ihm zu verstehen gebe»/ daß man jemand ausser Land gelassen/ den man unter der künftigen Negirung vergebens suchen wird. Die wälsche Politik ist unendlich fein. Vianeo- ni hat mir eine Pension versprochen und Tisch und Wohnung/ wen ich bleiben wollte. Das Geld sollte nicht ans seinem Beutel kommen/ wie er sagte - ich sollte aber unbekümmert darum sein. Ich mnthmaße daher nicht ohne Grund/ daß er mir dergleichen von dcm Kurprinzen auswirken würde,, ohne daß ich wüßte/ woher eS käme/ um mich selbst zu gebrauchen. Er gedenket daher im Geringsten nicht mehr an das Versprechen/ so er dcm Nuntio gethan, mich durch Wa- ikcrbarth der königlichen Herschast präsentiren zu lassen. Ginge ich izo/ da meine Reise noch nicht re- gnliret ist/ zum Wackerbarth/ so müßte ich besorgen/ Bianconi würde mir etwas verderben können. Ich machte viel Bewegungen/ hier mein Brod zu ßnden. Man machte mir Hofnung zu einer historischen Vorlesung vor einer gewissen Gesellschaft. Au dcm Ende forderte ich dir meine historischen Sachen ab. Ich war Willens ein würdiges Werk daraus zu machen, und ich ließ daher eine schriftliche Abhandlung: Vom mündlichen Vortrage der allgemeinen neuern Gefchichte / einigen Kennern zeigen. Allein man ist zu schläfrig. Man animirt mich/ ich soll schreiben/ man wolle für einen Verleger sorgen. (Du mußt wissen/ daß dergleichen Leute/ die hier im Spiele waren/ keine Katholiken sind/ aber die sehr wohl wissen/ daß ich es bin.) ES ist aber dergleichen Brod sehr ungewiß/ und dieser Weg steht mir allezeit mit mehrerer Zuversicht offen/ wen ich aus Zta- Freundschaftliche lien zurükgehen will und kein ander Mittel für mich sonst übrig ist. Ich will also meinem Schiksal freie Hand lassen. Die besten Jahre sind vorbei, der Kovf wird grau, und die Hefen von meinem Leben verdienen es' nicht, gar zn viel Überlegungen anjustellen. Ich werde mir ansbedingen, über Wien und Venedig zu geben. Von Wien werde ich eine Reise nach PreSbnrg thun, um auch den ungarischen Boden kennen zu lernen. In den strengen Wintermonale» bin ich nicht viel ausgegangen, ausser des Abends zu Bianconi, und da mein voriges Geld noch nicht auf der Neige war, zn einem Jtaliäner, >) ein GlaS Wein zu trinken. ,Jzo fange ich an, den lezten Ort wieder zu besuchen. Meine Tischgesellschaft ist sehr gut, und ich bin sehr wohl zufrieden; aber ich bin gezwungen, drei Tage in der Woche Fastenspeisen zu essen, weil einige Katholiken in der Gesellschaft sind, die mich kennen. Des SoiitagS pflege ich gemeiniglich bei dem Galeriein- spector^) zu essen, und zuweilen auch deS Freitags, als an unserm Fasttage. Anfänglich, da mich einige Kezer, die mich kennen, in der Messe knieen sahen, habe ich mich gefchä- met, allein ich wurde dreister. ES würde mich aber niemand sehen, wen ich nicht die Messe hörete von n mS 12, da Musik ist. Mein Vater hat, wie ich nunmehr anfange zn merken, keinen Katholiken ans mir machen wollen; er hat mir ein gar zu dünnes empfindliches Knieleder gemacht, als man haben muß, mit guter Graee katholisch zu knieen. Ein Stük von seinem büffelmäßigen Knieriemen hätte er dahin füttern sollen. Im Winter habe ich meinen Manchon^) un- t) tNamcns Sala.Z 2) Miedcl.Z Ä) u f.1 Briefe. tcrgelegt; im Sommer werde ich blos darum ein Paar Schlaghandschuh bei mir führen müßen/ um andächtig zu knicen. Ich merke/ es fehlet mir »och sehr viel zu meiner Seligkeit. Wen ich mit der rechten Hand die Kreuze machen soll/ so meldet sich die linke, zum großen Ar- gcrniß derer/ die neben mir sind; ich glaube gar/ die heiligen Väter haben auf einem Concilio einen wichtigen Kanon darüber entworfen. Den Aschermittwoch bin ich eingeäschert wurden; ich zukte, aus Furcht/ eS unrecht zu machen/ mit dem Kopse/ und der geheiligte Drek wäre mir beinahe in's Maul gcschmierct worden. Ich habe auch von neuem gebeichtet/ allerhand schöne Sachen/ die sich besser im Latein als' in der Frau Muttersprache sagen lassen. Man hat hier Gelegenheit/ mit Petronio und Martiali zu sprechen: je natürlicher je aufrichtiger. Sieben Vaterunser und sieben Avemaria sollte ich beten. In der ersten Beichte waren es zwei von jeder Art mehr/ und mit Rccht. Du siehst daraus / daß die heilige Kirche eine sehr gütige Mutter ist. Zum Unglük kan ich das Ave nicht beten; Paternoster brauche ich nicht: es kömt aus der Mode bis auf die Böhmen. Sollte ich dir nicht bald Lust machen/ ein Katholik zu werden? Vor einiger Zeit trug man sich mit der Nachricht/ der König in Preußen wollte meinem Beispiel folgen. Man glaubte es nicht ohne Grund/ weil ein preußischer Hofrath hier ist/ der ehemals ans einem Stift der Augustiner Herren in Prag entsprungen/ ein Lutheraner/ Professor zu Frankfurt an der Oder und nachher 16 Jahr als Hofrath in Berlin gelebet hat. Er ist durch eine Heirath zu einem großen Vermögen komme»/ baro- nisirt/ und ist gewillet/ nach vorhergegangener Absolution/ nach Rom zu gehen. Ich pflege ihn zuwei- Freundschaftliche len zu besuche»/ er heißt von DobroSlaw. Von diesem Man habe ich erfahre»/ daß der Hofrath SelliuS/ ehemaliger Professor zu Halle/ im Hesscn- casselschen wegen Wechsclschulden von 7000 Thaler»/ und als ei» Falsarius gehenkt worden. Ich kenn- die große Geschiklichkeit dieses Mannes und sein Buch lle 'I'erellinll iN!lrina, welches in dem schönsten Latein geschrieben ist, und eine Kentniß der Alten zeiget/ die so ivohl angebracht/ als unvcr- muthet sie in dergleichen Schrift ist; daher mich diese Nachricht/ als einen seiner fleissigen Zuhörer/ so empfindlich geruhret/ als eS nie etwas i» der Welt gethan hat. ES besizet gedachter Hofrath feinen kostbaren newtoni fche n TubuiN/ bis t2 Fuß lang, unlcr Newtons Direktion von Hearne gearbeitet. Es ist ein wunderbares Werk; er hat ihn feil geboten für >?N0 Dueaten. Jmglcichen seine große Antlui/ den Brenspiegel von Hartsoekern und dergleichen/ die ihm SelliuS gegen aufgenommenes Geld vcr- sezet/ ehe er aus Berlin gegangen. — Nach Nöthe- niz bin ich langer Zeit nicht kommen/ weil es mir hier nicht an Gelegenheit zu Büchern fehlet. An Se. Exccllcnee werde ich doch schreiben dürfen: eS soll ehestens geschehe». Mache meine Empfeblunqcn deinem jungen Herrn Graveii/ dem Herr» Baron von Fritsch und dem Herrn Werke nthien. Kch möchte wissen/ was man i» Stendal von mir spricht. Werkenthien wird eS wol l wisse». Schreibe e» mir: es mag sein wie es will. Hch wiinschete mir, I o >! ra vh ich warf sehr viel weg/ und mußte auch bedächtlicher verfahren. Meine Abficht war/ nicht zu schreiben/ was schon geschrieben ist; ferner etwas zu machen/ (da ich so lange gewartet/ und alles gelesen/ was an das Licht getreten/ jfl in allen Sprachen über die beiden Künste/) das einem Original ähnlich werden möchte; und drittens'/ nichts zu schreiben/ als wodurch die Künste verbreitet werden möchten. Einer meiner besten Freunde/ welcher die Kupfer gezeichnet und mit Scheidewasser geäzet hat/ beförderte diese Sache sehr. Die Schrift sollte das Unerwartete nicht verlieren/ und ich hatte eine Dispensation von allen Censuren nöthig. Diese mußte von dein Premierminister/ Herrn Graven von B rü h l/ selbst gesnchet werden. ES that eS jemand für mich. Dieser Herr erklärte fich/ daß er mich sehr wohl kenne/ wie er mir selbst vor ein paar Habren in Nötheniz mit einer Eloge merken lassen. Er ließ mir Dispensation ertheilen, und mir zugleich wisse»/ ich sollte meine Schrift Seiner Majestät selbst dediciren. Die Schrift war zu geringe und man mußte darüber des Königs Erklärung selbst haben. ES war meinem Patron daran gelegen/ mich zu producireii/ und ich war unbekümmert und ließ ihn alles machen. Er hat eS dem Könige vorgetragen/ der einige Nachricht vorher von mir hatte / und ich erhielt die gnädige Erklärung / daß es' ihm lieb sein würde. t) lDer Maler sse r.1 Freundschaftliche Man fand aber für gut/ daß ich nicht über 50 Exemplare drukcn lassen sollte. Eine große Dame wird anfangen/ die Schrift in'S Italiänische zu über- sezeii. Sie ist Seiner Majestät und dem königlichen Hause überreicht. Die Reise nach Fraustadt aber zum Empfang des türkischen Botschafters hat mich ohne Nachricht gelassen über den Beifall bei Hofe. Dem Minister-Habe ich sie selbst überreichet. Diejenigen/ welche den diesigen Gefchmak kennen-/ wissen/ mit welcher Freiheit ich in dem lezten Bogen dem König selbst die Wahrheit gesagt. Die Trophäen auf ein HagdI> auS gehen auf das prächtige Schloß Huberts bürg/ welches er gebauet, und verschiedene andere Stellen sind eine Leetion für unwürdige Leute/ denen man die Aufsicht über die größte Galerie in der Welt und über die Antike» anvertrauet hat. Ich arbeite izo an einer Schrift, worin ich diese meine Schrift selbst angreife/ um diesen Leuten beissende Wahrheiten zu sage»/ und mir Freunde zu gleicher Zeit zu machen. Die Zweifel sollen aufs Höchste getrieben werden/ und der Dnik soll von jemand anders besorgt werden. L» einer folgenden Schrift aber / welche ich zu gleicher Zeit entwerfen werde, soll alles beantwortet werden. Ich werde Sr. Majestät dieses Dessein vorher eommuni- eiren lassen, damit ich sicher gehe/ und wider Leute/ dergleichen der Baron von Hei necke ist/ Pro- teetion finde. Mein flreund! ich martere dich mit meinen Grillen. Ich schreibe gerne kurz / wie meine Schrift zeiget; allein es ist zn lange/ daß ich mit 1) lDie Gcneralin Löwendal.) 2) lGc danken über die Nachahmung ic. gegen das Ende zu.) Z) lHicr ist offenbar cin Fehler i» der Abschrift, der s« gut als möglich verbessert worden,) Briefe. dir nicht geredet habe. Von der Schrift wird mein ganzes Schiksal abhängen, und ich habe gute Hof- luiiig, man werde mich suchen/ hier zu gebrauchen nnd mich nicht in der Römer Hände gerathen lassen. Die Reise nach Italien kan indessen allezeit geschehen, ininier mit mehr Hofnung auf meine künftigen Umstände, die in der That izo noch sehr philosophisch aussehen. — Du wirst mehr Allegata wünschen; ich habe sie aber mit Fleiß weggelassen, damit sich die hiesigen Kliiglinge ein wenig würgen sollen. Das erste Kupfer ist das Opfer der Jphi- genia. Wie aber komt das Opfer zu dieser Schrift? Mail weiß nicht, warum ich das gethan habe: ich habe eS Seiner Majestät schriftlich erklärt. Der Maler ist Timanthe S. Die griechischen Worte werden es erklären. Das zweite ist der Perser S i n- ätaS,2) der seinem König, welcher vor seiner Hütte vorbeizog, eine Hand voll Wasser brachte, weil er sonst nichts harre. Niemand aber durfte, wie bckant ist, vor den Angen des persischen Königs mit leerer Hand erscheinen. DaS Schlußkupfer ist So- krates, wie er seine 3 bekleideten Gratien arbeitet, welche noch zu des PausaniaS Zeiten vor dem Eingang der Ak'ropoliS zu Athen stunden; neben ihm sieher der Wnsserkasten mit seinem Modell, wie voranSgesezt: der Kopf des Weisen ist von alten geschnittenen Edelsteinen genommen. Ich glaube. Seine Majestät werde die Probe, nach meiner Art in Marmor zu arbeiten, durch unseren besten Bildhauer, Condray, machen lassen. Ich kan bethenren, daß ich die Schrift ohne Bücher gemachr habe; aber ich habe Auszüge aus den besten Büchern, die mir nicht k) lM-ni vergleiche G- !>. K. 9 V. Z K. 24 §. Nv tc.Z 2) l?'.Iion. V2I-. l. 32. I'IulLi'cl!. init. et in v!- z Freundschaftliche um i00 Dueaten feil sind. Der Herr Grab von Büttau wird mit seinem ganzen Gefolge in etlichen Tage» in Nötheniz erwartet / wo ich Bereil ds spreche» werde. Der Raphael/ den ich beschrieben/ kostet etliche 4o,ono ReichSthalcr / und ist hie und du schon etwas schadhaft. Die herculanischen Antiken aber sind ganz unbeschädiget/ welches keine von den schönsten Antiken in Rom nichtist, nicht der Lao- koon, nicht der Apollo/ nicht der Antinous. Dessen Beschreibung ist nach sehr fleissigen Abgüssen in GvpS / die der König hat/ gemacht. Künftig ein MehrereS:c. An Verends. L?>ach Eiscnach. Z Dresden/ den 4 J»n. NZ5. Liebster Freund und Bruder! Ach innsi leider erfahren, daß mich meine besten Freunde vergessen. Lainprecht suchet mich sogar um etliche ä» Thaler zu betrügen. Ich will lieber nicht wisse»/ ob du in Dahlen gewesen bist/ (den ich bin mit der nöthenizer Wirthschaft ans allem Zusammenhang;) unterdessen wäre deine Nachläßig- keit gegen deinen Freund dadurch noch schändlicher. Meine Umstände sind oft nicht die besten gewesen/ aber dem Himmel sei gedankt/ daß ich meiner alten Frennde Hülfe nicht nöthig habe. Ich thue dir durch diese Art zu schreiben nicht unrecht. Du bist mir eine Antwort schuldig auf einen Brief/ den ich vor mehr als ^ Monat/ vielleicht ist cS noch länger/ geschrieben habe. Briefe. 113 Ich überschikc dir etwas von meiner Arbeit.^) Ein Exemplar bekomt der Herr LegationSrath/^) und eines der Herr Werkenthien nebst einem großen Kompliment. Es sind nur 60 Exemplar ge- dmkt/ um die Schrift rar zu machen. Der Anfang dieser Arbeit war für einen kleinen Buchhändler in Dresden bestimmet/ dem ich sie entworfen/ auf Ansuchen eines Bekantcn/ um eine Mo- Mfchrift dadurch in einiges Ansehen zu bringen. Ich zeiget- sie dem Beichtvater: er machte mir übermäßige Lobsprüche und animirte mich/ dieselbe dru- kcn zu lassen. Ich legte von neuem Hand daran/ und gab sie ihm. Es war in der Woche vor Ostern/ daß man mir des Buchhändlers Verlangen erösnete. Der Beichtvater versprach mir die Kosten zum Druk; ich war gewillet / ihm die Schrift zu dediciren. Er nahm es nicht an / mit der Erklärung: die Schrift wäre zu schon für ihn; es müßte jemand sein/ der künftig mein Glük machen könre. Weil aber der Grav Wacker barth fo viel Umstände machte über die Absicht/ die man hätte anf den Kurprinzen, und ich mich fast über niemand vergleichen konte/ so sollte es ohne alle Zuschrift gedrukt werden. Ich hatte aber eine Dispensation nöthig über die Censur/ damit die Schrift ihr Unerwartetes nicht verlieren möchte/ und diese mußte von dem Minister selbst gesucht werden; dieser hat bezeuget/ daß er mich sehr wohl kenne/ und hatte mit einer gewissen Achtung von mir gesprochen. Er hatte gefragt/ wem die Schrift solle dedieirt werden / und da ihm gesagt worden/ daß sie zu klein sei/ um darauf zu denken/ so hat er mir demohngeachtet befohlen/ sie dem König zuzuschreiben. Dem König wurde dieses Vor- 1) tGedanken über die Nachahmung ic.^I 2) Wavo» Fritsch.Z 6 * Freundschaftliche haben gemeldet/ »nd er hatte sich erklärt/ daß es ihm lieb sein würde. Den ersten Psingstfeiertag wurde die Schrift dem König übergebe» / und von mir selbst oem Minister/ der es sehr gnädig aufnahm. Noch zur Zeit aber habe ich keinen Pfennig Vortheil von meiner Arbeit gehabt/ ausser daß sie mei- ne Absicht befördert. Die Schrift hat einen unglaublichen Beifall gefunden/ und es haben mir große Kenner/ in Absicht der großen Freiheit wider den hiesigen/ ja selbst wider des Königs Geschmak/i) zum Comvliment gemacht/ daß ich Bahn gebrochen zum guten Eeschmak, und daß es ein Glük sei/ wen man unter solcher Protection (sie verstehen den Beichtvater) schreiben können. Französisch übersezt wird es im 5o»r- nsl elrÄNAei- und in den Schriften der >?o ?eintuie in Kopenhagen erscheinen. Die Generalitt Löwendal und Bianconi selbst (doch dieser nach einer französischen ttbersezung) haben sich erboten, eine italiänische Übersezung zu machen. Ich habe sogar gehöret/ daß man es schon abschreiben lassen, weil so wenig gedrukt sind. Walther hatte wider meinen Willen von dem Beichtvater die Erlaubniß und zwar zu einem noch ansehnlichern Nachdruk erhalten ; ich habe aber dieses Vorhaben noch auf einige Zeit hintertrieben, damit sie noch rar bleibe. Der Werth der Schrift sW vornehmlich : l.) die zuerst auf'S Höchste getriebene Wahrscheinlichkeit von den Vorzüglichkeiten der Natur unter den Griechen. 2.) Die Widerlegung des Bernini. 3.) Die zuerst jn'S Licht gesezte Vorzüglichkeit der Antiken und des RavhaelS/ den noch niemand bisher gekant hat. -i) Die Bckaiitmachung unsers SchazeS von Antiken. 5) Der neue Weg, in Marmor zn arbeiten. j) lMa» vergleiche den N>'. an Udc», v. ZI»». N55.1 Briefe. il5 In den sehr engen Gränzen, die ich mir gesezt habe/ ist genug gesagt. ES soll niemand sagen, daß ich jemand copirt habe. Allegata habe ich suche» zu vermeiden, auch da, wo sie nöthig waren, zum Theil aus' einer kleinen Schalkheit. Der Grav Wackerbarth desiderirt dieses; ich habe ihm aber meine Erklärung gegeben) unsere Klüglinge mögen cö suchen. Ich wollte die Schrift selbst angreifen, und auch beantworte n. Den Angrif habe ich ziemlich und mit großer Freiheit ausgearbeitet. Meine baldige Abreise aber, welche in k-i Tagen geschehen soll, nöthigt mich, die Feder niederzulegen. Das erste Kupfer ist die Nachahmung.^) Der Maler ist Timan t h e S. Das zweite ist der Perser SinätaS, der dem König eine Hand voll Wasser brachte. Das dritte, Sokrat es der Weise, wie er seine bekleidete» Gratien ausarbeitet, mit dem Masse rka sten, wie vorauSgc-- sczt wird. ">) Abschied werde ich noch nehmen. Antworte schleunig. Ich bin;e. Nach schr. Meine Logis ist in der Neustadt auf der Königstraße, in Doctor Richters Hause bei Herrn Maler Öser. <) ISpscruilg der Jxhigcnia i» Aulis.ü 2) Waii vergleiche G. d. K. S B. Z K. 24 §. Note.) Z) f/LIion, var. Iiis!. I. Zs. ?Iuc^rc>i. ioit. aj>oxlil?>. et in vi- tü ^rtaxerx.^ lDiese drei VerzierungSbilder wäre» von dem Maler.- Öser erfunden und gräzt worden.) 116 Freundschaftliche An Bnnau. l^Nach Eisenach-Z Dresden, den 5 Jun. !7Z5. ^ch nehme mir die Freiheit/ Euer Excellenz einige Blätter von meiner Arbeit zu übersenden. Sie waren nicht zu dieser Arbeit bestimt; und ich kau mit Wahrheit sagen/ daß man mir dieselben gleichsam aus den Händen gerissen hat. Seine Majestät haben mir die Zuschrift allergnädigst erlaubet. ES wurde aber vor gut befunden/ nicht viel über 50 Exemplare drukcn zu lassen. Ich stand in der Hofnung/ ich würde daS Mük haben/ Euer Excellenz dieses Wenige selbst zu »bcr- reichen/ und Denenselben meine ewige Erkentlich- keit mündlich zu bezeugen/ da eS nunmehro beschlossen ist / daß ich/ vielleicht in vierzehcn Tagen/ von hier gehen soll. Ich habe mich von allen Verbindungen losgemacht/ und werde mit einer sehr mäßigen/ für mich aber zulänglichen Pension auf zwei Jahre nach Rom gehe«/ um ruhig zu leben und zu studiren/ mit dem Versprechen/ nach meiner Rükkunft mich hier gebrauchen zu lassen. Die kleine Schrift/ die einen nnverhoften allgemeinen Beifall gefunden/ hat zu dieser Einrichtung meiner Reise daS Meiste beigetragen. Ei» schriftliches Zeugniß Euer Excellenz von Dero gnädigen Zufriedenheit mit meiner Wenigkeit könte mir in vielen Fällen große Dienste leiste»/ und ich wage eS/ uuterthänig darum zu bitten. Euer Excellenz -c. Briefe. 117 An Berends. lNach Eiscnach. Z Dresden, den 25 Jul. 1755. Liebster Freund und Bruder! Aeinen Brief habe ich erhalten, und bitte um Verzeihung / daß ich nicht eher geantwortet. Nunmeh- ro kau ich allererst mit einiger Gewißheit von meinen Umständen schreiben. Mine Reise mußte wegen meiner mir zugestoßenen Unbäßllchkeit/ in Besorgung/ daß ich in der großen Hize leiden mußte / aufgeschoben werden , und diese ist uunmehro um die Zeit, da der König von hier nach Weissenfels abgehen wird, festgesezt, und diese» wird sein den oder ohngefähr, deS künftigen Monats'. Ich gehe von hier nach Augsburg, und von da in Gesellschaft drei junger Herren, die nach Rom gehen, um im Collegio Nomano ihre Ctudia zu endigen, und dieses wird gegen die Lezte deS Septembers geschehen. Des B-ichtvaterS Dessein ist, daß ich ohne mich auf der Neise aufzuhalten, mit meiner Gesellschaft, die ich in Augsburg treffen werde, nach Rom gehen soll. Die Reisekosten von Augsburg bis Rom machen Lo Ducaten. Mein Wunsch aber ist, nur bis Verona zu gehen, und dieses will auch Bianeoni, der mein Agent ist, (wie er sich selbst nent,) und eS sein will in meiner Abwesenheit, in allem was mir fehlt. Wenigstens werde ich nicht weiter gehen, als bis Bologna, wo ich mich an l>i Tage zu arretiren gedenke. Meine Reife ist eigentlich auf zwei Jahre festgesezt, mit einer Anweisung auf 200 Thaler jährlicher Pension, welches Geld mir der Provineial deS HesniterordenS in Rom auszahlen soll. ES ist keine 118 Freundschaftliche königliche Pension/ wie es heißt/ sondern eine Pension des' Beichtvaters/ welcher sehr vergnügt >rar, > da ich mich erklärte/ daß ich mir dem Wenigen zu leben gedächte. Unterdessen ist dieses in Nom so gut als das -»Nei'um tanuill, hier. Mit der nothwendigen Kleidung werde ich hier versehen werde», daß ich also binnen dieser Zeit nicht daran gedenken darf; unterdessen wird mir diese Pension gewiß bleiben/ so lange der König lebet. Gesezt der König stirbt vor Ablauf der bestimm, Jahre, so ist Bi an- co»i der Mail/ der mir dieses Wenige aus cinem andern Fond zu verschaffen weiß; den seine Meinung ist/ daß ich suchen soll/ diese Pension beständig zu erhalten. ES wäre was sehr Leichtes'/ mir eine Adjunction auf der königlichen Bibliothek zu verschaffen; aber der Beichtvater will sich in nichts mengen, und selbst mag ich den Minister nicht antreten. Bianeoni aber, der hier alles nach seinem allgemeinen Verstände und ausserordentlichen Talent über alle Menschen/ die ich persönlich kennen lernen/ auszurichten im Stande ist/ thut eS nicht, in Absicht seines künftigen Zn> teresse. Sein ganzes Absehen/ so viel ich merken kan/ gehet dabin/ mich künftig zu seinem Freunds zu wählen/ und mit mir zu studiren/ da er den freilich sorgen wird, daß ich meine Besorgung erhalte/ aber nicht eher / bis ich iu seine Absichten einschlage. Nachdem er mich besser kennen lernen, und da er gesehen/ daß ich nicht der Mensch bin, der von Höflichkeiten zu prositiren suchet / und allezeit den ehrlichen Man mache/ so daß er mir gewissermaßen obligiret ist! so zeiget er sich mit aller der Aufrichtigkeit/ die mir irgend ein Mensch merken lassen. Mein Betragen ist so strenge/ daß ich seit einem halben Jahre allezeit auSgeschlagen habe/ bei ihm zu esscn/ um nicht die geringste reelle Briefe. Verbindlichkeit auf mich zu laden. Ich habe auch niemals geklaget/ wen es mir gefehlet. Unterdessen kan ich nicht längnen/ daß er einen Weg mit mir genommen/ der mir hätte können schädlich sein. Meinen lezten Brief/ den ich an dc» Gouverneur von Rom vor einem halben Jahre geschrieben habe, ist nach seinem Sinne zum Theil eingerichtet worden, (ausser daß ich das von ihm mir vorgeschlagene Ansuchen an den Cardinal Passion ei/ mir vorher eine Snrvivance im Vaticano auszumachen/ ausgeschlagen,) und er selbst hat dem Gouverneur auf eine solche Art zu gleicher Zeit geschrieben/ daß dieser merken mußte, daß ich mir nichts aus den Offerten in Rom macht»/ und Eott weiß/ was er sonst noch geschrieben/ was ich nicht weiß. Dadurch wurde also meine Sache in Rom schwerer gemacht und der Gouverneur ist verdrießlich worden/ sowohl ihm als mir zu antworten. Bianconi glaubte also / ich wurde gezwungen werde»/ in Dresden zu bleiben / und da er izo von neuem tooo Thaler Zulage erhalten/ würde eS mir auch nicht gefehlet haben. Unterdessen machte ich mich an meine Schrift/ ohne fein Wissen/ und dieselbe war gedrukt/ ehe er das Geringste davon erfahren hatte. Ich machte Kieme Sache ohne ihn/ und da ich richtig wegen meiner Pension/ so eröfnete ich ihm alles. Gegen den Beichtvater habe ich mich erkläret/ durchaus keines Römers Sklave zu sei»/ und Bianconi will/ ich soll mich also dem Gouverneur beständig bezeigen/ der Hof solle mich souteniren. Lch verspreche mir also zwei sehr ruhige Jahre/ und nach Vollendung derselben könte eS mir de»noch einsallen/ nach Engeland zu gehen. Im übrigen werde ich des B ia n e o.n iS Absichten niemals entgegen sein: den er ist mein Man: er ist für mich und ich scheine für i h,n gemacht zu sein. 420 Freundschaftliche Den Winter/ will cr, daß ich nach Neapel gehe» soll/ wozu ich alle nöthigen Adressen von hier mir- > nehme/ die dortigen neuen Dccouvcrten zu besehen ' und davon zn refcriren. Den Herr Bajardi/ ! Autor des Prodromi vom Herculanv/ der königliche Ordre zwo verfluchte Bande in O.uarto ! geschrieben hat/ ist ein erzdummeS Vieh/ »nd es scheint/ es' fehlet ihnen an Leute»/ die die Cache verstehen. Meine Schrift wird in Berlin von Professor ! Gulzer in s Französische übersezt/ uud ich glaube auch von Herrn Wcichtler in Paris. Meine eige« i ne Kritik in Form eines BrieseS über meine I Schrift ist fertig und koiite an acht Bogen betragen. Ich verspreche dieser Arbeit eine nicht weniger gute Aufnahme/ wegen mehreren Seltenheiten/ welche ße ! cnthült/ und wegen der ungewöhnlichen Freiheit in Absicht ^auf) Herrn von Hei necke und des Galerie- - inspeetorS O st erreich. Ich habe sie Leuten com- munieirt/ die davon urtheilen können. DieBeant- wortung werde ich hier nur en Aios entwerfen können; in Rom aber will ich sie wenigstens gegen ! das neue Jahr/ wen ich lebe/ ausarbeiten. Ich habe ausserordentlich in Dresden studiret, und alles, was ich habe habhaft werden können/ durch- gelesen. Der LegationSrath Herr von Hagedorn hat eine französische Schrift/ über ein Alphabet l stark/ von seinem Lildiuec lies 1?->dle»ux, oder eigentlich zn reden/ von der Malerei/ geschrieben/welches nunmehro abgedrukt ist. Er hat mir die Ehre angethan/ meine Schrift zu allegiren/ und ich kan versichern / daß in allen neuern Zeiten kein Werk über die Kunst/ wie das seinige/ ist geschrieben worden. Um 'lZ Thaler bin ich von Lamprecht betrogen. „ Sein Vater (schreibt cr) ist in schlechte Umstände „ gerathen/ und dahin darf cr es nicht melden. Briefe. 521 Er verspricht zu bezahlen / aber waii/ mag er selbst nicht wissen Unterdessen weißt er nichts von meinen Umständen noch von meiner Schrift/ ich werde auch nicht Abschied nehmen : den wen er erfähret/ daß ich abgereiset bin/ so bekomme ich nimmermehr nichts, Endlich werde ich in Absicht der Freundschaft ansangen klug zu werden. Ich bin von meiner Passion geheilet und werde in keine Thorheit von dieser Art ferner verfallen. Merke dir dasselbe/ so weit es möglich ist. Hch werde von Dresden au» vermuthlich zum lez- tennial schreiben/ und will also auf zwei Jahre von dir/ ältester und liebster Freund! Abschied nehmen. Dein Eliik steht in sehr guten Händen/ und das meinige ist gemacht. Ich habe erhalte»/ was ich gesucht habe/ und wir können uns also viel ruhiger/ als sonst würde geschehen sein/ verlassen. Ich kan versichert sei»/ daß ich meine Tage künftig ruhig in Dresden werde beschließen können/ wo uns das Schiksalvielleicht allen beiden einen Siz der Ruhe zeiget. Mein Vaterland vergesse ich gerne/ wo ich wenig Vergnügen gesunden habe/ und da die erste schöne Hälfte meines Lebens in Kummer und Arbeit vergangen/ so will ich auf den schlechteren Nest kein Absehe» von Weitläufigkeit richten. Freiheit und Freund- schast sind beständig der große Enbzwek gewesen, der mich in allen Sachen bestimmet hat: die erste habe ich erjaget/ und durch diese kaii ich hoffen die andere künftig ohne Abwechslung zu genießen. ES ist wenig Unterschied unter Eisenach und Noni/ und da wir in einem Lande lebe»/ und einem Herr» gedienet haben/ so sind dennoch 2 Jahre verflossen/ da wir nnS nicht gesehen. Lebe wohl! Ich küsse dich tausendmal. Grüße deinen lieben Bruder/ deine» Vater und dein ganzes HanS. Ich werde dir so bald als möglich Nachricht aus Noni geben. Deine Briefe an mich können an Herrn Biaii- Winekelmail. to. 6 Ü22 Freundschaftliche coni adressirt werden, und was Seine Excellenz mir auftragen wird zu besorgen/ kan ebenfalls an denselben geschehe»/ mit dem ich alles abgeredet , habe. Von Seiner Excellenz dem Herrn Statthalter zc. werde ich/ehe ich von hier gehe/ besonders Abschied nehmen. Empfehle mich deinem theuern Herrn Graben / dem Herrn Legationsrath von Fritsch :c. Ich ersterbe :c. N a ch sch r. Den Brief cassire nach Durchlefung des- I selben. Herr Franke hat dir ein Paar Unterzieh- sirümpfe machen lassen/ welche ich gebrauche. Sie kosten ^«Groschen. Ich bezahle dieselben mit baarem Geld. Er will sie mir nicht eher überlassen/ als bis du consentirt. Eine wichtige Sache, l) Schreibe deine Erklärung darüber/ so bekomst du deine 16 Groschen von ihm wieder. Hch kabe an nnterschiedlichen Orten zu- ^ gleich Strümpfe bestellet/ weil die Zeit kurz ist/ um mich damit zu versorgen. An Biinau. Dresden/ den 16 Sept. 4755. ^ch stehe im Begrif/ meine Reise nach Italien anzutreten. Euer Excellenz hohe Gnade wird mir ewig gegenwärtig und unschäzbar bleiben. Sie erforderte ei» öffentliches Denunal meiner Dankbarkeit/ und ich wünsche/daß ich geschikter werde/ es künftig mit Würdigkeit zu thun. Ich erwarte Euer Excellenz hohe Befehle/ wo mich Dieselben fähig finden zu dienen. Euer Excellenz!e. t) sDie ciaen kleingcistigkn Bibliothekar Völlig charaktcrisirt.Z Briefe. ?l n Frank e. lNach ??öthcniz^ Rom/ den 7 Dec. i?ZZ. Gesundheit und ein freudiges Herz vorausgewünscht! Zch bin nach einer Reise von 8 Wochen/ den 18 November in Nom gesund und vergnügt angekommen. Meine angenehmste Neise ist in Tirol gewesen und in demjenigen Strich von Baiern / welchen man von Augsburg ab zu passire» hat. Ich bin freudiger gewesen in einem Dorfe/ mitten in einem Kessel von Gebirgen mit Schnee bedekt/ als selbst in Italien. Mn hat nichts Wunderbares/ nichts Erstaunendes gesehen/ wen man nicht dieses Land mit demjenigen Auge/ mit welchem ich es betrachtet habe/ gesehen lM. Über die höchsten Gebirge gehet ein Weg wie in der Stube. Die tirolischen Bauern stehen mit eisernen Hämmern und schlagen die Bruchsteine entzwei/ um sie zu Kies zu machen. Alle halbe Stunde sieht man ein großes WirtbShauS/ wo auch kein Dorf ist/ au dem Fuße erschreklich schöner Berge/ wo Sauberkeit und Überfluß regiret. Betten ßnd allenthalben so viel man haben will/ und allenthalben wird man mit silbernen Messern und Gabeln bedienet; eS haben unser an zwanzig gegessen/ und ein jeder hatte dergleichen. Sobald man in'S Tridcntittische kömt., findet man schon Armuth und Unsauberkcit. Man sieht allenthalben die schönsten Menschen, und in Bozen (Lc>I?-»no) waren alle Mädchen hübsch/ ja schön/ welche ich gesehen habe. Im Tridentinischcn und zu Anfange deS venetianischen Gebiets sind die Wege durch die Gebirge dermaßen schreklich/ daß wir eine» ganzen Tag über zwei deutsche Meile» zugebracht haben. Venedig ist ein Ort/ der die ersten Tage in Er- 124 Freundschaftliche stannen sezct; aber diese Verwunderung verschwindet bald. Die schönen Hänser sind mchrenthcilS mir am großen Canal/ und man muß eine Gondel nehmen/ um sie zn sehen. Die übrigen Gassen sind mehrentheilS so enge, daß nur zwei/ höchstens drei Menschen neben einander geben können; und die Häuser sind hoch/ aber sehr schlecht. Es war mir zu kalt in Venedig/ deßwegen ging ich zeitiger ab/ als ich gesonnen war. Die Bibliothek von San Marco hab'ich nicht gesehen. Zanetti^) war alii Viele Kirchen sind schöner/ als die römischen. In Rom findet man keine einzige mit einer Facciata von Marmor/ wie in Venedig. Die römischen Kirchen sind auch nicht so reich an Gemälden. 2) Ich wohnte in dem größten Wirthshaus?/ wo der Markgrav von Baireutb logiret hat: ->Ho 8cu<1o cli ?i!>nci», Der Wirth ist ein Deutscher. Von Bologna ging ich sehr ungern so zeitig weg; ich war fünf Tage in dem bianconischen Hause; aber ich mußte von einer guten Gelegenheit Gebrauch machen. Bis Bologna war noch alles grün; die Orangerie stand noch im Garten und blühete zum Theil. Zwei schöne Bibliotheken habe ich gesehen: a San 8a1val ,oi-e, wo ein Schaz ist von alten Mami- scripten/ unrer andern der Oclex an 120» Jahr alt; die andere von auserlesenen gedruklen Büchern bei den Franciseanexn. Von Bologna bin ich über Aneona und Lorctto gegangen/ und habe n Tage auf dieser Reise unter vielem Vergnügen zugebracht; nur war zu bedauern, daß mein Reisegefährte/ ein Bürger aus Bologna/ nichts als sein i^- <) lDer Bibliothekar.) 2) fDiefe Vehauvtung schränkt er im folgenden Briefe ein durch den Beifaz i daf, die Kirche» in Venedig nur an Gemälden aus der venetianischen Schule reicher feien.I Briefe. wis reden tonte/ welches ich gar nicht verstehe. Ich habe auf dieser Reise mehr geschlafen, als gewacht. Man muß allem Ekel entsagen können/ um liier zu reisen. Die lezten Tage sind wir mehrentheils fünf Eedien stark gegangen/ so daß wir des Abends an »ierzehen stark zu Tische waren. Unter der Gesellschaft war ein böbmischer Carmeliter/ welcher die Violine sehr gut spielte/ und man tanzte/ wen der Whin gut war. So wie wir uns der cli näherten/ äusserten sich Zeichen von der ungesunden Luft. Zweien in unserer Gesellschaft war der Mund dermaßen des Nachts aufgelaufen mit einer schmerzhaften Empfindung/ daß sie den ganzen Vormittag das Gesicht verbunden hatten. Etliche zo Meilen (nämlich italiänische/ deren 5 oder 6 auf eine deutsche Meile gehen mögen) von Noni/ da wo Viz consularis?l»inini» angehet/ gehet auch die traurige Aussicht an. ES ist eine wahre Einöde/ so daß man kaum einen Baum findet. Hier und da ranken Weinreben auf dem Aker von selbst fort; aber man sieht keine Einwohner; dieses währet bis an die Vigne von Rom. In der D?gana in Rom wurden mir verschiedene Bücher/ die man ergniv genommen. Ich bekam sie nach etlichen Tagen wieder/ bis auf die Muvres l darüber.) Briefe. 127 An Berendö. l Rom, den 20 Dcc. t7Ä5. Liebster Freund und Vrudcr! feilte als den Mittwoch/ da ich dieses schreibe, s»id es eben /j Wochen, daß ich in Rom gesund und vergnügt/ nach einer Reise von ganzer L Woche«/ angelanget bin. Ich ging von Dresden über Eger/ Slmberg in der Oberpfalz, Regensburg bis nach Neu- bürg an der Donau durch Extrapost mit einem junge» Jesuiten, in einer höchst peinlichen Gesellschaft, die ich aber nicht refusiren konte. Ich gab mein Quantum ; aber mit dem besten Rheinwein waren wir von Dresden aus überflüssig versehen, weil der Vater von meinem Compagnon königlicher Oberkeller- i meisrer, Roos, ist. Hn allen JesuitercollegiiS, durch die wir unsern Weg nahmen, wurden wir herlich bewirthet: ich hatte noch überdies ein Präsent, von 12t) Tucaten an das Collegium zu Regensburg bei mir, welches machte, daß ein jeder sich bemühete, mir ju dienen. In RegenSburg habe ich die Bibliothek des Herrn Eraven von Palm gesehen, welches eine der größten Privatbibliotbckcn werden wird, wen der Besizer fortfährt, wie er angefangen. Aber ohne daß sis »och bei weitem nicht so wichtig, wie die Bibliothek zu Nötheniz ist, so fehlet ihr das äussere Ansehen. Alle Bücher, welche neu gcschaffet werden, sind in SchwcinSlcder gebunden; die unförmlichen Bände aus der rinkischen Bibliothek sind geblieben, wie ^ sie waren?e. Hn Neuburg, wo der ehemalige Beichtvater Li» geritz Rector ist, hat eS mir am besten gefallen. 128 Freundschaftliche ! Ehe ich noch aufgestanden bin, ist der Reetor zu mir gekommen / und hat sich vor mein Bette gesezt und wir haben zu ganzen Stunden so geplaudert. In Neuburg ließ ich meine Sachen und ging zu i Fuße bis Augsburg 7 Meilen. Hier suchte ich Gelegenheit nach Italien, fand aber keine / weil die Je« suiter/ die zur Wahl ihres Generals durch Augsburg um diese Zeit gingen/ alle Vetturini wegnahmen und bestellt hatten. Nach acht Tagen/ um nicht länger im Wirthshause zu liege»/ sahe ich mich genöthigt/ mit einem Castrate»/ mit einem Manne und seiner Frau nebst zwei kleinen Kinder» in einer hinten und vorn sehr beladenen Kutsche/ vou Augsburg über Jnspruk/ Hall/ Brixen, Bojen, Trident/ Salurno und Maestro nach Venedig abzugehen. Auf diesem Wege haben wir wegen der üblen Straßen im Tridentinischen und Venetianischen/ und wegen der ausgerissenen Flüsse/ sonderlich wegen des Schadens/ den die Brenta verursacht hatte, U Tage zugebracht. Wegen gewisser mir anvertrauten Sachen mnßte ich meine Compagnie in Maestro verlassen und nahm eine eigene Gondola für mich nach Venedig/ wo ich mich in dem besten WirthShause, wo der Wirth ein Deutscher ist, logirte. Auf der ganzen Reise bis nach Rom ist mir die Reise durch Tirol die angenehmste gewesen. Dem Vetturino habe ich 53 Ducateii/ die Verkostung zu Mittag und Abend mit eiubedungen/ bezahlet Mit einem Speciesthaler Trinkgeld an den Kutscher und andern Ausgaben kostet mich die Reise bis nach Venedig 1.5 Ducateu; für dieses Geld wird mim auch bedienet/ wie in keinem andern Lande. In Jnspruk/ wo wir einen ganzen Tag stille lagen / haben wir in UII giorno lli wenigsten» 12 Schüsseln gehabt. Allenthalben regiret der Über- Briefe. gufi ill diesem Lande. Sehr guten Wem, schönes Vrod, obgleich alles Getraide von München koiiit. In den Wirthshäuser»/ deren alle halbe Stunden eins >mi Wege steht/ auch wo kein Dorf ist/ regiret Sauberkeit und Ordnung. Ich habe in einer Gesellschaft von 20 gegessen, uud ein jeder hatte Messer/ Gabel und Löffel von Silber. Schöne Betten, und habe allezeit meine eigene Kammer gehabt. Was dieses Land aber vorzüglich vor andern macht, ist die wunderbare Natur. Ich habe einen gr oßen Bach von 2»c> Klafter aus einem Berge herunterschießen sehen bei Salurno; ich habe den Ursprung von der Etsch gesehen / weil ich Zeit hatte. Ich würde den ganzen Brief mit tirolischen Sachen anfüllen, weil ich die Entzükung beschreiben wollte / in die ich gesezt bin. Von Bozen aber muß ich doch anführen/ daß ich alle Mädchen / welche ich gesehen/ lmbfch, ja schön gefunden habe. Die Castraten verstehen sich auf diese Kentniß: mein Compagnon stimmet mir bei. Wo sich Deutschland und Italien scheidet/ waren alle Menschen wie Mäusesallenträger; die Natur aber/ die hier gleichsam mit sich selbst streitig ist/ wie sie die wälsche Nation bilden will/ erkläret sich weiterhin und ist erträglich. Venedig ist ein Ort/ von welchem der erste Blik mit fortreißt: die Verwunderung aber verlieret sich. Es sind schönere Kirchen daselbst / waS die Faeciata betrift, als in Rom selbst/ St. Peter ausgenommen. Die venetianischen Kirchen sind reicher an Gemälden , aber nur aus der venetianischen Schule; und was das beste ist, so ist kein einziges mit einem Vorhang, wie Hauptstüke in Bologna und Rom lind. Aber die Verwunderung niiiit bald ab, wenigstens ist es mir so ergangen. Die besten Häuser stud am m-ixgioi-e, und wen man sie sehen Freundschaftliche will/ muß man ein Gondel nehmen. Die übrigen Straßen sind zum Theil so eng/ daß nicht zwei Menschen neben einander gehen können/ und die Hauser sind hoch/ aber sehr lnmpicht und schlecht. Die Bib- ! liorhek von San Marco habe ich nicht gesehen, weil Zanetti/ der BibliothekariuS/ ->U» in Venedig bin ich etwa 6 Tage gewesen/ und ging zu Wasser nach Bologna ab. Man fährt gegen die Nacht ab durch die Lagunen bis in den Po. ?ln der Mündung ist ein Hase»/ Malamoeco. Wir hatten guten Wind; gegen Mitternacht aber erhob sich ein gewaltiger Sturm/ so daß wir in Gefahr gewesen sind. Ich schreibe wie von etwas Ungewissen,/ weil ich geschlafen habe. Mein Castrat halte für sich und für mich in einer besondern Cajüte Betten machen lassen/ und er war erstaunt/ daß ich schlafen können/ und hatte in der Gefahr sein Vergnügen gehabt/ zusehen/ ob ich nicht erwachen würde. Nach >Z Tagen und Z Nachten kam ich in Bologna an, und 5 habe die 6 Tage/ welche ich hier zugebracht/ bei Bitt neonis Eltern logirt. Ich habe den ganzen Tag nichts anders gethan/ als die Gemälde in den Kirchen in und um Bologna zu sehen/ und habe nicht die Zeit gehabt/ einige Galerien in den Palais zu besehen. Mein übles Geschik wollte / daß ich mit einem Bürger aus Bologna nach Nom abgehen mußte. Der Dialekt ist so erschrcklich / daß ich das Mehreste habe errathen müßen; was mir des Bianeoni Mutter und Schwester sagten/ mnßtc mir der Bruder in gut Wälsch verdolmetschen. Man reiset hier in Sedien mit zwei neapolitanischen Mauleseln/ welches starke Bestien sind und gut laufen. Diefe Reife hat Tage gewähret; man rechnet von Bologna bis Nom ko deutsche Meile». Die Reise gehet über Faenza/ Forli, Cefena/ Ri- inini/ Aucona/ Loretto?e. Von Ancona ans' haben Briefe. 131 sich insgemein 2 bis 3 auch wohl 4 andere Sedien zu >niS gehalten/ so daß man wenigstens einen vergnügten Abend hatte. Unter dieser Gesellschaft war cin deutscher Carmeliter.t) Den Wälschen war es fremde/ daß sie uns Deutsche tapfer trinken^ sahen. Jammer und Elend haben wir auf dieser Sivise in vielen Wirthshäusern getroffen/ und je schlechter je näher an Rom. Betten/ daß die Schulterblätter des Morgens schmerzen. Sobald aber Vu> Lovsulaiig oder l'lamini.-» ange« hct,- das ist: von da an/ wo er sich erhalten hat/ an 33 wälsche Miglien von Rom/ gehet die gänzliche Verwüstung an. Das schöne Land liegt wüst und öde/ und in diesem ganzen Strich um Rom wachset nicht einmal Wei»/ daher er in Rom nicht wohlfeil ist. Mein Getränk des Abends ist vn>o -I'Orvieto, von dem die Bouteille/ dergleichen die von Monte- pulciano sind/ 16 Vajocchi komt; der Bajacccho auf ä Pfennig gerechnet. Hingegen ist es auch ein Wein, den man in Teutschland mit einem Thaler bezahlen würde. Vino lli komt in Rom selbst 2 Paoli/ das heißt: 8 Groschen. Mit einer solchen Bouteille reiche ich insgemein 3 Abende. Das Essen ist nicht zum Besten zugerichtet: ich würde es gewohnt werden/ weil ich zuweilen bei einem guten Freund speisete. Sobald ich in Rom ankam/ führte man mich mit meinen Sachen nach der Dogana/ und weil ich mir auf der ganzen Reise zur Regel genommen / die Nation, wie sie es größtentheilS verdienet/ niedrig z» tractiren/ so war mir dieses in Rom schädlich. Meine Sachen wurden von Grnnd aus dem Koffer genommen/ und die Bücher/ welche man fand/nahm man zu sich. Ich bekam sie alle wieder bis auf die Muvrcs -le V »Iu>iie , welche an 3 Wochen in der >) IJm vorigen Briefe »ante er ihn einen h i) h Nl i sch en.l 532 Freundschaftliche Dogaua geblieben sind/ und die mir endlich durch meinen guten Freund zuriikgeschaft sind. Nachdem ich mein Quartier in einem Wirthshause genommen / war mein erster Gang zum Go- vernatöre, der mich aber durch Vorstellungen, Bitten/ List und allerhand Wege zu seinen ehmaligcn Absichten zu bewegen suchte / und endlich mich zu dem Entschluß gebracht hat/ nicht ferner zu ihm zn gehen. Ich kau mir nicht anders helfen Ich will als ein freier Mensch leben und sterben, und will gerne alles erdulden. DaS behalte bei dir. Die Bibliothek des Cardinals Passion ei soll so stark nicht sein/ wie man sie mir gemacht bat. Ein Pater/ der sie gut kennet/ hat mich versichert, daß sie in ^ Zimmern an den Wänden Plaz habe/ und daß die ganze Stärke derselben in kleinen Schriften bestehe, welche er gesammelt hat. Diese Bibliothek ist auch keine von denjenigen, welche zu einer gesezten Zeit offen sind. Mein gutes Glük lmt-gewollt, daß mir der Hofmaler Dieterich, mein sehr guter Freund, ein Schreiben an Herrn Mengs, Premier?oint,e .Ii Ne- U-> I 'Irinit.!, cle' Noril-i, sonst !>l Hlouw 5>iucio UNd ehe» Mals Lollis HorUilorui?! , ohnweit der Villa Nedi- «<-->, in welcher ich einen freien Zutritt erhalten. Meine Bekantschaft mit erwähntem großen Kiinst- ' ler; der Beifall/ den meine Schrift hier und in Frankreich gefunden/ wo sie überfezt ist und in dein ^oui-n-,1 erscheinen wird / nach Briefen von >1/^ Graveur llu I^ni, aus Paris! dieses ol- les veranlasset mich/ aus dieser Art von Wissenschaft meine Hauptbeschäftigung zu machen. Wir haben beide einen Plan gemacht zu einem großen Werke: Von dem Gefchmak der griechischen Kunst« ler; und ich finde nöthig/ etliche Griechen/ als den PaufaniaS/ Strabo :e. von neuem durchzulescn. Da aber diese Arbeit von langer Dauer ist/ so werde ich zuerst Materialien zu einem Theil davon suchen, um zu zeigen/ daß ich nicht müßig bin. ES ist ei» großes Glük/ daß die Schäze im Cavitolio allen Kü»!!' lern von Morgen bis in die Nacht mit aller Freiheit offen stehen. ES fehlete mir aber ein besonderer Zutritt zu einer Bibliothek. Die bei den,Do- Bncfe. »unicanern, !>U.1 ?Iinö> v!l, lind die von der Lapien?» jß dazu nicht dienlich; ich fand alles, was ich suchte, in der schönen c orsi nischen Bibliothek; allein die Schränke sind mit Drathgittern verschlossen/ und ez war mir unerträglich, nur ein Buch auf einmal strdern zu können; ich hatte auch allezeit drei Viertelstunden zu gehen. Sie ist in dem Hause, welches ehemals die Königin Christina bewohnet hat. Es sind fünf große Zimmer voll, einige prangen mit Säulen von Oinllc, .inüco. Pabst B enediet XIII. hat dieselbe gesammelt. ES fügte sich nach einiger Zeit, daß mich des Pab- ßeS erster LeibmedicuS, Monsignore Laureuti, Kimen lernete, und durch denselben wurde der Pabst von mir unterrichtet, und ich bekam eine feierliche Audienz; von dem Fußkuß dispensirte mich Seine Heiligkeit. Man hat die Ursache wissen wollen, wann» eS geschehen. Diese Ehre kostet wenigstens ei- nen Sequiu; es komt sogar einer von den päbstlichen Reitknechten und verlanget etwas. Betteln ist in Rom keine Schande; hier ist die hohe Schule von diesem '>dcn. Seine Heiligkeit haben mir alle Versicherung gegeben, mir zu dienen, wo ich eS verlangete; ich habe von Monsignore Äaurenti den freien Zutritt zn den griechischen VI->n,iseiiptis der Vatieana verlanget : ich hoffe eS zu erhalten, izo aber ist mir noch nichts daran gelegen. Diese Begebenheit, worüber ich dem Herrn Gouverneur nicht verbünde» sein durfte, und wovon er nicht vorher unterrichtet war, gab zugleich Gelegenheit , sich mit kleinen Anträgen nicht ferner zu wagen. Unterdessen mußte ich eS geschehen lassen, daß »mn mich dem Cardinal Passion ei vorstellete, aber blos in der Absicht, einen Zutritt zu seiner Bibliothek zu bekommen. Seine Eminenz begegneten mir mich als einem Fremden, das ist: mit der Höflich- Freundschaftliche kcit eines Gelehrten gegen den andern. Das Ceremonie! in Rom hat IN vilÄM dieser Herren keinen Einfluß. Ohngeachtet seine Bibliothek nicht öffentlich ist/ so ist doch allen, die sie besuchen/ von Seiner Eminenz untersaget/ den Hut abzunehmen, oder aufzustehen/ wen er komt; und dieses sagte er auch mir/ da cr mich selbst in seine Bibliothek führete und mir seine zeigcte. Ich fragte ihn/ wie stark des Ciampini Bibliothek gewesen/ welche er gekauft/ wie ^->--5»^ sagt; cr leugnete -6/ und ich mußte ihm den Ort zeigen in seiner N>.'clio6e «.IVui^iLr ei,c. Er wunderte sich über diesen Man/ den cr sehr wohl gekauter sagte mir/ daß er in seinen Kamin gefallen, und, weil er keine Hülfe bekommen, verbrennen müßen. Diese Bibliothek kau ich Euer Exellenee.Bibliothek vergleichen; ich kan nicht sagen, welche zahlreicher ist. An prächtigen Banden ist kein Unterschied; die mehresten sind in Frankreich gebunden. Hier habe ich eben die Freiheit, wie zu Nötheniz, vsn L Uhr bis zu Mittag mit aller Freiheit kerumzu- klettern; einige andere Gelehrten haben sie auch; aber der Zutritt ist schwer zu erhalten, weil alles, bis auf die Manuseripta exclusive, offen ist. Die Aussicht gehet » Hlonlc wo des Pabsts Residenz ist. Zudem ersten Zimmer, deren viere sind, stehen alle griechische und römische Scribenten und etliche tausend Bände Msci-Ilan,!!,, welches ?ii)ves vc>l»iites sind; aber ohne Ordnung und Plan zusammengebunden. Er schä- zet Euer Exeellence Lnf->Ioß»m für alles andere in seiner Bibliothek; die ersten vier Bände sind da; eS war ihm eine Freude zu vernehmen, daß von neuem zween Bände an'S Licht getreten, wie ich glaube. Er wünschet Euer Excellence langes Leben, um ein so wichtiges Werk zu endigen. „ Warum habe ich ,, nicht Deutsch gelernet/ (sagte er,) daß ich feine Ge> Briefe. Z37 „schichte lesen kaii?" Er gab mir zu verstellen- daß «> gern die zween lezten Bände hätte, »nd auf eine Zltt, daß ich nicht umhin konte zu sagen, ich wollte Euer Excellenee schreiben; Dieselben würden sich ein Vergnügen machen, il»n damit zu dienen. Ich werde deßwegen an den Herrn Beichtvater schreiben, vielleicht ist eS möglich, daß dieses Werk mit Sachen von Hofe überkäme; den ich wünschte es dem Cardinal zu überreichen. Könte ich einen Briefwechsel zwischen zwei erleuchteten großen Gelehrten in der Welt veranlassen, würde ich für mich viele Vortheile daraus ziehen, und ich würde nicht unterlassen, Seiner Eminenz von einigen Büchern zu sagen, die der Bibliothek zu Nötheniz abgehen und hirr zu haben sind. Der Zutritt zu dieser Bibliothek ösnet mir zu gle icher Zeit alle andere Bibliotheken, alS: die bar- berinische, die i mverialische, und nunmehro auch die vatikanische. Die große Gelegenheit zu Kudiren und zu lernen macht, daß ich mir nicht Zeit nehme, die schönen Tage des Winters zu genießen. Ich habe diesen ganzen Winter etwa für 6 Groschen Holz gekaufte ich bin aber entweder in einer Bibliothek, oder auf dem Campidoglio, oder bei Herrn MengS, wo ich meine Abende zubringe. Rom ist der Ort, der für ein gewisses Alter von Tag zn, Tag angenehmer wird; aber man muß entweder frei sein, oder ein Glük machen. Dieses ist mciiic Regel, von d-r mich nichts ablenken wird, nachdem ich die ersten Versuche fruchtlos gemacht habe. Man sagt, Herr MengS werde Befehl vom Hofe zu Dresden erhalten, nach Neapel zu gehen, um die königliche Familie zu schildern; >) wen dieses geschieht, so werde ich mit ihm gehen. Der König von Preußen, welcher mit einer großen Hize anfängt auf l) lzu malen.) 6 * 138 Freundschaftliche eine Galerie zu denken.' hat Herrn Mengs zwei Sujet» gegeben zu zwei großen Stüken: nämlich le inend cle ?arig und le coin!?»!, cle 'Iliesee «vee les xitlies. Die Markgrävin von Bai reuth wird hier wieder erwartet. In einer Villa, dem Grav Perucchi gehörig, sind dieser Tage einige Altertümer ciitdekt worden, und dergleichen höret man fast täglich. Der Pabst hat eine besondere Bibliothek für sich gesamlet, welche er dem Institut zu Bologna vermachen wird, und welche, wie man saget, hauptsächlich auf die Kirchenhistorie eingerichtet ist. In Euer Excellenee Historie wird eS vielleicht an einigen Nachrichten von dem Grabmal O t- tonis II. fehlen; ich werde dieselben samlcn und einschiken. Ich bin mit ewiger Erkentlichkeit und Dereh- rung?c. An Franke. INach Nötheniz.1 Rom, den 20 Ja». 1756. Ä^einen ersten Brief aus Rom werden Sie vermuthlich erhalten haben; er ist, so viel ich mich erinnere, durch einen Umschlag an Herrn Bianeo- ni abgegangen. Ich habe allererst einen einzigen Brief vom 16 December vom Herrn Beichtvaters) und diesen vor etwa acht Tagen hier erhalten. Ich war sehr bekümmert vor Empfang des erwähnten Schreibens, in welchem ich alle Versicherung zu meinem Unterhalt bekommen. Aber ich wünschte, daß ich zu gleicher Zeit eine Nachricht von Jynen und von unserm theuern Ö ser erhalten hätte. Ich glaubte auch etliche Exemplare von meinen Schriften ^ sehen; ich zweifele an dem Beifall: ich hätte M> l Paler Leo Nauch.Z Briefe. 139 niutblich weiser gehandelt/ nicht mehr zu schreiben. Ich werde es aber suchen zu verbessern durch eine andere kleine Schrift/ an welcher ich izo arbeite/ und welche ein Theil ist von einem größern Werke/ welche- Herr M>engS und ich entworfen haben. Zu den llnttrsnchnngen habe ich keine öffentliche Bibliothek bequemer gefunden/, als die c orsi n ische/ welche vom Pabst Benedict Xlll. gesamiet ist; nur Schade, daß ich an drei Viertelstunden gebrauche/ hinzugehen/ und eben so viel Zeit zurük. Sie ist in dem Hause/ welches ehemals die Königin Christi na bewohnet hat. Alle öffentlichen Bibliotheken kommen der bü- »auische n nicht bei/ und hier und anderwärts ist es' mir sebr peinlich/ daß ich ein jedes Buch insbesondere fordern muß/ weil alle Nepositoria mit Drath- gittern verschlossen sind. Ich mußte zufrieden sein / und ich glaubte es nirgends besser zu sindeii/ (den die barbcrin ische und imperialisch e habe ich noch nicht gesehen/) als ich durch ein Schreiben von Mon- ßgnore Bianconi mit des PabsteS erstem Medico >) bckant wurde. Dieser ehrwürdige alte Man ließ mir wider mein Vermuthen melde«/ daß er mir eine Audienz bei dem Pabst ausgemacht hätte. Dieses ist vor 42 Tagen geschehen. Seine Heiligkeit versicherte mich seiner Gnade/ und mir in allen meinen Sachen zu willfahren: er dispensirte mich von den Fußkuß/ und ich suchte von dessen Gnade Gebrauch zu machen/ nnd bat mir bei Monsignore Laurenti den freien Zutritt zu den griechischen Manuscripten in dem Vatikan aus'/ worzu mir die Hofnung gemacht wurde. Diese Begebenheit machte meinen Umständen ein verschiedenes Ansehen. Man mußte mich schone»/ weil man nicht wissen koiite, was vorgefallen war, und was ich von Seiner Heiligkeit zu hoffen haben könte. Zch ließ es also nunmehro / da ich mich noch- t) cLaurenli,) Freundschaftliche mals gegen alle Verbindung erkläret/ geschehen, da > man mich dem Cardinal Passionei vorstellte/ welcher mich mit einer ausnehmenden Höflichkeit aufnahm. ! Er führte mich selbst in seine Bibliothek / und bei > Gelegenheit / da ein gewisser Abate/ welcher in der Bibliothek schrieb/ seinen Hut abnehme» wollte, und der Cardinal nicht weiter gehen wollte/ bis er sich bedekte/ sagte er mir: „ich sollte wisse»/ daß aus „ der Republik der Gelehrten alle Complimente sollte» „ verbannet sein / " und um mir die Freiheit deutlicher zu zeige»/ redete er mit dem jungen Menschen/ den er nicht kante/ und dieser durste seinen Hut nicht anrühren. Sie müßen wissen/ liebster Freund/ dag der Römer Gebrauch ist, sich zu bedeken, auch im Zimmer dessen/ den sie besuchen. Der Cardinal gab mir alle Freiheit in seiner Bibliothek/ wo nichts ! verschlossen ist/ und ich bin so frei/ wie zu Nothe- niz. Sie ist nicht weit von meiner Wohnnng, und ist alle Morgen von 9 bis t2 Uhr offen. Der Bib- ^ liothekar ist ein französischer Abbe. Der Cardinal scheint ein Feind von allen Römern zu sein. ! Er zeigte mir eine angefangene schriftliche Recension seiner Manuscripre/ die er durch einen ?!>trem pi .irum Lcliolaruin, der izo in Neapel ist/ machen lasse» / und diese Arbeit war mir zugedacht. Aber: ich fürchte die Griechen/ sagt Hekror. Die Bibliothek scheint beinahe so zahlreich zu sein/ als die zu Nötheniz; an prächtigen Bände»/ welche mehrentheils in Frankreich gemacht zu sein scheinen, gibt sie jener nichts nach. Die Einrichtung ist der büna nischen vollkommen gleich. Der Cardinal koiite nicht aufhören von Ihrem Katalogo zu reden; er hat die ersten vier Bände/ und er freuete sich, daß von neuem zween Bände erschienen wäre». — , Nunmehro werde ich den Zutritt zu den Schäzen d-Z VaticanS auch erhalten könne»; aber ich habe noch Briefe. nicht Zeit/ dieselben zu nuzen. Ich bin hier eben wieder gleichsam angeheftet/ wie in Dresden/ und habe nur gewöhnlich den Sontag ausgesezt/ Rom zu besehen. Es geschieht in Gesellschaft mit einigen deutschen und französischen Künstlern/ mit denen ich gemeiniglich ein paar Galerien besehe. Unter denselben habe ich einen selir aufrichtigen Freund/ einen Landschaftmaler/ Herrn Harper/ ans Berlin/ welcher an vier Jahre hier ist. Zeh bringe fast den ganzen Tag bei Herrn Mengs ZU/ wenigstens esse ich alle Fasttage bei ihm. Ich trinke nicht einmal Kaffee anderwärts/ als bei ihm/ und ich habe sogar meine Bücher und Schriften in seinem Zimmer. Meine Wohnuug ist gerade gegen ihm über / an dem gesundesten Ort in Rom / und ich kaii ganz Rom übersehen. Es ist »II» 'IViiiil!» !Unn^ei- erscheine»/ wo es nicht geschehen ist. All. //"///-.-, lüiiivcul c;I FrenildschaMiche ue» »leiner Bekante», und erkundigte sich nach einem Gelehrte»/ Namens' Win ckclma n, und berichtete lbm, daß er Theil an der ttberseznng hätte, und daß sie bei allen Beifall gefunden/ welche das Manuseript gelesen hätten, Ich habe ihn, geschrieben und gebeten/ mir die Schrift besonders abdr»- kc» zu lassen/ um sie hier bekaiit zu machen. Hch muß Ihnen auch ein vaar Worte vom Wetter schreiben. Der Winter ist sehr gelinde; es ist vielmehr Frühling. Ich habe noch keinen Schnee/ als auf den Berge»/ gegen Neavel zu/ gesehen. Ei» paarmal bat es des Nachts Eis gefröre»/ aber des Mittags ist es so warm / daß man schwizet. Mm sieht in vielen Gärten die Pomeranze» an den Bäumen hänge». Gegen die Mitte vom Febru.ar kommen die Blüthen gewöhnlich. Übrigens sind alle Gärten grün von Lorbeer» / Orange»/ Cypressc».-c. Wein/ das Maß für.5 Bajoechi/ das ist: ^Pfennige/ ist recht gut. Ei» gewisser Wein in der Nähe von Genzano riecht und schmcket »ach Ambra und nach balsamischen Sachen/ und zwei Maß bei uns werden ohngefähr i^Bajocchi kommen. Meine größte Delieatesse sind Broeeoli/ welches eine Art von Braunkohl ist / was die Farbe betrift: das Gewächs aber ist wie Blumenkohl. Man kocht sie ab/ und ißt sie mit Essig und Öl. Künftig ein Meh- rereS. An Franke. l Nach Nötheniz,) Rom, den 20 März ^>'ch habe ein großes Werk entworfen: Von dem Eeschmak der griechischen Künstler; da aber Briefe. dieses einige Jahre erfordert/ und viele alte Scri- beuten darzu von neuem durchgegangen werden müßen/ welches mit dem PausaniaS geschehe»/ so werde ich es mit einem Theil davon versuchen und von den Statuen im Belvedere schreiben. Der Ansang ist gemacht. Diese Arbeit beschäftiget mich dergestalt/ ich, wo ich gehe und stehe/ daran gedenke. Ich habe ein gewisses' Geld/ wie gewöhnlich/ gege> den, um den Apollo/ den Laokoon/ wan ich brauche/ zu sehen/ um meinen Geist durch das Anschauen dieser Werke desto mehr in Bewegung zu sezen. Belvedcrc ist eine starke Viertelmeile von meiner Wohnung. Ich werde aber den Schluß nicht machen tonnen/ ehe ich nicht Neapel gesehen; den die Zeit/ in welcher diese Statuen gearbeitet sind/ miß durch Vergleichung der herculanischen, wo möglich/ bestimmet werden. Meine erwähnte Beschäftigungen machen, daß ich mich von neuen dem einsamste» Nachdenken überlassen und mich der Gesellschaft entziehen muß. Die Beschreibung des Apollo erfordert den höchsten Styl: eine Erhebung über alles/ ivas menschlich ist. Es ist unbeschreiblich/ was der Anblik desselben für eine Wirkung machet. Ich würde nickt au etwas zu schreiben gedacht haben; aber da mich Herr MengS und andere darzu aufmunterte»/ so habe ich mich, anfänglich fast wider meinen Willen, entschlossen. Nächstdem ist eS nicht möglich, die Sachen in Rom mit einem so aufmerksamen Auge anzusehen/ wen man sich nur allein zu unterrichten gedenket. Ich würde in der Vorrede zu diesem Wcrkchen unter andern von den Schiksalen dieser Statuen rede»/ welche sie in der Plünderung von Nom erlitten haben; den eS sind etliche Spure» davon da. Man hat sogar eine Nachricht / in einem kleine» Dialogs von Ludwig Dvlee, daß die Soldaten damals Anno i ?S7 in den Logen vonR aphael Freundschaftliche Feuer gemacht/ welches vieKS verderbet. Ich ersuche Sie/ bei Gelegenheit in den Schriften von Eroberung der Stadt Rom 4627 dergleichen Nachrichten, welche blos auf die Statuen und den llnfng im Bel- vedere/ sonst l'orre c ?i Vento genaiit/ gehen, für mich anzumerken. Von litorsii» kan ich nichts melden. Ich bin fast noch mit niemand bekant, und meine geringe Fertigkeit zu reden halt mich zurük. Ich verliere ohnedies sehr viel Zeit/ wen eS Verlust ist/ dasjenige/ was ich zu meinen Absichten brauche, anzusehen. Oft ist mir ein kleiner Umstand entfallen, oder/ nachdem ich eS gesehen/ bilde ich mir dieses oder jenes ein, welches mich nicht ruhen laßt/ bis ich ni'ch versichert habe. Eine Villa oder ein PalaiS zu sehen- kostet allezeit bis 12 Groschen; folglich muß man suchen von gewissen Gelegenheiten zu profitiren. Von Miscellan- nachrichten von Rom könte ich ohne große Mühe einige Bogen schreiben; allein ich will dergleichen versraren, bis ich etwas geliefert habe, was der Nachwelt/ wo möglich/ würdig fein könte; ich werde jeden Ausdruk abwögen. An Franke. »Nach Nöthe»,; ) Rom, den 5 Mai t756. ^'ch muß mich suchen auf einen Fuß zu sezen, um künftig allenfalls von der Arbeit meiner Hände lebe» zu können; deßwegen habe ich etliche Plans gemacht. Ich sehe, man kan von Altertümern nicht schreiben, okne in Rom gewesen zu sein, und zwar ohne alle andere Beschäftigung. Das ist mein Glük/ und ich Briefe. danke cS meinem einzigen Wohlthäter; was' andere inir von Hofmllig zu ihrer Protecuon und Agentschaft gemacht haben / ist alles wälscher Wind. — Der Herr Cardinal Passion ei hat mich gefragt Ngen der zwei lezten Bände Ihres Katalogi; ich im zufrieden/ auf was für Art er sie erhält. Sie würden sich wundern über den Unterschied, der zwischen einem römischen Cardinal und den meisten deutschen ') ist. Dieser^blähet sich auf/ me ein Frosch/ und mit jenem kan ich reden/ mit dem Hute auf dem Kopf. Er ist der allerliebste Man von der Welt; aber wohl zu merken/ man muß ^ frei sein. Jzo ist die Zeit/ die Gärten in und um Rom zu besuchen. Mein Freund! es ist nicht zu beschreiben/ wie schön die Natur in diesem Lande ist. Man gehet in schattichtcn Lorbeerwäldern und in Alleen Ml hohen Cyvresseii/ und an Gatterwerken von Orangerien/ an eine Viertelmeile weit in etlichen Villen/ sonderlich in der Villa Borghese. Je mehr man Rom kennen lerner/ je besser gefällt eS. Ich wünschte/ beständig hier bleiben zu können; aber ich müßte sogleich mein hinlänglich Brod finden/ oder beständig frei sein. Überhaupt ist ein Mensch/ der , nichts sucht oder suchen darf/ in Rom angenehmer/ - als ein zierlicher Abate. Schreiben Sie mir doch aufrichtig/ was für Nrtheile über meine Schriften gefället werden. Mir ist beständig bange gewesen/ und ich bin eS noch; den ich habe nicht Zeit genug gehabt/ alles wohl zu digeriren. Von meiner Reise »ach Neapel in Gesellschaft des Herrn Mengs kai» ich nichts Gewisses melden. Wen das große Aliar- blatt-) in zween Monaten fertig wird/ so gehen wir t) kS u p e r i n t c n d e n t e».) 2> tDie Himmelfahrt Christi vorstellend, zu Dresden Winckelmaii. lo> 7 146 Freundschaftliche zu Nilfange des Julius' dahin; wo nicht/ so muß ich wegen der Gefahr/ die mau läuft/ in warmen Monaten diesen Weg zu machen/ bis in den November warten. Meine hinzugehen/ ist nicht zu rathen. Diese Bckailtschaft mit dem Herrn MengS ist mein größtes Glük in Rom. An den Baron Stosch. INach Zlorenzl Mom, den ? 1756.) Hlousieur! .?c vous ollie par le porteur «je celle - ci, A-lr. Hsr- per, uue perite Iiroclinre, <^ui re^nrlle les !»ls, «lont, Vous etes le plus ^r»nd eonnoisseur et le juM cornpelent. ^e vous ris une trncluetion inseree nn ^our- vsl eti!>n^er, inoi» ^»nvier >586, c^ue je n'iu ^>»s cneore eu I'oceasion 7e n'ai p» ine lir >le f-lutes, n'»)!>nt pour Aiiille <^ue ines propres reilcxions, et eloi^ne cles tresors cle I'!>nU<^»ile> II a (^ uelljues eorreetions fsites clans I-> secontlo Impression, nccoinpsAnee par senschasten geliesert.I I) Er lernte die Kunst in Berlin von seinem Vatt» dem Hvskabinetsmaler/ und ging daraus nach Frankrrick »nd Italien. Er ist als vortreslicher Landschastmalcr w kant und lebte nachher in StuttiM't. Nicolai. Briefe. li'un est nne ciili^ue »oisseur» ^>rel.enllus » Drossle, el^ I'iiutre »ne le^ovse !> 1s cril,i(^»e, Ori Ics a ^ulilie» ensemlile Iorcnce osi un clvs ^rcmieis <1c mes sou- Imits. ^'->I.tcn>1s »vec im^stience le Ionsieur, in?» venergucin, cl ^>c>ur m'em geliebten Vranchus die „ Wohllust eingeflößet. Sein iveicheS Haar spielet „ wie die zarten und flüssigen Schlingen edler Wein- „ reben, gleichsam von einer sanften Luft beweget, „ um dieses göttliche Haupt. Es scheinet gesalbet t? Die folgende Periode ist noch nicht voll. Win ckelman. Briefe. „mit dem Ol der Götter/ und von den Gratien mit holder Pracht auf seinem Scheitel gebunden. „ Ich vergesse alleS andere über dem Zlnblik die- „ seS Wunderwerks der Kunst/ und ich nehme selbst^, „einen erhabener» Stand an/ um mit Würdigkeit „anzuschauen. Mit Verehrung scheinet sich meine „Brust zu erweitern und zu erheben, wie diejenige/ „ die ich wie vom Geiste der Weissagung anfgefchwel- ,, let sehe/ und ich fühle mich im Geiste weggeriikt „nach Delos/ und in die lyrischen Haine: Orte/ „die Zlvollo mit seiner Gegenwart beehrte; den „ mein Bild scheinet Leben und Bewegung zu bekommen/ wie des P y g malion S Schönheit. Wie „ist es möglich/ eS zu malen und zu beschreiben? „Die Kunst selbst müßte mir rathen und die Hand „führen/ die ersten Züge, welche ich hier entwor- „fcii/ künftig auszuführen. Ich lege den Begrif/ „welchen ich von diesem Bild gegeben/ zu dessen „Füfieii/ wie die Kränze derjenigen/ welche das „Haupt der Gottheiten/ die sie krönen wollten/ nicht „erreichen tonten." Ich verlange darüber Ihr Urtheil. Ich weiß/ daß diese Beschreibung nicht die schlechteste ist/ allein sie kau b-sser werden/ und ich werde alle Erinnerungen mit vielem Dank annehmen. Dem Herrn Baron >) empfehle ich mich untcrthänigst/ und mich verlanget / sein Angesicht zu sehe»/ wie ich irgend etwas in der Welt wünsche; und wen ich nicht dem Verlangen des Kurprinzen 2) ein Genüge thun müßte/ nach Neapel zu gehen/ so würde ich Florenz vorziehen. Erhalten Sie mich in ihrer Freundschaft/ und erinnern Sie sich meiner über gewisse Vorschläge. Ich ersterbe ze. !) lStosch,) LVo» Sachsens Freundschaftliche An Genzma r. lNach Stargard.) Rom, den t Jun. t7Z6. Nein liebster Freund! ^ch habe tausendmal an dich und an unsere süße Freundschaft gedacht/ und diese Zeilen können bezeugen, daß ich/ da uns Meer und Gebirge scheide»/ da» Herz unter einem fremden Himmel nicht verändert habe. Meine Gesundheit nöthigte mich/ meinen ruhigen Landsiz und meine liebe Bibliothek zu verlasse»/ und nach Dresden zu gehen/ wo ich ein Jahr gelebt habe/ um mich von der Arbeit etwas los zu mache»! aber in Zweifel über meine Versorgung. Man that mir Vorschläge nach Rom und Neapel zu gehe»/ die aber meinem Endzwek/ das ist/ der Freiheit nicht vollkommen gemäß waren. Ich sezte etwas auf/ mich angenehm zu beschäftigen; man verlangte eS ge- drukt zu sehen/ und eS sollte dem König zugeschrieben werden/ der es erlaubte. Es wurde also eine kleine Schrift/ betitelt: Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke i» der Malerei und Bildhauerkunst/ auf meine Kosten lind nur wenig Exemvlare gedrukt. Der Beifall war so allgemein/ daß ich kein einziges behielt/ es meinem Freund unter den Vaudale» zischten. Der berühmte Maler/ Herr Dicterich in Dresden/ mein Freund/ hatte an Herrn Wille in Paris ein Stük geschikt/ der es durch Herrn Wächtler daselbst übersezen lasse»/ und es iß dem Journal etranAer im Januar dieses Jahrs ein- gerükt/ bis auf das lezte Stiik/ welches izo auch erschienen sein soll/ wie man sagt. Dieses war der Weg z» einer kleinen Pension auf etliche Bncfe. Sichre, eine Neise nach Italien zu thun. Unterdessen urtheilten gewisse altere Kenner über die Schrift/ welches mich veranlassete/ daß ich selbst mie Beurtheilung derselben unter fremdem Namen Mfezte, und endlich eine Beantwortung derselben: iiber mit dieser sowohl als mit jener habe ich mich ciwaS übereilet. Diese drei Schriften sind in Wal- iherS Verlag, mit dem vierten Kup5er vermehrt/ und die erste Schrift verbessert, in groß Quarto, wie dcr erste Druk war, in einem Bande erschienen. Ich hübe sie noch nicht gesehen. In Berlin wird Herr Sulz er seine französische Übersezung der ersten Schrift druken lassen/ weil man mit der pariser nicht zufrieden ist; und hier erscheinet sie italiänisch. Herr Gottsched wird mir das Diploma eines Mitglieds der leipziger Gesellschaft schiken. Ich wünschte/ daß Herr Professor Christ, nach seinem Beifall, den er mir bezeuget/ die Beurtheilung der ersten Schrift übernommen, und nicht Herr Gottsched; dieser hätte weniger loben und sich besser unterrichten lassen sollen. Ich bin nunmehro ein halbes Jahr in Nom, und habe Entwürfe zu verschiedenen Schriften gemacht. Es ist unglaublich, wie wenig die Schäze in Rom bekant sind. Mein Hauptwerk aber ist eine Abhandlung von dem Geschmak der griechischen Künstler. Ich werde diesen Sommer vermuthlich in Neapel zubringen, und nachher nach Florenz gehen, um alles zu untersuchen. Meine Absichten erfordern wenigstens einen Aufenthalt von drei Jahren in Italien, und vielleicht habe ich noch das Glük, nach Griechenland zu gehen. Nach Sy- rakuS werde ich von Neapel reisen. Ich habe das Glük bei dem größten Maler unserer Zeit, Herrn MengS/ zu wohnen, und wen es mir gefällt, zu essen. ES lebt derselbe mit einem gewisse» Freundschaftliche Vorzug in Rom/ (er hat sich an n Jahre in Non, aufgehalten/) und dieses ist mir eine Gelegenheit/ das Schöne des Landes mit aller Zufriedenheit zu genießen. Ausser Rom ist fast nichts Schönes in der Welt, eine einzige Villa in Rom hat mehr Schönheit durch die Natur allein/ als alleS/ was die Franzosen gekünstelt. I/') wohne '1'iiniUl cle' Alonu, (besuche die Gegend in einem Plan von Noni/) wo ich gauz Rom bis an das Meer übersehen kau. Dieser Berg heißt auch sonst Alon^e ?ii,oic>. Wenige Schritte von mir ist die Villa MediciS. Ich wünschte Nachricht von deinen Umständen. Bezahle den Brief bis Wie»/ unter der Aufschrift: s AI. ^V. IZidliolliLcsire Ie ?c>IoAne, sotto I'^rco «lella kegiiiz. Ich hatte eine Absicht auf einige griechische Anekdoten in dem Vatican gemacht, und mich deßhalb im den päbstlichen LeibmedicuS Laurenti gemacht/ der mich dem Pabst präsentirte/ dem ich mein Verlangen eröfuete. Se. Heiligkeit versprachen mir in allem zu dienen; aber es ist nichts zu erhalten: der Pabst kan selbst nicht darüber disponiren. Die Untersuchungen/ die ich zu machen habe/ geschehen in der Bibliothek des CardinalS Passion ei/ der mir selbst die Bücher sucht/ die ich nicht finden kaü/ und mit dem ich mit dem Hut auf dem Kopf reden kan. Vergleiche einen Superintendenten mit ihm. Ich glaube, daß du izo diesen Charakter führest: aber ein Schul- Märtyrer/ der glüklich entronnen/ wie du und ich, hat sich kennen lernen. Was machen deine lieben Steine? Tirol hättest du sehen sollen. Hier zeigt sich die Mutter der Natur in ihrer erstaunenden Größe/ und der Überfluß Briefe. i>sz herschet zwischen den ungeheuren Klipen. Es ist ein Land der schönen Menschen, und Bozen besonders. Sollte ich einmal zurükgehen, so unterbreche ich gewiß in diesem Lande meine Reise, um ent- ziikende Augenblike zu genießen. Grüße unsere Freunde in Havelberg/ und bitte ße, daß sie Herrn Büttnern, Erbhcrrn auf Kolli;, meine bestandige Ergebenheit und Dankbarkeit versichern. Ich ersterbe, zc. A n U d e n. lNach Stendal.z Rom, den t ?u». t75S. Theuerster Freund und Bruder! glaube, du wirst mein Schreiben aus Augsburg »halten haben. Aus Rom habe ich nicht eher als mit einem guten Freunde, welcher nach Berlin gegangen ist, schreiben können. Ich bin den 19 November nach einer Reise von 9 Wochen gesund und «ergnügt in Rom ankommen, und mein gutes Glük hat mich zu einem Deutschen gesühret, Herrn Chevalier MengS, erster Hosmaler des Königs in Po- ^ l-n, welcher zn verschiedenenmalen hieher gegangen ist, und zusammen 11 Jahre in Rom lebet. Ich esse bei ihm, wen ich Lust habe, welches in Rom, >vo man in den gewöhnlichen Speisehäusern sehr schlecht bedienet wird, ein großer Vortheil ist, den dergleichen Zurüstung ist herzlich schlecht, und die fremden PensionairS müßen entweder ihre Küche selbst besorgen, welches kostbar ist, oder sie müßen lernen säuisch essen. Ich habe vor einigen Tagen eine Reise »>ich Frascati, Marino, Zllbano und Genzano gethan/ Freundschaftliche Orte/ wo die Natur alle ihre Schäze und Schönheiten verschwenderisch ausgestreuet hat/ und wo die prächtigsten Lusthäuser der alte» Römer waren. Diese Orte sind kleine Städte/ und man kail nur allein in Frascati Nachtquartier bekommen, und dieses schlecht genug. Man muß Serviette» und ein Bestek Messer mit sich fuhren/ wen man ohne Ekel esse» will. Der Wein ist aber herlich und wohlfeil. Sobald man die deutsche Reinlichkeit verläugne» lernet/ sobald fängt Rom an zu gefallen/ und ich sinde nichts, das mit Rom könte vergliche» werde»/ sonderlich, wen nia»/ wie ich/ niemand hier von großen Herr» nöthig hat. Der Cardinal Archin to und Gott ernatore von Rom will mein großer Freund sei», allein ich gehe so selten zu ihn,/ als eS mir möglich ist. Unterdessen ist es nothwendig einen Protector zu habe» und dieses muß er i» Absicht des Hofes sein. Ich bin nach Rom gegangen, nur zn sehe»; sinde aber/ Rom ist mit seine» Schäzen weder den Römern noch de» Ausländer» bekant; diese» weket mich von neuem zu schreiben. Ich habe einen Plan zu verschiedenen Schriften gemacht/ sonderlich zu einem großen Werke von dem Eeschmak der gric- chische» Künstle r. Zu meiner Arbeit ist mir der Zutritt zur Bibliothek des CardinalS Passiv nei/ Lil>- liotkecnr. ^postolic. unendlich vortheilhast. Anderwärts sind alle Bücher verschlossen, und man muß sich eines nach dem andern fordern, welches ich nicht gewohnt bin. Die Vatieana ist arm a» gedrnkten Büchern, und Manuscripte, die noch nicht ediret sind/ bekoint niemand z» sehen. Zu Ende dieses Monats gedenke ich mit meinen« Freunde nach Neapel zu geben, W er die königliche Familie malen wird, und wir werden uns den ganze» Sommer daselbst aufhalten. Künftigen Sommer werde ich, so Gott will, in Florenz zubringe». I» andern Städte» von Italien ist für mich Briefe. 155 nichts zu thun. Venedig ist ein Ort/ der mir nicht gefallen bat. Ich gedenke in Neapel mehr als jemand von Ausländern Gelegenheit zu habe»/ die herculani- scheu Schäze zu sehen, den der König hat eine Galerie mi Statuen, zu welcher niemand, als er selbst, den Schlüssel hat; folglich werde ich eine längst gewünschte vollständige und wahre Beschreibung von allen geben können. Ich wohne auf dem ehemaligen Monte Pincio, der in älteren Zeiten Lollis Iiori-uloium hieß, uud izo »Il-l '1'rinil,» cle' Hloni.i, von einem reichen und prächtigen Kloster französischer Eremiten von St. Paolo, genennet wird. Aus meinem Zimmer hin ich ganz Nom übersehen. Auf diesem Berge und unter demselben auf dem Plaze von Spanien wohnen die mehrsten Fremden. Viele Engeländer mzehren ihr Geld hier, und einige von ihnen gehen niemals wieder nach ihrem Vaterlande zurük. Ich iöiite viele Bogen anfüllen, wen ich alles schreiben wollte, was dir angenehm sein würde; aber ich weiß nicht, wo ich zuerst anfangen soll; ich werde es dir künftig gedrukt geben. Meine 3 Schriften wirst dir durch Herrn Öser aus Dresden erhalten haben. Ich habe ihn von hier aus daran erinnert. Ich habe ße selbst noch nicht gesehen, ohnerachtet sie schon im Februar abgedrukt gewesen. Die französische Übersezung ist im ^oui'uai 6tr»l>Aer in Paris im Monat Jäner eingerükt und nach derselben wird izo eine italiänische Übersezung gedrukt. Der neue Drnk ist auch nach Paris abgegangen. Ich wünschete, daß du die Personen keiltest, deren Charakter ich in den beiden lezten gemacht, nebst den Ursachen, warum ich ihnen vieles angedichtet. Der erste in der zweiten Schrift ist Herr Österreich, Galerieinspeetor; der zweite ist Hofrath Richter, Antiquar des Kurprinzen; der dritte ist Jnsvettoradjunct der An- tikcngalerie. Der Küster im Tempel des Friedens 456 Freundschaftliche ist wiederum Herr Osterreich. Der AnaxagoraSin der dritten Schrift ist Herr Baron von Heineckc», Oberauffeher aller königlichen Galerien. Das Etük vonLaresso ist in Dresden gewesen, und dem König nebst andern Stüken käuflich angeboten. Man nahm die schlechten Stüke/ und das beste ging wieder nach Frankreich/ weil es niemand kante. Ich habe mir viel Feinde gemacht; allein man muß zeigen/ daß noch Wahrheit in der Welt ist/ und daß auch ein Liebling des ersten Ministers und andere Personen/ die durch ihn ihr Glük gemacht habe»/ nicht schreken können. Was ich genieße/ kan mir auch der Minister selbst nicht nehmen/ und ich bin versichert/ er werde immer eine gute Meinung/ obn- erachtet meiner Satyre/ behalten/ und mein Glük stehet nunmehro und sonderlich nach einigem Aufenthalt in Rom/ in meinen Händen; den ich habe gelernt mit sehr wenig vergnügt zu sei»/ nnd mein Unterhalt konit unmittelbar aus den Händen Seiner Majestät. Ich erster^ ze. Na chschr. Dieser Brief ist mit Herrn Harper, einem jungen Maler/ der sich einige Jahre hier aufgehalten hat/ abgegangen. An Herrn Harper. lNach Venedig.? kome ^uin) >?Z6. Noiisicur mov li-ös c!i e r »iai! ^'->i reveo UN silaiilr inLni et, eil tem8 celle cle Hlr. cle Votre in'» renilu toul. f.iit incoi>sol»kle, Laus Vous emlzrasser, sans Vous teiaoi^ner mes Briefe. liU'mes, eorul)ieu Vous ul'nve?. el.e elrer, snus rueme Vous dire le deiuier ndieu, u^ou nmi! Vous vous xles .irrnelle de moi. (^' esd uu Finud vuide c^ue I:» ^iluee d'uu nmi ^iiunl)1e, ^»leiu de enudeur ed de l)oude et. surtout ^lour uioi el^nul. si ^eu eoluinuuieal)1e. Heureux t^ui ^ourroud jouir de Votre amii^ie! nl)nn- lioune comine je rue trouve, nies va'ux Vous sui- vronl. n cllnc^ue ^>ns: c^ue Votre cl^eiuiu soil^ ^niseiue lies rosses el. des tleurs. IVIille ^Inisir Vous a^eu- «lent. dnus Voti-e ^ntrie, et Vol.re nmie; <^ue Vous eles lieuieux, mou nini! uue nmie Vous t.ieudin lieu des restes des lroinmes. l?reseute2 n eile rues ress»eet,s. I^n seule idee d'uue nluil.ie si rnie nu moncle in'ntteudrid el. me t'nit. ^>1euier. ?ermel.de7- moi ee doux ^lnisir: ^uissiex, Vous e^e temoiu de ines lnrmes! ^se ne ^)uis c^ue ^eusei' eu meuie tems s un nrui, c^ue 1e eiel pnroissoit. nvoir desl.iue ^our moi. ^e lui ni sneriüe les ^>1us l)enux jours de inn vie; je n' «'l.oid l^ue ^>our lui. Helns! il s' ol)sdiue » m'oulzlier, le ^lus meilleur des nmis. Lml^insse? le de run ^nrt et. d-les lui c^ue j'ni destiue tous les jours uue demi-lieuie ^ours ue j^)ns ^euser c^u' n lui. ni ete voir l'ivoli et. In ville d'^dr'eu, dltes lui sn luou nuii) l^u'il se souvieuue de In llu de I' o6e ^ dll livie 2 d lioinee. dein lui kein le- veiller c^uelc^ues idees. ^e ue ^uis üuir n^nnl. ooru- menoe ^ni- 1'nmil^ie. l?oui- uol.l-e nmi eoiumuu I^Ir. lle Ilnuterue ^je snis l.oul.es sorl^es des voeux: je le !u^1ie de lue eonserver sou nlleediou. ^e le vois ellcore toujouis ^i-eseud et ^nilnud dnus sou s>or- lrait.. I^ie^eou et HIi'. sou eom^n^nou rues Mnpliiueus ties - liuml^les. ^.dieu! inou elrer niui, je Vous bnise mille fois el^ j'nt.t.euds nvee im^ntieuce Vos uouvelles. Nachsch r. Herr Meng6 läßt sein Kompliment Achen und er wird antworten/ vielleicht heute; 458 Freundschaftliche grüße» Sie Herr» Kolb i» Venedig »»d Herrn B l a »kc» st ei» e r »I>o sc»äo >1i l^ianci-i. Der schönen Lida werfen sie einen Kuß zu/ nnd wen Sie die göttliche Gegend hinter dem Kloster Etat in Tirol sehen/ so beten Sie drei Paternoster. Wen Sie ei» Geist wäre»/ (ich rufe Ihnen »och einnilil ein Wort der Warnung nach,) wollte ich Jhnc» auch drei Zlvemaria auftragen. Bewundern Sie hier die schöne Welt und ihren Schöpfer. Sie werden sich wundern über de» Sprung/ den ich mache von Tivoli auf meinen Freund. Diese Ideen werden demselben sehr nahe und verwandt scheine». Wen er gut Gedächtniß behalten hat/ so wird ihm eine Stelle aus einem seiner Briefe einfallen. Es ist kein Geheimniß/ aber es ist zu weitläuftig zu schreiben. Die Hälfte des Briefes ist freilich von einem andern / als Sie sind/ an den ich schreibe: allein ich habe des ander» Bild in Ihnen gefunden/ nnd ich hoffe/ daß Sie in mir einige Ähnlichkeit mit sich gefunden. Zwei Dinge/ die einen, dritten gleich sind/ sind sich selbst gleich; folglich». Mach'End, o Herr/ mach Ende! werden Sie sagen. Sie haben Recht. Ans Beweise soll man keine Freundschaft bauen; man soll fühlen. Adieu! — A ll B ü tl a U. I».ach Weimar. Z Noi», den 7 Aul. !7Z6. EuerExeellenz geruhen / ein paar Zeilen von mir gnädig anzunehmen; ich ivürde mir diese Freiheit öfter nehmen / wen man nicht unserem Minister in Nom untersaget hätte / Briefe/ die nicht den König und den Hof betreffe»/ zu befördern. Briefe. 159 Ich bin gesund und zufrieden/ und durch Vorsorge deS Beichtvaters Sr. Majestät mit dem Nöthigen versehen/ und/ was alles überwiegt/ frei. Minen Aufenthalt nnze ich nach meinem Vermögen/ und ich seze die Übung in der Sprache und den Vortheil aus Gesellschaften meinem Studiren n>ich> ES findet sich hier überflüssig Gelegenheit/ sich mit etwas der Welt zu zeigen/ und die römischen Scha'ze sind bei weitem noch nicht erschöpft. Aber es fehlet mir Euer Excellenz Bibliothek und und die Ruhe, welche ich in Nötheniz genossen/ und die ich nimmermehr wieder finden werde. Wie zufrieden wollte ich fein/ wen ich nach geendigter Pil- gcrschaft in diesem seligen Ort mich verfielen möchte. Unterdessen erfordern die PlanS/ die ich zu verschiedenen Schriften gemacht habe/ noch ein paar Jahre; den es ist unumgänglich nöthig/ an dem Orte selb/t zu schreiben: und die großen Vergebungen der Seri- denten in Sachen der Altertümer kommen mehren- ihcils daher/ daß ihnen nach ihrer Nükknnst aus Micn allererst das Schreiben eingefallen. Ich habe einige Galerien mehr als zehenmal gesehen/ und ans der Stelle meine Anmerkungen ausgezeichnet/ »nd ich bin dennoch vielmals zweifelhaft/ wen ich anfange/ etwas zu entwerfen. Den künftigen Herbst und Winter gedenke ich nicbrentheils >'n Neapel zuzubringen/ und den kommenden Sommer/ so Gott will/ in Florenz. Meine Schrift hat einen öftern Briefwechsel mit dem Herrn von Stosch/ der daselbst lebet/ veranlasset/ und diese Bekantschaft kaii mir in Florenz sehr »üzlich s-in. Ich habe meiner ersten Schrift in Nom, von Ergänzung der alten Statuen / die erste Form gegeben/ und ich hoffe/ man werde sehr viel finden/ was noch nicht gesaget iß/ und nunmehro fange ich 160 Freundschaftliche all/ an ein größeres Werk: Von dem Gefchmak der griechischen Künstler, zn gehen. Ausser diesem denke ich auf eine Beschreibung der Galerien in Rom und in Italic»/ nach der Art/ wie Richardson gemacht hat/ der Rom nur durchgelaufen ist. Meine Absicht war auch/ etwas von griechischen Anekdoten in der Vaticana zu erwischen; aber eS ist kein Mittel dahin zu gelange». Manuskripte von herausgegebenen Werken sind zu erhalten; aber jene nicht. Einige griechische Inschriften habe ich verbessert/ und das ist alleS/ was ich in dieser Art habe thun können. Der Cardinal Passion ei hat ein sehnliches Verlangen nach den lezten Bänden des Katalog! Euer Excellenz; ich meine diejenigen/ welche nach meiner Abreise an das Licht getreten sind. Ich war zu schnell/ nnd erbot mich/ da ich ihn das erstemal sprach / an Euer Excellenz zu schreiben/ und er hat mich vor einiger Zeit daran erinnert. Er hätte sie kommen lassen/ wen ich ihm nicht Hofnung gemacht hätte. Zzo ist er auf dem Lande zu Frascati lind wird in ein paar Wochen znrükkomnien. Seine Bibliothek/ die er für die größte Privatbibliothek in der Welt hält/ mnß der nöthenizer den Rang lasse». Die Samlung von Bibeln könte stärker sein. Eine spanische Bibel von -lZLZ/ zu fferrara in Italien georukt/ hält er für die rareste. >) Er freuet 1) Es ist auch dieses die erste und seltenste unter allen ge> drukten spanischen Bibeln. Der vollständige Titel derselben heistt: öiküa en linFua pululira z)0!' palaki-a 1a verdull pvr mu) excelcutes I^.etea6o8. Vista ^ exami»a<1a ei OKicio de 1a lu- Hulsicion, eon piivile^io 6e1 illustriTsimo 5>ennor Duc^ue ?er»ura. ^ ^ despe-»« Vom. I'ol^ I.evi I^spaiinol. en >4' ^ äe 5313. (l553.) in iol. Diese ttbersezung ist bis Briefe. sich/ wen ich ihm Gelegenheit gebe/ zu zeigen/ daß er seine Bücher besser kennet/ als sein armer Bib- liothekariuS/ der ein französischer Abbe ist; er klet« tat selbst herum / um mir das Verlangte zu suchen. Neulich habe ich eine Reise »ach Fraseati/ Ti- »oli und andere nahe gelegene Orte gethan. Sobald man aus der öden und verlassenen Gegend um Nom heraus ist/ so komt>man in die herlichsten Gegenden «on der Welt/ welche etwas gebirgicht sind; man gehet von einem Orte zum andern in lauter Lorbeer wildern. Die Schönheit der Natur ist unbeschreiblich; aber man ist so schlecht bedienet/ daß man Messer/ Servietten und ein Betttuch mit sich führen muß/ um nicht für Ekel zu sterben. Die Villa Hadriani bei Tivoli ist was man Erstaunendes sehen lan; die Ruinen erstreken sich auf drei italiänische Meilen. Man sieht vier bis fünf Tempel zur Hälfte erhalte»/ die in derselben begriffen warcn. Am Eingänge der Villa sind die sogenanten L-llw Lamei-e, wo die kaiserliche Leibgarde gelegen hat/ wie nian gcmuthmaßet. Es sind hundert Ge- Mber/ welche nichts gelitten; von keinen, hat man »»mittelbar zum andern komme» können. Daher ist glaublich/ daß längst denselben eine Galerie vo» anssen fortgegangen/ von welcher man in diese Kammern gegangen/ so daß eine einzige Schildwache am Eingang der Galerie diese Zimmer besezen können. In neuern Zeiten sind die Mauern durchge- hauen/ so daß man ans einer Kammer i» die andere gehen kan. Die Jesuiten und der Grav Fede desizen den größten Theil von diesen Ruinen/ und zum Unverständlichen treu und wörtlich nach dein Hebräischen, so wie unter den griechischen die übersezung des Annita, Die amsterdamer Ausgabe von 5Z7l ttütl) ist ein genauer Abtrnk dieser ferrarischen. Daßdors.. 7' 162 Fremidschaftliche jene gewinnen einen berlichen Wein daselbst/ von welchem der Vorrath in einem allen Tempel liegt. Das Äusserste von den Ruinen ist das Theater, an welchem man noch alle Size zählen kan. Man muß sich den Weg durch Sträucher und Gebüsche voller Schlangen und Eidexen machen^ Tivoli ist mir noch durch etwas Unbemerktes merkwürdig geworden; ich glaube/ man finde an keinem Orte in Italien ein so schönes Geblüt; es ist nichts Seltenes ein griechisches Profil zu sehen. Euer Excellenz erhalten mirDero gnädige Gesinnungen; einer von meinen Wünschen ist/ Euer Excellenz nach meiner Rükkunft meine Aufwartung machen zu können. Hch ersterbe zc. An Franke. l^?.ach Nötheniz.I tRoi», den ? Z Ä)?ein liebster Freund! es gehet alles gut in Noni/ bis auf den Schlaf. O! daß ich AdlerSflügel hätte/ ein paar Monate bei Ihnen zu sein! Wie viel wollte ich Ihnen erzähle»/ wie viel sollten Sie höre»/ was in keinen Büchern steht/ und ivaS selbst Richard so» nicht gewußt hat! Dieser ist, noch immer der beste/ aber ein großer Sünder. Die erste Schrift/ welche ich in Rom entworfen habe: Von der Ergänzung der alten Sl.i< tue»/ hat ihre erste Form erhalten. Sie kan die lezte Gestalt nicht erhalte»/ bis ich Neapel und Florenz gesehen. Mit dem Baron von Stosch, der in Florenz lebet/ bin ich durch meine Schrift in einen sehr freundschaftlichen Briefwechsel gerathen, und ich bin voller Ungeduld/ Florenz zu sehen. E» kan aber nicht eher geschehe»/ als künftigen Som> Briefe. mer; den ich bin »och lange nicht mit Nom fertig/ „pL den künftigen Winter gedenke ich in Neapel zuzubringen. Man hat von neuem sehr viele Statut» gefunden; aber ich weiß nichts Besonderes. ES ßnd viele von meinen Bekanteii/ und noch neulich Mi ganzer Schwärm von jungen Engelcindern da gewesen; aber Sie müßen sich nicht vorstellen/ daß die Künstler sehen können. ES sind einige wenige, die Augen haben; die meisten sind blind/ wie die Mulwürfe. ES sind einige Oberüberhofmalcr von einigen deutschen Fürsten hier/ welche alle — Ich habe schon ein Empfehlungsschreiben hier an den Beichtvater der Königin von SicilieN/ und dieser Brief war mit einem Wechsel von lvo Thalern begleitet- Ich schreibe Ihnen dieses'/ damit Sie an meiner Freude können Theil nehmen. Ich habe mir einige Bücher gekauft/ als! den cle ^»it-iura Veter>nn. Ileiri 5>c!iolic> Aiirc!» in VII. Luri^iclis IZ»s>I. s>er 3. welches nicht in ihrer Bibliotbek sein wird, I'i'sAveclias !>^>. IIII d killen sine veis. Lonicvll. XI. ev ollic, ji. <> o. 12. welches auch nicht in Nötheniz ist. In der griechischen Literatur iß lauter Finsterniß in Nom. Man machte mir viel Rühmens voneinem französischen Jesuiten. Ich sprach mit ihm/ und fand/ daß er ein Tropf ist. Die Nation ist gar nicht gemacht, etwas Ernstliches zu treiben. Die Straßen und Plaze stellen den ganzen ?ag voll von AbaceN/ die nichts thun/ als die Vorbeigehenden zu betrachten. Sie stehen zn Hunderten da, und sind vielmals zerrissen und bloß. Dieses hat mich bewogen/ daß ich mich von diesem Haufen auch durch meine Kleidung abgesondert habe. Ich habe mir zwei Sommerkleider machen lassen 5 i64 Freundschaftliche das eine ist von Seide / und ich trage Peruken, weil meine Haare ansingen auszugeben. Also haben Sie nichts für mich gefunden?— Ich glaube es. Welcher Scribent hat sich um alte Etatuen bekümmert? Nach Znscriptionen hat man noch eher gefragt. Von denen, welche edirt sind, sind die wenigsten vorhanden; sie sind zersäget und verbauet. Ich werde bei Gelegenheit einige, die etwas Besonderes enthalten/ und nicht mehr in Nom sind, anzeigen. Ein gewisser lUstoi-atore Ltaiue über hundert dergleichen gekauft, die in einem Keller gelegen haben; aber eS sind lauter Familieninschrif« ten/ die weiter nichts zur Antiquität enthalten. Etliche griechische Inscri^nories habe ich verbessert. Weiter kan ich in dieser Art nichts thun. Den Manuscripte, die noch nicht publicirt sind, bekömt kein Mensch in dem Vatican zu sehen. Man si-hr nichts als verschlossene Schränke. Einige rare Lo- tUees, die insgemein in den Reisebeschreibungen angeführt werden, als den etc, bekömt man zusehen, und dieses ohne Obligation. Das Münz- kabinet, welches Venuti beschrieben, ist schlecht. ES ist ein Kästchen von Ebenholz. Ein Zimmer voll kleiner AntiquailleS wird auch gezeigt; und das ist alles. Dahin zu gehen, zu studiren, ist zn weit; ich habe beinahe eine Stunde nöthig; den man verliert das Feuer in Nom in der Hize. Das Beste in Rom ist/ daß man zu den hiesigen Schäzen keine t) Vermuthlich der römische Bildhauer Cavacevvi, mit dem Winckelman 576S seine unglnkliche Neise nalll Deutschland unternommen, und von welchem das »nichtige Werk herausgekommen: R-iccol^i Slawe, Luiti, L^.^irllievi <>! ^Ili'i> Zcultuie, ristsuratc ov Zimmer/ wo die Leibgarde gelegen, sind so wohl erhalle»/ als wen die Garde j heute auSgerukt wäre. Freundschaftliche An W a l t h c r. lNach Dresdens LRoni/ den?Z EuerHochedelgeboren niachten mir Hofnunqvor meiner Abreise zum Druk der bereits ausgearbeitete» italiänischen Überfezung meiner ersten Schrift. Sie ist durch die französische Überfezung auch unter Ausländern in Rom bekant worden/ »nd da das lezte Stük derselben in dem ^ouin-lk >.'^ar>-;er noch nicht erschienen/ so ist das Verlangen um so viel größer geworden / dieselbe ganz und in wälscher Sprache zu sehen. Herr C ro na Wetter wird sich nicht weigern/ dieselbe dem Herrn Bianeoni oder jemand anders vorzulegen/ dieselbe durchzugehen/ und wen Euer Hochedelgeboren zum Druk geneigt sind / so will ich die Schrift nach der zweiten Ausgabe von neuem durchfeheii/ verbessern und vielleicht durch gewisse seltene Anmerkungen dergestalt erweitern/ daß ich ihr eben die Aufnahme in Rom verspreche, welche sie bei uns und in Frankreich erhalten hat. Ebcn so könte ich es mit den andern beiden machen; wew sie Beifall finden. Ich habe zu verschiedenen Werkchen Anlagen ge- niachet/ von denen ich künftig mehr Nachricht geben werde. Ich erwarte eine baldige- Antwort/ damit ich bei Zeiten Hand an die erstere Arbeit legen könne. Den es vergehet ohne dieses viel Zeit dnrch hin und wieder schreiben. Ich bin mit aller Hochachtung ic> Nachschr. Einen herzlichen Gruß an unsern theuren Herrn Narger. Euer Ho chedel geboren haben die Gewogenheit/ meine Empfehlung dem Herrn Professor Christ und Herrn Professor Gottsched zu machen. Ich wünschete/ daß der lezte die Schrift etwas besser verstanden und weniger pöbelhaft schriebe. Briefe. 167 Min dieses unter uns'. Sein Lob/ welches er der Schrift gegeben/ würde mehr Nachdruk gehabt haben. An B e r e n d s. Wahrscheinlich anfangs Juli i756.? Mein lieber Freund und Bruder! Ar Leute in Deutschland hättet es fast nicht verdienet/ daß ich schreibe: den keine Seele antwortet mir. ES ist wahr/ man nimt bei Hofe keine Briefe mehr an; der Minister will hier anfangen, den große» Aufwand einzuziehen: aber ist den kein Mittel/ «inen Brief nach Rom zu bringen? Unterdessen >>uiß ich dir sagen/ daß ich keine Briefe/ die so nachlWg/ als die ich vor meiner Abreise erhalten habe/ geschrieben waren, annehme: wenigstens lese ich sie nicht öfter als einmal. Ich muß mich auf den Brief an Seine Excellente beziehen: ich kau nicht alles schreiben. Ich bin gesund und ziemlich zufrieden. Vor 8 Tagen habe ich den zweiten Wechsel von 10» Thalern erhalten. Der Beichtvater aber ist sehr krank gewesen und bat sich noch nicht wieder erholet: ich furchte/ daß die Freude in Italien mit nur könne bald ein Ende nehmen. Unterdessen thu ich mein Möglichste»/ von allem zu nnzcn. Im Herbst werde ich nach Neapel geben uiid vielleicht den ganzen Winter daselbst bleiben; den Sommer aber iiber'S Jahr werde ich in Florenz zubringen. Hch habe mir fest vorgesezt/ kein Gliik in Rom z» suche»/ und habe mich deßwegen wie andere Ausländer gekleidet. Ten Cardinal Archinco habe ich 168 Freundschaftliche in 4 Monat nicht gcschcn; ich habe hier niemand nöthig. Sollte aber der König oder der Beicht»«, ter sterben/ so werde ich müßen zu Fuß aus Italic» gehen. Den auf den Hofrath Bianeoni/ der mir helfen tönte, habe ich keine Rechnung zu machen; er antwortet mir auf keine Briefe, und ich HM aufgehört zu schreiben. Ohne Charakter aber komme ich wieder nach Sachsen: ich werde mein-Brod leichtlich anderwärts finden. ES wäre sehr leicht, mich mit einer Anwartschaft auf etwas zu versehe» / damit man nicht zu meinem Namen ein mir verdrießliches" auf die Briefe sezen dürfte. Ich wollte/ ! entstehenden Falls, mit der größten Verachtung des HofeS/ meine Stelle in Nötheniz wieder suchen/ wen mir dieser Rükgang offen stunde. Ich glaube / ich bin nach Rom gekommen/ denjenigen/ die Rom nach mir sehen werden/ die Augen ein wenig zu ösnen/ (ich rede nur von Künstlern;) > den alle Cavaliere kommen als Narren her und gehen als Esel wieder weg; dieses Geschlecht der Menschen verdienet nicht/ daß man sie unterrichte und lehre. Einer gewissen Nation ist Rom gar unerträglich. Ein Franzose ist unverbesserlich! das Altertum und er widersprechen einander. Es ärgert mich/ daß ich auS Gefälligkeit einigen neuern Künstlern gewisse Vorzüge eingeräumet. Die Neuern sind Esel gegen die Alte»/ von denen wir gleichwohl das Allerschönste nicht haben/ und Bernini isi dcr größte Esel uiiter den Neuern, die Franzosen ausgenommen/ denen man die Ehre in dieser Art lassen muß. Ich sage dir eine Regel: Bewundere niemals die Arbeit eines neuen Bildhauers. Du würdest erstaune»/ wen du das Beste der moclernit,.' welches gewiß in Rom ist/ gegen das Mittelmäßige von den Alten hältst. Briefe. 169 Ich merke/ ich gerathe i»'s Schnulle» hinci»; iaS soll »icht sei»; ich will aus froher Seele mit dir reden. Nim den hohen Styl, mit welchem ich „ifing, von Rom zu rede»/ in seiner Maße; den «lies, was von den Werken der Kunst in Rom geschriebn ist/ ist herzlich schlecht/ und es gehöret ein wenig mehr Aufmerksamkeit dazu/ etwas Besseres zu liefern. Mein« erste Schrift in Rom: Von Restaura- lion oder Ergänzung der alten Statuen, hat ihre erste Form erhalten. Der Titel scheinet nicht «jcl zu versprechen: ich wünsche/ daß eS die Schrift selbst scheine. ES sind wenigstens Bemerkungen, welche von Wenigen gemacht und von niemand geschrieben worden sind. Unter Sachen, die mir in Rom abgehen, ist der Was. Bei Tage ist es ziemlich ruhig in Rom/ aber ics Nachts ist der Teufel los. In der großen Freiheit und Jmpunite, die hier haschet, und bei der Nachläßigkeit aller Polizei «iihret das Schreien/ Schießen, Schwärmerwerfeir »nd die Lustfeuer auf allen Gasse» die ganze Nacht hindurch bis a» den hellen Morgen. Der Pöbel ist Wgezähmt, und der Gouverneur ist müde worde», «-Meisen und h.wgen zu lasse». Wen ich schlafen will/ ist es nöthig, mich beinahe zu besaufen; aber auch dieses Mittel ist iu der unerträglichen Hize nicht das beste. -I« entlegenen Gegenden aber, wo tS etwas stillc'e ist/ ka» ich nicht wohne»/ weil Rom ungeheuer groß ist. Ich wohne izo mit einem jungt" damische,, Bildhauer zusammen/ welcher Pensio- von seinem Könige ist. i) Ich bin nnnmehr über ein halbes Jahr hier, «»d ich muß gestehen, daß ich noch lange nicht alles gesehen habe. Rom ist unerschöpflich und man mcht noch immer neue Entdckungc»; und wen ei»« 0 lMit Wiedewelt-1 Rinckelman. I g. 8 Freundschaftliche mal cm Pabst kommen sollte, der mehr Geschm.ik, mefir Liebe zu dem Altertume hat/ als dieser/ der nichts thut/ als über die ganze Welt lachen und den Cliarakter eines Buffon auch in einem so h-hcn Alter nicht abgelegt hat:>) so würden noch Sache» an'- Licht kommen können/ die besser sind als alles, was wir haben. Man weiß die Gegenden/ wo man graben müßte, und wo izo elende Häuser stehe». Ganz Rom seufzet nach einem neuen Pabst: dieser lebet aüen Menschen, sonderlich den Cardinälen z» lange; aber seine Gleichgültigkeit erhält ihn der Welt zum Troz. ES ist eine Kritik über meinen Weg in Mar« in o r zu arbeiten im 6«.,!>n<;er, Monat Mai, an'S Licht getreten: ein unerhebliches Urtheil. Herr Wille/ königlicher Kupferstecher, hat mir dieselbe aus Paris ganz frisch geschikt, um ein Gefecht zu veranlassen; ich weiß aber nicht, ob ich antworten werde. Grüße deinen Bruder in Seehaufen und all- guten Freunde. Ich empfehle mich dem Herrn Braven, dem Herrn von Fritsch. Ich ersterbe:e. An Franke. lNach Nöthe»,;. Z Rom, de» j l?!»g. t7Z6. ^ie Reise nach Neapel wird zu Ende des Dekoders geschehen. Ich werde allein hingehen, weil sich mit Herrn MengS verschiedene Schwierigkeiten zeigen. Ich wünsche sehr, daß dieser Monat vorbei sei; den die Hize ist zuweilen dem deutschen Geblüte un»- traglich. Ich esse alle Mittage eine halbe Melone, mich zu kühlen; aber ich trinke so viel Wein darauf, der zweimal mehr .Hize macht, t) cBiiiedict Xlv.) Briefe. 171 A n Franke. ee 25 8e^)t. 1766. ^e ^ensai aller Aas>le3 vers 1a tln du inoi ^>ro- cli.iin ed ^ re8l.er ^ju8^u'au ^rinl^ms; mai3 les iristes siUiations de 1a 8axe ond dei-an^^e8 iou8 ines de88ein8. 80uvene7.-vc>u8 de8 ^eUtes reelierelies iouel,and le Va- Ncan el le l^elvedeie. ^e marel^e a Ai-and8 ^a5, s)vur ae^ever eel. ouvraAe, ou ^'en Oi 1)e8viu. I^e Premier clcuit. ^e vou3 ai douue c^uelc^ue idee, a ^)ris ce me semkle la ^euii«i-e korme; ruai3 ^e veux le laisser mLuiir. ^Vc)Nl/77^ //! K,?NU7?k. I.e crit.ic^ue de ?ari3 aura une re^onse du code ou il le croid le IU0IU8. ?^a^le8 m'eu ^ouruira les movens. ^e kai8 l.ou^e8 80rdc8 de deec>uverde8. I^a 5euiQinQ j)k88<5e ^'ai deterr^ deux uom8 d'arl.i5de3 (^ree3 8ur des swl.ue8 ineme8, c^ui ue 8vnd eueore rema!-<^ue3 ^>ar ^er8c>nue. An Walthe r. lNach Dresdens Rom, den ZS Nov. schwill hoffe»/ daß sichEnerHochedelgeboren bei allem Wohlsein befinde»/ und daß die Gelehrsamkeit und deren Handel in diesen betrübten Zeiten nichts gelitten. In dieser Versicherung trage ich Ihnen ein kleines Werk an: eS handelt von Ergänzung der Statuen und anderer Werke deö Altertums, und möchte mit der Vorrede etwa 16 Bogen und drüber betragen können. Der Titel i'2 Freundschaftliche scheinet von einem kleinen Umfange; aber ich glaube/ diese Schrift wird von denen.« die nach Rom zu gehe» gedenken/ und von allen denen/ welche eine Liebe zur Kunst haben, oder Künstler sind/ gesucht werden. Die Gelehrten werden auch für sich etwas in derselben finden. ES läßt sich in einem Briefe kein Begrif von demselben geben. Die Vorrede wird zeigen/ wa-S uns vor Schriften fehlen, in Absicht der Kunst und des NuzenS/ welchen man aus einer vernünftigen Reise von Rom ziehen soll; wie sehr diejenigen gefehlet/ die dergleichen unternommen habe»/ und wie wenig sie verstanden; ungleichen/ was ich künftig zu liefern gedenke. Meine Absicht war/ noch mit nichts an das Licht zu treten / bis ich ein wichtigeres Werk geendiget; da aber dieses unendliches Denken und Untersuchungen erfordert/ und meine Umstände durch die Noth in Sachsen ein übles Ansehen gewinnen/ so muß ich meinen Vorsaz ändern. Ich sehe mich über dieses genöthiget/ Mittel aufzutreiben/ so bald als möglich nach Neavel zu gehen/ um diejenigen Kentnisse zu samlcn/ die mir zur Vollendung meiner folgenden Arbeiten vielleicht mehreres Licht geben können. ^ Sind EucrHochedclgeborcngcneigt/ denVcr- lag des angetragenen Werks zu übernehmen/ so bitte mir darü'-er baldige Nachricht auS; sonderlich auf was für Art ich das Manufcript überschiken soll. Hch werde zugleich vou dem/ was ich das wichtigere Werk nenne/ ein ausgearbeitetes Stük/ aus dessen Mitte herausgenommen/ als eine Probe mit überschiken / welches Euer Hoch edelgeboren einige»/ welche über das Geheime in der Kunst und über daS/ ^ was geschrieben heißt/ aus eigenen Versuchen zu ur« .theilen wissen/ ohne meinen Namen zu nennen/ mit- Briefe. t73 theilen können/ mit der Vorsorge/ daß keine Abschrift davon gemacht werde. Ich bin in solchen Umständen/ daß ich mich nicht schämen sollte/ in einen Handel über meine Schrift zu treten; aber ich weiß/ ich habe mit einem Manne/ der die wahre Ebre kennet/ der mein Freund ist und mich lieb hat/ zu thun. Nur bitte ich/ dieses geheim zu halten; ich habe meine wichtigen Ursachen dazu. Sobald ich dasDeiiselben angetragene Werkchen werde aus den Händen gelegt haben/ soll jenes meine vornehmste Beschäftigung sein. Ich besorge aber/ sie werde vielmals unterbrochen werden durch die vorhabende Ausgabe eines alten griechischen Redners aus cinem Manuscript der Vaticaua/ welches noch nicht das Licht gesehen/ und an welches Vorhaben ich nach dem neuen Jahre/ so Gott will/ die Hand anlegen werde. — Vielleicht schike ich eine Beschreibung von ! vier alten Tempeln mit/ von welchen »och nichts geschrieben ist/ und welche merkwürdiger sind/ als alle Gebäude in Nom selbst. Es fehlet nur an Zeit und an Geld/ mehr zu machen. Gelegenheit ist übersiüft sig geling. Hch babe auch eine Beschreibung der Altertümer in den Gärten und Galerien in Noni/ imgleichen ein sehr weitlänftiges Werk eine Geschichte der Kunst angefangen. Ich bin mit beständiger Hochachtung ?c. A >l Bunan. LNach Weimar.) Nom, den Jan. j?57. ^sch ergreife die Gelegenheit/ die mir der Herr Cardinal Passion ei anbietet/ sein Schreiben mit dem meinigen zu begleite»/ mit inniger Freude/ um Euer i) lHier die erste Anmeldung dieses einzige» Werks,z Freundschaftliche Excel lenee/so oft ich kaii/ zu bezeugen/ daß ich mich unendlich und ewigDenen selbe n verpflichtet erkenne. Ich erinnere mich unaufhörlich/ daß ich/ der nichts war/ in dem DienstEure r Ex cellenee erst angefangen zu werden / und daß mein gegenwärtiges Glük, fiir^ welches' meine Zufriedenheit die izigen Umstände uimt/ allein von der glütlichen und seligen Nulie in Nötheniz abhängt. Der Herr Cardinal hat sich wie ein Kind gefreuet, als er die zween Bände des Ka- talogi crliiclt/ die ich selbst noch nicht gesehen; nnd wen er mich fragen sollte , womit er ein Gegengeschenk machen könte: so will ich ihm schon Bücher anzeige»/ welche der Bibliothek noch abgehen/ und nirgends anderS/ als hier/ zu haben sind. Mit mir scheint derselbe izo nicht ganz zufrieden zu sein. Er möchte gern eine Nachricht seiner Manuskripte/ sonderlich der griechischen/ an das Licht stelle»/ und dazu finden sich wenig Leute in Rom gc- schikt. Die Wissenschaft in dieser Art ist sehr selten. Ein Professor in der griechischen Sprache in der Sa- pienza/ liest/ wie er zu einem seiner Freunde gesagt hat/ das' griechische neue Testament, sich in Übung z» erhalten. — Wer Menschen von großen Gaben und Geist will kennenlernen/ findet sie, glaub' ich/ hier mehr als an einem Orte in der Welt; aber sie sind nicht gemacht, sich sehr den Kopf zu zerbrechen. Der Cardinal Archinto machte mir Gelegenheit/ eine der vornehmsten Gesellschaften gelehrter Leute/ welche alle Montage zufammenkömt/ zu besuchen/ um mir obiges vermeintes Vorurtheil zu benehmen; allein ich bin dadurch noch mehr in demselben bestärkt worden. Endlich machte mich ein alter hier berühmter Maler (den mit dergleichen Leute» bin ich nnr allein bisher umgegangen) mit einem Prälaten bekant/ und a» demselben fand ich meine» Ma»/ und diese Be- lantschast hat zu einige» ander» Gelegenheit gegeben. Bncfe» Er heißt Giaeomelli/ liiid hak auf Befehl einen von dcii Bänden dcr Streitigkeiten mit dem Hofe zu Turin verfertiget. Neulich hat er zwei Tragödien, vom SischyluS und SophokleS/ mit einer italienische» Übcrscznng und mit fehr auserlesenen Note« herausgegeben. Izo arbeitet er an einer »cnen Aufgabe des «Ic Laccicloiio. Er ist l^nnonico lki 8. und Lapell.ino zecieto >1cl ?»>,!>, von Pistoia aus Toscana. Wir haben beide Lust, des Libanii noch nicht herausgegebene griechische Reden ans zween Manuskripten dcr vaticanischen «nd barberinischen Bibliothek a»'s Licht zu stellen. Dcr Prälat will sich nur- einen kleinen Theil davon nehme», und mir das Übrige lassen. Unterdessen habe ich mich schon mit vieler Arbeit überhäuft. Meine Schrift von Ergänz nng dcr alten Statuen und übrigen Werke des Altertums war bereits zum Drukc fertig; aber ich fange izo a»/ sie von neuem umzuschmelzcn. Die zweite Schrist/ eine Beschreibung der besten Statuen in dcr Welt/ nämlich derer/ die im Vclvedcre stehen/ ist immer meine Hauptarbeit gewesen.: aber es wird vielleicht noch Jahr und Tag hingehen/ ehe ich sie endigen kan. Zu gleicher Zeit samle ich izo an einer Historie dcr Kunst/ und fange deßwegen ail/ alle alte Griechen ganz durchzulcscn. Ich wunschcte mir als ein hohes Gliik/ de» jungen Herrn Graven hier zu sehen; ich glaube/ ich wollte mache»/ daß Rom demsclben ewig eine angenehme und reizende Erinnerung sein sollte. ES wäre eine Gelegenheit für mich / dem großen Wohlthäter/ dcr mich aus dcr Finsterniß und aus dem Schulstaube hervorrief/ einigermaßen meine» innigste» und aufrichtigste» Daiik zu bezeigen. Kein Reisender sollte die Schäze des Altertums und die neuern Seltenheiten mit so großem Nuzen gesehen haben. Ich weiß/ 176 Freundschaftliche wie viele unsrer Hcrr» von Stande, auch aus ander» Länder», wieder von hier gehen, ohne daö eigentliche Schöne und Große aufmerisam gesehen und ihren Ge- schmak darnach gebildet zu haben. Euer Excellence nehmen die große Freimüthigkeit, mit der ich einem so großen Manne und meinem Herrn schreibe, nicht ungnädig auf. Die lezten Worte in Dahlen, wo sich der Hcrr gegen seinen Diener mit einer so scltnen und rührenden Großmurh herabließ, machen, daß ich schreibe, was mir einfällt, ohne den Brief erst ängstlich zu entwerfen. Die großen Drangsale, mit welchen unser und mein wahres Vaterland heimgesucht wird, verursachen mir vielen Kummer, doch haben sie meine äussere Ruhe in Nom noch nicht gestört. Ich beweine das arme Land, aber mein Freund und Gönner, >) der Wort und Glauben hält, sorget für mich, und da ich eS am wenigsten erwartete, erschien mir eine neue Hülfe. Ich bekam vor einigen Wochen den dritten Wechsel vow Wo Thalern. Mit dem Rest von diesem Gelde gedenke ich im März nach Neapel zu gellen, und sollte ich noch einmal das Glük haben, noch etwas zu erhalten, so werde ich Florenz sehen, wozu mich der Herr von Stosch, der mein großer Freund geworden ist, einladet, und ich glaube, daß mir sein Tisch offen stehen wird. In der Ungewißheit, in welcher ich vor einiger Zeit war, ließ ich mich dem Herrn Cardinal 8ecrewrio >Ii 8rzt,o, Archin t o, antragen: er bezeugte mir sein großes Vergnügen hierüber, uud erbot sich, mir eine Wohnung in seinem großen Palaste der Caneellerie, welchen er nach des PabstS Tode beziehen wird, zu geben, wohin er auch seine Bücher schaffen lassen. Weil ich aber von seiner Macht, die er izo und überhaupt durch den allgemeinen Credit vor allen andern im L. 1) l^P^tcr Lcv Nauch 1 Briefe. 177 coll-Ki» hat / andere Erbictungen hoste/ auch damals nöthig zu habe» schien/ so- zog ich mich/ da an nichts weiter als an eine Wohnung gedacht wurde/ (welche mir eine Zeit her mit allen Bequemlichkeiten nichts gekostet/) sachte zuruk/ und die mißlichen Umstände deö PadsteS gaben auch meinem Betragen einen weniger bösen Schein. Sobald ich aber Geld erhielt> erbot ich mich von selbst/ die Wohnung anzunehmen/ ohn- ewchtet ich mich dadurch aus großen Vortheilen ge- ftzt/ weil ich biShero nicht sür meinen Tisch sorgen durfte. Ich besorge also dessen Bücher/ und lebe hier mcmanden zur Last und in Freiheit. In Rom ist alles wohlfeil bis auf die Kleidung. Wir werden vermuthlich im Frühjahre ein Con- llave haben. Der Pabst hat sich zwar etwas gebessert, aber er kan es nicht lange mehr treiben. Man bauet schon an dem Conclave für die Cardinäle/ und der Pabst wünschet, daß er die Anstalten zum künftigen Conclave noch sehen möchte. Er kan seinen Nipoti nichts hinterlassen/ den der Cardinal Valenti hat nichts librig gelassen/ dafür wird er aber auch von allen Römern gehaßt. Archinto aber regiret/ als ein wahrer ehrlicher Man/ von aller Welt geliebt. Ich habe mich herzlich gefreuet/ da ich unter seinen Büchern Eurer Exeellenee Reichshistorie gesehen; möchte doch der Himmel Denenselbe» Muße gönnen/ ein so wichtiges Werk fortzuseze»! Wen Gott unserm unglüklichen Vaterlande die Nuhe wieder schenken sollte/ so werden sich auch meine Wünsche/ meine übrigen Tage dort zuzubringen/ recht lebhaft wieder ein finde». Mein Herz hängt gar zu sehr an das gute Sachse»/ ohngeachtet ich Rom vo» Tag zu Tage schöner finde. Hch werde mich glüklich scha'zen, wen ich durch meinen Freund, an den ich hier einen Brief beigeschlossen, zuweilen eine Versicherung von Eu rerExcellen- 178 Freundschaftliche c c fortdauernden gnädigen Gesinnungen erkalte der ich mich immer würdiger zu machen bestreben werde, Hch bin mit der größten Verehrung Eurer Excellencc -c. An Bercnds. kNach Braunsckweig.^ Rom, den 2? Jan, 47Z7, Liebster Freund und Bruder! ^ie Drangsale/ welche mein wahres Vaterland betroffen/ haben mir zugleich fast alle Gemeinschaft mit demselben abgeschnitten/ und ich bin dadurch entschuldiget/ daß ich in geraumer Zeit nicht geschrieben; und da der Hofrath Bianeoni mir nicht mehr antwortet/ so habe ,'ch izo keinen sichern Weg, i Briefe zu bestellen; ich schreibe auch nicht an jene», öen ich bnr ihm keine Verpflichtung schuldig. Diese Gelegenheit macht mir der Herr Cardinal Passionei durch cm Danksagungschrciben an den Herrn Grarcn für die beiden lezten Bände des Katalogi/ welche ihm Herr Franke überschiket. Der Herr Grav wird vermuthlich zurük nach Nom schreiben; säume nicht, mir zu antworten bei dieser Gelegenheit/ den ich habe den Herrn Graven gebeten/ seine Antwort anstehen zu lassen / bis dein Brief von Braunschireig ankommen kan nach Weimar. Herr Franke schreibet mir/ daß du einen Brief für mich nach Dresden geschiket! ich habe nichts erhalten/ diese Nachricht rechtfertiget dich bei mir. Wisse/ liebster Freund! daß es mir wohl gehet, mitten in den Nöthen / die über Sachsen kommen Briefe. ,i„d> Mein Freund und Vater hält mir sein theures Wort/ und ich habe vor drei Wochen den dritten Wechsel von ü»0 Thalern, aber nach einem großen Abzug/ erhalten. Ich hatte schon alleHofnung aufgegeben Md ich ließ deßwegen dein Cardinal >1! Ltaio, Archin t0/ meine Dienste antragen/ durch einen würben Prälaten und großen Geleckte»/ sonderlich in der griechischen Sprache. Zener war voller Freude/ daß ich mich endlich bequemen wollte oder'mußte/ und tot mir eine Wohnung in seinem Palast der Caneel- lerie c»i/ welchen er nach des PabsteS Tode, da er izo in dem päbstlichen Palaste als der erste Minister »ohnet/ beziehen wird/ und wohin er izo seine Bibliothek geschaffet hat. Unterdessen wartete ich immer auf andere Erbietungen/ weil ich seit dem Iunio bequem und umsonst bei einem jungen dänischen Bildhauer und Pensionär des Königs gewöhnet, da mir also die bloße Wohnung, dazu an einem entlegenen Ort in der Stadt/ kein Vortheil war/ allein deßwegen zu ändern. Da ich aber sahe/ daß nichts Weilers erfolgte/ und nichts als Caressen emvsing/ und gleichwohl erfuhr/ daß sich der Cardinal mit dem deutschen Gelehrten, einem großen Griechen, der sein BibliothekariuS werden würde/ groß machte: so blieb die Sache/ wie sie war/ einige Monate. Sobald ich Geld erhielt/ ohne es dem Cardinal Ivisscn zu lassen/ erklärte ich mich mit einmal/ ohne das Geringste zu verlangen/ in seinen Palast zu ziehen / und seine Bücher zu besorge»/ um ihm zu zeigen/ wie ich denke/ und eher mir iemaiid zu verpflichte»/ als verpflichtet zu sein. Unterdessen hätte er als erster Minister/ der einen allgemeinen Credit bei allen Menschen hat/ und ohnfehlbar einmal Pabst werden kan/ Gelegenheit genug/ mir viel Gutes zu lhuii. Unterdessen bin ich glüklich/ daß ich nichts verlangen darf. Ich bleibe bei meiner Weise! den «so Freundschaftliche da ich ein Vette für mich aufgeschlagen fand/ weiche-- nicht nach nieinem Sinne war/ so ließ ich ein anderes und besseres darneben sezen, um zu zeigen, wie ich wünschte gehalten zu sein. Das scinigc soll er wieder wegnehmen lassen Ich kan etwas kck thun: den eS fehlet an Gelehrten meiner Art. Diefe Probe, mein Wort, das ich gegeben, zu kalten, komt mir aber tdeucr zu sieden: den da ich sonst einige Monate nach einander mittags und abends bei Mr. McngS gegessen/ und prächtig gegessen, so mnß ich izo selbst für meine Küche sorgen. Habe ich aber Lust, mich aus'zulassen und tapfer in Gesellschaft zu trinken/ so gehe ich zu jenem. Eine von meinen Cure» ist, mich mit guten Belanten einmal des MonatS über den Durst einzuladen. ES war eine Zeit/ wo ich nicht gut schlief und mebrentheils ziemlich beladen zu Vette ging. Der Wein ist nicht theuer/ und ich sorge selbst für einen guten Verrath. Hzo bewohn? ich also di? Zimmer / dic der Cardinal Ottoboni/ als Kanzler/ dem berühmten Trevisano eingeräumet hatte. Ich habe 6 Stuben, eben so viel Kammern und eine Küche: und mein Wohnzimmer hat einen großen Balkon nach dem Plaze vorn heraus. Lch kan also vergnügt sei»/ nnd es macht mir nichts Sorge als meine Schrift; ich habe sogar jemand gefunden/ mit dem ich von Liebe rede: ein jim- ger schöner blonder Römer von 16 Jahre»/ einen Halben Kopf größer als ich; aber ich kan ihn nur einmal dic Woche sprechen: des SontagS abends speiset er bei mir. >) Izo wünschete ich nichts mehr/ als dich hier zn sehen mit deinem jungen Eraven; ich wollte euch die Schönheiten des Altertums und der Neueren besser I) i^iese charakteristische Stelle hat Forst er in seiner Ausgabe der Briefe Winckcl maiis wieder ausgelassen Briefe. «igelt/ als alle Antiqnarii in Noni/ welches Jgno- >.mten sind/ und der Aufenthalt sollte ausser einer zMhkntsche, welche man wegen der Größe des OrtS nöthig hat/ weniger kosten als auf einer Akademie jn Dentschland. Suche Mittel und Wege dazu. Alle? ist nichts gegen Rom: du weißt nicht das hundertste Theil. Bis hieher sind wir einander gefolget/ ich bin immer voraus gegangen/ folge du nach. Ich glaubte, ich hätte alles vorher auSstudiret/ und siehe! da ich hierher kam/ sahe ich / daß ich nichts' wußte/ und daß alle Scribenten Ochsen und Esel sind. Hier bin ich kleiner geworden/ als da ich aus der Schule in die tünauische Bibliothek kam. Willst du Menschen kennen lernen/ hier ist der Ort: Köpfe von unendlichem Talent/ Menschen von hohen Gaben/ Schönheiten von dem hohen Charakter/ wie sie die Griechen gebildet haben/ und wer endlich die rechten ' Wege findet/ sieht Leute von Wahrheit/ Redlichkeit und Großheit zusammengesezt. Und da die Freiheit in andern Staaten und Republiken nur ein Schatten ist gegen der in Rom, (welches dir vielleicht paradox scheinet/) so ist hier auch eine andere , Art zn denken. Aber Leute von der leztern Art machen sich freilich mit Fremden/ die inSgemcin Rom durchlaufen/ nichts zu schaffen. Alle Franzosen sind hier lächerlich/ als eine elende Nation/ und ich kau mich rühmen/ daß ich mit ^ keinem von der verachtungSwiirdigsten Art zweifü- I ßiger Creaturen eine Gemeinschaft habe. Ihre Aka- ! demie ist eine Gesellschaft der Narre»/ und ein jnn- i ger Römer machte ein Wapen für dieselbe/ nämlich I Mi Esel/ welche sich krazeN/ weil den Esels alles gefällt. Solltest du nach Paris gehe»/ so schreibe ich keine Zeile an dich. Ich muß aber auch gestehe»/ daß fast alle Deut« 182 Freundschaftliche sche, die hierher kommen/ französische Meerkäzchen sein wollen/ lind eS gelinget ihnen nicht einmal: den man muß von Mutterleibc ein Narr sein. Ein einziger französischer Architekt ist mein guter Be- kanter; aber er hat sich von seiner Nation abgesondert, um nicht lächerlich zu werden. >) Ich schreibe dieses deßwegen, weil ich weiß, daß du mir der französischen Seuche ein wenig angestekt bist, welches Übel an deutschen Höfen, wo ein französischer Harlekin mehr als ein wahrer Deutscher gilt, nicht leicht zn heilen ist. Ein Franzose, so wie die Nation izo ist, ist ungeschikt, ein großer Künstler, ein gründlicher belehrter zu werden; ja kein Franzose kaii eine andere Sprache, olme Lachen zu erweken, reden- lernen. Keiner kaii ein ehrlicher Man sein, H-vc IN transit»: 8umai,»i' closis Hl!» mc- -licill!,. Dieses, was ich schreibe, werde ich künftig einmal, wen meine Achtung in der Welt besser gegründet sein wird, in einer besondern Schrift beweisen. Meine erste Schrift: Von der Ergänzung der alten Statuen und der übrigen Werke des Altertums, war schon zum Drukc fertig? aber ick fange sie an von neuem uniznschmclzcii, und ich weiß nicht, ob sie künftige leipziger Messe wird erscheinen können; den nunmehr muß ich mir vorstellen, nach der guten Aufnahme des Ersten, daß ich vor den Augen aller Welt und von einer unberührten Sache schreibe, wozu meine Einsicht allein nicht hinlänglich ist. Die Vorrede wird viel besondere Dinge enthalten für den/ der sie verstehet/ die noch nicht gesagt sind. Die andere Schrift, nämlich die Beschreibung der Statuen im Belvedere, erfordert Zeit, weil es lauter Originalgedanken sein müßen, und zur Geschichte der Kunst fange ich an die M' I^C-lerisseau.? Briefc. tenalien zu samlen/ und es ist nöthig/ dass ich alle alten Griechen von neuem ganz durchlese. Diese Arbeit tönte vielleicht unterbrochen werden durch die Ausgabe eines alten griechischen Redners aus einem Nanuscriplo ineilito VuUc'aii!« et Ii>>>IiotI>ec!« ?,a,I)cnn.'>>, Nil welcher ich gegen das Frülijahr in Gemeinschaft mit gedachtem Prälaten, einem Florentiner/ ^licliol ^Vngelo (^iscomelli, Lilnoni»« cli ! 8> ?ictrc> e Oiinellürio sccielo
  • 56 Jahren, zu arbeiten anfangen werde/ daS ! hcißt: er will einen kleinen Theil für sich nehmen/ und daS Übrige wird unter meinem Namen erscheinen. Ich gedenke i;o im Ernst aus eine Neise/ im Wr; ">ich Neapel zu thun/ ehe mein Geld völlig alle wird; den ich muß mir immer vorstellen/ daß " die Sachen in meinem Vaterlande noch übler werden, und daß endlich die Hülfe ausbleiben köute. Unterdessen habe ich einen Nothpfennig von loo Thälern zurükgeleget/ welcher in fremden Handen ist.') Ich wunschete / daß ich Geld hätte/ künftigen Sommer nach Floren; zu gehen; ich habe einen unvergleichlichen Freund an dem Baron von Gtosch bekommen/ und sein Tisch würde mir offen stehen. Er hat mit großem Ruhme von mir an den Cardinal Alessandro Albani geschrieben/ wie mir dieser selbst bezeuget hat. Ehe man mir nicht etwas Erhebliches anbietet/ ehe werde ich mich nicht als Zlbate kleiden. Du wirst unterdessen bekennen müßen / daß ich meine Sachen gnt gemacht. Die Wälschen in Dresden hielten mich für dum/ und sie haben sich betrogen; d-eseS ist die Ursache/ warum sie sich schämen/ zu schreiben. Ich sollte ohne Anstand nach Neapel gehen nnd alle Post- tage an den Graven von Wackerbarth und an i) lJn den Händen des Malers Maron, Schwagers von M e n g s.Z Freundschaftliche den Wälscheit/i) seinen Partisan/ schreiben und ei» anderer hätte mit meinem Kalbe ge pflüget. Ich würde ein großer Narr gewesen sein. Dazu sollte ich von Hofe aus an die Königin in Neapel recommandirt werden. Jzo brauche ich dergleichen nicht: ich kan von hier aus Briefe genug bekomme». Wen du wüßtest/ was man mit mir in Dresden für Wege genommen/ um mir die Reise nach Italien schwer/ ja unmöglich zu machen/ und wie man mir alle Hofnung zu einer Versorgung in Dresden abgesprochen/ um mich allcine zu Privatabsichten zu gebrauchen / du würdest dich wundern. -) Da ich kam und sagte/ daß mir 200 Thaler zugestanden wäre»/ 1 schien es unglaublich/ und dieses wurde in einem einzigen glüklichcn Augenblike vorgetragen und erthci- - let. Hier habeich erfahren/ daß es aus des Königs > Händen komt/ welcher den Namen nicht haben will, weil es so wenig ist. Unterdessen hat mir der un> glükliche/ gütige König vorigen Sommer versichern lassen/ daß er mich ästimiret / und da man ihm meine gefährliche Begebenheit mit einer Statue / welche mich beinahe erschlagen hätte/ erzählet/ so hat er mich warnen lassen/ um nicht aus Liebe zum Altertum Leib und Leben zu wagen. Gott gebe ihm fröl» liche Stunden und mache den Feind und Verheeret zu Schanden! Von dem/ was ich von den Wälfchen in Dresden geschrieben habe/ rede zu niemand. Es ist nrlr eine Person.^) Helfen wird er nicht/ aber er kan- schaden; nur hier in Rom nicht und wen ich sollte in Rom bleiben / und mich festfezen/ so lache ich ihn aus. Man glaubet / der Pabst werde sich nicht völlig I'' lB>anconi>Z 2) fMa» sehe die frühern Briefs und die Viozravhie,) Z) lBiancvni.Z Briefe. 185 erholen und er wird vielleicht künftiges Frühjahr Abschied nehmen/ und alsdan haben wir ein Concla- »e, welches die Römer und Fremde wünschen / und welches unendlich viel Fremde nach Rom ziehen wird. Ich wollte/ daß ich dich an der ?orw cl«.-! ?o^olc> empfangen könte. Kein Pabsi bat seiner Familie weniger hinterlassen/ theils weil der vorige Secier- lio und L-tlllerlenßo in einer Person/ der Cardinal Va lenti, alles gestohlen hat und midÄZer- maledeinng aller ehrlichen Leute gestorben ist; theils weil er seine beiden Nipoten vor Bastarde hält, die ßch seine Schwester/ da ste bis zu seiner Regirung unfruchtbar gewesen, machen lassen/ da ihr Bruder Pabst worden. Er hat ihnen ein Haus in Rom gekauft/ und hinterläßt ihnen nicht mehr/ wie man sagt/ »nd fast glaublich ist/ als ein Kapital von viertausend Scudi. Die kaiserliche Akademie der freie» Künste in Augsburg hat mich zugleich mit MengS zu ihrem Nath und Mitglied ernennet. Ihre Absicht war, ilmen Nachrichten von Kunstsachen aus Rom mitzutheilen zu ihrer Monatschrift; ich habe aber theils keine Zeit/ theils wollte ich nicht gerne unter so viel elendem Gewäsche erscheinen. Wen aber die Akademie sollte guten Rath/ den man ihr gegeben/ annehmen/ und sich auf einen vernünftigern Fuß einrichten, alsdan köiite etwas geschehen. Schreibe mir doch etwas neueS/ für meinen langen Brief, aus der lieben alten Mark/ sonderlich aus Seebausen, sollten es auch Mädchenhistorien sein; ee ist mir alles angenehm zu hören. Berichte zugleich/ was man von mir spricht/ wen es auch noch so schlim. Ich bin zn weit/ und ich möchte fast sagen zu glüklich, als daß es mich anders als eine Neuigkeit rühren sollte; ich kan über den Feind und über den Neid lachen 8* ' Freundschaftliche Item. Was sagt man von meiner Schrift in Braunschweig? Ist nach Braun schweig unter soviel Pedanten auch ein vernünftiger Maii hingerathen? Der Herr Grav wird die Rechte und die Pferde studireii! was ist sonst in Braunschweig zu lernen? Ich küsse ihn tausendmal/ den werthen Sohn. Gott gebe/ daß er so groß als sein würdiger Vater und glüllicher werde. Grüße deine Familie und sonderlich deine» Bruder. Suche Hieron y m uS im Kalender/ und wen der Tag komt, so erinnere dich / daß ich ans deine Gesundheit trinken werde/ bis ich genug habe Dem jungen Büloiv, welches ich völlig weise werde. Ich— Wen du die Ehre hast/ dem Professor Hierusa- lcm/i) den Geistlichen nach der Mode, deine Aufwartung zu machen/ so sage ihm/ daß derjenige/ der sich durch den jungen Bülvw melden lassen, ihm feine Ehrerbietung zu bezeigen, (aber das Glük nicht erlangen können/ von Sr. Hochwürdigkeir,) daß dieser Mensch in Rom ist, und daß der größte Cardinal in Rom, gegen den er ein Esel ist/ ein bescheidener Bürger scheinet/ gegen feinen phantastischen Stolz. Ich weiß nicht, mit was für Augen ich einen deutschen Hofberachlen werde, nachdem ich Nom gesehen. Grüße unsern lieben Fr a n k e. Dem Herrn Baron von Fritsch meine Empfehlung. Sei so gut und berichte dem Herrn Graveii/ wie weit mein Engagement mit dem Cardinal Archinto gehet. Nm dir auch von der hiesigen Witterung Nachricht zu geben, so wisse, daß/ obgleich dieser Winter für unfreundlich wegen des vielen Regens gehalten wird / man allezeit Fenster und Thüren beständig offen hat. Ich habe nur des Morgens ein wenig Kohle»/ Kaffee zu kochen. j) sDer Mt und theologische Schriftsteller Jerusalems Briefe. 187 Hch habe mit einem alten Stein gestgelt/ mit einem junge» mänlichen Kopfe/ damit du wissen laiist/ ob der Brief erbrochen geweftn ist. An Walthcr. Mach Dresdens Rom, den S März t757. habe Dero sehr angenehmes Schreiben den 7 dieses erhalte»/ und erkenne mich mit innigster Au- stiedenheit Dc»c» selben verbunden für Dero Willfährigkeit/ die Bekantmachung meiner Arbeit/ bei allem Elende/ welches mein wahres Vaterland drü- ket, zn übernehmen. Mein Frennd und Vater/ Seiner Majestät Beichtvater/ hat dafür gesorget/ daß ich mich nicht übereilen darf/ und daß ich Denen selben md mir zur Ehre etwas reiflich Überlegtes liefern üm. Ich bin mit dem Nöthigen versehen/ und da ich es für nöthig stnde/ zu den ersten sowohl als zu i>m künftigen Arbeite»/ Neapel und wo möglich Florenz zu sehe»/ weil ich durch ineinen sehr guttu Freund/ den Herrn Baron von Stosch/ unaufhörlich eingeladen werde: so werde ich nach dem Osterfeste, so Gott will/ »ach Neapel gehen / und nach meiner Rükkunft werde ich der erste» Schrift die lez- te Ha»d geben. Unterdessen habe ich dieselbe von neuem ganz und gar umgeworfen und umzusehmel- M angefangen. AlleS/ was ich arbeite/ ist für Euer Hochedelgeboren bestimt/ und der Preis soll niemals Schwierigkeit machen; den weil ich schriebe/ um zu gewinnen/ so würde eS mir bei dergleichen mühsamen Untersuchuiigcn sehr übel gehen. Mit so viel Aufmerksamkeit hat vielleicht noch niemand die Altertümer untersuchet/ und im Schreiben ist meine Regel/ nichts mit zwei Worten zu sagen/ >pas !L8 Freundschaftliche mit einem einzigen geschehen kan. Ich samle zu einer Historie der Kunst/ und habe angefangen, die alten Scribenten, sonderlich die Grieche«/ von neuem völlig durchzulesen/ um alles/ was zur Kunst bis auf die barbarischen Zeiten gehöret/ zu haben. Dieses ist ein Werk von etlichen Jahren: den ich werde alles mit Manuskripten collationireii/ und als« dan werde ich etwa ein Bändchen von einem Finger dik schreiben. Aber man soll auch alsdan sehen, was diejenigen/ sonderlich die Franzosen / die eine solche Historie zu schreiben unternommen haben/ für Unwissende sind. Herr Monaldini schiebet seine Verzögerung auf die Furcht/ die er gehabt/ bei den Kriegsunruhen etwas auf den Weg zu gebe»; er zeigte mir einen großen Stoß von Büchern/ und sagte mir/ er sei sehr vergnügt/ da Eu er Ho ched el g e bo re n es von neuem verlangen/ diese Sachen sich aus dem Wege zu schaffen. Hch wünschete/ daß es lauter auserlesene Sachen wären. Warum machet man die besten italiänischen Dichter nicht beiant bei uns? Die Nation liat dergleichen/ die man/ ohne zu lästern, den Allen entgegensezen könte. Dergleichen iß Alessandro Guidi/ und sonderlich sein Endi- mione/ in welchem viel Stellen von der Köyigin Christina mit Häkchen bezeichnet sind. Die Tragödien von Gravina sind über alle Kritik erliabe». Aber den Wälschen sind ihre großen Leute selbst nicht bekant: wie wollten sie eS in Deutschland sein/ wo nur gilt/ was französisch ist. Von einer andern Art sind einige Ausgaben von alten Griechen/ von einem der größten Gelehrten in aller Gelehrsamkeit/ Monsignore Giacomelli/ einem würdigen Prälaten, welche häufig nach Engeland gehen. Warum läßt man mit so schweren Kosten mönchsmäßige Stöße kommen? Wir hoffen bessere Zeiten in Noni/ unter Briefe. einem Pabst, wen er nur ein wenig mehr Geschmak als der izige hat: alsdan wird sich die Nation von neuem zeigen/ wie unter C lemen 6 XI, (Albani), dessen Gedächtniß in allen Zeiten verehrungswürdig bleibet/ geschehen ist. Des Herrn Doctor Ernesti aus Leipzig I-iiü-i soliäioris sind hier im großen Werthe bei den wahren Weisen, und würden/ wen nur viel Exemplare hier wären, besser abgehen, als Wolfs seine Kindereien / die endlich die Mäuse fressen werden. Findet sich Gelegenheit, so ersuche Euer Hoch- edelgeboren, dem Herrn Ernesti und Herrn C hri st meine große Empfehlung zu machen; ich erbiete mich demselben/ wo ich kaji/ in Nom zu dienen. Ich empfehle mich Dero ganzen Hause und dem Herrn Clodius/ und bin mit beständiger Hochachtung ?c. An Franke. l?!ach Nötheniz.Z Nom l>»> Ma>Ä t757. Äa ich Herrn Walther zu antworten habe/ so will ich mein geliebtes Nötbeniz und den Freund, mit dem ich eine lange und vergnügte Einsamkeit genvssen, mit ein paar Zeilen besuchen. Wen Menschen an zwei Orten zugleich sichtbar gewesen/ wie die neueren Märchen sagen/ so müßte Ihnen gewiß meine Higur erscheinen. Mitten in den Ruinen von Tempeln und in den Palästen der Kaiser vergesse ich mich/ wen ich an Nötheniz gedenke/ und selbst in dem Vatican komt mich das Verlangen an, bei Lhnen zu sein. Du solltest/ spreche ich zu mir. i9o Frnmdschaftlichc izo das Elend deines wahren Vaterlandes/ und deiner in aller Welt beklagten Mitbürger mit ihnen tragen/ da du das Gute genossen hast. Nicht ich allein/ sondern mehr als ein Römer/ in welchem »och der Saame von dem Geblüt ihrer Vorfahren ist/ würde mit Freuden den Kopf hergeben, wen das Leben einer Person einer Nation Rettung schaffen könte. Mein Freund und Vater / der Wort und Glan- ben hält/ läßt mich hier die Drangsale nicht empfinden/ und gibt mir die theure Versicherung, mich nicht zu verlassen/ und der gütige König versichert mich/ durch denselben seiner Achtung. Ich weiß, es kömt aus dessen Hände»/ daß ich dies schöne Land genießen katt/ und ich würde es noch mit mehrerer sittlicher Wohllust genießen/ wen mich meine Begierde/ zu lernen/ ruhen ließe. Ich habe mich in zu viel Arbeit eingelassen/ die mich von vielen Vergnügen abziehet. Dasjenige/ was ich Willens war, zuerst an's Licht zu stellen/ ist von neuem umgeworfen, weil ich unendlich ängstlich nach den begangenen Fehlern geworden bin; den es muß auch iu Noni gefallen können/ wo ich alles nach und nach über- sezen / und durch Verständige verbessern lasse» will. Ausser der ersten Schrift: Von Ergänzung der Statuen und anderer Werke des Altertums/ habe ich bisher» an der Beschreibung der Statuen im Belvedere gearbeitet. Mr ich habe es kaum aus dem Gröbsten herausgebracht. Über die poetische Beschreibung des Torso vom Apol- lonio habe ich fast ganzer drei Monate gedacht. Zn einer Beschreibung der Villen und Galerien habe ich gesamlet/ und ich könte künftig Nachrichten von Rom in Form der Briefe ausarbeiten / wozu ich seltne Nachrichten habe. ES gehet aber alles lang- i) lPater Leo Rauchs Briefe. 491 sM/ weil ich viel Zeit durch Besuche verliere/ um mich bei den größten Leuten zu »literrichten / und sonderlich, weil ich nöthig stndc, zu schon angezeig- lcr Arbeit sowohl / als auch zu einem größern Vor- MN/ nämlich zu einer Historie der Kunst bis auf die neuere Zeit exelustve/ alle alte Griechen und übrige Schriften der Alten von neuem durchzulesen. Aeii Zunii Samlung ist nicht vollständig/ und da l -Dg/s>l.ior»m nuclaeia i!>m mxnss »>'lis eompencliariutti eic. welchen kein Mensch »sch bisher erklären können. Sehen Sie nur/ m'e Peter Burma» seine Unwissenheit bcke»- mt, Ich glaube/ ich werde densclben durch ein Blisrelies in der Villa ^lesssuclrins erläll- M können. In der Vorrede zur ersten Schrift mde ich vieles sage»/ was noch nicht gesagt und zeglanbt ist. Bei Lesung der Alten aber merke ich Wlcich an/ was die Sprache angehet/ um mich in Stand zu sezen / viele noch ungedrukte Reden des !>bani»s aus der Vaticaiia und Barberina mit meiner Übersezuiig an'S Licht zu stelle«. Hierzu kömt die Lesung der besten italiänischen Schriften / welche ich nothwendig gründlich kennen mnß. Ich habe also einen Zuschnitt auf viele Jahre gemacht. Nach >»ld »ach werde ich die Stelle»/ welche die Kunst »-treffen / mit den Maiiuscrivten in der Vaticaiia «ergleichen. Hch kenne den Abt Maria »i / welcher ile Lu-uri!« Melrvsioli geschrieben. Dieser ist einer m den wenige» / die Griechisch könne»/ und Sci-is,- l°r Arsecns, dergleichen Lciipiorcs zwölfe in der Vatikan«, sind. Mit dem PanfaniaS werde ich den Anfang der Collation machen. Nach dem Jndice des Moiitfaucon iß er nicht in der Vaticaiia; tS2 Freundschaftliche aber matt muß wissen, daß dieser Pater, wie sonst also auch hier, als ein Franzose fluchtig gegangen ist. Seine ex^Ii-zuve strozet von crfchrck- lichen Vergehen. Einige davon werde ich in der ersten Schrift anzeigen. Ehe ich aber das eine endige und das andere anfange, muß ich vorher Neapel sehen, wohin ich den Sonabend nach Ostern zu gehen gedenke, nicht allein wegen der Altertümer/ sondern auch um mit dem größten Manne in der griechischen Gelehrsamkeit, der izo in der Welt ist, dem Canonico Mazzoechi, einem Manne von 80 Jahren, l) Bekantschaft zu machen, und von demselben zu lernen. Wen Sie künftig seinen Commen- tariumüber zwei metallene Tafeln mit dorischer Schrift sehen werden, so werden Sie erstaunen. Von diesem Werke ist nur der erste Band heraus, und auf königlichen Befehl soll es nicht öffentlich erscheinen, bis der zweite Band sertig ist. In Rom ist ein einziges Exemplar in den Händen des Cardinal; Svinelli/ ErzbischofS von Neapel, welches ich etliche Tage auf meinem Tische gehabt habe. Mnj- zocchi zeiget dem Polybius, Strabo und dem Pausanias, daß sie geirret haben. Ich wohne izo in dem Palast der Cancellerie, wo mir der Cardinal Archinto einige Zimmer ein- geräumet hat; ich habe nichts als die vier Wände angenommen; das Übrige ist mein Eigentum, « frei zu bleiben. Dafür trage ich einige Sorge für seine Bücher. Bisher habe ich viele Monate sehr vergnügt mit einem jungen dänischen Bildhauer gewöhnet und gelebt, und da ich Gelegenheit genug habe, Bücher zu entlehne»/ so würde ich nicht geändert haben, weil ich nicht gesucht hätte, mich t) Wo alt war cr damals eben noch nicht, sondern erst S7 bis öS Jahres Briefe. von dem Quartier der Fremden in Nom zu entfernen / und zweien von meinen besten Freunden näher zu sein. Der eine ist ein Maler/ Bildhauer und Gelehrter von 7» Jahren, ein munterer fröhlicher Greis (die Fröhlichkeit in dergleichen Alter ist hier nicht selten/ und der Cardinal Passi o nei meinet/ cr wolle noch über einen Stuhl springen/) ein Man von großer Keiitniß und Erfahrung. Der andere ist ohne Zweifel der Gelehrteste in Rom: Gi a comelli/^) ein Toscaner/ Lanonicc, lli 8. ?, e «Zorne- süva äi 8. ein großer MathematikuS/ PhysikuS/ Poet uud Grieche/ gegen welchen ich in diesem Theil die Segel streiche. 2) Ein Theil von den Streitigkeiten mit dem Hofe zu Turin ist von ihm/ und durch seine Ausgabe deSPromethei des Äschyli-/ der Eleklra des Sophokles und 8. Lln^sosto- iui, ist er hier bekant genug. Er ist mein Lehrmeister/ der mir den Dante liefet und erkläret. Diesen habe ich durch jenen kennenlerne»/ und jenen besuche ich gewöhnlich vor Tische/ und diesen des Abends. Weil aber Giacomelli die Untersuchung der Altertümer/ so wie sie bisher getrieben worden/ verachtet/ so habe ich zu dergleichen Unterredungen zween andere Personen: einen Franciscanermönch und Vicarium seines Ordens'/ Pietro Bianchi/ der ein großes Münzkabinet/ welches sonderlich in Ägypten und Asien gesamlet ist/ unter Händen hat. Der andere ist ein Prälat von sehr weitläuftiger Kentniß/ Monsignore Valdani/ an welchen mich der Cardinal Alessandro Albani/ welcher mir durch Empfehlung des Herrn von Stosch aus Florenz sehr wohl will / gewiesen hat. Dieser Man ist einer von den gewöhnlichen Genies derWälscheN/ die keinen Kizel haben zu schreiben. Er ist vergnügt/ daß man weiß / er lBr. an Wiedewelt/ v. lS Aug. l75?.Z 2) lJn der Folge nicht mchv.Z Winckelman. 10. 9 Freundschaftliche sei der Mail/ der Großes zu thun im Stande wäre, und hat eben nicht nöthig/ ein Autor zu werden, da er monatlich too Dueaten Einkünfte/ Tisch/ Wogen und Pferde von dem Cardinal hat. Ausserdem gehe ich bald in diese/ bald in jene Bibliothek/ insonderheit in die passioneische, wo niemand so viel Freiheit hat als ich. Ich genieße und nüze Noni/ wies wenige Fremde genuzt haben und nuzen können. Den die Bekantfchaft mit großen Leuten in diesem Lande ist leicht; aber eine Freundschaft/ in welcher sie sich völlig mittheilen/ ist sehr schwer zn erlangen/ und da sie die unleugbaren Vorzüge ihrer Nation wissen/ so ist ihnen ein Fremder/ der keine sonderlichen Verdienste hat/ sehr gleichgültig. Weil ich kan ferner unterstüzt werden / so ist Nom bei meiner Genügsamkeit mir ein Paradies?/ und ich würde es mit Thränen in den Angen verlassen. Meine Gesundheit trägt nicht wenig hierzu bei/ wen ich nicht zu viel esse/ welches nur geschieht/ wen ich allein speise/ weil ich mir nicht Zeit genug nehme zu kauen. Zu viel trinken/ welches manchmal geschieht/ ist mir eine Arznei. Der Herr Cardinal Albani bauet izo eine Villa/ ein Wunder der Kunst in aller Menschen Singe. O könten Sie sie sehen, oder ich sie beschreiben! Er ist der größte AntiquariuS in der Welt/ und bringet an'S Licht/ was in der Finsterniß vergraben gelegen hat/ und bezahlet es königlich. Sollten wir einen Liebhaber der Altertümer zum Pabst bekomme»/ so würden sich durch Hülfe des Cardi- nalS/ (den weil er kein Geistlicher ist/ l) kan er nicht Pabst werden/) Schäze entdeken/ die noch wichtiger sind/ als die wir haben. Den man weiß die Orlnc und einige andere seiner Gedichte. Von L^-Iicli proclromo Urcolon. sind schon nenn Bände heraus/ und ein Band in größtem Folio/ ei» KataloguS von allen gefundenen Sachen.i)Ich habe izocinenPlntarchum mitOro»; nou's M!>niiscrij^i» auf meinem Zimmer/ aus der Bibliothek der Königin Christina. A tt B ü n a u. lNach Weimars S!o»i, den Mai t757. Euer Excellenz gnädige Antwort ist mir die ersten Tage dieses MonatS Mai von dem Herrn Cardinal zugesandt worden. Es war derselbe ans seine Her- mitage nach Frascati gegangen/ wodurch die Überlieferung Dero Schreibens verzögert worden. Der HerrCardinal hat mir Euer ExccllenzSchrcibcn an ihn ebenfalls zu lesen gegeben, und da ich gestern mit ihm speisete und nachdem mit ihm ausfuhr/ so ist unsere Unterredung beständig von Euer Excellenz hohen Person und Dero vortreflichen Bibliothek gewesen. Er gab mir des Pabstes großes Werk cls L^niZllo Oioecesai,!» in dem größten Format in Fo< lio gedrukt und eingebunden ans seiner Bibliothek/ nebst der neuen Ausgabe seiner ^ccor. ^ost, klc-Z- für Seine Excellenz/ und brachte mich selbst mit den Büchern in mein Quartier. Hch ließ ihm merken/ daß Dieselben wegen der Werke des Pabstes sich erkundiget hätten/ worauf er sich erbot/ sie von dem Pabste selbst für die bünauische Bibliothek als t) lMa» sehe die Niogravhie S. OXXXIVVI 2) IPassioilei.^ Frcuttdschastliche ei» Geschenk zil verlangen, wen der Pabst , wie tt sich auSdrükte, auf guter Laune sein würde, Gutes zu thun. ES ist überhaupt ein vortreslicher Man, dessen Liebe zur Wahrheit ausserordentlich ist. Aus einem einzigen Znge wird sich der Charakter desselben offenbaren. Ich schreibe dieses ohne Vedenklich- keit/ weil es wahr ist, und mit großer Hochachtung für einen so edlen und würdigen 'Mail. Es begegnete uns ein Cardinal im Wagen. „ Kennen Sie „den Man?" fragte er mich. Ja, von Gesichte, antwortete ich. „Mein Herr, fnhr er fort, Sie inü- „ ßen die Leute ganz kennen lernen. Dieser Cardinal „ist ein unwürdiger . . . u. s. f. Nicht wahr, das „ befremdet Sie? Herr! so spricht man in Nom,sag- „ te er, dem einzigen Orte in der Welt, wo mm „ so frei reden kan, welches ich mit Zuverläßigkeit bc- „ Häupten kaii, da ich in allen freien Republiken „ EuropenS einige Zeit gelebt habe. " war meiue Antwort, Sie denken izo nicht an die Heilige Inquisition. „Schämen Sie sich, sagteer, „ mir dieselbe vorzuhalten. Sie müßen wissen, fuhr „er fort, wen jemand nicht auf dem spanische» Pk;e „in Rom eine Kanzel ausbauet, und öffentlich lehret, „der Pabst sei der Antichrist, so hat man hier gar „ nichts zn befürchten. Im übrigen kan man sagen, „ was man will, ohne im geringsten darüber gekränkt „zu sein. Den die Zeiten von PiuS V. sind ij» „nicht mehr,, und der Geist der christlichen Duld- „ samkeit wird auch hier allgemeiner. " Wen dieser .Herr mehr Begierde hätte, als er nicht hat, groß zu werden, so zweifelt man nicht, daß es ihm möglich wäre, Pabst zu werden. Aber er ist von allen sehr geachtet und gefürchtet. Ich wünsche eS sehnlich, den ob ich gleich anfänglich kaltsinnig angesehen wurde, so hab' ich mich doch nnnmehr seiner Gnade völlig versichert/ und ich hätte mir alSdan Briefe. 197 qroße lind wichtige Vortheile zu versprechen. Diese besondere Achtung desselben für mich sezte den Cardinal Archinto in einige Verwirrung. Ich arbeite für ihn/ ohne etwas zu fordern/ und mit dem festen Vorsaze/ nichts ohne die höchste Noth anzunehmen. Ich lasse mich niemals in dessen Antica- mera sehen / und da er mich daselbst vor vier Monaten einige Stunden warten ließ / so sing ich an/ eine große Predigt zu halten: „ tzch sei ein Mensch, „ der den einzigen Schaz, von welchem vernünftige „Kreaturen allein Herr sind/ zu schäzen wisse/nam- „ lich die Zeit/ und daß es unwürdig sür mich „sei/ die Steine in der Vorkammer zu zahlen; „ja, daß ich vielleicht der einzige sei/ der den Car« „dinalZlrchinto zu sprechen komme/ ohne etwas zu. „ begehre» / ja / ohne etwas anzunehmen." Endlich kam er selbst heraus/ und fragte mich: „ ob ich et- ,, was Besonderes zu sagen habe?" NichtS/ antwortete ich. Der Cardinal bedachte sich eine Weile, und da ich weiter nicht sprechen wollte/ so ging er weiter. Warum reden Sie izo nicht? sagten die Abaten und dergleichen Leutchen. Hch antwortete ihnen/ daß des CardinalS Art zu fragen nicht diejenige sei/ die mir Lust mache zu reden. Doch ich mißbrauche Euer Excellenz Gnade/ Dieselben mit meinen Kleinigkeiten zu unterhalten; aber ich wünsche nur dadurch zu zeigen/ daß ich nicht aus der Art geschlagen bin. Unterdessen finde ich an dem Cardinal den ehrlichen Man/ welcher doch einen beständigen Willen hat/ mir Gutes zu thu»/ aber er weiß nicht wie. Meine Freiheit werd' ich in Nom allezeit auf einen hohen Preis fezen. Zu einer Neise nach Neapel kan ich die Kosten nicht aufbringen, und ob mir gleich der Kurprinz von neuem einen Brief an die Königin in Sicilien anbietet/ und von mir den endlichen Entschluß zu Freundschaftliche dieser Reise verlanget/ so kau ich doch izo diese Gnade nicht nuzcn. Ich arbeite daran/ sowohl liier als in Deutschland ein kleines Werkchen an 'S Licht treten zu lasse»/ nämlich einen Versuch zu einer G eschichte der Kunst. Ich finde nöthig/ hiermit den Anfang zu machen/ weil die Abhandlung von der Wiederherstellung und Ergänzung der Werke der Alten/ und was' ich sonst unter Händen habe / vielen unverständlich gewesen sein würde. Die Untersuchungen in der Kunst der Alten/ ein unberührtes Feld/ lassen mir keine Zeit/ die Gchäze/ wornach auswärtige Gelehrte so sehr seufzen/ zn nu- zen. AlleS/ was in der Vaticana ist/ stehet mir zu Diensten/ und zu den Manuscripten der Jesuiten brauche ich nur den Schlüssel zu verlangen. Ich will EuerExcellenzein Buch anzeigen/ welches vielleicht in Deutschland nicht bekant ist/ und hier nach6-,- (ülirisrisnismo l) für das rareste gehalten wird, IläMlich: ^icliitetlura niilitüre. ll) Servetl Buch heißt eigentlich LI>r!slia»!sr>i! I^csl!wi!a etc. >55?. S> Dieses Buch ist ausserordentlich rar und eben dasjenige, das mit dem SerVet zu Genf öffentlich verbraiit wurde. Mosheii»/ der in seiner llislorla Serveii diese ganze Sache Nlit unparteiischer Wahrheitsliebe untersucht/ hat auch von diesem so seltene» Buche sehr richtig geurtheilt. Daßdorf. 2) Dieses Buch ist allerdings von großer Seltenheit; doch war es in Deutschland nicht so ganz unbekant/ alsWin« ckelnian glaubte/ wenigstens besaß schon die hiesige kurfürstliche Bibliothek ein Eremvlar davon. Es ist in Brescia l5?? groß Folio mit sehr viele» Kuvsern herausge« kommen. Um zu wisse»/ ob von diesen» wichtige» Buche mehr Ausgabe» bekant wären/ schlug ich des ?. n
  • dors. 200 Freundschaftliche so nahe sein dürfte, wird wokk der würdige Cardj. ual Alefsandro Zllbani ziemlich die Entscheidung geben. Mich verlanget nach dieser Veränderung/ weil dieser Cardinal mein großer Patron sein will. Unterdessen hätte man doch Mittel genug/ mich auch izo zn unterstüzen. ES sind hier unzählig viel Pensionen für die Convertiteii/ die zum Theil unwürdigen Leuten gegeben werden. Leo Allatins ist allezeit ein Exempel/ das mich sehr niederschlägt. ES ist sehr wenigen mehr bekant/ aber es verdient/ um den Undank der Welt gegen große .Gelehrte zu offenbaren/ bekant gemacht zu werden/ daß dieser große Man bis in sein fünf und siebenzigstes Zahl/ bewundert von Nom und von der übrigen Welt/ nicht mehr als sieben Scudi gehabt hat. Im angezeigten Jahre wurde er allererst Custode von der Vatieana. Diese und viele umständlichere Nachrichten hab' ich aus dessen ungedrnkten eigenhändigen Briefen. Ich komme wieder auf meine Umstände/ aber es ist unmöglich/ daß ich mich meinem größten Wohlthäter nicht ganz mittheilen sollte. Ich werde dem Herrn Beichtvater/ der bishero so freundschaftlich für mich gesorgt/ nicht lange mehr ;nr Last sein können, woran mich seine eigene Vorstellung bei meinem Abschiede erinnert; ich wünschete aber/ daß ich mich hier so lange halten könte/ bis eine Veränderung in der Negirung geschieht/ auf welche mich meine Freunde verweisen. Denket man alS- den nicht an mich/ so hab' ich meinen Schluß gemacht/ in einen vernünftigen Orden zu gehen/ wo ich von dem Chöre dispensirt werde/ um mich in Nnhe zu sezeii/ und niemand weiter nöthig zu haben/ da mich der unglükliche Krieg in Sachsen nichts mehr hoffen läßt. Ich werde das Geschenk des Herrn Cardinals Briefe. 20t bei mir behalten/ und auf die gute Laune des Pabstes warten / alsdan werde ich die gelehrte Ausgabe des <7-,^ 505<0M! cle Haeei-clouo von meinem Freund Monsig- >me Giacomelli darzulegen/ und Euer Excellenz nähere Befehle wegen der Übersendung derselbe» erwarten. Ich ersterbe ?e. An Verend S. lNach Bnnmschweig'z Nvn, / den t2 Mai j?57. Liebster Freund und Brnder! Ah habe dein Schreiben zu Anfang dieses Monats mit dem/ womit mich Seine Excellenz beehret/ sehr mhl und mit großem Vergnügen erhalten / und d>> mmmehro der Weg zu einem Briefwechsel zwischen dem Herrn Geheimdenrath und dem Herrn Cardinal Passion ei geösnet ist/ so werde ich dir zu Zeiten schreiben können. Gestern/ da ich allererst Zeit hatte/ den Herrn Cardinal zu besuchen/ welcher von Fras- eati zurükgekommen war/ sveisere ich nebst meinem ffreunde Monsignore Giacomelli (dieser ist es in Rom) bei demselben/ und gegen Abend fuhren wir aus und der Cardinal brachte mich bis in mein O.uartier/ liebst den Bnchern/ welche er für Seine Excellenz gegeben. Ich hoffe/ der Pabst soll ihm seine Werke schenken, damit auch etwas unmittelbar von demselben in der bü n a u i sche n Bibliothek sei. Du erinnerst mich/ ans meine Versorgung bedacht zu sein: ich gedenke wokl daran/ und da man mich izo kennen lernt/ und von mir svricht/ und glaubet/ daß ich eS brauche/ so will ich nicht bitten. ES sind nunmehro 6 Monat/ seit Neujahr/ daß ich nicht zudem Archinto gegangen bin / welcher nicht in der Cancellerie/ wo ich bin/ sondern in dem päbst- lichen Palast wohnet. Den da er mich das leztemal Freundschaftliche sehr lange warten ließ/ so fing ich eine große Predigt an in der Antieaniera: „Ich bin, sagte ich/ „einer von den Menschen/ die den einzigen Schaz, „wovon wir Herr sind/ die Zeit kennen, und ich „ will sie nicht verlieren / die Steine in den Vor- „ zimmern zu zählen ?c. " Endlich kam der Cardinal heraus und stellete sich/ als wen er vergessen, daß ich gemeldet worden, (oder ob es wirklich mi dem war/ ist mir einerlei/) und fragte mich: „ob „ ich ihm etwas' Besonderes zu sagen habe. " Nichts antwortete ich. Er bl:>o stehen/ und da ich nicht zum Reden zu bringen war/ ging er vorüber. „Wa- „ rum reden Sie nicht/ warum Sie gekommen? " sagte das Hofgesinde!? „Weil ich nicht gewohnt bin, „ sagte ich/ daß man mich auf diese Art fragt/ da „ man weiß/ daß ich nicht ohne Noth und niemals/ „ um etwas zu bitten / sondern in des Cadinals eig- „ nen Angelegenheiten komme.Du mußt aber wissen/ Rom ist der Ort/ wo man ungescheut dieWabr- heit sagen kan/ auch wider den Pabst selbst. Ich bin izo beschäftiget/ des Cardinals Bibliothek/ welche in der Cancellarie stehet/ einzurichten; aber ich habe mir fest vorgesezt/ von ihm selbst nicht» anzunehmen/ wohl aber von zwei andern Cardinälen / dem Passivnei und Albani/ die meine Gönner sein wollen/ und denen ich nicht diene. Nn^mehro will ich ruhig sein/ bis ich meinen Versuch einer Historie der Kunst in Rom werde können in'S Latein übersezt druken lassen/ welchcs vielleicht um Michaelis geschehen könte/ damit ich den Ruf von mir unterstüze/ und alsden will ich mich noch rarer machen. Ich wünsche/ daß ich meine Almosen genieße/ bis hier eine Veränderung in der Regirung komt/ an welcher der Cardinal Al- t) lArchinlo/j ' " V Briefe. dlini ein großes Antheil haben wird/ auf welche Zeit mich meine Freunde vertrösten/ um zu erwartn/ ob man an mich gedenken wird; wo nicht/ so mll ich denjeiiigen/ die sich viel mit mir wissen/ I und nichts weiter thun/ einen unvermutheten Streich spielen. Ich will in einen vernünftigen raifonablen Orden derBenedictiner oder Augustiner gehen, m mich in Ruhe zu sezen/ und um niemand weiter nöthig zu haben; den ich sehe wohl/ in Deutschland bin ich nichts mehr nuze und ich will in meinen übrigen Jahren fühlen/ daß ich lebe. Der Kurprinz wird mir einen Brief an die Köchin in Sicilien schiken/ und erinnert mich/ nach Neapel zu gehen. Aber ich habe mich gegen den Bianconi/ der ihm meine Briefe alle vorliefet, erklärt/ daß ich mit den Almosen/ die ich genieße, die Reisekosten nicht bestreiten kan. Deine Kritik ist nicht so gegründet/ als du glau- teß: ich schreibe anders an einen Freund/ und anders in die Welt hinein/ und ich suche mit der größten Behutsamkeit in meinen Schriften zu reden. Nm ist auch der Ort/ wo man den dictatorifchen Ton verlieren kan/ unter so viel großen Leuten, die sogar das Bewußtsein ihrer Verdienste verläugne»/ dergleichen der I'cil.ei' piarum Lcliol.irnin, Eduard Corsini ist/ der den Gelehrten in Braunschweig bekaut sein wird. Ich werde künftig einmal römische Briefe schreiben/ (unter welchen auch einer an dich soll gerichtet fei»/) in welchen ich die Kutschen stolzen Pedanten nnd die gelehrten Vorsteher mit jenen vergleichen/ und mit scharfem römische» Salze abscheuren will. Wen eS nöthig ist/ muß !»lNI auch sagen! 1) 8n angezeigter Schrift habe ich vermiede»/ etwas 2v4 Freundschaftliche zu sagen/ was Ander,: gesagt haben/ um Original zu sein. Dem theuren Herrn Graven schike ich tausend Küsse/ und wünsche herzlich, ihn in Rom zu sehen. Es sind zwei junge Herren von Homan und einer von Örtcl nuS Leipzig hier gewesen/ und »ach Venedig zu der Vermählung') aus Himmelfahrt abgegangen. Von deinen Neuigkeiten ans Seehausc» waren mir schon viele bekant. Grüße deinen Herrn Bruder hundert nnd abermal soviel von mir und deine ganze Familie. Gieb mir Nachricht von unserm Genzmar. Ich habe von hier aus an ihn geschrieben / durch den C o t h e n i >iS. Lampre ch t ist schon vergessen / wie er verdiencte. ES komt jemand zu mir, Hch muß schließen, befehle dich in den Schuz dej Allerhöchsten und ersterbe dein?e. A n B ü il a u. sNach Weimars Rom, den lZ Jul. t757, Euer Excellenz werden vermuthlich das leztere zweite Schreiben des Herrn Cardinals Passionei mit meinem Einschlüsse erhalten haben. Dieselben, könten ohnmafigeblich von dem Herrn Cardinale sich ein Verzeichniß der orientalischen Bücher/ in dem Lolleßio cie gedNlkt, ausbitten. E§ ist neulich bei dem Pabste sehr viel von Euer Excellenz vortreflichen Bibliothek gesprochen worden/ und der heilige Vater hatte einen Appetit merken lassen, dergleichen kostbaren Schaz auch zu bcsizen. 2) sDes Doge mit dem Mee re.Z Briefe. 205 Ich kan mich rühmen, unter die Freunde des Zerrn CardinalS aufgenommen zu sein; den diejenige»/ welche er zu sich auf sein prächtiges LusthauS bei Frafcati einladet/ werden dafür gehalten/ und weil « niemals einen Fuß über jemandes Schwelle in Rom gesezt und für eigen gehalten werden will/ um von niemanden belästiget zu werden/ so niiiit er niemand auf/ als der ihm gefällt; ja / er hat vor ein paar Jahren einem Cardinal/ der seine Anstalten sehen wollen/ und zuversichtlich bis Frascati gegangen war/ von da er sich melden lassen/ eS rund abgeschlagen. Man ist mit einer Freiheit bei ihm/ die ihresgleichen nicht hat; man muß in der Müze und im Camisol bei der Tafel erscheinen/ und die Conversa- tion des Abends ist einer Zudenschule ähnlich/ den cS will eine Predigerstimme sei»/ den Cardinal zu überschreien/ und dennoch ist es geschehen/ daß er iibcrmant wurde und Unrecht haben mußte/ wo er Recht hatte. Zn Rom bin ich allezeit bei seiner Tafel/ an welche er nur Gelehrte ziehet/ sehr gerne gesehen. Ich kaii nicht umhin / Euer ExcellenzmitFreu- den zu melden/ daß meine Gelder richtig ausgezahlt werden/ und zwar mit der Versicherung der Folge; ja/ man bat mir izo zuerst wissen lasse»/ daß sie aus den Händen Sr. Majestät kommen / der mich seiner Gnade versichern lassen. Der Kurprinz hat mich in einem Briefe vom 12 Mai der Königin in Sicilieir nachdrüklich empfohlen/ wohin ich also/ nach ge- endigter Herbstlust bei dem Herrn Cardinal auf dem Lande/ zu Ende des OetoberS gehen werde. Mein Aufenthalt wird mehrentheils in Portici sein/ wo mir meine Freunde eine Wohnung auf dem Lusthause des Prinzen Chiari/ nahebei dem königlichen Lnstschlosse/ ausmachen werden. 206 Freundschaftliche Meine Schrift und die Liebe für dieselbe wächst alle Tage/ und ich verbessere zugleich verschiedene Orte der alten Scribenten in derselben. Izo l>,sse ich einige rare Werke zeichnen/ um sie in Paris von Herrn Wille/ königlichen Kupferstecher/ meinem guten Freunde/ stechen zu lassen. — Der Pabst will noch nicht sterben/ und fährt izo wieder aus. Der Gouverneur von Rom/ einer von seinen Lieblingen/ hat ihm neulich über das vorige Ministerium einige sehr bittere Wahrheiten gesagt. Archinto zeigt sich als ein weiser Mail/ und alle redlichen Leute sind seine Freunde/ ja/ er bahnt sich einen Weg zum heiligen Stuhle/ und da die Wahl von den jungen Cardinälen abhängen wird/ so kan es ihn so leicht treffen/ als einen andern. Euer Excellenz erhalten mir Dero hohe Gnade/ um mich beständig nennen z» können Euer Excellenz .«c. An M u z e l - S t o s ch. lVon Nom nach Flore»; im ZloV. 1757.Z vergessen Sie/ was ich geschrieben habe;^) eS war ohne Vorsaz/ Ihnen nahe zu treten. Entschuldigen Sie aus eigener Empfindung von Erkentlichkcit/ welche bei mir so weit gehen könte, daß sie mir mit der Zeit statt Überzeugung dienen möchte dessen/ WM mein Herz und meine Vernunft noch izo nein spricht. Ich war verfolgt in meinem Vaterlande/ und als ein GotteSläugner ausgeschrieen und mit Entsezung und Verweisung bedrohet/ und ich fand einen Be- lVeiieht sich auf einen Brief/ der verloren ist.) Äricfc. 207 schiizer/ Wohlthäter und Freund an dem würdigen Mii/ dem ich gedienct. Er rief mich ans' der Finsterniß auf meinen Antrag/ ohne mich zu kennen. Mein gegenwärtiges Glük/ so klein es auch scheinet/ so fchäzbar ist es mir; und dieses könit aus den Händen eines unglüklichen Prinzen/ zu einer Zeit, in welcher er vielleicht zuerst den Mangel empfunden. Zch kan nicht anderS/ als unendlich Theil nehmen an dcm Jammer, in welchen dieses mir geliebte Land gerathen ist.?) Aber mein Herz ist getheilet zwischen Erkentlichkeit und Freundschaft; und wen mein Auge das Land, ans welchem mir Heil ckömt, beweinet/ so leidet mein Herz um-einen Freund/ welcher in dem nächsten Gefolge des VerheererS ist.^) Ich köii- te dem Könige nichts Übles wünschen/ daß es mich nicht/ aus Liebe zu meinem Freunde/ bald hernach/ so z» denke»/ gereuen sollte; einem Freund / den ich ^ mir geschaffen/ erzogen/ auf den ich die Kräfte meiner schönsten Jahre gewandt/ und ihn das hohe Glük einer heroischen Freundschaft/ die Wenigen bekant worden / nur aber zu spät schlucken gelehrt. Ich lcdte nur für ihn/ um bei ihm zu sterben; vielleicht lcbt nur noch das Andenken von ibm! Ich wollte mein Hcrz ausschütten in dem vorigen Briefe/ und zum Unglük mifchete sich Galle in die Feder; ich wünfchete/ daß sie keine Bitterkeit nach sich ließe/ die mich um eine Freundschaft/ welche mir so schäzbar ist/ bringen tönte. Ich erkenne mein Vergehen/ und also werde ich Verzeihung verdienen. Der Beifall/ den mein Apollo^) gefunden/ ist 1) lAm Eraven Bünau. Man sehe die Bivgraphie.Z 2) ^Sachsen durch den Krieg mit Preußen.l Z) lLanip recht.) 4) lDie Schilderung oben S. so» Freundschaftliche mir von größcrem Gewichte/ als MS Lob der ganzen deutschen Gesellschaft in Corpore. Ich bitte und flehe Sie/ lassen Sie mir das Glük widerfahren, Ihr Angesicht künftigen Frühling in Florenz zu sehen. Sie sollen Richter meiner Schrift sein; und was dem Herrn Baron und Ihnen nicht gefällt, soll ohne Gnade ausgestrichen werden. Ich habe den ell»t.oii lli Parole) ans dem Halse zu haben/ welche hier die beste ll) Dieses Werk M o nt e sq u i eu sZ, welches lauter schreibungen und poetische Gemälde enthält, hatte Wiw ckelm aiis Freund ihm amusehen empsohle»; um cS ct> iva mit seiner Beschreibung des vaticanische» Zlpollo ju vergleichen. Nicolai. 2) t. . . . co/umiir, ' non üec/eft?, nott eineant kri-glu, eMliitl. Imx. <^i»Ilieui^ Briefe. ?os Schrift herunterwerfen können: so werde ich es bei dieser Schrift bewenden lassen/ und was ich sonst entworfen habe/ (ausser der Beschreibung der Stattn im Belvedere/) nichts weiter anrühren. Von den Allerkliigsten in Rom hat dennoch kein einziger in das wahre innere Wesen der Kunst hineingeschau- ct/ nnd eS gibt Leute/ als der Pater Bianchi/ den her Herr Baron kcnt/ die sich zu Richtern aufgeworfen haben/ und gegen die ich schweigen muß. Er kan viel wissen/ aber in der Kunst ist er dummer als ein Rindvieh. So denke ich/ aber ich sage eS niemanden. Dergleichen Großsprecher glauben/ ich messe ihre Wissenschaft nach ihren Habren- sie haben alles gethan/ aber gedacht haben sie nicht. Zllso kan ich niemand um Rath fragen/ sondern muß allein denken und forschen/ und es kan nicht anders sein/ ich werde geirret haben/ da man vieles wagen muß. Einige widersinnig scheinende Säze habe ich zum Beweise nöthig/ wie z. E. die melancholische Gemüthsart der alten Hetrurier. Ich bin bis zur höchsten Wahrscheinlichkeit/ nach meiner Meinung/ gekommen/ und ich will den Gegenbeweis sehen; aber man wird mich mit Geschrei niederschlagen. Aus diesem Grunde suche ich izo griechische Manuscripte zu finden/ nm den Großsprechern in Rom mit so etwas das Maul zu stopfen. Ich glaube/ etwas gefunden zu haben/ woran dem Pnblico gelegen sein kön- te; aber ich verliere unendlich viel Zeit/ und werde es kaum in ein paar Zahren endigen. Allein ich muß mich hier zeigen / wen sich die Umstände in Sachsen nicht ändern. Ich kan nicht eher/ als gegen den December nach tals i» der griechischen Sprache und Literatur bewan« den, was zu S!om der Seltenheit wegen sehr geschäzt wurde,) S * 210 Freundschaftliche Neapel, weil der Hof bis dahin dort ist/ wie mir der Königin Beichtvater geschrieben hat; »»dagegen diese Reise werde ich mich als Abate kleiden. Zu Ende dieses Monats werde ich vermutblich nach Ca- maldolil) gehen, nnd vielleicht den künftigen Monat daselbst zubringen. Ich weiß nicht/ ob SiedaS antike Gemälde Maxell S CoriolanuS in einer Vigna hinter S. Pie- tro in Vincoli gesehen haben. Das Kupfer im Bartoli nach Annibal CaracciS Zeichnung gibt den Begrif nicht davon/ den es geben sollte. Die Herren Canonici nebst ihrem gelehrten Pater Trombelli verwunderten sich/ daß sie dergleichen in ihrem Besiz hätten: sie wußten nichts davon. Ich habe so viel geredet/ daß mir der Cardinal Archin to versprochen hat/ durch den Pabst dieses Gewölbe räumen zu lassen/ um zu sehen/ ob noch andere Gemälde unter dem Schütte sind; welches nicht fehlen kaki/ da besagtes Gemälde unmittelbar unter der Cornische stehet. Man wird Anstalt machen/ es von da wegzunehmen/ ehe das Gewölbe mit der Zeit gar einfällt. Ich habe es gefährlicher gemachet/ als cS wirklich ist. Vielleicht finden wir Sachen/ die die neapelschen übertreffen. Bisher war es' unmöglich/ dieses Gewölbe zu räumen; aber weil man den Bogen abnimt/ und von oben heraus arbeitet/ wird es leichter. Dem Herrn Baron bitte mich unrer- thänig zu empfehlen und mich in dessen Gnade z» erhalten. Ich ersterbe -c. 4) LEW Landhaus des Cardinals Passronei.z 2) lMa» sehe B. d. K. 7 B. Z K. S §. I0B. 4 K. iZ« Briefe. -li An M u z e l -- S t o s ch. lAus Rom nach Florenz l757>1 Ich habe nicht geglaubet/ (da ich weiß/ daß Sie wie ich nicht gerne viel Briefe schreiben/) so zeitig eine Antwort zu erhalten/ und deßwegen habe ich dieselbe später bekommen; und je unerwarteter/ je angenehmer war sie mir. Sie werden mir meine» Apollo be schreien. Ich weiß nicht/ ob Sie sich noch erinnern/ daß man in Deutschland auf dem Lande glaubet/ die kleinen Kinder gedeihen nicht, >ve» man sie sehr lobt. Man sezet allemal dazu: daß Gott bewahre! Dieses ist aus der Roken- philosophie; aber in der That werden Sie machen/ daß ich noch mehr daran künsteln werde, und vielleicht verderbe ich ihn. Mein einziger Richter ist mein Freund MengS/ der/ seitdem ich hier bitt/ mehr als sonst über die Altertümer gedacht hat/ und er ist mir in vielen Dingen nüzlich gewesen; den er kennet das Schöne. Beide vorgeschlagene Bücher glaube ich schwerlich in Rom zu stnden/ und ich habe mit keinem Franzosen Bekantschast/ werde sie auch nimmermehr suchen. Hch wünschete/ sie zu lesen. Ist c§ möglich/ sie von Florenz auf ein paar Wocheir ohne große Kosten zu haben/ würde ich Hhnen sehr verbunden sein. Ich werde vielleicht allererst gegen die Hälfte des Monats nach Camaldoli gehen, weil alle Zellen des Cardinals befezt sind. Ich glaube aber/ es sei noch eine andere Ursache/ warum ich nicht unter den ersten bin, welche der Cardinal) dahin schaffen lassen. Ein gewisser französischer Abbe/ der ein Original von einem Etourdi lind von einem unwissenden Windmacher ist/ hat sich lPassicnei.? 212 Freundschaftliche bei diesem Herrn cingeschlichen; den/ wen er einen Fehler hat/ so ist eS die große Passion für die französische Nation. Ich weiß nicht, wie es gekommen I ist/ daß ich diesen Menschen bei aller Gelegenheit/ wie ' er verdienet/ lächerlich zu machen gesuchet/ welches in der vergangenen Villeggiatura anfing/ und hier an des' Cardinal» Tafel so weit ging/ daß der Cardinal vom Tische aufstand/ und davon ging. Diesem Menschen Ruhe zu schaffe»/ habe ich müßen zurük- bleiben. Ich würde auch iu diesem Verdachte gar nicht hingehen/ wen ich nicht eine andere Ursache hätte. Ich habe bisher den Einfältigen und Stillen im Volk gespielet/ und ich merke/ daß man in Rom mit dieser Person verlieret. Von nun an werde ich den Pelz umwenden/ und da ich ein paar Abati in Camaldoli treffe/ (von welchen der eine mein Freund sein will/) welche allenthalben sprechen/ daß nichts hinter dem Deutschen sei/ aus welchem der Cardinal Passion ei so viel machet/ sower« ' de ich Gelegenheit suchen/ Ihnen in Gegenwart desselben daS Maul zu stopfen. Ich merke/ ich geratve in die Sprache der Pedanten hinein. Der Schulmeister änssert sich manchmal bei mir/ und diesen Fehler werden Sie mir übersehen. Von dem Gemälde in Pietro in Vineoli kan ich versichern/ daß eS das einzige Stuk ist/ welches von dem hohen Grad des ColoritS/ zu welchem die Alten gelanget sind/ einen Begrif geben kan.'i Das Kupfer ist nach einer Zeichnung von Annibal Caraeei gemacht/ der das Zärtliche in der Kunst nicht verstanden; ja er hat so wenig Aufmerksamkeit gehabt/ daß er dem MarcuS CoriolanuS einen römisch e n Helm gegeben/ welcher auf dem Gemäl« o lE. 5. K. a. a. s.z Briefe. 213 dc einen griechischen Helm hat. Es hat sich vollkommen erhalten unter einer dikcn Rinde von versteinerter Feuchtigkeit; und eS ist kein Wunder/ wen die Canonici nichts davon gewußt haben (den sie haben eS noch izo »ich« gesehen/ da ich es bekant gemachet,) da Bellori/ einer von den gelehrten Betrügern und Windmachern ausdrüklich versichert in der I'iitura daß es nicht mehr vorhanden und schon vernichtet sei. Auf sein Wort hat es Du BoS in den livllexivns »ur I» jiovsiv el s»l I» ^ein- tni-c (einer von den NaphsodisteN/ die alles in ein Buch ausschütten/ was sie wisse»/) nachgesprochen, sl', >, 1?, 38'^, eclit. 17^0. vol. 3.) Wen die Sachen ausser die Gränzen der Mythologie gehen / sind die Antiquarier nicht zu Hause. Eine Nachricht vom Bellori/ welche zeigen kaii/ wie er sich auf daS/ was die Kunst mit angehet, verstanden hat! er hat in einer Schrift wollen den Ort des Porticus der Octavia und des MetelluS angeben; er saget, eS sei in der Gegend von S, Nieo lo gewesen, und weil in dieser kleinen Kirche an der Faeciata zwei Siiulen stehen/ so saget er/ sie seien von dem Portieo gewesen. Diese Säulen aber sind erstlich mit Stäben oder i-n-lentves, welche vermuthlich neuer sind; die Säulen mit Stäben in der Rotonda sind nicht wider mich / und können von SeverS Zeiten sein, oder vom Hadrian/ der diesen Tempel restaurirt. Hernach sind sie von TravertiN/ und die Canel- luren sowohl als die Stäbe sind von GypS u. s. w. Dieser Tagen habe ich Natters Traetat vom Cteinschneiden angesehen. Der Man hat wahr- ! haftig weniger/ als ich, zu schreiben gewußt; ich halte sei» Buch für eine sehr unzeitige Geburt. Not ab. Unter uns beiden gesagt. Man redet noch immer von dem Kopf des Alexanders unter den geschnittenen Steinen desHerrn 2i4 Freundschaftliche Barons. Mich dünkt/ es ist eine Arbeit von einem Betrüger. Man sollte ihn nicht weiter erwähnen, da er bekant gemacht ist; ich werde mich über denselben erklären. Ich unterwerfe Ihrem Urtheil einen andern Verslich von einer kurzen Beschreibung. Laokoon ist von einer andern Natur/ als Apollo/ und also muß anch das Bild von demselben verschieden sein. Ich habe aus Versehen zu hoch angefangen/ den das erste hat nichts mit der Beschreibung zu thun. Lasse» Sie mich unbeschweret wissen/ was der Pater Sco- lopi über den Schnitt der Haare an den Figuren auf dem Stein des Herrn Barons gesaget hat. Hat er nichts zu sagen gewußt/ so tönte ich in ein» Note ein paar Worte davon beibringe». ^Laokoon. ^ „ Das gütige Schiksal aber/ welches über die „ Künste bei ihrer Vertilgung noch gewachet/ hat „ aller Welt zum Wunder ei» Werk aus dieser leztm „ großen Zeit der Kunst erkalten / zum Beweise von „ der Wahrheit der Geschichte und von der Herlich- „ keit so vieler vernichteten Meisterstüke. „Laokoon nebst seinen beiden Söhnen/ von „ Agesander/ A p o l l o d o r u S und A t h e n o i> o- „ruS aus RhoduS gearbeitet/ ist aller Wahrschem- „ lichkeit nach aus dieser Zeit; ob man gleich die- „ selbe nicht bestimmen/ noch weniger/ wie Einige gc- „ than haben/ die OlympiaS/ in welcher diese Künst- ler gelebet/ angeben kaii. 1) lVisconti hat übrigens ein so schönes Vrnchstük eineS geschnittenen Kovfs Alexanders i» seiner Ikonographie bekant gemacht, daß man die Gravüre für cim Arbeit des Piirgoteles halten dür>te^ 2) lMan vergleiche G, d. K. 10 B. t K. 1l 3) lPylv5onis.) Briefe. 215 „ Wir wissen, daß man dieses Werk schon im „Altertum allen Gemälden und Statuen vorziehen „ wollte/ und also verdienet eS bei der niedrigern „ Nachwelt / die nichts dem zu vergleichen hervorgebracht bat/ um desto größere Aufmerksamkeit und „Bewunderung, „Der Weise findet darin zu forschen/ und der „ Künstler unaufhörlich zu lernen / und beide kön- „ nen überzeugt werden/ daß mehr in demselben ver- „ borgen liegt/ als was das Auge entdeket/ und daß „der Verstand des Meisters viel höher als sein Werk „gewesen. „Laokoon ist eine Natur im höchsten Schmer« „ze/ nach dem Bilde eines Mannes gemacht/ der die „ bewußte Stärke des Geistes gegen denselben zu „samlen suchet; und indem sein Leiden die Muskeln „aufschwellet/ und die Nerven anziehet/ so tritt der „mit Stärke bewafnete Geist in der aufgetriebenen „Stirne hervor/ und die Brust erhebet steh durch „den beklemten Othem, und durch Zurükhaltung des „AuSbruchs der Empfindung/ um den Schmerz in „sich zu fassen und zu verschließen. Das bange „Seufzen/ welches er in fich ziehet/ erschöpft den „Unterleib/ und machet die Seiten hohl/ welches „ uns gleichsam von der Bewegung seiner Einge- „ waide urtheilen läßt. Sein eigenes Leiden aber „scheinet ihn weniger zu beängstigen / als die Pein „seiner Kinder/ die ihr Angesicht zu ihrem Vater „wenden und um Hülfe schreien; den das väterli- che Herz offenbaret sich in den wehmüthigen Au- „gen/ und schwimmet wie in einem trüben Dust „ auf denselben." (Dieses können nur Sontags- kinder/ so wie die Gespenster/ sehen; aber es ist kein Hirngespinst.) „Der Mund ist voll Wehmuth, >, und die gesenkete Unterlipe schwer von derselben; in »der uberwärts gezogenen Oberlipe aber ist sie mit Freundschaftliche „ Schmerz vermischet/ welcher mit einer Negung von „Unmuth, wie über ein unwürdiges Leiden, in die „Nase hinanftritl, dieselbe schwülstig machet, lind „ sich in den erweiterten und aufwärts gezogene» „ Nüstern offenbaret. „ Unter der Stirn ist der Streit zwischen Schmerz „und Widerstand, wie in einem Punkt vereiniget, „ mit großer Weisheit gebildet. Den indem der „ Schmerz die Augenbraunen in die Höbe treibt — " (hier ist etwas zn ändern, ich habe aber izo nicht die Zeit): „so drüket das Sträuben wider denselben „ daS obere Augenfleisch in die Höhe, und gegen das „obere Augenlied zu, so, daß dasselbe durch das „ übergetretene Fleisch beinahe ganz bedeket wird. „ Dieses Werk ist ein unerschöpflicher Quell von „ Betrachtungen der Natur und der Weisheit, noch „ mehr aber der Kunst u. s. w. — " lNach Florenz.z Rom, am Feste Simon. Ich liabe keinen Kalender. i?57. ^ch bin nicht nach Camaldoli gegangen, tbeils weil das Wetter nicht sehr lokte, tbeils um sich etwas' selten zu machen. Von dem Gemälde bei S. Pie- tro in Vincoli reden oder schreiben Sie nicht, wen cS nicht schon geschehen ist. Ich weiß nicht, mS mit demselben vorgegangen ist; den da ich es vor einiger Zeit wieder gesehen, habe ich es ganz anders gefunden, und von der versteinerten Deke, durch welche ich eS gesehen, entblößt. Ich würde glauben, daß mich meine Augen das erstemal betrogen; da Briefe. ich eS aber mit Herrn MengS das zweitemal gesehen/ mir welchem ich auf der Stelle mit gebeugten Knieen vor demselben darüber geredet/ und uns alle l Muße gegeben Dvar^ zn unseren Anmerkungen / so muß das Gemälde so gewesen sein / wie ich es das erste und zweitemal gesellen. Die versteinerte Feuchtigkeit ist »ergangen/ eingeschlagen oder weggenommen/ welches leztere mir aber nicht glaublich ist. Bei alle den,/ so kan man nicht sagen/ wie die Antiquarien uns berichten- daß das Gemälde nicht mehr s«. Den so wie eS izo ist/ sind alle Figuren sehr kentlich / und auch die Gratie in dem Kopf der sogenaiiten Fran des CoriolanuS/ von welcher das Kupfer keinen Begrif gibt. Man muß warten bis künftiges Jahr/ und eS in heissen Monaten sehen; vielleicht hat eS die versteinerte durchsichtige Deke wieder bekommen. Zeiget eS sich alsdan unter diesem Glase/ so wie ich eS anfänglich gesehen/ so müßen die Farben durch eine gewisse Feuchtigkeit können herausgetrieben werden, und eS geschieht wenigstens durch besagte Deke, wie eS mit alten Gemälden auf Leinewand oder Holz gehet/ welche mit einem Schwani gewaschen werden/ ans welchen man/ was vorher unscheinbar war, sichtbar macht. Zeiget sich die versteinerte Feuchtigkeit nur im Sommer/ wo sich niemand bemühet/ so weit zu gehe»/ so begreife ich/ woher die Nachricht der Seribenten entstanden ist. Ich hoffe eS künftigen Sommer zu sehen. Zeh habe einige Zeit her fast mit niemand als mit dem Plato/ meinem alten Freunde/ gesprochen; und die Bekanrschaft habe ich eincstheilS ! in Absicht meiner Schrift erneuert/ an welcher ich aber wenig gemacht habe. Sie haben mich ohne ! Nachricht gelassen über ihr Urtheil über den Lac-- i koon. Ich sollte freilich mehr sag-en/ aber ich fürchte mich, Episoden zu machen/ welche kein Verhältniß Winckclmaii. to. 218 Freundschaftliche zu einer kleinen Schrift habe»/ und die Gränzen meines Entwurf» überschreiten. Ich will Ihnen einen Broten von einer andern Art »iittheilcn: ich besorge aber/ daß derselbe, als ein losgerissenes Glied von dem Körper, nicht erscheinen wird/ wie ich wünschete. Ich mußte erkläre»/ was die Gratie sagen will/ welche/ wie Pli- »iuS sagt/ Praxiteles und LysippuS ihren Werken gegeben. Folglich/ wird jemand sageii/ waren die Werke des PhidiaS/ des SkopaS/ des Myron/ des Poly kle tS ohne Gratie.— Dieses erkläret folgende Stellet) „Aber die Gratie, die mir in zween Namen „ bei den ältesten Griechen verehret wurde/ ist wie „die VenuS von höherer Geburt/ und von der „ H a r m oiii e/ dem Ursprung und Mutter aller Schön-- „ heit/ entsprungen und gebildet; daher ist sie beständig „ und unveränderlich / wie die ewigen Geseze von jener „sind. Die andere ist/ wie die VenuS von der „Dione geboren / mehr der Materie unterworfen; „ sie ist eine Tochter der Zeit/ und nur eine Gefolgin „ der ersten / welche sie ankündiget für diejenige», „ welche der hinilischen Gratie nicht geweihet sind. „ Diese lässet sich herunter von ihrer Hoheit, n»d „machet sich mir Mildigkeit ohne Erniedrigung de- „ uen, die ein Auge auf sie werfen/ theilhaftig; sie „ist nicht begierig zu gefalle»/ sondern nicht nner- „ kant zu bleiben. Jene aber scheinet sich selbst ge- „ nugsani/ und bietet sich nicht aii/ sondern will ge- „ suchet werden: sie ist zu erhaben, um sich sehr siii- „ lich zu machen; den das Höchste hat (wiePlato „ saget) kein Bild. Mit den Weisen allein untcr- „ hält sie sich/ und dem Pöbel erscheinet sie störrisch „ und unfreundlich. Diese Gratie in Werken der 2) lG. d. K. SV. 2K. 1Z§. u. 1 V-md. 2t7S.Z Briefe. 219 , Kunst scheinet schon der göttliche Dichter geplant zu haben, und er hat sie in dem Bilde der „Vermählung deS VuleanS mit der schönen leicht- „ gekleidete» Aglaia (oder Thalia) vorgestellet. „Sie führete die Hand des PhidiaS und Poly- „kletuS/ erkante sich in den Werke» des Myron „und des SkopaS; und sie ist eS, welche in dem „Gesichte der Niobe und ihrer Töchter herschet. „Dieses sind Schönheiten, welche bis zur Unem- „pfindlichkcit erhaben worden, und fast unkörperliche „Ideen, die nur den Geist/ welcher in eine stille „Betrachtung versenket wird, beschäftigen; Schön- „ heilen, welche nicht zum Ausdruk einer Leidenschaft „gebildet worden, sondern denselben nur angenommen zu haben scheinen. Dieses ist das einzige „Werk, welches aus der höchsten Zeit der Kunst „erhallen worden u. s. w. Die gefällige Gratie „u. f, w. " Höchst ist zn unterscheiden von der » schönsten Zeit. — Künftige Woche lege ich das Mtenkleid an, und ich habe nichts gesparet, um förmlich zu erscheinen. Wegen meiner Reise nach Neapel bin ich noch ungewiß, zumal da ich mit ! Schmerzen auf Geld warte. Weil eS diefeSmal nicht fehlschlägt/ da mir mein Beichtvater auf keinen einzige» Brief geantwortet, so bin ich im Stande/ »ach Neapel und auch nach Florenz zu gehen, wor- ! imh mich herzlich verlanget. Beurtheilen Sie die vorhergehende Stelle nicht mitAugcn eines Freundes, sondern wie ein Feind. ! Es schleichet sich leicht ein falscher Gedanke ein, der ! seinem Vater schmeichelt, und nicht Plaz machen ! All. Zlber ich werde selbst zul-^t mit einem schar- I fc» Messer darüber kommen. ) Sollte sich Gelegenheit finden, mich dem Milord 1 Charte», ont, welcher in Florenz sein soll, zu empfehlen: so werde» Sie sich meiner ohne Bitte er- 220 Freundschaftliche innern. Ich brauche Ihnen nicht z» sage»/ daß ich denke/ wie ich wollte von mir gedacht haben/ und daß kein Vortheil oder irgend eine niedrige Absicht Sie hieran erinnerte. Zulezt erhalten Sie mich in des Herrn Barons' Gnade/ Freundschaft und Andenke»/ und halten mich für Ihren ;c. An Genz in a r. lNach Starg>u'd,Z ' Nom, den Z0??ov. 1757. Mein Scha; und Freund! Äein liebstes Schreiben vom 46 März habe den 18 Nov. mit unbeschreiblicher Freude erhalten; ich wünsche/ daß meine Antwort geschwinder gehen mag. Ich schike sie über Stuttgart an einen Maler aus Berlin/ von da sie dir wird überschikt werden: nämlich ans Berlin. Ich weiß nicht/ wo ich anfangen soll/ vor der Menge von Nachrichten/ die ich dir zu geben wünfche- te; ich bin mir der nächste/ also will ich bei mir selbst anfangen. Ich befinde mich wohl/ gefund und vergnügt. Meine hiesigen Umstände haben sich sehr gebessert; ich habe nicht allein meine kleine Pension, weil sie unmittelbar aus des' Königs Händen lomt, als der einzige von denen/ die in Gnadengehalt stehen/ bisher richtig erhalten/ sondern ich genieße alle Vorzüge/ die einem Fremden können zu Theil werden. Ohngeachtet ich die Dienste des Cardinals P as- sionei ausgeschlagcn/ so ist dieser mein größter Freund geworden/ und ich habe nicht allein den freien Zutritt zu seiner Bibliothek/ welche nicht öffentlich/ aber die größte von gedrukten Büchern i» t'i lAn Harper.l Bncfc. 221 Nom ist/ sondern ich lasse mir hole»/ was ich nöthig habe, welche Freiheit ausser mir ein einziger Prälat hat. Ja/ ich speise bei ihm / wen es mir gefällt/ und gebe mit ihm auf sein wohllüstiges Landhaus, iv» ich in einer Gesellschaft mit Cardinalen und Gelehrten an sechs Wochen die Herbstlust genossen. Die Freiheit/ welche dieser Cardinal gibt, gehet soweit/ daß man ans dem Lande im Kaftan und der Müze zur Tafel erscheinet/ und in seinem Palast in Rom iß das' erste/ daß ich meinen Rok ausziehe/ wen ich i» der Bibliothek sein will. Weil aber dieser Man 7? Jahre hat/ (welches hier nicht selten ist/) und ich einen Proteetor/ auf dessen Leben mehr Rechnung zu machen ist/ nöthig habe: so habe ich nach Ver- ßießung eines Je.hrs eine Wohnung in dem Palast der Cancellarie von dem Cardinal Secretario di Nato, Archinto, ehemaligem Nuntius in Polen, und meinem alten Patron, aber mehr nicht/ angenommen; dagegen habe ich dessen zahlreiche Bibliothek in Ordnung gebracht/ und genieße sie. Der Cardinal selbst wohnet/ so lange der Pabst lebet/ in dessen Palast a Monte Cavallo, und ich bin^einer von denen, welche in Rom am schönsten wohnen. Zu eben diesem Cardinal gehe ich, wen es mir gefällt/ zum Essen; doch allezeit nur in der Absicht/ ihm eine Gefälligkeit zu erweise«/ ohne Nachtheil meiner Freiheit, welche ich, da ich in etlichen Monaten -w Jahr erreichet/ eifersüchtig zu erhalten suchen werde. Zzo aber/ da es scheinet, daß die Umstände des HoseS immer gefährlicher werden, werde ich durch einen dritten Cardinal, Alessandro Zllbani, der das Haupt aller Antiquariorum ist, ein Benestcium zu erhalten suchen, »m alle Dienste zu vermeiden. Was meine Gesundheit betrift/ so wirst du dich erinnern, daß ich beständig über nächtlichen Schweiß geklaget: diese haben mich nicht verlassen, bis auf der Reise, 222 Freundschaftliche und hier habe ich zugenommen; und da es eine sel< tene Sache ist/ wegen des erschreklichen LärmenS/ sonderlich in den Sommernächten/ ruhig zu schlafen, so habe ich auch diese Glükseligkeit in dem weitläuftigen Palast/ den ich bewohne/ erhalten. Meine Studia habe ich eingeschränkt auf die Kunst und griechische Gelehrsamkeit. In dieser werde ich vor den Größten in Rom gehalten; ich studire aber auch viel stärker/ als ehemals'/ da ich Zeit und Kräfte dazu habe. Was die Kunst betrift/ davon wird ein Versuch einer Historie der Kunst/ welche künftiges Frühjahr in Leipzig an'S Licht treten könte, ein Zeugniß geben können. Die kaiserliche Akademie der freien Künste in Augsburg/ die mich zu ihrem Rath und Mitglied aufgenommen/ läßt eine Mvnatfchrift drukeii/ welche ein gewisser Reifstein/ Pagenhof- meister in Cassel/ besorget. In derselben wirst du ein paar Blätter von mir finden/ welche dir einen Begrif von dem angezeigten Werke geben können. Ich suche ei» Original zu liefern/ welches vornehmlich von dem Styl der Arbeit der alten ägyptischen/ hetrurischen und griechischen Bildhauer handelt. Das Werk bestehet anS zwei Theilen. Der erste ist blos theoretisch/ der andere mehr historisch/ aber ohne Lebensuni- stände der alten Künstler: (den diese kan man auch ausser Nom samleii/) und in diesem zweiten Theil ist eine Beschreibung der besten Statuen. Meine vornehmste Regel ist: nichts mit zwei Worten zu sagen, waS mit einem geschehen kan/ wo eS aber auf eigenes Denken und auf Beschreibung im höheren Styl komt, mich auszulassen. Eine Nebenabsicht ist das Studinin der elenden Antiqnariorum in Rom über den Haufen zuwerfen; den ich habe angefangen, meine Arbeit in'S Italiänische zu überftzen. Um Münzen und um Dinge/ die kein sonderlich Licht der Zeichnung geben, welche ich wieder angefangen habe/ bekümmere ich mich Briefe. 22z nicht. Ich suche auch keine Bl-cherkentniß zu erlange». Unterdessen stehen mir alle Schäze offen; aber weil ich nicht viel finde/ was einen allgemeinen Nu- zc» haben und der Nachwelt würdig geachtet werden ka»/ so werde ich über den Plato zu arbeiten anfangen. ES ist nöthig/ daß ich mich in der griechischen Gelehrsamkeit hier zeige/ wen ich sollte genöthigt werde»/ meine Hütte hier aufzuschlagen. Mein Herz stehet aber allezeit nach Sachsen/ und die Er- kentlichkeit verpflichtet mich darzu. Aber Gott weiß/ wan die Umstände dazu erscheinen werden. Meine Arbeit wartet auf die Reise nach Neapel. Der Kurprinz hat mich der Königin von Sicilien auf'S Beste schon im vergangenen Mai empfohlen/ nnd ich gedenke/ vielleicht einige Monate in Portici zu bleiben. Ich warte nur auf einen Wechsel/ so werde ich dahin gehen. Ich gedachte unmittelbar nachher nach Floren; zu gehen; da aber mein großer Freund/ der Baron Stosch/ in seinem 66 Jahre daselbst verstorben/ so werde ich damit nicht eilen. Er hat einen Sohn deS Professors Muze l/ der ehemals in französischen Kriegsdiensten gewesen, und sich einige Jahre bei ihm aufgehalten/ als seiner Schwester Sohn zum Erben seines ganzen Vermögens gemacht. Dieser ist im vergangenen Frühjahr hier gewesen/ nnd vielleicht werde ich ihn besuchen/ ehe die Sachen seines verstorbenen Vetters zerstreuet werden. Über den ältesten geschnittenen Stein in der Welt/ der znlezt in des Stosch Hände kam/ rede ich in meiner Schrift. WaS meine dresdner Schriften betrift/ so habe ich nur zu erinnern/ daß das Sendschreiben nicht von Herrn von Hagedorn/ königlich polnischem Lega- tionSrath/ wie sich Herr Gottsched eingebildet/ ist/ welches ihm der Verleger sagen kaii/ sondern eS ist von mir selbst. Man hat mir geschrieben/ dieser leipziger KritiknS habe sich über das griechische Prosil auf- ?2-4 Freundschaftliche gehalten/ und es ein Lincalgcficht gencnt; der Patron hätte aber wissen müßen/ wie viel schöner die Natur der Menschenkinder in Italien ist/ und wie es sich an den Griechineii/ die hier sind / findet. Hier sieht man/ daß die Natnr in ihrer schönsten Bildung so wenig als möglich von der geraden Linie der Stirn und Nase abgegangen; nud ich habe das Vergnügen / diese Betrachtung alle Tage an meinen jungen Römern und einem der schönsten Menschen zu machen. An keinem Orte habe ich das griechische Profil so häufig als in Tivoli gefunden. Das Werk von Altertümern/ wovon du mir geschrieben, kostet/ ohne die Zugabe von eigenen und übertriebenen Erfindungen des Urhebers Piranefe,') 15 Zecchinen oder Ducaten. Von alte» Entdckungen im Herculanum ist ein Verzeichniß in Folio erschienen. An alten Gemälden sind an achtehalb hundert Stük. Wen ich zuweilen an den Schulstand zuriik gedenke/ so wundert mich/ daß ich meinen Naken unter dieser Last so lange habe beugen können. Grüße unsere Freunde in Havelberg/ die noch an diesem Joche ziehe»/ tausendmal; ungleichen den Herrn Hofrath Lothen iu S/vornehmlich aber deine liebe junge Frau/ t) unter einer beträchtlichen Menge großer Kupferstiche, die dieser Künstler verfertigt, sind auch vier Saiiilungm von den aiitiken Gebäuden zu Rom, nach deren Preis sich Genzmar erkundigte. Winekelmaii beschuldigt Piranese der eignen und übertriebenen Eriim dung nicht ohne Grund; deii seine antiken Blätter haben nicht immer die erforderliche Nichtigkeit; er stellt sie oft b!os nach seine» Ideen und den Spuren vor, die er i» den Überbleibseln zu finden glaubte. In des berühmte» Mariette Nerlasscnschast wurde sein Werk mit LZi Livree bezahlt. Daßdors. 2) Ein vorzugttcher Gönner dieser beiden Freunde, köuig- Briefe. 225 vie Frau Pröbstin. Ich wünschete nichts mehr/ als dich oder cincn meiner alten Freunde hier zn sehen/ und ihnen die Herlichkciten von Rom zu zeige»/ die alle Einbildung übersteigen. Ich habe keinen Brief über Wien erhalten, wie du mir versprochen hast. Dieses aber ist der richtigste Weg. Ich weiß auch nicht/ durch was für einen Weg ich deinen Brief erhallen / den ich fand ihn in meinem Vorzimmer. Weil du wieder schreibest/ so wird nichts auf die Aufschrift gesezet/ als auf der Seite: ncl clcllil (^aneelllli i->. Wer hat dir gesaget/ daß ich königlicher Bücherausseher bin? Man hat mich vielleicht zu etwas andern« bestimnict; aber ich bin ohne Charakter fortgeschikct. Hier quälet man mich mit dem Titel: kil>liotl,ec!>rio tli 8»^ L>ni- I!c, >?,!>, den ich aber durchaus nicht annehme/ weil ich nicht diene; den wir erzeigen uns ein gegen« seitigeS Vergnügen/ der Cardinal und ich. Bleibe mein Freund/ und schreibe bald. Ich ersterbe ze. An M u z e l - S t o s ch. lS'ach Florenz, l Noni/ den 25 No», 1757. ^sch schäme mich / daß ich vielleicht der lezte bin/ der Ihnen sein Beileid bezeiget über das Absterben des Ihnen und mir und aller Welt geschäzten Haupts^) licher Geheimrath und erster Leibarzt zu Potsdam/ Di' rector aller medicinischen und chirurgischen Sachen im Preußischen, und Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In den Memoircs der Akademie stehen von ihm viel medicinische Aui'säze. Daßdorf. lDes Baron Stosch.) L26 Freundschaftliche Aber ich weiß nicht/ ob Sic mehr oder ich zu beklagen sind. Sic sind der Eigentümer geworden (lassen Sic uns die Klagen bei Seite sezen) von einem Gchaze/ den ich zu sehen seufze; und ich/ ich > habe den Mail/ welcher mir durch einen einzige» Briefs) so viel Eingang verschaffet/ und durch den ! mir und der Welt Keütnisse/ die nicht bekant/ ja vielleicht nicht entdekt sind/ abgestorben: den großen Man/ sage ich/ habe ich nicht einmal das Glük gehabt zu sehen. Sie können getröstet sein; ich aber habe Ursache/ diesen Verlust ewig zu betrauren. Aus Liebe der Kunst und der Nachwelt bitte ich Sie/ mir Nachrichten mitzutheilen/ welche Sie selbst entweder mündlich genossen/ oder schriftlich finden möchten; vielleicht würden sic von jemand anders in einer Sündfluth von Negistergelehrsamkcit erstiket. Lch würde sie suchen neben einen Gedanken dcS göttlichen Plato zu sezen. Schiene eS nicht/ daß mich der Hos von Polen izo verließe/ so würde ich^eilen, i Ihre Schüze z» sehen; in den Umständen aber/ worin ich bin/ kan ich weder an Neapel noch Florenz ge- H denken. Ich halte mich versichert/ Sie zu sehen (den die Fortseznng unserer Freundschaft seze ich voraus) und ersterbe -c. Nachfchr. In Eile; weil man mir saget/ daß die Briefe den Freitag abends anf der Post sein müßen; den ich gedachte/ morgen zu schreiben. Künftigen Posttag ein MehrereS. t) l^An den Cardinal Albani^ Briefe. 227 An Mu z e l - S t o s ch. I Nach Florenz. Z Noni, den t0 Dee. 1757. Ah habe mich bemühet, Worte zu finden, die Ihnen meine Erkentlichkcit über ein mehr als freundschaftlich großmüthiges Anerbieten anSdrüken tönten; aber sie reichen nicht an meine Empfindung. Ich würde übertrieben werd.cn/ wen ich versuchen wollte, das Herz reden zu lassen, i) Dergleichen wäre kaum von einem Freunde, dem ich alles aufgeopfert, zu erwarten gewesen, und ich finde cS für mich so ungewöhnlich, als eS mir die Wirklichkeit meiner hohen Freundschaft durch mißlungene Proben geworden ist. Ich würde ungesäumt eilen, dieses Glük zu genießen, und eS ist nichts als ein freiwillig wiederholtes Empfehlungschreiben des Kurprinzen an die Königin von Sieilien, welches mich anstehen macht, schon den Tag meiner Abreise von Rom zu melden. Sollte diese gnädige Erklärung für mich auf einen Unterhalt in Neapel und auf den Beistand der Königin angesehen sein, so würde ich diesen Weg ergreifen müßen. Ich erkundige mich deßhalb diese Woche bei dem Beichtvater der Königin, und erwarte von izo an höchstens in 11 Tagen Antwort. Lassen Sie mir den Weg zu Ihnen bis dahin offen stehen, und, eS komme wie eS wolle, einen Plaz in ihrer Freundschaft, die der höchsten Verehrung und eines Freundes, welcher so großmüthig als Sie sein kan, würdig ist. Ich bin, so lange ich lebe :c. I) l?Z!an sehe den Nr. an Franke, v. n. anB e r end s v. 5 Febr. t7SL,1 228 Freundschaftliche Ich beweine die grausame Niederlage so vieler Menschenkinder/ die von neuem zur Schlachtbank gc- fuhret sind. Ein Abscheu für die Menschlichkeit! Ein Held — ein Name/ der nicht anders'/ als mit dem Zusaz: Gott schone die Menschen! sollte ausgesprochen werden. Die schrekliche Zeitung laßt mich weder lesen noch denken. Ich danke herzlich für das' überschikte Buch; ich will Ihnen dagegen ein Stuk aus meinem künftigen Buche geben. Richte» Sie mich mit aller Strenge/ den es ist ein gefährlicher Punkt. Sie sindcu ilm auf dem folgenden Blatte. Ich habe den ersten Theil der Schrift von neuem umgeworfen/ in eine strengere Ordnung gebracht, viel auSgestriche»/ aber anch manches zugesezet. Der mitgetheilte Punkt soll zugleich zeige»/ wie eS mir/ wo Gelehrsamkeit unvermeidlich ist/ gelungen. Der Anfang aber erwartet erst die lezte Hand. Den Herrn K** habe gesprochen, und mich ihm, wo er mich nüzlich findet/ erboten. Der Herr Braeei ist se.in Ausleger; und er scheinet mir ei» Mensch/ (vielleicht irre ich mich,) welcher nichts verloren hätte, wen er Italien nicht gesehen. Merken Sie doch an, ob an herrurischen Figuren der Augenstern bezeichnet, und wie er eS ist. Ich komme niit dergleichen Znmuthungcn, weil mich dünkt/ mein Herz saget mir! ich werde Sie nicht sehen. CayluS hat (Vol. 2.) mit der ersten Statue unter den vermeinten griechischen Sachen einen großen Bok gemacht. 4.) Er hat nicht gewußt, daß sie im Museo Capitolino stehet, und hat daher nach einer croquirten Zeichnung des Sally (der in Kopenhagen das Pferd und den König, man will schon wissen wie, machen soll) stechen lassen. 2.) Er glaubet aus des Sally Bericht, daß sie in dem ältesten griechi- Briefe. 229 scheu Styl ist/ und hat da alles, was man sagen kan, aufgeschüttet; sie ist aber zu H adrianS Zeit gemacht. Mu sage, was man weiß und gesehen. Von der Kunst unter den Hetruriern. „ Die Kunst ist unter den Hetrurieru niemals zu ^ihrer Reise gelanget/ wie die wahrhaftig hetruri- „ scheu Denkmale/ welche alle in einem schweren und „ steifen Style gearbeitet sind, beweisen. Mich dünket, „ die Nachrichten von der Lebensart und den Gebräu- chen dieses Volks, und der hieraus zu ziehende Schluß „ auf dessen Neigungen und Gemüthsart geben uns „ die Ursache von dem mittelmäßigen WachStume der „ Kunst auch in diesem Lande zu erkennen. „Das Geblüt der Hetrurier scheinet mit etwas „Melancholie vermischt gewesen zu sein; ein Tempe- „rament, wovon du größten Leute/ wie Aristoteles saget/ ihr Theil gehabt/ und welches zu riefen „Untersuchungen geschikt ist.Aber eS wirkt zu „ heftige Empfindungen / und die Sinne werden „ nicht mit derjenigen sanften Regung gerührt/ die den „Geist gegen das Schone vollkommen empfindlich „machet; die geistigen Theile, welche zur Einbil- „ dung hinfließen, find nicht leicht und fein genug/ „liebliche/ fchöne Bilder und reizende Gestalten zu erzeugen. i, Diese Gemüthsart kau die Finsterniß des Aber- „ glaubenS zeigen, welchem die Hetrurier nicht we- „ Niger als die Ägypter nachhingen. Die Wahrsa- „ gungen au- dem Flug der Vögel/ aus dem Ein- „gewaide der Thiere, und aus den unerheblichsten „ Umständen wurden in den Abendländern unter die- j) kW. d. K. Z B. 1 K. i2§.z L) ^riülol. xrolilem. svc!. Zo. lzuiezt. I.) Freundschaftliche „ ser Nation zuerst erdacht. Daher heisst Hetrnrie» -,die Mutter und Gebärcriu des' Aberglau- „benö; und die Schriften von diesen Wahrsagun- „ gen ersülleten diejenigen, welche sie fragten, mit „ Furcht und Schrekenz in so fürchterlichen Bildern „ und Worten waren sie abgefasset. „ Von der Melancholie dieses Volkes geben ferner „ ihre Menschenopfer, ihre blutigen Gefechte bei Be- „ gräbuissen, auf Schanpläzen und bei Gastmahlen ein Zeugniß, die den gesitteten Griechen ein Abscheu wa- „ ren. Diese waren bei jenen zuerst üblich/ und „ wurden nachher auch von den Römern eingeführet: „ daher sieht man auf den historischen Begräbnißnr- „ nen insgemein blutige Gefechte über ihre Todten „ vorgestellet. Die romischen, weil sie mehrentheilS „ von Griechen werden gearbeitet sein, haben viel mehr „angenehme Bilder, die auf das menschliche Leben „ deuten, liebliche Vorstellungen des' TodeS, dergleichen der schlafende Endymion ist. Eben diese „ Gemüthsart der Hetrurier läßt sich schließen ans il>- „ rer Musik. Deii da sich die Griechen mit sanften „ Instrumenten beim Zlngrif ihrer Feinde ermunter- „ ten; die Kretenfer mit der Leyer, die Laeedämo- „ nier mit Flöten, und die Nrkadier und Sicilia- „ ner mit Pfeifen: so geschahe eS bei den Hetru- „ riern unter dem Schall der Trompeten und „Hörner, wie bei den Ägyptern mit Trommeln. „ Die Natur aber und ihren Einfluss in die Kunst „ zu überwinden, waren die Hetrurier nicht lange ge- „ nug glüklich. Den eS erhoben sich bald nach Ein- „ richtung der Republik zu Rom blutige, und für die „ Hetrurier unglükliche Kriege mit den Römern; und „einige Jahre nach Alexanders' Tode wurde das „ ganze Land von ihren Feinden überwältiget, und st- „ gar ihre Sprache verlor sich ze. " — Von da an künftig. Briefe. 231 An M u z e l - S t o s ch. l Nach Florenz, 1 Rom, 5c» 17 Dcc. 1757. Ander alles Vermuthen kömt mir Geld aus Polen mir der Versicherung der Folge/ so lange mein Freund') lcbt. Ich werde also müsien nach Neapel gehen. Da mir aber von dem Cardinal Zlrchinto kurz vorher 50 Seudi/ ich kaii sagen/ aufgedrungen worden: so glaube ich im Stande zn sein/ nach geendig- ttr ncapelschen Neise an Floren; zu gedenken. Vorher hatte es nicht in der besten Form geschehen können; den ich glaube der artigste Abate sieht ausser Rom ohne anstandige Reiseklcider armselig aus. Zn Neapel war ohngeachtet der brüderlichen Empfehlung ich dem Beichtvater der Königin schrieb/ daß mein Brief mir künftig zur Rechtfertigung bei der Königin und sonst dienen sollte: so antwortete er plözlich/ „daß ihm nicht erlaubt sei/ sich in dergleichen Dinge „zu mischen." Ich gedenke zu Ende dcS HanuarS dahin zu geben. Hch hoffe noch immer sehr viel für meine Schrift daselbst zu finden / und die dortigen Mnzsamlungen werden mir viel Licht geben. Vor einiger Zeit kaufte ein jnnger Maler von einem Bauer für etliche Vajoechi 2 sicilianifche Münzen mit 2 Köpfen/ die wunderbar und göttlich schön sind. Der eine ist ein Kopf des Hiero von Svrakus/ folglich ist die Münze vor dem Phidias gemacht. Sie sind so wohl erhalten / daß ich keine dergleichen kenne, und das Merkwürdige ist/ daß nicht allein daS Augenlicht mit einem Loch bezeichnet ist/ sondern man I) lDeö Königs Beichtvaters Freundschaftliche ficht auf der einen nm das'Loch eine erhabene krumme Linie/ den Augenstern zn bezeichnen. Dieses ist wieder alle Bemerkung an Büsten und Statuen. Behalten Sie diese Entdekung bei fich/ und machen sie nicht bekant; suchen Sie aber griechische und fieilia- nische Münzen bis auf den Alexander/ oderägvvti- sche/ oder syrisch - griechische nach dessen Zeit zu finden/ und wen Sie dergleichen habe»/ theilen Sie mir diese Nachricht mit. Ich habe große Zahnschmerzen/ nnd werde nächstens mehr schreiben. Ich bitte Sie, erhalten Sie mir Ihre Freundschaft. Ich bin ewig ;c. An Frank e. lNach Notheuiz Z Rom/ den/, 'Zcbr. t7oS. O ^'ch habe bis izo aufgeschoben/ Ihnen zu antworte»/ um die eigentliche Zeit meiner Abreise nach Neapel zu melden/ wohin ich über acht Tage/ als den erste» Soiiabend in der Fasten/ abgehen werde. Mein Freund! diese Neise ist fiir mich ein sehr wichtiger Schritt; eS stehet auf demselben vielleicht mein Glük/ sowohl hier als in Neapel. Einen einzigen Vortheil hab' ich/ daß ich mit einer gewissen Achtung dahin gehe/ und wohin dieselbe schon vor mir vorhergegangen ist. In Rom währte es lange/ nnd über ein Jahr/ ehe ich darzu gelangen konte. Die Zurüstungen zu dieser Reise kosten mir schon beinahe an 100 Thaler/ wozu mir die fortdauernde Freigebigkeit unseres Königs und des CardinalS die Mittel gegeben hat. Ich gebe mit solchen Empfehlungschreiben dahin/ daß ich glanbe/ ich werde mchre»- theils in den größten Häusern essen. Der Kurprinz hat mich der Königin nun schon zum zweitenmal cm- Briefe. pfoblen. Von Portiei werde ich Ismen schreiben. Den nach einem Aufenthalt von vierzehen Tagen in Neapel, wo ich i» einem Augustinerlloster wohnen »erde, bin ich gesonnen nach Portiei zu gehe»/ und einige Wochen daselbst die Altertümer zu studiren. Mik habe ich: Gott gebe mir Verstand! Vielleicht ist etwas in Neapel für mich zu machen. Nun will ich von meinen römischen Umständen schreiben, so wie eS mir einfällt, ohne Besorgung einer Auslegung von Eitelkeit. Weil ich meine Zufriedenheit in der Ruhe und im Studiren suche, und mit Wenigem vergnügt sein kan, so schäze ich mich glüklich; den ich genieße Ruhe und Bequemlichkeit und alle Gelegenheit, die irgend ein Fremder gehabt hat, zum Studiren. In dem Palast der Canecl- hme wohne ich, mitten in der Stadt, wie auf dem Lande; den das Gebäude ist so ungeheuer groß, daß nian nichts von dem Lärmen boret, der izo viel größer ist, als er zu Iuvenals Zeiten gewesen, da man noch keine Kutschen hatte. Fast alle Schäze der Gelehrsamkeit, ausser die in der vaticanischen Bibliothek, stehen mir offen. Den hier kari ich durch alle Freundschaft des CardinalS Passionei das nicht erhalten, was ich suche, nämlich: selbst in den Manuscripten zu suchen. Wen der Pabst nicht in Umständen wäre, daß man immer seinen Tod befürchtet, so wollte ich es dnrch den Cardinal A r- chinto, vermittelst eines Befehls, vom Pabst erhalte». Die größte Freiheit habe ich, nebst der passio- neifchen Bibliothek, in der Bibliothek der Jesuiten, die ungemein zahlreich und prächtig ist, und man lässet mir den Schlüssel zu allen Manuskripte». Unter andern ist in derselben die ganze Bibliothek A n- tonii Mureti. Der Pater Lazzeri hat drei Bände von AnekdotiS aus derselben edirt. Einer mei- 50 « Freundschaftliche ner besten Freunde ist Pater Contueci^) in eben diesem Lollegio 8. I^n.iui, Aufseher des Musei ^n- euriosoriiui -irUlleialiuin etc. weiches vielleicht das größte in der Welt ist. Er ist ein Man von 70 Jahre»/ von großer Gelehrsamkeit, der die» ses, wie die Italiener vor andern Nationen voraus hat/ daß er nicht die Eitelkeit hat/ ein Schriftsteller zu werden/ sondern er theilet mit/ was er bat und weiß. Die Bekaiitschaft mit diesem Manne ist mir nicht allein nüzlich/ sondern auch sehr rühmlich. Den er hat seit vielen Jahren alle Sontage eine Unterredung des Abends mit einem gewissen Prälaten Baldani gehalten/ welcher für denjenigen gehalten wird/ der den größten Verstand in Rom hat. Dieses will unendlich viel sagen. Die Unterredung gehet allein auf die Altertümer/ und was sie geredet ist bisher unter ihnen beiden geblieben.. Ich bin vor einiger Zeit der dritte geworden/ durch einen freiwilligen Antrag des Prälaten/ mit den Worten: „Mein Freund/ Ihr sollet/ wen Ihr wollet/ der „ dritte sein." Diese Bekantfchaft habe ich dem seligen Stofch in Florenz zu danken. Alsobinich ein genauer Freund des Gelehrtesten in Nom: ' Giaeomelli; und des Weisesten: Baldani. Was meine Lebensart betrift/ so ist die Methode wie in Nötheniz geblieben; zeitig nach Hause und zeitig zu Bette/ und früh herauS/ ja die Liebe zur Ordnung gehet so weit/ daß ich weder Ovcrn noch Komödien besuche/ welches mir doch als einer Person/ die zum Hofe gehöret/ nichts kostet. Ich j) Von diesem sagt Winckelman in den lDc n f malen y»um. 47.), daß er der wahre Verfasser sei Von dem Werke: kVauc. d«' Hlusckl'i'i; «cem- 4. et ikid. 1760. 4. Daßd 0 r f. Briefe. 236 bekomme die Zeddel gefchikt und schenke sie andern. Der Cardinal Archinto ist der lezte gewesen, der ßch öffentlich für mich erkläret hat. Nachdem die große Freundschaft mit dem Cardinal Passion er fast ein halbes Jahr gedauert hatte/ verlangte er, daß ich auch bei ihm essen sollte/ welches als ein großer Vorzug/ da er im päbstlicheu Palast wohnet/ angesehen wird; zumal/ da nur Prälaten zur Tafel gezogen werden. Ich gehe also/ doch nur einmal die Woche/ zu ihm. Bei dem Cardinal Passion ei esse ich zweimal die Woche/ und endlich habe ich eS so eingerichtet/ daß ich niemals mehr zu Hause esse. Eine von meinen Vekantschaften/ welche mir Ehre machen/ ist der Duea Cerisanv/ sieilianischer Gesandter/ ein Man von etlichen 60 Jabren/ und von großem Verstände und Gelehrsamkeit. Er bewohnet den französischen Palast/ und wir sind Nachbarn/ daher ich sehr oft zu ihm gehe. Was meine Gesundheit anbelanget/ so ist fle in bessern Umständen/ als ich mich entsinnen kan/ daß sie gewesen. Ich esse zuweilen zu viel/ und trinke wie ein Deutscher/ d. i. ohne Wasser. Aber mein Nagen und Kopf halten sich gut. Nur bin ich empfindlich worden gegen die Kälte/ die mir und allen Ausländern hier unangenehmer/ als in unserm rauben Vaterlande ist; ja ich bediene mich sogar eines BcttwärmerS. An meine Schrift werde ich in Neapel und nach meiner Nükkunft die lezte Hand legen; izo werde ich zn einigen Kupfern die Zeichnungen unter der Aufsicht meines FreundeS/ des Herrn Mengs/ machen lassen. Wen ich Zeit und Geld übrig habe/ werde ich von Neapel zu Wasser nach Florenz gehen, um alles zu sehen/ was aus dem Altertume von der Kunst übrig ist. Es ist nöthig/ daß ich mich in der griechischen 236 Fmitidschaftliche Literatur mit etwas zeige; ich finde aber noch nichts, was mir gefällt. Ich lese daher die alten Griechen von neuem in dieser Absicht/ und mache mir Register von allen Worten/ wo keine sind; alS: über die dr« tragischen Dichter. Den ÄschyluS habe ich auf diese Weise geendiget. In meiner Historie der Kunst werde ich verschiedne ^necclota sioöwr, Qi-ecar, die ich in Manuscripten gefunden/ bekaiic machen/ so auch einige JnseriprioneS/ die noch nicht bekant sind/ doch nur diejenigen/ welche zur Erläuterung dienen und von einiger Erheblichkeit sind. Seit einiger Zeit habe ich angefangen/ die Münzen zu studiren/ aber vornehmlich in der Absicht/ dieselben zur Keut- niß des Styls in der Kunst in jeder Zeit zu gebrauchen; daher hat der Cardinal Archinto seit einiger Zeit viel Anläufe von mir ausstehen müßen/ mir die Gelegenheiten zu einigen eigensinnigen römischen Prinzen zu machen/ und durch dieses ungestüme Suchen habe ich erfahren/ daß das Münzkabinet der Königin Cbristina/ welches Havereamp beschrieben/ und welches man in Rom im Palast des Prinzen Bracciano zu sein glaubte/ nach Spanien verkauft worden. Nach meiner Rükkunft von Neapel werde ich unserm theuern Freund Lippert Abdrüke von Steinen schikcn. Die Bckantschaften waren nicht eher zu machen. Man muß alle Sachen mit einem gewissen Phlegma in Rom suchen / sonst wird ina» für einen Franzosen gehalten. In Rom/ glaube ich, ist die hohe Schule für alle Welt, und auch ich bin geläutert und geprüfet. ES thut mir leid/ daß ich gezwungen bin/ izo nach Neapel zu gehen und es nicht aufschieben kan; den eS entgehet mir eine große Gelegenheit in Florenz. Der einzige Erbe von Slosch, mein LandSman und guter Freund/ bot mir auf sechs Monat Quartier/ Essen -e. an / und ich htitte das Kabinet seines VetterS/ welches an Zv/voo Du- Briefe. eaten gerichtlich geschazt worden/ mit Muße dnrchge- bcn und nuzen können. Nach dieser Zeit wird daS Beste schon verkauft sein. Der Cardinal Alessandro Albani, mein größter Gönner/ und das Haupt von allen Altertumskennern, hat izo seine Villa geendiget/ und Statuen und Sachen an das Tageslicht gebracht/ die vorher kein Mensch gewußt hat. In dem Palast der Villa sind so viel Spulen von Porphyr/ Granit und orientalischem Alabaster/ daß es ein Wald schien/ ehe sie angebracht waren : den ich habe den Grund zum Hause lege» sehen. Man gellet gegen Abend dahin, wo man mit dem Cardinal wie mit einem Bürger spazieret. Eine Prinzessin sahe mich neulich daselbst/ und weil ße von mir gehöret hatte/ so redete sie mich an/ indem ich es' thun wollte. Sie sehen daraus/ wie man hier lebet. Der General der 8e!>olnr»m, Pater Cor- sini/ arbeitet an einer Samlung von griechischen Inschriften aus Asien. Wen Sie die Herunterlassung / ja Verleugnung alles Verdienstes dieses großen Mannes sehen sollte»/ so würde in Ihnen/ wie in mir/ gegen die mehresten deutschen Gelehrten und Professo- res eine Art von Ekel und Unwille» enrstehe»; den eS ist keine fromme Heuchelei/ welche hier zu Lande fast unbekant ist. Ich habe mir vorgenommen, über den Plato und Plutarch zu arbeite»/ und habe den ersten in meinem eignen Exemplare/ welches mir mein Freund Giacomelli geschenkt/ von neuem anfdem Lusthause in Camaldoli bei ssrascati im vergangenen Oetober durchgelesen. Zzo lasse ich nur die sylburgische Ausgabe des Aristoteles in 4. in 5. VuN. welches nur der griechische Texc ist, aus Engel.uid für drei und einen halben Tucaten, oder siebe» Scndi kmmen. Tiefe Ausgabe/ welche Passion ei sür 2Z8 Freundschaftliche zwei Scudi zu Paris gekauft bat, muß in Deutschland sehr rar sein,>) weil sie nickt iu Nötheniz ist. ES ist in Engeland eine neue Auflage vom Deinest he lies gemacht/ t)uari,o >n!>x. Drei Bände sind heraus. Vom Plato zu Glasgow/ mit Lettern wie der ?Iui.ar(!l>u5 welcher aus neuu Bänden bestehen wird, werden viere gedrukt sein. Dieser Tagen las ich ein gewisses Buch / welche» sich rar gemacht hat/ (weil nur 2,;o Exemplare, wie auf dem Titel stehet, gedrukt worden, von welchen S0 zwischen Marseille und Livorno versunken,) ^o. keinolcli llistcnia lilieiaium ooc.i r>i i» ei I^aiinar. Lton:«, >782. in 6. m.ii. Dieses Buch bewog mich, die berühmte ^po>Iicosin Il liotheken vollständig antreffen , wovon die Ursache wohl diese ist, weil die verschiednen Theile dieser Ausgabe ein« zcl» gedrnkt und verkauft worden sind. Wir best;en l>i» in der kursurstlichen Bibliothek ein vollständiges Srem> plar dieser srantturrcr Ausgabe von l5S7 in 5 Vvü. wovon der 7 Theil die p>oi>I<'i>>,ita enthält, die, wie Element in seiner Iiikli^tl>. cuiit'usk', t 2. p 97- vcr> sichert, weder in dem dasigen königlichen, noch in dem b u n e m a n n i sch e n Eremrlare bestndlick waren, die er doch beide sehr genau vergliche» hat. DaKdorf, Briefe. Endlich ist der erste Band von den alten Gemälden zu Portici zum Vorschein gekommen, in groß Folio/ mit vielen Kupfern. welche mittelmäßig gearbeitet sind. Das erste ist ein Stiik von vier Figuren mit dem Namen des Künstlers: ri-i>ä>i>ki>i; ich glaube eS soll heissen. Mehr kan ich von dieser Arbeit nicht sagen/ den ich habe es beim Passionci nur einen Augen- dlik heute/ da ich dieses schreibe/ angesehen. So viel sehe ich/ daß von der Kunst nichts erwähnet ist. Vajardi hat mit dieser Arbeit nichts weiter zu thun/ sondern eine Gesellschaft von 15 Personen/ unter welchen der gelehrte Mazzoccln das Hauvt ist/ die sich alle Wochen bei dem Minister und Staatsecre- tär/ Marchese Tanucei, der eliedem Professor zu Pisa gewesen/ versamlen. Dieser Minister hat vielleicht wenig seinesgleichen in der Welt/ und ist derjenige/ welchen Diogenes gesucht hatte. Elle ich schließe/ muß ich melden/ daß man unsern Zerrn Eraven hier nicht auderS nennet/ als : il a>,noso NiU,->u. Ich wünschete/ daß er seine Bücher genießen tönte/ und daß ich das hohe Glül hätte/ ihm in Nötheniz vor seinem Pult stz^nd aufzuwarten/ und Sie, doch lieber in Dresden/ vergnügt umarmen tönte. Aus Neapel oder Portici werde ich wieder schreiben. ?ln Bereu ds. l??ack> Br.,uni'chweig,Z Liebster Freund und Bruder! ^ch habe dein lezteS Schreiben vom 12 August des vorigen Jahres nach dem neuen Hahre allererst er- Freundschaftliche halten. Um sicher zu gehe», und dir frische Nachrichten von mir zu geben/ habe ich mit der Post geschrieben: die Kosten werde»/ weil eS selten geschehen wird, ;n übersehen sein. Den beigelegten Brief an Herrn Franke/ unsern gemeinschaftlichen werthen Freund/ überfchike ikm versigelt. Ich habe den Vortheil dabei/ daß ich nicht alles in deinem Briefe allein ausschütten darf. Ich fange also an/ dir zu berichten, daß ich mich sehr vergnügt und gesunder als jemals befinde. In dem weitläuftigen Palaste/ den ich bewohne / genieße ich eine Stille/ wie auf dem Lande, welches sich mitten in der Sl^dl, wo ich stehe/ niemand rühmen kan; daher habe ich gelernet/ wen ich will/ V Stunden und zuweilen ohne aufzuwachen/ zu schlafe». ES ist zu wissen / daß der Cardinalminister Archin- to nicht in der Cancellarie/ sondern auf dem päbst- lichen Palaste a Monte Cavallo wohnet. Ich habe eine za!,lreiche Bibliothek unter Händen, ohne darin zu arbeiten/ und was ich sonst nöthig habe, lasse ich mir aus andern Bibliotheken holen. Ich bin im Geschrei/ nebst einem Prälaten / Giaeo- melli, welcher vor den größten Gelehrten in Italien gehalten wird und ist, der größte Grieche in Nom zu sein/ und diese Meinung welche auf jenes Zeugniß beruhet, ist der Grund zu meiner Achtung. Das erste Jahr lebte ich vergessen, selbst von Archinto, welcher aus Empfindlichkeit gegen mich, wegen verworfener Dienste des Passio- nei, mich vor halsstarrig hielt/ und sich vielleicht nicht getrauet«:/ von meinem Wissen viel zu sagen. Ich habe mich also in dieser Zeit ganz allein mit der Kunst beschäftigt/ babe sel>r v>el entworfen, welches zum Theil unnüz, zum Theil aber den EM geceben hat, zu dem Werke, auf welches ich nunmeh- ro ein ganzes Jahr gedacht habe, nämlich ein Ver- Briefe. 241 such derHist 0 rie der Ku n st. Meine Absicht ist, ein vollkommenes Werk zn liefern und das Denken und die Schönheiten der Gedanken und der Schreibart auf'S Höchste zu treiben. Um wiederum in mein Gleis zu kommen; ein alter Maler und ein Mail allgemeiner großer Kel t- „iß machte mich mit Giacomelli bekant/ dieser führte mich zu des Passioneis Tafel/ und ich wurde unter die wenigen auserlesenen Freunde deS Kardinals aufgenommen. Ich besuchte den Cardinal Zlrchinto sehr selten und er sahe mich nicht anders als mit dem Passion ei im Wagen. Dieses machte jenen eifersüchtig/ und er beklagte sich/ daß ich ihn vernachlaßigte. Er wollte mir zu verstehen gc- ben, daß eS il»n lieb sein würde / wen ich bei ihm zuweilen essen wollte/ und da ich seine Geschäfte »orschüzte, fo verlangte er/ mich um die Mittagszeit zu sprechen. Ich speisete vorher beim Passio- nci und ging alsden zu ihm/ welches er endlich als eine Beleidigung aufnahm; und ich bin also einer von denen geworden/ die auch beim Archinto essen können, welches nur Pralaten sind. Meine Hauptmaxime ist gewesen, mich nicht wegzuwerfen/ und keine Kleinigkeiten anzunehmen/ nach versicherter Achtung eine große Bescheidenheit anzunehmen/ wenig zu reden/ aber wo man mich nöthigen und dringen würde/ den Zügel fahren zu lassen. Dieses erfuhr ein französischer Abbe/ welcher als em großer Gelehrter von dem französischen Abgesandten ki Passion ei/ der ein passionirter Franzose ist/ eingeführet wurde. Die große Stille/ die ich gegen ihn beobachtete/ machte ihm Herz / sich an mich zu waqen/ in der Meinung vom Cardinal unterstüzt zu werden. Aber er blieb wie von einem Strom weggerissen/ und ich sagte ihm in des CardinalS Gegenwart daß er ein Ignorant und ein Esel sei/ und da er Winekelman, 40- 2-Z2 Freundschaftliche mich gesucht aus dem Wege zn bringe»/ so habe ich es ihm gethan. Seit einiger Zeit habe ich beschlossen, mein Leben mehr zu genießen/ und ich esse niemals mehr zu Hause/ sondern allezeit bet Cardinälen und guten Freunden. Unter denen ist der Duca di Ce- risanv/ sicilianischer Gesandter/ ein Man von So Jahren und einer der größten Köpfe unter der Nation. Diese Bekantschaft ist ganz neu/ und wnrde gemacht dnrch ein Compliment von ihm; nämlich, daß er Verlangen hätte/ Freundschaft > mit mir zu machen/ und daß er zu mir kommen wurde. Ich kam ihm also zuvor. Dieses kau dir einen Begrif geben von der Nation und von der Achtung der Gelehrten in diesem Lande. Seit dem Hetober habe ich die Kleidung eines Abate angeleget/ welche keinen andern Unterschied hat/ als einen über eine schwarze Binde geschlagenen blauen Streifen mit einem weissen Rändchc»/ und einen seidenen Mantel/ mir so lange wie der Nok. Das Unterkleid ist von Sammet. Jzo l>abe ich mir ein Campagnckleid / einen kaffeebraunen Drap » d'Zlbbeville - Rok mit güldenen BrandebourgS und ein Neifekleid von englischem Molleton machen lassen zur Reise nach Neapel, wohin ich in ^ Tagen abgehen werde. Ans diese Neise ist ein Theil meines künftigen GlükeS gebaut/ und diese Neise ist das Allerwichtigste / was ich in meinem Leben unternommen habe. Das Vergnügen/ ein so wohllüstigeS Land zu genießen/ wird sehr gemindert durch die große Behutsamkeit, die ich nöthig habe/ meine Person wohl vorzustellen. Ich bin von dcm Kurprinzen aus eigenem Betrieb an die Königin recommandiret; ich soll den Kurprinzen von allem unterrichten/ ich komme mit einem großen Ruf nach Neapel/ an alle große Häuser als ein Freund Briefe. empfohlen/ und was das Vornehmste ist/ ich gehe mit der Absicht hin, vielleicht ein Mitglied der Gesellschaft zu werden/ die über die Altertümer schreibet. Ich sinde einen der größten Griechen/ Monsignore Uazzocchi; aber es ist auch der einzige/ vor dem ich mir fürchte, und zum Glük ist er über 70 Jahr. Ich habe zu dieser Reise meinen Wechsel richtig erhalten/ und weil ich ausserdem/ was ich/ ohne Hof« nung wieder zu haben, auSgeliehen, immer übrig habe, so daß ich neulich 6 Ducaten unter meiner Wüsche fand / wovon ich nichts wußte / hiernächst ein Geschenk von etlichen 60 Thalern vom Cardinal Ar- chinto annehmen mußte: so bin ich hinlänglich versorget; den in Neapel werde ich nicht viel zu Hause essen. Meine Wohnung wird sein in einem Kloster der Augustinermönche von der spanischen Nation/ welches mir der General des OrdenS/ mein guter Freund/ ausgemachet. Das einzige/ womit ich mir Schaden gethan habe, ist meine Aufrichtigkeit in Nachrichten von gewissen Dingen zu geben / und dieses hat mich um eine Gelegenheit gebracht/ wodurch ich in der Welt erscheinen können. ES ist ein Schade/ den mir viel tausend Ducaten nicht ersczen können. ES hat es ein Freund gethan/ dem ich viel Verbindlichkeit habe.!) Nunmehro antworte ich auf keine bloße Frage/ biK ich höre/ wie weit des andern feine Kentniß gehet. Diese Nation ist sein wie Kkfebier/2) der auch hier bekant ist. Nach den ersten Complimenten / welche ich in Neapel zu machen habe / welches die ersten Tage 1) lNeue Gemälde für alte ausgegeben und Winckel« m a n also gerauscht. Man sehe darüber die Biographie S- QXIII.) 2) lEin sehr schlauer Spion im preußischen Heere, V«>» dem eine besondere Biographie existiren soll-1 Freundschaftliche erfordert/ werde ich nach Portici gehen/ am Gestade des Meeres, wo die Schtize von Herculaiium stehen, und daselbst werde ich etliche Wochen bleiben, bis der Hof dahin gehet, gegen die Mitte des' März, von da zurük nach Neapel und die fnrnesischcn Ma- nuscripte der königlichen Bibliothek, das' berühmte Münzkabinet von Parma?e. durchsehen, weil mir auf Befehl der Königin alles wird müßen geöfnet werden. Von Neapel auS werde ich eher Gelegenheit haben, zn schreiben; dn siebst also, daß einige Monate dazu gehören. MengS wird mich besuchen, und nach geendigter Arbeit werde ich eine kleine Reise nach Sicilien thun. Habe ich Zeit wegen der Sommerhize, eine Reise nach Floren; zu thun, so geschieht es von Neapel aus zur See bis Livorno. Geschieht dieses nicht, so suche ich im Mai zurük in Rom zu sein und die Villegiatura auf der Villa Ca- maldoli bei meinem Cardinal Passiv nei zu genießen. Dieses sind weite Aussichten, aber keine Luftschlösser. Ich muß bekennen, ich habe mehr Glük als Wiz; aber wer sein Glük erkennet und nuzet, der ist es werth. ES fehlet nichts an meinem Glüke, als jemand von denen hier zu haben, die mir theils Übels gewünschet, theils doch weissagen wollen. Durch den Tod des Herrn von Stosch habe ich einen großen Freund und unendlich viel Nachrichten eingebüßet. Den ob er gleich niemals das Schöne in der Kunst kennen lernen, weil ihn die Seuche der übrigen AntiquitätSkrämer zu zeitig verdorben: so hatte er das größte Kabinet fast in der Welt, und eS ist nur 70,000 Scudi taxiret worden, das ist: gerichtlich, wegen der Abgabe von Sachen, die etwa ausser Floren; gehen werden. Sein Erbe ex »ss<- ist ein Muzel aus Berlin, der vordem in französischen Diensten gewesen. Er war hier und ich bin mit Briefe. ihm Nom ziemlich durchgcsalrcn. Ich könte/ wen ich nicht nach Neapel gehen müßte / mich ohne alle Kosten in Florenz diverriren; den er hat mir alles / waS man zum Leben nöthig hat/ angeboten. Einen einzigen Landsman habe ich hier/ einen jungen Maler aus Berlin/ Neclam; sein Vater ist/ glaube ich / Hofjuwelier gewesen. Weil er aber einige Hahrc in Paris gewesen/ so ist er verdorben und wir sehen uns daher selten. Er wurde an mich von Paris aus recommandiret/ und ich habe ihm sogar ftcieS Quartier bei mir angeboten. Jch habe Genzmarn durch den Hofrath C o- theniuS/ eö wird ein Jahr sein/ geschrieben. Er aiitwortet; aber sein Brief ist noch länger als der dcinige unter Weges gewesen. Ich habe ihm wieder über Stuttgart an einen Maler daselbst geschrieben. In der periodischen Schrift der kaiserlichen Akademie zu Augsburg wird ein kurzer Aufsaz von mir erscheinen; ich habe etwas einschikeil müßen/ weil ich Nath und Mitglied derselben bin. Vor meiner Abreise werde ich an den Herrn Ge- licimdeurath/ meinen gnädigen Herr»/ schreiben. Mich wundert/ daß er dem Cardinal Passiv nei nicht geantwortet hat. Unsern theuersten/ werthesten Herrn Graven wollte ich wie einen Engel/ der den Erzvätern erschienen/ empfangen/ wen ich ihn liier sehen sollte/ und mein Her; wallet in mir über daS/ was du mir schreibst. Der würdigste Sohn des würdigsten VaterS/ der mich glüklich gemacht! Er genieße künftig die Frucht von dessen Verdiensten/ die nicht genug orkant und belohnet sind. Sage ihm/ ich denke auf Gelegenheit/ ihm öffentlich zu bekennen/ wie sehr ich ihn liebe; und da ich nichts habe/ was seinem großen Vater würdig wäre/ so will ich wenigstens gegen den liebenswürdigsten Sohn sage«/ was ich dem Vater schuldig b!n. Ich Freundschaftliche küsse ihn tausendmal; seine Wege, die er gehen wird/ müßen mit Blume» bestreuet sein, und ein langer Frühling kröne seine Jahre. Wollte Gott/ ich k's»- te wünsche»/ ihn/ dich und mein Vaterland (das ist Sachsen; ich erkenne kein anderes/ und es ist kein Tropfen preußisches' Blut mehr in mir/) wieder zu sehen. Aber es wird auch schwer sein/ es so, wie ich will/ wieder zu genießen. Den i» einer Zeit von einen, Jahre müßen sich meine Umstände merklich verbessern in oder durch Neapel/ und als- den würde ich i» Dresden gewisse Dinge vorausse- ze». Mit dem Bianeoni weiß ich nicht/ wie ich siehe: den er schreibet mir sehr selten und läßt mir alles durch seinen Bruder in Bologna wissen. Ich thue aber deßgleichen; den ich bin von des Königs Gnade aus dessen Munde versichert und er erkennet mich für seinen Pensionär. Du hast also auf den Brief zu sezen : ?ei>sionv!>ir lle 8» AI-^. ele. etc. cle 8on ürn, le L-ircl. cl 'XrcliilNo; sonderlich/ we» du mir in Neapel antwortest. Deine» Brief sollst du an den Bianeoni schiken/ den er ka» ihn mit dem Courier fortbringen. Hch werde dieses alles ausmache». D» wirst dich nicht zu beschweren haben/ daß ich für einen theuern Brief zu wenig geschrieben; das Lesen aber wird dir mehr Mühe koste»/ als mir das Schreiben. Du verlangest zu wisse»/ was ich für eine Sprache rede: was anders als italiänisch; aber mein vieles Studiren und der wenige Umgang hat mich sehr znrükgehalte». Diese Sprache ist schwerer / als man sich's aus Büchern einbildet. Sie ist so reich als die griechische / und die römische Aussprache ist schwer zu erreichen. Mtterdesse» da ich mit Prinzen und Cardinäle» rede/ so kaust du leicht glanbeii/ daS ich das Nothwendigste weiß. Es ist mein Glitt Briefe, daß ich mich mit nichts zu übereilen habe/ und kan also mit Muße lernen und sehen. Das Schwerste ist überstanden: dieses' war/ stch bei dieser feinen Nation/ die kein Geschwäz leiden kai'i/ in Achtung von besonderer Gelehrsamkeit zu sezen ohne stch öffentlich gezeigt zu haben. In Neapel habe ich diese Sorgen nicht nöthig. Ich bitte dich um eine einzige Gefälligkeit: suche mir Nachricht von meinem L amp recht zu verschaffen. Er kostete mir zu viel Mühe/ als daß ich ilm vergessen sollte. Schreibe an seinen Vater/ Premier Lsillik lle la <^»lllec!rl>1e !l »üsclmers- Icden, und sage ihm / daß ich es zu wissen verlange. Du kanst ihm zugleich etwas von meinen Umstünden schreiben/ zumal/ da er dich kennet. Lebet der Alte nicht mehr/ so wird doch der Brief jemanden von dessen Söhnen in derselben Gegend in die Hände gerathen. Thue mir den einzigen Gefallen. Seit einiger Zeit habe ich das Münzstudium angefangen/ doch nur in so fern eS zum Schönen der Kunst/ zur Zeichnung und zum Styl der Zeiten gehöret. Blos dieserwegen wünschete ich Paris zu sehen/ weil dort das größte Kabinet ist. Alles mit Zeit und Gelegenheit. Hzo ist ein russischer Prinz/ Galiezin/ mit seiner Gemahlin hier / welche nach gcendigtem Carneval nach Neapel gehen werden; ungleichen ein Holländer/ Kalkoen/ welcher mit an mich recommandirt ist/ von Florenz aus; bei demselben Pflege ich zuweilen zu essen. Er macht einen großen Aufwand. Hier gebe ich dir/ als ein Zeichen meiner Liebe/ den Anfang meiner Schrift: Freundschaftliche Versuch einer Geschichte der Kunst im Altertum, sonderlich unter den Griechen. Erster Theil: v o n d e m W a ch s t u m und Fall der Kunst durch sich selbst. 4 Kapitel. V oin Ursprung der Knnst. „Die Künste, welche von der Zeichnung MM. „gen, haben, wie alle Erstndungeil/mit dem No th- „ wendigen angefangen; nach dem suchte man „die Schönheit, und endlich folgte das' Über- „ flüssige. Dieses stud die drei vornehmsten Stu- „ fen der Kunst. Die ältesten Nachrichten lehren uns, „ daß die ersten Figuren vorgestellet/ was ein Mensch „ ist: den Umkreis' desselben/ nichr dessen Aussicht; „ dieses war das Nothwendige. Von der Einfalt „ der Gestalt ging man zur Untersuchung der Verhältnisse/ wodurch die Groß heit in die Kunst „ kam/ und endlich gelangte man stufenweise zur h ö ch- „ st en Schö n he i t. Nachdem alle Theile derselben ver- einigt waren und man auf ihre ZI uSsch m ü ku ng „ gedachte/ stel man in das Überflüssige nnd Ge- „ künstelte/ und dieses wurde so weit getrieben/ „ bis sich die Groß heit der Kunst unter den Zier- „ aten derselben verlor und zulezt ging die Kunst selbst „ in die Vergessenheit u. s. w. " >) In eben dieser Ordnung fange ich von nenem beim Nothwendigen an und gehe bis zur Schönheit ?e. 2 Kapitel. Von der Kunst unter den Ä gypt e r n. 3 Kapitel. Unter den H e't r u r i e r n. t) lG. d. K. l B. t K. i s.z Briefe. 249 4 Kapitel. Unter den Griechen. Zweiter Theil. Vom Wachstum und Fall der Kunst durch äussere Umstände. -e. Der erste Theil ist also blos theoretisch. Den IS Januar hat es Tag und Nacht geschnellt, welches' der erste Schnee ist, den ich in Rom selbst > gesehen/ (den die Gebirge in der Ferne sieht man l noch gegen Himmelfahrt mit Schnee bedeket, welches dir ausserordentlich scheinen wird;) und die Nacht daraus fiel eine Kälte ein / daß die Fenster überall gefroren waren. Dieser Winter ist überhaupt stärker als der vorige, und die Kälte ist in Rom siir uns Deutsche viel empfindlicher als in unserem Baterlande, theils wegen plozlicher Abwechselung der Witterung, theils wegen der ungleichen Wirkung derselben auf unsern Körper. Die Kleidung, die mir in Deutschland genugsam war, ist es nicht in Rom, und ich trage 2 Brusttücher von wollenem Zeuge, und gehe im Zimmer in Pelzstieseln. Der Kopf sonderlich verlanget viel Wärme und ich steke Mn- ; zcn eine in die andere. Diejenigen Wälschen in ^ Deutschland, die das Gegentheil sagen, sind als arme Canaille aus dem Land gegangen und haben die Bequemlichkeiten des Lebens nicht schmeken können: den der gemeine Man lebet schlecht und elend, in Vergleichung mit einem Bürger in Dresden. Eine wälsche Bürgerliche ist mager und elend, und ein groger römischer Buchhändler und Buchdruker, P a- gliarini, bei dem ich fast alle Wochen esse, will gerne auf englische Art essen, weil er mehr als einmal in Engeland gewesen ist; aber weil seine Kü- , che durch Wälsche bestellt wird, so schmcket sie mich ihnen. Mit den Tafeln der Cardinäle ist es ein anderes: unterdessen ist des Archinto Tafel rassinirter als des Passionei; mit diesem Unter- 230 Freundschaftliche schied / daß dieser auf dem Lande viel prächtiger spei- set und speisen muß/ wegen der Besuche. Die große Kalte hatte mir alle Lust benommen/ den Brief zu endigen. Den Februar hat sie nachgelassen und mit einemmal haben wir Frühlingswet- ter. Nach der gewöhnlichen Observanz müßen die Mandelbaume in etlichen Tagen blühen / wenigstens gegen den >2 dieses Monats Februar. Den künftigen Sonabend, als den ersten Sonabend in der Faste»/ gehe ich endlich/ ohngcachtet der erschrekk- chen Wege, nach Neapel ab. Ich gedachte Herrn Franke meine Beschreibung des Apollo zu schiken; ich habe mich aber bedacht und will sie von neuem umarbeiten. Lebe wohl und sei mein Freund! -c. Nachschr. Den 6 Februar haben die Mandeln anfangen zu blühen. Wen du mir antworten willst/ so schreibe gerade ans der Post mit einem Umschlag an den Cardinal Archintv/ ich werde deßhalb mit ihm reden. Du bezahlest den Brief bis Augsburg; und voil da gehet er unter diesem Namen frei. So lange der Pabst lebet ist sein Titel: ^ 8on 1?minence le ^.rcliinto, Vice-LIisn- eelier, 86cretaiie cl' An Muzel - Stosch. l?!ach Florenz.? Rom/ den Ascherniitttvoch j75S. ^5ch habe nicht eher schreiben wollen/ bis ich Ihnen zugleich die Zeit meiner Abreise nach Neapel melde» Briefe. 261 könne»/ welche künftigen Sonabend / da dieser Brief von Rom abgebe» wird, beschlossen ist. Hch habe an 60 Scudi verwandt/ »m mich in Stand zu feze»/ mit Wohlstand in Neapel zu sein. Sie habe» sich crbote», mir ein Schreibe» an den Grav Firniia>» zu gebe»/ wofür ich seyr verbunden bin. Ob ich gleich vom Cardinal Passionei und Archiiito Briefe an denselben habe/ so würde eS nur sdoch^Z sehr lieb sein/ wen Sie von Floren; an denselben schreiben köntc»/ und meiner, doch nur gelegentlich, gedenken, damit e6 nicht scheine, man su- che von allen Orten Empfehlungschreibe» auf. Der Duca di Cerisano, Abgesandter vom Hofe zu Neapel/ der mich seinen Freund nennet/ und mir mit sehr viel Vorzüglichkcit begegnet, gibr mir Briefe an den Staatsecretär Tanucci; der Cardinal Spinelli an Mazzocchi/ u. s. f. so daß ich gut zu stehe» glaube. Ich werde in einem Au- Wstmerkloster/ die Speranzella genant, mein Ouar- lier nehmen/ welches' mir der General des Ordens , ouSgemachct hat. Heute habe ich/ aber nur auf einen Augenblik/ den erste» Ba»d der her eula nischen Gemälde ni Portiei bei»? Passio»ei angesehen. So viel ich in Eile sehen könne»/ ist von der Kunst nichts gesagt; also bleibt immer für mich übrig / wen ich Einsicht genug haben werde. Ich bitte Gott »in Verstand/ diese Reise recht zn nüzeii/ welche vielleicht ein Schritt zu meiner Versorgung fein ka». Den Soiirag habe ich eine in der Gelehrsamkeit und in Absicht der Kunst, nach dem Schluss, welche» man aus jener gezogen/ wichtige Entdekuilg gemacht. Sie haben vermuthlich das berühmte Basso- rilievv/ die Vergötterung des HomerS/ von drei Ordnungen von Figuren uud mit le» Namen des Künstlers/ nicht gesehen? ES stehet in de» L32 Freundschaftliche untern Zimmern des Palastes Colonna. Durch diese Entdekung werfe ich das beste Theil von den Schr-ften über dasselbe übern Haufen. Den der Er- sie hat nicht recht gesehen/ und die andern alle haben sich dadurch betrogen. Ich habe eS an einem Ort angebracht. >) ES ist kein Geheimniß, aber es betrift die griechische Sprache. Ein Engeländer/ Neinold/ in einem gelehrten und seltenen Buche/ hat neulich v ollen daher beweisen, daß dieses Werk zwischen der 72 und!>"i Ol»mpiade gemacht sei: folglich wcre eS das älteste wahre Stük der Kunst, welches übrig ist. Es ist aber vor dem AugustuS nicht gemacht. Man schreibe von nichtS/ als was man gesehen und gewiß weiß. Die bezeichneten Augen auf Münzen sind sehr alt und auf den besten güldenen Münzen vom Alexander zu fehen. Aber mit den Statuen hat eS eine andere Bewandtn-ß. Meine Beschreibung vom Avollo werde ich aufs neue umarbeiten/ um das Ideal höher zu treiben. Die Gedanken dazu habe ich. Ich habe den Abdruk in Sigellak von Ihrem berühmten Searabeo verloren; verwahren Sie einen für mich. Wäre eS nicht möglich/ eine Paste von demselben zu haben? Die Zeit über in Neapel/ ehe ich nach Portier geben werde/ wird mir zn kurz werden, zu schreiben. Von Portiei ans werde ich es thun, wen ich glauben werde/ Ihnen und mir selbst ein Genüge thun zn können. Ich muß bekennen/ mir ist bange für diese Untersuchung. Ich habe nicht Einsicht genug in der Kunst. ES ist gar ein wichtig Werke von der Zeichnung zu urtheilen. Kalkoen ist zuriik von Neapel/ ich habe ihn aber 1) lG. d. K. 6«. Z A. 12 §. 7 V. 3 K. 21 §. ülllego, ric 172 ». 2,42 §.) Bricfc. 263 nicht gesprochen, und weiß nicht/ ob ich Zeit dazu haben werde. Diese Woche gehet der tartarische Prinz >) auch dahin ab. Es ist eine sehr niedrige Seele. Ich glaube fast, daß ich werde im Stande sei»/ von Neapel auf Livorno zu Wasser zu gehen/ wen cS mit Sicherheit geschehen kan. Ich wünsche gewiß cben so sehr Florenz als Neapel zn sehen. Das übrige künftig. Erhalten Sie mir Ihre freundschaftliche Gesinnung. Ich ersterbe;e. Nachschr. Ich bin izo der dritte von der Unterredung zwischen Monsignore Baldant und dem Pater Contucci über die Altertümer. An Wille. lNach Paris. Z ^Neapel, im April t75S,Z Mein edler Freund! In Neapel habe ich Ihr Schreiben erhalten/ mein ,Freund! wo ich wünschete, Sie umarmen zu können. Aus der Fülle meiner Seele möchte ich schreiben/ was ich empfinde/ um Ihnen das Herz zu zeigen/ das gewaltig in mir schlägt von entzükcnden Vergnügen/ die jemals ein Freund gefühlet. — Freund/ welcher der Menschlichkeit Ehre macht und den Werth der höchsten menschlichen Tugend erhöht! n>ie soll ich antworten? Wie soll ich annehme»/ was Sie mir schenken? Stolz über mein Vaterland/ fruchtbar an Freunden/ und über den/ den niemals mein Auge gesc/ 1) cGaliczin.Z Freundschaftliche heN/ gehe ich in Betrachtung Gott so ähnlichen Seelen fast bis zur Empfindung eigener Würdigkeit/ zu welcher mich Freunde erhöhen. Aber erniedriget l»id bloß lägt mich meine Unsähigkeir in Verwirrung; und ob ich gleich ein Mittel sehe/ unserem Vaterlande wissen zu lasse»/ wie es sich zu schäzen hat über zwei Menschen / die weit erhaben sind über den Begrif der Mächtigen der Welt: so bleibe ich ungeduldig/ weil es Zeit gebrauchet/ es auszuführen/ und dennoch der That nicht würdig werden kaii. Freund! mit dem mich eine geheime Zuneigung unter einem entfernten Himmel verbunden: ich schrieb schon zu Anfang unserer schriftlichen Unterredung mit der Vertraulichkeit eines FreundeS/ und dieses war allein die Absicht/ wen ich etwaS/ so mir nicht mehr bekanr ist/ von meinen Umständen gemeldet habe/ die keinen Purpur rührten; ich schiene verlassen zu sein: aber der würdige Mail/ der billig Frennd und Vater heißt/ welcher mir meinen kleinen, aber mir zulänglichen Unterhalt aus Seiner Majestät Händen besorgt/ i) gedachte an mich in den großen Nöthen/ die uns betroffe» haben/ nnd ich säumete nicht/ meine Reise nach Neapel zu beschleunigen. Ich habe mich über -i Wochen in Portici/ wo die herculanischen Altertümer sind/ aufgehalten/ und werde iu 8 oder Tagen »ach Rom zurükgehen/ von da ich weit- läuftiger schreiben werde. Ihr Schreiben ist gelesen und hochgeschäzt von einem der würdigsten Menschen unserer Nation/ Herrn Graven von Firmian / kaiserlich gevollmäch- tigter Minister allhier; er hat eine Abschrift von demselben verlanget. lLeo Rauch.Z Briefe. Sie sehen also, mein Freund! ich bitt nicht in Noth, aber ich schike dennoch das Geschenk nicht zurük; es bleibt bis zur Verfügung derer/ die es gegeben, bei mir, und da ich der Groß- muth Ihrer Seelen nicht zu nahe treten will, so ims ich nicht weiter reden. Dem edlen Füeßly werden Sie meinen Briefs) übersenden; die Hälfte meines Herzens sollte er haben, mit dem sichtbaren Gefühl der Sehnsucht desselben nach ihm. Du aber, da Worte zu unkräftig sind, begnüge dich in dem Bewußtsein einer großen That, und erwarte von andern, was mir versagt ist zu thun. 2) Ich ersterbe :e. An Kaspar Füeßly. lNach Zürich.) Neapel/ den M April t75Z. Edler Füeßly! Aie haben im Verborgenen allein mit Ihrem und meinem Freunde das hohe Vergnügen genießen wolle», ein Beförderer meiner Bemühung um dieKunst zu sein: ein Freuud sein wollen, dergleichen kaum mehr zu denken sind, aber, wie Gott, nicht sichtbar zu werden. Freund, mit einer tugendhaften Seele begabt! Ihre Großmuth schiene vielleicht bei dieser Verschwiegenheit zu gewinnen, aber die Freundschaft würde dabei verlieren. Sie müßen ein Bei« t) Der erste Brief in dieser Samlung sVriefe Winckel- in a >1 s a n s ei »e Fr e u n d c i n d er Sck >» eizZ, der nach einer Copie, ohne mein Vorwisse» gedrnkt worden. Kaspar Fiieül». 2) lMan sehe den Vr. an Walt her p. 26 Sept. <75Si den an Mnzel-Stosch v. l7 Dee. t?6Z; die Vorrede zur Geschichte der Kunst, gegen das Ende die Biographie S- I^XXXIV.) 266 Freundschaftliche spiel dcr Tugend unter den Menschenkindern wer- j den; — und ich, Ihr Verehrer > (den näher kan ich mich zu Ihrem Verdienste nicht erheben,) muß darauf denken. Unser Freund / welcher mich durch Sie beglnlt hat, wird Ihnen schreiben, in was vor Umständen ich bin; allein ich werde den Werth einer großen That zu verringern scheinen, wen ich nicht ihre völlige Absicht, Anwendung und Gebrauch in ihrer Kraft lassen wollte. Die Welt wird mir ein Paradies und das Leben eine Wohllust durch Kcutniß von Menschen erster Größe, wie mein Füeßly ist, und ich werde auch in großen Trübsalen wünschen zu leben, um solchen Freund von Angesicht zu Angesicht zu kennen. Un- 5 terdessen bilde ich mir dessen Bild und werde ei» Schöpfer von seiner Gestalt nach dcr Idee von dem, was das Schönste und Würdigste in der Welt ist, um nach demselben meine Hände auszustrekcn, nnd in dieser Anschaulichkeit küsse ich den göttlichen Freund und ersterbe tt. Nachschr. Von Rom aus werde umständlicher schreiben. A n B ii n a u. lNach Weimar. Z Neapel, dc» 26 April t75Z. ^ch habe schon lange gedacht, Euer Excellenz mit einem Schreiben aufzuwarten, und izo findet sich eine sichere Gelegenheit dazu. Der Herr Grav von Firmian, kais. königl. gevollmächtigter Minister all- hier, und großer Verehrer des bünauischen Namens, erbietet sich, dieses Schreiben zu übermachen. Ich bin hier über zwei Monat und in Portici allein fünf Wochen gewesen. Ich habe mehr als fünf Fremde Briefe. -67 gesehen; ^ aber die gute Meinung von mir/ welche von mir vorhergegangen war/ hat mir mehr Nachtheil als Nuzen gemacht/ und diejenige»/ welche theils über die Altertümer gesezt sind/ theils an den alten Schriften arbeiten/ geriethen in eine große Unruhe über meine Ankunft/ und eS scheint aus allen Umständen/ daß man nichts inPortici sehen tönte/ wen der Hof zugegen ist/ um zu verhindern/ daß ich dem Hofe bckant werden möchte. Daher sprach mir der Beichtvater alle Hofnung ab/ dieKönigin zu sehe»/ bis ich ihm elne kräftige Versicherung gab/ nichts zu suchen noch zu verlangen. Unterdessen habe ich die Königin nicht anders als bei der Tafel sprechen können. Der König nent mich allezeit den Baron von Win ck elm a n/ welche Meinung ebenfalls ein geheimer Knif derjenigen ist/ die mir alles schwer zu machen gesucht haben. Unterdessen bin ich allenthalben mit einer besonderen Borziiglichkeit angesehen.— Ich habe verschiedene »leisen weit in'S Land hinein gethan/ um alles zu sehen; unter andern bin ich nach Pesto (p-eswm) M salernitanischen Meerbusen gegangen/ um 3 alte dorische Tempel oderPortiei/ welche fast ganz erhalten sind/ zu sehen: dieses ist das älteste/ was wir in der Baukunst ausser Ägypten bestzen. Die Mauern der Stadt sind noch an 2 Man hoch und Z nea- pelsche Palmen. Ein iieapelscher Palm ist stärker als der römische/ und 6 neapelschc machen 7 römische.— Ich wurde über die Gränze» eines Briefes gehen, wen ich von diese» erstaunenden Überbleibseln einigen Begrif geben wollte; ich werde aber sowohl von diesem/ als dem entdekten Foro und Tempel zu Poz- zuolo einige Nachricht i» Druk gehen lassen. Die Eebäude zu Pesto sind allezeit / so wie sie izo sind/ z» sehen gewesen/ und man hat allererst vor 6 > Zähren davon angefangen zu reden. Izo werden sie e 11.* L58 Freundschaftliche in Kupfer gestochen. Das Land bis Salerno ist eine Gegend/ die sich niemand schöner bilden kan, aber unter den Menschen ist aller Saame der Tugend, bis auf die Wurzel ausgerottet: in Salerno habe ich für das bloße Vette einen halben Ducaten bezahlen müßen. Den da ich von da aus zu Wasser nach Neapel gehen wollte, so hatte ich in Neapel die Küche für diese ganze Reise zurichten lassen/ in Wirthshäusern fordert man ohnedem nichts. Eine andere Reife habe ich nach Caserta gemacht, wo der König einen prächtigen Palast mit vier großen Höfen bauen läßt. Versailles wird dadurch verdunkelt werden/ und ausser der Größe/ Pracht und gutem Geschmak haben sich Alabasterbrüche im Reiche aüfgethan/ aus welchen Säulen von Zv Palmen hoch aus einem Stük gehauen werden/ die dem orientalischen Marmor nichts nachgeben. Die Wasserleitung aber/ welche 30 italiänische Meilen von da im Gebirge anfängt/ ist etwaS/ was man nirgends in der Welt sehen wird. An einem Orte, wo sie von einem hohen Berge bis zum andern gehet/ sind 6 Bogen über einander/ und Palmen Höher/ als die Faeeiata von der PeterSkirche in Rom. ES sind hohe Berge durchgebrochen und das Wasser wird nicht durch Canäle / sondern durch Bogen einen Mail hoch von der Quelle bis nach Caserta geführt; diese Bogen gehen an einigen Orten so tief/ daß ein Luftloch bis zur Wasserleitung 288 iieapelfche Palmen tief ist; ich hstbe mich durch dasselbe heruntergelassen. Die Entdekung von Altertümern dauern noch, und eS sind an 3 verschiedenen Orten Minirer. Vor wenig Tage» ist man ohnweit Sorrento, am neapel- fthen Meerbusen, an gewisse uuterirdische Zimmer gekommen, welche von einem Tempel zu sein scheine»; weil man aber nicht alles bcstreiten kan, s» Briefe. 259 jii der Zugang bis auf bequeme« Zeiten wieder zugemacht. — Von den alten Gemälden werde ich ebenfalls in Augsburg etwas drukcn lassen. Es ist zwar der erste Band von den alten Gemälden vor ein paar Monat an's Licht getreten und an die Höfe verschikt; da eS aber eine Arbeit von Pedanten ist, so wird sich wohl noch sehr viel sagen lassen. Wen Euer Excellenz einen Weg wissen zu Übermachuiig dieses Werkes/ so werde ich sowohl dieses als die prächtigen Kupfer von Caferta durch Vermittelung des Herrn Graven von Firmian erhalten. Ich habe sie mir von der Königin selbst auSgebeten und erhalten. Da ich Abschied bei derselben nahm/ bat ich mir eine Gnade ans; sie stuzre in etwas: ich fügte aber sogleich hinzu/ daß sie in Büchern bestünde. Diese Bescheidenheit bewog sie/ daß sie meine Erklärung verlangte, wen mir könne sonst gedienet werden. Ich antwortete ihr aber / daß ich gclernet hätte / mich mit Wenigem zu begnügen und in Rom nichts nöthig hätte. Von den herculanischcn Papieren sind 4 aufgc- wikclt/ ein jedes etwa 28 bis 30 Palmen lang und enthalten an etliche 30 Colonne»/ jede von 6 Finger breit. Sie sind alle von crnem Verfasser, nämlich dem Philodemus / einem epikureischen Philosophen zur Zeit des Cicero. ES wird aber nicht leicht etwas an's Licht treten; weil sie in Hände Her Ignoranten gerathen sind. Wen ich ausser allem Verhältniß mit dem Hose wäre/ köiite ich 4 Colon- nen/ welche ich erwischt , druken lassen. Ich weiß mehr von diesen Schriften, als man hier glaubt. Um mich von dem Mufeo zu entfernen/ so hat man dem Könige eingebildet/ daß ich mehr ein Maler als ein Gelehrter sei/ daher der König Befehl gegeben, Achtung auf mich zu haben/ daß ich nichts abzeichnete. Aber er hat hinzugesezt: :,ich will/ daß 260 Freundschaftliche „er alles nach seinem Verlangen sehe." Unterdessen habe ich keinen Schritt thun können, ohne einen Aufseher neben mir zu haben, und demselben habe ich Mühe genug gemacht. Ich stehe izo im Begrif nach Rom zurükzugehen. Alle Herlichkeit von der Natur in diesen Gegenden ist nichts gegen Rom, welches nach meiner Meinung der einzige Ort, wo man angenehm, stille, und wie ein ieder will, leben tan. Hch bin betäubt durch die große Wuth von Menschen in Neapel/ und durch das unglaubliche Geräusch einer so volkreichen Stadt von bösen Menschen. Hch freue mich auf eine Villegiatura zu Ca- tnaldoli bei dem Herrn Cardinal Passion ei, wohin ich ihm den 28 Mai folgen werde; ich wüusche- te einen beständigen Briefwechsel zwischen Euer Excellenz und demselben veranlassen zu können.— Mit meiner Schrift von der Geschichte der Ku n st werde ich nunmehro bald ams Licht treten können; vielleicht lasse ich sie in Zürich druken, da es in Sachsen so mißlich aussieht. — Ich beneide die Neapolitaner um nichts als um eine einzige Sorte von Wein, nämlich die sogenaute Lagrima, um grüne Erbsen im Winter und um Blumenkohl, von welchem sich Köpfe finden, welche ohne die Blätter 2 Spannen im Durchmesser haben. In Portici habe ich alle Tage zweimal Blumenkohl gegessen, um ihn müde zu werden, und es ist mir nicht gelungen. Ich schreibe etwas unordentlich, welches mir Euer Excellenz verzeihen werden; den ich wollte nicht gerne die Seite ledig lassen. Portici ist eine Stunde von Neapel an dem wohllüstigen Gestade des Meerbusens, längst welchem man aus Neapel, aber zwischen lanter Lusthäusern und anderen Gebäuden, dahingehet, und man trift allenthalben Sedien mit einem Pferde an, fortzukommen. In meinem Zimmer konte ich die Wellen am Ufer im Bette schlagen Briefe. S6t hören. Der königliche Palast ist von abscheulicher Bauart, und kein augsburger Frazenmaler könte einen schlechteren Entwurf machen. Ich habe auch j„ demselben von Verzierungen nicht viel gefunden, was mir gefallen Hütte. In einem Vorzimmer der Königin hangen Gemälde von Figuren in Lebensgröße/ welche Schlägereien/ Saufgelage u. f. w. vorstellen/ von einem noch lebenden Maler gemacht. Über dem Eingang des' Musei stehet ein Distichon von dem berühmten Mazzocchi gemacht: Ilorculeiv ex,uvi.i8 urkis trsxisse Vesevi ex ?!>ucilzus u»a vielen' re^ia vis Dieses kan von dem guten Gcschmak in allerhand Art zeugen. Nicht besser ist es in Neapel. Der Fürst von TarsiS hat eine Bibliothek/ wo die Vergoldungen mehr als die Bücher koste»/ und eine Sache/ welche man gar nicht sieht/ sind gerade Linien. Unter Creaturen sind die Pferde die schönsten z den die Menschen haben sehr viel Afrikanisches/ und sie werden noch schreklicher/ wen sie reden; den der Dialekt ist noch schlechter als der Bologneser. Ich bin mit ewiger Erkentlichkeit:c. An Verend S. lNach Nraunschweig,) lRom, im Mai 1758.Z Liebster Freund! o ^'ch habe in Neapel nicht Zeit gehabt zu schreiben/ und in Nom haben die vorgefallene Veränderungen durch deS PabsteS Tod und ein paar reisende Deutsche mir viel Zeit genommen. Ich bin dritthalb Monate verreiset gewesen und kam einige Stunden nach t) lllber die Altertümer, wovon in diesem und vielen folgenden Nriefen die Rede ist, sehe »um die Schriften im l und 2 Bande; zum Theil auch die Gc schichtend er Kunst und die Denkmale.) 262 Freundschaftliche des Pabstes Tode in Rom zurük. In Portiei habe ich mich 6 Wochen aufgehalten, doch so, daß ich wöchentlich zweimal nach Neapel fuhr. Der Ort ist eine kalbe deutsche Meile von Neapel am Gestade des neapolitanischen Meerbusens. Ich wohnte bei einem Geistliche»/ einem Genueser pon Geburt, >) bei welchem ich sehr gut gegessen und noch besser getrunken habe/ nämlich die allerbeste Lagrima. 2) In meinem Zimmer konte ich im Bette die Wellen an dem Ufer spielen hören. Ohngeachtet der großen Eifersucht und Furcht für mich habe ich alles gesehen/ was niemand sonst leicht sieht/ und ich kau melir als sonst ein Fremder davon Nachricht gebe». Über mein Betragen habe ich Ursache zufrieden zu sei»/ und ich habe aller Menschen Beifall erlanget, lind wen der König von mir geredet/ hat er mir allezeit den Titel eines Freiherrn gegeben: U 8iz- »ore karoii« 8»ssone. Mit dem Aufseher des Mnsei / dem Vertrauten der Königin/ der ein großer Betrüger und Erzignorant ist/ und schon/ ehe ich gekommen bin, Anschläge wider mich gemacht, spielte ich die Figur eines Einfältigen; mit den Gelehrten habe ich den Bescheidenen , und mit dem Minister des Königs, dem Mar- chese Tanueei/ einem gelehrten und stolzen Mali, habe ich den Wakrhafte» und Geraden gemacht. Er hat die Feder geführet in den Erklärungen der alten Gemälde/ welche an'S Licht getreten sind, und da er meine Meinung zu wissen verlangte, welche ich ihm zweideutig gab, so sagte ich ihm, da er nicht abließ in mich zu dringen, die reine Wahrheit, die er sich von einem stillen Gesichte nicht vermuthen war. Ich wurde dazu bewogen durch eine Schmeichelei, welche ihm der französische Gesünite lCamiiio Paderni.) 2) ILacrima Christi, ein Wem vom VcsuV.Z Briefe. 063 machte/ dem ich kek/ wie er es verdiente / widersprach- Den Beichtvater der Königin habe ich verachtet. Dieser Pfaffe/ ein Deutscher von Geburt/ war im Complot wider mich / und sprach mir alle Hofnung ab/ die Königin zu sehen/ und ich erhielt es nicht eher/ als' bis ich mich erklärte / nichts zu suchen und z» verlangen. Ich suchte hierauf die Königin insbesondere und nicht an der Tafel zu sprechen / welches mir abgeschlagen wurde/ und da endlich der Tag gesezt war/ bei der Tafel zu erscheine»/ und eS der Königin gesagt war/ daß ich kommen wurde / so ging ich ein paar Tage «ach Neapel / um zu zeigen / daß ich keine Eile hatte. Und da ich endlich der Königin vorgestellt wurde / sagte ich ihr wider alles Vermuthen kein einzige» Wort/damit ich allen Verdacht widerlegen möchte. Ich ging hierauf nach Neapel mit meinen Sache»/ mit dem Vorfaz/ nicht wieder bei Hofe zu cr- ^ scheinen; da sich aber die Königin über mein Stillschweigen gewundert und gleichsam Verlangen bezeigt hatte/ mich zu sprechen/ beurlaubte ich mich von derselben und bat mir die Werke von alten Gemälde» »nd die prächtigen Kupfer von Caserta aus. Sie bezeigte sich sehr gnädig/ und ich erschien hierauf aus Gefälligkeit noch ein paarmal bei der Tafel und den Tag vor meiner Abreise ging ich zurük nach Portiei/ um bei dem Minister zu essen/ weil ich eingeladen war. In Neapel nahm ich mein Quartier in einem andern Kloster/ weil ich mich mit den spanischen Augustinern nicht stallen konte; ich habe aber theils bei dem kaiserlichen Gesandte»/ Herr» Grave» von Firmian/ theils bei dem Nuntio / Pallavici- ni/ oder auch bei den, Marchefe Galiani gegessen. Der erste ist ein Man von Jahre«/ von großem Verstände und unglaublich großer Wissenschaft: Freundschaftliche er hat in Leiden, Siena/ Nom und Paris sindiret/ und hat mehr englische Bücher gelesen/ als ich fast gesehen. Mit demselben habe ich besondere Freundschaft errichtet/ den er ist ein Man nach meinem Herzen. Der Nuntius ist ein feiner Kopf/ und Galiani ein ehrlicher Man/ Gelehrter und dienstfertiger Freund. In etlichen Monaten wird seine italiänische Übersezung deS Vitruvii mit dem lateinischen Text erscheinen/ welche ihm und unserer Zeit Ehre machen wird. Des Abends war insgemein eine Gesellschaft von Gelehrten aus Neapel in meinem Zimmer und Galiani fehlte selten. Ich habe von Neapel aus verschiedene Reisen gethan. Zweimal habe ich die Gegenden und Altertümer von Pozzuolo/ Bajä/ N!i- seno und Cumä gesehen. Ich bin nach Caserti,/ 3 deutsche Meilen von Neapel/ gewesen/ um den kostbaren Bau des königlichen Schlosses daselbst und die erstaunliche Wasserleitung dazu, welche über 30 italiänische Meilen lang ist/ zu sehen. Die größte Reise habe ich in Gesellschaft zweier Kanimerherre» des Kurfürsten von Cöln nach Pesto am falernita- mschen Meerbusen gemacht. ES ist eine wüste verlassene Gegend/ wo man/ so weit das Auge gehet/ mir etliche Hirtenhäuser sieht/ den eS ist eine ungesunde Luft daselbst. ES ist an 70 italiänischen Meilen von Neapel. Mitten in diesem Lande stehen 3 erstaunende dorische/ fast ganz und gar erhaltene Tempel in den alten Ringmauer»/ welche ein Vier- ek machen und 4 Thore haben. Die Mauren sind an 40 römische Palmen dik/ welches unglaublich scheinet. Man findet daselbst den Bach von salzigem Wasser/ von welchem Strabo redet/ und viele andere Dinge von den Alten. Diese Tempel sind nach ihrer Bauart viel älter als alleS/ was in Griechenland ist/ und niemand ist vor 6 Jahren dahin Briefe. gegangen. Vielleicht bin ich und meine Gesellschaft der erste Deutsche/ der da gewesen. Diesen beiden PatronS/ denen nich; viel an dergleichen gelegen war/ wurde durch den Graven von Firmiaii/ um mir diese Reise zu erleichtern/ so lange zugesezt/ bis sie sich entschlossen. Den man muß mit allein versehen dahin gehen/ nnd es wurde in Neapel auf etliche Tage dazu die Küche gemachet. Neapel ist ein Ort / welcher bei dem ersten An- blik bezaubert; aber mit der Zeit/ wen die Neuigkeit vorbei ist, wird er ziemlich gleichgültig. Ich kau am besten davon reden, den ich habe alle Vergnügen/ ausser die Liebe/ was ein Fremder haben kaü/ genossen. Es ist kein Banni/ kein Garten/ und kein schatten/ als in engen Gassen zu finden. Der einzige Spaziergang ist am Hafen und am Meer/ beständig in der Sonne. In Rom aber ist die Natur so mannigfaltig/ so entzükend/ daß eS immer iic» bleibt / und die Spaziergänge sind in einer solchen Menge/ daß auch ausser den himlischen Villen auf jeden Tag im ganzen Jahr ein neuer Gang könte geiioinmen werden. Ferner ist die Wuth von Menschen so groß in Neapel/ daß man mit Gefahr feines Lebens auf der größten Straße, Toledo genant/ nicht denken kan: den man muß bei jedem Schritt/ behutsam gehen wegen der Menge Menschen/ Wagen, Kutschen ze. Die Häuser sind mehrentheils 7 bis s Stokwerk hoch/ mit Gängen von Eisen in jedem Stok/ so breit als das HanS ist. Die Häuser mit flachen Dächern. Die Witterung ist nicht so warm/ wie in Rom/ wegen des MeereS/ nnd ich habe im März und April viel Kälte ausgestanden. Die Straße von Rom ist bis Terracina nicht die angenehmste; aber etliche Meilen von Terracina fängt die Via Appia von neuem an und man fährt bis an die Stadt zwischen lau- Winckclmaii. ti>. 42 266 Freundschaftliche ter alte» ziemlich erhaltenen Grabmälern. Vo» ,Fon- di gehet die Via Appia über die Gebirge/ und ist so erstaunend auSgesahren und erlöschet/ daß ich auf der Nükreise den lezteu Tag weder stehen noch liegen konte. Die Neisekosteii belaufen sich bin und her anf 10 Dueaten; die Wirthshäuser sind so erbärmlich/ daß man nicht einmal Fenster in den Ka- mern trift/ und die Betten so abscheulich/ daß man sich nicht ausziehen tan. Demohngcachtct bin ich gesonnen/ den künftigen Sommer in Neapel zuzubringen / nicht in Portici/ sondern anf einem königlichen (schloß nahe an Neapel/ Capo di Monte genaüt/ wo der ganze Schaz von Büchern/ von Gemälden/ von Münzen aus Parma/ unter dem Namen der farnesisehen Galerie betank/ >?ehet. Man hat mir alle Bequemlichkeit daselbst nebst freier Kost angetragen. Die Galerie von Gemälden stehet in 20 großen Zimmern und ist in gewisser Maße beträchtlicher als die dreSdensche. ES sind daselbst vier Stüke der besten RaphaelS/ gegen welche das dresdner eine Kleinigkeit ist. Das Porträt von Leo X, i,i Z Figuren Lebensgröße/ so göttlich gemalet/ daß es Menge nicht höher gebracht hat in PorträtS/welches alles gesagt beißt. ES sind daselbst über 60 Porträts vonTitiaN/ unter andern das OriginalportM von Pabst Paul IN, (Farnese) in 3 Figuren Lebensgröße. Von alten Münzen sind 20 große Tische voll/ und ich habe ganze Tage von Morgen bis in Abend dieselbe mit königlichem besondern Befehl betrachten können. Künftiges Hahr werde ich mich mit den farnc- sisch e» Manuskripten beschäftigen. Von Portici mag ich nicht anfangen zu reden, den ich würde kein Ende sinden. Von den allen Schriften werde ich ein besonderes Werkchen schreibe»; Briefe. 267 bis dahin gedulde dich. ES sind mehr als soo derselben ; aber vier sind allererst aufgewikelt: den man kan in ^ Stunden nur einen Finger breit auflösen. Drei sind von demselben Verfasser/ Philodc- mns/ einem epikureische» Philosophen. Das erste bandelt von der Musik; das andere ist das zweite Buch von einer Rhetorik; das dritte ist das dritte Buch von einer Abhandlung von Tugenden und Lastern. Das vierte war noch nicht ganz ausgelöset/ und da der Titel zu Ende der Schrift stehet/ so weiß man den Inhalt und Verfasser nicht eher/ als bis man an'S Ende komt: den der äusserste Umschlag ist mit dem Anfang der Schrift nicht zusammen zu bringen. TaS erste ist von 39 Colonneii/ nur jede von L Finger breit/ von ^ i Reihen. Derjenige/ welcher diese Sachen besorget/ ist Mazzoechi/ La- nonicnS der Kathedralkirche/ ein gelehrter Man/ aber von 77 Jahren und halb kindisch/ daher nichts zu hos- / scn/ so lange er lebet. ES ist auch das erste Stiik nur abgeschrieben. Man halt die Sache so geheim/ daß ich nicht so viel lesen könne»/ um mir einen Bcgrif zu machen. Unterdessen bin ich so lange umher gegangen/ wie ein schleichender Dieb/ bis ich eins und das andere erwischt/ wovon ich Gebrauch machen werde. Von den alten Gemälden werde ich in dem ersten Theil meiner Schrift handeln. An dieselbe lege ich izo die leztc Hand und hoffe in zwei Monaten fertig zu sei»/ um alSden für den Druk die Abschrift zu machen. Herr Wille in Paris hat mir zwar zwei Verleger geschaffet, welche den Bogen mit einem Dueaten bezahlen wollen; ich bin aber Willens/ es Walthern anzutragen ohne gesezten Preis. Er soll den Druk aus's Aller- ^ vrächtigste/ wie ich eS ihm vorschreiben will/ veran- > stalten / und mir/ nach dem der Abgang sein wird/ nach Belieben ein Geschenk machen in Geld oder 268 Frcmldschaftlichc andern Sachen. Meine Absicht ist allezeit gewesen, und ist es noch/ ein Werk zu liefern/ dergleichen in deutscher Sprache/ in was vor Art es sei/ noch niemals an'S Licht getreten/ um den Ausländern zu zeigen, was man vermögend ist zu thun. Mir sind wenigstens nicht viele Bücher bekant, in welchen so viel wichtige Sachen/ fremde und eigene Gedanken/ in einen würdigen Styl gefasset sind. Ich bin voller Ungeduld, wen ich gedenke/ daß du es vielleicht mit einer Entzüknng lesen wirst. Diese erregte ich bei dem Graven H irmian / dem ich nur ein kleines Theil vorgelesen/ und er machte mich darauf Andern bekaiit/ als einen Man/ der unserer Nation Ehre machet. Ich rede/ wie ich dcnke^ Du wirst mir diese Eitelkeit zu gut haltend) Der schöne Beili hatte gesagt/ da er in Nom das erstemal auf dem Theater erschien: „ Die Nö- „ nier sollen erfahren/ was Schönheit ist und kaii." Ich wünsche/ daß man aus meiner Schrift lerne, wie man schreiben und würdig sich und der Nachwelt denken soll. In dieser eigenen Versicherung werde ich die Zuschrift an den Kurprinzen so abfassen, daß Prinzen lernen sollen/ daß nicht wir/ sondern sie sich eine Ehre daraus zu machen haben, ihren Namen an der Spize eines solchen Werkes zu sehen. ES wird nicht ohne Irrtümer sein, weil vieles nur auf Muthmaßung hat müßen gebauet werden: aber auch wider diese wird nicht leicht etwas Wich-- tigerS zu bringen sein. Ich will nicht hoffe»/ daß du diesen Artikel jemand wirst wissen lassen; den diese Aufrichtigkeit würde mir ausser dir keine Ehre machen. In etlichen Tage» gehe ich nach Tivoli/ mich zu erlustige» und eine Statue zu messe». Ich warte izo a»f Geld aus Polen und mir il? immer bange, daß es ausbleiben wird. Ich bin sehr Briefe. 2L9 bloß izo; den »ach dem großen Aufwand in Neapel habe ich mir müßen zwei Sommerkleider/ eins von Seide und von Etamine / machen lassen. Viel tausend Grüße an deinen geliebten Herrn Graven und Herrn Franke. Ich hätte bald eine Hauptsache vergessen: ich habe einige Hofnung, eine Stelle in der Vaticana als Lcriiwre linA»-« Lricc!« zu bekommen, i> ^t>5 Scudi oder 7 Ducaten monatlich/ wofür ich nur 6 Mouat im Jahr/ und in dieser Zeit zwei Stunden täglich/ in der Vaticana zu erscheinen habe. Bekomme ich diese Stelle/ so werde ich mich in Rom festsezen: den ich merke / daß ich mich für den Hof nicht schike; ich werde zu ekel und zu frei in der Wahrheit. Überschikc die Einlage an Herrn Walther -- Wallliei'i Lonseiller de Lomiuerce etc. librsire du kvi » Vresde etc. An Wille. l Nach Paris, z lRom/ im Mai t758.Z Es ist schon einige Zeit her/ daß ich an Sie mit dem Paket des Kardinals Pafsionei schrieb/ ohne daß ich von Ihnen die geringste Antwort erkalten. Ich theilte Ihnen eine Stelle aus meiner Geschichte der Kunst mit/ nämlich eine Beschreibung des Apollo. Heute schreib' ich Ihnen mit der nämlichen Gelegenheit/ damit unser Briefwechsel Ihnen nicht zu kostbar wird/ und wen Sie ein Viertelstündchen für mich übrig haben/ so können Sie mir Ihre Briefe ohne alle Kosten mit dem Paket des CardinalS zukommen lassen. Herr MengS/ der Ihnen viele Grüße sagen läßt/ hat seine» Frefcoplafond in der Kirche des hei- 2/0 Freundschaftliche ligen EnsebiuS vollendet und fangt izo zwei Altarbilder an für die Kapelle des prächtigen Palastes des Königs von Neapel in Caserra. Für jedes Bild erhält er 600 Seudi. Erst vor kurzem habe ich den zweiten Theil der I^LcI>Lict><:s >1' ^nücjuit) in der Galerie wohnen/ wo der Pater della Torrein Gesellschaft mit mir wohnen wollte. Ich sollte mit Entschuldigung meines Stillschwei- Ei» Berg ganz nahe bei Neapel, >ro die sarIIefische Galerie sieht. Nieolai. 272 Freundschaftliche genS meinen Brief anfangen / aber ich wollte mich gerne wegschleichen; ich kaii auch in der That nichts zu meiner Entschuldigung vorbringen, als den Mangel an Zeit/ und den Überfluß von Nachrichten/ in welche ich mich fürchtete mich einzulassen. Liebster Freund! wen ich gewußt hätte/ daß nur mein Feind riethe nach Portici zu kommen/ weil ich in Anwesenheit des HofeS nicht Bequemlichkeit finden würde/ das Museum zu sehen/ so würde ich noch mehr bedauren/ daß ich nicht nach Florenz gegangen/ und/ was mir nicht wieder so wird angetragen werden / angenommen shabe^. ES waren schon ehe und lange vorher/ ehe ich gekommen / Anschläge wider mich gemacht; sogar/ daß man mir alle Hofnung absprach/ die Königin zu sehen. Ich bin an 6 Wochen in Portici gewesen/ und habe bei demjenigen Paters gewöhnet/ der die alten Schriften auflöset: solange nicht wegen der Vielheit von Sachen / sondern um zu einigen Geheimnissen zu kommen/ welches Zeit erfordert. Von Portici aus bin ich ein paarmal die Woche nach Neapel gegangen/ um deS Duca Carasfa Noja Münzen zu sehen/ mich mit dem Marchese Galiani zu unterreden/ und bei dem Herrn Graven von Firinian zu essen. Mit diesem habe ich fonderlich eine besondere Freundschaft gemacht/ und ich halte ihn für einen der Würdigsten unserer Nation. Nach Nük- kunft deS HofeS/ und nachdem ich die Königin gesprochen/ von welcher ich mir den Band von den alten Gemälde»/ und das Werk von Caserta auS- gebeten / ging ich nach Neapel zurük. Meine vornehmste Beschäftigung ist zu Capo di Monte/ und sonderlich unter den griechischen Münzen gewesen. Hch bin unter andern 3 ganze Tage vom Mvr- j) lCamillo Paderni.Z Briefe. 275 gen bis an den Abend da gewesen/ und der Pater della Torre ließ deßhalb die Küche daselbst machen. Ein paarmal habe ich die Neise »ach Pozzuo« lo und Vajä gemacht. Ich bin nach Caserta gewe- ftn und nach Pestv/ wo ich die fogenanten 3 Tempel, das Erstaunendste und Liebste für mich, gesehen. Die ganze Ringmauer dieser alten Stadt Po- sidonia stehet noch, und ist an /i» römische Palmen dik. Ist es nicht wunderbarlich / daß niemand davon geschrieben? Zu Portici habe ich theils mehr, theils weniger gefunden, als ich gedacht. Die Sachen von alter Bildhauerei sind ausser den beiden Statuen zu Pferde theils mittelmäßig, theils schlecht. Einige von den Gemälden übertreffen meine vorgefaßte Meinung. Und Chiron und der junge A chi lle S sind viel schöner/ als das Kupfer von denselben, welches eine Arbeit von einem Menschen ist, der nicht denken kan. Über das Werk von den alten Gemälden habe ich dem Mar- chese Tanncei die klare Wahrheit/ wie ich denke/ gesagt/ welches er sich vielleicht von einem Menschen/ der wie ich den Einfältigen macht, nicht vermuthen war. Künftig mehr hicvon. Ich bin fast gesonnen/ etwas anfzusezen von den Gemälden, so wie von den alten Schriften/ von welchen ich besondere Nachrichten geben kan. Meine Arbeit von dem Versuch einer Historie der Künste ist in ihrem ersten und theoretischen Theil angewachsen: theils durch die Gelegenheit zu neuen Gedanken/ welche mir die Sachen/ die ich gesehen habe, gegeben haben; theils weil ich auf meiner Neise an nichts sonst vornehmlich gedacht habe. Ich wünschte sehr, sie Ihnen lesen zn können. Ich werde noch ein paar Monate daran arbeiten, und als- daü/ weil ich alles in'S Neine geschrieben/ zum Druk Anstalt machen. 27! Freundschaftliche Herr Nagel >) hat mir 2 Schwefelabgüsse ge- gegcben/^) für welche ich herzlich danke. Sollte Ihnen ein Punkt in der alten Bildhauerei einfalle»/ über welchen Sie einen Zweifel hätten/ und welchen Sie gerne möchten erkläret wisse»/ so merke» Sie denselben: es würde mir Gelegenheit gebe«, darüber zu denken und zu schreiben. Ich hoffe künftigen Herbst nach Kloren; zu kommen/ und ich gedenke schon izo beständig an diese Reise/ und vielleicht komme ich alsdan mit inciner gedrukten Schrift in der Hand. Der Himmel gebe Gesundheit u»i> Friede. Ich ersterbe :e. AII Mllzel - St 0 s ch. lNach Florenz. Z Noi», den t5 Juu. t75S Freund! ^er höchste Titel menschlicher Würdigkeit! Nehmen Sie ihn bloß und ohne Beisaz von mir an. Einen Freund wie Sie zu gedenken/ erfordert/ sich bis an die Gränzen der Gottheit zu erbeben. Ihr Schreiben läßt mich an nichts anders als an dessen Inhalt gedenken / und an ein Glük/ wie das meini- ge ist/ welches den Großen in der Welt verborgen bleibet. Ich bin mit nichts als mit Neisegedanke» beschäftiget/ und ich hoffe/ eS soll mich nichts als etwa eine nahe Erhebung des CardinalS Archinto auf den römischen Stuhl zurükhalten. Man redet viel von dieser Wahrscheinlichkeit/ die mir fast gleichen Ein Maler aus Nürnberg, ker sich lange in Rom aus' hielt. Nicolai. 2) lNämlich von Muzel-Stosch.Z Briefe. 275 gültig ist/ bis auf die Gelegenheit, welche sie mir geben würde/ einen ehrliche» und tugendhaften Man zu zeigen. Es wird sich in diesem Monat äusser»; wo nicht/ so eile ich/ das Angesicht meines Freundes zu sehen. Mein Freund! der Himmel will mir wohl: ich habe keinen Mangel uud habe übrig/ die Reise thu» zu können. Ihr Anerbieten aber bleibt mir ein ge- schäzteS Denkmal von hohem Werth. Ein Gleiches ist mir geschehe» seit meinem Aufenthalt in Neapel/ von zween Menschen/ die ich nicht persönlich kenne: Herrn Wille in Paris, und Füeßly i» Zürich: l) ein Bezeige», welches der Meiischlichkcit »nd unserer Nation / fruchtbar an Freunden, Elire macht. ES würde seine» Werth bei dieser Gelegenheit verlieren: ich will es mündlich erzähle». Wen es irgend möglich ist, so suche ich zu Anfange des künftige» Monats abzureisen. Der Cardinal^) hat mir zwar aufgetragen, ein Verzeichnig seiner Bibliothek zu machen; da dies aber wegen dcr Weitläufigkeit und der gewünschten Ordnung keine würdige Arbeit für mich ist, so liegt mir dieselbe nicht sehr am Herze». Des Duca di Noja Münzkabinet ist in seine» enge» Gränzen etwas Vollkommenes und hat mir sehr viel Einsicht gegeben; aber seine Samlung von Steine» ist sehr »»erheblich. Man muß dessen Be- sizer als einen Neapolitaner betrachten, welcher als einer vo» Stande ei» Charlatan von Geburt ist. Er scheinet im übrige» ein ehrlicher Man, der aber arm ist, und sich auf feine Münzen einschränken sollte. Ich gehe izo umher »nt dem Zirkel und der lMan sehe den Vr. a» Fiießl>> v, April; anMuzel- Stosch v. lZ Jmi. I75S und die Biographie S. I^XXXIV. z 2) l?lrchinto,1 276 Freundschaftliche Vleiwaage/ die alten Statuen zu messe»/ und bedau- re / daß ich nicht eher mit mehr Ernst auf dergleichen Untersuchung/ die mich sehr erleuchtet/ gedacht habe, Ich lebe und sterbe der Ihre/ stvlz über sol- chen Freund ans meinem Vaterlande:c. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florcnz.z Rom/ den 27 Ju». t75L. o ^ch war so hizig/ abzureisen/ daß ich den folgenden Tag/ nachdem mein voriger Brief abgegangen war/ mich hiiiseztc/ und dem Cardinal meinen Entschluß schriftlich meldete. Ich sagte niemand etwas davon, um keine Erinnerung zu hören; es war aber vielleicht gut, daß ich noch Zeit hatte/ meinen Zcddel wieder zurükzunehmen. Liebster Freund! ich glaube/ daß wir beide in ein paar Monaten sehr viel arbeiten könten/ und ich glaube / daß Sie mich in etwas niizlich finden würden Gott hat Sie zum Besizer eines so großen Schazes gemacht; wurde eS Ihnen etwas verschlagen/ wen der Todesfall nnserS theuern Stosch zwei Monate später erfolget wäre / und wen Sie eine zugestoßene Unbäßlichkeit verhindert hätte/ früher Hand anzulegen? Ich urtheile ohne allen Unterricht von Ihren Umständen; aber mich dünkt/ es würde Sie nicht sehr aus Ihrem Zirkel sezen/ wen dasjenige/ waS mit dem Monat August hätte können geendiget sein, im October fertig würde. Ich will nnd muß Theil an Ihrer Arbeit haben; es würde aber fast unbesonnen sein/ wen ich izo von hier gehen wollte. Gegen daS/ was die Fremden in gegenwärtigen Um- Briefe. 177 Diden herziehet/5) bin ich sehr gleichgültig/ und gehe keinen Schritt darnach; ich will mir aber auch nichts' vorwerfen. Die ersten Tage des Septembers ^,bcr will ich abreisen/ es mögen die Umstände sein, nie sie wollen. Das Glük, was ich durch den Archin- to hoffen köiite/ sollte mich nicht blenden/ sondern Man wollte ich ihm ausnehmend zeigen/ wie ich habe denken lernen/ und alSdaü wollte ich bei mir die Liebe zum Vaterland über alles erweken und den römischen Pomp verlachen. Der vornehmste Grund/ der mich bis dahin bindet/ ist eine alte Schuld. Sie wissen/ Archinto hat mir den vorigen Winter 60 Scudi aufgedrungen; ich kan wahrhaftig so sagen: den ich wollte sie ihm zunikge- bcn/ da mein Geld ankam. Ich habe allezeit gesucht/ keinem großen Partieulier verbunden zu sein/ der sich eine Herschaft über mich anmaßen kan; und ich habe beschlossen/ diesem Manne keine Gelegenheit zu geben / daß er sich rühmen könne/ mir Gutes gethan zu haben. Ehe ich das Geld nehmen mußte, war er mir verbunden/ izo aber ist die Gelegenheit/ aus meiner Schuld zu kommen. Ich arbeite wie ein Esel/ um das Inventarium der Bibliothek zu endi- M/ und alsdan bin ich quitt/ und habe noch voraus'. Binnen dieser Zeit wird der Pabst gemacht scin/ und die große Hize gehet vorbei. Ich wurde sehr unzufrieden fein/ wen Ihre Arbeit keinen Anstand haben köntc/ und wen Sie genöthiget wurden/ Ure Wohnnng aufzugeben. Hätte ich gewußt / was Sie gemacht und machen wollen/ fo würde ich gewiß die neapelsche Neise nachgesezet haben. Überlegen Sie die Sache aber mit einigem Vornrtheil für meinen Wunsch und geben mir/ sobald eS möglich/ Aachricht. Den ersten oder zweiten September wer- !) lDic Pabstwahl.Z L78 Freundschaftliche de ich / so walir ich Freundschaft kenne, abreisen. Ich endige in dieser Hofnung meine Schrift nicht. Der Himmel gebe/ daß es auf Ihrer Seite möglich sei. Ist derjenige, der über das großherzogliche Münz- kabinet gesezt ist/ ein menschlicher Man, und könte man mit Muße die Münzen daselbst sehen? Haben Sie/ oder finden Sie Nachricht von dem Münzkabi- «et von Faucault/ welches aus' griechischen Münzen bestehet/ und von dem lezten Herzog in Parma gekauft wurde? Ich wünschte eine kleine Nachricht, Die Briefe an mich gehen richtig, weil ->1!-, c»ii- eeUeiia darauf gesezt ist; oder entsehen Sie sich, mich um ein paar SouS zu bringen? Köiite ich Zh. nen liier etwas arbeiten, so werde ich mich freuen, wen Sie mich gebrauchen wollen. Freunde muß man verbinden, und Verbindungen von ihnen auf sich laden, aber von keinem Großen. Ich erwarte mit Schmerzen die Antwort auf meinen Antrag, und ersterbe:e. An Kaspar Fiicßly. lNach Zürich.) Rom, tc» 27 Jul. 175», ^Lch habe den Man in Ihnen gefunden, den jener Weife suchte, und einen Freund, welchen die Ernic- driger der Menschlichkeit vor einen Phönix hallen. Es ist mir gelungen, was ich gewünfchet, in dem Lande, wo sich der Saame der Redlichkeit erhalten, und wo die Freiheit, die den Geist erhebt, auch fä> higere Seelen zur Freundschaft bildet, einen Freund Briefe. 279 zu besizen. Dieses Glük soll nicht blos durch die Sehnsucht unterhalten sein, und ein Spiel dcr Ein» hildung bleiben: cS wird der Tag kommen/ und er ist vielleicht nicht weit/ da ich das Land/ wo ich die höchste Würdigkeit unseres Geschlechts und den cdeln Fiieß ly finde, sehen werde. Hhr Schreiben lässet mich sast fühlen, daß ich incht wie Sie ein Bürger eines Freistaats bin; und ich kan mich nicht dahin erheben, wohin ich wollte/ um Ihnen so erhaben, wie es Ihr Schreiben verdient/ -u antworten. Ich lasse Ihnen den Sieg; so wie das Verdienst/ und der Vorzug in unserer Freundschaft Ihnen bleibt, l^ber meine Schrift werden keine Bedingungen gemacht: ich will die Zufriedenheit haben/ ohne niedrige Absichten zu arbeiten. Menschen/ wie wir/ sind edler als Geld / und es sei cin Fluch geachtet/ etwas weiter zu erwähnen. Bin ich aber jemals' furchtsam gewesen, hervorzutreten/ so ist es izo; den die Wichtigkeit der Sache wird mich den Augen aller Welt ansfezen. Wir wollen daher nicht eilen. Hch bin auch von dem Cardinal Archinto in eine mir unwürdige Arbeit versenkt/ nämlich ein Verzeichniß seiner ansehnlichen Bibliothek zu machen/ welche mir viel Zeit verlieren macht. Die Dunkelheit der künftigen Umstände hat mich bewöge»/ mich dieser Arbeit, welches keine Pflicht ist, zu unterziehen, — den ich genieße nichts weiter als den Gebrauch und Wohnung in desselben Bibliothek. Ich bin sogar gewillet, wen die Zeit der ühlen Luft vorüber ist, das ist, im September noch einmal/ und zwar zu Wasser/ nach Neapel zu gehen: den es sind ganz kürzlich zwei kleine Gemälde gefunden/ die nach der Beschreibung/ welche man mir macht/ schöner sein müßen/ als alle, die man bisher gesunden. ES ist auch von neuem cin unversehrter Kasten mit Schriften gefunden. Diese Reise/ weil ich nach Sicilien ohne 280 Freundschaftliche Zeitverlust hinüber segeln kan/ ist in einem Monat geendiget/ und wird mir leicht/ weil ich viele Freunde stnde. Mein bester Freund daselbst aber, der Grav von Firmia»/ Minister des wienerischen Hofes/ gehet ab von da als erneuter Großkanzler in Mailand. Durch denselben/ oder durch den Nuntius in der Schweiz / wird vielleicht ohne Kosten künftig unser Briefwechsel gehen können. ES fehlen mir ferner gewisse Nachrichten in dem Kapitel von dem Styl veralten Hetrurier; ich inusi daher/ wen es die Zeit erlaubt/ Tofcana durchreisen. Alles soll künftigen Herbst geschehen. Ich habe inir alsden nichts vorzuwerfen/ und die Schrift kan zu Anfang des Winters unter die Presse kommen. Ich wünschte die Ruinen von Athen gesehen zu haben / allein man muß seine» Wünschen ein Ziel sezen. ES wird die höchste Belohnung für mich sein/ weil ich der Nachwelt würdig geschrieben zu haben erkant werde. Mein Verlangen / ihre würdigen Schriften zu lesen/ von welchen in Neapel und auf der Reife nach Porto, wo die wunderswürdigen drei dorischen Tempel stehen/ (und also ehe ich Herrn WilleS Schreiben erhielt/) gesprochen wurde/ muß ich zufrieden sprechen bis auf eine andere Anscheinnng.— Ich muß Ihnen dieses Räthsel erklären. Ich reiste mil zwei cölnischen Kammerherren und einem .Hamburger dahin/ und da wir zu Salerno zu Schisse gingen/ wandten wir unsere Augen nach unserm Vaterland zurük/ und redeten da/ wohin wenig Deutsche gekommen lind/ von denen/ die unserer Nation Ebre machen. Und der Hamburger / Herr von Volk m a n, sagte mir Stellen aus Herrn G e ß n er S Z d y l l en vor. Ich ersterbe :c. Nachschr. Ich werde einige nicht bemerkte Stelle«/ sonderlich aus dem Plato und Aristoteles/ Briefe. 281 griechisch in den Noten druken lassen; ich wünschte aber/ daß man schöne Lettern haben könte; dieses würde mich bewegen, »och eine und die andere zu- zusezeii. Es bat der gute Geschmak in dieser Art seit Robert Stephani Zeit in der Welt verloren 5 eS ist kein Licht und Schatten mehr in den griechischen Buchstaben. Ich werde verstanden werden/ weil ich mit einem Künstler rede / und gewisse Abkürzungen (Abbreviaturen) gehören zur schönen Form/ und geben ihnen die Runde und die Era- tie>>) ES köiite geschehe»/ daß ich mit der Zeit et» waS Griechisches druken ließe. Die Leipziger glauben / ihr ConstantinuS Porp h » ro g e ne t u s sei ein Muster eines griechischen DrukeS; die in Glasgow bilden eS sich auch ein: in meinen Augen ist es ein verhungerter und schäbiger Contur von Buchstaben. ES ist eine fast unmerkliche Hebung und Senkung/ Schwellung und Vertiefung/ welche den Buchstaben die Gratie gibt; aber dieses Wenige ist nicht jederman begreiflich/ und macht in allerhand Kunst den Unterschied des Meisters. Robert Step hall» S war eS in der griechischen Drukerei.— An Kaspar F ü e ß l y., (Nach Zürich.I Rom, den 5 Mgust 5755. (V ^sch habe in Herrn WilleS Schreiben auf das Ihrige/ welches ich an Herz und Mund gedrükt/ geantwortet. Dieser Weg aber ist zu weit um. Ich er- öfne also einen bequemern durch den Herrn Nuntius in der Schweiz; meine Briefe werden von nun 12^ 282 Freundschaftliche Nil in dem Einschlag der eigenen Briefe des Cardi- nals Sccre^rio cli 8ti>to, Archintv/ an den Nuntius abgehen/ und ich werde Ihre Antworten durch denselben erhalten. Die Aufschrift wird: ^ Nr. ekelmann, L>tzl!otl»?cair<: lle 8. 15. le Linclin»! ^rcliia- to, 6Lcr>.'t!»i>e Wi werde ich nichts anderes als - selten und noch nicht gestochene oder sonst bekaüt gemachte Basrelief neb- men/ theils von welchen ich geredet/ theils wel- Briefe. che eS sonst verdienen. Die künftige Woche werde ich den Anfang machen lassen. Ich werde die Zeichnungen anf ein großes Format in Octavo (ich wünschte/ daß ich das allergrößte nehmen könte) einrichten lasse»/ damit sie einen deutlichen Begrif geben. Ich weiß zwar nicht/ ob man dort geschikte Künstler hat/ die Zeichnungen/ an welchen ich weder Kosten noch Fleiß und Aufsicht ersparen will/ wenigstens äzen zu lassen; diese Sorgen aber würde ich meinen Freunden aufbürden. Unterdessen wünschte ich ein paar Worte Nachricht. Ich wünschte anch das Maß des größten OetavS bei Ihnen an einem Faden zu sehen. ES würde ja allenfalls größeres Papier können bestellet werden. Die Kupfer erfordern ohnedem Schreibpapier/ und da diese Schrift nicht für alle Menschen ist/ so könte man ja eine geringe Anzahl/ wie sonst gewöhnlich ist/ drukeN/ und den Preis darnach sezen. — Ich bequeme mich übrigens nach der Verschling so edler Freunde lind ersterbe >e. All Muzel-Stosch. lNach Florenz.? Rom/ den 5 August I75S. Theurester Herzensfreund! ^ch habe Ihren lezte» Brief durch Herrn Nagel/ nicht aber den vorigen/ erhalten; es fällt mir eben izo ei»/ auf der Post von Florenz nachzufragen/ welches ich bei Bestellung dieses Briefes zugleich thun werde. Meine Umstände bekommen ein anderes Ansehen/ nicht durch die Veränderung von Rom/ die 2si Freundschaftliche nur Betrügern nüzlich ist/ sondern von Dresden aus'. ES scheinet, daß ich möchte bald zurükgerufcn werden, zumal da der AntiquariuS und Aufseher des MüuzkabinetS des Kurprinzen gestorben; ich schike dem Prinzen izo alle Woche einen schriftlichen Aufsaz im Italiänischen von Sachen/ welche die Altertümer betreffen, l) Ich warte mit Schmerzen auf Antwort schon seit sechs Wochen. Diese Hofnung/ die man mir von Dresden aus freiwillig und ohne mein Sachen gemacht hat/ verändert mein ganzes System; und da ich hoffentlich alle mögliche Muße haben werde/ so will ich Italien noch recht nuzen. Für meine izige Arbeit werde ich keinen Heller nehmen/ um i>twa^I hieraus einen Vortheil zu ziehen. Meine Schrift werde ich suchen zu Ende des Septembers abzuschikcn; sie wird in Zürich geduckt, und Herr Füeßly/ Stadtschreiber des Raths zu Zürich/ hat die Besorgung übernommeu. Sein Schwiegersohn wird sie drukeii/ und ich habe mich alles Vortheils begeben/ um dieselbe auf'S Prächtigste erscheinen zu lassen. Die künftige Woche fange ich an/ die Kupfer dazu zeichnen zn lasse»/ welches an 17 oder 18 Basreliefs sei» werden. Meine größte Noth ist/ daß ich dergleichen durch den MengS muß zu erhalten suchen/ ein Mensch/ der gleichsam dnS cutgegengesezte Ende von mir ist. Sobald diese Arbeit/ welche viele Aufsicht und Kosten erfordert/ wird zu Stande fein/ werde ich nach Beschaffenheit der Nachrichten von Dresden anfangen/ Italien durchzuwandern. Das Untertheil zu Fuße: den daselbst t) (Die sogenante» Vriefe an Vianconi,? 2) sEr bekam nachher aus Dresden Befehl, sein Werk in Sachsen druken zu lassen; wahrscheinlich aus ein WaltherS> Alan sehe den Br, an Muze > - Stosid, V. Mai t7ZS.) Briefe. 2«L ist kein ander Mittel/ und so hat es CluveriuS gemacht. Ich traue keiner neapolitanischen Nachricht. Ich weiß z. B. daß zu Velia/ dem Vaterlande des Zeno von Ele«/ des Stifters der eleatischen Schule vor dem Plato, noch 30 Meilen weiter als Pcsto/ so zu sagen ganze und halbe alte Tempel stehen sollen. Ich muß mir die Zufriedenheit verschaffen/ Dinge gesehen zu haben/ die keiner von allen Deutschen sehen wird. Ich habe dazu ersparet/ und habe nichts als einen Pilgerkittel nöthig/ und auf gleiche Art will ich Toscana durchreisen. Die Gebäude zu Pestv/ l) von welchen vor i» Jahren kein Mensch/ nicht einmal in Neapel/ gewußt/ und die von jeder Zeit vor aller Well Augen sichtbar gewesen/ die ganze Ringmauer der Stadt im Vierek an römische Palmen dik/ welches verwunderlich sein kaii, lassen mich hoffen/ daß die ganze öde und verlassene Seelüfte/ wo die berühmten Städte von Großgriechenland gewesen/ noch viele Nefte habe. AlleS/ wa- ich zu Portici und zu Pozznolo gesehen/ kömt nicht gegen das zu Pefto. Ich kau nicht hoffen/ jemand zu finde«/ der sich zu einer so mühseligen Neise entschließen möchte: dieses soll mich aber nicht abschreien; ich werde auch zur Vergeltung das Vergnügen haben/ Dinge zu sehen/ die niemand sonft gesehen. Sobald ich Nachricht von Dresden erhalte/ werde ich / wo nicht eher/ Nachricht geben. Unterdessen empfehle ich Ihnen, theuresler Freund/ einen Hamburger/ welcher reiset/ wie man reisen muß/ Herrn Volkman. Er hat sich wegen eines Fiebers länger / als er dachte/ in Rom aushalten müßen/ und wird diesen Monat von hier gehe». Er ersuchet mich/ ihm den Zutritt zu Ihren Schäzen zu machen/ welches ich mit einigem Stolz thue; d.eu es ist das t) lZininerkungeu über die Baukunst -c.Z 286 Fremldschaftlichc erste Empfehlungschreiben / welches ich mache; so wenig bedeutend bin ich bisher gewesen. Es beruhet also alles> was ich entschließen kaü/ auf der Verfügung des, KurprinzenS/ welche ich erwarte/ und ersterbe -c. All Muzcl-Stosch. lZ'ach Klorenz.Z Rom/ den li Mgust I7ZZ. ?)aS erste Empfeblungschreiben/ welches ich mache, richte ich an Sie für Herrn Volkman aus Hamburg/ welcher auf seiner Reise nach Italien gedacht hat, wie man denken soll, und reiset/ wie eS unsercr Nation Ehre macht. Er ist mein Freund; in welchem Worte ich alles begreife/ um Ihnen denselben angenehm zu machen. Er besizet selbst eine prächtige Samlung von Bücher»/ Kupfern und mathematischeil Instrumente»/ und wird ihre Schäze mit einem weisen Auge sehen. Wan werde ich dieses Glük haben können? Ich habe mit demselben daS/ was mir das Ehrwürdigste aus dem ganzen Altertum ist / nämlich Pesto gesehen/ und er wird davon die beste Nachricht geben können. Meine Schrift hoffe ich im September zn endigen. Sie wird zu Zürich unter Aufsicht Herr» Füeßlp/ StadtfchreiberS des Raths zu Zürich/ gc> drukt werden. Hzo denke ich auf Zeichnungen von >' oder Kupfern dazu. Ich warte mit Schmerzen auf Briefe von Dresden/ wegen der Hofnung, die mir gemacht ist. Künftig ein MelirereS. Ich ersterbe ?c. Briefe. 287 An Muzel - Stosch. lNach Florenz.) Ziom, dc» t? August 5758. M,'N Sie mich gebrauchen und haben wollen, so komme ich, und ich tan in l i Tagen in Floren; sein. Ich erwarte darüber ein paar Zeilen von Ihnen, und damit wir nicht fehlen, wird es am besten scin, durch Herrn Nagel zu schreiben. Ich wurde durch einen listigen Jtaliäner, l) in dessen Händen der Kurprinz stehet, aufgesprenget; und ich glaubte, meine Abreise ans Italien, welche ich wünsche, wäre sehr nahe. Auf sechs Briefe aber, nnd auf eben so viel eingeschikte Nachrichten von Altertümern, habe ich weiter keine Nachricht erhalten. Also kan ich meinem vorigen Plan folgen. Glauben Sie nicht, daß ich ferner unbeständig scin werde. Ich bin Herr über mich, und da ich entschlossen bin, für die Arbeit in der Bibliothek kein Geld zu nehmen, so kan man mir nichts vorschreiben. Ich spreche aus einem hohen Tone/ den ich bin izo reich; das heifit: ich habe übrig. Ich erwarte also künftigen Freitag, d. i. den 26 dieses, ganz gewiß ein Schreiben. Die Kupfer, welche ich zu meiner Schrift werde zeichnen lassen, erforderten zwar mich gegenwärtig; Herr MengS aber hat sich erboten, diese Arbeit zu besorgen; den zu Ende deS Septembers will ich den ersten Theil nach Zürich zum Druk abfchiken. Hch werde die künftige Woche ein paar Tage nach Tivoli gehen, um die Statuen auf dem Markte noch einmal zu betrachten, und um fertig zu scin, abzureisen. Ich !) wi>inconi,Z Freundschaftliche schreibe weiter nichts/ in Hoflinng unserer mündlichen Unterredung. An Herrn Vo lkm an bitte meinen herzlichen Gruß zu machen. Sollte ein gewisser dänischer Bildhauer noch in Florenz sei»/ so gehöre! ihm ein derber Verweis: der Lümmel versprach/ von Florenz zu schreibe»/ und hat sein Wort nichr gehalten. Ich werde also mein Wort halten/ zu Ansänge des Septembers/ wie ich geschrieben/ abzugehen. Ich ersterbe/ mit unendlichem Verlangen und Begierde/ Sie zu sehen -c. An Muzel - Stosch. tNach Florenz.^! Rom/ den 26 August I75S. Theurcster Herzensfreund! ^ch nehme Ihr wiederholtes Anerbieten/ in welchem mir eine ungewöhnliche Freundschaft und Liebe entgegeneilet/ mit eben der Entzükung an/ mit welcher ich dieselbe daS erstemal gelesen habe. Ich habe den Freitag vor Ungeduld kaum erwarten können anS Furcht/ meine scheinbare ttnschlijssigkcit möchte endlich einen Unwillen bei Ihnen erregt haben/ zumal da ich Ihnen ferner nicht zur Haud gehen kau. Ich küsse Ihnen die Hände/ und reife künftigen Sonabend/ als den 2 des künftigen Monats/ also in acht Tagen ohnschlbar ab mit einer Ruhe und Freude/ mit >vett?er ich keine andere Reise werde gethan haben. ES wäre mir nicht möglich gewesen/ daS schöne Tos- eana ohne Sie zu genießen/ ohne den Freund / der mir von Geburt der nächste jenseit der Alpen iß. Der Himmel bestreue Jbren Weg init Blume»/ und lasse mich ein Zeuge davon sein. Hch sollte den Briefe. Gratien opfern/ daß sie meinen Aufenthalt Ihnen gefällig machten: er wird für mich von unendlichem Nuzen/ und voll von Zufriedenheit sein. Meine Schrift/ welche geendiget schien/ wird vermuthlich Zusäze durch Florenz und Toscana bekommen/ die sie Ihnen wird zu verdanken haben. Sie sollen der lezte Richter über dieselbe sein. Unsern theuren Freund/ Herrn Volkman/ hoffe ich also noch in Florenz und gcsnnd zu finden. Machen Sie demselben tausend Grüße; ich hätte vielleicht meine Abreise noch acht Tage länger hinanS- gcsezt/ weil ich sehr viel zu besorgen habe; seine Umstände aber sind ein zweiter Bewegungsgrund ge« wcsen/ die nächste Gelegenheit zu ergreifen. Ich freue mich herzlich/ daß Sie ihn gefunden haben, wie er eS verdienet. Weil der Termin nicht so kurz wär«/ so würde ich von weitem gefragt haben/ ob ich Winterkleider nöthig hätte mitzubringen. Ich muß aber reisefertig sei»/ wen ich könte Antwort haben; also erwarte ich kein Schreiben/ und komme in Person. Ich er« sterbe :e. An Pagliavini. i) lNach Roni.Z ^Florenz, im Sept. t75S.) .V m i o c> c k r i z s i in o! Hc> liceviito I» voztrs lel^era I'orcliniliio 4) Winckelman schrieb diese Briefe zuerst in einem Enl> wurf, und dieser blieb bei seinem Freunde Muzel< Stosch in Florenz liege»,) Winckelmaii. tll. 290 Frcimdschaftlichc eell' inelus?»; il j)0rlLucI<.l!i ^er le inie 1el.lere. I^ei eoluineiaie dal inio via^^io, il mio eom^aß. ZI0 er« Utt inoll.0 nn m^learil.L (_?enevc8e 8Ui^i!il.0si .1 Hlüi-silia; il 8i^. Z^roeaeeie e ua Laron Leeeo e c^iel elie ^li VÄ clielio, il suo ^loeecleie srneiil-isee il l^ueii au^uiio elie l'aria sna 5^ eonee^ire, ecl io nc»n eonsi^lierei uessuno cli antlgr cvQ lui. 8e io sossi stalo solo, io inorivo (li fnme. I^iren/.e non 6 seuxa aver ^0clul.o al- tii ^»iaeeri elie lo seai'laliellare il Ü>IuLeo di 8ie8ell, a»ou luseio lli esser' inv^^llito clell:» eil^la e sl:»i lieolai- zneute tle' dinl-oiui. I ^i^ori I'ioiemiui elie Iio ^iia- l^ie»t.i eioe ^ersoue di ^iimo eol HIiuiLi.i'0 In^-lese, sono ^! nl)at.issiini. I^'inclisei Lle?.^ e l.e sellil^^l-e inuiiiere clel 8i^noi' Lnudiui neu mi zeeüne ^)iini.0 inuiavi^lia ; i ^ikliol.Iieeni'i ll^iino cla esseie cli tal tein^era z^er l.ut.t.0 il inende, e c^uel L^ian, e eesi clire ul^imo le^eiaie cli ^i!,neis 8ü1iei' e eoi'^ese, inn iniea ^uancle si.ava iiella ^1- leria tlel Ii.e. ^lonsi^n. Hlurtini mi ei eonclusse; 1eU^ 1a vesdra 1e^l.eia mi aliancleuo n un ra^a^/.e senxa aeees^armisi z>iu, eini lVüeno inosUnU i eocliei miiiiati, eome »i usa all« Vat.iean-1. ^,'ou aviÄ cla laineut^arsi clella mia inlliLcrel.e^A: l'onoia- iio die lio dal.0, eia onesl^a. nn' nldi'a vella ^UÄnde ei and^o, aeeoin^a^nalo tla ^«inlel^e ^alnnt' uoino, tzli Laie l^uella eera elie ineril.» c^uel vise lla 1) Vandini, Viblicttiekav zu Floren;. Er gab den Kal- liina ch n s, N i ka lid cr, M usau s, ?l v atus und T r»- phiodor heraus. Winckelnians bartes, aber gerechtes Urtheil iider die beiden ersten steht in dem Br. an He»ne v. ZV A-.ärz 1765.^ 2) ?luf die Vibliothek. Nicolai. 3) Der Bibliothekar Vandini. Nieolai. Briefe. 29t Indro, un i^norante di ^>ar suo. Io sendo die c^uell' k,ria mia naMiale all.e^^ia1.a clalla natura di inollesUa mi 5a ^ve^iucli^io, ina non sa^rei violentare il ^enio mio. O^n'uno lia da eonoseere se st.ess0, er ^resurne di cono8Qeie aneora ^1i alt.,!; ina di s^acciarsi ^er antoie ^er 1a ?i8tam^a di rol>a inde^na della ^v8teiita (se avia im ^N8dc> ^)iu i'aliiual.0 di (^uello vlie corre in o^^idi) non da iidolo ^iusto di inerito. Z^vn desiclero di aeeelerarini ^1i aeeiaeelii della vec- cllia^a; in» ini son iisso iin derniino di von ledere ^)iü nLLSuu 1il)io a 5o anni, ^revalendorni allora cli c^ualelie ri^nda^ione, ^er ^)0ter d:re eon dis^re^o-. »0/! co^o^eo etc. ^) ^lonsi^. (^esaii I10 ineoniral.0 da ^Ion8i^. ^nnxio; stava ^er andare in cam^a^na^ ioinado c^ne sara, Io veclro ^iü volte. Voleteini 1)ene e 8a1niate con mille sorne di 8a- lule il nosdio 8i^. ^larco e il vosiro 8i^. eo^nal.0^ e 1a 8i^. 8ua consorl.«, e l.ul.l.a 1a ea8a vosdra. An M e n g S. INach Rom. Z ^Florenz im Sept. t75L.Z L -> rissim » ^ mic 0 ! IIn c^uasi ver^o^ll» Iuks I» Maliern,, ss^el.tau»Io c^ualctio eoa^iunlu»!» k^vorevols t) Diese lezte Periode von ?5on 6?.a die mi clis^euti clell.i s^es»; I>1!> essenclosi ^resenlüt-c voiuiia, converrä sur c^uesta SjieZ!», m!>I,tinz. II zi-ila^o I'iui >) Iin vecluto, niz lo iiveclru^ ll-clliccllci 6 »n uoinci cliviuo, ru» (^iuvnimi » 8. (licivrinni -) I'ioiüritiuo »cin v inic>> Iis^>re?^i>ijj zier lil j^or?.!c e il lilievo cl(.I suc> fiesco. lo sc>nc> aucor» occn^ato a sc,irtc>I><:IIare il Ausnssi>,illl ,-> ü^ur.irsi il ^re/-c> clelle suv raccolte. Lust» s cliie elie vi soiio cl'un clisegnc» originale cli mi>nc> cli Kalliiello, ^iü il' uac> aiiüi ^>iu cli 10 cli Nickel' ^Vn^elo notilti cd suo earcitteie; » rovescio
  • i!»trc> sono cont! cli c»s», e iri uno ^icivsie cli sua inano. 2) Hl« !,-> pürto «ono cose clolle c^usli no» ^>c>ssc> k»r uso, e ^or lini!, serittura 4) non lio trovsto clie !>Icuno ^>iccole nczti^ic. Ic> Ss>erc> cli vocleie il Nuseo Lcrgnclucxlle cli inecl.iAlic: coll' istessc, corninoclo con cui Iic? veclula c^ucillc, cli I^a^oli. II 8tc>scli se r>'e im^egnato > ve- clreirio 5e ^>uc> mantener ^arol». l>scii> trovo nienle cli ^>!>rticol!>r inerito ^er kre^^isr I» uii-c 8torii>. lo cicclo cli tornicre a Homa sul ^>ril>ci^ic> clel Kovcmlire, und so lebhaft dachte, daß er es bei Gelegenheit aufs Papier warf. Der Stolz, mit dem Winckelniaii hier von sich spricht, ist wohl so unverdient und übertrieben nicht; und seine geringe Meinung Von Muratori ist schon sonst bekaiit. Man sehe den !Lr. an H. Fneiilv, V. Z Jun. 1767. Nicolai. j) Das großherzogliche Restdenzfchloß. Nicolai. Z) Iohan Mannoz; i, von seinem Geburtsort im Flo> rentinischen genant «San Giovanni, ein groszer Na> ler, geboren in! Jahre iZSg. Nicolai. Z) Diese so autentisclien Handzeichnungen sind sast alle M dem Schisbruch verloren gegangen, dessen öfter in diese» Briefen erwähnt wird. Nicolai. Die Geschichte der Kunst. Nicolai. Briefe. ^u»l>Uin^»c !>I,t>i,i cla>cz Ii> I»ano cli s->re UN cstaloßo r!l^ic>»»m ilellll piclie o ?!>sle llol 8tc>scli. vo^in I>e»e. I^e ninncln millc some cli sitlutt ^>cr >Ii5tri!>»nle siii> cilrissini,-» consnilo, a nosl-ra Iiuon ?nc1>e, »II« 8i^r>ore, !>II' amieo a U-»on, i, 8i!»i>Icr. Mi clis^enso cli re^ilicar ^>iü volle il 8ij;i>c>r>:.) l^e rasscßno come ^i» Iio jutto 1a mi» cterll» umici?.!«, c resto sier scm^irc elc. An Fran M e n g s. LNach Nom.Z ^Florenz, im Sept. i75S.I N a <1 a m a! Io il clelzido elie I10 cc>nl.i al.l.0 cli proinesse, ms in in.il.erie cli leddeie 80110 im ca^üvo <1edit.0re, ^ardi- evlarmen l.e hiiaiido si enri Donne ll'im ^usic» 6elicai0 e r.iiliiikiiO, c^ual 6 il suo. II Aenerosc» corri- ^nUmeiiiv suo a' miei falli nellv sl^ile ini fa j?in :»iII' .iltro c»nlo <1! potcile linre >IN!> i clel I,el sesso ?iorcnüno. 8i v.inla tanl.» il Iiel snngne >Ij nia non mi ci riiiscitc» per nn(?c>r<»
  • iinor>i»n/ll cli vistn. X 8ien» I,o vc?Nc> rn^a/iiz l>eliine per c^ucl poco clie mi ei ti-.itlenni, c la ,IoI. ce??.i> nec>mpi>l.il>il>.- coll.1 ^oi^ia ?icn'en n NI>, Lc>n ^r.inclissimo sie»l^o ic> eie>1c> eile cpiel «iuonato clel ple>>ec> sia raclcluleitn clalle Donne col- te. II libertinaAAio le ?iorenUue per (piaiito ini vien cteNn pnelli clie le vanno pr.illc.inclo, ü Aiunto all' ullimo scgno. e si parl» sen?.a verua rite^no cli eose clie olleuclercl>l>erc> le oreeoliie cazte cle' Ilomani. Ic> la tratten^o ec>n eiarle, iria ^ion voAlio scc- csrla eoll' erucli?.ione. ?soi> Iic> aneaia Uni 1.0 a scar- iabellsie il l^Iuseo cli 8tosell cla cui sono alloMato, Acxlenctovi tutto il comnioclo, la Kniete, e uns >iel- lissima vecluta. i 8i cle^ni cli conservarmi il 5110 aÜetto, rasse- gnanilomi von mille e mille salnü a nostt-o 8>A. ?ii- col», al 8i^. Z>Iieliel' ^nAelo, e » I,u>,li cli casa etc. An W a l t h e r. lNach Dresden, l Florenz, den 26 Sept. I75S. Euer Hochedelgeboren mir angenehmes Schreiben habe vor einigen Tagen in Florenz erhalten/ wohin ich den 2 dieses abgegangen bin. ES gehet mir überaus nahe/ daß mein Brief einige Monate ^ unter Wegs, oder ich weiß nicht wie in andern Händen geblieben. (Man wird an dergleichen Leute Briefe. ferner nicht schreiben.) Den da ich die Hofnung zu einer Antwort aufgegeben hatte/ so habe ich kurz vor meiner Abreise aus Rom dein Herrn Geßner/ des Herrn Füeßli? Schwiegersohn in Zürich/ meine Schrift und ohne Entgeld oder Gegengeschenk überlassen. Herr Füeßlii, von welchem ich nicht» wußte/ hatte mir eine große Freundschaft ohne Absichten/ mit dem Verlangen/ unbekant zu bleiben/ erwiesen. Ich bekam/ da ich zu Neapel war, einen Wechselbriefzur Beförderung meiner damaligen Neiseii/ welche der Tod des' Pabstes unterbrach. Nachdem habe ich erfahren/ aus wessen Händen er kam/ und da ich kein Mittel sahe / ihm zu zeigen, wie ich es angenommen/ und wie ich denke: so entschloß ich mich/ ihm meine Schrift zu schenke»/ das Allerliebste/ was ich habe und gehabt habe. Ich mache dem Herrn Geßner keine andere Bedingung/ als eine gewisse gesezte Zahl Exemplarien; den es ist eine Arbeit n-cht für Gelehrte/ sondern für Leute/ welche Empfindung haben und denken. Vor dem neuen Fahre aber werde ich die ersten Bogen nicht abschikcn können: den ich habe von Florenz aus verschiedene/ theils beschwerliche/ theils kostbare Reisen durch Tos- cana zn thun/ und ich weiß nicht/ ob ich vor Aus- gang des Decembers werde zurük sein. Da ich diesen Monat wenigstens die Reise bis Livorno thun wollte/ so werde ich wegen des eingefallenen kalten und unfreundlichen Wetters daran gehindert/ (die Natnr selbst ist in Unordnung gekommen/) und künftigen Monat werde ich mehrentheils auf einigen Lust- Häusern um Florenz zubringen. Ener Hochedelgeboren ist die zweite Auflage meiner Schrift bestimt. Die Sache ist zu weitläuf- tig/ als daß ich alles erschöpfen könte/ und da meine Umstände nicht ertauben/ Zeichnungen und Kupfer machen zu lassen/ und dergleichen Arbeit nothwendig 296 Freundschaftliche meine Gegenwart erfordert: so habe ich vieles müsse» zurüklassen/ um nicht ohne Kupfer unverständlich zu bleiben. Die Unabhängigkeit aber und der freie Stand/ welchen meine Untersuchungen und Reisen erfordern/ reimen sich mit keinem römischen Glnke. Sobald ich nach Rom zurükkomme/ mnß ich auf eine andere Reise gedenken, nämlich nach Sicilieir und Calabrien zu gehen; alles blos in Absicht meiner Schrift; und mein Reisegefährte/ ein Schottländer/ arbeitet schon voraus. Ich habe in Florenz ein ander wichtiges Werk angefangen/ nämlich eine Beschreibung der geschnittenen Steine deSHerrn v o n S tosch, in Absicht der Altertümer/ vornehmlich aber der Kunst; allein es gehören Jahre darzu/ welches ich, da man mich rief/ nicht vorher wissen koiite. Man weiß/ daß diese Samlnng eine der beträchtlichste» in der Welt ist/ über welche man/ die Cameen oder erhobenen Steine nicht mit gerechnet, auf 2^l/000 Scudi mit einem englischen Lord im Handel stehet. Unterdessen kau die Arbeit nach dc» Schwefeln und Abdrüken von denselben/ welche ich mit nach Rom nehmen würde/ fortgesezt werden. Der Herr Baron von Stosch/ mein bester Freund, hat bei seinem Sterben mich dazu ersehen. Ich wohne in dessen Hause und habe alle dessen Schäze unter den Händen. Ich bin gesund und mein Körper scheuet keine Beschwerlichkeit; zu Fuße/ zu Pferde/ alles ist mir einerlei. Ein Maß Wein mehr oder weniger thut nichtS/ und ein beständig froher Geist und eine Gleichgültigkeit gegen das Leben / nur es fröhlich zu genießen / machet/ daß ich über die Welt lachen kan. Ich ersterbe mit aller Hochachtung sc. Briefe. 297 An Franke. lNack, Nötlienii.) Florenz/ den zo Sept. 175S. Mir gehet eS wohl / ich bin gesund/ und gesünder als jemals/ ohngeachtet ich ohne Regel der Diät lebe. Mein vieles Reisen trägt viel dazu bei. Ich bin den 2 dieses Monats auf einige Monate nach Floren; gegangen/ theils mich lustig zu machen/ theils zu studiren/ vornehmlich aber von hieraus ganz Toscana durchzureisen/ und alle hetrurische Altertümer von allerhand Art selbst zu sehen und zu untersuchen. Künftige Woche gehe ich »ach Pisa imd Livornv/ nachher werde ich einige Zeit auf den Lusthäusern um Florenz/ bei dem Nuntio Borromeo und andern Herren/ zubringen; alsden gehe ich zu Pferde nach Volterra/ und auf meiner Rük- rcise gehe ich/ wiederum zu Pferde/ durch einen großen Umweg über Arczzv/ Cortona/ Montepul- ciano/ Chiuß/ Perugiv/ Fuligno «. nach Rom. Zch wohne bei meinem guten Freunde/ dem jungen Herrn Baron von Stosch/ und da ich das Glük nicht gehabt/ seinen Vetter persönlich zu kennen/ so habe ich alle dessen Schäze nach seinem Tode unter Händen. Zn seinen lezten Stunden hat er gewünscht/ daß ich einen LstaloAue rsisoime über seine geschnittenen Steine machen möchte/ an welchen ich Hand geleget habe; da ich aber gerne ein Werk/ dergleichen noch nicht ist/ daraus machen wollte/ so weiß ich nicht/ wan ich ihn endigen werde. Es soll im Französischen gemacht werden; ich habe mich zu dieser Sprache bequeme» müßen. Dieses Museum von geschnittenen Steinen allein wird unter 52/voo Ducaten nicht verkauft werden; ausserdem ist das Museum von Cameen.- Der AtlaS/ von dem ich in 29» Freundschaftliche Kurzem keinen Begris geben kan/ wird auf 2^,oos Thaler gehalten. Die Münzen sind ansehnlich. Das Kabinet von Zeichnungen von der Hand Nav haels, Michel Angelos -c. die prächtige Bibliothek ?c. alles vortreflich. Sie können sich vorstellen/ wie ich darinen herumwühle. Des Abends gehe ich in die Opera/ welche in den Städten von Italien auch den ganzen Sommer durch gehalten wird. Mich däncht/ ich bin in Dresden: den die Pilaja singet/ und Lenzi und seine Frau tanzen. Der schöne/ ja der schönste Belli singet zu Lucca. Weil mich nicht die Vollendung meiner Schrift nöthigte/ nach Nom zu gehen / um verschiedene Ka- binete durchzusehen/ so würde ich den ganzen Winter hier bleiben. Florenz ist der schönste Ort/ den ich in meinem Leben gesehen/ und sehr vorzüglich vor Neapel. Ich kan besser als ein anderer Reisender davon urtheilen? den ich war in Neapel bei dem kaiserlichen Minister/ Graven von Firmian/ dem größten und gelehrtesten Manne von allen großen Leuten hoher Geburt/ die ich kenne/ gleichsam wie zu Hause/ und ich habe mehrentheilS bei ihm/ oder dem Marchese Ga lian i/ dem Übersezer des Vitru- viuS/ gegessen/ und hier bin ich wiederum besser als selbst in Nom. Ich hole izo nach/ was ich versäumet habe; ich hatte eS auch von dem lieben Gott zu fordern. Meine Jugend ist gar zu kümmerlich gewesen/ und meinen Schulstand vergesse ich nimmermehr. Künftigen März habe ich schon alle Anstalten zu einer Neise nach Gieilieil und Calabrien gemacht, in Gesellschaft eine» jungen schottländischen Malers, welcher viel Griechisch ka!i. i) Aus diesem wilden unsteten Leben können Sie schließe»/ daß ich meine Freiheit erhalten habe. Man wollte mich dem neuen Pabst vorstellen/ dem man viel von mir gesagt; ich l) lMoriso». Z Briefe. 2.99 habe es aber aufgeschoben/ bis ich wieder komme. Hingegen habe ich auch nichts zu genießen ; allein ich will auch ohne alle Verbindlichkeit leben/ nnd ich habe/ um einem unterdrukten Gelehrten zu helfen, eine Bedienung an der Vaticana auSgeschlagen, welche mir nicht hätte entgehen können/ da Archin to der vertrauteste Freund vom Pabst ist. Ich passirc also für einen Menschen von strenger Moral. An Valentin) t Nach Rom.ü ^Florenz im Sept. oder anfangs Oct. II motivo di c^uesia Iel.dera^ nella c^uale V. 8. ili. si deAni di ^rndire I' 088ec^uio8i83ilna inia servil-u elie le dedieo, ö 1' in^enuo a^el.^0 e ^>er ev8^ dire nn jzlindo sitn^at-eUco e!,e mi 8^)in^e a ^rote8darIe i iniei senüinen l.i di veneraxione ^)ei' la coin^iaeen^a iQSoIiki eile meeo usci sino a vvlsr 8c>11ev»rmi 5,11' alt.o ",adc> rno a' suyi desoii di 1et.derkll.ura e d' arde^ aeeorn- lli f^uella ^ra/iu. elie V. 8. ill. rende undi^ue nmnj)ile^ nl' I1.1 eatüval.0 ialmenle il euvre, eile se von kossi ril.enul.0 dalla manean^a de' deimivi^ ^>0drei uscire in c^ualelle tras^vrio di lenerex/A. inia ^aiten?.!l un ^oco ^)reei^)idada mi ^)iivc) clel ^>iacere di kaeiarle le mani^ 11011 irovando in essa V. 8. ill. li ßivrni Andeeedendi. Na io sl.o di- !lnüeij)ai?linende ^odendo le deli/ie della sua e0nversa?.i0ne, alla c^uale ^>er 1a inia Zinisdra sorde N0N 80N0 ^innl.0 elie tr0^>j)0 iardi. II 80^»I01N0 di ?irenxe ü piu LaNe080 elie de- Ii^iv80 ^>er me : Io 8eaiUlkeIIare il ^Iu8eo del 5u l) Wahrscheinlich ein Neffe des Cardinals Valenti.Z Freundschaftliche Varon cli 8d0seli in' Iia immersci iu t.anto ricerelie non so clove clar e^to nü dove ieiminare. H dise^ni Iio iroval.0 ^areeelii oii^inali cli in.ino cli ^aüaellc)^ presi da cliverse ^idtuie e Arotesokie clie !»rlevra reskavano in ^>iecli a l-ein^io suv. ^li vi'en ^e^tc> cl^e vella su^erl^a raecoll^ cli clise^ni 8. ill. sieno Zimili eo^ie iadde cla e eoevi. ^odimen^o f^i-a il mio^ 5e ^i0l.r0 clars un' oc- jckiaUna a czue' de80ii e ricavarne lurni ^,er il 8a^»iv !<1'una 8toiia civil' ^.ite el^e I10 clisdesa. Io au^uro a V. 8. ill. una viUe^Ai.itura s>ps)^ixi.-,, sTr.isse^nAnclowi con all-issima sdima e con sineers tlivo^iolle etc. An Baldani.") LNach Rom.z lFlorenz. j7S».1 Il Alusec, 8!^. 8tosck von m' iia Isscial» czunsi icsziirarei e I'inAvrcliß^ia mi» snti^uari» i>z Ma» hat i» neuer» Zeiten nicht blos Naphael, sondern auch andere große italiänische Meister beschuldiget, daß sie von alten Gemälde» ihre Ideen geborgt oder ganz hergenommen, und sie da» doch für eigne Erfindungen ausgegeben haben. Man soll noch izt solche alte Gemälde, zum Theil auf Holz, beim Ausräumen alter Svital- kirchen und dergleichen finden. Ja man soll noch vor wenig Jahre» bei der Reinigung der Tiber viele alte Basreliefs und andere Kunstwerke gesunden haben, die offenbar dem Ravhael zu Sriginalien bei seinen so berühmten Log- gi miißen gedient habe», und die von il»» selbst, nachdem er ste gebraucht, aus Begierde, ganz original zu Wissen, sollen versenkt worden sein. IMan sebe G. d-K. 7 B. ^ K- 4 §. Note) Nicolai. 2) Win ekel in ans warmes Lob von diesem vortresliilim Prälaten findet fich unter andern in seinen Briefe» an Franke V.März 57S7 und 4 Febr. l75S> Nicolai. Briefe. 30t ti>rto I' ossecsuiosa coin^.irsa kli fliest» lettcrü. ^1. ^Iiimo in^iesso »cl ^luseu mi lsscini coricre, e INI ^ Ii a kur seniroriu limote sssai ^>r»^c>sitc>; >nn uvenclo ^roval.o <^uel »lie si rlico in. ^iroverliio ^lekeo te>lesclio : cüe // occ^i ^c>»o ^/e//o ^tomsco, lio ritenutc, il ^>sssc> e r»c- cliiuso lo sko^o. ^ll' istan/e ! l'iir« un Lataloßo clelle pieti-e ints^li-llc; ! m» volenclo eviuire I-» nsusi!» ll'un soin^lice in u,! ! sento in^olkato in UN inaro, cl>e ^illicilinente ^>otr!> lciminsre il corso. Nc>n !ic> »ncora linito I» «lasse ^j??i-l. l>son lio oltri arninioicoli ^er iscliisrirnzi e 5i>cilit»r il lavoio clie i ieA»zic>ne. 15 Ijue <üataloAc> llel cui lni ^»il» V. 8. ill. von si ritrovs; la racoolia Aross.'l v ^cneialc IIl ö «lis^ost» nel miglior orclino cl>e si s»>d, M!r non v'ü kiltto so^>r» cke un sein^lioL Liiettcirio lle' titoli clel conteuutc» nellc csssette, I^e ^netre Iü^ii?.ie ?»nno somiuinistranilo ritlessiovi iwll tiiviali^ o vi s»rel>l>e rnoilo cli k-irs ^ualcliv seo- jici-Una, e. A. intorno «l clio ?I>tI>» non livsipo co- ' »usciuto cli ncimc. Äli sonc> »iclil»
  • ocva cl'uns Llinge.^) seconilo lv tratli^ivni «legli sntiolii^ e ml t) Der Magen wird cl,cr satt als die Auge». Nicolai. 2) Es findet sich, tl'o; des svrgfättigste» Nachsuckens/ keine einiige Stelle üver den Gott Phlha in der Bcschrei- bung. Vom Eie redet Win ekel inaii am Ende bei Numero 1426 der 2 Klasse, wo er ein aus einem Scklan- genmnnde kommendes Ei beschreibt. Er erklart dies snr druidische Nelinion, obgleich/ wie er saar, die Idee von den Plionicier» und Ägüvtern kaii gekom, inen sein. Hat Winckelmaii vielleicht Schlange 302 Freundschaftliche ^!>rc ^inilc f» nncor» »»» >,!>rle 5»!> non terminat», come souo insctli lim.isti i,ionll!>?.ionc clcl I>ilo seconclo Ic 1>!>je >1 i I'>o(1c>lci e >1i !)i<»I»ic> 8iculo, IIn' sltri» prot>AbiIit»^ ma clie riescc j>iü clie ^>rof>!,l,ile äi>I confionto >1 i r1»e ^»ietrc, v I» formn «lel canclelzizro »II' ^rco cli lilo ^rcsa oli^in.ilmente clul liore cli I^otus. ?e lil^ii Ll^r.iicj, cle' c^iiAli 1» lil^reria cli cns.-» non solo ü skornila, ma clel tutto m.incsii^«:. Ali seuto füll! c^uülclie «mo- revole ob^e^iorie V> 8. ill. ->IIa c^uille mi riserliu «se cl'una 8tstu» clell' Lluillent. ^lessauclro ^Idani, clclla c^uale sono t^rovati i fr.im- ineiiti a Nlltiuno 1^17? <^os^ le^o al mai^ine clel liliro cli ?rar>c. ^uoio cZel fu tiiA. 8toscli i'Iscri^ionc: und SvhinV mit einander Verwechselt? öder eine M ans und ein Ei? Den unter Numero 34 der t Klasse kömt eine Sphinr vor, die eine Mans beim Sckiwanj im Mnnde hält. Winckelmaii erklärt die Svhinx für eine allegorische Vorstellung des Nils, »nd die Maus für eine älmliche der Thiere, die »achDiodors Bericht lialbgesormt aus deni Scblam des Nils hervorkäme». Genug, es scheint offenbar, daß Winckelmaii nach ge> nauerer Untersuchung geglaubt hat, diese Erklärung M ruknehmen zu müßen. Nicolai. 2) Bei Numero 78 der j Klasse sagt Wi»ek elmai> : „Die >, Lotospflanze gleicht vollkommen dem Leuchter in er- „ hobener Arbeit auf des Titus Triumphbogen; und „ diesen, gleichen wieder die Leuchter der Juden und der „ ersten Christen. Vielleicht waren die ä.nivtischkn heilu » gen Leuchter selbst nach dieser ägiivtischen Pflanze ge> „ bildet; und so war der große Leuchter im Temvel zu „ Jerusalem eine Nachahmung der ägyptischen." Nikolai. Briefe. 303 10-^10^ xnoi«^. ^c>7!c l'istcsso ^^esnnclro olie 1,» I»vc>r->tc> il I^iocoon- e «i!N/!> Llill ic> lie Iiulii-i» iulcso ^»»rlare! 1^0 ni'vvo jiarücol-'lrl:. I cliseAni <1d ^luseo, fr» c^unli I>o trnv.il! ^si-ec- ^I>i clell» «cuolü rcsi c!s ^>eüii cli ^itture iiiiU^Iie e ^rottes^Iie ci^isleii!,i nllorn, mi nus- cee'il ,1esic>erio cli ^otor Nil' occili-liiii» -lU» ks- mos!> r.'lccol >» üminen l. ^legssnciro Ilo xcorio » leuni in-» oon ^oisono 8en?.!> Aenio; ce e nori ^>repzi»tiz. Zoxu^lico, ^lonsiFnore illlistrissimo, »>e .1 8. Uminen?,» I'nrtissima vcnera?.ic>ile inia ^cr su,i covc1e8cenclen?.a insolit» vrrso cli nie, ecl i inilli xciMmenti »Ij ?.io7ie e lii scivitü; I?» <^u»Ie tc>rnc> i> äecliearc a V. 8. ill. e sono <^ual ssru sem^re. etc. All Pagl: a v i n i. lNach Nom.Z t Florenz 17ZS.Z I'ulnina mia letteri» dell orciinsrio scoi8c> 8»r» «!»- 1) Es ist Wunder, daß ?.L in ekel man nicht geschrieben hat: A t h e'n 0 d 0 r als ?l g e sa n d e r < mit nocli einem Dritten, Polvdor, den Winckelman auch siir einen Sohn Agesanders halt,) haben dieses beriihnire Gruro gear> bettet. Davon, und von der hier angesnhrten Inschrift ans dem Fußaestell einer Statne sehe man die G c schi ch> te der Kunst N. 2 K. Z2H. lNB. t K. tt§.?, nur daß man, wie schon angemerkt worden, Polydorus st,M ?lv 0 ll 0 d 0 rus lesen muß. ?! ic 0 lai. 2) Winckelman war damals noch nicht bei dem Cardi, Freundschaftliche ^>it.ata. (!on c^uesta ini s>iß1io 1'ardire d'incnri'carv! della eonse^na dell' inelusa, eolla ^unle Iio voluto rinuoverare In inemoria di nie a^resso c^iesto pre- Inlo di^nissiino ^ e dar^Ii c^uando ^osso c^u.dcliL te- Ltiinonian?.a del inio siveero aKetto. IIn' kl1t.ro servi/io cl^e mi greine assai e di cui nessuno ^ ea^aee elie nrio aniorevolissinio ?^^1ia- rino, ö di skor^are 1a poNa della stanxa inia^ e ^liar dal 1>au1o aleuue eainiseie e inandarrnele. il neßoaio ü un ^o 5ast.idio80 e vuol' essere den' inteso. I^a eliiave della ^iriina 8t»n?.a sara stata con- se^nata dallo 8vi^ero nl inaesl^ro di casa; se In ie- nesse aneora lo 8vi^ero^ sarel)i)e ine^lio e ^iü certo. ' I^a cliiave dell' nltiina slan^a^ in eui stanno i miei iesori^ l.eu^0 10; nia 1a serratura non pi^lia, e noa osdante elie non sia eliiusa ma soeeliiusa^ convenivit cariearsi di c^nesda cliiave, ^er t'ar eredere elie sia eliiusa^ in easo elie si svesse a 5ar' nu cainmina nell' assenea inia. ()ue8ta ^orda dunc^ne e a^erta, <^nant.nuc^ne non lo ji»^a. II liaulo non e serrato. ?i^1ilitene <^uat.iro eainiseie di notte, eioe di tel.T fort.«^ due eon rnanieedti^ e due senna; un eor^et^to di eanevaeeio con inanielie ^ e nn all.ro eor^etto s)arimente eon in.inielie ^er 1'iliverno; e 1a inia ro- l^a da eamera^ elie resta sul i.avolino. 1)i ^uesta non avro tarito lziso^no elie delle eumiseie^ ina sei- vir^ alineno di enij>ile il vaelio ol^c restera ne! Izaulo^ levaione c^nella ^elieeia di mollet.one. Vi Z)reA0 e su^lieo^ carissiino amieo, di für' o^ui cli- Ii^en?.a sier ^oder s^edire c^iesta rol^a eol sirocaecio elie ^arte il ^iorno do^o arrivada c^uesia 1el.teia. lo riinkorsero ^ul.i.e s^ese elie vi vuole ^er 1a iela ince- nal Albani; er kam erst nach dem Tod des Cardinals Archinto i»J. 175? als Bibliothekar zu ihm. Nico» lai. Briefe. 306 Tat» e »Itre Kartelle. Io tornord piü presto elic non I'nvevo clestinsto. Alille ssluti st noslrv 8i^. NIzrco o n tutti cli c»s». Lomjistite lillcommoclo, e tiis^ioiiete llella mia cleliole?^» i» simili !>ccorr<.n?.e. Noil >>o sli^ie csmiscie clie üne, ecl io trcmo cli krec^o; noi> so !t col ^rocnceio ^rossimo, e mi II' vscuro. I-'t letter,'« tu.r!> (!i ?i- i^'n/c?, il» sln su tre liclivoli cli I. R, e »t» molto innlu e sull' orlo «Icila rovinn. Ko- nc Veiis, in ci>e si»mo ^iunti! ?^li ^-iene Io 5lom»co nel solo ^cnsarci ^ e non mi ^otrd coritcncrc ii clcii» t^!»IIeiia sono cieli' istcssa tcm^>er!>> Uno tli ^»csti mi venn>cleso com^>o»imento suo die non s-i^iev!» leA^cre, eenc e rsssegni !» ^ietli äi 8. t) Vermutlilich im Häuft des Cardinals Albani. ??i> c o l a i. 2) Der erste ist ohne Ziveisel Lami, der öfter vorkömt; der zweite der Bibliotliikar Vandini toder auch SZrac> ci, und der dritte Marti ni.Z Nicolai. 13 * 306 Freundschaftliche ^miuenT» In inio »sseis5lii>!>, «livoiiolle, e Araciisci» la mi» servitü clio Iv clotlioo etc. A l! ud e n. lNach Stend.U^ Florenz/ de» jo Oct. t75S. Liebster Freund und Bruder! Ach bin zu Anfange des Septembers von Nom nach Florenz gegangen/ um das wahrhaftig königliche Museum des Herrn Baron von Stosch/ welcher im 66 Jahre gestorben ist/ durchzusehen/ ehe es wird verkauft werden; ich wohne bei dessen einzigem Erben im Hause, welcher ein Deutscher ist/ und da er mit seinen Anverwandten in Berlin Briefe wechselt, so habe ich dir einige Nachricht von meinen Umständen geben wollen. Ich bin gesund und gesunder, als ich in Deutschland gewesen bin/ frei und vergnügt, und ich kaii sage»/ ich habe in Italien erst angefangen zu leben. Im vorigen Frühling habe ich mich an Z Monat in Neapel aufgehalten/ von dem Kurprinzen an die Königin empfohlen/ und habe eine ziemliche Reife durch das Königreich Neapel gemacht. Meine Gelder/ die mir aus des Königs eigner Hand zukommen / fallen richtig/ und für mein Alter ist gesorgt: den es wartet in Dresden eine sehr ansehnliche Stelle auf mich. Ich habe hier in Florenz eine Beschreib» ng der geschnittenen Edelgesteine des Herrn Baron von Stosch/ im Französischen geschrieben/ unternommen/ welche in Holland wird gedrukt werden. Zn gleicher Zeit lege ich die lezte Hand an eine Geschichte der Kunst (d. i. der Bildhauerei und Malerei) des Altertums/ wel- che zu Anfang des folgenden Jahres in Leipzig mit verschiedenen Kupfern wird unter die Presse kommen. Nach dieser geendigteu Arbeit werde ich nach Nom zuriikgeben/ und mich zu einer zweite» Reise nach Neapel und endlich auch nach Griechenland bereit machen. Vorher aber wird in Nom eine Schrift in italiänischer Sprache unter dem Titel: Betrachtu n- gen über die Kunst der alten Ägypter und Perser erscheinen. Meine deutsche Schrift wird etwa 2 Alphabet in Ouarro betragen. Ich habe bisher des CardinalS Archinto Bibliothek in Nom unter Händen gehabt nnd in dem Palast der Caneelleria gewohnt/ ohne Geschenke oder sonst etwas von demselben zu nehmen. Er ist an einem Schlagflnsse gestorben seit meinem Aufenthalt in Florenz; der Cardinal Ale ssan d roAlbani aber/ das Haupt von allen AltertumSvcrstäudigeN/ hat mir ans eigener Bewegung eine Wohnung in seinem Palaste und eine Pension angetragen/ welches ich angenommen habe. Das Bezeigen so großer Cardinäle gegen Leute von einiger Achtung sollte billig in der Welt bekanter gemacht werden/ um auch in Deutschland den aufgeblasenen dummen Pfaffen, die nur ihr Torf und Halle gesehen/ zum Beispiel zu dienen. Ich esse in Nom wenig zn Hanse / sondern allezeit bei einem oder dem andern Cardinas. Die mehresten sind Leute/ die die Welt gesehen haben/ und wissen/ daß der Stolz keine wahre Achtung er- wekt. Der Cardinal Alb ani umarmt mich/ so oft ich zu ihm komme/ und dieses ans wahrer Neigung; mit dem Cardinal Passion ei/ einem fröhlichen Greis von 7» Jahren / bin ist lustig bei der Tafel, fahre mit ihm muZ/ und er bringt mich jedesmal in Person nach Hause. Ich gehe mit ihm auf sei» Lustschloß bei Frascati/ und wir essen in Pantoffeln und in der Müze/ und wen ich es mache/ w'> e? Freundschaftliche haben will/ auch im Hemde. Es scheint unglaublich/ aber es' fst Wahrheit/ was ich schreibe. Da ick nach Rom kam/ fand sich mein Körper nach einer so langen Reise gleichsam verjüngt. Ich machte Freundschaft mit Herrn Mengs/ dem größten Maler/ der seit 2vo Jahren in der Welt gewesen ist; ich lebte mit demselben/ und sezte alle Diät bei Seite und ich fand mich nicht übel dabei; allein der Schlaf fehlte noch. Endlich fand ich eine geruhige Wohnung in der Cancelleria/ und ich fing nach vielen Jahren von Schlaflosigkeit an/ einen ruhigen Schlaf zu schmeken. Ich trinke wider die Gewohnheit der Jtaliäner den stärksten Wein ohne Wasser/ und zu Neapel habe ich den starken Wein Lagrima ohne Regel und Maß getrunken/ ohne mir Nachtheil zuzuziehen. In Florenz habe ich alles/ was zu einem vergnügtem Leben gehört/ bis auf einen Freund/ den ich in Rom gelassen habe. Ich habe die schönste - Bibliothek/ ein Münzkabinet/ ein Museum von geschnittenen Steinen/ welches auf I0/00» Ducaten ge- schäzet wird u. s. w. unter Händen. Wir essen und trinken auf deutsch/ und es fehlt niemals an artiger Tischgesellschaft. Überhaupt Gott und mein gutes Glük hat gewollt und mir eingegeben/ mein Vaterland zu verlassen/ die Partei zu nehmen/ welche ich ergriffen habe/ und ich habe es der griechischen Sprache zu danken/ daß ich in Rom/ ohne mich öffentlich gezeigt zu haben/ in Achtung/ und unter die ersten Gelehrten daselbst gezählet/ gekommen bin. Meine Veränderung >) verursachte/ daß mir viele ÜbleS wünschten/ und Gott hat es besser gemacht/ als ich eS boffen/ ia als ich nur wünschen konte. Ich kan mich entschließen in Rom zu lebe« und zu - sterben; den ich bin gewiß/ wen ich Ernst bezeige, 1) lD-r übertritt zur katholischen Kirche.) Briefe. 309 daß es mir nicht fehlen kan: allein die Dankbarkeit und meine Schuldigkeit nebst der mir bezeigten Gnade des Kurprinzen verpflichtet mich, meinem Vaterlande/ welches mir Sachsen geworden ist/ nüzlich zu werden. Unterdessen habe ich meine vorhabende große Reise gemeldet und erwarte darüber die Erlaubniß. So viel von meinen Umständen. Melde sie meinen aus ganzer Seele geliebten Freunden und Wohlthätern, Herrn Naßbach und Herrn Fulß. Ich wünsche, daß sie gesund und ohne Kummer leben und mir gewogen geblieben sind. Das Andenkn solcher wahren Menschen wird beständig bei mir leben, ich sei auch wo ich sei, in was für Umständen. Es bat mich dieser Tagen ein wichtiger Man der herrnhurischen Gemeinde, Herr Dr. Coßart aus Zittau, in meines Hause in Florenz besucht: er kam aus Ägypten, mW war im Begrif gewesen mit einem gewissen Dr. < Haker aus Gotha, nach Habissinien zu gehen. Dieser hat die Reise angetreten, vermuthlich in Sachen und Absichten der Gemeinde. Coßart ist von hier nach Rom und Neapel gegangen/ und ich habe ihn an dem lezten Ort an meinen größten Freund/ den kaiserlichen Minister, Herrn Graven von Firmian, einen der würdigsten Menschenkinder auf der Welt/ empfohlen. Ich gehe in einer Stunde nach Livorno und muß also schließen. Grüße alle meine andern Freunde und Bekante»/ insbesondre unsern theuren Pastor Kühze in Außhern; ich gedenke vielmals an die theuren Seelen und wäge mein Glük gegen das ihrige ab. Zulezt mache ich meine Empfehlung an die Frau Doctorin und ersterbe mit wahrer Neigung und Freundschaft ?c. Nachsch r. Willst du mich mit einer Antwort beehren/ so schike dieselbe blos in einem Umschlage unter folgender Ad resse nach Berlin! ^ Nr. I'I>iIi^>« sle 1,1 Villll cle Zio Freundschaftliche An Volk m a n. l^Nach Paris. Z Florenz, den l Dee. t7^S. Theurester Freund! ÄUeine eselsmäßige Arbeit ist mir fast unabsehlich, und ich weiß nicht/ ob ich sie werde endigen. Ich habe in meinem Leben noch nicht so stark gearbeitet. Aber Noth bricht Eisen, und meine Hülfe aus Polen ist aus. Unterdessen liat mir der Herr Cardinal Alex an der Al ban i sein Haus'und einen kleinen Gehalt freiwillig angetragen, welches' ich angenommen, und seit der Zeit gehet unser Briefwe.M alle Posttage. Neulich bekam ich ausser der gewodn- lichen Antwort, von ihm unterschrieben , noch zwo Seiten von seiner eignen Hand hintenan geschrieben,. von Sachen, die Altertümer betreffend. Ich habe seine kostbare Bibliothek, die non ü si-,«,» zpol- und Zeichnungen unter den Händen. Meine Schrift ist nun bald an einem gesegneten Ende: aber man hat mir zu verstehen gegeben, daß ich sie muß in Sachsen druken lassen. Ich lasse hier zwei Kupfer dazu, und die übrigen in Dresden machen. Die traurigen Umstände daselbst und die weit aussehende Noth in Sachsen, werden mich nun endlich nöthigen, Messe zu lesen. Der Cardinal erbietet sich, mir das erste vacante Venesicium, das von ihm abhänget, zu geben. Werde ich genöthiget, diese» Schritt zu thun: ! Unterdessen ist die Reise nach Athen fest beschlossen, mit dem, was ich hier gewinne, und meine Schrift gehet zu Ausging dieses Monats ab. Nein Glük ist, daß ich einem Manne diene, der Briefe. baar und richtig bezahlet/ nichts schenket, weil er niemals übrig hat; allein, der mich als Freund halte» wird, und zu dem ich vom Anfange unserer Be- kantschaft das Vertrauen habe, welches mir Archin- to nimmermehr erwekt hätte. Ich habe einen langen Schluß an meine Schrift gemacht, wo ich mir einige Freiheit nehme, und mir noch mehr nehmen würde, wen ich ganz gewiß wüßte, wie ich izo glaube, Deutschland nicht wieder zu sehen. Um Ostern werden Sie es lesen können; also ist es überflüssig, Ihnen einen unvollkommenen Begrif davon zu geben. Der Nuntius hat eine andere Gestalt gegen mich angenommen, da Archinto todt ist; ich bezahle ihn aber mit gleicher Münze, zumal, da er von meinem neuen Engagement nichts weiß. Passio- nei ist sel>r empfindlich über dasselbe, wie ich höre. Ich bin mir aber der nächste, und will nicht als ein Pedant meine Zeit verlieren. Meine ganze Zuschrift wird in zehen Worten bestehen: Sr. Königl. :e. widmet dieseSchrist der Verfasser. Mein Brief, wen ich so fort schreibe, wird aussehen, wie ein Magen von Leuten, die vier Stunden essen. Entschuldigen Sie mich mit der wenigen Zeit, die ich habe. Sollten Sie glauben, daß ich könte in ein Mädchen verliebt werden?—Ich bin eS in eine jnnie Tänzerin von 12 Jahren, die ich nur auf dem Theater gesehen habe. Hch glaube aber, eS ist in ganz Paris keine solche Schönheit; allein ich will nicht ungetreu werden. Meng 6 bat des PabsteS Porträt geendiget. Ich werde iym keine Nu!.'e lassen, bis ich ihn bewege, nach Neapel zu geijen. Gehen Sie zum Marquis d e C r o ix m a re - seine beiden Pastelle auf Holz zu sehen, und vergleichen 212 Freundschaftliche Sie dieselben mit dem de la Tour. Ich habe dieser Tage das Porträt des Prinzen von Wallis, vom Hcrrn Wille/ gesehen. Ich bin erstaunt/ daß mensch- > liche Knnst so weit gehet. Diese beiden Leute sind den Deutschen das/ was Äeibniz war. Ich wünsche Ihnen eine dauerhafte Gesundheit und mir baldige Antwort. Ich werde vor Ende des LanuarS nicht von hier gehen. Ich bin mit aller Hochachtung und Freundschaft?c. An Franke. lNach Nötheuiz.1 Florenz, den I Jan. 175?. ^Lch bätte Gelegenheit gehabt/ aus dem stoschi- i sehen Museo mein Systema fder Geschichte der K un stZ zu erweitern; allein mein deutscher Kopf ist hartnäkig und will sich nicht theilen; ich habe alle meine Sinne und Gedanken zu der gegenwärtigen Arbeit nöthig/ die schwerer ist/ als die ich in Nö- theniz gemacht habe; den von dieser kam nichts auf meine Rechnung/ und hier soll ich viel und etwas Gutes in kurzer Zeit machen. Den wen ich die Beschreibung des Musei a»S dem Gröbsten entworfen habe/ so werde ich anfangen die besten Steine und Pasten in Schwefel für mich gießen zu lassen/ wobei meine Gegenwart nothwendig ist/ vhngeachtet ich alles schon in Sigellak habe. Die zweite Ursache der Eilfertigkeit ist der Entschluß/ den ich gefaßt habe/ im März zurük nach Neapel/ und wo möglich nach Griechenland/ dem Archipelago und Constantino- pel zu gel,en/ in Begleitung eines schottländischcn Maler?. Ich bin zwar gleichsam von neu ein in Dienste Briefe. getreten/ als BibliothekariuS des Herrn CardinalS Alessand ro Albani/ und zugleich als Aufseher über die, Zeichnungen und Altertümer; da er aber will/ daß ich mil ibm auf dem Fuß der Freundschaft stehen soll/ so schränkt mich dieses gar nicht ein. Zu meiner Reise hoffe ich Beiträge von einigen Freunden zu erhalten. Dieser Tage ist hier mein alter Freund von Neapel (den so nennet er mich) der Herr Grav von Firmian, erklärter Großkanzler des Herzogtums Mailand und Statthalter des Herzogtums Mantua, durchgegangen, dem ich mein Vorhaben be- kant gemacht. Von allen Menschen/ die ich noch bisher in der Welt kennen lernen/ ist dieses einer der größten/ weisesten/ menschlichsten und gelehrßeit Männer, l) Er hat mir nach und nach die besten Stcl« leii aus meiner Schrift abschriftlich abgelokt. Ich glaube/ wen ich eS einmal sollte müde sein in Rom, wie ich noch nicht «offe/ so köiite ich mich entschließen/ den Siz meiner Ruhe bei ihm zu erwählen; den wir stnd nicht sehr unterschieden im Alter/ und er wird schwerlich heirathen. Ich lebe hier wie in Nö- tbeniz; ich habe nicht Zeit auszugehen/ ausser des AbendS zuweilen in die Opera/ oder in die Komödie. Ich wiinschete nur einen meiner alten Freunde hier zu sehen / und köiite ich weiter nichts thun, so würde ich mit einem Glas vom besten Wein aufwarten. Mein Slosch hat für mich einen Vorrath von Wein angeschaft/ den ich in einem halben Jahre nicht endigen werde/ ohngeachtet ich stark nnd als l) Lessing hat mir bei seiner Rükknnft aus Italien eben dieses versichert. Er rnlimte, ausser den erhabnen Eigenschaften seines Geistes und Herzens sewe vorzügliche Bekantschast mit den wichtigsten literarischen Produeten der Deutschen, und seinen unbegranzteu Eiser, die Künste und Wissenschaften in den dortige» Gegenden immer mehr auszubreiten. Daßdorf. Winckelmaii. to. iä Freundschaftliche ein Deutscher trinke. ES ist ein weisser Wein, den manVerdea nennet, den man wie Wasser trinket; cS ist nur ein Wein für Leute, welche schön bleiben wollen; aber der rothe kan einen Menschen umbringen/ der so viel trinket, wie ich. Ich weiß^ es wird Ihnen an diesem albernen Zeuge, was ich schreibe, nichts gelegen sein; ich hingegen finde eS viel angenehmer , als von großen Sachen zu reden. Wen ich Zeit habe, so werde ich, ehe ich meine kleine Aeise antrete, etwas im Italiänischen drukcn lassen. Nach meiner Neise aber soll einige Nachricht von den herculanischen Schriften an das Licht treten. Unterdessen hat nunmehro die Hülfe aus Zion ein Ende, l) Ich murre aber nicht; den ich will gerne die allgemeine Noth mittragen. Ich bin arm und habe nichts: aber ich genieße eine stolze Freiheit, die ich nicht für aller Welt Schäze gäbe. Ich bin ziemlich gesund und lebe gut. Was will ich mehr! Ich habe dieser Tagen den ^icik>i,->(Z<: kariciuiia vom Aretino gelesen, (den in dergleichen Büchern ist die stoschische Bibliothek vollständig), ein abge- schmakteS Buch. Das allerunzüchtigste Buch, was die Welt gesehen hat, ist betitelt: ok-> Woman ok ^Ie»8ure, in 8. Aber es ist von einem Meisterin der Kunst/ von einem Kopf von zärtlicher Empfindung und von hohen Ideen, ja in einem erhabnen pindarischen Styl geschrieben. 2) Wen un- t) Der Beitrag zum Unterhalt/ den cr bishero durch die Hand des königlichen Beichtvaters Leo Rauch erhalten hatte. Daßdorf. 2) Dieses Buch ist voller Wii; aber leider übel angewew det. überall ungewöhnliche Bilder und Gleichnisse von wohllüstigen Sachen. Ein Auszug davon in französischer Svrachc ist: I'ille (Zuvrsge tluilitesscuciä Briefe. ser beider Freund HerrLippert noch lebet/ so sei cr tausend und aber tausendmal gegrüßet; ich wünsche, daß cr fröhlich sein könne. Ich habe ihm einc ' Samlung von Schwefelabgüßen / die noch erst soll gemacht werden/ zugedacht. In Rom ist keine Samlung von geschnittenen Steinen/ als bei den Jesuiten. Die Barbaren, die Engeländer/ kaufen alles' weg/ und in ihrem Lande siehet eS niemand als sie. Das sto sch i sch e Kabinet von alten geschnittenen Steinen/ welches der Erbe Dueaten schAzet/ und die alten Münzen werden vermuthlich auch nach Engeland nnd zwar an den Prinzen von Walliö gehe»/ so wie dieser bereits die große Sam- liuig von Abgüssen neuer Münzen für tovo Dueaten erstanden hat. Herrn Lippert wünschcte ich die große Samlung von Schwefeln von allen Steine» in der Welt/ so viel man hat haben können; eS sind deren an l-^ooo. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz, z Roi»/ Sonnabends, l) Liebster Freund! Air lezteS Schreiben bat mich cntzükt. Wie glük- lich sind Sie, und wie herzlich nehme ich Theil daran! In Florenz Hütte ich geglaubt/ alles selbst zu genießen. Ich habe nicht fertig werden können wegen mühsamer Nachsuchung/ wobei ich ganze Vücher durchle- l? W i n ek e l>» a n war in Floren; s NIvnat geblieben. Nun folgen seine Briefe nach feiner Zuriikknnst in Nom>l 316 Frcmidschaftliche sen müßen: heute über « Tage aber sollen Sie dieses und was ich heute von dem Proeaeeio') hole/ alles zusammen abgeschikt bekommen. Was den Druk des KatalognS in Florenz betrist, ^ billige ich diesen Einfall/ wen man gute Lettern und französische Sezer hätte. Was die Charaktere betrist/ diese können in Rom so gut/ als an einem Ort in der Welt geschnitten werden, und Sie sollte» in dieser Arbeit nicht einen Pfennig übertheuret werden. Den Sie wissen, daß der Abate Ruggieri einer meiner guten Freunde ist, und dieser ist über die Buch- drukerei der Propaganda gesezet, welche Formschnei- der unterhält. ES komt nachdem darauf M, ob Ei- Gelegenheit haben/ den Katalognm zu debitiren. Nach Engeland ist eS leicht/ aber nach Deutschland ist es uugemein schwer. Den Handel aber verstehe ich nicht. Ich freue mich/ daß das ägyptische Kapitel in's , Reine geschrieben ist. Mich dünkt, so wie Sie es ge- sezt haben/ und wie eS vorher stand/ sei ziemlich gleichgültig. Sie werden ans meinem Schreiben an den Buchhändler Dyck sehen/ daß ich nicht völlig brechen will: aber ich will mich auch weder grämen, wen ich die Schrift zurükerhalte, -) noch mich wegwerfen. Bekomme ich sie zurük/ so will ich noch einmal alle meine Kräfte anspannen; ich würde eS so lioch treiben, als eS möglich ist. Ich bilde mir ein, daß Walther t) Eine Art von Landkutsche,— Winekelman bekam!>a, mals vo» seinem Freunde die von ihm selbst in Florcm aufgesezten Bogen des Katalogs geschikt, welche aber erst i»'s Französische mußten ilbersezt werden, Nicolai, 2) lBr. «n Salomo Gekner v. 17 Jan, Briefe. 317 dawider eingekommen ist/ da er erfahren hat/ daß dic Schrift einem andern Buchhändler übergeben worden/ und daß dieses dic Ursache des langen Stillschweigens sein können. Unterdessen werde ich doch nunmehro erfahren/ woran ich bin. Sie thnn mir eine fehr gütige Anerbietung/ für welche ich Ihnen die Hand küsse. Sie sind mir aber nichts' schuldig/ als was ich für Briefe und Sachen ausgelegt habe. Diese kleine Rechnung werde ich Ihnen bald schiken/ weil ich mir ein schlechtes weißliches Herbstttcidchen wollte machen lassen/ um nach den heissen Monaten etwas herumlaufen zu können. Ich muß es für ein Glük achten/ daß ich durch Sie Gelegenheit erhalten/ viel zu lernen/ zu sehen/ und den Ort, der mir der angenehmste und liebste auf der Welt ist/ kennen zu lernen/ und zu genießen. Ich muß mich auch im übrigen nothwendig gewöhnen/ mit dem Wenigen/ welches ich richtig erhalte/ auszukommen: den ich sehe vorauS/ daß dic Dürftigkeit meine treue Gefährtin fein wird/ von der ich mich auch nicht trennen will. Ich preise Gott/ daß ich Gesundheit und em zufriedenes Herz habe/ welches nicht für Geld zu kaufen ist. Sie sind mir aber auch keine Verbindlichkeit schuldig/ den ich habe mein eigen Werk getrieben/ und ich wollte gerne noch ein ganzes Jahr daran arbeite»/ ohne müde zu werden. Künftigen Mittwoch ein Mehrercs. An M u z e l -- S t 0 s ch. l Nach Florenz. Z Rom Zuerst antworte ich auf Ihr kurzes Schreiben/ ohne 213 Freundschaftliche Tag lind IM', vom Dienstag/ wie ich aus dein gestrigen Schreiben sehe. Sie haben vielleicht gezweifelt/ daß ich den einen Heft nicht unverzüglich znrük- schiken möchte. Dieses ist geschehen nach vier Stunden / da ich das Paket holete. Ich bin zu sorgfältig in meinen Sachen / als daß ich fehlen sollte. Die Antwort deck lezten Schreibens fange ich billig mit dem Wein an. Ich sage Ihnen tausend Dank/ und versichere Sie/ daß kein Liebster an seine Geliebte öfter denken wird/ als ich beiden, Genuß dieses mir süßen und fröhlichen Getränkes tlnin werde. Zzo aber ärgere ich mich/ daß ich mein Verlangen gar zu deutlich habe merken lassen. Ihre Nase ist gar zu sein, und man muß sich wahrhaftig in Acht nehmen. Ein paar Worte/ die ich entwischen lassen/ werden den Begrif eines ehrlichen Mannes von mir bei Ihnen um ein vaar Noten heruntersezen. Jzo merke ich/ daß ich übel gethan habe/ ich besorgte eS schon vorher. Zzo ist nichts anders zu thu»/, als das Geschenk anzunehmen/ sich zu schäme»/ und (ein wenig Schaani gehet bald vorbei) es in Fröhlichkeit zu genießen. Herr Nagel soll nicht vergessen werden. Sollte es noch Zeit sein/ so wäre es gut/ das Kistchen mit Wein unter dem Namen des Herrn Cardinals^) abgehe« zu lassen. Hch kan die Vorrede/ das A v e r ti sse m e»t und den Titel/ ja wen Sie wolle« / daS Register in Rom druken lasse»/ um die List ihres Buchdrukers fruchtlos zu machen. Die Vorrede ist kaum angefangen/ aber ich habe viel dazu gesamlet. Den ich wollte dieselbe ohne alle Kritik anderer Arbeiten nüzlich machen durch seltene und fremde Nachrichten/ und weil ich köiite/ ein Muster würdiger Vorreden daraus machen. Sorgen Sie nicht/ auf meiner Seite soll nichts t) l'Albani.l Briefe. 313 versäumet werden. ES thut mir leid/ daß ich von einem Proeaecio zu dem anderen warten muß. Sobald ich den Katalogum erhalten werde/ sezc ! ich mich darüber her, streiche auS/ und theile ihn auS/ lind sänke ein paar Stute auswärts'-. AuS den Briefen ist vielleicht etwas zu sammeln. Der Herr Cardinal/ welcher alle Briefe von Ihrem Herrn Vetter aufgehoben bat/ hatte mir schon vorher dieselben durchzusehen angetragen. Die Kupfer werden den- ienigen Stille» von der Beschreibung/ welche Sie verschenken wollen/ ein großes Ansehen geben; ich bitte mir oder 6 dergleichen ans: ich habe unter andern eines an den Marchese Tanucei/ ein anderes an den Graven Firmian,- und ein drittes an den Grauen Wacker barth zu schiken; und der Cardinal P as- sionei muß eines haben.— Ich hätte wohl 3 Zeechinen nöthig/ so viel und mehr beträgt schon das ausgelegte Geld/ welches ^ Sie vielleicht befremden wird. Den künftigen Son- abend schike ich die Rechnung. Sie können daS Geld mit den Heften überschilen; den es hat keine Eile. Ich verlange auch nicht mehr/ und mhme durchaus keinen Zeddel an/ ich würde ihn wieder zurükschiken. Nicht mehr als 6 Zecchini: mehr habe ich nicht nöthig. Künftigen Soiiabend ein MehrereS. An M ll z e l -- S t' o s ch. l^Nach Florenz, Z Rom/ Sonnabends 1759-l Liebster Freund! > Ich habe Ihren Brief mit den 10 Zecchini erhalten. Hätte ich mein Maul gehalten/ wäre es gescheider ge- 320 Freundschaftliche Wesen; ich werde mich aber künftig in Acht zu ncl> inen wisse»/ daß ich keine Gelegenheit gebe zu Gelder- pressungen. Unterdessen sage ich tausend Dank: mehr tan ich nicht geben. Vielleicht haben Sie sich vorgestellet/ die Auslage sei ungemein hoch hinauf gelaufen/ weil man Sie hat lassen 10 Paoli für ei» einziges kleines Paket bezahle»: ich habe niemals mehr als 3 bis 3 ein halb Paoli zahlen dürfen/ und das lczte kostete nur >6 Bajoechi. ES war aber dermaßen Aedrükt/ daß Sie es noch sehen werde»/ wen es wieder zu Ihnen kömt. Ich schikc Ihnen drei Hefte von der neuen Abschrift. Zwei von der ersten Abschrift habe ich noch hier behalten um der griechischen Stellen willen/ welche ich in meinem ersten Entwurf Vielleicht nicht haben »lochte. Es liegen ein paar Bogen Zusäze dabei/ welche Ihnen Mühe machen werden. Allein fassen Sie Muth: es ist nichts anderes zu thun; ich muß izo fortfahren zu singen in dem Tone/ in welchem ich angefangen habe; es sind Sachen, welche nicht ein jeder wisse» ka»/ u»d die dem Publicum nothwendig angenebm sein müßen. Beigelegter Brief an Mr. Saint Laurent') betrift zwo Zufäze/ die er gemacht bat. Sollte ich Ihnen ineiiic Meinung sagen? Er hat geglaubt/ weil ich nichts über diese Stelle geredet habe/ habe ich eS entweder übersehe»/ oder nicht gewußt. Er betrügt O Joannon de Saint Laurent, aus Lion gebürtig, Mitglied verschiedener Akademie», bekaiit durch seine Bemerkungen in der Naturgeschichte, die vorzüglich die Pol»ve» betreffen, durch Untersuchungen iiber die Edelsteine der Alten, war ein Freund des verstorbenen Baro» Stosch, Er besorgte die über- sezung der Beschreibung des Kabinets in's Zranzostsche; und hat selbst einige Artikel davon ganz ausgearbeitet, als: den von den Gesäßen, von den Schissen und dem Seewesen der Alten. Nicolai, Briefe. sich: ich habe über eine ganz bekante Sache/ die zumal nichts bedenket, nichts sagen wollen. Er wird die Höflichkeit l>aben und eS ändern. Er hätte endlich sehen sollen, wie ich verfahren bin: wo ich von der gesuchten strengen Kürze abgegangen bin, sind es Sachen, die noch nicht gesagt sind. Ich hoffe, der KataloguS soll als ein Inventarium von den besten Werken der Kunst können angesehen werden; und ich glaudete, daß Sie sich denselben könten theuer bezahlen lassen. Ich glaubete, man könte eintausend Exemplare zum allerwenigsten druken lassen: ich bin versichert, daß er werde gesucht werden. Den einer, welcher Rom mit Nuzen sehen will/ wird ihn unentbehrlich nöthig haben. Ich freue mich, daß Sie den Druk selbst besorgen wollen; aber hat man gute Lettern in Florenz? Hch zweifele daran. Ich würde Buchstaben wählen / wie die in CavluS seinem Werke sind. Überlegen Sie das Format; mich däucht, in Oetavo wird es zu stark werden; oder man müßte 2 Bände machen, welches nicht wohl einzutheilen sein würde. In O uarto wäre eS bequemer. Künftigen Mittwoch werde ich Ihnen Nachricht geben von dem Formschneidcr: ich würde bei den fünf Helden/ und bei dem Tydeus^) anfangen. Ich frene mich/ daß Sie einen Besuch vom Brüh!2) gehabt haben, und noch mehr über ein gutes Zeugniß von Ihnen. Wan er sich meiner bedienen will, so will ich ihn führen, wie ich wünschete/ daß jemand Rom sehen möchte; und dieses nicht aus Absichten, sondern mich wieder bei seinem Vater in den Credit zu sezen, den mir Heinecke abgeschnitten hat. t) lDenkmale, Num. loZ — <06.Z 2) LDcm jungen Graven.Z S22 Freundschaftliche Man könte vorläufig ein Avertissement in einige» Zeitungen von unserm Katalogo drukcn lassen, damit man wüfite, was man sich zu versprechen bat. Was die Ordnung des Katalogs betritt, so sehe ich nicht wohl e-n, wie sie die vorige Ordnung verrufen kau: eS bleibet alles an seinem alten Orte, ausser den ZlbraxaS und den Griffen,') Anstatt, daß wen'ger Klassen sind, werden mehr SeetioneS. Z>en wen wir eS nicht so'machen, haben wir viele einzelne Glieder, die kein 5?aupt haben. Thun Sie einen andern Vorschlag, ich bin nichts weniger als eigensinnig. — Künftigen Mittwoch ein MehrereS. ' Nach sehr. Mit den Kövfen werden Sie nachher, wie izo stehen; unterdessen soll eS nicht an mir fehlen. An M u z e l -- S t o s ch. c??ack> Florenz, z Rom, den 2 Feiertag lvon Pfingst,) t75?. ^ch werde Ihnen heute den Heft, au Lorendini gerichtet, schiken, welchen ich drei ganzemal durchgesehen habe, und es ist kein Punkt zweifelhaft gelassen. Hn dem Hefte liegen einige Zusäze, welche mir theils nöthig, theils niizlich schienen. Der Wein ist noch nicht angekommen. Ich habe gebort, daß ei» paar Barken wegen widrigem Winde nicht in die Mündung der Tiber einlaufen können; ans denselben, vermuthe ich, wird der Wein sein. Überlegen Sie noch einmal reiflich, cb Ihnen Vondueci wird Wort halten: den ich bauete nicht viel auf dasselbe. Ich er> 1) Viese beide» Artikel sind gegen das Ende.) Briefe. 323 innere Sie blos wegen Ihres eigenen Interesse. In der römischen Geschichte habe ich eine große lutherische Reformation vorgenommen; aber ich werde die Kövfe nicht in eine strenge Ordnung sczen können, weil ich nicht wissen kaii, welche Steine oder Pasten sind; den jene müßten billig allezeit vor diesen stehen; eS ist mir ein saurer Bissen. Der Schwefels) welchen Sie mir als einen Herkules schikten/ ist eine andere Figur; den sie bat einen Schild neben sich stehen, und die Paste ist schlecht, daß nichts herauszubringen ist. Von dem andern Schwefel habe ich wenigstens etwas gesagt, wie Sie mit Bleistift geschrieben in dem Hefte sehen werden. An Muzel-Stosch. LNach Florenz. Z Rom, den S Febr. 1759. Endlich habe ich den Beweis gefunden, daß einige römische Soldaten den Degen auf der rechten Seite getragen: eine Stelle, welche, so viel ich weiß nur von einem einzigen Menschen bemerket worden. Diese Stelle kömt in die Vorrede.-!) Ich bitte mir i) Nämlich ein Abguß in Schwefel, Die in Schwefel heissen ?lbgiifsc; die in Si gelwachs heissen Ab- driike; die in Glas, Porc e ll a n e r d e :c. heissen Pasten. Nieolai. 2> Die Stelle ist Von Johannes Antiochenns, lind der einzige Mensch ist Sa lma fins. Sie beweifet, daß die x'rätorianifchen Soldaten, zum Unterfchied von den ander», den Degen an der rechten Seite trugen. ^Beschreib, d. geschnitt. Steine, 2 Kl. Numü Nicolai. Freundschaftliche für den Pater Paciaudi einen saubern Abdruk ans in Sigellak von dem Herkules mit dem Drei« fuße; er will ihn lassen in Kupfer stechen. Meine Abdrüke können ihm nicht dazu dienen. Notab. Vergessen Sie nickt das vermeinte alte Si- gel/ welches unter den persischen Steinen stand / an feinen Ort hinzusezen/ ich glaube nach den Der schöne, ja der schönste Belli^) ist gestorben, wie Sie wissen werden. Was sagt M —y?2)— Ich traure vielleicht eben so viel um ihn/ als sie. Was Lami sur große Unwissenheit in der Literatur haben müße/^) ersieht man aus der Beschreibung des Steins vom Marchese Rinuceini in den 5>l>v«IIe letlei'-ilie in einem der neuesten Blätter. Wan ich ihn nicht wegen unserer Schrift schonen mußte, wollte ich ihm in der Vorrede eines anhängen. Mit einer Kritik des Herrn Mariette kau Ihnen ein Genügen geschehen/ aber es müßten sich die Zeiten ein wenig ändern. Ich erwarte die Vorrede mit großem Verlangen. Nunmehro glaube ich/ daß der Wein in der Algierer Hände gefallen. In meinem Leben nichts wieder zu Wasser. Er wird dem nicht wohl bekomme»/ der ihn trinkt; deil ich habe einen Haufen Flüche und Verwünschungen iiachgeschiket. An M n z e l - S t o s ch. lS.ach Florenz-Z Nom, Mittwochs t75?.Z Aie Arbeit in Holzschnitten ist angefangen/ und j) lDer Sängers 2) lMiladv Orsvrd.Z 3) lB > og r a p h i e S> XLII.) Briefe. wird sehr wenig kosten. Der Mensch, über welchen der Abate Ruggieri zu gebieten hat/ wollte oder kolite keinen Überschlag machen von den Kosten; er will nach der Zeit rechnen. Ich kan künftigen Sonabend die Hefte noch nicht abschiken! sie sind zu wichtig. Es ist sehr viel verschrieben in derOrthogr a p h i e. Suchen Sie doch ausser dem Herrn Abate Bnonaccorsi noch jemand anders, der das Griechische Übersicht; es ist mir bange dabei. Vielleicht ist der sogenante Baron du Han^) durch Florenz gegangen; er ist verivichenen Sonabend vlözlich von hier gerciset, bat aber seine sogenante Frau schwanger zurükgelassen. Sein ganzes Museum hat er dem, der mehr Antheil daran hat, abtreten müßen. Er wird zunikkommen, wie cr schriftlich hinterlassen hat. So viel man gewiß weiß, ist, daß cr von Ansang seines Aufenthalts bis izo -ioo Scudi vom Könige von Preußen gehabt hat: dieses hat cr seinen und meinen Bckaüten gestanden/ und davon hat cr gelebet; und weil er über dieses Eesezte gegaugen, hat cr Schulden gemacht. Suchen Sie ein rnkigeö Herz zu erhalten ES ist Unglük genug, daß so viel tausend Menschen um einen einzigen unglüklich werden; glüklicb ist der, der weit vom Schuß ist. Ich würde in andern Umständen sagen, Gott habe Sie lieb gehabt. Sie find in Ihren schönsten Jahren: lind obgleich ein Dichter sagt: in Vierzigen sei mit dem Leben nicht zu scherzen, so muß hingegen eine Gesund» heit, wie die Ihrige ist, zehen Jahre vor wenig achten. Wen uns Gott leben läßt, hoffe ich noch in Fröhlichkeit ein GlaS Vino di Chianti mit Ihnen zu trinken. Ich ersterbe :c. t) lÄiogvavhie S- L5XIX.1 326 Frenndschaftlichc An M n z e l - S t o s ch. ^ l Nach Flvrcni. Z sRom i75!>.Z Äie Hefte sind angekommen/ aber ich habe sie »och nicht abholen könne». Ich werde sie mit ungewöhnlicher Behutsamkeit durchgehen: den je näher es zu»? Druk gehet/ je banger wird mir/ und ich werde vielleicht mit einem scharfen Messer an diese lezte Arbeit gehen. Die fünf Worte der Helden sind fertigt) kosten mir aber einen halben Zecchinv/ also das Stük 2 Paoli/ welches mir viel däucht. Ich habe mich noch nicht erkundiget über diese Arbeit; ich werde aber einen genaueren Handel machen für das übrige. Unterdessen ist die Arbeit sehr gut gerathen. Da Hhr Accord auf 3 Zecchini das Tausend geschlossen ist/ scheinet eS mir viel zn sein; und mich däucht/ eS würde genug sei»/ wen man 60» Stükc druken ließe; den diese Schrift wird nicht für alle und iede Menschen sein. Bedenken Sie sich hierüber/ die Kosten lause» zu hocl> Mt den Schiffen halten Sie eS wie es Ihnen gefällt. Bedenken Sie aber/ daß kein einziger Artikel einen solchen Schwanz hat/ und daß dieses die ganze Symmetrie deS Werkes verrükt. ES hatte» ja die Vasen fast eben so viel Recht/ am BakchuS angehänget zu werden, als eS die Schiffe beim NcptunuS haben. Mr. Saint Lanrent hatte sich die Arbeit ersparen können. Von den Alten ihren Schiffen sind ganze Bücher geschrieben, und man wird ihm nicht viel Dank sagen/ weil man glaubet/ er habe alleS/ was er gesaget/ in eilicm l) lDenkmale Num. 1VZ.Z Briefe. 327 cinzigeir Buche finden können. Ich habe seine Arbeit nicht dnvchgelesen. Was würde es auch geholfen haben; ich hätte ja doch nichts' ändern dürfen. Ich befürchte, er werde sich das' zweitemal eine bittere Kritik aus Mangel des Hudieii zuziehen. Ich kau nicht begreifen, warum sich von dem Lottatore^) mit dem Namen xoinicz-l', welchen Herr Zldamo gestochen, den ihr Herr Onkel der Milady Hold er ließ geschenket hat, kein Abdruk oder vielmehr keine Paste sich findet. Mit dem Leben des Herrn von Stofch wünfche- te ich verschonet zu bleiben Ich würde es zu kurz machen, als daß eS Ihnen gefallen könte. Hat den Bnonaeeorsi^) gar nichts gemacht? Ich erinnere Sie an das Blatt von Ihren sicilianischen Münzen, oder in Ermangelung dessen würde ich Sie, wen es nicht zu grob schiene, ersuchen, mir von ein paar der allerältesten Abdrüke oder Pasten machen zu lassen. Ich habe sie zu meiner Schrift nöthig; dieselbe kan ferner nicht in Sachsen gedrukt werden, wen ich sie Walt Hern nicht lassen will! den dieser gibt vor, cr habe schon die Privilegia darüber erhalten. Folglich soll sie gar nicht gedrukt werden; den um sich an mir zu rächen, wird cr sich auch ein Privilegium von den Schweizer CantonS haben geben lassen Wen sollte Friede werden, werde ich sie auf meine Kosten, um mich zu rächen, in Berlin druken lassen. Ich werde sie aber ganz und gar umarbeiten. Der König in Neapel läßt das ganze Museum von Parma einpaken, und man sagt eben dieses von den 1) lRingcr.Z 2> Ein vertrauter Freund des verstorbenen Baron Sto sck, und ein gelehrter Man, der aber nichts schreibe» wollte. Er starb bald »ach seinem Freunde. Nieolai. Z2S Freundschaftliche hcrculanischen Sachen. Man wird also künftig eine Reise weniger zu thun haben. An Muzel-Stosch. LNach Florenz. Z lRom 1759 Z Ä)ie Sie verlanget haben, schike ich Ihnen den ersten Heft von den dreien zurük, ohngeachtet ich ihn erst um Mittag erhallen. Weil keine Zeit übrig war/ muß ein ein griechisches, geschnitten werden zu S ^6 in dem Worte ') Es wird Ihnen auch vielleicht an griechischen runden L fehlen in der Inschrift auf eben der Seite. ES muß nothwendig ein ,Formschneider in Florenz sein: wie Härten Buonarotti und Gori ihre Buchstaben haben tonnen? ES ist auch in der Psyche/ Numero 371/ ein Charakter zu schneiden. Dieses ist alles in dem überschikten ersten Hefte. Weil ich sebe, daß wenig Aufmerksamkeit auf das Griechische gewendet wird, da das Wort (S. 67.) sollte gedrukt sein so werde ich genöthiget, so viel als ich kan, das Griechische wegzustreichen/ welches in dem zurükaeschikten Hefte S- m geschehen. Mr. Saint Lanrent wird hartnäkig comc un Ldrco sein. Den sein lächerlichesstehet allenthalben, da ich eS doch an allen Orten ausgestrichen. Ich will nicht hoffen, daß er mir wird Hermes anstatt Terme sezen. Ich bitte mir in Vorsorge noch 1) L2 Kl. Num-I 2) lEbendas^ Z) lEbendas. Num> ?0S^ Briefe. 329 einmal >uis, daß ich die Vorrede darf in Rom dru- kcn lassen. Der Katalogus soll mit allem Fleisse besorget werden. Künftigen Mittwoch ein Mehreres. Nachschr. Lachen Sie über den jesuitisch klugen Borromci. Der wiener Hof will ihn nicht zum Nuntio / und beide Kanzler haben dawider pro- testirct, dieses ist gewiß. Man weiß daher nicht/ was man mit ihm machen will. In Rom ist keine Stelle für ihn, und die andern Nuntiaturen sind schon be- sezet. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz. Z lRom t75S.Z Aaum habe ich Zeit/ ein paar Zeilen zu schreiben. Vormittag s Stunden in der Villa, und Nachmittag drei. Bei dem allen werden Sie sehen, wie ich über die lezten Hefte gearbeitet, und mit wie großer Behutsamkeit ich die ersten von neuem durchgearbeitet habe. Es ist auch kein einziges Komma Übergängen, und wen es so gedrukt wird, so sollen nicht viel Fehler sein. Künftigen Sonabend hoffe ich alles abzufchiken. Ich habe einige Buchstaben von den c»rsnere, kreco U-^uscuio des Herrn Bonducci nöthig/ um die einzelnen griechischen Buchstaben/ welche schon im vierten Bogen der ersten Klasse vorkommen/ darnach schneiden zu lassen/ und dieses mit der ersten Post. Freundschaftliche An M u z e l - S t o s ch. l Nach Florenz.! No»l/ Sonnabends. ll7Z?.Z ^ch habe heute von neuem gedrukte Bogen/ und den Vierren Heft erhalte». Ich vermuthe/ da ich keine Nachricht beigelegt sinde/ daß ein Brief von Ihnen auf der Post sein miiße., welchen ich heute Abend holen werde. Mich däucht/ Mr. Saint Laurent schrieb mir etwas in Absicht einer bessern Ordnung der Schiffe. Dieser Zeddel aber hat sich verloren. Ich bitte mir diese Nachricht aus/ weii sie noch nöthig ist. Diesen Heft werde ich sogleich durchsehen; weil ich noch ein paar gehabt hätte/ wäre es eben dieselbe Arbeit gewesen. Ich werde Ihnen diesen einzigen Heft nicht zurükschiken, bis mehrere kommen/ oder wen Sie eS ausdrüklich verlangen. Künftig ein MehrereS. In Eile. Ich befinde mich wohl/ und bin fröhlich/ wie ich wünsche/ daß Sie dopelt so viel sein mögen. An Muzel-Stosch. lNach Florenz. Z No>»/ den l? Jun. 17Z9- Ach bin vergnügt über Jbre wieder hergestellte Ruhe und Zufriedenheit/ und wünsche/ daß dieselbe von langer Dauer sein mag/ welches ich auch zu meinem Besten von den Göttern erbitten werde. Der Unterricht von Herrn Henry>) sezet mich l) Ein irländischer Edelman, der Viel und mit großen Nw ien gereiset ist, und damals in Rom war. Nicolai. Briefe. in Stand, den Leipzigern l) einen Zlufsaz von der alten Baukunst zu schiken, welcher mit ehestem abgehen wird. — Man hat meine Geschichte der Kunst in vielen Monatschriften schon im voraus be- kant gemacht und angekündiget: und da ich die Zeich« niing von dem Othryades^) hier zu radiren Gelegenheit finde/ so soll zum Druk geschritten werden. Weil Sie mich nicht übereilen wollen mit unserer Arbeit/ so will ich mit Zlbschikung der drei ersten Hefte bi6 künftigen Sonabend warten. Das Kapitel von ägyptischen Steinen werden Sie ganz und gar abschreiben müßen; das übrige kan bleiben/ und man kan auf dem Rande zusezeN/ und Blätter einschicken. Da die ägyptischen Sachen die allerdunkelsten sind/ so war es nöthig, alle Kräfte anzusezen/ um was Besseres zu geben, als was wir haben ; nnd ich glaube, Sie werden mich ein bischen loben und bei sich gedenke»/ daß ich meine Sachen gut gemacht. Man hat mir gesagt/ daß ein Paket an mich mit dem Procaecio kömt, welches ich diesen Abend bekommen werde. Ich wünschete/ daß eS möglich wäre/ die drei persischen Steine^) zurüke zu erhalten, die der hat. Dieses wäre ein großer Vortheil, den es fehlet uns !) lfiir die B! b l i o t h ek der sch ö n e n Wi sfe n schaf ten>Z 2) sG. d. K. SB. 1 K. 11 §,Z Z? Diese Steine sind walzenförmig, haben ohngesähr Z bis 2 1/2 Zoll in der Höhe, und ? Linien im Durchschnitt. Es sind unbekaüte, rielleicht persische Charaktere darauf, und die Figuren denen zu Persevvlis ähnlich. Nicolai. -t) lE§ scheinet aus den folgenden Briefen, daß die hier erwähnten drei persischen Steine durch den Abate Alfani Ciofani in den Besiz des Duca Caraffa No.ia gekommen sind, Br. v, 7 Jul, nnd 25 Aug. 175?.1 Zzz Freundschaftliche izo der Beweis, daß die zwei oder drei persischen Steine wahrhaftige persische Arbeiten sind/ wie sie cs wahrhaftig sind. Ich wollte einige Tage viele Meilen zu Kuße laufen, oder sonst ich weiß nicht was thun, wen sie wieder zu haben wären; und sie sollten uns gewiß künftig dopelt so viel einbringen. Allein ich glaube, daß dazu kein Mittel ist. Sie sind alle drei mit persischer Schrift , welche wir ausser der Paste, die meiner Meinung nach parthifch ist, auf keinem voll den übrig gebliebenen Steinen Ihres Mufei haben. Ich bin vergnügt mit meinen Umständen, und werde mit nächstem mein Zimmerchen im Hause meines Cardinals beziehen. Ich wollte Sie um etwas bitten, wobei ich den Schein einer Unverschämtheit nicht vermeiden kaii. Ich wünschete einen Strohhut zu haben, weil mir die Hize ohne Hut den Kopf einnimt. Hier sind sie schlecht und theuer. Ich wollte mir denselben hier mit Seide überziehen lassen, das heißt schwarz, um ihn beständig zu tragen auf der Gasse. Also muß eS keiner von den allerfeinsten und theuresten sein; ich will ihn aber nicht geschenkt haben. Ist cs möglich, daß ein solcher Hut mit dem Procaeeio kan überschiket werden, so bitte ich sie herzlich, mir einen ziemlich feinen auszusuchen. Man trägt hier keine schwarz gefärbten dergleichen Hüte. — Künftigen Mittwoch ei» MchrereS. Mit Leib und Geist der ?c. An M n z e l - S t o s ch. INach Florenz.) Rom, den IS Ju>«. i75S. ^ch beschwere Sie mit einliegendem Briefe, weil ich noch nicht weiß, auf was für Art ich meine Brie- Briefe. ?S3 ! ft von Wien nach Sachsen soll gehen lassen. Es ist ein Auffaz in demselben für die Bibliothek der j schönen Wissenschaften. Ich merke/ man re- ! det viel von mir in Deutschland. Künftigen Sonabend gebet alles/ was ich von unserer Schrift bei mir habe/ mit dem Procaccio ab, und den nämlichen Tag ziehe ich in das HauS des Cardinals. Hch freue mich auf meine Zimmer. Vor einigen Tagen ist ein gewesener Auditeur von . Prinz Heinrichs Regiment/ mit Namen Ewalds hier ankommen. Er hat schon vor mehr als einem ! Jahre Abschied genommen/ und mit etwas Geld/ welches er gehabt hat/ eine Reise nach Engeland und Frankreich in großer Eil gethan; und glaubte mit eben der Geschwindigkeit durch Rom zu flatter»/ nach Ncavel zu gehen/ Florenz zu sehe»/ und wieder nach Geneve zurükzukehren. Er fängt an einzusehen/ daß ^ er thöricht gethan/ jene Länder/ so wie er es gemacht hat/ zu sehen; und da sein Geld auf der Neige ist/ kan er hier nicht viel mehr sehe»/ als was nichts kostet. Ich aber habe ihm angedeutet, d>iß ich nicht Zeit habe/ und ich will mir ein Gesez mache»/ ohne Noth und Pflicht mich mit keinem Deutsche» hier einzulassen. Künftig ein Mehrere?'. An M l! z e l - S t o s ch. lNach Florenz^ Rom/ den Jun, 175?. (V ^5ch habe die beiden Briefe über Florenz durch die 5) Ei» dentscher Dichter, Vorzüglich durch scinc Singe« dichte bckant, Er war in Srandau gebore», und soll »nlezt seinen Verstand verloren haben- Nicolai. Freundschaftliche Grävin Charoffini erhalte»/ und heute habe ich alles/ was ich von dem Katalogs habe/ abgeschiker, Ich muß einige Erinnerungen hierüber machen. -i.) Die Hauptordnnng habe ich nicht andern wollen: aber mir däucht/ daß wir wenig Grund haben, die AbraxaS au die ägyptischen Steine anzn» hängen: sollten Sie aber nicht gut finde»/ da Sie die christlichen Steine verkauft habe»/ dieselbe» ganz zu Ende zu seze»/ so müßte man dieser Ordnung wegen eine Anmerkung in der Vorrede machen. 2.) Weil die persischen Steine i» so geringer Anzahl/ und ihres vornehmsten Beweises beraubet sind / so kan man keine besondere Klasse aus denselben machen; und da der erste Stein nichts von persischer Arbeit eigenes hat/ so muß er weggenommen, und zum HerkuleS/ oder au einen andern bequemen Ort gesezet werden. Den als ein alteS Sigel, welches in dieser Art mehr unter den ältesten Griechen üblich gewesen ist/ kan eS eine gute Stelle bekommen. 3.) Die Steine, die den OsiriS betreffen, müßen vor den HarpokrateS gesezet werden, wie ich mit Bleistift angemerket habe. Beiliegendes Blatt ist die Arbeit deS Baron du Han;^) weiter ist er nicht gekommen. Er hat etliche Franzosen/ als des l'Indie ilisl»i,e clu t^iel gelesen/ und glaubet, eS wären dessen Träume Wunderdinge, und er würde auS solchen Bücher» viel sage» können, was ich nicht wüßte. Deßwegen hab- ich den Pluche und den andern Engeländer von den HieroglyvbiS cinrgenial wiederleget. Ich glaube also/ daß eS nunmehro könne in der Welt erscheinen. j) lD'Hanearki Briefe. Die Eintheilung in Klassen ist nicht die beste/ und scheinet in der That keine andere/ als eine Ordnung nach so viel Kasten. Da sie aber einmal gemacht ist/ so kaii und will ich sie nicht andern. Sie werden aber ohnmaßgeblich über besondere Abschnitte der Klassen SectioneS machen müßen; als: konclie cio müßte mit 8ect, !, oder so ferner bezeichnet werden/ welches leicht ist und nichts cindert. Das Kapitel von Ägypten wird abgeschrieben werden müßen. Das andere aber kaii bleiben/ damit wir eS aus den Händen loS werden. Ich erwarte die Folge. Der Cardinal läßt mir weder Ruhe noch Rast/ ich muß des Morgens und des Abends mit ihm auSfahren, und alsdaii »och mit zur Cbaroffini gehen: daher ich meine nöthigen Geschäfte nicht einmal bestellen kan. Dem ohnge- achtet habe ich viel gesamlet zu Vollendung unseres Werkes. Suchen Sie Ihre Tage und Ihren angenehmen Aufenthalt mit Fröhlichkeit des Herzens und mit Wohllust zu genießen/ und bleiben mein Freund/ so wie ich der Ihrige :e. In Eile/ !-!>p>,iin et r»8tiin, wie jener Pfarrer schrieb. ES sind ein paar junge Sachsen angekommen/ ein Berlepsch und ein Hopfg arten. An M u z e l - S t o s ch. LNach Florenz.Z N°m, den 7 Jul. 175?. O ^'ch ersehe mit Freuden aus Ihrem Briefe zu Sie- »a geschrieben/ daß Ihr Gemüth ruhig ist: ich wünsche/ daß es ruhig bleibe. 336 Freundschaftliche Den Hut!) habe ich bekommen/ und werde mich darüber künftig vergleichen. Ich bedanke mich herz, lich. Er ist aber so ungeheuer groß/ daß ich ihn drei Finger breit umher werde abschneiden müßen/ um ihn zu tragen. Vom KataloguS habe ich nichts weiter erhalten, und den Bogen von 81 — 112 habe ich niemals gesehen. Was' den Alsani?) betrift/ so entsinne ich mich izo, daß Sie mir mündlich von der Münze des PyrrhuS gesprochen haben. Wem soll man mehr traue«/ und wo ist ein wahrer ehrlicher Man? Wir wollen es sein und bleiben. Ich wünschete nur den einen von den persischen Steinen zurük zu haben; nämlich denjenigen/ wo ausser den Figuren alte persische Schrift ist. Ich wollte 30 bis Meilen zu Fuß laufe«/ wen es mit solcher Mühe ausgerichtet wäre. Unterdessen ist über das/ was da ist, genug geredet. Wen der Kopf mit persischer Schrift für alt zu halten wäre/ wie ich nicht glaube/ so wäre so sehr viel nicht daran gelegen. Es ist aber auch nicht einmal das Original. Was die Köpfe betrift/ so hat sich der Herr Cardinal erboten/ dieselben mir Fleiß zu übersehen/ und was zu finden ist, anzugeben. In dieser Kentniß ist er gewiß stärker als alle Antiquarii/ und wir haben es uns für eine Ehre zu fchäzen. Wollen Sie sich es wie im Scherz gegen ihn merke» lassen/ so stehet es bei Ihnen. Da ich etlichemal aus des BaronS Z) seiner Samlung etwas angeführet/ so habe ich endlich er- N lEin florcittiiicr Stt'ohhnt.Z 2) Alani Civfa » i, ein Abatc, Nicola i> Z) V'Ha n c a rvi ll e) Briefe. 337 fahren / wer er ist: sein Name ist Comte de Graffenegg/ wie aus dem Verzeichnis? der Her- I reu - und Ritterbank in Deutschland erhellet.') ES ist also der Namen und der Stand desselben in dem ersten Heft/ wo es vorkomt/ zu ändern. Sie haben vergessen zu berichten, wie lange es ist, daß die Urne gefunden worden. ES ist uns daran gelegen: den die Nachricht/ und auch die Schrift ßnd in unserem Katalogs anzubringen. Vergessen Sie die Nachricht von der kleinen Kir« che vor Siena nicht. Der Pater Monsagrati ist einigemal bei mir gewesen/ um zu wissen/ ob des ciaeonni vitn ponUticum für ihn sind. Vielleicht künftigen Mittwoch ei» MehrercS. An M u z e l - S t o s ch. lSIach Florenz.) Rom, den t5 Jul. t?5>. ^Fch will nicht hoffen/ daß Sie sich auf die faule Seite legen. Sie verdienten einen derben Auspuzer, daß Sie wenigstens nicht einmal eine Entschuldigung beibringen. Macht eS die Liebe/ so vergebe ich eS Ihnen diesesinal. Aber im Ernst ermadne ich Sie mit den Worten des Apostels: Seid nicht träge/ was ihr thun sollt! :e. Ich überschike Ihnen ei» paar Zufäze, wen eS noch Zeit ist. t) War unrichtig, wie ma» aus der Bi o g r a x h ie ersehen kan.Z Winckelmaii. to. 16 338 Freundschaftliche Sie können künftig an mich durch einen bloßen Umschlag an den Cardinal schreiben: den auf eben die Art lassen die andern in unserm Hause Ihre Briefe kommen, Ist cS nicht/ ein paar Bajocchi zu ersparen/ so kan ich wenigstens der Mühe des' Aufschreibens überhoben sein/ und die Briefe kommen mir gewiß zu. Erinnern Sie sich der Sigel. Ich bitte mir den zweiten Theil meiner Schrift auS/ wen Sie mir Hefte zu iiberschiken habe»/ ich habe verschiedene Änderungen zu machen. Grav BrühlS ältester Sohn/ welcher über vier Jahre auf Neifen ist/ wird in Florenz ankommen/ wo er nicht schon da ist. Nehmen Sie sich mit demselben ein Stündchen Zeit; ich höre, es ist ein gesittetes Wesen. Ein paar andere Sachsen waren drei Wochen hier/ und ziehen als Störche über die Länder; sie wollen nach Florenz gehen. Berichten Sie mir/ sobald es möglich ist/ den Baumeister der bella Contadino a San Miniato. Herr Nelli weiß eS. Ungleichen die verlangte Nachricht wegen der Kirche nahe bei Siena. Der :c. An Muzel-Stosch. Mach Florenz,) Ro>»/ dc» 24 Jul. Ach schike Ihnen von nenem einige Zusazc zu de» ersten .Heften; lasse» Sie sich die Mühe nicht verdrießen/ dieselbe nachzutragen. Wir wollen unser Möglichstes thu»/ ein würdig Werk zu machen; der Beifall wird alsdaii von selbst kommen. Ich stelle mir vor/ mit was vor Vergnügen Sie Nom künftig sehen/ nachdem Sie durch die Arbeit des Katsilozi Briefe. zu viel Kentnissen gelanget sind. Der Cardinal hat mit mir viel Galerien und andere Orte gesehen, an welche er sonst nicht weiter gedacht hätte; und weil er sein Wort hält, wollen wir beide alles bereisen, was in der Campagna di Roma ist; ja er will mich bis nach Caprarola führen, welches auf der Straße mich Florenz liegt. Unsere Freundschaft scheint zu wachsen, so daß ich nicht befürchten darf, sie zu verlieren. Mit künftigem Procaccio schike ich die Sa« chen ab, welche ich habe. Wen Sie an den Buchhändler Dyck nach Leipzig schreiben, ersuche ich Sie, ihn wissen zu lassen, daß ich Sie gebeten, ihm zu schreiben: „Weil ich „ gar keine Antwort über meine Schrift erhalte, und „weder weiß, in wessen Händen sie ist, noch, ob man „ sie druken will: so sei ich endlich dieses Wesens müde „ geworden, und ich verlange meine Schrift nebst al- „lem, was dazu gehöret, zurük, weil ich zumal entschlossen sei, dieselbe niemals im Deutschen an das „Licht zu stellen, oder dieselbe wenigstens völliger auS- „zuarbeiten, und alsden auf meine Kosten druken zu „ lassen. Er, der Buchhändler, solle mir die Schrift „ auf meine Kosten gegen Abrechnung für die über- „ schikten Aufsäze an einen sichern Correspondenten „ nach Augsburg schiken, und zwar in einem Umschlag „ ^ 5on Lminenc«! HlonseiAneur le t^nclin-il „ clre a ^Q>NL, Die Nachricht hiervon solle „er Ihnen, und nicht mir geben, weil ich um die „ Zeit, da dessen Brief ankommen könte, nach Sici- „ lien möchte gereiset sein.", Dieses ist mein wahrer Ernst, und ich bitte Sie herzlich hierum. Ich will mich in keinen Briefwechsel deßwegen einlassen, so habe ich alSdaii eine Sorge weniger. Sie waren eS nicht werth, und ich habe ferner keine Reputation in Deutschland nöthig. Da- 3-50 Freundschaftliche bei soll es bleiben, und ich habe schon mit dem Herrn Cardinal deßwegen gesprochen. Ich bin, der ich sein werde, Ihr ?c. Nachschr. Ich bin so fest entschlossen, das, was ich geschrieben habe, zu thun, und den Bestien, die mich um meinen blutsauren Schweiß bringen wollen, den Vortheil aus den Händen zu reissen. Sollte ich die geringste Schwierigkeit finden, es wieder zu haben, will ich eS dem Kurprinzen schenken, damit das Spiel ein Ende habe. An den zweiten Theil soll sich niemand die Nase wischen. An Muzel-Stosch. Mach Florenz.) Rom, den t Aug. t75?. ^sch schike Ihnen von neuem ein paar Zusaze; ich besorge nur, daß die vielen Zusäze Ihnen endlich ekelhaft werden. Meine Absicht ist, daß der Katalo- gnS zugleich zum Register von allem, was schön in der Kunst ist, dienen sollte, und viele Sachen sind nicht anders, als hier anzubringen. Ich habe vergessen, in dem Kapitel von den Fischen die Megata des Herrn Saint Laurent zu der Squilla zu ändern, hier schike ich Ihnen eins: Oeipn, 1^,, I, s>. 7. I?. I) Samten Sie mir die übersclnkten und noch zu überschikenden Zusäze, und übersenden Sie mir dieselben zu seiner Zeit. Wie stehet eS mit der lange erwarteten Lebensbeschreibung des Herrn Vetters? Ich verlange Sie t) L2Äl. 5t0Nu>».1 Briefe. 34 t nicht zu sehen; nur möchte ich wisse»/ wie Ihnen dieselbe gefällt. Ich habe Sie durch beiliegendes Schreiben der Mühe überhoben, selbst zu schreiben wegen dieser verdrießlichen Sache: ich bitte Sie/ es zu befördern/ und bin, so lange ick lebe/ Ihr -c. Nachschr. Cheroffini schreibet sich die Signo« ra Cbeeea/ nickt Caroffini:^) sollte ich von ihren Steinen in den vorigen Heften angeführet haben, ist der Name zu ändern. Ich habe über das zu Pferde steigen an dem Spieß eine schwere Untersuchung zu machen,?) und weiß nicht/ ob ich diese Woche werde etwas schikcn können. All Muzel-Stosch. INach Florenz.Z Rom, den 15 Aug. 175?. ^ch habe die Schwefel richtig erhalten, und sie kosten nur 6 Paoli. Der Herr Cardinal hat sich nochmal erboten, die Taufe über sich zu nehmen! „mir „mit den Weibern, sagt er, habe ich, wie der Kö- „nig in Preußen/ nichts zu thun." Was män- 1) Die Grävin Cherossini, eine besonders gute Freundin des Cardinals Alexander Albani, besaß ei» vor, tresliches Kabinet Von geschnittenen Steinen, welches il>v jener geschenkt hatte. Sie hieß init dein Vornamen Francisca, und da in Italien die Ncnennung durch Vornamen weit gewöhnlicher als durch die Zunamen ist, »ante man sie auch la Signora Cheeca. Cliecca ist das Diminutiv von Francisca. Nicolai. 2) Wenkmale, Nun>. 202.^1 Freundschaftliche lieh ist/ will cr als Pfarrer über sich nehmen: wen cr fertig ist/ will ich den Marchcse Luccatelli und den Abate Venuti^) bitten/ dieselben zu übersehen. Das Holzschneiden wird nicht viel kosten: ich habe mit jemand/ der für die Drukerei in der Propaganda arbeitet/ geredet: cr will/ wen cr anfangen kan/ nicht davon gehen, und Sie sollen nicht aufgehalten werden. Ich wünsche nur/ daß wir nichts vergessen/ wie eS mit dem Namen auf einer neuen Paste eines FaunS geschehen ist/ wie ich eS Ihnen künftigen Souabend melden werde: ich werde Ihnen noch einige Zusiize von Erheblichkeit mit eben der Post cinschiken. Zum Schneiden der Wörter und Buchstaben in Holz habe ich nöthig zu wissen, was Sie für Lettern nehmen wollen/ damit die geschnittenen mit jenen übereinkommen. Schiken Sie mir ein paar gedruk- te Worte, oder melden Sie mir den Namen von der Sorte Lettern mit dem Kunstworte der Buch- druker. Die geschnittenen Buchstaben können größer sein, als die gedrukten/ damit sie desto besser in'S Auge fallen. Derjenige/ welcher den Procaceio besorget/ hat mir gesaget/ daß Sie besser thäten/ wen Sie in Florenz die Pakete bezahleten/ und daß eS Ihnen alS- daii weniger kosten würde. Ich habe des Herrn Saint Laurent sein tt- allezeit ausgestrichen/ und iaisant daraus gemacht. Dieses Wort zeuget von seinem großen Eigensin. Warum schreibet er aber auch nicht n-ott, sondern t) Luccatelli, ein Altertumskenner i» Rom; Venuti dergleichen und Custode im Varica », IW i n ck e l >»aüi Vorgänger als Präsi d e»t d er A lt er t ü m e r in Rom ? Nicolai. Briefe. kiisoi,.? Es sind ja Wörter von einem und ebendemselben Verbo. Ich habe geirret: S-u^rcs muß von Isunesy aus- gestrichen werden in der Überschrift dieses Artikels. Es ist Zbr Glük/ daß ich nicht die Samlnngen von geschnittenen Steinen im Hause Co l o nna/ Gighi, Ludovisi u. s. w. sehen kaii/ wie ich gesucht habe; ich glaube/ die Zusäze würden noch viel stärker werden. Künftigen Freitag/ hoffe ich/ Monsignore A s- semanni seine zu sehen. Künftigen Soiiabend werde ich Ihnen wegen Übersezung des Lebens Nachricht geben. Wen eS nicht recht gut gerathen ist/ so bitte ich Sie/ suchen Cie eine Ausflucht/ es wegzulassen. Die Mühe und Kosten/ die Sie auf den Katalogum wenden/ sind Erkentlichkeit genug gegen das Andenken Ihres Vetter?; und alle Welt kennet ihn / und die ihn nicht kennen/ können ohne Nachtheil unwissend bleiben. Wer tadelt ihn? sagte ein Spartaner/ da jemand eine Lobrede auf den Herkules ablesen wollte. An W i e d e iv e l t. lNach Kopenhagen, 1 Noni/ den tS Zlug, t75S> (Aie lind mir in demjenigen zuvorgekommen/ woran ich bereits zu Florenz dachte. Ich lasse Ihnen also in unserm freundschaftlichen Briefwechsel den Vorzug/ aber nicht in der Freundschaft selbst: den ich liebe Sie mehr/ als Sie wohl glauben/ und nehme an allen Ihren Schiksalen mehr Antheil, als irgend ein Mensch in der Welt. Ich bill/ wie Sie O V K». t4S2 Num.Z N4 Freundschaftliche wissen/ neun Monate zu Florenz gewesen/ wozu mich zum Theil Ihr Brief mit veranlaßte/ und zunächst der Wunsch/ dem Herrn von Stosch gefällig zu sein. Ich ging block dahin, um seine geschnittenen Steine zu ordnen : allein er wußte mich sehr geschikt "zur Verfertigung eines Verzeichnisses darüber zu bereden. Schon war ich im Begrif/ um die Erlaubniß/ es vollends endigen zu dürfen/ anzuhalten/ als ich die traurige Nachricht von dem Tode des Kardinals Archinto erhielt, der aller Wabrscheinlich- seit nach vergiftet worden ist. Dieser Verlust, anstatt mich einzuschränken, überließ mir ein freieres Fcid/ meinen Plan in Ansehung dieses Katalogs zu erweitern. Ich sing a»/ über die Kunst zu räsonii'ren und Untersuchungen über verschiedene Punkte des Altertums anzustellen/ und machte ein ganzes vollständiges Werk daraus / n so weit eS nämlich die Gränzen eines Katalogs und diejenige Präcision verstatten wollten/ die ich so sehr schäze, und die ich in allen meinen Arbeiten so eifrig zu erreichen suche. Ich habe so ununterbrochen nnd rastlos daran gearbeitet, daß ich sechs ganze-Monate hindurch nur des Abends eine halbe Stunde ausgegangen bin. Aber diese Anstrengung hat auch fast alle meine Nerven ab.zesvant. Ich sahe mich genöthigt/ Wasser zu trinke»/ häusige Klystiere zu nehmen/ und konte kanm selbst die Cbocolate noch vertragen. Allein ohngeachtet dieses schlechten Zustandes meiner Gesundheit bin ich doch hartnäkig auf dem Entschlüsse geblieben/ diesen ersten Versuch zu Florenz zu endigen. Ich habe französisch geschrieben, und mir den Styl von einem gelehrten Franzosen durchsehen lassen, und seit dem Monat Mai, nämlich seit meiner Zurükkunst nach Noni/ bin ich stets mit Verbesserung desselben beschäftiget. Ich habe gleichsam daraus ein Verzeichniß von allem/ was Briefe. 345 die Kunst bei den Alten Schönes hat/ gemacht/ lind cs durch passende und gewählte Stellen aus allen Autoren erläutert. Jzo fängt man an in Florenz an diesem Werke zu drillen. Wenige Zeit nach dem Tod des Cardinals Zlr- chinto ließ mir der gelehrte CardinalZllexander Al- bani/ durch meinen Freund Giaeomelli/>) den Antrag thun/ in seine Dienste zu treten. Ich nahm ihn ohne Bedenken an / nnd bis izo hat mich mein Entschluß nicht gereuet. Ich bekomme/ ausser meiner Pension vom Hofe/ von dem Cardinal monatlich Dieses ist benenne, von dem Winckelman lobe» S- 19Z.) i» einem Briefe an Franke sagt: „ G i a c o- >, melli, ein Toseimer, ist ohne Zweifel der größte Ge> „ lehrte in Rom; er ist ein großer Mathematik»?, PH», „ sikus, Poet und Grieche, gegen weichen ich in diese»! „ Theile die Segel streiche. " Er hat verschiedene Trauersriele vom Sovhokles und Ä>'ch»lns mit der italiänischen übersezung und mit Anmerkungen Herausaegeben; iingleichen auch de» grieckii scheu Roman desChariton A v h r o d isi e n si s in einer italiänischen übersezung, 1765 in », den er, jedoch ohne Vorsezung seines Namens, der Herzogin von Choi- senl zugeeignet hat. Dieser würdige Gelehrte starb im Jahr 1774, nachdem er kurz vorher uoch eine bisher un, gedrukte Erklärung des Philo über das hohe Lied unter dem Titel herausgegeben hatte: />/,i/on,5 auch verschiedene Handschriften hinterlassen, wovon man ein umständliches Verzeichniß, nebst Nachrichten von seinem Lebe», i» der von Herrn Professor Matani in Pisa >775 heransgekoninienen Lobrede auf diese» Gelehrte» findet. Ma» sehe hierüber des Herr» Biorn- ftähls Briefe, 2 Band 7S S. -c. Daßdorf. Freundschaftliche Zehen Thaler/ und habe dafür keine andere Obliegenheit/ als ihm zur Gesellschaft zu dienen, und der Aufseher seiner großen und gewühlten Bibliothek zu sei»/ die der gelehrte Pabsi Clemens XI. (AI- bani) gestiftet hat. Aber waS mir weit mehr werth ist/ als ein großer Haufe von Büchern / wovon ich einen großen Theil kaum des AnblikS/ noch weniger aber des Lesens werth halte/ ist das Kabinet von Handzeichnnngen und Kupferstichen/ worunter unter andern ein großer Band von Zeichnungen des berühmten Ponssin sich befindet/ und 12 Bände von dem Domenichino. Was sagen Sie hierzu, lieber Freund? Diese schöne Gelegenheit seklte Ihnen in Rom. Und wie viel Dinge haben Sie überhaupt hier nicht gesehen/ die mir erst durch die Güte meines CardinalS sind bckant geworden. Der Sontag ist von uns besinnt/ überall herum zu kriechen / und in allen Winkeln Altertümer auszutrei- ben. Wir sind so vertraute Freunde zusammen/daß ich des Morgens auf feinem Bette size/ um mit ihm zu plaudern. Auch bin ich in seinem Palaste auf das reizendste und anmuthigste in vier Zimmern lo- girt/ wovon zwei auf den Garten gehen, und niemand wohnet weder neben noch über mir. Mein deutsches Werk über die Geschichte der Kunst ist geendigt/ und der erste Theil liegt schon seit einiger Zeit zu Leipzig/ um gedrukt zu werden. Hch habe darzu verschiedene Platten stechen lassen, und verspreche mir davon eine sehr gute und günstige Aufnahme. Hn der Bibliothek der schöne» Wissenschaften und freien Künste, die zu Leipzig herausköint/ werden Sie in dem leztern fünften Bande verschiedene Aufsaze von mir über du Kunst finden. Meine Absicht war/ künftigen Herbß nach Griechenland zu gehen/ und um den nöthigen Aufwand dazu zu ersparen/ hatte ich meine Absicht Briefe. einem Schottländer/ Moriso », cröfnet, um mit ihm dahin zu gehen. Aber ich finde zu viel Schwierigkeiten, so daß ich diesen meinen Liebliiigsivunsch wohl werde wieder aufgeben müßen. Aber die Rei- se nach Neapel und nach Sicilien ist ziemlich fest bcstimt/ und nur mein alter Cardinal sucht mich davon znrükznhalten. Nun leben Sie wohl/ mein Theurer! Leben Sie linmer heiter und glüklich! Hinterlassen Sie der Welt ein Denkmal/ das Ihrer würdig ist. l) Schreiten Sie von Tage zu Tage in dem Studio des Schönen und Erhabnen fort, und verfeinern darüber Ihre Begriffe. Die edle Majestät desApollo, das hohe Ideal des' Torso und die reizende und englische Schönheit des b or g h e sische n G e n iu S und der Niobe bleibe Ihnen tief eingeprägt! Befehlen Sie über mich in allen Dingen, wo ich Ihnen nüzliche und angenehme Dienste leisten kan. Ich bin mit einem Herzen voll Freundschaft ganz der ^c. An M u z e l - S t o s ch. Mach Florenz Rom, den tS Aug. <75? > Ach schike Ihnen einen Bogen Zusäze und Änderungen, die nnentbchrlich sind: es ist hier nichts anderes zu thun, als Geduld. Hch bedaure, daß ich nicht fortfahren kan, weil es mir an abgeschriebenen Heften fehlet. Ich bereite mich zwar beständig dazu, aber ich kan mir weder Ziel noch Maß sezen/ so t) Diese» Wunsch seines Freundes liat W i edew e l t durch verschiedene herliche Kunstwerke erfüllt. Daß der f. s^L Freundschaftliche lange noch etwas einzurüken ist, und ich wünschete nunmehro, daß ich so überhäuft wäre, daß ich nicht ferner an die vorigen Hefte gedenken tönte. Ich besorge überdem, daß ich den ganzen Herbst hindurch werde zu thun l>aben. Dieses schreibe ich nicht aus Verdruß über die Arbeit/ sondern aus Verlangen, daß sie möchte zu Stande kommen. Was Sie mir über die Buchstaben, welche in Holz zu schneiden sind, schreiben, verstehe ich also, daß Sie die Namen der fünf Helden, und den TydeuS wollten als Proben sehen, und eben so habe ich auch gedacht. Ich glaube, daß wir uns mit Worten in Holz geschnitten behelfen können, und daß eS nicht nöthig fei, dieselben gießen zulassen. Künftigen Montag werde ich anfangen lassen. Von dem überschikten Blatte wird man die Noten zum Druke wühlen müßen: das Elend ist, daß die Buchstaben stumpf und abgenuzt sind; es ist eine Schande für Florenz, daß die Drukcrei so jämmerlich bestellet ist. DaS Griechische siebt barbarisch aus; eS ist gut, daß ich so sparsam mit demselben gewesen bin, und mehr, als man sich von mir vermuthen wird. Ich habe Ihnen fast alle Mittwoch, ausser dem Sonabend, geschrieben, welches ich wegen der Zusä- ze melde, damit keines verloren gebe. Ich bedaure, daß ich nicht das Glük haben werde, eine so vollkommene Frau, wie dieMnizeck>) ist, zu sprechen. Sie hat aber zu Andern in Florenz gesagt, daß sie nach Rom gehen werde. Was ist deii die Ursache, daß sie nicht hierher kömt und was hat sie für eine Krankheit? Geben Sie mir doch einige Nachricht. Kömt den ihr Bruder ? Sie muß l) Krävin Mniczeck, geborne Grävin Briihl. Ntco- la i. Briefe. 3^ denselben ganz und gar verdunkeln, weil Sie gar nicht» von ihm melden. Gleichwohl ist er über sechs Jahre auf Reisen. Ich wollte der Mniezeck gerne die besten Stellen aus meiner Schrift abschriftlich fchiken, wen sie sich die Mühe nehmen wollte, geschriebene deutsche Schriften zu lesen. Über das Formal lasse ich Ihnen billig die Wahl; wen man eine Abtheilung in Octavo treffen könte, welches ich nicht weiß. Was die Anzahl betrist, so glaubte ich, daß Lvo nicht genug sind. Den wei» ich nicht ein Vorurtheil habe, so däucht mich, eS sind so viele Sachen in diesem Katalogo, daß man ihn nicht allein ob»e Ekel durchlesen werde, sondern auch werde eigen haben wollen, zumal die Gelehrten, wegen der seltenen und richtigen Beweise aller Punkte. M'ch däucht, Sie lönten viel auf denselben gewinnen, und folglich auch auf ihre Schwefel; und da die Sachen so mißlich in der Welt aussehen, so wäre eS gut, wen Sie ein gewisses System machten, auö diesen Sachen ihre Ausgaben zu nehmen. Wen der KataloguS fertig ist, lonte man anfangen, die besten Steine stechen zu lassen: ich wollte seltene Zeichnungen ans dem Muses des Cardi- nals hinzuthu», welches auf Subscriprion geschehe» kiinte. Künftigen Mittwoch ein MehrereS. Ich erwarte fthnlich neue Hefte. An M u z e l - S t 0 s ch. Mach Florcnj.Z Rom, den 22 Aug. 475?. O ^ch habe zum Schneiden der Buchstaben sechs gegossene Buchstaben nöthig, von denen/ welche Sie 350 Freundschaftliche sich gewählet haben/ und zwar den Buchstaben klein m, weil dieser der breireste ist; den die geschnittenen Worte müßen von gleicher Höhe sei»/ sonst tan man nichts machen. ES ist ganz und gar nicht nöthig, daß man Buchstaben gießen lasse: den die in Holz geschnittenen halten mehr aus, als die gegossenen, und nicht allein t000, sondern 400,»oo Exemplare. Pagliarini >) glaubet/ das' Sie niemals mit dem Truke in Florenz würden zufrieden sein, theils wegen der schlechten Lettern, theils wegen deZ Papiers. Er glaubte, Sie würden besser fahren, cj in Rom drnken zu lassen, auch in Absicht des Pa< pierS, welches überhanpt besser sei, und durch eine Begünstigung des Tesvriere ohne Gabellazn erhalten sei. Ich schreibe dieses als einen bloßen Vorschlag. Der Cardinal scheinet schwerlich sein Wort halten zu können mit den Köpfen : den er fährt des Morgens und des' AbenoS in seine Villa/ und ich mit ihm, so daß ich meine beste Zeit unnüzlich verlier-, welches mir mit der Zeit Nom verleiden würde. Um das Begehrte von ihm zu erhalten, müßte ich noch vielmehr Zeit verlieren, und anfpassen, wen er sich einen Angenblik Zeit nehmen kan. Ich werde mit dem Abate Venuti reden; ich weiß aber vorher/ daß Sie ganz gewiß nicht drei Tanfnamen mehr bekommen werden. Den ob ich gleich das Münz- Handwerk nicht lange getrieben habe, so habe ich doch so viel gelernet, daß ich weiß, waS kcntlich ist, zumal da ich alles mit großem Fleisse nach den Schwefeln in der großen Collectiv» confrontiret l>abe; md wen mehrere zu taufen gewesen wären, so hätte cS t) lMarco Pagliarini, ei» Vuckdruker i» Nom, bii dem Win ckel Mails Alununienli »»üctii iuellirl gcdrutl slnd.Z Briefe. der selige Stosch gethan/ dessen Werk dieses war. Künftigen Sonabend werde ich Ihnen ein paar Zu- säze zu den vorigen Heften schiken. Ich erwarte izo neue Hefte. Sie werden sich trösten können über die grausame Niederlage der Franzosen; ich freue mich herzlich über diesen Vortheil/ und wünsche/ daß Prinz Ferdinand auch über den Broglio wieder gut mache/was dem König in Preußen über die Kalmuken und Österreicher nicht gelingen wollen. Bis Sonabend ic. An M n z e l - S t o s ch. LNuch Florenz, Z Rom, den 25 Aug. l75S. /v ^ch nehme mehr Antheil an dem Unglük unseres Vaterlandes/ als Sie vielleicht glaube» werden; und einen großen Man, ja den größten Man nnglüklich zu sehe»/ muß der mehresten Menschen Mitleiden er- steken, geschweige den derer/ die ihm als dessen geborene Unterthanen gleichsam eigen sind. Ich sehe den unvermeidlichen völligen Ruin dieses armen/ schon von Manschaft entblößt gewesenen Landes vor Augen. Aber Ihre Familie wird wahrhaftig nicht unter den unglürlichsten sein können / und Sie sind c§ auch nicht Sie haben Ihre besten Jahre sehr mlzeüehm genossen/ und wen Sie mit ein vaar Bedienten und mit einem artigen Mädchen künftig zu leben haben/ welches ich wünsche/ so trösten Sie sich. Sie wären vielleicht ein Krüpel/ wen Sie nicht nach Florenz gekommen wären. Wie viele unglükliche Menschen machet der Krieg! Hätten Sie Lust/ in Dresden zu leben / eröfne» Sie sich der Mniczeck; 3.?2 Freundschaftliche sobald Friede wird/ wäre da für Ihre Sachen etwas zu mache». Sie sind auch nach der Geburt mein bester Freund in Italien und überall - und ich wünsche Ihnen, wen Sie ja Italien verlassen wollen, einen angenehmen Hof/ wie der zn Dresden ist. In der Schweiz würden sie/ wie in der Einöde/ mit Verdruß leben, und in Berlin würden künftig keine Theater eröfnet werden können. Was ich zu Ihrem Vorschlag sagen soll/ weiß ich nicht. Die Buchhändler in Rom haben keine Korrespondenz/ und ich auch nicht; und ich versichere Sie/ daß ich nicht reich werden will. Ich glaube, daß Ihnen die Besorgung des Druks viel Umstände machen wird; allein dieses war vorauszusehen, und miilniehro müßen wir nicht müde werden. Ich will mich übermorgen erkundigen/ ob Ihnen mit Ihrem Vortheil die Last abzunehmen ist. Gott weiß/ ich wünsche Ihnen mehr Gutes/ als mir selbst; den Sie haben mehr nöthig. Unrerdessen ist mir Ihr Geschenk sehr zu Statten gekommen: den diesen ganzen Monat/ bis nach der Hälfte des künftigen/ wird niemand im Haufe ausgezahlet. Ich fchike Ihnen ei» paar Zufäze und eine nothwendige Änderung zu den vorigen Heften. Meine Schrift fchiken Sie der Grävin >) nicht, den sie möchte nicht den Begrif erweken/ den ich wünschete. An meiner Schrift fange ich an allgemach von neuem zu arbeiten / und ich werde ihr von neuem eine andere Ordnung geben. Der Pabst besuchte vor ^ Tagen den Cardinal Passion ei. Die vornehmste Absicht war, die sto- schi sehen Manuskripte^) zu sehen/ welche noch in t) lMniczeck.l 2> Manuscrivte deß verstorbenen Varon Stosch, die mch rentheils politische Sache» betrafen- Der Pabst ließ ß! Briefe. 353 dcs Kardinals Zimmer» liegen; und von der Zeit an hat dieser aufgehörct/ wider seine Heiligkeit zu lästern. Wan einer unserer LandeSleute/ Ewalds) nach Floren; kommen/ und durch meinen Namen sich wollte einen Weg zu Ihnen machen/ so achten Sie ihn für einen Lügner: er hat sich als einen Menschen gegen mich bezeiget/ der weder Ehre noch Tugend hat. Überhaupt werde ich nach dem diebischen Streich des 2) niemand mehr zu Ihnen schiken. Künftigen Mittwoch ein MehrcreS. Nachschr. Sollte Ihnen der Abdrnk der Platte von den sicilischen Münzen Ihres Musei, welche Tuscker^) gezeichnet hat, in die Hände fallen/ so bitte ich Sie/ mir dieses Blatt auf einige Zeit zu leihen / um mir etliche Münzen abzeichnen zu lassen/ welche ich in meiner Schrift angeführet. Ich glaube/ daß Sie nur dieses einzige Blatt haben; wo ist aber die Platte? An M n z e l -- S t o s ch. lNach Florenz.? Rom, den 2 Sept. 1757. Äer lezte Brief ist mir wahrhaftig einer der angenehmsten/ die Sie mir jemals geschrieben haben. durch den damaligen Nuntius zu Florenz, Monsignore r> chiuto kaufe», und sie wurden zum Cardinal Passio- nei, als damaligen Bibliothekar der Vaticana, hingebracht. Nicolai. lBr, v. j Z Jun. t7ZS.? 2) lAlfani?— Nr. v. 7 und Jun.Z Z) Der verstorbene Baron Stosch hatte verschiedene/ und 16 * Z-Z'i Freundschaftttche Ihre künftige Einrichtung gewinnet eine gute Form, das freuet mich herzlich. Ich schließe daraus/ daß Ihr Kapital anfängt/ so anzuwachsen/ daß Sie glauben, vor Ungliik gesichert zu sein. Ich wollte/ daß Sie keinen Groschen nöthig hätten auszugeben, bevor es sich völlig gehäufet. Sie werden aber hoffe ich/ noch einmal nach Rom zu kommen gedenken: den Sie müßen alles mit mir noch einmal durchsehen. Aber ich würde mir alsden ausbitten/ daß Sie nicht viele Visiten machen. Es ist mir lieb/ ja herzlich angenehm, daß sie von neuem Muth gefaßt haben zur Vollendung un> seres Werkes; das Mehreste ist gemacht. Ich habe indessen mit Pagliarini geredet/ und überschike Ihnen eine Probe/ wie er es druken wollte/ und den Überschlag der Kosten; dieser kan Ihnen wenigstens zu einiger Nachricht bei Ihrem Contracte mit Bondueei dienen. Ich habe nicht Zeit gehabt, Ihnen Nachricht über die Forderungen des Form- schneiderS zu schreiben: sie werden aber sehr mäßig sein. Ich glaube / geschrieben zu haben/ daß alles in Holz geschnitten wird/ welches mehr ausstehet/ als gegossene Lettern. Die Hefte wollte ich Ihnen künftigen Sonabend zurükschikcn/ wen eS nöthig wäre/ und vielleicht thue ich es. Vergangenen Mittwoch habe ich nicht geschrieben/ aber künftigen Mittwoch werde ich schreiben. Das Paket ist groß/ kostet aber nur 2 Paoli/ 6 Bajoechi. Der Brief mit den Buchstaben kostet t Paolo, cioöxcr zum Theil große Künstler von Zeit zu Zeit in seinem Hause, die eine Menge seiner vorzüglichsten Münzen und Gemmen abzeichneten. Unter diesen war auch der berühmte Markus Tusckier, der einige hundert Zeich, nungen von den schönsten Stük?n gemacht hat. >M>ui sehe die Vorrede zur Beschreibung.) Nieolai, Briefe. Ia conscxna. l) Sie werden besser/ als ich wissen, was' das' bedeutet Wo wir das Kabinet von Graffe negg angeführet haben, wird der Name müßen auSgestri- cheii/ und nur gesezt werden: clsris I« cabinet cl'un l>m!>tour » I^oiuc. Den er verkauft alleS/ oder besser zu reden/ er muß alles abtreten an jemand/ der ihm das Geld vorgeschossen. Dieser du Han ist nichts von allem / was er vorgibt/ und in weniger Zeit wird sich offenbaren/ was und wer er ist. Behalten Sie es aber izo noch als ein Geheimniß bei sich. Er kan so gut deutsch, als wir beide/ und hat sich bisher mit keiner einzigen Snlbe geäussert. Seine Frau/ glaubt man/ sei eine L!I<- entretenue. Alles dieses sub sigillo silenlii; den es kennen ihn die Engelünder. ES sind drei sehr wichtige Hefte/ und sie verdienen/ daß ich allen meinen Fleiß anwende/ wie ich thun werde. Die Köpfe machen mir Noth. Ich sehe/ daß in Münze»/ die mir zur Erklärung gebracht werden/ ich klüger bin/ als andere/ die ihr Werk wollen daraus machen/ und daß es nicht möglich sein wird/ andere gegründete Namen zugeben: dieser Meinung ist auch Baldani. Mich düncht/ es bleiben nicht über 40 ohne Taufe. ES ist ja nicht zu verlangen/ daß eS lauter Kaiserköpfefein sollten. Wer wird z. E. in Schwaben den Kopf des Chevalier Man/-) von Toricelli geschnitten/ kennen? Die künftige Woche werde ich an die Vorrede anfangen zu gedenken. Ich wünschete nur eine klei- j) Was man an einigen Orten Deutschlands Einschrei« begeld nciit/ nämlich/ daß die Briefe in die Postkarte eingeschrieben werden Nicolai. 2) ^Englischer Gesandter in Floren».! / 366 Freundschaftliche Iie Nachricht von dem Leben zu haben. Verfahre» Sie behutsam damit/ in Absicht der Materialien sowohl/ als der Verfassung. Geben Sie nichts an, was keinen Grund hat/ und was viele Menschen besser wissen. Bedenken Sie/ (wen uns die Eigenliebe nicht schmeichelt/) daß der KatalognS ein Werk werden sollte/ was sich lange erhalten müßte/ und wo das Wahre und Unrichtige oft gelesen wird. Und da wir uns einer Kritik aussezen/ und sie hoffen können, so geben Sie durch keinen Punkt im Leben Gelegenheit zu einem bitteren Scherz. Ist das Leben gut geschrieben/ so lassen Sie auch die Wahrheit darinen erscheinen. Die Güte einer Sache bestehet darin / daß sie ist, was sie ist/ und sein soll. Ihr gütiges Anerbieten, womit Sie beschließen, ist so beschaffen/ daß ich mich demselben gemäß verhalten muß. Sie wollen großmüthig sein: ich muß auf meiner Seiten den wahren ehrlichen Man zeigen , und solche Gelegenheiten sind geschikt dazu. ES thut mir leid/ daß meine Umstände mich nicht sein lassen in der größten Strenge/ was ich sein werde, wen einmal bessere Zeiten kommen. Hiermit genug bis auf ein andermal. Wir können unserm Werke mit Recht die Aufschrift einer Beschreibung geben/ wie Mariet- t e seinen Katalogum das Ka bi net de Crozat nennet. Wan es wird gedrukt sein, kan man an einige, die für Kenner gehalten werden, und Glauben haben/ als: CayluS/ das Werk schiken; und ich hoffe alsdan / daß der gewünschte Debit erfolgen soll. Der Herr Cardinal verlangete/ ich sollte Ihnen schreiben/ ihm ein Exemplar von den l?iei><-8 Ihres Onkels gegen Bezahlung überkommen zu lassen/ weil er ist darum ersuchet worden. Das seini- Briefe. 667 ge ist durch das Calchiren^) der Figuren verdorben. Er will es verschenken. Ich sagte ihm/ daß Sie nur ein einziges Exemplar hätten / so viel mir wissend sei: er ersuchet Sie also, ihm ein Exemplar aus Holland kommen zu lassen. Wen es näher zu haben wäre, würde es besser sein. Verlieren Sie keinen von den Znsäzen/ ich habe sie nicht mehr/ und kau sie nicht ersejen. Ich sehe/ daß Sie in dem ersten Hefte einen Zusaz habe» vergessen hinzuzufügen. Sie haben mir die z>lillcta iurersüucuonis sehr verrüket. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz.) Rom, de» 15 Sept. t75?. Ah schikc heut acht Hefte von hier ab/ und in denselben liegen die Namen der fünf Helden in Holz geschnitten. 2) Sie werden sehen,, daß ich nicht nachläßig gewesen bin: eine kleine Erinnerung in dem j) Kalkirc» (deii ma» muß das ch nach italiänischer Art wie ein k aussvrecheu, sranzvsisch cali>u»r,) heißt rigeut» lich eine Zeichnung auf frischen Kalk abziehe». Gewöhnlicher aber/ obgleich uneigentlich, eine Zeichnung/ oder einen Kuvserstich aus die Art cooiren, daß nian eine Seite des Originals mit einer in Staub verwandelte» Farbe überreibt, oder beschmiert, da» mit einem sansten Griffel über alle Umrisse und Zuge fährt, wodurch diese sich nun aus das untergelegte Blair Papier oder Pergament abdruken. Auch kaikirr man mittelst eineF geölten PavierS, eines Storchenschnabels, eines niit Gummi bestrichenen Scheibenglases, und durch Flor. Nicoiai. 2) lDenkmale, Num. I05.I 2-58 Freundschaftliche Briefe vor dem lezten an mich konte nicht schaden; aber ich bin auch ohne dieses nicht gleichgültig über meine Ehre mit dieser Arbeit. Was ich geändert habe/ ist aus gegründeten Ursachen geschehen/ die ich wegen Kürze der Zeit nicht angeben kan> Den wen ich/ anstatt le Laliinet Ivoi tlll Lillile il l^i gcsezet Leinet karucsie», so werben Sie die Ursache einsehe»/ weil es'nach Spanien gehet.') Weii ich anstatt Hermes' gesezet Terme, ist die Ursache/ weil dieses ein französisches Wort ist, und jenes nicht. Mr. Gaint Laurent wird es von Florenz seiner Nation nicht anfdringen können. Mir gefällt an einigen Orten die sehr große Freiheit nicht, die man sich genommen, die Steine ganz und gar anders zu sezen, als ich sie gelassen. Wo ich Kommata auSgestrichen/ ist es' mit zwei Querstrichen geschehen; dieses muß sorgfältig beob> achtet werden: den es ist kein einziges Komma über- ^ gangen und zu übergehen. Wegen des Griechischen ist mir sehr bange, weil ich gewiß glaube/ daß in ganz Toscana kein einziger sei/ auf den man sich verlassen könne; sind doch in Rom nur zwei Personen. Sollte man Gefahr lausen/ was Fehlerhaftes zu liefern, müßte ich von neuem alles wegstreichen und ändern/ und ich will es lieber thun. Wen ab'r Bondueci die Augen genau aufsperret/ so ist das wenige Griechische so deutlich geschrieben/ daß er nicht fehlen kaiu man muß aber auf einen jeden Punkt unter und über jedem Buchstaben Achtung geben. Also las- t) Dieses war ei» bloßes Gerücht, welches nicht wahr ge» worden ist. Der König hat, als er nach Spanien anig? nichts mehr, als einen einzigen Stein zn einem Ringe/ so im Herculano gesunden worden/ mitgenommen, die andern Sachen sind alle im vorigen Stande geblieben. Nieol»>> Briefe. 359 sen Sie uns in Gottes Namen Hand an's Werk legen. Der Artikel des Jupiters ist nach der beigelegten neuen Disposition zu andern. Der Name des Tydeus ist auch fertig: ich habe aber keine Zeit gehabt, denselben zu holen. Wen ich ein oder zwei Buchstaben von dem ters inn^usculo Areco erhalte, so lasse ich die einzelnen Buchstaben nach und nach schneiden; ein rundes griechisches L kan hernach mehr als einmal gebraucht werden. Im vierten Bogen sind dergleichen drei. Ich freue mich/ daß Sie sind fröhlich gewesen; ich auf meiner Seite bin zufrieden/ und werde eS sei«/ so lange ich gesund bin ?c. A n M u z e l - S t 0 s ch. lNach Florenz.Z Rom, den <9 Sept. l75S. Aie werden den Freitag vermuthlich alles erhalten, was ich von unserer B eschre>bu ng (den diesesist die Überschrift/ welche wir ihr geben müßen) erhalten habe. Hch erinnere nur, daß bei der Paste der ersten Klasse/ welche zwo Ibis vorstellet mit einer Schlange / >) der Name des Besizers muß geändert werden! eS hat ihn izo Mylord Brudnell. Sie werden die Rechtschreibung dieses Namens bei dem Chevalier Man erfahren. Die Namen der fünf Helden habe ich beigeleget/ und sobald ich einen einzigen Buchstaben von l) u Kl. j . 2S Num.z Doch heissen da die beiden Nögel nicht zwo Ibis, sondern ein Ibis und ei» Sperber. Nicolai. 360 Freundschaftliche innjusculo tzrecc, habe/ werde ich die paar Buchstaben zur ersten Klasse im vierten Bogen schneide» lasse»; es wird der T>ruk nicht unterbrochen werde». Ich sage Ihnen tausend Dank für Ihr großmüthiges' Anerbieten wegen meiner deutschen Schrift. Hch habe keine Eile mit derselbe»/ ich will fle von neuem durcharbeiten/ und sie soll noch einige Jahre liegen. Ich habe sehr viel geändert und zugesezet, und werde damit fortfahre». Mein Vergnügen soll sein / nachdem sie in vielen Monatschriften angekündiget worden/ sie für mich zu lesen/ und zu wissen/ was Andere Nichtwissen und denke» können. Der sogenante du Ha» hat einen andern Namen, auf den ich mich nicht besinne; es ist ein französischer Name. Er hat über kooo Scudi Schulden gemacht/ und hat keinen Pfennig/ es bezahlen zu können. Seine Baronie ist ein Luftschloß. Seine Sachen sind theils in andern Sachen/ theils von dem Governo versigelt. Ich erwarte andere Hefte. ES wird/ hoffe ich, alles gut gehen/ und auch Ihre Furcht wird verschwinden. Ich erinnere an das Kupfer der Münzen; weil Sie nur den einzige» Abdruk haben/ will ich es unverzüglich zurükschiken/ so bald ich es zeichnen habe lassen. Meine schöne Zeichnung wird izo in k-»le radiret von dem, der sie gezeichnet hat. Es fehlet mir an Zeit/ mehr zu schreiben. Ich bin und ersterbe;e. An M u z e l -- S t o s ch. lNach Florenz.z Rom, den 26 Sept. 175S. ^S däucht mich eine lange Zeit durch einen Posttag/ welchen Sie überschlage» habe»/ und ich habe Briefe. 361 vergessen, den vorigen Soiiabend zn schreiben, so nötbig es immer war. Ich habe zu erinnern: erstlich, daß etwas in der ersten Klasse bei dem ersten Steine vom AnubiS geändert werde. Ich habe sezen wollen / oder wirklich gesezet: „ daß auf keinem wahrhaftig alten ägyp- „ tischen Denkmale ein Anubis anzutreffen set." Wan eS also stehet/ ist es falsch, und es muß entweder auS- gestrichen werden; oder wen es ein Anubis mit dem Caduceus ist/ an welchem diese Anmerkung angehänget worden/ so ist dieselbe also zu fassen: „Es findet sich kein Anubis mit einem CaduceuS auf „^irgend^ einem alten ägyptischen Denkmale." i) Zum zweiten ist zu dem Mll- , wo ich einen Herkules mit einem c->,iu -o- f-s bemerket/ mit anzubringen: „daß sich ein sol- „ cher Herkules mit einem <-o,/-u auf einem c/'u/ie u,v!e finde/ /v'5 oit " und dieses wegen der Seltenheit/ aber so kurz als möglich. Ich hatte diese Sachen vorher nicht gesehen, und niemals können zu sehen bekommen. Zum dritten tonnen Sie die Jupiters auch nach dem Alphabete folgen lassen/als: i.) Jupiter Am- mo n u. s. w. So hat der Leser keine Mühe zu denken, warum man den Jupiter PhiliuS nach dem Jupiter Axur gesezet.^) Mich verlanget sehr nach Arbeit/ und nach ein paar gedrukten Bogen vom Katalogo. Schiken Sie dieselben p->r couvei-t an den Cardinal. Noch mehr aber verlanget mich zu hören, ob Sie vergnügt seien, t) Wo steht es bei Num. IV6 der t Kl.Z 2).lJst angebracht bei Num. 7S. der 2 Kl^I A lJst nicht gesch heil.^ Winckelma». 10. 16 362 Freundschaftliche und ob die Furcht vor dem Unfall verschwunden, oder sich zum Bessern erkläret habe. Künftigen Son- abend ein Mehreres. :c. An M u z e l - S t o s ch. Mach Florenz,'! Rom, den 2? Sept. !75?. liefen Brief ließ ich unversigelt liegen/ da ich abgerufen wurde; und da ich nicht nach Hause zurük- gehen konte, so blieb er zurük, so nothwendig er auch gewesen wäre/ wegen der Änderung bei dem A nubi 6. Heute, als den 29 September, habe ich beide Briefe zugleich erhalten/ den mit den Buchstaben und den lezten. Künftigen Mittwoch werde ich Ihnen die Buchstaben fchiken/ welche Sie nöthig haben. Ich bin froh, daß wir wegen des Griechischen gesichert sind; aber mir wird sehr angst und bange nunmehr»/ da ich höre/ daß man wirklich an den Dnik gehet. Ich wage also meine Ehre und Schande: der Himmel gebe, daß es zum Guten ans'schlage. Ich begreife nicht, wie Sie mir können Bogen zur Correetur schiken; ich wünschete/ daß eS möglich wäre: aber es' wird wegen Mangel der Lettern beim Bondneei nicht geschehen können. Von dem völlig fertigen Druke bitte ich mir von jedem Bogen 4 aus mit der Post im Couvert an den Cardinal. Was den KataloguS betrist, soll alles wohl ge- sorget werden. Die ersten Bogen babe ich nicht. Sie haben mir auch nur etwa ^ geschikt. Ich werde Ihnen aber die mangelnden Bogen angeben. Machen Briefe 263 Sie es, wie der König in Preußen, welcher den Muth niclit verlieret/ und fast mehr Furcht machet anizo, als vorher. Leipzig, saget man, ist schon wieder sibergangen. Ich muß und will mein Leben in Nom beschließen: es mag also gehen, wie es will; ich werde mich freuen, wen es gut ist, aber mich nicht todt grämen, wen es übel stehet. Gut kan es nicht werden. Wohin Sie und ich gedachten, ist dermaßen mitgenommen, daß es sich nicht erholen kan. Ich küsse Sie, mein theurester, werthester, liebster Freund?e. A tl M u z e l - S t o s ch. Mach Florenz,l Rom, den 7 Set. I75S. Ach habe Ihnen den vorigen Mittwoch die ersten nöthigen Buchstaben geschiket, und heute schike ich die übrigen zu den drei ersten Heften. Sie haben vergessen, mir den Brief, welcher aus Leipzig an Sie gekommen, mitzufchiken. Ich kan mir aber vorstellen, daß es wegen des DrukS des Katalog« sein wird, ich werde künftigen Sonabend den Buchhändler bedeuten. Heute habe ich an Walthern geschrieben, und erneuere den gemachten Vergleich aus keiner ander» Ursache, als um mein Wort zu halten, mit dem Bedinge, daß er mir dieKuvfer und Zeichnungen, welche ich machen lassen werde, bezahle, was ste mir kosten. Unterdessen babe ich mir ein ganzes Jahr Zeit genommen, und bis dahin läuft viel Wasser ab. Den ich sehe, daß ich in einem lSachsen.Z 364 Freundschaftliche Jahre sehr viel klüger geworden, und der erste Theil meiner Schrift hat, seitdem ich von neuem angese- zet habe zu arbeiten, eine ganz andere Gestalt gewonnen Ihre Entschuldigung wegen der Briefe ist sehr überflüssig: was tönte man mir schreiben, was ich Ihnen nicht gerne mittheilen wollte? Leipzig ist wieder eingenommen, wie man dem Cardinal aus Wien geschrieben mit der gestrigen Staffele von Mailand. Der Kurprinz aber ist zu Dresden, und nicht »ach München, wie ein falsches Gerüchte ging. Wen Sie Gelegenheit haben, die ?itture ä'Trco- !->«o mit Vortheil zu verkaufen, so sorgen Sie, mein Exemplar unterzubringen. Wozu ist es' mir nüz? Ich srene mich über der — unerwartetes Glük. Ich. stelle mir Ihre Freude vor auf den künftigen Genuß. Wail eS Ihnen im übrigen, wie bisher, gehet, werden Sie nicht viel Menschen zu beneiden Ursache haben. In Rom wünschcte ich Sie zu sehen, (wen Sie Zeit haben würden, mit mir Rom zu genießen) aber nicht ans angeführten Ursachen. Schi- ken Sie mir nur einen einzigen Bogen; ich verlange nicht mehr, fo sind wir ausser Sorgen. Ich hoffe, es wird alles gut gehen. Künftigen Mittwoch ein MehrereS:e. Nachfchr. Ich fchike Ihnen 3 Sinke Buchstaben. Ich hatte ein hetrurifcheS Wort mitschneiden lassen; da mir aber der Mensch meinen Zeddel, auf welchen ich ihm die Buchstaben vorgemalet hatte, nicht wiedergebracht hat, und ich zweifelhaft bin, ob er eS recht gemachet: so kan dieser Name, welcher unter dem Mercuriu 6 vorkämt, ausgestrichen wer' den; den eigentlich gehet er uns nichts an, und siehet auf einem schon bekant gemachten Steine, Briefe. 36,5 An Muzel-Stosch. lNacli Florenz,) R>»»/ den 2 Oct. oder den ?Z?ittwoch. U7ZS.) ^ch erwarte in diesem Augenblike die geschnittenen Buchstaben zur ersten Klasse; ich hoffe, daß man sie bringen wird. Das Buch nebst den gedrukten Bogen war dermaßen durchweicht vom Negen oder vom Wasser/ daß ich es nach und nach an der Luft trokene, um die Blätter ohne Schaden vvn einander zu löse». Denken Sie an nichts anders/ als vergnügt zu sein: dieses antworte ich Ihnen auf Ihren gütigen Vorschlag des Gewinnes. Ich wünschete, den künftigen Sonabend neue Hefte zu bekommen: den den werde ich eine kleine Reife auf L Tage nach Camaldoli zum Passion ei machen. Mr, Cochi i) hat ein großes Verlangen bezeiget, mich zusprechen. Der Affe! er weiß ja, wo der Cardinal Alexander zu erfragen ist, und daß ich bei demselben zu finden bin. Er ist als ein reisender Deutscher, wie ich vermuthe, schon von hier gegangen Der Herr Cardinal laßt sich bedanken für daSNe- cept nnd läßt Sie herzlich grüßen. Ich schreibe mehr, als ich Zeit zu haben glaubte: aber ich will so lange schreiben, bis die Buchstaben kommen, und bis mich der Cardinal ruft. Man saget, die Österreicher sind geschlagen. Loa pro! der Cardinal saget öfters: Lenctletw il ?>e c?i ?ru55i»! Dieses aber bleibe unter uns beiden. Er ist zu unbesonnen in seinen Reden, und ich sollte der- 1) Sohn eines florentiner Arztes, Nicolai. 366 Freundschaftliche gleichen billig nicht schreiben. In Tagen hat der Cardinal gar nichts Neues erhalten; das ist ein üb- leS Zeichen. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz.? Rom, dc» 24 Set. i75?. Äleine ,Faulheit ist Ursache/ daß ich nicht alle Post- tage geschrieben/ nicht der Aufenthalt auf dem Lande. Den ich bin nur einen einzigen Tag in Castello S. Gandolfo, und gestern in Fraseati gewesen/ wo ich allein in aller Eile den Cardinal Passio- nei besuchet habe. Mein Cardinal schmeket nichts als seinen Steinhaufen/ und ich kau keine List ersinnen/ mich auf ein paar Tage von ihm loszumachen. Wen ich ihm merken lasse/ daß ich wohin gehen will/ so ist er angenbliklich fertig/ sich anzubieten/ mit mir zu gehen/ um mich zurükzuhalten. Um zu verhindern/ daß ich nicht möchte zurükblcibcü in Castello/ versprach er mir/ auf n> Tage mit mir zurükzugehen/ wen der Pabst würde abgereiset sein. Was kau ich machen? Er hat mich gerne um sich/ und dieses entschuldiget ihn bei mir. Ich freue mich von Herzen/ daß die Reise beigetragen hat/ Sie zu beruhigen. Gedenken Sie vornehmlich auf das Gegenwärtige: den so gesund Sie immer sind/ können Sie vielleicht vor mir sterben; und wen Sie kein Weib nehmen wollten/ was würde Ihnen sehlen? Was Sie mir von den vier ersten Bogen unseres Katalogi geschrieben haben/ Nehme ich für einen Scherz an. Ich will wenigstens hoffen/ daß man Briefe. 267 den Drnk mit aller Aufmerksamkeit übersehen habe. Was im übrigen nicht ist/ mnß man als ein Christ in Geduld ertragen. Die Arbeit verdiente einen besseren Ausfall. Den Vorschlag zur Beschleunigung des Drukes billige ich/ wen eine ziemlich gleiche Eintheilung kan gemacht werden/ welches Sie besser/ als ich/ machen können/ da Sie die ganze Arbeit vor Augen haben. In dem/ was übrig ist/ soll eS an meinem Fleis- se nichts mangeln; ich habe nicht wenig dazu angemerket/ und künftigen Sonabend schike ich Ihnen den Heft / den man mir in Ihrer Abwesenheit geschi- kct. Ich bitte nichts weiter/ als die Schiffe hinten zu fezen/ so wie ich Ihnen den Ort in dem Entwürfe der Ordnung und Kapitel angewiesen hatte. Sie haben mir viel Freude gemacht durch Mittheilung des Briefes Ihres FrenndeS: er müßte Sie izo kennen/ um Sie recht zu fchäzen. Der Buch» Händler in Leipzig ist ein sehr ehrlicher Man / ^) und verdienet ein- Antwort von Ihnen. Lch kan nicht eher an ihn schreiben / als bis ich ihm etwas mitschi- ken kan. Er hat mir mein Manuscrivt zurükgeschi- ket/ und in demselben drei schöne holländische Du- eaten / welche ich unter mein Kopfkissen lege. Ich brauche also kein Geld/ auch damals nicht/ da ich das Buch zum Verkauf antrug. Ich bin noch der Meinung/ weil ich keine Bücher bestzen will; aber ich weiß nicht/ wie viel ich fordern soll. MengS/ welcher izo in Neapel ist/ wollte/ daß ich 20 Zee- chini fordern sollte/ welches mir aber über alle Ge- bür gefordert scheinet. Ich schike Ihnen die Erstlinge von den Kupfern zu meinem Werke. Der Stich in Scheidewasser ko- 0 lDyck.Z 368 Frcmidschaftlichc stet mir andere -i Zecchini und es ist Gott Lob alles bezahlt. Ich lasse izo an andern Zeichnungen arbeiten. Walthern muß ich den Druk lassen, ich will ihm aber denselben so kostbar durch die Kupfer machen/ daß er entweder abstehen/ oder alles von Heller zu Pfennig bezahlen soll. >) Ich erwarte die Sachen mit dein Procacci»/ und lasse/ was' übrig ist zu schreiben/ bis zum Sonabend. Nachschr. Ich sreuete mich schadenfroh/ Sie in Rom zu sehe»/ ohnerachtet ich mir vorstelle / Sie nicht/ wie ich wollte/ genießen zu können; nicht wegen meiner Verstrikung/ sondern wegen Ihrer eigenen Gange. Wen der Katalogns wird am Licht sein/ wäre die rechte Zeit. An M n z e l - S t o s ch. LNach Florenz. Z Rom/ den 27 Sct. 175?. feilte, den Sonabend geaen Mittag/ erhalte ich den Heft nebst den fünf Bogen. Sie lassen ja einem katholischen Christen kaum Zeit/ ein paar Eier zu essen/ und Wen Sie mir öfter jo kommen/ sollen Sie es mit etlichen Flaschen gutem rothen Wein bezahlen. Hch habe unterdessen den Heft zweimal durchgelesen / zuaesezet/ ausge- stricheil/ bis auf das geringste Komma mit zwei Querstrichen/ und dieses Manuseript soll künftig Zeuge wider Sie sein. Wen der Druk genau, nnd ein jeder Bogen etlichemal nach dem Geschriebenen durchgesehen wird, können unmöglich Fehler bleiben. Der Druk ist nicht der beste/ aber er ist erträglich. ES wäre zu wünschen/ daß derjenige/ der es durch- tZ lWeil derselbe durch sein vorgeschuztes Privilegium W i i» ckelman die Freiheit benommen hatte, seine Geschick» te der Kunst ausser Sachsen druken zu lasse»,) Briefe. 369 gesehen, alles verstanden hätte. Pococke ist allezeit angeführet: ok «1>e anstatt das ist: /.cnv5/^. Anstatt ist t?/!au5»e'e gesezet Es wird dem englischen und wahren ehrlichen Manne nicht lieb sein / wen ich an der Vorrede anhängen werde, daß diele Drukfel?ler eingeschlichen sind, weil ich selbst nicht gegenwärtig sein können. Die Vorrede aber wäre ich sehr geneigt in Rom Kruken zu lassen. Geben Sie ia genan Achtung auf die Kommata: ich habe viel mehr ausgcstriche», als gesezet. Dieses ist mit ein Fehler in dem Gedrukten. Sie bekommen also 2 Hefte, den Co nspee tum, ein Blatt Zusäze, und einen geschnittenen car.it- tere ,icl Ao, 2/, 7. 1) Es war gut, daß zu diesem lezten Hefte keine Buchstaben zu schneiden waren ; den ich hätte sie Ihnen nichr schiken können. Es findet sich jemand in Rim, welcher die re ll'Lrcolsoo kaufen Willi aber ich weiß nicht, was man fordert. Für die Nachricht aus Siena bin ich sehr verbunden. Nunmehro will ich suchen, ob nicht Nachricht zn finden ist. Künftigen Mittwoch werde ich Sie mit einem Briefe nach Leipzig an den Buchhändler Dyck beschweren. Der Herr Cardinal bat mit mir gescholten und arg gehauset, daß ich Ihnen nicht geschrieben: ich weiß, wie ich dazu komme. Seien Sie unbekümmert! ich habe mit der G ot ti n d er G esu n d h ei t einen Vertrag gemachet, bis der KataloguS fertig ist. So mä- i ßig wie ich lebe, wäre es unrecht, daß mir etwas « zustoße -e. l) lSoll Heisse» zu Num. 420.Z 370 Freundschaftliche Nachschr. Ich habe meine schöne Zeichnung <) in Kupfer stechen lasse»/ künftig schike ich Ihnen einen Abdruk. Erinnern Sie sich des Blattes' von Ihren alten Münzen. An Weiße. l Nacb Leimig, Z Nom, den Z0 Set, 175?. (Aie nehmen so viel Theil an dem, was mich be- trift/ daß ich wünsche/ ein Gleiches thun zu können, Mit dem Druk der Schrift soll eS bei dem bleibe»/ was ich beschlossen habe. Hch will noch ein Jahr an derselben arbeiten/ und wen ich glaube, daß dieselbe sich nicht versteken dürfe/ alsden über etwaS/ was ich und kein anderer hat. Werde ich die Schrift aber in der lieben Muttersprache drnken lassen / so soll sie Herr Walther haben; den Wort muß ich halten. Unterdessen habe ich ein drittes Kupfer/ dessen Kosten dem Buchhändler ein Stein des Anstoßes gewesen sind/ stechen lassen und man arbeitet izo an einem vierten, und ich werde fortfahren / alles/ was ich erschwingen kan/ an dieses mein Erbtheil (den sonst habe ich nichts) zu wenden. Dem theuern Herrn Dyck werde ich/ sobald die Beschreibung des stosch ischen Musei zu Florenz an eben diesem Orte wird die Presse verlassen haben/ und noch eher/ eine Abhandlung über dasSchöne in derBauknnst iibermachen. Wen ich nichts Systematisches/ sonder» nach heutiger Mo- t) lSthrvades.Z Briefe. 371 de, in Form der Briefe schreiben wollte, könte ich schon einer Presse zu thun geben. Dieses aber kan / geschehen/ wen ich stumpfer werde. Es fehlet mir ' an nichts zu meinen Untersuchungen. Ich habe eine der grünte» Bibliotheken in Rom, die von Pabst Clemens Xl. errichtet worden / unter mir, und meine Beschäftigung mit derselben bestehet in deren Gebrauch. Der Herr/ dem ich diene/ ist mein Freund, meine beständige Gesellschaft, wen ich will/ den Tisch ausgenommen/ weil er mit dem Prinzen Albani speiset. Ich habe allein den Sclilüssel zu einer Sanilung von Zeichnungen/ die nicht leicht ihresgleichen in der Welt bat. Ich wohne in vier Zimmerchen/ die recht zum Studiren gemacht und gelegen sind/ und meine Gesellschaft sind die alten Griechen. Leben Sie vergnügt/ im Genuß aller Süßigkeiten des Lebens, welche Gesundheit und ein froher Muth verstatten. Ich bin, wie ich beständig sein werde/ -c. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz.) Rom, den ZV Sct, 5759. Ach habe Ihnen verwichenen Posttag geschrieben/ und zugleich die 2 Hefte, welche ich gehabt habe, »ebst den Zusäzen dazu überfchiket. Ich finde zu erinnern: i.) Wo von dem Cupido geredet wird/ welcher einen Kranz um den Hals hängen hat/ welches auf einem angeklebten Blatte stehet/ habe ich nur von einem Cupido auf einem Oktogene im Campidoglio geredet. ES sind abcr zwei solche Amors, welches also zu ändern ist. 372 Freundschaftliche 2.) Bei dem ersten Cupido von den zween/ welche sich in einen Mantel cingewikclt baden, und eine Laterne tragen, muß angemerket werden/ daß ein solcher Cup ido i»t'err-,^oi->^c>, wie die auf den Steinen / und eine Laterne tragend/ auf besagtem Ok- togene stehet, l) Wen die persischen Steine noch nickt um« gedruket sind/ tönte ich sie etwas' besser ausarbeiten. ES hat ja keine Eil; ich will eS aber sogleich fertig machen/ wen Sie mir das Blatt überfchiken. Vielleicht findet sich nichts zu ändern. Sagen Sie doch dem Buchdruker, daß er mit seiner wenigen Gelehrsamkeit nach Pisa reise/-) aber nicht dieselbe in dem Werke zeige; wo ich eine Edition Henrici Stephani allegiret: // hat er gesezet: Ae/,Ich will nicht von dem ausgelassenen // sagen: dieses aber völlig auszudruken, ist ein Gebrauch der Pedanten/ der Scioli und der Frati/ um zu zeigen, daß sie dergleichen Ausgaben gesehen haben. ES wird uns nicht so viel Schande als dem Buchdruker machen, wen ich vielleicht ein paar Bogen Drukfehler werde hinten ansezen; den ich werde alles' sehr genau durchsehen. Erinnern Sie sich des Kupfers von Ihren alten griechischen Münzen. Ich will diese Münzen als Vignetten zu meinem Werke in Kupfer stechen lassen. Leben Sie fröhlich und vergnügt. Ich studire/ lese und arbeite wie der Teufel; und bin;e. Nachschr. Man saget hier für gewiß/ daß G >- 5) Beides findet sich so in Num. 62Z und 62S. Win- ckelman nent diesen Amor weil leirn- jolo italiänisch einen ilberrok bedeutet. Nicolai. 2) SpottweiS gegen die Universität Pisa. Nicolai, Briefe. 37Z raldi^) und seine schöne Frau aus Nom und aus dem ganzen Kirchenstaat verwiesen sind , weil sich eine Dame von Stande an den Pabst gewandt, und sich über den Umgang ihres Gemahls mit der Giraldi beklaget. Sie halten sich aber noch zu Diter- l>o aus/ weil Giraldi seine Sachen noch nicht bat zu Gelde machen können. Man saget aber auch, der Prinz Pan sili habe der Frau ein sehr großes Präsent gemacket, und Einige reden von ^0,000 Seu- di. A'l aucto,- der ans Menschenliebe ein griechisches Wort ! „ angesehen hätte!" Und dennoch wird es uns nicht so gut. Wer kan nun wissen / wie viel Drukfehler in den AllegatiS stekcn, welches ich nicht eher wissen kan, als bis ich dieselbe nach dem ganzen Manuskripte nachsehen werde. Dr. Lami wird ja wenigstens Griechisches lesen können/ und mehr gebrauchet es nicht: den ich habe ja alles mit der größten Sorgfalt geschrieben und verbessert. Wie viel besser wäre es gewesen—? Aber ich will nicht unnüzlich von Dingen reden/ die gar nicht zu ändern sind. Wen »och gar keine große griechische Stellen abgedrukt wären/ und ich könte den Text ändern, so würde ich alles Griechische wegstreichen; ich kau aber theils wegen der Gleichheit des Werks / die man beobachten muß; theils um an einigen Orten durch Anführung der Stellen selbst kürzer zu gehen , nicht anders ver- ! fahren. Vor dem Druk wäre eS Zeit gewesen. Ich habe vergessen mich zu erkundige»/ ob der z?6 Freundschaftliche Herr Baron Schellend» rf angekommen ist: ich werde zu ihm gehen. Mit dem Register werde ich suchen so zu verfahren / daß eS kan zum Druk gegeben werden in demselben Augenblik/ da ich den lezten Bogen erhalte: den man kan die lezten Bogen nachtragen, und vorher alles fertig machen. Zulezt überlegen Sie wohl/ ob es auch zwo Bände werden können? Zwei Theile können wir unterdessen machen. Ich bitte mir das verlangte Buch durch den Pro- caceio aus: die Kosten trage ich. Ich finde ^Vitsii »cl klieii. /I.!) nicht im Katalogo. ES stehet nicht unter den ^nri. c^ualiiz auch nicht im Dieses Buch ist sehr selten in Italien/ und ich finde es in ganz Rom nicht. Man wird es haben mitgehen heissen; eS ist da gewesen/ den ich habe eS gebrauchet/ und in der Descri pti o n angeführet S. 6. Num.2. — , Sollte eS stck finden/ und nicht verkauft oder verfa- ^ get sein/ bitte ich es mir für einen Freund aus, so hoch als eS immer geschäzet wird. Mach' End'/ o Herr/ mach' Ende! werden Sie aus dem Kirchengefange sagen. Ich werde Ihnen künftige Post noch zweimal so viel schreiben/ und lauter unnüz Zeug / wie dieses ist, und hiermit endige ich, und wünsche Ihnen guten Apetit. Wen Sie braunen Kohl essen, so gedenken Sie an mich; gestern habe ich dergleichen gethan, da ich ihn bei einem Deutschen fand. Heute aber muß ich dafür leiden; den ich habe zu viel gegessen?e. t) lernst, >6Z6>? Briefe. 377 An M u z e l -- S t o s ch. lNach Floren»,) Rom, den !0 Nov. 5755. Ach schike Ihnen heute die zwei Hefte mit dem größten Fleisse mehr als einmal durchgesehen/ und stehe dafür/ daß auch kein Punkt libergangen ist. Beilage werden Sie an seinem Orte beitragen. Zwei Punkte betreffen die sehr langen Artikel/ welche mir Mr. Saint Lanrent von den Schlangen gemacht hatte. Ich habe mich deßwegen gegen ihn erkläret/ und er wird es nicht übel nehmen können/ daß ich hier geändert. ES bat mir einen halben Tag Zeit gekostet/ die Allegata dazu genau anzugeben; ich versichere aber/ daß dieses niemals geschehen ist. Sie werden einen Buchstaben zu schneiden besorge»/ nämlich Num. i^-l. Worte w'r- i>nx das n in dieser Gestalt/ welches nöthig ist / weil darauf das Urtheil von dem Alter dieses SteinS gegründet ist. Den Namen mit hetrurischer Schrift zumMercurio konte ich nicht schiken/ weil er verkehrt geschnitten war/ nnd hernach ist es ein Namen auf einem Steine/ der nicht in Ihrem Mufeo ist. Reden Sie aber von einem andern/ so ist er übersehen von mir. Geben Sie bei der Correctur Achtung auf die Accente als in und in und aber Mr. Saint Laurent machet sie / wo es nicht nöthig ist/ in veesse: kein Mensch bat so geschrieben. Ich werde ihm / sobald ich Zeit habe, eine freuud- schaftliche Kritik machen über seine sonst gelehrte t) lNum. 52-iS der 2 KU 16* 373 Freundschaftliche Oissert-iiione sopra le ^>re?.ios»k. 8»In>!>5ii Lxorcit, in 8olir>. „ x, iig. v." y 2.) Ich schike Ihnen beiliegenden Ab- drnk mit/ welcher/ so viel ich weiß/ einer von Ihren Steinen ist, oder gewesen ist: es ist Ulysses mit dem Hunde. Ich finde denselben weder im Katalogs noch unter meinen Abdrüken. Diese habe ich beim Christian 2) genommen. 3.) Ich finde unter meinen Abdrüken nach denSvielen gesezet eine junge nakte Figur/ die einen andern jungen entleibeten Menschen aufhebt / und auf die Schulter gehoben hat/ denselben wegzutragen. Ich glaube/ eS ist etwas auf 5) lSteht bei Num. tiZS.) 2) Vehn. -- Der Stein ist Num. Z62 in der Z Klasse.^ 382 Freundschaftliche die Gladiatoren gedeutet/ welche Erklärung mir aber nicht gefüllt. Er hätte billig zum Mars sollen gesezet werden: nnd da dieses zu spät ist/ müßte man il>» zum Ajax sezen/ der den verwundeten Achilles trägt/!) obgleich die tragende Figur auf dem Abdruk keinen Bart hat/ wie Ajax, welches man anmerken könte. Im Museo Florentino stehet eben diese Vorstellung/ aber größer/ und muß ein herlicher Stein sein/ welcher Ihrem Herrn Vetter entwischet ist. Ist Ihre Samlnng von Schwefeln verkauft/2) oder nicht ? Ist dieses, würde ich Sie ersuchen/ mir durch Herrn Adamo^) den schönen alten Soldaten in Tl>on oder GypS formen zu lassen. Sie wissen/ wen ich meine/ nämlich den/ welchen ich heimlich auf der Galerie abzudruken suchte. Ich seze aber hier voraus/ daß Adamo einen Zutritt zu Ihnen hat. Zch bin sehr wohl zufrieden^ daß Sie dem Gra- ven Firmian ein Eremplar mit Kupfern schiken wollen; es ist mir einerlei/ es komme von Ihnen/ oder von mir. Künftigen Sonabend schike ich den Heft ab/ mit einigen guten Zufäzen und Änderungen. Notab. Wen sich gedachter Stein vom Ulysses findet/ so müßen Sie anmerken, daß ihn der j) lSo steht der Stein Nuni. 284 in der 3 Klasse und »ieli> rere folgende / wo auch das Museum Florentinun> angeführt ist. Unter dem Artikel Mars sind älinliche Vorstellungen von Kriegern, als Num, ?S0 der 2 Klasse) 2) Man sehe eine Anmerkung zur Vorrede der Be> schreibung.Z Z) Ist Ada m Sehweickha r t, ein Kuvserstecher aus Niirn> berg, der sich damals i» Florenz aushielt; hier nach iraliä» nischer Sitte nur mit seinem Vorname» genaiit. ?> icolai. Briefe. 383 Pater Paeiaudi stechen lassen: cl->ns I» sccon>Is ^arüe cle ses /^e/o^onne>!t«ca. Ich bin deßhalb zum Christian gelaufen/ und höre, daß er nicht bei ihm ist. Ich werde erfahren/ wer ihn hat und es in dem Zusaz schiken. Zu dem Mercur mit der Schildkröte/^) wo ich zum Beschluß der Erklärung dieses Steins gesagt habe: „daß sich Mercur mit der Schildkröte als ein bloßes Attribut»»? finde/" sonderlich/ da ich den Stein der CHeroffini angeführet habe: hier muß bei den Worten/ wo ich allgemein sage -e. Ich bin ein Narre! izo merke ich/ daß es schon gedrillt ist. Verzeihen Sie meine Verwirrung. Ich bin noch nicht wieder zum Herrn Kent gewesen; den Sonabend werde ich Ihnen schreiben/ was ich gethan habe. Der Chevalier Wyndham hat sich lassen vom Pompes Battoni stehend malen; er hat daS Werk nicht fertig gesehen. Sagen Sie ihm zu seiner Freude/ (wan ich davon urtheilen ka»/) daß sein Porträt für eines der erste» in der Welt passiren kan. Man kan nicht leicht etwas Schöneres se- I hen !e. An M u z e l - S t o s ch. l Nach Flore»;.) Nom, den l Dcc. l7S?. Ah habe heute früh das Paket erhalte»/ nämlich den Poltert) 2 Hefte/ 4 geduckte Bogen und 2 Schwefel. t) lD ec,».? 2) lNum, der 2 Klasse.z Z) lPottcrs griechische Archäologie.) 384 Freundschaftliche Ich schike heute den Keft ab; Beilage sind Zu« söze. Sie werden bei dem einen Sphinx (^ rt, < M/,. /ie) welcher im Hause Rieeardi war,>) anmerken müßen/ daß ihn izo derDuca di Noja hat;^) den ich höre/ daß er alle geschnittene Steine von Riceardi gekauft habe. Die dritte Klasse muß betitelt werden : Hie Sie gedenken erstlich im JuniuS mit dem Dnike fertig zu werde»/ wie Sie schreiben. Dieses muß ein Drukfehler sein: den um diese Zeit werden Sie schon in London sizen wollen. Im Februar muß alles geendiget sein. Meine Vorrede werde ich Ihnen schwerlich eher als in Tagen schiken können. ES thut mir wehe/ daß Sie sollen einen Übersezer abgeben; nachher muß ich dieselbe von neuem durchsehen und zufezen; gedrukt soll sie in Geschwindigkeit sein. Gott gebe Ihnen Geduld! Die Steine/ glau- ^ be ich / werden alles wieder einbringen. An meinem Fleisse soll es auch in Kleinigkeiten Ihres Musei nicht fehlen. Ich denke izo auf nichts anderes. DerBekante/ für welchen der Pott er bedanket sich durch mich/ und bittet sich aus. Sie wissen wolil/ daß ich keine Bücher sam- le, als die mir höchst unentbehrlich sind und sich nirgends sinden: der Vekante aber ist nicht Ich. Wen der Herr Oberauditeur noch in Florenz ist, so ergehet meine gehorsamste Empfehlung an denselben, und an dessen ganzes werthestes HauS. l-> avrd cl» uns iuriu nc>n» testsj sucke s coslui oe iocolierü uns. Künftigen Mit- t) lNum. Z5 der Z Älasse.Z 2) lJn einem folgende» Briefe widerruft er dieses als einen Irrtum.) Briefe. " woch ein MehrereS. Ich werde das übrige Geld von Herrn Kent annehmen und sage tausend Dank. Wenigstens ist es nicht übel angewandt: den ich halte sehr genaue Wirthschaft, und cS dient mir zum Nothpfennig -c. An M u z e l - S t o s ch, tNach Florenz. Z Noni/ den Z Dec. Z759. Ah schike Ihnen heute durch den alten Canal den Heft mit den Zuiazen. Unsere SeeretärS wollten den Namen des Prosu miere besser als Sie wissen, und ich habe sie machen lassen; sie haben geschrieben Lorendini anstatt Orlandi. Ich kan Ihnen allezeit auf diese Art die Hefte zurükfchiken/ und Sie können mir dieselben in einem Umschlage an den Herr» Cardinal übermachen. Es hat also der Proeaceio nichts weiter zu verdienen. Mit genauer Noth konte ich den Heft abschikcn; es fand sich so viel nachzuschlagen/ daß es mir unmöglich schien. Es ist I>. 122. lizne )re ein alter und Ihnen bereits angezeigter Drukfehler eingeschliche» / das ist: anstatt wie es heissen soll. re?. cli!>uss<.'c, sollte Ihnen, als einem alten Soldaten/ gewöhnlicher sein. Ich merke es a»/ damit eS nicht noch einmal in eben dem Namen versehen werde; p. 127. I. >3. stehet /e-o-an?. Mich däucht, ich habe nicht das Ende von den Faunen und Satyren zur zweiten Nevision hier gehabt. Nunmehro kau ein Heft in L Tagen hin und Winckclmaü. tll. ^7 386 Freundschaftliche her gehen ; ich verstehe von denen / die zum drittenmal kommen/ wie der lezte. Künftigen Sonabend schike ich die 2 Hefte ab/ welche ich hier habe. ES werden ebenfalls ein paar Zusäze mittomnien. Die Nachricht von dem erstaunende» Sieg und ganz unerwarteten Bezeigen der Preußen werden Sie wissen. An Mttzel - Stos ch. LNach Flore»;. Z Rom/ dc» S Dcc. I75S. ^ch bin völlig Ihrer Meinung mit der Eintheilung und dem Druke/ und ich weiß nicht/ wie ich den geringsten Schein geben können von der Schwierigkeit/ die Sie bei mir zu finden glauben. Ich bin so sehr als Sie verlangend / der Arbeit ein Ende zu sehe»/ und überhaupt wird alles wohl gethan, was Sie machen. Der verschiedene Druk kan bei denen, welche den Werth der Arbeit einsehe»/ derselben keinen Nachtheil bringen. Ich habe den vorigen Heft sogleich nebst den ZusäzeN/ an Lorendini gerichtet/ abgeschikt, so wie ich es heute mit den gegenwärtigen zwei andern machen werde. DaS Geld habe ich gehoben: Gott und Hhnelk s'i gedankt! WaS kan ich weiter sagen? Nüzlich ist mir dergleichen Hülfe. Ein Monat Zahlung ist l.i on verloren, und was zu Anfang des Septembers hätte sollen gezahlet werden/ ist noch nicht erfolget. Jzo aber bin ich reich und voraus. ZZ Wom Cardinal Albani.Z Briefe. 387 Die Vorrede werde ich suchen kunstigen Son- abend abzuschiken. Sie ist lang genug; sie sollte aber noch umständlicher werden; es sei genug mit derselben. Die künftige Woche werde ich mehrentbeils verwenden müßen / GlükwünschungSbricfe zu schreiben. Sie sind unterdessen sür die andere Presse versorget. Ich bin nicht im Stande / die Göttin/ welche Sie mir in Schwefel geschikt haben / zu erklären. Eine Münze von KieroinGold wird schwerlich in der Welt sein. >) Man glaubt diejenige Münze zu finden , die er nach dem Siege über die Karthaginen- ser schlagen ließ/ und die von seiner Frau Dama- ra t i hießen. 2) Suchen Sie dieselbe für mich; ich wollte sie auch bezahlen. Aber man würde/ däucht mich/ ausgelacht werde»/ wen wir in einer Zeit lebten/ wo man es verstünde. Künftig ein Mehreren zc. Nachfchr. Zu den Heften habe ich 2 Blätter Zufäze gelegt/ und vielleicht ein drittes/ wen ich Zeit habe. Ihre Bemerkung über den Sphinx auf dem Helme der Minerva des Asp asius^) hat keinen Grund. j) ^Bisher wenigstens ist keine bckant.Z 2) Hiervs Gemahlin war die Schwester des Tliero». Therons Tochter aber, genant Damarata war mit Gelon, dem Bruder des Hier», und nach dessen Tode mit dem andern Bruder Pvliizelns vermählt. Von dieser Schwägerin Hiervs soll die stcilische Münze den Name» bekommen habe» : So sagt wenigstens der Scholiast des Pindarus. (s>. II. 29 ) Sowohl G e l 0 n als Hi e r 0 siegten über die Sarrhager. Wtau vergleiche G. d. K. S B. t K. l? §-^! ?!ieolai. Z) Geht au, ein Brustbild Minervens vom Künstler AspasiuS in Jaspis geschnitten, wovon die Glaspaste in der Beschreibung als Num. der 2 Klasse Freundschaftliche Selien Sie dieselbe, nebst dem Kupfer genauer an. Das Hintcrtheil des Spbinx steht man nicht; vorne ist ein Greif/ der ausser dem Kopf als ein Pferd gebildet wurde. An W a l t h e r. Mach Dresdens Nom, dm s Dec. t75?. O ^sch sehe es als ein Glük für mich an, daß die Umstände mich nöthigten/ die Schrift wiederum zu- rükzufordern: den mit einem Werke/ welches das erste in seiner Art ist/ kan man nicht langsam genug gehen. Seit einiger Zeit habe ich wenig Hand an dasselbe legen können / weil mir die fortdauernde Arbeit an der Beschreibung des stoschifchen Musei von geschnittenen Steinen keinen. Augenblik übrig läßt. ES ssud in Floren; 20 Bogen abgedrukt. ES war nothwendig / den Druk unter den Augen des BestzerS oder des Verfassers zu veranstalten/ nnd eS in der Nähe zu habe»/ wegen der großen Zufäze/ die ich in Rom gemacht habe. Den porkömt; der Stein aber selbst ist bei Stosch »»t. cst. p. >K.) weitlauftiger beschrieben und auf der tZ Tafel abgebildet. Nach dem Kupfer zu urtbeilen, bat Wiuckelman völlig Recht: man siebt das Hintertheil des Svbinx nicht, sondern blos Kops und Hals. Allein der Baron Stosch sagt in seiner Beschreibung ausdrük« lich: „Sphinx mit dem Kopf und der Brust einer >, Jungfrau und dem Leib eines Löwen. " — Der Greif steht nicht eigentlich vorn, sondern aus der Klape? die vom Ohr in die Höhe geschlagen ist. Nicolai. Briefe. 389 es ist nicht möglich/ ausser Rom etwas Gründliches von Altertümern zn schreibe«/ ohngcachtct ich alle ersinliche Hülfsmittel mit der größten Bequemlichkeit in Florenz bei der Hand hatte. Ich zeige dieses zu- meiner Entschuldigung an über dasjenige/ was über den Verlag dieses Werks zwischen uns geschrieben wurde. Ich hoffe gegen den März den Druk geen- digct zu sehen/ welchen ich in die Länge ziehen würde/ wen der Besizer nicht nach Engeland zu gehen Willens wäre. Ich glaube/ man werde einhundert Exemplare in Deutschland unterbringen können. AnS der Vorrede werden Sie ersehen/ daß ein Buchhändler einige tausend Thaler anlegen könne/ die Zeichnungen von den geschnittenen Steinen / welche von den besten Künstlern gemacht sind/ in Kupfer stechen zu lassen/ welche man alsden mit einer vollständigen Beschreibung begleiten köiite. Von meinen Umständen ein paar Worte zu melden/ so bin ich vergnügt; Brod und Wein schmeket Mir/ und mein Herr ist mein Freund/ und ich sein beständiger Gefährte/ doch nur wen ich will/ mit aller ersinliche» Freiheit zu studiren. Ich habe eine der größten Bibliotheken in Italien allein unter den Händen/ ohne in derselben zu arbeiten/ nur sie zu gebrauchen. Die größte Samlung von Zeichnungen habe ich unter meinem Schlüssel; und was das Vornehmste ist/ so bin ich gesund/ wie ich in meiner Hngend war. Ich habe noch zu erinnern/ dass/ wen der Cor- rector meiner Schrist etwa französisch gesint oder zu sehr nach der Mode sein sollte/ so daß ihm die lateinischen Endigungen der im Deutschen geschriebenen Namen der Personen zn fremde klingen sollte»/ man ihm andeute/ daß des Verfassers Absicht gewesen/ sich auch in dieser Kleinigkeit von der französischen Schreibart zu entfernen und lieber rv- 390 Freundschaftliche misch als parisisch erscheinen wolle. Unter andern Dingen, für die ich Gott preise, ist anch dieses, daß ich ein Deutscher und kein Franzose bin. Hn dem Anhange der Schrift kommen etliche Scize, aus welchen man dieseS/ wie ich hoffe/ schließen tan?c. An Mnzel - Stosch. lNach Florenz.? Rom, den 52 Dec. Ach habe den Montag Abend das Kästchen erhalten; weil ich es aber den Dienstag allererst eröfnen können, so kan ich den einen Heft noch nicht zurük- schiken. Beikommende Zusäze werden Sie an ihrem Orte beitragen. Ich weiß nicht/ wie es zugehen kan, das S. Num. 2. das Eriechische ausgelassen worden, »?nd nur das Lateinische davon stehet. Hch kan mir nicht einbilden, daß ich es ausgelassen. Liegt die Schuld nicht an mir, so ist eS Ihnen beizumessen / da Sie das Geschriebene nicht genau gegen den Druk gehaltn, und alSden zeuget es von einer großen Nachläßigkeit. l) Der Bnchdruker muß stch in/--'-o-'t verliebt haben, welches ich allenthalben finde/ ohngcachtet ich eS auSgestrichen. t) lDie griechische Stelle im Atlieniius (X. >g. 71.) zu Num S6S der 2 Klasse ist den lateinischen Worten Win- ckelmaiis nicht angemessen , darum ich den das Griechische ebenfalls weg ließ.? Briefe. 3S1 Ich habe einen Monat »rrersxes i) bezahlet bekommen;-) also brauchen wir uns beide nicht zu bekümmern. Künftigen Souabend werde ich Ihnen zu dem trojanischen Kriege ein paar Zusäze schiken. Ich höre, die Flotte der Franzmänner sei vom Wetter und von den Engeländern zerstreuet und geschlagen. Gute Nacht für Ihre Interessen! Es thut mir leid um Sie: aber muß das Geld in Frankreich stehen? Ihr Nachschr. Ich habe nach dem Schluß dieses Briefes den Heft von dem Zuge wider Theben angefangen durchzusehen und von neuem viel gebessert. Man kan nicht behutsam genug gehen. Ich bore/ daß Duca di Noja den schönen Sphinx im Hause Riceardi nicht bekommen hat. Man muß sich erkundigen/ was jener für Steine gekauft/ und welche sie behalten haben. ES muß also meine Anmerkung bei demselben Sphinx unter dem Orestes weggestrichen werden. An Verends. lNach Weimar?! Liebster Freund und Bruder! Rom/ den 12 Dec. 175?, Ab du es gleich nicht verdienet hättest/ daß ich dir zum neuen Jahre Glük wünsche/ da ich im ver» wicheiien Jahre / ja in zwei Jahren keine Zeile von dir gesehen / so will ich dir dennoch nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. ES ist eine Schande/ daß 1) lNukstand.Z 2) lVom Cardinal Albani Z Freundschaftliche ich wenigstens nicht erfahre, ob du noch am Lebe» bist/ oder verschlage»/ ausgeplündert/ oder wiederum von den preußischen Husaren zum Soldaten gemacht worden. Herr Franke hat mir allezeit geantwortet/ und ich verdienete ja wenigstens alle halbe Jahr 8 Groschen Postgeld. Ich bezahle die Briefe mit Freuden. Ich will dir das Schreiben noch leichter machen: lege meinen Brief in einen bloßen Umschlag -> Lioi»eiice Alonsei^ncur le ^lex, so wird er weder dir noch mir Kosten machen .: den die Briefe des Herrn Cardinals als ploteuore clel 8. Im^>eic> gehen durch das ganze heilige römische Reich postfrei. Auf diese Art lasse ich Schriften und Bucher ans Deutschland kommen/ und auch mein Briefwechsel in Jatalien nimt diesen Weg. Von meinen Umständen ein paar Worte zu melden/ so wisse/ daß ich vergnügt und gesund bin/ wie ich damals war/ da wir uns kennen lernten. Ich habe mich niemals einer behutsamen Diät unterwerfen wollen; den der Wein ist mein Fehler/ und vor wenig Tagen habe ich eine große Kiste mit florentiner Wein bekommen; ich wünschete meine Freunde in Deutschland bei mir. ES ist der beste/ den man hat finden können. Den vorigen ganzen Winter und Herbst bin ich in Florenz gewesen / wohin ich auf Vorschlag des Herrn Cardinals Alexander Albani gerufen wurde/ die B eschre i bung der geschnittenen Steine des stoschische» Musei zu übernehmen. Ich arbeitete mit solcher Anstrengung in dieser mir vorher neuen Sache/ daß ich so schwach wurde/ daß ich nicht mehr sogar die Cioecolata verdauen konte/ und ich wurde genöthiget/ Klystiere zu nehmen. Diese Beschreibung habe ich in französischer Sprache geschrieben und es ist schon ein Alphabet Briefe. 393 in Florenz abgedrukt; gegen den März wird das ganze Werk fertig werden. AlSdan werde ich auf ein paar Monate nach Neapel gehen/ wo ich izs sehr viel Freunde habe/ nnd nachher werde ich von neuem Hand an meine Geschichte der Kunst le» geil/ welches meine lezte Arbeit in deutscher Sprache sein soll. Wen ich muß i» Rom bleiben/ werde ich mit einer wichtigen Schrift in lateinischer Sprache hervortreten können, und alsdan habe ich alles gethan / was' an mir liegt. Sollte der Hof zu Dresden im Stande fein/ überflüssige Leute zu ernähre»/ so ist mir eine ansehnliche Bedienung zugedacht. Meine Pension ist mir bis izo ausgezahlet; fernerhin aber nicht mehr. Ich tan aber ohne diese Beihülfe leben. Ich weiß, wo ich 100 Dueaten finden soll/1) und wen ich viel schreiben wollte/ wird mir der Bogen in Leipzig mit 5 Thaler bezahlt. Ich stehe als BibliothekariuS bei dem Herrn Cardinal Alexander Albani mit 5 Zccchiiti monatlich/ ohne einen Federstrich für ihn oder in der Bibliothek zu machen. Ich thue nichts weiter als mit ihm ausfihren, und dieses an seiner Seite; den unsere Vertraulichkeit gehet so weit/ daß ich mich auf fein Bette seze und mit ihm. im Bette rede. Er gäbe mir sehr gerne den Tisch, welches aber nicht füglich geschehen kan, weil er mit dem Prinzen und zwei Prinzessinen Albani ißt. Sind wir aber beide auf seinen Lustschlössern ausser Rom, so ist auch dieses aufgehoben. Dieses ist der Man, der das erstaunend- fie Werk in Rom auffülwet, welches irgend in neuer Zen entworfen ist. Alle feine Einkünfte von 20,000 Zecchini werden darauf verwandt/ und alleS/ was andere Monarchen gemacht haben/ ist Kinderspiel da- , gegen. i) ISo viel hatte er bei dem Maler Marv» hinterlegt, ei»?»! sehr solide» HauslMrer.Z Freundschaftliche Mein anderer Freund ist und bleibet der Cardinal Passionei, ob er gleich ein Feind ist von meinem Herrn, und ich esse mchrentheils zweimal die Woche bei demselben. Des Abends fahre ich mit dem Herrn Cardinal in eine Gesellschaft zu einer Frau, die schön gewesen ist/ wo der Cardinal bis gegen Mitternacht bleibet; ich aber fahre mchrentheils ein Uhr in der Nacht nach Hause, oder zuweilen zum Suvee bei einem Bekanten. Meine Ordnung ist beständig die vorige. Des Morgens um Ubr stehe ich auf, und schlafe i) wie ein kleiner Zunge, tapfer und ohne aufzuwachen, oder zu schwizen/ wie vorher- Ich wohne in dem Palast des CardinalS in vier Zimmern, sehr ruhig und «n- genehm, nnd an dem erhabensten Orte von Rom. Ich studire wie ein Held bei allen ersinlichen Vortheilen, und ich bin sehr viel gelehrter und klüger geworden. Ich bin allezeit den geraden Weg gegangen, durch alle Feinkeit der Römer mitten durch, und bin dakin gelanget, wo ich nicht gedachte. Ich kenne die Nation und weiß, wie man sie nehmen muß. Ich bin durch viele Proben gegangen; aber ich habe mich nichts irren lassen. Nunmebro ist der Weg zu allem, was man hier hoffen kan, offen. Die Demuth, Bescheidenheit und wenig reden ist meine Regel gewesen und noch: aber wo eS unumgänglich nöthig war, auch mit U n gest lim zu reden. Ich hätte sebr viel zu schreiben, aber eS würde ein Buch werden. Lies, was ich/ in der Eil anfge- sezt, für die Bibliothek der schönen Wissenschaften eingeschikt habe. Das Lezte war etwas von der Bank un st. Unter andern ist »nch darin^I die Beschreibung eines alten Torso, welche dir 2) lEm starkes Hyst eronp roteroinZ Briefe. 396 nicht mißfallen kaii. Nach dem neuen Jahr werde ich etwas von den Schiksalen der Werke des Altertums zu unsern Zeiten aufsezen. Lebe vergnügt! Wen Gott will / tonnen wir künftig ein paar Tage lustig mit einander sei»; alsdan mache dich auf ein gutes GlaS Rheinwein gefaßt. Ich bin beständig ?c. Nachfchr. Ich habe mich in das Bekehrungs- werk gemenget/ und die Probe gemacht an einem preußischen Auditeur/ den ich nicht nennen will. Er war in der äussersten Noth und ich habe il>m hinlänglichen Unterhalt gcschaffet. Aber eS ist der lezte/ wie ick den, durch Schaden klug gemacht, mich hüte vor aller Bekantschaft mit durchreisenden Fremden/ sonderlich Deutschen/ auch vor allem Briefwechsel mit deutschen Gelehrten. Hch gehe noch immer mit einer Neife nach Griechenland schwanger und kan / ausser einem Wechsel von ioo Zecchinen in Athen zu finden, Empfehlungsschreiben an alle ConsnlS englischer Narion von zwei englischen Negotianten in Livorno haben. ES fehlet mir nur ein Reisegefährte, welcher nach meinem Sinne wäre. Wen ich Neapel gesehen, werde ich vielleicht eine Reise nach Sicilien machen. An M u z e l - S t o s ch. lNach Floren;,) Rom, den t5 Dec. Ach bin nicht sehr gewiß, ob ich den Empfang der ^ Schwefel gemeldet habe; aber ich bin gewiß, wie t) iEwe.ld, von de>» oben Meldung geschehe»,) SS 6 Freundschaftliche ich selbst bin, daß ich Ihnen nickt allein das lezte- mal/ sondern zn oft wicdcrholtcnmalen versichert habe, daß ich es sel>r gut finden wurde/ wen Sie- in zwo Drnkereien drukcn ließen - und dennoch weiß ich nicht, wie ick mich so unglüklich dunkel auSge- drükr babe. Ich wiederhole cS allenfalls von neuem, wen Sie sollten auf Bondueci sein Wort die Maßregeln Ihrer Umstände nicht bauen wollen; ich sage, ich wiederhole, daß ich cS sehr gut finden, ja. wünschen würde, (ich rede nach dem vorigen Anschlag,) den mich sehnet fo sehr, wie Sie, näher zum Ende zu kommen, und ich habe einige AnSruhung nöthig. Unterdessen soll eS an meinem Fleisse nicht ermangeln, und wen auch in drei Drukereien gearbeitet würde. Ick bin sehr wohl zufrieden, daß der Kopf der Ari- adne zum BakchuS gefezt wird, nur wunschete ich, daß in s» mühsamen Artikeln, wie dieser ist, nicht fo viel nach Gutfinden geändert würde, wie anderwärts' geschehen ist, nnd wie Sie werden angemerket, finden. Aber eS würde doch nöthig sein, diese Erklärung mehr zn dem Orte/ wo fie stehet, zu adap- tiren. Ich bitte Sie um alles was mir lieb, die Alle- gata genauer anzusehen als geschieht. S> Nnm. 7. in der Note finde ich wiederum statt .Ich muß mir vorstellen, daß in den Zahlen gar leicht viel versehen sein mag. ES kosten die Allegata so unbeschreibliche Mühe und sie erscheinen in dieser Schrift wahrhaftig zum erstenmal mit völliger Nichtigkeit aus den Duellen gefuchet. Zn dem Texte stehen viele Kommata, wo ich sie mit zwei Onerstrichen ausgelöschet habe. S. 578 lassen Sie mich unter andern sagen, was ich nimmermehr babe sagen wolle»! /a t/en?/-o,-,- Mich däucht, es heißt nichts; wollte man aber das Gegentheil behaupte»/ so könte es nichts anderes bedeut»'!?/ als: „ es ist ein Soldat/ und An- „ dere halten ihn dafür. " >) Ich überschike, an Lorendini gerichtet, bett Heft von Faunen, und zwei andere Hefte, nebst der Vorrede und einigen Zusäzen. In dem He^t von den Faunen werden Sie angezeichnet finden, wohin die Zusäze gehören, welche ich Ihnen, ich entsinne mich nicht mehr wan, geschiket. ES befremdet mich nicht, daß Sie müde werden, nachzutragen; aber eö ist weder meine Unwissenheit noch Eilfertigkeit Schuld an so vielen hinkenden Boten, welche nachher kommen; den die mehresten sind keine Sachen, die bei einer Tasse Cioc- colata gesprochen werden, und die auch dem Sa lma- sinS nicht auf einmal eingefallen wären. ES war gar nicht überstüssig, daß ich diesen Heft noch einmal durchgesehen; den ich habe einiges in den Zusäzen nach dem Sin, den ich ihnen vorher gegeben , ändern müßen. Sind aber die Zusäze verloren, so weiß ich keinen Nath; meine Zeddel sind wie die Blätter der Sibvlle. Bei dieser Gelegenheit bitte ich mir nach gcendigtem ersten Theile alle meine Zusäze wieder znrükzuschikcn; sie dienen mir unter andern, die Allegata zu corrigiren. Der Znsaz zum Apollo wird vermuthlich zu spät kommen: man kan ihn in der Vorrede mit anhängen. Sie werden aus der Vorrede sehen, daß sie die Arbeit nicht verzieren sollte. Der Druk derselben und das Register kan so viel nicht kosten. als Sie mir Geld anweisen. Ich kan nicht schlafen, wen ich fremdes Geld habe. DaS Geld von Mr. Kent ist Z:men gewiß, lassen Sie nur die Kosten von dem Gelde nehmen, welches ich einzutreiben habe, und auch dieses ist zu viel. Sorgen sie nicht um meine <) lNum, tv!5 der 2 Klasse.) Z.YS Freundschaftliche Behutsamkeit: erst Geld/ und alSdaii die Waare, für die ich dem Käufer Mail bin. Aus dem vorigen Briefe sehen Sie / daß ich izo keine Noth habe, und ich werde mich in solcher Verfassung zu erhalten suchen. Alles andere gehet mir so sehr nicht an'S Herz, als daß Sie aus Italien gehen, ohne Sie wieder zu sehen: den ich bin gewiß versichert, daß wir uns nimmermehr sehen werden. Besser ist es/ wie ich allezeit geglaubt habe, keine Freundschaft, als im Alter/ zu mache«/ wo man sich fest und ruhig ge- sezet hat. Notab. Berichten Sie mir/-wo in dem Artikel Herkules vom Telephus gedacht worden/ und schikcn Sie mir die Erklärung dieses Steins; den ich habe einen Zusaz zu demselben zu machen/ der »icht überflüssig ist.!) Ich weiß/ daß Sie zu Ihrem Vergnügen aus dem Französischen deutsche ttbersezungen gemacht; machen Sie es izo umgekehrt mit der Vorrede/ weil es nothwendig ist. Dieses wird der lezte Ekel sein, welchen Sie zu verbeissen haben. Wo Sie etwas zu erinnern haben, bitte ich es mir mit aller Freiheit aus: den ich wünsche/ daß die Vorrede in die Augen fallen möchte. Der Wein ist noch nicht angekommen; er koiiit allem«! zu rechter und bequemer Zeit. Schreiben Sie an den Cardinal/ und bedanken Sie sich; daß er mir die Zeit und Muße gönnet/ die ich zu unserer Arbeit nöthig habe; den ausser daß ich izo bei schlechtem Wetter nicht so viel Zeit verliere/ weil >imn nicht viel ausfahren kan: so scheinet eS/ als wen ich bei ihm sei / um für Andere zu arbeiten. Den ich müßte die Bibliothek in t? Mm,. I78t der 2 Klassc.Z Bncfe. 399 einige Ordnung bringen, habe aber keinen Augen« blik Zeit dazu. Dics.r Brief ist nothwendig. Jzo gehe ich an die Arbeit der Kopfe. Meine Festbriefe müßen warten, oder werden gar nicht geschrieben. Ein paar sollten nach Florenz gehen; einer an Ihren Freund ;c. An M u z e l - S t o s ch. Mach Florenz.) Nom, den t? Dec. (Vie werden drei Hefte nebst der Vorrede, an Loren dini gerichtet, erhalten haben. In der Vorrede wird Ihnen etwas nicht gefallen; ich kan es aber auslassen, wen Sie mir gute, aber recht viel gute Worte geben. ES wird noch mancher Zuiaz hinzukommen, und eS liegen schon ein paar fertig. Beikommende Znsaze werden Sie ein jedes an seinem Orte beitragen. Die Erklärung deS Steins kan freilich nicht wol'l auf den Arion gedeutet werden, und ich habe deßwegen das Mittelste ausgestrichen; aber nunmchro wird schwerlich ein geschik- ter Ort zn finden sein. Man mußte ihn zu Ende der heroischen Geschichte, das ist, vor dem Krieg der Pygmäen, unterschieden von dem vorigen durch die gewöhnlichen drei Sternchen, sezen; andern Nath weiß ich nicht.') Ich habe die griechischen Köpfe in Nichtigkeit und ste vermehret ans' den unbekanten Köpfen: aber die römischen Köpfe machen mir zu schaffen, und es wird die , Anzahl der Unbekanten dadurch wachsen. Unterdes- ti ^Scheint Num. tü? dec ? Klasse zu sein.? Freundschaftliche sen habe ich angefangen viel darüber aufzusezen; aber die Hälfte streiche ich, wie gewöhnlich, nachher wieder aus. ES ist eine vermaledeiete Arbeit/ und die mir die allervcrdricßlichste ist. In Florenz würde sie mir viel leichter geworden sein. Allein Geduld überwindet alles'. Sie werden mich wissen lassen / wie lange ich zu den Köpfen Zeit habe zc. Nachschr. Wir sind dem Ende der Welt nahe; weil sich die Preufieu zum zwcitenmale, wie Franzosen thaten, zu KriegSgefangen haben machen lassen. An M u z e l - S t o s ch. lNaK Florenz^ Nvm, den 22 Dcc. l75?. ^aS Paket Hefte, welches ich gestern Abend spät erhalten, habe müßen mit drei Paoli bezahlen; deii diefeS hat man von des Herrn Cardinals Briefträger gefordert. Ich weiß nicht/ wie dieses zugehet. Wen es sollte kein Unterschied sein/ die Sachen an den Cardinal zu richten/ oder gerade zuzuschikeii/ so wäre eines wie das andere. Erkundigen Sie sich: den hier ist keine Nachricht zu haben. Unterdessen wird dieser kostbare Briefwechsel bald ein Ende nehmen. Ick habe unterdessen von diesem Hefte dasjenige/ welches von Herkules handelt/ heute, an Loren din i gerichtet, zurükgefchikt. Der andere Heft gehet künftigen Mittwoch ab/ und wen ich wider meine Gewolinheit gestern nicht nach Mitternacht wäre nach .Hause kommen, Härte ich sie alle beide abgeben lassen. Den Heft vom Herkules habe ich zweimal durchgesehen, und es war nöthig/ daß Sie mir denselben gcschikct. Briefe. 4oi Ich kaii nicht umbin mich sehr zu beklagen über die Übersehung des DrukS. Ich sollte Ihnen mit dergleichen nicht kommen/ da Sie hundert andere Verdrießlichkeiten haben werden; ich will aber einmal für allemal, und izo zum allerleztenmal davon sprechen; die Correctnr mag so nachlaßig sein als sie immer will. Ich habe nicht Zeit gehabt/ die lezten 6 Bogen durchzusehen / aber S- 13-5 Lin. 2l. ist gar ein zu grobes' Versehen: für ^7x107, Ausserdem sind weder Kommata noch andere Zeichen, wie ich dieselben gesezet gehabt/ in Acht genommen. ES fehlen keine Kommata/ aber es sind deren zu viel/ nnd sie zerreißen den Saz. Die Vielheit der Kommatum war vor 200 Jahre»/ ist aber in keinem richtig gedrukten Buche fernerhin anzutreffen. Ich sehe/ daß Mr. Saint Laurent ein erzkleines Geschöpfchen von Verstände ist: er wäre gut zu gebrauchen in dem Kriege der eselhasten deutschen ProfesiorS/ die sich dem Teufel und seiner Großmutter ergeben über ein Wort mit oder ohne H. Ich habe von neuem die Kommata mit so bestialisch diken Strichen ausgetban/ daß/ wen sie stehen bleiben/ eS ein eselmäßiger Eigensin scheinet. Die Zusäze zu den Faunen habe ich Ihnen gewiß gcschikct/ so gewiß ich selbst bin. Man muß auf der Post nachfragen lassen. Unterdessen ist es izo zu spät. WaS eS für Zusäze gewesen/ weiß ich sehr wohl. Ich sage Ihnen unendlichen Dank für die Hof- nung zu dem Abdruke von dem Steine in der Galerie; ich werde mich insbesondere gegen Herrn Coc- chi bedanken. Der Wein ist noch nicht angekommen. Ich ersterbe ?c. 57 * ^02 Freundschaftliche Nachs ch r. Erkundigen Sie sich in Livorno nach dem sogenanten du Han;>) er soll sich daselbst aufhalten und zween von den päbstlichen Soldaten aus Avlgnon, die auf den Galeeren dahin gegangen sind/ haben ihn daselbst gesehen. Ich habe Ihnen mit eben der Post/ mit welcher Ihnen die Hefte und die Vorrede zugekommen sind/ insbesondere geschrieben/ dafi ich nicht Sachen ab- schikcir würde/ ohne in einem Schreiben Nachricht davon zu ertheilen. An M u z e l - S t o s ch. lNach Florenz.) Rom/ den 2 Ja». 1760. Ach habe die zwei Hefte/ die alten Zuia'ze/ und den Slbdrnk des schönen Steins bekommen. Die Hefte schike ich künftigen Sonabend ab/ und hoffe die Schwefel auch abzufchiken. Der Abdruk in Wachs hat ohngeachtet aller Behutsamkeit etwas gelitte»/ und würde nicht so gut kommen, als Ihr Schwefel war. Wen Sie aber eine Paste für sich verlangen/ soll sie gemacht werden, und sie wird gemacht/ sie mag gerathen wie sie will: den auch in Absicht der Schrift ist sie merkwürdig/ ob ich gleich kein Mittel sehe/ sie zu lesen/ noch zu erklären. Ich habe zu erinnern/ daß bei dem TbeseuS mit der Phaya oder Lana-) der Zusaz: ---/cc welches ich auSzustreichen gewillet war/ tan sie»en bleiben. j) VHan ca rvi Ile.Z 2) lNum 86 der z Klasse, Abgebildet in dc» DenkMK« len Num. Briefe. 403 Astr t^orrector im Griechische» muß ei» wahrhafter Esel sein: den S. bat er in dem erste» von den 2 Versen Homers 5- für und an dem lezten Worte ist der Buchstabe „ ausgelassen. Ich habe bereits' vor einem Monat an Walthern wegen Exemplare geschrieben; ich will es aber auch an Dyck thun. Das Ange»ehmste in Ihrem Schreiben ist der Einfall der Milady,-) wen doch Gott wollte, daß eS »lochte zu Stande komme». Dieses ist daS Ziel aller meiner Wünsche/ und ich wüßte nicht/ was ich vor Freuden thun würde. Ich sage Ihnen tausendmal Dank für Ihre freundschaftliche Absicht/ und ich zweifle nicht/ daß sie mit mir zufrieden sein würde. Sie würde die Ehre haben von der Reise- beschreibung/ die wir machen würden/ und dergleichen gewiß noch niemals zum Vorschein kommen wäre. Künftigen Soiiabe»d ein MebrereS. Hch habe die Hefte heute den Mittwoch zu Mittag erhalte»/ und konte sie also nicht zurükschike»;c. An Muzel-Stosch. lNach Flvrenz.z Rom, den Z Ja». <760. Ach habe gestern die Bogen von den Schiffen er»altc». Ich bedaure Sie und mich: den eS ist gar zu erbärmlich Zeug. AllcS/ was der Verfasser aus Büchern saget, hat er alles aus Büchern/ die 2) lSrsord. Sie hatte vor, mit W i nc'clm a ü zu reise». Mo» sehe die Biographie.) Freundschaftliche besonder-- von der Schiffahrt und Schifbaukunst der Alten schreiben. BayfinS und Scheffer sind, die übrigen nicht zu nennen/ große Ouartbände; und von dem Seinigen saget er sehr wenig, was theils Stich halten könte, theils nicht abgedroschene Kindereien wären. Mariette hat ihn nicht klug machen können, und sonst bat sich niemand an ihn machen wollen, der mehr Gewicht gehabt hätte. Ich habe die größte Hochachtung für den Verfasser gehabt, und habe dieselbe zum Theil noch izo, sowohl gegen sein Gemüth, als überhaupt gegen seine Person; aber ich sehe, daß er nicht einen Gran Discer- neinent hat. In dieser Kunst hat der Verfasser nicht das Alphabet gelernet. Ich habe das Mehreste auSznstrei- chen nöthig gefunden; Sie können aber alles mit Brod auSreiben lassen, wen eS Ihnen gefällt, oder, wen Sie unumgänglich genöthiget sind, dieses erbärmliche Zeug druken zu lassen. Ich kan nichts Gutes auf andere Weise daraus machen, und wir würden eS allezeit mit ihm verderben: den er ist gar zu sehr von sich eingenommen, wie der imvortantc Ton, und der Umschweif zeiget, mit welchem er die Trödeleien auskramet. Baldani ist meiner Meinung dnrch den ersten B!ik, welchen er auf einen einzigen Artikel geworfen, und man saget hier von ihm, daß er a ,/<-//« ein Autor geworden. ES mag nun geschehen, was da will, so dis- penstre ich mich, diese in'S Register zn tragen, und über diesen Punkt bin ich unerbittlich, und sollte das Werk nimmermehr an'S Licht treten. Was ich weiß, ist dieses: daß ich gelernet habe zu schrei- 1) spoxe?^> Briefe. ben, weil ich alle Kritiken angehöret/ «nd mehr als einmal meine Sachen von neuem nmgearbcitct/ wie ich thu und thun werde mit meiner Historie der Kunst; und wen man wird gestehen müßen, daß, was wir beide gemachct baben, mit reifem Urtheil entworfen worden: so wird Saint LaurentS Arbeit al» ein geflikter Bettelmantel hinten anhängen, und das Ende des Werks wird, wie weil die Affen den Hintern zeigen, lächerlich sein. Ich bedaure Sie, weil Sie nicht wissen, wie Sie s ich herauSwikeln sollen. Ich weiß nicht, ob es' nicht wider die Geseze der Dankbarkeit gehandelt sei, sich über alles wegzufezen, nnd habe nicht das Herz, Ihnen zu rathen. Ich gebe Ihnen aber zu überlegen, daß Jbnen die Schrift noch mehr als mir Ehre machen sollte; den sie führet Ihren Namen, und Sie selbst schreiben dieselbe dem Cardinal zu. Mein Name erscheinet nicht, und soll auch auf keine Weise genennet werden, l) ^ Die Zuschrift wird mir schwerer, als ick mir eingebildet habe: ich glaubte dieselbe heute frühe zum Frulistük zu entwerfen, aber ich blieb steken. Lassen Sie mir Zeit bis künftigen Mittwoch. Ich habe mich erkundiget wegen des Vertriebs der Schrift in Nom; man machet mir schlechte Hofnnng: den Bouchard fängt an mit Leinewand zu handeln, weil izo, da die Dmicheit und die eselmäßige Einfalt auf dem Throne sizet, kein Mensch Bücher kauft. Pagliarini möchte der einzige sein; ich liabe aber nicht Zeit gehabt, zu ihm zu gehen, den er wohnet sehr weit von mir. Der däniscke Maler ist nickt der elende Müller; sondern ein Maler, der vor drei Jahren schon als ein Man nach Rom kam/ und unter unsere bcstcü Z) lIst aber dock geschehe».!! Freundschaftliche Maler wird können gerechnet werden: er Heisset Peter Als. i) Wen Sie glauben, daß die zwei Platten/ welche Sie mir zu meiner Schrift schenken wollen/ noch tausend Abdrüke aushalten können/ so bitte ich mir dieselben bei Gelegenheit aus. In der Zuschrift verstehet sich von selbst/ daß d»e Freundschaft zwischen dem Lebenden und dem Verstorbenen ein Hauptpunkt sein müße. Eilen Sie mit der Vorrede/ den ich muß nothwendig mit den Znsäzen noch einige Tage verlieren; im übrigen aber versichere ich Sie/ daß ich nicht einen Buchstaben/ welcher Ihnen nicht gefallen sollte, werde einstießen lassen. Ich werde vielmehr ab- als zunehmen. Aber Sie werden mir verzeihen / wen ich etwa den nach altdeutscher Zirt mir sintemahl und alldieweil in einander geketteten Schulchrienstyl des Saint Lau reut zu ändern nöthig sinde. Ich will schreiben/ wie ein Man, und nicht wie ein Schulbube. Jener ist besorgt/ daß der Leser den Zusammenhang und die Folgen der Sachen nicht finde: und deßwegen komt er so oft mit seinem geliebten demnach :c> Wo der Zusammenhang in der Sache ist/ finde/ wer da tan/ denselben. ES muß aber derselbe nebst der Drdnung vorhanden sein. Ich bitte um Verzeihung, daß ich Zhnen so viel verdrießliches Gewäsch mache: eS muß Ihnen nothwendig ein Ekel sein; auch dieses sei zum allerleztenmal gesagt. Künftigen Sonabend schike ich Ihnen die gan?c Zirbe't von den Schiffen: sie war nicht ^ Paoli Postgeld werth ze. iZinderwin'tS Hals.Z Briefe. 407 An Muzel - Stosch. Mach Florenz^ Noi», den Z Ja». 4760. ^ch überschike Ihnen heute mit dem ?>-oc»ccic> lU i zwei Kästchen mit Schwefeln; nämlich die ersten nicht rangiret/ und die lezten mit aller Weisheit/ der ich fähig bin. Die Erklärung derselben mir den dazu gehörigen Heften werden künftigen Mittwoch abgehen. Ferner fchike ich Ihnen mit dem Lomier cie luiio 2 Hefte von der Fabelzeit/ und von dem troianifchen Kriege. Sehen Sie nach/ was ich am Rande hier und da angemerkt habe. Wen ich «5eoon-/e /Itt/'lie gesezet habe/ ist es eil! Versehen von mir. Die ist also die dritte Klasse/ und weilZhuen das Ende des Ulysses gefällt/ so kan man eine besondere 6--- tio» von der abe. Wir sind wie Affen: auch diese lieben it>re Jungen. Es bleiben etwa an 20 Köpfe ungetauft. Der Cardinal 'st ein kcker Pfarriierr; er hat geholfen/ und so haben wir endlich die Hurenkinder in die Welt geschiket. Er wird Ihnen vermuthlich beute auf Lvren Brief antworten lassen. Er hatte fchon vergesse»/ daß ibm die Sctmft soll dedicirt werden/ oder er stellete sich/ als wen er eS nicht mehr Ivnßte. t) lNum. Z64 der Z Klasse.Z Freundschaftliche Da ich es ihm also gesaget/ so ist es nicht nöthig/ daß Sie deßwegen schreiben. Wegen des jungen Menschen haben Sie Necht; ^ unterdessen kan es nichts schaden, wen ich den Namen habe, i) Ich wnnschetc in allen Hbren Briefen ein paar Worte von dem Dessein der Milady ^') zu lesen. Wan gednchte Sie diese Neise vorzunehmen? Noch dieses Labr?— Nichts in der Welt babe ich so sehnlich als dieses gewünschet: ich ließe mir gerne einen Finger abbauen/ ja mich zum Priester der Cy- bele^) mache»/ um in solcher Gelegenheit diese Lander zu sehen. Herr Nagel bat die Cartoni bestellet/ aber weil cS wegen des erschrekliche» Wetters nicht troknet, wird er dieselbe nicht eher als künftigen Soiiabend schikcn können. Ich nehme Sie bei Ihrem Worte wegen des halben BogenS/ welcher muß umgedrukt werden/ und ich will izo an die persischen Steine gedenken. " Weil man allenthalben vom Frieden spricht- muß etwas daran sein; wer wollte sich nicht freuen? Wenigstens wird er ein zehn Jahre halten/ bis dieZun« genS/ die gemacht sind/ heranwachsen. Künftig ein MehrercS?e. An M n z e l - S t o s ch. Mach Florenz.1 Rom, den S Ja». <760. Ach schike Ihnen heute/ an Lorendini gerichtet/ t) t?es schönen Nicolo Castellani.) 2) csrford.) i Z) lDie Priester der Cvl'elc mußten Verschnitte> n c sein.Z Briefe. 6 Hefte/ und meine Ausarbeitung/ nebst einem Zu- saze zum trojanischen Kriege. Ich werde hoffentlich alles noch einmal unter Augen bekommen/ und ^ was' noch zu sagen wäre/ wird alsdan beigebracht werden. Unterdessen könten die Köpfe ihr bescheiden Theil bekommen haben. Was nicht zu rühmen ist/ kaii ich nicht erheben. Künftigen Sonabend wird Ihnen Herr Nagel die vergoldeten Cartoni abschiken. Herr Christian Dehn bittet sich Schwefel von Ihren schönsten Vasen auS/ welches/ weil es etwa ^ sein werden/ zugesagt habe. Um andere Schwefel zu schreiben/ habe ich ihm abgeschlagen/ unter dem Vorwand/ daß ich glaubte/ Ihre Ringe von Gold wären schon in Livornv/ oder wohl gar schon abgegangen. Schreiben Sie/ ob Sie die Paste von den mir geschikten Abdrüken noch verlangen. Melden Sie mir mit ein paar Worten etwas von der Milady. Ich baue auf dieselbe izo meine Luftschlösser. Der Himmel gebe/ daß der Grund nicht sinke. Der Wein ist noch nicht angekommen. Vielleicht trinket der Dey in Algier einer schönen Georgianerin Gesundheit in demselben. Gedrukte Bogen habe ich lange Zeit nicht bekommen; die Post von Florenz wird noch nicht gekommen sein. Künftig ein MehrereS:e. Nachfchr. Unsere soll abscheulich schlecht sein. Rom ist izo nichts besseres wertb/ und ich könte auch das Gute nicht genießen. Den da der Cardinal das ganze Carneval über zu Hause bleibt/ so muß ich von 12 Uhr bis um Mitternacht um ihn sein. ES ist daher gut/ daß die Arbeit zu Ende ge« j hetz den ich könte nicht sehr viel mehr thun. WI»ckcl»ia>1. 10. <8 6l0 Freundschaftliche An Muzel - Stos ch. lNach Florenz? Noni/ den 12 Ja». t76a, <7^ ^ch weiß, der Teufel muß meine Briefe holen; ich habe Ihnen mehr als einmal meine Erklärung über die dritte Klasse geschrieben. Es kan nicht anders sein/ als Sie eS meinen/ und es war das Anfragen bei mir ganz überflüssig. Waren Sie so behntfam gewesen im Anfragen über einen Zufaz, den Sie selbst gemacht haben/ hätte ich Ihnen anzeigen müßen/ daß wir eine große coxlio- »Lria begehen würden. Sie haben S. 279 das'/ was in der Abschrift schon auSgestrichen war/ und in der zweiten nicht wiederum erschienen ist/ in den Druk mit cingerüket; nämlich/ „ daß sich unter Ihren „Schwefeln ein Herkules mit Flügeln sin- „ de. " Und warum?— Um Ihre Schwefel merkwürdig zu machen/wodurch ich l ä ch e r l i ch werde. Den eS ist falsch: es ist KalaiS/ der Sohn des Boreas. Ich weiß nicht / wie Ihnen dergleichen eingefallen ist; und weil eS wahr wäre/ so iöntc man über diese Seltenheit nicht wie ein leichter Pariser hinlaufen; ich hätte diesem Schwefel gewiß andere Ehre machen wollen. Dieses ist wider die Pflicht gehandelt/ die wir uns einander schuldig sind. In dem KataloguS sind so viele Seltenheiten/ die den Pedanten in die Nase fahren werden; und eS war nicht nöthig/ dergleichen zu suchen. t) fNum. 1721 der 2 Klasse.) 2) lEr irrte sich; den es ist allen Attributen nacki dennoch Herkules, >vie er in einem folgenden Brief erMrt.Z Briefe. Ich freue mich/ daß der Druk nach dem Versprechen von statten gebet: ich erinnere nur zur Bestätigung/ was ich immer gesagt habe/ daß S. 2t>6 Num. 5 Buonarroti für Ballerini ge- sezet worden. Das Hebräische wird gedrnkt/ wie eS auf der mir gcfchiktcn Abschrift stehet; nämlich: Hfin Den Bogen 2-5s haben Sie mir zweimal ge- schiket, welchen Sie bei der ersten Gelegenheit zurük- bekomme«/ damit Ihnen kein Exemplar mangelhaft bleibe. Wohin wir die drei GenioS sezen sollen/ weiß ich in der That nicht. Sezen Sie dieselben/ wo sie vorher stunden. Man kan sich mit einer Anmerkung helfen. Hhre Weissagung vom Frieden hat keinen Grund/ wie die abscheulichen Rüstungen der Preußen beweisen. Wen Sie nicht alle Woche 2 Briefe von mir bekommen/ gehen die Briefe nicht richtig ie. N a ch sch r. Künftigen Mittwoch werde ich Ihnen einen Aufsaz der Zuschrift an den Cardinal schiken. In der Vorrede aber kan man nicht sagen/ daß derselbe die Köpfe taufen helfen; eS wäre desselben nicht würdig. ES würde nicht übel stehen/ wen man sagte , daß er viele Nachrichten ertheilet habe; aber es ist besser/ diese Ruhmredigkeit nicht zu begehen. An M u z e l -- S t o s ch. Mach FlorenjZ Nom, den t6 Jan. 4760. Äer vorige Brief wird Sie böse gemacht habe», 6>2 Freundschaftliche und ich hätte Ihnen nicht so geradezu die Schuld geben sollen/ welche Sie haben/ wen es ist/ wie ich schrieb; und ich habe Unrecht/ und muß mich auf mein Maul schlagen/ wen es geschrieben stehet/ wie cL gedrukt worden. Dieses Carneval ist mir etwas zu gute zu halten; es ist die abscheulichste Zeit für mich im ganzen Jahre; den ich verliere nicht allein den halben Tag/ sondern den ganzen Abend bis Mitternacht. Und ob ich eS gleich dem Cardinal mehr als einmal deutlich gesaget/ wie ich gewohnt bin zu leben; so ist er doch so <>i,ourcU, und läßt mich vielmals noch um 5 Uhr in der Nacht holen/ lim bei ihm zu sizen. Beiliegende Zusäze werden vielleicht zum Paris noch zu rechter Zeit kommen. Den andern Artikel habe ich noch nicht recht einrichten können/ wie ich wollte; es fehlte mir nur an Zeit, auszugehen und die Nachrichten zu demselben aufzusuchen. Mich verlanget nach Arbeit von Ihnen. Wie/ wen ich Sie ersuchte / meinen Peruquier/ den Sie kennen/ durch Ihre Nachbarin/ oder sonst durch andere Weiber dem Monstgnore Salviati zum Kammerdiener vorschlagen zu lassen? Würden Sie dergleichen Antrag übel nehmen? Hier in Rom interessiren sich Cardinäle und Damen in dergleichen Händel/ und ich habe den Zungen in dieser Absicht dem Cardinal vorgestellet. Will Monstgnore Salviati eine Necommandation für dieses Suiet unmittelbar an sich von dem Cardinal/ oder an die vllciiess!» cli Sslvial,! habe»/ kan ich ihm damit aufwarten. Er hat keinen Kammerdiener ij0/ und gebrauchet einen, und findet niemand beßer als diesen. Ei» Wort Antwort hierauf?e. Briefe. An M u z e l - S t o s ch. I,Nach Florcnz Z Nom, dc» 1» Jan. t760. Ach habe gestern Abend die Hefte erhalten/ und iiberschikc Ihnen den von der griechischen Ge- s ch ichte mit Fleiß durchgesehen znrük. Ich glaube nicht/ daß, nachdem ich von neuem Zahlen gesezet, eine Verwirrung entstehen könne. Künftigen Mittwoch schike ich den Heft von der römischen Geschichte/ und die Spiele ab, und der Druker sott durch mich niemals aufgehalten werden. Ich bitte tausendmal um Verzeihung wegen der ungcgründete» Beschuldigung. Dieses Vergehen sollte mir billig einen neuen Grund gebe«/ an allem zu zweifeln. Die Anmerkung über diesen Schwefel/ die ich also vielmals gelesen/ hat mir vorher/ ehe sie im Druk erschienen / gar kein Bedenken gemacht. Es kan sein/ daß ich mich nicht geirret/ und daß ich reiflich über diesen Schwefel gedacht habe; eS scheinet mir aber noch glaublicher/ daß ich einen Irrtum begangen. Ich wünschte diesen Sc»wefel zu sehen/ oder daß es wenigstens möglich wäre/ daß Sie denselben sehen könten/ um zu wissen/ ob dieser vermeinte Herkules mit Flügeln durch etwas anderes kentlich sei. Diese Schwefel sind eingepakt/ also ist es vergebens. Ich muß diese» Punkt wenigstens im Register anSlassen. Die Vorrede werde ich Ihnen noch einmal zu- rnkschiken müßen/ vielleicht aber auch nicht. Doch/ wie Sie es für gut finden. Die Zusäze/ die ich machen werde, könte ich hier übersehen lassen/ wie ich es mit der ganzen Vorrede thun werde. 6:4 Freundschaftliche Die Vasen werde ich mit dem größten Fleisse durchsehe». Besser aber wäre es gewesen/ das man kurzer die Sachen gefaßt, lind sich wegen einer gegründeten Kritik nicht zu rächen suchte. >) Unterdessen geht es mich nichts an; künftigen Sanabend schike ich diesen Heft ab. Was Sie wollen/ daß ich zum Beschluß der Vorrede von Ihnen selbst/ wie billig ist/ sagen muß; bitte ich mir zu verstehen zu geben. Den ich muß mit Ihnen schließen. Aber mich wundert sehr/ daß Sie sich Sorge machen über daS/ worüber ich mich mehr als einmal gegen Sie erkläret. Sie sollen durch mich im Geringsten nicht in Unordnung komme»/ oder welches geschehen müßte/ entblößet werden: dafür bewahre mich Gott! Ich habe im Geringsten nicht gearbeitet/ Dank oder Belohnung zu verdiene» : meine größte Belohnung soll sein/ wen das Werk wird so aufgenommen werde»/ wie es verdient.— Ich muß schließen; künftig ein MehrereS. t) Deu Artikel Von Vasen hat, wie schon gesagt, Herr von Saiut Laurent gemacht. Er hatte in seiner Abhandlung lielle ^iiücii'i, die im 5 Band der Abhandlungen der Akademie zu Corton a steht, behauvtct (Uisc. i. c. g.): „ die vii^a niur- „ rI>W-> der Alten wären von einer vorzüglichen Art A gath, „ nämlich von Sardonyr, gewesen. " Dagegen suchle Mariette zu beweisen (picire? x-ritveos l. i, p. 2>iZ — 222): „ es wären Porcettangesäsze gewesen. " Hiev iliiiit nun der erste Gelegenheit seine Meinung zu bestär« ken und Mariette anzngreise». lNum. ?0 der 5 Kl. u. Num. Nicolai. Briefe. , ^ 5 An Mnzel - Stosch. t?!ach Flortnz>Z Rom/ den 22 Ja». 47S0> ^ch schike Ihnen den Heft von den Spielen/ und von der römischen Historie/ nebst einigen Zu- säzen. Der eine ist lang/ aber er ist nothwendig zu Ihrem Steine. Wen Sie werden in Ruhe kommen/ wird es Ihnen eine angenehme Erinnerung sein/ gearbeitet zu habe»/ und es wird alles gut gehen. Künftigen Sonabend schike ich die Vasen. Es wäre mir lieb/ wen Sie dasjenige/ was an die Spiele angehängt ist/ nicht zerrissen, und die Vasen besonders ließen/ und alsden könten Sie das vermeinte alte Sigel/ welches unter den p e rsisch en Stei nen war/ mit Vorsezung von den drei Sternchen hier mit beifügen. Ich wünschte einen Abdruk in Sigellak von dem persischen Steine Nnm. 527 zu haben; i) ich finde ihn nicht/ so wenig wie die übrigen persischen Steine/ unter meinen Zlbdrüken. Ich weiß unterdessen noch nicht/ ob ich viel mehr als geschehen ist/ werde sagen können. Die zwei Kupserplatten bitte mir als ein Geschenk von Ihnen auS/ wen Sie Ihre Abdrüke gemacht haben. Ich würde dieselben alle alsdan dem Herrn Adamo'^) einhändigen lassen/ um sie von neuem aufzustechen. Jzo lasse ich an zwei andern Kuvsern arbeiten. Mein Porträt macht izo ein ge- schikter dänischer Maler/ und ich glaube eS sei eines cNum, der t Kl.ü 2) LSck>wcick»rt>1 4i6 Freundschaftliche der besten/ die gemacht sind. Künftig ein Mehreren ic. Nachschr. Um das i'iexo nicht zu groß zu mache»/ habe ich das übrige berauSgcnommen/ und fchike Ihnen nur die römische Hlstorie. An M n z e l - S t o s ch. lNach Florenz.^! Rom, den 26 Jan. <760. ^Lch überschike Ihnen zwei Hefte/ einen gedrukteil Bogen/ und 2 halbe Bogen Zusäze. Ich habe die Vasen mehr als einmal durchgelesen / habe mich aber mit 2 oder 3 Erinnerungen begnügen wollen. ES ist vieles so ungewiß/ so willkürlich angenommen/ aber auch zu gleicher Zeit ss schwer zu widerlege»/ zumal für den/ welcher die Abdrüke nicht in eben der Ordnung gegen das Ge- drukte halten kan / daß man es annehmen kau und glauben wird/ wen der Scribent sonst in dieser Art Credit hat. Er hätte aber besser gethan/ daß er die sehr gegründete Kritik des sonst seichten Ma- riette vergessen hätte: den man kau wahrhaftig mit Ehre keinen Panegyristen vom GirieS^) machen. — Wolle» Sie mir die Schiffe noch einmal schiken: ich will Sie mit aller Strenge durchgehe». Die Philosophen können sehr wohl ohne besondere Aufschrift nach der andern Historie der ^Dieses Porträt, Von Peter Hals gemacht, ist verloren oder doch »nbekaiit^ 2) Louis Siries, ein französischer Lri>vc»r en pierrez lZui-cs, der vieles, aber sehr schlecht gearbeitet hat. Er war Aufseher »her die florentinische Galerie, wo man die eingelegte Arbeit aus feinen Steinen machte. Nicolai. Briefe. ^7 Griechen folgen: es ist genug/ ein paar Srernchen zu machen. Mit der Vorrede will ich es halten, wie Sie es für gut finden/ und meine Zusaze werde ich von einem Sprachkundigen/ so wie die ganze Vorrede/ übersehen lassen/ und unverzüglich an den Druk gehen. Sie verlangen einen Versuch vom Register zu sehen? ich kan Ihnen nichts anders schiken/ als einen halben Bogen. Das Register wird auf diese Art nach und nach gemacht. Gegen das Ende des Druks schneidet man alles in kleine Zeddel/ ordnet sie nach dem Alphabet/ und dieses ist alsden in 2 Tagen gemacht. Ich sage Ihnen tausend Dank für den Brief an die Ducheffa Salviari. Morgen wird er übergeben werden. Ich wünschte dem Jungen zu dienen; den werth ist er es; noch mehr aber/ weise zu werden. Herr Nagel hat den seinigen bekommen. Der Wein ist noch nicht angekommen. Künftig ein Meh° reres ?c. An M u z e l - S t 0 s ch. Mach Florciu-Z Rom, den Z0 Ja». 1760. Ach habe gestern den Heft/ und 3 gedrukte Bogen erhalten / und den Heft fchike ich Ihnen künftigen Sonabend zurük. Das Blatt zum Register bitte ich mir zurük. Ich gehe die Schrift zum Register von neuem durch, und sobald die Historie nebst den Spielen wird abgedrukt sein, werde ich anfangen, eS zu machen. Die Zuschrift wird sehr kurz werden: ich habe nur / 613 Freundschaftliche flüchtig daran gedacht; ich werde Ihnen aber/ wen ich kan/ künftigen Poßtag meine Gedanken zufchi- ken. Beide eingeschlossene Briefe betreffen I» sparcio en Duea diesen Menschen dem Monsignor recommandiren zn lassen. Hch schäme mich fast/ daß ich Ihnen dergleichen antragen muß. Besser Her; und Gemüthe kan der Monsignore schwerlich finden. Seine Sitten sind so rein/ wie seine Hand ist und sein wird. Ich frene mich/ daß die theure — nicht in solchen Umständen ist/ wie ich mir etwa vorgestellet habe; eS ist also Hofnnng/ daß sie ruhig werden wird. Noch neugieriger wäre ich, Ihre Schönheit zn sehen. Ist sie von Stande? Ich verrathe Sie nicht. Kanten Sie dieselbe schon/ als ich bei Ihnen war? Warum habe ich sie nicht auch gesehen? Ich habe Briefe. 619 viele Stunden verloren/ das schöne Gesicht lind Gewächs in Noni/ von welcher ich oft geredet/ zu sehen: aber vergebens. Ich werde sterben ohne Genuß. Weil Sie Ihre Schönheit küsse»/ so denken Sie, wen es möglich ist/ mitten im Kuß an mich/ und wünschen mir ein Gleiches. An Mllzel - Stos ch. lNach Florenz.Z Rom, Soiiabcnds IM Febr. 17S0.Z ^'ch schike Ihnen heute den Heft an Lorendinr. Die Zusäze zu demselben werden Sie erhalten haben. Es war unter andern nöthig/ den ersten Stein in diesem zweiten Theile nicht so sehr bloß zu lassen. Dergleichen Dinge fallen mir ein / wen ich wirklich nicht arbeite; aber ich denke izo an nichts anderes. Ich habe von neuem Zusäze gemacht / und dieselben angeklebet. Der Druk bleibet voller Kehler/ weil man nicht Zeile vor Zeile/ ja Wort vor Wort nach dem Geschriebenen übersieht; und eS ist nicht genug/ daß Mr. Saint Laure nt diese verdrießliche Arbeit über- nimt: Sie selbst sollten alles noch einmal eben so überlesen/ und wen noch ein dritter wäre/ könte es nicht schaden. Ich sehe/ daß niemals ein Vlik auf die CitationeS geworfen worden/ daher die erstaunende Mühe, welche dergleichen Nachsuchen kostet/ verloren gehet. Sonderlich ist S 227 ein gar zu grober Fehler begangen; den man hat zu dem hebräischen Wort vorn an einen andern Buchstaben das 2 gesezet. Wen Freundschaftliche in dem ganzen Werke mehr hebräische Worte wären, wäre es zu verschmerzen; da aber mir zwei sind/ nämlich dieses, und ein anderes vorher, welches ebenfalls unrecht ist, so kan ich es unmöglich stehen lassen , und ich bitte Sie, mir den einzigen Gefallen zu erweisen, und diese halben Bogen umdruken zu lassen. 2) Diese Bitte können Sie mir nicht abschlagen : den ich würde gar zu lächerlich mit meinen zwei hebräischen Worten erscheinen. Das vorige Wort bedeutet so viel nicht. Ich bitte Sie hierum, als um eine Sache, woran mein bißchen Ehre hängt. Ich habe mit Christian geredet, er wird die Paste machen; und ich gebe Ihnen mein Wort/ daß er nur diese einzige machen soll; aber wir werden nicht Verbindern können, daß er von dem Schwefel, welchen ich mir anSbitte, nachher eine Form mache: den er weiß, was gut ist. Was das Umdruken betrift; so wird es mit dem halben Bogen von den persischen Steinen zugleich geschehen können. Weil ich gestern Abend den Brief allererst erhalten, (den die Post ist nicht eher gekommen,) habe ich mit Herrn Nagel noch nicht reden können; es soll aber izo, wen ich fertig bin, geschehen, und die Sachen sollen, wo möglich mit dem heutigen Pro- caccio abgehen. Die Hefte, mit dem Courier de Turin, ge« schikt, kosten nichts; die andern muß der Cardinal bezahlen. Ich nehme sehr Theil an dem Ungliik der würdigen Frau, und ich stelle mir vor, daß auch mein Gehirn sich verrüken könte. Wahrhaftig, es ist eine lächerliche Sache um die Seele. Aber wen unsere t) Qst bei S, 227 geschehe».? 2) W e h n.Z Briefe. Materie ist, was in uns denkt: wie kan ich vor Narrheit sicher sein? Ein kleines Fäserchen im Gehirne verrükr sich, und ich werde am Verstände eine Bestie, wie die auf vier Füßen gehen; ja viel Arger und elender; den alle Menschen fliehen mich. Künftigen Sonabend schike ich Ihnen die Köpfe; eher kan ich nicht; den ich muß verschiedene Schwefel von Christian machen lassen von Pasten, auf welche» Namen sind, nnd welche man aus Ihren Schwefeln nicht erkennen kaii: vielleicht, weil Ihre Pasten stumpf sind. Mit der Vorrede mache ich alles, wie Sie es gut finden/ und man muß allerdings von Ihren Schwefeln reden: dieses habe ich vergessen. Es ist mir lieb, daß sie Ihnen gefällt; künftigen Sonabend werde ich ein paarZusäze zu derselben schiken. Sobald der Katalogus fertig ist, werde ich an einer Schrift arbeiten, die ich dem schönen Jungen in Florenzi) zueignen will. Erkundigen Sie sich/ wen es ohne Argwohn geschehen kan, nach dessen eigentlichen Namen und Vornamen. Diese Narrheit bleibt mir in dem Kopfe, und ich muß suchen / ihr ein Genüge zu thun. Ich ersterbe :c. An M n z e l - S t o s ch. lNach Florenz.) Rom, den S Febr. 1760. Aanm läßt mir der indiscrete Cardinal Zeit, Ihnen diese paar Zeilen zn schreiben. Mit Freuden will ich aus Nom gehen, wen Friede wird. I,Er hieß Nicolo Castellani und war aus einem der besten Häuser. Br, an Niedesel, v. tS März 176Z. u. d. Biographie.) 422 Freundschaftliche Über die Arbeit von Herrn Saint Lau reut/ welche ich zurükschikc, habe ich meine Meinung geschrieben; und es' wäre mir nicht möglich gewesen/ etwas Gutes' daraus zu machen , weil ich keine Zeit habe. Ku der Vorrede habe ich sehr beträchtliche Fehler wider die Sprache geändert: so daß eS nicht allein wegen meiner Zusäze nöthig ist, die Vorrede übersehen zu lassen, welches Pagliarini durch den Pater Sneur wird thun lassen. Künftigen Mittwoch hoffen wir anfangen zu können, dieselbe sezen zu lassen in der Drnkerei. Schreiben Sie unverzüglich, wie viel Exemplare nöthig sind überhaupt, und wie viel auf groß Papier. ES wäre auch gut, wen Sie mir einen Bogen von dem großen Format zur Probe schikten; es braucht nicht, daß er gedrnkt sei. Nagel scheint Geld nöthig zu haben: ich werde ihm aber künftigen Montag das nnSgclcgte zahlen, weil er eS gebraucht. Ich wünschete, daß Sie mir schrieben, wie Sie wollten gesagt haben, daß Ihr Kabinet zu verkaufen ist: den ich werde eS schwerlich gnt im Französischen geben können. Ich werde gerufen, und muß schließen, ic. Nach sehr. Pagliarini getrauet sich nicht mehr als so Exemplare unterzubringen und annehmen zu können. A n M i! ; e l -- S t o s ch. lNach Florenz. Z Rom, den ? Febr. Nachdem das Paket schon zugesigelt war / bekomme ich noch einen Angenblik Muße zu schreiben. Bricfe. ES braucht nur ein halber Bogen von dem großen Papier zur Probe zu sein. Wen ich koiite >5 Exemplare auf diesem großen Papier bekommen; würbe es mir lieb sein; nämlich: für den König/ den Graven Brühl/ den Kurprinzen/ den Graden Wackerbarth/ und für meinen gewesenen Herrn den Graven von Bünan. Berichten Sie ohne Anstand/ ob der lezte Zusaz zu dem Schwein und der Keule noch zu rechter Zeit eingelaufen; wo nicht/ so muß es in der Vorrede mit berührt werden. Wegen der Bücher der Duchessa Salviati ist der Junge dreimal da gewesen/ ohne sie zu treffen. Ich sage Ihnen unendlichen Dank für die große Aufmerksamkeit in dieser kleinen niedrigen Angelegenheit/ die Ihnen wie ich befürchtete/ hätte unange- iiebm und sehr unwürdig scheinen können. Ich thue mein Möglichstes, und er ist so vieles und mehr an sich selbst werth. Ich habe an Mr. Saint Lau- rent meine Meinung über die Einleitung zu den symbolischen Ringen geschrieben. Beiden, ehrlichen Man ist wahrhaftig wie Horaz saget. Man muß ja nicht alles druken lassen/ was man liefet. Suchen Sie wenigstens dieses Einschiebsel zu verhindern: es ist so etwaS/ das alle Pedanten wissen. An M lt z e l - S t o s ch. Mach Florenz.) Rom, den Sonabcnd In» Febr. 1760.Z O ^>ch habe gestern Ihr Schreiben erhalten; und werde heute Abend bei Abgang der zwei Hefte/ welche t) lJuvcnal sagt dieses (S-u. 7 >v, 5»,) und nicht Horaz,) 426 Freundschaftliche ich Ihnen überschike, diejenigen/ welche mit dem Procaecio gekommen sind, abholen. ES liegt ein Bogen Zusäze und Änderungen dabei.— Mr. Saint LaurentS Arbeit über die Schiffe habe ich noch nicht ganz durchgehen können, und diese Bogen werde ich mit den nächsten Heften übersenden. Jzo begreife ich, daß Ihnen der Katalogus viel Mühe kostet: es ist keine Kleinigkeit/ die Sachen von den Schiffen abzuschreiben. Ich muß gestehen, daß viel Besonderes und Nüzliches in dieser Arbeit ist, aber weil es zu weitläufig ist, wird man es als ein besonderes Kapitel zu Ende des Katalogi sezen müßen. Ich habe meinen Vorschlag zur Ordnung des Katalogi beigeleget. Die Zusäze wird Mr. Saint La urent in Absicht der Sprache durchzusehen und zu verbessern haben. Vorigen Mittwoch habe ich Ihnen mit der mai- ländischen Post geschrieben und drei Zusäze geschiket, welche Sie hoffentlich werden erhalten haben. Ick) bat Sie, an den Buchhändler Dyck zu schreiben, und ich bitte Sie nochmals inständig, es so bald als möglich ist zu thun, mit eben den Worten, wie ich geschrieben habe. Ich habe demselben über Mailand einen langen Auffaz geschiket für die Bibliothek der schönen Wissenschaften in Leipzig, und ich werde damit ohne Absicht des Gewinnes fortfahren; aber eine Geschichte der Kunst will ich den Deutschen aus der Nase ruken. Ich freue mich herzlich über Hhre Zufriedenheit: ich wünsche, daß sie durch nichts mag gestöret werden. — Ich bin auch zufrieden, nur wünfchete ich etwas besser zu essen; unterdessen ist die Freiheit, welche ich genieße, der Zuker, welchen ich über alles streue, auch über ein paar Stauden Salat, welchen ich mir zuweilen des Abends mache: den Sie müßen wissen, daß ich ungemein gut mit meinem Apetit stehe. An Feigen Briefe. habe ich es nur nicht fehlen lassen, aber Melonen habe ich noch nicht gegessen. Gestern Abend habe ich mich zum erstenmal gebadet/ und heute werde ich cS wiederholen/ wen ich Zeit habe. Diese Woche wird man dem Apollo/ dem Laokoon/ und den übrigen Statuen im Belvedere ein Blech vor die Schaam- theile hängen/ vermittelst eines DrathS um die Hüften;^) vermuthlich wird es auch an die Statuen im Campidoglio kommen. Eine eselmäßigere Regirung ist kaum in Rom gewesen/ wie die izige ist. Ich bin-e. Nachschr. Was Sie für Bedenken haben über meinen Entwurf von der Ordnung des Katalogi/ können Sie auf der andern Hälfte des gebrochenen Bogens schreiben. Ist diese Ordnung beliebt/ so überlassen Sie mir in den übrigen Heften die Überschriften oder die Titel zu sezen. An M u z e l - S t o s ch. INach Florenz. Z Rom, Sonabends lim Märzl Ach habe heute früh die Sachen von dem Proeac- civ/ und gestern durch den Cardinal Ihren Brief erhalten. Ich werde suchen/ wen es möglich ist, alles/ was ich von dem Katalogs habe, zugleich mit künftigen Procaccio abzuschiken. Ich wünschete/daß Mr. Sa int LaurentS seine Arbeit nicht so sehr weitläuftig wäre; ich glaube/ daß sie gründlich ist: aber es war nur hier nicht der Ort. Unterdessen werden es dieiein- j) Es ist wirklich geschehe»! und zum TheN auf eine gewaltsame Art, so daß die schönsten Statuen verderbt worden. Nicvlai. 18 * -i26 Freundschaftliche gcn/ welche die Stichen verstehen/ als' eine Zierde des Catalogi ansehen können. Ich werde ohne dringende Grunde nichts ändern. Ich schike »och ein paar Zusäze/ ich kaii es nicht lassen/ so lange die Schrift noch diesseits den Alpen ist. Was den jungen Brühl betrift/ verstehet es sich was Sie geschrieben haben. Wegen der Titel über die Klasse habe ich künftigen Mittwoch zu schreibe». Alsdcii ein Mehreres/ ich habe zu viel zu thun. :e. Liebster Freund! Nachdem der Heft versigelt war; bin ich zweifelhaft über einige Kleinigkeiten geworden/ L. x. ob Ihnen möchte die Überschrift: anc-'en» gefallen; ich finde aber keinen bequemeren Titel. Hernach weiß ich nicht gewiß/ ob die persische Historie von der griechischen durch die gewöhnlichen Sternchen abgesondert worden. Eben dieses muß mit dem Hamilkar und Hannibal geschehen/ welche ebenfalls durch drei Sternchen von den griechischen Steinen abzusondern sind. Gute Nacht! Ihre Unterredung mit der — liegt mir beständig im Sin und schwebet mir vor den Augen. Empfindet sie den/ was ihr widerfahren ist. Weil ich Sie nach vielen Jahren einmal wieder sehen werde/ und wen wir auch alle beide graue Värte und Köpfe hätten/ würde diese Unterredung eine von meinen ersten Nachfragen fein. Diese Woche wird mein Ebenbild von einem dänischen Maler >) geendiget: ein Porträt/ dergleichen t) lDem mehrmal erwähnten Peter Hcils.1 Briefe. wenige gemacht sind. Der Cardinal hat mir ein Fragment von einem Steine mit dem Namen geschiket. Es ist eine Victoria/ welche einen O ch se n sch lachtet. Die Victorie und der Namen des Künstlers hat sich erhalten/ und ist herlich, l) An Muzel - Stosch. l??ach Florenz. Z Rom, den 2? Mär; j760. ^ch hoffe/ daß uuser Druk von Rom aus unbeschä- tiget wird überkommen sein. Erklären Sie sich deutlich/ wie Sie gedenken, eS mit J'oreS Onkels Briefen an den Cardinal zu halten/ damit ich weiß/ wie ich es von ihm verlangen foll. Ich glaube nicht/ daß er Schwierigkeiten machen würde/ Ihnen dieselbe abfolgen zu lassen. Wen unsere Arbeit allen Menschen wie Bal- dani gefällt, so würden Lvo Exemplare zu wenig sein. Der Cardinal macht so viel aus dieser Arbeit/ daß er mein in Pape geheftetes Exemplar in seinem Zimmer haben will; er zeiget eS allen/ die zu ihm kommen, und man muß ihm einen Broken daraus lesen. Er ist wegen eines Schnupfens in 8 Tagen nicht aus dem Zimmer gegangen/ und izo scheinet sich das Podagra zu melden. Sie schenken mir 10 Exemplare auf groß Papier: für den König, Kurprinzen, B rü hl/W acker- barth/ Bünau/ Baldani/ Tanucei, Pas« sionei, Bianeoni/ Winckelman. Ich würde lMan vergleiche unter den V er z i e r»ug sb i ld er n zu den Denkmale n Nuni, l 2, wo eine V i c t v r i a von So strat os Z 428 Freundschaftliche noch um 6 Exemplare auf dem gewöhnlichen Papier bitten: den eines haben Sie dem Pater Paciaudi zugedacht; ein anderes muß ich dem königlichen Beichtvater schiken. Unter allen diesen ist das Exemplar an den Cardinal nicht begriffen; ungleichen an die Cheroffini. Dem Herrn Kent^) habe ich Ihren Brief den Diensttag gebracht. Man ließ mir aber heraussagen? daß er schon verreiset wäre/ und er ist noch hier. Warum er sich vor mir verleugnen läßt/ kan ich nicht errathen. Ich muß ihm also zur Last geworden sein/ und er muß mich für einen Schlukcr halten. Ich habe in allem viermal bei ihm gegessen/ zweimal von ihm eingeladen. Ich rechne einen Besuch sehr hoch/ sonderlich bei Fremden/ wo ich nichts lernen kan; zumal da dieser Mensch gar keinen Geschmak von dem wahren Schönen hat/ wie Sie selbst erfahren können/ und es ist mir dieses sein Betragen sehr empfindlich. Ich hatte mir schon nach des -) Streich in Florenz vorgesezet/ keinen Fremden zu kennen/ wie ich den in der Gesellschaft bei der Cheroffini niemals mit einem Engeländer geredet habe/ noch reden werde/ noch weniger mit Deutschen. Und ich will den nicht für meinen Freund halten/ welcher mir künftig Gelegenheit geben wollte/ mit einem Fremden bekant zu werden. Nächstdem muß ich auf nichts so sehr aufmerksam sei»/ als keine Gelegenheit zu gebe»/ zu glauben/ daß ich dürftig fei/ oder Andere nöthig habe. Den ich gebrauche nichtS/ und niemand/ und habe genug »nd bin zufrieden; daher ich mit keinem Menschen in der Welt meinen j) E>» Engländer/ der sich in Italien aufhielt/ und viel Kuustsachen sammelte. Nieolai. 2) iÄlsani Ciofani.Z Briefe. 42? Zustand verwechseln wollte. In dieser Absicht esse ich seit geraumer Zeit nicht mehr beim Pa ssi onei/ und es' soll sich niemand rühmen/ daß ich seit einigen Monate» eine Cioccolata von jemand angenommen hätte. Zu dieser langen Erklärung veranlasset mich meine Empfindlichkeit. Ich gedenke, daß ich so edel denken kaii, als irgend ein Engeländer/ und ich darf über nichts in der Welt roth werde»/ daher ich eine Geringschäzung nicht verdauen kan. Ich will nun- mekrv/ da ich Jahre habe/ das ausüben/ was ich bisher gelernet habe/ und ich will keinen Menschen schäzen/ der es nicht verdienet/ und mich durchaus nicht verstellen. Der Cardinal kennet nunmehro meinen Sin/ und die nakte Wahrheit gefällt ihn,/ und so halte ich eS auch mit andern. Ich werde Ihnen das Porträt in GyvS durch den Courier de Turin schiken ;e. All Muzel - Stosch. Mach Florenz,Z Rom/ den 2 April t7L0. H)eute früh ist beiliegender Brief von Walthern aus Dresden eingelaufen; Sie mögen ihm von Florenz aus darauf antworte»/ was Sie für sich »üzlich finden. Ich habe ihm heute zurükgefchrieben/ und ihn auf Ihren Brief verwiesen. Er will nur einen Versuch machen/ und glaubet etwa/ wen das Werk gut abgehet/ hundert nachkommen zu lassen. Ich sehe unterdessen/ daß Sie nicht viel Exemplare werden auf dem Halse behalte»; ich wünsche den Tag zu erlebe»/ daß alles abgegangen sein wird. Ich warte mit Verlangen auf die Exemplare. 430 Freundschaftliche Ich habe von dem Wein getrunken/ den Sie für mich bestimt hatten: schlechter habe ich keinen rothen Wein getrunken/ er mnß also ausgetauschet sein, ehe er nach Rom gekommen. Weiter weiß ich vor heute nichts zu schreiben An Ml! z e l - S t o sch. iNach Florenz.) Rom/ den 4 Mai 5 760. Ach schreibe nach unserer Abrede zu Anfange dieses MonatS/ und glaube/ daß Sie werden dergleichen gethan haben. Ich wünsche/ daß Sie/ wie ich/ Gesundheit genießen und fröhlich seien. Ich schikte Ihnen einen Brief von Walthern aus Dresden über .50 Exemplare; es wird Sie derselbe aber nicht mehr in Florenz getroffen haben. Die gedrukten Sachen sind zu Civitavecchia angekommen. Sie haben mich/ zn Ihrem Schaden/ nicht recht verstanden: ich habe nicht so viel auf großes Papier verlanget/ als Sie mir gcschcnket haben. Für diese und andere reichliche Geschenke sage ich Ihnen tausend Dank. Sie haben mit für meinen Ruhm gearbeitet/ nnd ich wäre zufrieden gewesen, daß ich ohne meine Kosten in Italien eine Arbeit von mir an das Licht geben können. Ich hoffe/ daß dieselbe anderswo/ so wie in Rom, Beifall finden möge. Von dem gesezten Preise werde ich keinen Kreuzer herunterlassen; den aus Noch darf ich nichts verschleudern. II 8iA»c>r' >) hat Herrn Nagel/ welcher O lSckwcickart.I Briefe. sich Ihnen empfiehlt/ gefraget/ ob er nicht wisse/ welches die Ursache sei/ von den äis8->pori, welche zwischen uns beiden entstanden; er bat denselben/ ihm davon Nachricht zu geben. — Ich kail nicht wissen/ wodurch ich Ihnen dazu Gelegenheit geben können; sollte es aber geschehen sein/ so würde Ihre Auslegung Ursache daran sein. Den ich handle mit Betrügern unschuldig/ noch vielmehr aber mit einem Freunde/ wie Sie mir geworden sind. Ich beruhige mich also in meiner Einfalt/ und wahrhaftem Wesen/ ohne weiter hieran zu gedenken. Der Herr Baron von Schelle ndorf ist vor einigen Tagen hier angekommen; und ich redete denselben an bei der Cherofsini; morgen als den Sontag/ wen er noch nicht abgereiset ist/ werde ich zu ihm gehen. Mir den Herrn Baron von Sa inte Odilel) werde ich ein Exemplar nach Ihrem Sinne binden lassen und es ihm selbst in Ihrem Namen überbringen. ES findet sich Gelegenheit/ den besten Cameo / den man hätte/ und so hoch man will/ anzubringen. Ein Marchese in Rom / dessen Namen mir izo nicht einfällt/ hat durch Vermittelung des Cardinal» einen wichtigen Proceß in Brüssel gewonnen/ und will dem Minister daselbst ein Präsent von dieser Art machen. Der Cardinal hat einen Cameo vorgeschlagen/ nnd will/ daß cS ein Stük/ wenigstens von 60 bis Zecchini sei. Der Cardinal hat mir befohlen/ deßhalb herum zu schreiben. Der Marchese heißt Pale o t r i. Vor meiner Hypochondrie/ welche ich Ihnen schien Zu zeige»/ haben Sie keine Furcht. Ich genieße/ l) Ein geborner Lothringer; tose.niischer Gesandte zu Rom. Er wohnte daselbst auf der Villa Medici. Nic'olai. Freundschaftliche was Gott gibt, mit fröhlicher Seele/ und bleibe bei dem gemachten Vorfaz, bei niemand weder zu essen, noch zu trinken. Wen ich mich kan losmachen, werde ich auf einen Monat in der heissen Zeit nach Caliello l) gehen in das HauS des CardinalS, um die dortige himlische Gegend zu genießen, welche über alles in der Welt ist. Ich arbeite stark an meiner Schrift, welche vielleicht allererst in zwei Jahren wird fertig werden. Künftigen Montag ein MebrereS. Ich bin mit ewiger Freundschaft und Dankbarkeit. ?c. An W a l t h e r. lNach Dresdens Rom, den 22 Mai gestern erhielt ich Dero geschütztes Schreiben vom 27 April, welches mir ein ungemeines Vergnügen ver- i ursachet hat, sonderlich durch das bezeigte Verlangen nach einem alten Bekanten. Ich versichere Sie aufrichtig , daß ich unser Vaterland allem Glüke in der Welt hätte vorziehen wollen, und auch mit mündlichem Unterrichte mich allen und leden ohne Entgeld hätte aufopfern wollen. Ich schlug deßwegen auch einen anständigen Ruf nach Wien auS: aber ich konte nicht »och einige Jahre auf den Trost Israels warten, wie mir angedeutet worden, und ich würde mit dem heruntergesezten Gehalte der mir zu- i gedachten Stelle in der Residenz keine große Figur i haben machen können. Unterdessen habe ich aus Jh- ^ rem lezteu Schreiben mit Vergnügen gesehen, daß eine meiner Schriften sehr huldreich von unserer Durchlauchtigsten Herschaft aufgenommen worden, und daß meine Wenigkeit noch in gutem Andenken stehet, >vel- 1) lGandolfoZ Briefe. kheS bei Denenselben durch Lesung dieser Schrift/ weil die gegenwärtigen betrübten Umstände Muße und Lust dazu übrig lassen/ kan unterhalten werden. Das Schreiben/ womit Sie mich beehret haben, theile ich dem Herrn von Stosch mit/ welcher im Vegrif stehet/ nach Engelaut» zu gehe»/ wohin er bereits alle seine Sachen vorauSgeschikt hat. ES mag derselbe auf den bequemsten Weg zur Übersendung der verlangten 5537 An M u z e l -- S t o s ch. INach Pariö.Z Rom c? 1760.Z ^'br erstes Schreiben aus Paris habe ich vorigen Dienstag erhalten/ und vermuthe/ daß Sie gesund sind / und wünsche / daß Sie vergnügt sein können/ so wie ich zufrieden bin. Gegen Ihre Nachrichten von Altertümern würde ich Ihnen Silber gegen Gold geben/ weil ich den Brief mit allerhand Ent- deknngen/ welche von Zeit zu Zeit gemacht werden/ anfüllen wollte. Es ist also der Mangel an Sachen Schuld an Ihrer vermeinten Kürze meiner Briefe. Von den Händeln eines kindischen und thörichter Priester/ mit Mächtigern und Gescheidern als sie sind, glaube ich / werde Ihnen wenig gedient sein; ich würde dieselben auch entweder verkehrt/ oder nur halb schreiben. Von unserm Werke tan ich nichts sage»/ weder in Gutem noch in Bösem. Ich weiß auch nicht, ob der Buchhändler von zehn Exemplaren/ die ich ibm hingegeben / eines verkauft habe. Dieses bekümmert mich nicht: den obgleich nicht alles seines Mehl ist/ (welches unmöglich war,) so ist doch auch nicht alles Kleie. Ich kan wenigstens einigen meiner auswärtigen Bekanten ein Geschenke machen. Der Beifall wird kommen/ wen wir uns nicht fälsch« lich geschmeichelt haben. Ich arbeite unterdessen izo an einer Erläuterung niemals herausgegebener/ und theils ulibekaiitcr griechischer Münzen in lateinischer Sprache/ welche Arbeit mir wie zum Vorläufer der Historie der Kunst dienen soll/ um in derselben/ an vielen Orten/ wo ich gar zu gelehrt erscheinen müßte/ mich kürzer zu fassen. Die Historie der Kunst bleibet allezeit mein geliebtes Werk/ und ich fange an/ dieselbe italiänisch zu übersehen. 0 lPabsteS.Z Freniidschaftliche Mich wundert izo nicht/ daß der »toi-clii,» eoc- «I>i, da er in Rom gewesen, gesagt, daß er mich nicht zu finden wisse, da ein ungleich mebr beriinm- terMan, wie Wille ist, nicht zu erfragen gewesen. Sie müßen als» Mr. CayluS nicht gesraget haben. Sie-würden also auch nicht wissen, baß der Marquis de Croixmare die beiden herlichen Pastelgemälde von MengS hat. Ein Schul,fliker in Dresden ließ fich einfallen, die astronomischen Rechnungen zu lernen; er kaufte deS La Hire übersezte Tabellen, und bat der Akademie zu PererSburi und zu Berlin in dieser Holzhakerarbeit große Dienste gethan. Zu meiner Zeic ließ er in Dresden Kalender druken, und trug dieselben auf den Dörfern umher. Da er gedachte Tabellen wohl studiret hatte, kam ihn das Verlangen an, den Verfasser zu sehen; er machte fich auf und ging nach Paris, wo er in seiner Herberge nach La Hire fragte, welchen kein Mensch kante. Er gerieth hierüber in solchen Unwillen, daß er sogleich von Paris wieder zurük ging nach Dresden. La Hire aber war schon einige Jahre gestorben. Mich däucht, ich schrieb Ihnen im vorigen Briefe von der schönen VenuS, mit dem Namen deS Künstlers, welche hier gefunden worden. ES ist ein Faun entdekct ohne Arm' und Beine, welcher der schönste in seiner Art heissen kau; der Cardinal hat ihn für 200 Scudi erstanden, und um die VenuS stehet er im Handel. Zu Stadia bei Portici find von neuem ganze Zimmer nnter der Erde gefunden und man hat sechzig alte Gemälde herausgenommen. Das Museum bestehet izo schon aus 20 — 2^ Zimmern. In Engeland, glaube ich, werden Sie in allen Theilen der Kunst, also auch in Altertümern, besondere Sachen sehen. Sie müßen nur nicht glau- Briefe. ben/ wen Sie Statuen mit Namen der Künstler iindcn/ daß eS wahr sei/ was Sie lesen. Den zu Wilton beim Pembrocke sind 2 oder 3 Statuen mit dem Namen KleomeneS/ welches unstreitig eine Betrügerei ist/— den man hat die Inschrift der florcntinischen Venus eopiret. Wen Sie in Engeland sollten Geld wegzuwerfen haben/ so machen Sie inir ein Geschenk mit einem Schecrinesser von gegossenem Stahl/ und mit einer Brille c>> pi-im-l welche man hinter den Ohren befestiget: den meine Hand wird schwerer zu mittelmäßigen oder schlechten Messern/ und mein Gesicht nimt ab. Ich hatte dergleichen Brille/ die mir MengS von London kommen ließ/ und diese wurde mir beim Passionei gestohlen. MengS arbeitet izo an dem Soffito?) der Galerie in des Cardinals Villa; er wohnet deßhalb mit seiner ganzen Familie daselbst. Das Werk stellet den Ap ollo nebst den SMusen und ihrer Mutter Mnemosine in 1: Figuren Lebensgröße vor. Ich glaube nicht / daß dergleichen Werk gemacht sein wird in Frcseo. In Erwartung Ihres Schreibens ze. Nachschr. Ich habe seit einiger Zeit eine große Kraftlosigkeit an mir gcmcrkct/ und beute bin ich nur vom Bette aufgestanden/ um an Sie zu schreiben. Ich werde künstig weitläuftiger sei». ll) Ist eine C 011 se r va ti on § b ri ll e, die nicht sowohl dient, die Gegenstände zu vergrößern, als das Licht zu schwachen, dessen zu starkes Auffallen den Augen schaden konte. Also vorzüglich ausser Hause zu tragen. Nicolai. 2) lD e k e.1 3) lAlbanil Freundschaftliche An Muzel-Stosch. lNach London.Z Roni, den 25 Jul. j?eo. O ^Z»br Brief a»S Rotterdam ist mir sehr angenehm gewesen. Die drei vorigen habe ich richtig erhalten, wie auch des Abbe Arnauld seinen. Barthe- lemy^) hatte ganz ausnehmende Lobsprüche von mir gemacht an Paeiaudi/^) und ich konte nicht umhin/ mich zu bedanken/ und schrieb an ihn. Er verlangte vom besagten Pater Nachrichten über etwas aus der alten Baukunst/ welche ich auf dessen Verlangen im Wälschen entworfen; ich will hoffe»/ daß man dieselben als von mir herrührend über- schiket habe. Dem Herrn Arnauld habe ich noch nicht geantwortet/ eö soll aber künftige Woche geschehen. Hz» komme ich zu dem Inhalt Ihres Schreibens: der erste Punkt ist der Federkrieg / welchen ich gerne entübriget sein mochte. In die alte Feindschaft menge ich mich nicht; kömt es aber mir näher an das Hemde/ so wache ich auf: ich warte nicht/ bis eS an 6 Fell kämt. In Sachen des Ka- talogi/ worüber man mich angreifen kan / sind die Waffeit ungleich; das würde man alsden erfahre»/ und ich wurde in lateinischer Svrache antworten, wo man den Zliitichambrestyl nicht nöthig hat/ sondern man nennet die Sache mit ihren« Namen. ES sollte wohl einmal die Zeit komme»/ die Charlatancrie unserer Zeit zu entlarve». t) Verfasser des loui-n-il etrznAd'. Nicolai. 2) ^Verfasser der Reise Anacharsis. des Jüngern^ Z) cHernach Bibliothekar zu Parma,) Briefe. Wober aber weiß Barthelemy, daß ich kein großer Freund der Franzose» bin? Und warum sind ' die pariser Künstler wider mich aufgebracht? Ich l weiß von nichts. Ich kan mich nur entsinnen, daß in dem einen Sendschreiben, welches von Florenz abging, dem berühmten Pigalle^) der Kopf gewaschen worden. 2) Hat man etwa diese Sachen über- sezet? Das wäre eine unverdiente Ehre; den ich habe - was ich geschrieben, ohne die geringste Mühe hingeworfen. Was wollen Sie ferner mit dem Stillschweigen sagen, welches diesen Herren von mir nahe gebet? Hat man wider mich geschrieben, warum überschiket man mir es nicht? Meine Schuld ist hier der unterlassene Briefwechsel mit den Dresdnern und Leipzigern, daher ich ohne alle Nachricht bleibe. Allein man schreibt mir von daher gar zu abgeschmakte Dinge, und ich > bin des Schreibens müde worden. Geben Sie mir ^ doch Nachricht, was es für Sachen sind, die man von mir in Paris liefet, und was den Unmuth über mich erreget bat. Meine Historie der Kunst ist noch nicht zum Druke fertig; den eS ist ein ganz ander Werk geworden, als wie eS in Floren; war, und ich kabe viele Kupfer nöthig, daher muß ich auf bessere Zeiten warten, und es ist nothwendig, daß ich selbst wenigstens nahe an dem Ort sei, wo der Druk besorget wird. — Den eS soll ein Werk werden, welches gegen alle Anläufe bestehen kan. Ich würde mebr arbeiten können, wen ich nicht alles selbst schreiben müßte, und aus dieser Ursache wären mir glüklichere Umstände zu wünschen; den t) ^Bildhauer.) 2) lJn dem Sendschreiben von der Gratie in Werken der Kunst.Z 442 Freundschaftliche für mich selbst bin ich zufrieden und beneide nicht den großen Mogul. Aber mein Gesicht niint ab, ich kan nicht mel>r ohne Brille arbeite»/ und ich bin einige Zeit so heruntergekommen/ daß ich kaum geben konte; izo aber habe ich mich wieder erholet; den der Cardinal trägt alle mögliche Sorge für mich/ und schonet mich, wo er weiß und kaii. Ich habe mich aber auch in mehrere Freiheit gesezet, und er weiß nun, wie ich wünsche, gehalten zu sein. Hch habe eine neue Arbeit bekommen/ welche ebenfalls Zeit erfordert. Wackerbarth hat den, Kurprinzen meine zwo lezten Schreiben an ihn gelesen / und läßt mir wissen/ daß es dem Prinzen angenelim sein würde/ Nachrichten von Altertümern zu haben. In einem Halben Jahre aber verspreche ich Ihnen das Send sch re i ben gedrukt zu schaffen. Meine vornehmste Beschäftigung ist izo eine Erklärung von alten und niemals bekant gewordenen griechischen Münzen/ welche ich lateinisch schreibe. Herr Barthclemy wird aus derselben etwas lernen/ worin er sehr irrig ist: dieses wird aber mit vieler Bescheidenheit angezeigt werden. Ich beziehe mich sehr oft auf Ihre Steine/ und werde einige stechen lassen/ doch nur den bloßen Contur. Die Münzen sind schon gezeichnet; in Ihren Steinen habe ich verschiedene merkwürdige Sachen entdekct, welche mir entwischet waren. Von Lami ans Florenz weiß ich nichts; ich habe ihn nicht begrüßet/ und bin also seiner Aufmerksamkeit vielleicht nicht einmal würdig geachtet. In Rom habe ich zu meiner Achtung weiter nicht» nöthig, deßwegen bin ich um die Auswärtigen nicht so sehr bekümmert. Was wird der gelehrte Bus- t) jMcr die h crcu lanisck e» Altertümer.) Briefe. naecorsi urtheilen? Wahrhaftig einen größeren Esel voll Einbildung habe ich kaum gelegen. Was »rtneilet den Herr Grav CaylnS von unserem Werke? Dieses wäre ich begierig zn wissen. Dieses ist ein Man/ der die Gabe hat / von Nichts viel zu sagen / irie ich sonderlich ans dem dritten Bande seines lii-eueil ci'^,ntil^>iN. Wiese und noch mebe Kuvser von Steinen aus dem Kadiner des Baron St»sch kommen in den Denkma» len vor^ Freundschaftliche haben kan,) daß Sie todt wären; welches Ihnen langes Leben bedeuten wird. An Muz el-S losch. lNach London Z Rom, den ZV Aug. 576V. gestern habe ich Ihr Schreiben ans London mir großen Freuden erhalten, und die Gruße an den Cardinal und an Baldani bestellet, welche deß- glcichen thun, und Ihnen alles Wohlergehen wünschen , nebst Erbietung dero Dienste. Meinen lezten Brief haben Sie noch nicht bekommen, wie ich sehe: den in demselben werden Sie ersehen haben, daß ich daS Schreiben von Arnanld erhalten und beantwortet habe. Zu gleicher Zeit habe ich auch an Herrn Barthelemy geschrieben. Herr von CayluS hat sich bedanken lassen für die vermeinte Ehre, welche ich ihm angethan. Das 5o»>,i->I habe ich in Nom noch nicht gesehen; vielleicht HAlt es Passion ei. Ich werde in kurzer Zeit mit Materie für dasselbe an'S Licht treten. ES bestehet in einer Schrift etwa von 8 Bogen: Anmerkungen über die Baukunst der Alten, t) In Zeit von einem Monat werde ich dieselbe ab- schiken können. Mich däucht/ ich habe nichts gemacht, was so ordentlich und zugleich nuzlich ist. Mit meiner Geschichte der Kunst habe ich gar zu große Änderungen vorgeiiMinien, als daß ich sie hätte endigen können: eS fehlet mir auch an Kupfern. II n 2 Lande tiefer Z!nkg,,l'>',Z Briefe. -Es wird aber Nath dazu werden. Wen Sie diese Arbeit künftig sehen werde»/ wird es Ihnen und andern lieb sei»/ daß ich so lange daran gekünstelt habe. Sie thun mir Unrecht, dafi Sie sich über meine Nachläßigkeit im Schreiben beklagen; ich hätte eS Ursache zu thun: den ich schreibe von einem Orte, wo auch Sie gewesen sind; Sie aber aus einem Lande, welches ich nimmer sehen werde. Theilen Sie mir mehr dergleichen Anmerkungen über die Natur der Menschenkinder mit: ich werde dieselben in dem ersten Kapitel der Historie der Kunst anzuwenden suchen. Die englischen Schönen werden also den toscanischen und römischen weichen müßen. Paläste, welche Sie in London nicht finden / werden Sie auf dem Lande sehen. WaS den Katalogum betrift/ wundert eS mich nicht/ daß derselbe keine Käufer findet; den in Rom gilt dergleichen wenig, und die es brauchen/ behelfen sich mit Leiben. An andern Orten ist er vielleicht nicht bekant; und da in Italien kein ander Hournal als die magern Novellen ans dem schweizer Kaffee in Florenz/dem Siz der Unwissenheit/ umhergehet: so hat das Hauvt der Gelehrsamkeit daselbst unsere Arbeit auf eine Art angekündiget/ die keine Aufmerksamkeit erweken kan. Nachdem er die 7 oder « Kapitel desselben angegeben: sezet er hinzu: „ daß sich einige gute Anmer- „ kuugen in demselben finden. " Wen Gott uns beiden Leben gibt, soll ihm wiederum ein Dienst geschehen mit mehr Nachdruk/ in einer Schrift von dem Zustande der Gelehrsamkeit in i) k'Auf dem Oulsi- all» 8m22'u»cllc lelteraris Von Lami.Z Frcmidschastlichc Italic». Ich schikte dem Tanueei ein kostbar gebundenes Exemplar/ und drei andere schenkte ich an Andere in Neapel; ich habe aber weder von jenem noch von diesen die geringste Zeile Antwort erkalten. Dieses aber irret mich nicht; den ich kenne den Werth der Arbeit. Unterdessen habe ich diejenige» Exemplare/ welche ich dem Pagliarini hingegeben hatte/ wieder zurükgefordert/ da ich sehe/ daß er/ da nichts darauf zu gewinne» war/ auch Ziicht einmal in die öffentlichen Bibliotheken in Rom eines anbringen wollen. Ich will keinem auch ein Blatt verkausen. Ich werde schon Gelegenheit schaffen durch die Schrift über die griechische» Münze»/ von welcher ich Ihnen gemeldet habt/ daß es künftig gesuchet wird. Von Herrn Saint Laurent habe ich gar keine Nachricht. Ich schreibe nicht/ um nicht französisch zu schreibe»/ und die Grobheit derer i» Neapel und Mailand machet/ daß ich sehr hart an'S Briefschrei- l>e» gehe. Ich weiß sonst nicht/ was ich Ihnen schreiben könte. Neuigkeiten sind nicht für mich/ weil sie mehrentheils von Deutschland her so beschaffen sind/ daß man nicht srohloken kan. Was' an dem Hose zu Nom vorgehet/ wird Sie izo wenig bekümmern. Das' Pfaffenreich nähert sich seinem Stnrz und Untergang auf allen Seiten/ nnd man befürchtet schon hier/ daß das Haus Österreich, wen es sollte Frieden bekommen/ (welches aber in den ersten t n Jahren nicht geschehe» wird/) dem Pabst Ferrara nehme» werde; ja die Cardinäle selbst prophezeihen / daß in 3» Jahren der Pabst nichts ausser den Ringmaure» von Rom werde zu sage» haben zc. i) LMinistcr in Ncapet.z Briefe. An M u z e l - S t o s ch. lNach Salisbury.Z Rom, dc» ^ Sct j?6a. <> ^Lch habe gestern Ihr Schreiben ans Salisbury eryalten, und frenc mich/ daß Sie siel, wiederum wohl befinden, und voraus auf die Nachricht von den Altertümern de6 Graven Pein brocke. Sie werden sich »och wohl erinnern, das; verschiedene Statuen mit Schcidewasser geazet sind, unter welchen vier oder fünf sind, mit dem Namen des Künstlers der VenuS zu Floren;, welches aber dort ein Betrug sein mnß. Jmgleichen, das? man von einer Statne vorgibt, sie sei vom PolvbinS, dem Freunde des' großen Scipio, ans Griechenland gebracht worden; und mehr dergleichen Possen. DaS Verzeichnis; der pein brockisehen Altertümer ist zu Livorno übersezt gedrukt und ein Abscheu. ES scheinet von einem englischen Landgarderobe^) auf- gesezet zu sein. Ich freue mich auf Ihr Geschenk, und alsdan will ich mir einen Tag um den andern den Bart machen: die Brille will ich ausser dem .Hause auf der Nase reiten lassen, und die Bleistifte sollen mir dienen, Gedanken zu dem bewusten Briefe >n der Schreibtafel anzumerken. Sie sind izo eine von den gerei- seten Personen, und ich glaube keine bessere Materie zu finden, als von der Art, nüzlich in Italien zu reisen, schreiben zn tonnen. Die Anmerkungen über die Baukunst der Alten sind fertig, und werden abgeben, wen ich vorher eine Reise nach Cori bei Velletri thun kan. 1) lLandhauscastellan.I 648 Freundschaftliche Ich wiederhole meine Bitte, welche ich bereits gethan, eine genaue Bemerkung zu machen über die Form, Zuge und natürliche Gratie der englischen Schönheiten beiderlei Geschlechtes, welche mir zu meiner Historie der Kunst sehr nüzlich ist. ES ist nöthig, daß Sie hierüber Ihre Gedanken sogleich aufsezen, und nach und nach ausbessern. Die Weisse 5er Haut in Engeland ist bekant, und gehöret nicht zu der Form; auch nicht die Farbe der Äugen. Geben Sie Achtung, ob sich große Charaktere, wie der römische und toscanische ist, in Engeland finden. Hmgleichen, ob das griechische Profil sich zuweilen findet, sonderlich unter jungen Leute» bis 24 Jahre: den dieses ändert sich vielmals nachher; bei jungen Mädchens könle eS sich dort vielleicht eher finden. Hierher gehöret auch das GewächS: ob man so große, starke Gewächse von Weibern wie hier findet. Hch weiß nunmchro, woher der Haß der pariser Artisten wider mich kömt: ich habe den Pigalle und den ältern Adam etwas hart angegriffen; ich würde aber viel mehr sagen können, wen eS zu Erklärungen kommen sollte. CayluS bat mit un- gemein großem Lobe von unserer Arbeit geredet, und sich gegen mich bedanken lassen sowohl über die Anführung, als über die Kritik. Er suchet durch verschiedene Wege in der Villa des CardinalS zeich" t) ^Erinnerung über die Betrachtung der Wer« ke der Kunst; S 20Z im l Bande dieser Ausgabe.Z 2) tGrav Caylus ist sowohl wegen seines Kabinets, als seines Werkes cl'^nti^unes in der Beschreibung angesührt; z. B- bei Nui». Z u, 8t der t Klasse, Num. <072 der Z Klasse. Die Kritiken aegen ihn sind nur gering, ». E. bei Num. < der t Klasse: »das, es „ wahrscheinlich ein Auge sei, was er aus einem Stei' „ ne snr einen S ch i ssch »abe l oder für ein Kriegs- „Werkzeug angesehcn. "Z Briefe. nen zu lassen, welches ich ihm aber und einem jeden verhauen habe. Den was ich selbst gebrauchen kaii/ soll kein anderer haben. Hn den c?e ?/e>>o,k,r haben die dortigeil Jesuiten unsere Arbeit gleichfalls reeensiret im Monat September. Man hat sich ohngeachtet unserer Erklärung über die Sprache ausgehalten; im übrigen ihr das verdiente Lob nicht ganz abgesprochen. Man hat ein paar Artikel herausgenommen/ welches aber nicht die wichtigsten sind; und in der Kritik über die V;,s!> ii.ulilnui. hat man wider den Mariette er- kant. Man hat aber alles auf meine Rechnung ge- sezet. Wen Mariette die Vorrede mit eben so schlechter Aufmerksamkeit gelesen/ wird er alles mich selbst entgelten lassen. Er sei mir aber allezeit willkommen. Nnnmehro habe ich auch das ganze Nest der Antiauaruoli gegen mich rege gemacht; und diese reden wider mich auch gegen meine nächsten Bekante. Der Bogen aber ist gespannet / und ein scharfes Geschoß darauf geleget/ wo irgend jemand mit etwas hervortritt. Zuerst wird die Reihe den armseligen Bracei treffen; 2) dem ich eS schon wissen lassen/ daß ich wider ihn schreibe/ wo er mit seinen hervortritt; er weiß/ daß er alle Worte abwägen soll. Alfani trat auch hervor über einen Stein/ welchen ich vor neu erklärte; eS wurde in einem öffentlichen Kaffee eine Wette von Zeechini gemacht/ welche ich gewonnen habe/ aber noch kein Geld sehe. Er bekam also von mir eine solenne und lsvatui» >li tesw in eben der Gesellschaft. Pichler harte den Stein gemacht/ der also mein Feind sein wird. Ich Muß aber nun- 1) lMa» i'elie die Bioaravhie S.XLIII1 2) Wiograxhie S> xcu-Z 13 * 4>zo Freundschaftliche mekro die Maske abnehme»/ und niemanden eine Dumheit j» gute halten/ wie ich bisher» gethan. Die Akademie zu Cortona hat mich zu ihrem Mitgliede erkläret/ nachdem sie in ihrer lezten Versandung unser Werk gelesen. Ich soll Sie grüße» und Ihnen in der Akademie Namen Dank abstatten. Die Malerakademie von S. Luca zu Rom hat mir eben diese Ehre erwiesen; und es würde mir lieb sei»/ weil die Akademie der Altertümer in London ein Gleiche» thäte. Sie könten dazu beitragen. Herr Kent hat mir die Schwefel von de» medi nischen Steinen aus Livorno schiken lassen/>) welche ich bei mir behalte, bis ich seinen Wille» weiß. Ich bin gesund/ und dieses ist mein größtes Glük/ welches ich Ihnen auch beständig wünsche/ und ersterbe ?c. ?l n M u z e l - S t o s ch. Mach SaliSbuvyZ Rom, den I Nov. 1760. Ach habe Ihr angenehmes Schreiben vom ersten des vorigen MonatS gestern erhalten, und freue mich, daß Sie noch nicht mißvergnügt sind/ und noch mehr/ daß Sie scheinen/ nicht abgeneigt zu sein/ nach Italien zurükznkommen. Thun Sie bald/ was Sie thun wollen; den in Florenz ist Ihnen ja ein Siz der Ruhe bei einem Freund bereit, wornach viele sich sehne» würden. j) Medi na, ei» Jude in Livorno H.Ute eine Samlung von geschnittenen Steinen. Nicolai. Briefe. Ich habe Ihr Schreiben dem Herrn Cardinal gelesen, welcher Sie vielmals grüßen läßt/ und sich freuen wurde/ weil Sie zurüklämen. Ich erwarte die Zeichnung/ welche Sie mir zugedacht haben/ oder das Kupfer, will ich sagen. Was Pop es Werke betrift/ so will ich lieber Ihnen, als Herrn Kent/ dafür verbunden sein: den ohngeach- tet ich diesem das Ausgelegte gewiß ersezet hätte, so wird er diese Erklärung/ da er mich lischt genug kennet/ nicht in ihrem eigentlichen Verstände genommen haben/ und er wird allezeit glauben/ ich habe ein Geschenk von ihm verlanget/ welches ich von demselben nicht/ auf keine Weise/ annehmen kan. Da ich aber nicht wüßte/ wie ich die Kosten ersezen sollte/ so will ich für ein Geschenk lieber Ihr Schuldner bleiben. Von den Altertümern deS Lord Peinbrocke habe ich jm vorigen Briefe meine Meinung geschrieben/ und ich wünfchete die Kupfer zu haben, welche ein elender Maler, Parker/ welcher den An- tiquarinS in Rom macht/ von einigen Statnen daselbst geäzet hat. ES befanden sich dieselben unter Ihren Sachen; mir dieneten ssie^ als ein Denkmal der Unwissenl-ett und Barbarei. Die Statuen/ welche bei 8. Ooco in dicrus!tlcme und zwar in dem cssii-en8e, in dem Garten des C hiostro bei dieser Kirche stehen/ sind zween Faune/ etwas über Lebensgröße/ von der allerschönsten Manier. Der beste von denselben ist ohne Beine und Arme/ d. i. die Beine sind unter der Kniescheibe abgebrochen und fehlen. Diese Statue war an einen Satyr/ welcher neben ihm stand/ gelehnet, wie der Stand derselben anzeiget; der Satyr aber hat sich nicht gefunden. Der andere junge Faun ist ohne Kopf und Arme, hat aber das eine Bein ganz nnd iinver- sehrt, welches auf seiner alten Base ruhet; das Freundschaftliche' andere Bein fehlet von unter der Kniescheibe an. Auf eben der Base stehet der Satyr/ auf welchen dieser Faun sich lehnte. Diese Stüke wurden von dem AltcrtumSkrämer Belisario Amidei gekauft, und von demselben kaufte wiederum der Cardinal Alexander den ersten besten Faun, welcher feine» Kopf hat/ und den Satyr, welcher zu dem andern Faune gehöret, um aus diesen zwei Stiiken eine Erupe zu machen, so wie sich dergleichen Faun, auf einen Satyr zeichnet, von eben der Größe in der Galerie d.'r Villa Medici 6 findet. Man arbeitet bereits an Ergänzung desselben. Ausser diesen Stü- ken wurde daselbst eine Grupe des PerseuS und der Alidromeda gefunden, unter Lebensgröße und von mittelmäßiger Arbeit, aber fast ganz unversehret; welche Belisario auch erstanden hat. PerseuS bat die Flügel, welche ihm die G o r- gonen zu dieser Unternehmung gaben, an die Füße mir Bändern angebunden. Der schöne Mercur von Erzt von Portici, welcher nach unserer Zeit gefunden ist, und für das schönste Werk in Erzt gehalten wird, hat die Flügel nicht, wie andere Mereure, an den Füßen angewachsen, sondern angeschnallet, und zwar so, daß die Schnalle unter der Fußsohle siehet, welches eben ganz ausserordentlich ist, und vermuthlich bedeuten soll, daß Merenr nicht nöthig bat, auf die Füße zu treten, sondern beständig flieget. Jene Sachen wurden unter dem Bogen einer Thüre des Anftteatro gesunden, wo sie zusammen auf einem Haufen hingeworfen lagen. ES ist nicht ,izo das erstemal daselbst gegraben, sondern jenseit der Mauer der besagten Thüre war alles umgewühlet, vermuthlich zur Zeit des CardinalS Farnese, welcher daselbst graben lassen. Den das Erdreich, welches jenseit der offenen Thüre lag, war hineinge- Briefe. worfener ausgegrabener Schutt/ um den Plaz wieder eben zu machen, und man begreift nicht/ wie cS zugegangeil/ daß man diese Statuen damals nicht gefunden/ da man bis in die offene Thüre hinein gegraben. In der Villa MediciS hat ein Vassorilievo in einer Kammer beständig unter anderm Kram gelegen/ welches izo allererst hervorgezogen und von wenigen gesehen worden, weil eS au einem Ort stehet, wozu Sainte Odile selbst den Schlüssel hat. Es ist ohne alle Ausnahme das allerschönste erhobene Werk/ welches sich in Rom findet/ und übertrift noch dasjenige/ welches in der Villa Borg Hefe stehet/die sogenaiiten Tanzerinen oder Gott inen der Stunden (I-- die) und der S ch ö n h ei te n in 6 Figuren. Jenes Werk besteht aus drei StükeN/ zwo ganzen weiblichen Figuren/ und dem unterm Theile einer dritten. Alle drei sind bekleidet. Die schönste Figur ist in Profil/ ganz in einen Mantel auch sogar die Hände eingewikelt/ voller Betrübniß/ uud ohne Hauptschmuk. Ihre Haarfleckten sind nicht oben ans den Kopf gcwikclt/ sondern gehen über der Stirn herum/ nach Art eines Diadema. Die andere Figur ist i» Faccia/ und tanzet. Diese ist eine Frau/ und jene ein Mädchen. Das Stük der dritten Figur zeiget ebenfalls eine tanzende Figur an. AuS den Händen/ welche man ausser diesen Figuren auf den zwei größern Stükcn bei der Fignr siebt, muß wenigstens noch eine ganze Figur da gewesen sein, so daß dieses Werk vier Figuren gehabt. Ich glaube/ eS stelle das Werk die Elektra, des Orestes Schwester und Tochter des AqamemuonS vor/ welche nach der Ermordung ihres VaterS/ und in Abwesenheit ihres BrnderS in beständiger Traurigkeit war, und sich in der Elektra des Sophokles beklaget/ daß sie von ihrer Mutter und dem Ägi- Freundschaftliche sthnS/ ihrem Stiefvater und Mörder des Agamem- n 0116/ als eine Magd gehalten sei. Die Flechten ihrer Haare/ die wie ein Diadema geleget sind/ scheinen einc Prinzessin anzuzeigen/ welche keinen ihr gehörigen königlichen Kopsschmuk tragen wollte oder dürfte- Die tanzende Figur ist vermuthlich Kly tüm- nestra ihre Mutter/ welche/ wie Sophokles die Elektra sich beklagen läßt/ aller Schaam abgesaget hatte/ und beständig tanzete und lustig war. Diese hat ein Tiadema. Was das' Latein betrist/ ist kein anderer Nath zu geben/ als zu lesen/ sonderlich Poeten/ wo Ihnen Überschlugen helft» können. Hch wünsche/ daß Sie hundert Exemplare Ihres Katalogi theils nach Hamburg/ theils nach Leipzig zu schiken hätten; Sie würden in kurzer Zeit das Geld dafür erhalten. Dych hat darum geschriebene. An W i e d e w e l t. lNach Kopenhagen.^ Nom, den S Dec. 1760. ^ch habe Herrn ein Exemplar der Beschreibung der st 0 sch ischen g es ch 11 ittenen Steine für Sie gegeben/ welches Sie bei Gelegenheit mit einem halben Pfund Thee gut machen können. Auf Ostern werden in Deutschland An m e rkn ng e N/ welche ich über die alte Baukunst entworfen habe/ an das Licht treten/ nebst zwei Kupfern/ welche eines der schönsten ionischen Kapitaler in der Welt vorstellet/ und an welchem ich eine sehr seltene Entdekung gemachet habe. Es stehet dasselbe in der Kirche zu 8. l^c>re»?c> suoii le IIIIII'.I. An meiner Historie der Bildhauerei der alten Völker arbeite Bricft. ich noch beständig/ wie an einigelt andern Werke»/ und dieses mehr/ un: mich angenehm zu beschäftigen/ als zu gewinnen: den für die Arbeit in Floren; habe ich noch zn hoffe»/ was man mir versprach. ') Ich frene mich lierzlich/ daß Sie Zbre Achtung nunmehro fest gegründet habe» und vergnügt sind/ und sich und Ihrer Nation Ehre machen können. Von meinen Umständen habe ich Ihnen im vorigen Schreiben gemeldet: ich bin vergnügt/ wie ein Mensch sein kaii/ der nichts weiter verlanget. Meine Pension vom Hofe erfolget beständig/ nnd wird mir vermuthlich bleiben. Da eS auch scheinen könte/ daß eS eine Person/ welche mächtig ist/ nicht gerne sehen möchte/ daß man mir künftig die mir bciiimte Stelle eines königlichen Hofraths und Antiquar« iir Dresden gäbe/ so wird man mich wenigstens mit einer hinlänglichen Pension zufrieden stellen müße»/ und alS- deü will ich mein Leben in Ruhe hier beschließen. Diesen Punkt aber eröfnen Sie niemand; er ist mir aus der Feder entfahren/ sonst hätte ich es nicht einmal geschrieben. Unterdessen gibt mir der Minister/ Grav von Wackerbart h/ auf dem Brief an mich den Titel eines clc 8a Is koi cle I'olognll. Die Akademie zu Cortona/ ungleichen die Akademie von San Luca/ haben mich freiwillig zn ihrem Mitgliede ernennet. Mein Frennd! ich will Ihnen eine Nachricht mittheile»/ die weder ""/ «och sonst jemand/ ausser vier Personen wissen. ES ist ausser Nom ein Gemälde gefunden worden/ (ich weiß aber »och nicht eigentlich/ an welchem Orte/) welches das schönste Gemälde ist, was jemals aus dem Altertume da» Licht zu unseren Zeiten erbliket hat. Es stellet in Lebensgröße den Jupiter vor/ der den Ga» y »i e» I) lSondcrbarll 456 Freundschaftliche des küsset, mit einem AuSdruk und einer Ausführung, die sich in keinem andern Werke findet. ES ist !ll fresco: den wen es s wäre, wie die mehresten z» Portci sind, wäre nicl'ts mehr davon zu sehen. Weil es' eine Entdekung ist, die 4ZS.) Briefe. ^7 Ein andermal mehr. Ich habe nicht Zeit/ weit- läuftiger zu schreiben. Ich knsse Sie :c. An M u z e l - S t o s ch. lNach London.) Rom, den 15 Dec. 4760. Äiel Glük zum neuen Jahr! Der Himmel mache uns glüklich/ da wir fromme Kinder sind/ und gebe Ihnen wie mir Gesundheit. Über die Ihrige bin ich besorgt und zweifelhaft wegen Ihrer Abweichung von der Richtigkeit in unserm Briefwechsel. Weil ich mich in der Ursache betrüge / ist es desto besser. Ich fange izo an, sehr gleichgültig gegen den Geschmak zu werden und eS fehlet mir an ) ist dem turinischen Cnrier sehr wohl ein- gepaket übergeben und an Lorendini adressiret. Zulezt ersuche ich Sie, das Buch/ welches mein ist/ von dem Herrn von auch mit Gewalt abfordern zu lassen. Was hat derselbe vor Recht an meine Sachen? Wo ich nicht dasselbe in Ihren Hän- O Wenkmale, Num. 106.) 2) lSchellendorf?? Briefe. den sehe/ suche ich einen andern Weg. Es befremdet mich unterdessen/ daß Sie mich darüber ohne Nachricht lassen. Ich bin im Stande/ deßhalb an den Marchese Botta schreiben zu lassen. Ihr Engelättder/ von welchem ich Nachricht eingezogen habe/ soll mir lieb und angenehm sein/ und er soll erfahren/ daß ich Lhr Freund bin/ wie ich es bin x. An G e ß n e r. lNach Zürich.) Noi» / den Jan. t76j. ^Lch habe mehr/ als ich hofte/ von Ihnen erlanget: Brief und Buch; den Herr Usreri hat mir Ihre Idyllen überlassen/ die ich nur ans Erzählungen kante / aber von jemand/ der dieselben gelesen / wie man das Seltene unserer Zeit zu sckäzen hat. Dieses war ein Hamburger /') welcher mit mir die Neise nach Porto that/ und in dem salernitanischen Meerbusen sagte er mir Stellen aus den I d y l l e n vor. ES ist wahrhaftig ein kübneS Unternehmen gewesen/ diese Lieder in ungebundener Schreibart zu dichten; aber Sie haben anch / mein Freund / allen die Hof- nung benommen/ dergleichen nach Ihnen zu wagen. Sie sind so schön/ daß ich mich nicht enthalten kaii/ Ihnen Gedanken zu raube»/ welche Sie über lang oder kurz erkennen werden: ich verwahre mich mit dem vorläufigen Geständniß. Gestern habe ich meinem Freunde/ Herrn Mengs/ die Hälfte derselben vorgelesen/ und er freuet sich/ als ein eifriger Patriot unseres VolkS/ daß unter demselben Seele» mit so malerischen/ harmonische»/ zärtlichen und tu- O lVolkmaü.Z Freundschaftliche gendhaften Empfindungen geboren ssind^ und denen der Himmel das Talent verliehen/ dieselbe mit eben dem Gefühle auSzudrükeN/ und in Anderen zu erweken. Mein theurer/ liebenswürdiger Geßner! ich weiß/ was Schreiben vor ein schweres Werk ist/ uudRos- c o in in o n hat nach meiner Meinung recht/ weil er saget- „In allen Dingen/ in welchen das menschli- „che Geschlecht sich hervorgethan hat/ ist das größte „ Meisterstük der Natur/ gut zu schreiben;" und ich erkenne den hohen Werth Ihres Werks. Mehr liabe ich nicht von Ihnen gesehen; den ich weiß nicht einmal/ was man von kleinen Wischen von mir gebrütet hat. Ich glaube/ eS sei eine Nachricht vom Herculano gedrukt/ welche ich von Neapel ans an den Kurprinzen uberschikct, und dieses-sind beinahe drei Jahre: ich kan aber keine Antwort auf meine Frage erhalten. Ich schikcte etwas von der Gratie/ und von der Kentniß der alten Werke der Kunst ein; ob es gedrukt sei/ weiß ich nicht. Dieses zeige ich an zu meiner Entschuldigung/ daß ich die Meisterstüke unserer Nation bisher nicht kenne - bei dem brennenden Verlangen nach denselben/ und daß es nicht an mir gelegen. Herr Usteri hat mir von dem Brutus des Herrn HirzelS Nachricht gegeben: ich hoffe/ so glüklich zu sein/ dieses sehnlich erwartete Werk zu sehen / und ich werde es da/ wo ich den Spureu des Brutus und der göttlichen Freiheit nachspüre/ lesen. Solche Werke werden zugleich ewige Denkmale zur Schande unserer deutschen Prinzen sei»/ denen übel wird/ wen sie nur deutsch lesen hören. Die ntchtSwnrdigen Franzosen und andere Ausländer haben alles bis auf das Geblüt verdorben. Was meine Historie der Kunst betrift/ so schäme ich mich / wen ich an Sie, mein Freund/ gedenke. Die Buchhändler in Sachsen haben mich der- Briefe. maßen verwikelt, daß ich nicht weiß, wie ich mich entschließen soll. Man ließ mir wissen, daß es dem Hofe mißfallen wurde, wen ich, zumal in izigen Zeitläuften, diese Arbeit in der Schweiz druken ließe, und daß ich allen Verdacht eines preußischen Her- zens, welches mau mir mit Unrecht Schuld gibt, vermeiden miiße. Ich weiche gar leicht dem ersten Eiudruke, und ich versprach den Verlag Herrn W a l« thern in Dresden, welcher mir einen Zeeehino für den Bogen zu zahlen versprach. Ich Übermächte demselben von Florenz aus den ersten Theil der Schrift, so unvollkommen sie damals war, und es fanden sich ich weiß nicht was vor Schwierigkeiten anf deS Buchhändlers Seite, und ich bekam in drei bis vier Monaten keine Antwort. Unterdeß meldete sich Herr Dvck aus Leipzig, und ersuchte mich durch einen meiner Bekanten, etwas für eine von ihm unternommene Monatschrift zu arbeiten, für einen Louisdor den Bogen. Ich nahm diesen Antrag an, und da keine Antwort von Waltbern erfolgete, ließ ich ilnn die Handschrift abfordern, und dieselbe nach Leipzig schiken. Walther aber trat mit dem Vorgeben eines schon erhaltenen Privilegii anf den Druk derselben hervor. Ich ließ mir also meine Handschrift zurük nach Rom schiken, und machte Walt Hern von neuem Hosnung zu deren Verlag. Unterdessen war diese Verwirrung mein Glük: den ich machte ein neues Systema, und warf die ganze Schrift um, auch aus Beforgniß, daß dieselbe möchte abgeschrieben sein, und ohne mein Wissen gedrukt werden können. Ich habe in drei Jahren und seit meiner Nükkunft von Floren;, in der Gesellschaft des CardinalS Albani, welche» man vor den größten Kenner hält, und bei den erwünschtem Gelegenheiten, die weder Fremde noch Römer habe» können, sehr viel mehr erfahren und nachgedacht. 468 Freundschaftliche „nd ick k.iii izo ein viel gründlicheres Werk liefern. Da aber die Unternehmung / systematisch und historisch zugleich von der Kunst deSAltertnmS zu schreiben/ sehr wichtig ist/ so gehe ich mit einem Fuß von Blei, und ich warte auf bessere Zeiten/ zumal ich die nöthigen Kupfer dazu nicht alle habe bestrei- ten können. Geben Sie mir einen Rath/ wie ich mich aus der Verwikelnng mit Walthern heraus helfen könne: ich bin wie ein Kind/ ohne Erfahrung in dergleichen Sachen/ und weich wie Wachs am Feuer. Ich schließe vor diefesmal und opfere Ihnen meine Freundschaft/ vergnügt und stolz über den Best; der Ihrigen:e. N a ch fch r. Dem Herrn Professor Bodmer empfiehlt sich dessen Diener und Verehrer. In Eile geschrieben. In vierzeben Tagen wird Herr MengS seine Handschrift überschikcn. >) An Verend 6. lNach Weimar.) Rom, den 21 Febr. Mein lieber Freund und Bruder! ^ch habe dein lezteS Sckreiben richtig erhalten, und würde geantwortet haben/ weil man izo nicht Gefakir liefe mit den Briefen. Ich schreibe an den Herrn Graven von Vüna n über München durch den Herrn Graven von Wack erb arth/und also mujZte ich mich einschränken. Ich freue mich über deine getroffene Wahl! Wie glüklich bist du! Gluklicher »I diesem Stiike/ als du eS verdienest: ich wünsche/ Zeuge davon zu sein/ und einen Zeugen von diesem Glüke zu sehe»/ und iZ-o» der Schönheit.) Briefe. HieseS sobald der Friede vom Himmel zu uns auf Erden kommen wird. >) Ich bin nicht gliiklich/ nach dem gemeinen Begrif der Menschen zu reden: aber in mir selbst bin ich eS/ und höchst zufrieden/ welchen Znstand ich mit keinem Menschen vertauschen wollte. Mein Herr, in einem fröhlichen Alter von 69 Jahren, bequemet sich nach mir/ um mich vergnügt zu sehen/ und er wünschete/ daß ich mich zuverläßig in Rom niederlassen möchte, und daß ich dieses und die Mittel dazu von ihm suchen möchte. Dieses aber, welches mein Wunsch wäre/ will ich mir nicht unwiderruflich machen / dam-t ich mir nichts vorzuwerfen habe. Mit dem kurprinzlichen Hofe stehe ich in einem genauen Briefwechsel, nnd ich habe entweder dort oder hier die Hosnung meiner Ruhe sicher. Unterdessen führe ich ein Leben ohne alle Sorgen. Ich wohne so angenehm/ daß ich mir dergleichen Winkel von vier Zimmern nicht im Tranme besser bilden können. Ich habe meine Zimmer mit Vusti/ von den besten Statuen genommen, auS- gezieret/ und habe selbst eine kleine Samluug von Altertümern angefangen von den Geschenken deS Cardinals. Zweimal die Woche besuche ich mit dem Cardinal eine Akademie/ wo der höchste Adel von beiderlei Geschlecht zusammenkomt/ und wo man die Frrwden/ welche hierher komme»/ vorzustellen pfleget. Daselbst singen unsere besten Stimmen von beiderlei Geschlecht, und ein jeder durchreisender Sänger lässet sich wenigstens in einer dieser Akademien hören. Der beste Sänger in Italien ist nnser Mazzauti; Belli/ der schöne Belli/ ist in Neapel gestorben von einem Stiche/ welchen ihm ein eifersüchtiger Ve- netianer geben lassen. Ich weiß nicht/ was ich dir sonst schreiben tonte: den eine Seite ist viel zu klein, um bei einem rechte» Ende anzufangen, t) tBcrends hatte sich verheirathet-l Freundschaftliche Nach Hstern wird in Leipzig eine kleine Schrift von mir zum Vorscheine kommen: Anmerkungen über die Baukunst der Alten, mit einem Kupfer auf dem Titel und einem andern zu Ende/ welche ich hier stechen lassen. Man faget mir/ in der berlinischen Bibliothek sei etwas von mir ein- gedruket/ unter andern die Beschreibung des Torso cli IZclveciere oder sonst tli Nicki-! ge- nant: ich weiß nicht/ wie es da hinein gerathen. Von Lamprecht kan ich durch alle meine Nachfrage kine Nachricht erhalten; vielleicht ist cr nicht mehr am Leben; dieses wäre sein Bestes/ und für alle diejenigen/ die in diesem unglüklichen despotischen Lande eine schwere erstikende Luft schöpfen. O selige Freiheit/ die ich endlich Schritt zu Schritt im völligen Genuß in Nom schlucken kaii! Nach Ostern werde ich einige Tage auf das Lustschloß des Cardinals nach Ncttuno / dem ehmaligen AntittM / (O 1) mit der Prinzessin Albani genen/ und von da eine Reise thun nach dem Vorgebirge Circev/ und nachdem ich eine Barke daselbst mit gutem Winde nach Neapel abgehen sehe/ werde ich einige Tage die dortigen Schnze und meine Freunde besuchen. Nach der Nükkunft werde ich nach Civitavecchia/ oder vielmehr nach Corneto, nicht weit davon, gehen. Man muß hier / wegen der üblen Luft/ alle Reisen entweder im Frühling oder im Herbste machen. Es ist keine Hülfe/ ich muß schließen?c. Nachschr. Hch bin izo Mitglied von drei Akademien: Ehrenmitglied der Malerakademie von San Luca in Rom; Mitglied der hetrurisch e n Akademie zu Cortona / und der Gesellschaft der Altertümer zu London. i) stlorat. !. ». 06. 35. v. Briefe. 447 An L. U st e r i. lNach Neapel, 1 Rom, de» 24 Febr. 1764. ^s freuet mich/ daß Sie gesund angekommen sind. Den Tempel des Apollo in Terracina habe» Sie, wie ich merke, nicht gefunden: es ist nicht dieKir- ch e/ sondern in der Hauptgassc auf der rechten Seite große Säulen von weissem Marmor auf ein hohes Basament von eben so schnecweisscm Marmor. Die Wasserleitung/ von welcher Sie schreiben/ ist am Flusse LiriS/ izo Gariglianv/ und brachte Wasser iir die Stadt Minturnä/ von welcher Sie die Trümmer gesehen haben. In den Sümpfen ohnweit derselben verbarg sich C. MariuS/ und er stekete bis am Halft in denselben/ da er gefangen genommeir wurde. Von dem Theater zu Capua hat der gelehrte CanonicuS Mazzoechi eine Abhandlung geschrieben. Sie haben nur den Cardinal Passio- nei zu nennen/ um mit ihm bekaiit zu werden: er ist aber ein Man von achtzig Jahren. Einen andern Griechen/ der aber ein Erzpedant ist/ können Sie im Seminario des Doms von San Gennaro suchen. Er ist Professor in demselben/ und heißt Don Giacoino Martorelli/ mein guter Freund. Um ihm recht angenehm zu sein, können Sie ihm einen Gruß bringen von einem gemeinschaftlichen Freunde von uns beide»/ dem Padre Mignarelli/ welcher izo in Bologna a Sa n Salv a to re ist. Verlangen Sie von ihm fein Werk ec»c->l.im-,ri-> zu sehen. Die Ausgabe desselben ist ihm untersaget; er wird Ihnen die Ursache sagen, und Ihnen eine lustige Historie erzählen/ zwischen mir und ihm. Sa- Freundschaftliche gen Sie ihm/ daß ich dieses Werk allegiret, und sogar die Pagina IN der llescri^u»» v>!es cle Si^oscli, und daß ich mit dem Cardinal Passionei, der in besagtem meinem Werke davon Meldung gesehen, eine Wette gemacht um einen schönen Dante. Der Cardinal wettete/ er wollte es durch den Mar- chese Fragiani bekommen/ und ich behauptete das Gegentheil. Es ist nicht möglich gewesen/ ihm dasselbe zu verschaffen/ und also werde ich meinen Dan- t e verlangen. Es wird dem Martorelli lieb sein/ wen er höret/ daß sein Werk von 7«» Seiten in Ouarto bekaiit ist, ohngeachtet es der Hof nnter- drüken will. ES ist mir auch dieser Gelehrte eine Antwort schuldig. Aber diese Leute haben keinen Briefwechsel, nnd ein Brief ist Ihnen etwas Aus- serordentlicheS. Den Herrn Padre della Torre (e Lomiiibns 'I'uri-e) bitte ich zu grüßen. Geben Sie Achtung auf dessen Kammerdiener Donato: dieser Mensch hat mehr Gelegenheit zum Briefwechsel mit dessen Herrn gegeben / als dieses Gelehrsamkeit/ welche er nicht hat und haben kan; ist aber auch eine Ursache deS Stillschweigens des Paters. Die größtewelche Sie diesem machen können/ ist, ihm zu sage»/ Ihnen das Schönste von Münzen zu zeigen/ weil er das Schöne kennet, eU» inlende il IZel- lo.) und zu gleicher Zeit werfen Sie einen Blik auf seinen Donato. Dadurch gewinnen Sie seine völlige Vertraulichkeit. An Herrn Camillo Paderni habe ich vor einigen Tagen geschrieben. Ich bitte/ Ihn zu grüßen. Wir werden uns sehe»/ wie ich ihm muth- maßlich geschrieben habe. Der schöne MercnriuS ist nach meiner Zeit gefunden: aber ich kenne ihn sehr genau aus schriftlichen Nachrichten des Herrn Camillo, und aus mündlicher Beschreibung. Ich wer- Briefe. 473 de sehen/ ob Sie etwas Besonderes an demselben bemerkt haben. 5) In Neapel haben Sie den Hof des Palastes Co- lobrano zu sehen/ und sonderlich einen Kopf über einer Stallthüre/ an der Trepe. Fragen Sie aber den Herrn Martorelli/ ob es ebenderselbe ist/ den wir zusammen gesehen; den der Principe Co- lobranv/ welcher hier ist/ saget mir/ man habe einen andern an diese Stelle gesezet. Von diesem Kopfe werde ich Ihnen bei Ihrer Nükkunft mehr sagen. Bei dem Marchese Mastri lli ist eine große Sam- lung von sogenanten hetrurtschen Vasen zu sehen. Ich schreibe in Eil: den eben izo habe ich Ihren Brieferhalten/ und ich muß mit dem Cardinal ausfahren. Sie haben nicht Ursache/ mir im geringsten Dank zu sagen; es hat nicht an mir gelegen, Ihnen nüz- lich zu sein. Vielleicht kan ich es nicht sein/ wen ich wollte. Vergessen Sie nicht/ die Münzen und geschnittene Steine des Duca di Caraffa Noja zu sehen. Ich kan sagen / er ist mein guter Freund/ und also können Sie demselben meine Empfehlung machen. ES fallt mir izo nicht alles bei / was ich Ihnen schreiben wollte. Ich werde mich bemühen/ allezeit zu sein :e. Er meint die Nvsen, die wie Schnallen aus den Riemen befestigt sind/ und M e r c u rs Flügel, die an der Fußsohle stehen. (Xnüclürä l!i Trcolano. t. 6. 117. ^Man sehe 2 Band, 6t u. <56 S. G-d. K, 7V- 2K. 17 §.Z 2) W. d. K, 7 B. 2Ä. 2^S> 20 * Freundschaftliche An V o l k m a n. lNach Paris Rom, dt» 27 März l76t. Ä>ir haben alle beide gemangelt/ und wir sind also gleich/ folglich gehet es von neuem an. Ich habe zwar nicht viel Zeit übrig; aber Briefen guter Freunde bleibe ich keine Antwort schuldig. In Florenz habe ich fleissig gearbeitet. Die Beschreibung des' stvschischen Musei/ das ist: der geschnittenen Steine/ ist nunmehr über ein Jahr am Licht/ und bestehet in fast 700 Seiten. Es ist sonderlich in Paris vom Barthelemy und Caylus hochgeschäzt/ und diese Arbeit hat einen Briefwechsel veranlasset/ welcher mir lieb ist/ ohngeachtet ich die Nation nicht liebe. Ich wohne in dem Palast des Herrn Cardinals Alexander Albani/ meines besten FreundeS/ bis auf gewisse Punkte/ wo wir sehr verschieden sind. Ich wohne viel schöner/ als auf der Cancellarie/ und habe eine Bibliothek allein nntcr meinen Hände»/ welche Pabst Clemens XI. gesammelt hat/ und die der vonPassionei nichts nachgibt. Diese genieße ich, ohne zu arbeiten- den der Cardinal will nur den Vorzug haben/ einen auswärtigen Gelehrten zur Gesellschaft zu haben. Anfänglich war ich etwas gebunden/ weil er mich beständig um sich haben wollte; izo aber bin und lebe ich in der Freiheit/ die ich einige Lahre genossen und beständig zu erhalten suchen werde. In diesen Umständen und in dem fortwährenden Genusse meiner kleinen Pension bei Hofe/ nebst der Achtung/ in der ich stehe/ habe ich nicht große Ursache/ eine Änderung zu wünschen/ und wer dieses Land kennet und genießet, wie ich es kenne »nd genießen kaü/ zumal wen Briefe. er seine» Begierden/ wie ich/ sehr enge Gränzen sezet/ sollte nichts weiter wünschen. Meine Freundschaft mit dem Cardinal Passionei währet/ wie vorher/ ob sich gleich alle meine Freunde mit ihm überworfen haben. Dieses ist es / was ich Ihnen in Absicht meiner Umstände sagen kan. Von meinen Beschäftigungen kan ich kürzlich melden/ daß meine Geschichte der Kunst/ sonderlich wegen der Kupfer/ noch nicht zum Druke fertig ist. Sie müßen aber auch wissen/ daß ich die vorige Arbeit/ welche schon zum Druke überschikt war/ zurükforderte/ und von neuem umwarf/ ja gänzlich verworfen. Wen ich izo dieses Werk übersehe/ so wundere ich mich selbst über die Kentnisse/ die ich in diesen lezten drei Jahren erworben habe. Den nunmehro bin ich sechstehalb Jahr in Rom und Italien. Aber ich kan auch sagen/ daß nicht leicht ein Mensch so viel und so oft/ und mit so vieler Bequemlichkeit als ich gesehen/ zumal da ich Wagen und Pferde in meiner Gewalt habe/ und mir alles geöfnet wird. Von der erstaunenden Samlung von Zeichnnn- gen in der Bibliothek des CardinalS werden Sie kaum haben reden hören. Anfänglich war diese Geschichte ein Handbuch, izo ist dieselbe ein Werk geworden. Meine Anmerkungen über die alte Bankunst/ mit ein paar Kupfern begleitet/ köiiten schon gedrukt sein/ wen sie nicht in den Händen undienstfertiger oder neidischer Leute in NN*') etliche Monate hängen geblieben wären. Ich habe^mich gehütet/ Dinge zu sagen/ welche schon gesaget sind/ und also wird man viel Neues in dieser Schrift sinden können. Ich ar-> beite an einem lateinischen Commentar über nie gesehene griechische Münzen der ältesten Zeiten/ nebst j) lMüttche».Z Freundschaftliche einer vorläufigen Dissertation über die Kentnisse des StylS in der Kunst der ersten Zeiten bis auf den PhidiaS exklusive. Aber ich übereile mich nicht. Jede Münze wird mit einem Bassorilievv/ welches zur Erklärung dienet/ und zwar von denen/ welche nicht bekant sind/ begleitet werden; und ich lasse wirklich Zeichnungen machen. Zuweilen lege ich die Hand an einige kleinere Entwürfe/ und ich werde bald mit einer kleinen Schrift/ in italiänischer Sprache/ über schwere und theils un bekante Punkte der Mytholo- g i e/ zum Vorschein kommen/ welches der Akademie von Cortona zugeeignet werden soll/ die mich zü ihrem Mitgliede ernennet hat. Eben diese Ehre ist mir widerfahren von der <üi e 8cultui'!l cki 8. ia Köm», und von der Gesellschaft der Altertümer in London. Sie sehen also/'daß ich nicht viel Zeit verliere/ und Sie wissen auch / daß ich zuweilen eine Stunde/ und wen eS mir kömt/ auch einen Tag der Lust und Freude widme. Der VitruviuS vom Galiani ist über zwei Hahre heraus und gut aufgenommen worden/ aber wenig bekant. Ich habe Gclegcnlieit gehabt, dctt Herrn Marchefe ein paarmal anzuführen. Die Beschreibung von Pesto ist noch im weiten Felde. Der Grav Gazzola ist bei mir gewesen/ m.d ich habe alle seine Zeichnungen und Kupfer mit Mu- Z) Dieses ist unstreitig die schönste Ausgabe vomVitruV/ dein Vater der Architekten. Viele Lesarten sind nicht nur darin glüklich verbessert/ sondern auch mit vrakti- schen Noten erläutert. Die hinzugesiigte übersezung ist ein Meisterstük, weil sie manche dunkle Stellen gluklich erklärt, und man also keines besondern Commentars bedarf. sDer Text und die Noten stnd durch Job, Gottlob S ch »e i d ers Ausgabe, Leipz. b. Göschen I8II7 — 1L0Z, Z B. gr. L, weit übertrvffen,) Daßdorf. Briefe. 477 ße übersehen können; ich habe daher in der Vorrede meiner Schrift von der Baukunst eine sehr umständliche Nachricht von den dortigen Gebäuden gegeben. Von Grotta Ferrata habe ich nichts gesehen. S to sch ist gegenwärtig in London/ und der König in Preußen hat durch meine Beschreibung Lust bekommen/ seine geschnittenen Steine zu erhandeln. Von dem vierten Bande desMusei Capitolini habe ich kaum reden hören. Sollte er erscheinen, so erscheine ich auch. Piranesi ist mit seinem Lampo noch nicht fertig. Die Caprisication-) ist nicht in Rom/ sondern im ganzen Königreiche Neapolis üblich/ und die Florentiner/ die in die dikste Barbarei gefallen sind/ hätten diese Sache nicht so weit herholen dürfen. Aber man weiß auch in Rom nichts davon. „ Wir „Menschen sind/ (wie Plutarch sagei/) wie die „ Henne/ die über die Körner/ welche vor ihr lie« t) Grotta Fcrrata/ eine alte Benedictinerabtei/ lieateine Stunde von Frafcati/ ohngesähr 12 italiänische Meile» von Rom, und wird von den Liebhabern der Malerei wegen der »ortreflichen Stüke deS Domenichino besucht. Sie bestellen aus sechs großen Gemälden auf »as< sein Kalk/ in einer seitwärts von der Kirche liegenden besondern Kapelle/ und stellen das Leben des helligen Nilus vor. Sie sind im Jahre 1762 zu Rom von Francisco Bartolozzi i» 25 Blättern sehr schön in Kupfer gestochen; der Titel heißt: Oouiinici Aam- adjullci-L, Eine ausführliche Beschreibuug dieser schönen Gemälde gibt Herr V o lkin aii im zweiten Bande seiner h istori sch! kritifchc» Nach ri cht en Von Italic». Daßdorf. 2) lKiikstliche Befruchtung durch Gallwespen.) 454 Freundschaftliche „ gen, hinweggehet/ um die zu erschnapen/ welche „weiter liegen, l)" An die Neise nach Griechenland denke ich kanm mehr/ weil ich die Mittel darzu nicht finden kaii/ und der Undank der Welt verdienet nicht/ daß man sein Leben tausend Gefährlichkeiten auSsezet; und da mir eine gerechte und billige Rechnung fehl geschlagen/ auf welche dieses Vorhaben gegründet war/ so muß ich mich zufrieden geben. Sollte ich dieselbe aber dennoch im Stande sein zu machen/ welches durch Hülfe des Cardinals geschehen könte/ so will ich alle meine Anmerkungen/ welche ich machen werde/ ehe ich sterbe/ ins Feuer werfen. Ich entsinne mich izv/ daß ein Hamburger/ nebst einem französischen Sachsen vor einem Jahre hierher kam/ mit einem Schreiben an mich; ich entsinne mich nicht, von wem. Ich habe diesen beiden Herren den Besuch gemacht; den Herrn aus Hamburg aber nur in seinem Quartier und weiter nicht gesehen. ES ist Mein Fehler nicht/ wen ich den Fremden mit der Wahrheit nicht gefalle. Izv/ da ich in der großen Welt bin/ und in große Gesellschaften gehe/ fliehe ich die Fremden/ so viel ich kan/ als Störer meiner Nuhe und Muber meiner Zeit. Meng 6 hat den Plafond in der Galerie der Villa des Cardinals gemalet in drei Stüken/ al Frefeo. In dem mittelsten sind die neun Musen nebst ihrer Mutter und ihrem Gott/ in Lebensgröße. Ein schöneres Werk ist in allen neuen Zeiten nicht in der Malerei erschienen; selbst Raphael würde den Kopf neigen. ^ ») lVita Hlsrii c, 43. wo aber V»» der Henne keil! Wörücw sichre Briefe. Genug vor dieseSmal. Ich empfehle mich Ihrer beständigen Freundschaft und bin beständig ;e. Nachschr. Verzeihen Sie/ daß ich übel schrei- " be. Ich habe mein Gesicht über die stoschischen Steine verloren/ und muß durch die Brille sehen. Um das Maß vollzumachen/ berichte ich Ihnen/ daß der zweite Band der herculanischen Gemälde vor einiger Zeit an S Licht getreten/ und ich bin einer der ersten in Rom / welcher denselben bekommen hat/ und wedcrPassionei/ noch mein Cardinal haben ihn. Die Ursache ist ein besonderer Briefwechsel zwischen dem Marchese Tanncci nnd mir. Wen ich Zeit habe/ werde ich eine Nachricht von besondern Entdekungen/ die in Nom an Altertümern zu meiner Zeit gemachct sind/ in des Herrn WeißeBiblio- thek der schönen Künste und Wissenschaften einrüken lassen. Es gehet keine Woche vorbei/ daß nicht etwas gefunden wird/ welches aber nur diejenigen erfahren/ die den ganzen Zirkel der Künstler/ Liebhaber/ Krämer u. f. w. kennen. Ich habe auch einen Unterricht zur Reise nach Nom für Fremde schreiben wollen; weil ich aber wohl weiß/ daß derselbe wenigen oder niemanden helfen würde/ so soll dieses das Lezte sein. Den man muß die un- weisen/ unbcrichtcten jungen Geken ihrer Thorheit überlassen. ES ist ein Jammer/ anzusehen/ was für Leute man hierher sendet. Lch nehme einige wenige Engeländer aus. Herr MengS wird eine Schrift von der Malerei bei Geßnern in Zürich druken lassen/ und vermuthlich gegen Pfingsten das Mann- stript abfertigen. Der sogenante Baron du Han/ (D'Hanear- ville genant/ aus der Normandie/) bat ein übel Ende genommen. Von hier nahm er die Flucht; zu Venedig bekam er das cousiliuiu »kicuncli. A; Turin kam er in Verhaft/ und mußte alle Staaten 480 Freundschaftliche des Königs von Sardinien rüumeir. Seine vorgegebene Frau ging einige Zeit nachher mit einem Frate durch. Dieses ist das Schiksal dieses Menschen von großen Talenten. Man hat keine weitere Nachrichten von demselben, l) Von den Altertümern von Griechenland des Herrn Stuart ist der erste Band heraus/^) aber noch nicht in Nom erschienen. Strange/ welcher einige erhobene Arbeiten dazu gestochen/ ist izo hier/ und man schäzet ihn für den besten Kupferstecher/ der in der Welt ist. ES sind in keinem Jahre meiner Zeit so viel Fremde/ als izo, in Rom gewesen. Es ist vor einiger Zeit ein alteS Gemälde ohnweit Nom entdekt/ in Figuren von Lebensgröße/ welches alle herculanische übertrift/ und stellet den Hupirer vor/ der den GanymedeS küsset.^) t? lMa» sxhc die Biographie S. LXXIX — LXXXI.Z 2) Unter dem Titel: ^oli>>uiti(!S vk ^lkens incas»rx>Z n fiir die Liebhaber des ?iltert»»n§ und vorzüglich der Baukunst sehr wichtiges Werk/ das oh»> streitig dem fast almlichen Werke des Herrn Le Noy: weit vorzuziehen ist. Das Werk des Herrn Le No» hat zwar viel äussere Schönheit, und enthält manches Gute; allein in den architektonischen Zeichnungen hat er sich nicht selten übereilt, und die Aussichten nicht allemal nach der Natur ausgemalt, überhaupt ist er den ehemals berühmten reisenden S v o n und Wheler zu sehr gefolgt, und hat ihnen oft auf guten Glauben nachgeschrieben, ohne die Sache felbst genau zu unrcrsuchen. Herr Stu< arr widerlegt in seinem Werke mit vieler Gründlichkeit den Spon und Wheler, und folglich auch den Le Ro>>. Daßdorf. Z) Man sehe oben S- Briefe. ÄLt An Muzel - Stos ch. Mach London.) Rom, den to April i76l> ^Lch habe Ihre beiden Schreiben vom 6 und vom 13 März zu gleicher Zeit erhalte»/ und danke Ihnen im voraus für das abgegangene Geschenk, und für Ihre Bemühung/ mich in Engeland bekant zu mache» / und mir die Ehre/ ein Mitglied einer ansehnlichen Gesellschaft zu sei»/ zu verschaffen. Ich habe mir nicht einfallen lassen/ an die andere und höhere Gesellschaft/ bei welcher Sie mich in Vorschlag gebracht haben/ zu denken, aber ich wünsche- te auch diesen Vorzug. Ich werde nicht undankbar sei»/ sondern so wie ich diesen Sommer eine Schrift in italiänischer Sprache entwerfen werde/ die an die Akademie zu Cortona soll gerichtet sei»/ so werde ich eine lateinische Schrift von der Kunst vor den Zeiten des PhidiaS/ das ist: von den ältesten Zeiten der Griechen/ der Gesellschaft der Altertümer in London zuschreibe»/ und diese ist mebrentheilS entworfen. Hzo übersende ich Ihnen etwas / was Sie zeigen könten; aber mit den Nachrichten aus meinen Briefen gezogen werden Sie mir wenig Ehre gemacht liaben; ich tan mich kaum entsinnen / daß ich etwas Besonderes einstieß«?» lassen. Ich kan nicht umhin/ den großen Man, der nach der Geburt das größte Recht an mich hätte/ zu ver- ehren; und ich erbiere mich/ diesem Monarchen Berichte von den Entdekungen der Altertümer in italiänischer Sprache/ mir Betrachtungen über dieselben sowohl in Absicht der Kunst als der Altertümer insbesondere zu übersende»/ und dieses ohne al- Winckelniaii, 21 482 Freundschaftlich! le Absicht, von was für Art auch dieselbe sein ksn- te. Nur müßte ich gewiß sein, daß d-eie Schriften unmittelbar in seine Hände selbst kämen / und daß mein Hof nichts davon erführe. Ich versichere Sie/ es' sollte Ihnen keine Schande machen, den da ich die Feinheit dieses Herrn kenne, so wiirde ich dieser gemäß zu schreiben suchen, und ich glaube, daß ich sogar dessen Geschmak in der Kunst verbessern und gewiß machen köiite. Ich verlange nur ein zuverläßigeS Zeichen, daß dergleichen Aufsäze demselben angenehm sein würden, so würde ich damit anfangen; und nachher ein anderes Zeichen, daß ihm das erste zu Händen gekommen, so würde ich fortfahren. Der Grund davon ist die Eitelkeit, der ich nicht gänzlich entsagen kan. Wenigstens erbiere ich mich, weii der König in Preußen Ihre Steine kauft, demselben Anmerkungen, Erklärungen und Verbesserungen über den Katalogum in italiänischer Sprache zn schiken. Die erste Absicht, welche mir einfällt, und vielleicht die einzige wäre, meinem ehemaligen Freunde, und meftier ersten und einzigen Liebe, dem La in p recht,') vielleicht dadurch nüzlich sein zu können, lind diese Absicht ist so uneigen- nüzig, daß ich nicht einmal weiß, wo und wie er stehet. Vor der Hypochondrie glaube ich gesichert zu sein; doch wäre eS nichts Ungewöhnliches. Ich kair unterdessen versichern, daß ich zufrieden bin, und es hoffe zu bleiben , so eng ich mich auch immer einschränken muß. Ein anderer würde es in gleichen Umständen nicht sein, der nämlich nicht gelernet hat, das Nothwendige von dem weniger Nothwendigen zu unterscheiden. Ich genieße das größte menschliche Gut, Gesundheit; was verlange ich mehr? Al- leS übrige sehe ich sehr gleichgültig an. 4) ^Biographie S. Xt.IV,) Vneft. Was ich Ihnen schike, bitte ich Sie um unserer Freundschaft willen/ eS keinem Menschen, wen es übersezt ist/ zum Abschreiben zu geben/ auch nicht ans Ihren Händen zn lassen: den in diesem Wenigen ist der Samen zu einem System« der alten Kunst. Wollen Sie eS aber drnkcn lassen/ ist eS ein andereS/ und dieseS/ unter meinem Namen. Aber vielleicht wird eS Ihnen sehr schwer sein, eS zu über- sezen. Sie können auch/ weil Sie wollen, dieses Etük/ ohne die andern beiden zu erwarten (den ich kan Ihnen die andern beiden nicht sogleich versprechen ; ich habe zu viel zu thun/) nach Berlin schiken, und^in der be r l i n i sche n Bibliothek^) als cm Sendschreiben an Sie mit eindruken lassen. ES stehen in derselben bereits andere kleine Aussäe von mir/ und man ist sebr begierig, etwas von mir zu haben. In diesem Falle aber müßen Sie darüber se- zen: Sendschreiben Herrn Winckelmans an Herrn Philip von Srosch in Londo»/ dieBe- schreibung der Villa Seiner Eminenz des Herrn Cardin als Alexander Albani betreffend.— Mein Freund! u. s. w. Und auf diese Art hätte ich meinem Versprechen ein Genüge gethan. Von der völligen Beschreibung dieser Villa gedenke ich hernach eine besondere vollständigere Abhandlung zu machen. " hat sich hier über acht Tage/ so viel ich weiss/ nicht aufgehalten/ nebst seinem Vetter, welcher eine t) Welches ein Journal ist, und in der Schwel; sehr be, kant ist/ ja bis nach Paris gehet; und aus dciniclbcii hat man das »«einige nbenezet. Winckelmaii. sEs ist offenbar die Bibliothek der schönen Wissenschaften genieint.Z 2) lMan sehe dieses Sendschreiben unter den Fragmenten und d-em Nachlasse.) Fmmdschafcliche A.nintcssenz von ir>>>it,e rilc> cd ineplo ist. Zch habe den ältern in der Gesellschaft beim Passion ei, des Abends, wo ich ihn fand/ angeredet, und er stellete sich/ als wen er Mühe hätte/ sich mei- jier Niedrigkeit zu erinnern. Ich habe also mehr gethan, als was' mir zukam/ und nur in Absicht auf Sie; den ich fliehe die Fremden/ da die mehresten Geken und Narren sind/ als Störer meiner Zeit und Nänber meiner Ruhe. Es war also seine Schuldigkeit / mich anzureden, da wir nns in einer andern Gesellschaft trafen / wo er vielleicht/ aber vergebens'/ auf eine überflüssige Höflichkeit von mir wartete. Er ist nach Neapel gegangen/ und gibt eine Neise in Sicilien vor. Ihre Freundin die Marchesa*" aus Siena tritt in einigen Tagen mit der bekanten Poetin aus Pi- stoja eine andächtige Wallfahrt nach Loretto an. Damit der Aufsaz bald in Deutschland gedrukt werde/ tönten Sie sich die Mühe nehmen/ und denselben abschreiben. Auf diese Art hätten Sie Zeit, cS in'S Englische zu übersezen. Alsdan können Sie meine Handschrift überfchiken, welches sicherer ist. Für diesesmal genug. Leben Sie fröhlich, wen es möglich ist, unter einem verkehrten, störrischen Volke, und ohne Sonne, heiteren Himmel, feine Luft und gute» Wasser?c. An Weiße. lNach Leipzigs Nvm sim April) !76l. ^ch kan mich nicht enthalten, so lange eS mir er- Ist die vom Pabst gekrönte Dichterin Corilla. Ni> c olai. Briefe. lanbt ist/ Zusa'ze zu machen; diese aber sollen die lezten sein. Haben Sie Geduld mit mir, und tragen sie dieselben treulich bei; vielleicht kömt eine Zeit, daß Sie mich nöthig haben. Mich däucht/ ich sende nichts' überflüssiges, und Gott weiß/ wie viel Mühe es kostet / hinter verschiedene Nachrichten zn kommen. Einige Nachrichten aus der vatikanischen Bibliothek/ welche ich / nebst andern/ vor drei Tagen auf der-Post abgesandt/ koüte ich nicht eher haben/ weil an dem Drre/ wo dieses zu suchen war, gebauet wurde. Ich hoffe / daß nunmehr» die Schrift endlich einmal werde angelanget sein. >) Eine Schrift in italiänischer Sprache: Von der Schönheit in der Kunst/ und sonderlich in der Malerei/ wird künftiges Jahr erscheinen / und dieselbe ist mir zugeschrieben. 2) Ich achte diese Zuschrift für die größte Ehre/ zu welcher ich irgend gelangen können/ und der Himmel lasse mich diesen < Tag erleben. Ihr Freund aus Ansbach hat eine so "gute Meinung von mir/ daß ich wünschete, der Verfasser oder Nbcrfczer des mir angezeigten Werkes zu sein. Ich bin ganz nnschuldig an dieser Ehre/ und ich möchte eS nicht wagen/ etwas dergleichen in'S Deutsche zu übersezen; den wahrhaftig/ ich bin nicht sehr regel- fest/ und wen ich langer in Rom lebe/ muv ich nothwendig dem deutschen Schreiben entsagen. Ich habe keine deutschen Schriften zu lesen; gut zu reden/ habe ich eben so wenig Gelegenheit/ und man wird mich mit meinem Plunder unter die Sprachverder- ber sezen. Der Herr/ dem ich diene/ ist sehr empfindlich/ daß ich fortfahre in meiner Muttersprache zu schreiben. saget er/ und lübcr die Baukunst der Alten.) 2) Dieses ist die Schrift von M e n g s, die er seinem Freunde W inekel in an zugeeignet hat. Dasidorf. 486 Freundschaftliche er bat nicht sehr unrecht. Ich habe versprochen, mit der Geschichte der Kunst aufzuhören. Ich bin». An W i e d e w e l t. lNach Koxenhagen.Z Rom, bcn ^4 April i76t. ^Lch habe Euren Brief mit vielem Vergnügen erhalten, und freue mich/ daß eS Euch wohl gehet. Ich habe auch nicht Ursache zu klagen; ich bin zufriedener/ als ich eS jemals habe fein können. Ich wünsche- te/ Eure Werke zu sehen / an denen Ihr arbeitet/ um mich m:t Euch zu freuen. Suchet die edle Einfalt in den Umrissen und in der Kleidung; und stellet Euch/ in Ermangelung der Köpfe der Niobe/ eine» Kopf vor/ dessen Umriß Naphael mit einem einzigen Zuge der Feder schnell/ aber richtig und zur Ausführung bestimt, unverbesserlich entwarf. So sind jene Köpfe gearbeitet/ die nicht gemacht/ sondern geblasen scheinen/ aber durch einen Hauch der Pallas/ der den Menschen des Prometheus be- lebete. Fliebet die gelehrte Andeutung vieler Dinge des M iche l An g e l o> und suchet (wie der Apostel saget) nicht überweise zusein. Erzeuget eine griechische Schönheit unter dem eimbri- schen Himmel/ die noch kein Auge gesellen / und erhebet dieselbe/ wen eS möglich ist/ über alle Empfindung/ welche die Züge der Schönheit stören köii- te. Sie sei/ wie die Weisheit, die aus Gott erzeuget ward/ in dem Genusse der Seligkeit versenket/ und bis zur göttlichen Stille auf sanften Flügeln getragen. Dieses sei Euer höchster Zwek/ mein Freund! nnd wo Ihr fehlet/ werde ich Euch beschü- Bncfe. 487 men durch eine umständliche Beschreibung nach al- lcn ihren Theilen in meiner Geschichtc d e r K u n st. Ein Brief hat zu enge Grenzen für alles das / wa» ich schreiben wollte/ u»d daher geschieht es/ da ich mich furchte/ ein Gewebe auzufädeln/ welches' ich nicht endigen tönte, daß ich weniger/ NS ich wollte/ schreibe. Der Aufenthalt von einem einzigen Monat i» Nom würde izo von ungemeinem Nuzen für Euch fein. Wie viel herliche Sachen sind feit ein paar Jahren gefunden!. M schike von allen Erfindungen und Entdekunqen einen umständlichen Bericht/ mit meinen Betrachtungen über dieselben/ von Zeit zu Zeit in italiänischer Sprache an deir Kurprinzen ein, und ich werde über die Entdekunqen/ welche seit meines Aufenthalts in Nom gemacher sind / eine besondere Schrift verfertigen, an welcher ich zuweilen arbeite. Vor wenig Tagen wurden ohnweit S. Cesare 0/ nahe au der Porta S. Sebastians/ zwei große Labra oder Badewannen entdeket; die eine/ von schwärzlichem Basalt/ n Palme lang; die andere/ von dem grünlichen und seltenen/ 9 Palme, und vollkommen erhalten. Hn dieser ist ein Körper mit einem Kleide/ von goldenem Stüke/ mit Sternchen besäet, gesunden/ wovon das Gold drei Pfund wieget. HmgleicheN/ und an eben dem Orte/ eine kleine Pallas von 2 einem halben Palme hoch/ mit Schild und Spieß / ohne den geringsten Maugel. Man sieht/ sie ist von späterer Zeit/ ob sie gleich schön ist/ und der Kopf ist frech gedrehet/ nach Art unserer neueren Künstler. Ich weiß nicht/ ob ich Euch gemeldet/ daß die Akademie von San Luca mich zugleich mit dem Cardinal Giov. France fco Albani zu ihrem Ehrenmitglied ernennet. Ich bin auch von der Gesellschaft der Altertümer z» London aufgenommen/ 483 Freundschaftliche und hoffe diese Ehre auch von der königliche» Gesellschaft der Wissenschaften in Engeland. Dem Herrn Bibliothekar Varisien, dem ich Vor drei Tagen auf dessen geehrtestes und mir geschaz- tes Schreiben auf der Post geantwortet/ werdet Ihr meine Empfehlung machen.. Ich ersterbe«. An Geßner. lNach Zürichs Noni/ dc» 25 April Ach würde Ihnen einen kleinen Verweis geben/ weir es nicht zu viel Freiheit für da» zweite Schreiben schiene/ daß Sie mein erstes auch Anderen als dem Herrn Füeßly gezeiget haben/ wie ich ans einer guten Nachricht weiß. Briefe an Sie/ die so leer wie der meinige ans Rom gehen/ gleichen den Schiffen/ die unbeladen aus Peru zurükkommen würde»/ und wen das Blatt gelesen ist/ erscheinet der eS sendet wie einer auf der Bühne/ welcher auftritt/ die Zuschauer grüßet und davon gehet. ES könte jemand arglistig gedenke»/ ich fürchte mich vor der ersten Auslage/ n»d vielleicht sollte ich also handeln: den ich würde suchen/ ein oder ein paarmal Gold-oder Silbermünzen zn geben/ aber hernach müßte ich mit Scheidemünze erscheinen. Hierin liegt einer vo» de» Gründe» meines sehr seltenen Briefwechsels nach Deutschland. Aber ich bi» wettiger gleichgültig niit einem Volke/ wo neben der Freiheit die Vernunft/ die Mutter edler Geburten, auf einem erhabenen und stolzen Throne sizet: unter demselben bekant und geachtet zn sei», sind für mich die Säulen des HerkuleS/ und ich wünschete die gute Meinung von nur erfüllen zu können. Briefe. Mein theurer Geßner! wenig Mensche» haben» wie ich/ Gelegenheit und Begierde gehabt/ die Altertümer und die Kunst/ in so fern in diese meine Einsicht gehen kan/ zu erforschen: aber ich bin wie jener Tänzer aus dem Altertume/ welcher beständig ging / ohne von der Stelle zu kommen. Morgen verwerfe ich zuweilen, was ich gestern richtig erkan- te / und dieses machet mich noch furchtsamer/ mich in Briefen über etwas Wesentliches der Kunst einzulassen., ES war endlich einmal/ nach fast drei hundert Jahren / Zeit/ daß jemand sich an ein Systema der alten Kunst wägete: nicht die unsrige dadurch zu verbessern/ die eS m Wenigen/ welche diejelbe treibe«/ fähig ist, sondern jene betrachten und bewundern zu, lernen. Hier half kein Gewäsch, sondern man sollte bestimt und gesezmäßig lehren; wo ich den oft unsichtbaren Punkt nicht treffe/ muß ich den ganzen Weg zurük machen/ den ich vorher nahm. Wen diese Arbeit der Kunst selbst nuzlich sein konte, welches unsere Zeiten fast unmöglich machen/ so würde sie Lob verdienen. Aber ich hätte an dieses Unternehme» vor dem dreissigste» Jahre gehen sollen: den izo bin ich aus vierzig heraus / und alfo in einem Alter, wo mit dem Leben nicht stark mehr zu scherzen ist. Ich merke auch/ daß ein gewisser seiner Geist anfängt zu verrauchen, mit welchem ich mich auf mächtigen Schwingen in Betrachtung des Schönen erhob. Diese ist die Seele der ganzen Kentniß der Kunst deS Altertums, die der Himmel nicht verschwenderisch verliehen, nnd diese ist so selten, daß Michel Angelo in der Betrachtung geblieben, t) sBei Lucion slle 8->U->t. 0.7g.) wird von der großen, Beweglichkeit der Tänzer geredet, ober diese Anekdote finde ich nirgenswo.1 Freundschaftliche ober nicht zur völligen Kentniß gelanget ist; Nazi ha cl ist der Einsicht des Schönen näher gekommen. Zn Statuen, von neurrn Handen gebildet/ ist dieselbe nicht Keinmal) in einzelnen Theilen. In rinigen Jahrhunderten z. E. ist keine schöne Hand in Marmor gearbeitet, und im ganzen Altertume ist nur eine einzige vollkommen erhaltene übrig, und als ein Heiligtum vielleichr nur vier Augen in ihrem Werthe kcntlich. t) Ich bin unvermerkt vom Nfer abgegangen, wie es mir in diesem Meere zu geschehen pfleget? oderich habe, besser zu reden, keinen besondern Vorsaz zum schreiben gehabt, und bin also zu entschuldigen. Der Ihrige und der meiinge theure Nsteri reiset heute von Rom ab, mit mel>r Kentniß und Achtung, die er sich selbst erworben, als' es wenige, die fo kurze Zeit diesen einzigen Siz der Künste genossen, sich rühmen können. Es mnß aber in seinem Gehirne wie in einem vollständigen katholischen Kalender aussehen, wo die Heiligen nicht mehr Plaz haben, und die neueren nothwendig die alten verdrängen müßen. Man saget mit Grund? Wer alles umfassen will, hält Nichts fest? aber hier muß man sich über diese Erfahrung erheben, und da man der Vergessenheit einen Tribut schuldig ist, so kan ihr das Überflüssige gegeben werden, damit das Nüzliche uns eigen bleibe. Wenigstens ist demselben das Beste und nicht ohne Ursachen angezeiget/ und vielleicht kan ich künftig eine mündliche Wiederholung anstellen. Den edlen Füeßly küsse ich und ersterbe. :c. Nachschr. Es überkoiiit ein Exemplar von den st o- schischen ticfgeschnitrenen Steinen, für einen und den andern, und ich habe mir die Freiheit genommen, ein anderes, welches an den Herrn Graven von B ü- O lG. 5. K> 5 B. ü K> 2 §.z Briefe. nau, meinen gewesenen Herrn und Freund gehet/ an Sie zu richten. Ich bitte/ dasselbe, wen es ohne Ihre Kosten geschehen kan, nach Leipzig oder nach Weimar zu besorgen, und im Falle es besonders überschiket wurde, eS in WachSlcinwand einschlagen zu lassen. An Muzel-Stofch. Mach London Z Rom , den 2 Mai <76<. ^Lch sage Ihnen herzlichen Dank sür die Bücher: lieber aber wären sie mir zu Livorno gewesen; den sie müßen bis zum völligen Frieden in Leipzig liegen bleiben. Hzo ist kein Mittel, nur ein Stük ohne große Kosten zu erhalten. Ich habe indessen ein Paar englische Brillen, und zwei Scheermesser auö Neapel erhalten. Die künftigen Umstände kaii ich hier mit rubig«m Geiste abwarten, und bitte Sie, Ihrem guten Freunde zu Wolfenbuttel') für die gute Meinung gegen mich und für dessen Bemühung, einem ehrlichen Manne behülflich zu sein, in meinem Namen den verbindlichsten Dank abzustatten. Besser wäre es gewesen vor dem Frieden. Es ist mir ganz von weitem ein Wink aus Kopenhagen gekomm.'n: aber dieses würde mich von der übrigen Welt abschneiden. >. Wen man izo Zeit hätte, an Sachen der Kunst zu gedenken, hätte ich dem Könige in Preußen daS alte Gemäld, welches ich Ihnen angekündiget habe,^) <) lFeronee.Z 2) tOben S, 457 Z Freundschaftliche Vorschlag»?« können. ES ist gewiß das schönste sw der ganzen Welt: und da ich nnter 3 bis 4 Personen bin, die darum wissen, wäre ich Herr gewesen, darüber zu handeln; aber dieses unmittelbar, nicht durch betrügerische Unterhändler , wie jst. Dieses sei so gnt als nicht gesaget. Dieser Tage hat man eine Statue von Sar- danapalus von S Palmen hoch, nebst 3 weiblichen Figuren, die vielleicht mit jener Figur eine Erupe gemacht, 4 Meilen von Fraseati gefunden, und bei der ersten Eröfnung derjenigen Cava^ die man machen wollte. Sardanapal bat seinen Namen in Griechisch auf dem Mnde seines Mantels, welcher über die linke Schulter geworfen ist. Sein Unterkleid ist weiblich nnd gehet ihm bis aufdie Zehen^ Den Kopf desselben werde ich heute sehen u., A n L. Nstev i. sNach Verona?! Rom, den Z Mai 176l. vermuthlich begegnen sich unsere Schreiben auf der Neise, wen- Sie an mich gedenken, wie ich an Sie. ES gehet sogar kein Tag bin, ohne von Ihnen zu sprechen, und wen Sie zurük nach Nom kommen würden, hätten Sie größere Achtung noch zu hoffen, als Sie genossen. Sie waren mir ein theures werthes Pfand, und ich bedaure, daß ich Ihnen nicht länger nüzlich sein können, welches in einem längern Aufenthalte, mit größerem Vortheile für Sie geschehen wäre. 1) sGvzkofSk». Man sehe den Br> an Usteri V. 20 Febr. ,s».Z 2) sMan sehe 2 Band S7 S. 4 Band 120 S- 6 Band 201 S. 6 Band ,?8Z S- Abgebildet unter Num, ?6Z der Denkmales Briefe. Wen yhnen III Venedig Sanilungen von geschnittenen Slcinen gezeiget werden, ist es nöthig/ daß Sie an dem Altertum der meyresten zweifeln. Die Cameen des Herrn Zanetti, über welche Gori die Erklärung in Folio geschrieben/ sind mehrentheilS neue Gemachte; noch mehr aber hüten Sie sich, in Venedig zu einem geschnittenen Steine Lust zu bekommen. In Mailand werden Sie ein Schreiben an Seine Excellenz den Herrn Graven von Firmian finden; man glaubet, er werde den 16 dieses daselbst eintreffen. Eine Bitte habe ich: Es ist zu Verona 17-^9 ein Dante in Octavo gedrillt, welcher über einen Scudo kosten tönte, Hier findet er sich nickt, aber in Venedig; diesen bitte ich mir von Ihnen zum Geschenk vor izo aus, bis ich Ihnen von Nom ein gleichgültig Buch schiken kan. Nichten Sie dasselbe wohl emaevalt in Wachsleinwand ->!!' ^mo. 8i^n. 8ei'vi?,io clell clin!>le ^Vless ^Vlduni, ?cr,»r!» j nu diesen Man ist schon geschrieben und er wird das Paket weiter befördern. Es kaii franeo auf die Barke gegeben werden. In Eil. Ich ersterbe sc. A n L. Ufter i. lNach Venedig?^ Nom, den 10 Mai t76l. ^Lhr Geschenk hat Ihnen viel Ehre und Herrn MengS nebst seinem ganzen Hause und mir einen vergnügten Tag gemachct. E6 wurde dessen Vater und ein paar andere gute Freunde dazu eingeladen/ und es Ammdschafttiche ist von allen Ihre Gesundheit auf deutsche Art ge< trunken. Zzo, da Ihnen dieses Geschenk wegen der theuren Fracht so viel gekoster, schäme ich mich, daß ich den Dante von Ihnen verlanget habe, ich werde es aber bei Gelegenheit erfezen. Meinen vorigen Brief werden Sie vermuthlich durch die Herrn P o m m e r erhalten haben. Wen sich der Grav F i r- mian nicht von selbst erbieten sollte, Ihnen seine Bücher zu zeigen, so verlangen Sie es'/ den eS wird Zhne» lieb sein, und Sie werden bei ihm sonderlich englische Bücher finden, die Ihnen ausserdem unbe- kant würden geblieben sein. Sie werden die beide königlichen SeeretärS, die bei ihm stehen, Gelegenheit haben kennen zu lernen: der erste nennet sich Abate Sa lvatore, der andere Troger; versichern Sie dieselben meiner Hochachtung und Freundschaft, und dieses bitte ich auch vornehmlich zu thun an den jungen Cavalier, welcher bei dem Graven stehet, wo es derselbe ist, welchen ich in Neapel gekaüt habe; der Name desselben ist mir entfallen. Lassen Sie sich nicht verdrießen, sowohl an den Cardinal Passionei als Albani (Alexander) zu schreiben; dieses kan französisch geschehen; es ist anständig, von großen Leuten Briefe zu bekommen und ihnen zu schreiben, und wen eS weiter zu nichts die- uete, so könten Sie sich künftig eine gewisse Erhabenheit geben, wen Sie jemand, der nach Rom komt, mit einem Schreiben an diese Kardinäle begleiten können. Es ist mehr Nuhmwürdiges in Ihrer Abwesenheit von Ihnen gesprochen, als Sie vielleicht glauben. Ich habe Sie nicht verstanden in dem, was ich den G">) fragen follte. Ich glaubte, Sie hätten ihm etwa geschrieben; er hat aber keinen Brief er- !) lGiacomelli?Z Briefe. halten. Wen Sie ans Zürich Antwort haben über deinen Vorschlag, so nelimen Sie sich die Mühe/ ihm selbst zu schreiben. Sie glauben nicht, wie viel ans einem Briefe eines Reisenden, nach dessen Abreise Hieher geschrieben, gemachet wird. Eins von d>'n Büchern, welche ich Ihnen fchiken werde, ist des Giaeomelli schöne Übcrseznng deS Chariton aus dem Griechischen. Diese aUgem-in wool aufgenommene Arbeit hat mir, da ich sie las, eine Nacht verdorben, ich konrr nicht abbrechen Ni c:-,- ri!c>»c liuccooti »morosi cii e »li L^ilirroe Iilz>i olio cl»! ^iec». 8 Zn Mailand haben Sie Zeichnungen von Leonardo da Vinci in der a m bro si a n i sch e n Bibliothek zu sehen. Sie werden auch in dem Palaste de» Marchefe Cleriei einen kleinen Johannes von MengS sehen, welcher sür den König in Polen Pemachet war. Dieses Stük schenkete er dem CardnM Archinto für eine ihm erwiesene Gefälligkeit, und nach dieses Tode ist dies schöne Stük an den izigen Vesizer gekommen. Es verdienet, daß Sie eS auf alle Weise zn sehen suchen Weiter wüßte ich vor izo nichts zu schreiben. Schlagen Sie dem jungen Reisenden Ihren Giaeomo oder den anHern Bedienten vor; man musi helfen, wo man kan. Gott gebe Ihnen Gesundheit und fröhlichen Muth! Ich werde allezeit fei» und bleibense. ?l » L. uster i. lNach Mailand?) Rom, de» Z Jun. i76t. Äie Aufnahme bei dem Herrn Graven Firmian tan Ihnen nicht mehr als mir angenehm sei» ÄS 6 Frelmdschaftliche »nd zvv Ehre gereichen. Hch war davon vorher überzeuget, und ich wünschete, daß Sie ihn, wie ich, hätten genauer kennen lernen. Dieses ist der vollkommenste Maii/ welchen Sie auf allen Ihren Reisen und vielleicht in Jlirem ganzen Leben werden kennen lernen; und wen ich von seinem langen Leben, welches ich zur Ebre der Menschheit wünsche, tönte gewiß sein, so würde ich alles in der Welt auSschla- ) ist nach Zürich abgegangen/ nnd wen man will Kosten auf ein Titelkupfer wenden, so will der Verfasser dasselbe zeichnen; aber er wünschete/ daß es Herr Wille stechen möchte. Nunmehr» hat die Unterhandlung über eine Stelle am braunfchweigischen Hofe wirklich ihren Anfang genommen; dergestalt/ daß man von mir verlangte/ unmittelbar/ und was noch mehr ist/ deutsch au den Herzog zu schreiben/ und ihm meine Dienste anzutragen / welches ich aber nicht thun kaü/ noch will; sondern wen mir etwas angetragen wird / kau ich mich entschließen/ eS anzunehmen/ aber ich will niemals etwas begehren. Unser Leben ist kurz: man soll eS würdig führen und endigen. Unterdessen muß sich nun- mehro der Hof/ von welchem ich abhänge/ naher zum Ziel legen; wo nicht/ so schlage ich zu/ wen jene Bedingungen mir anständig sein werden. Dieses aber , behalten Sie bei sich / und reden keinem Sachsen da- > von/ wen Sie etwa sollten in Paris von ihnen treffen. Ich schreibe eS Ihnen in keiner andern Absicht, on dcSch » » hei t>) 21 " I ^ ' ' - 498 Freundschaftliche als Jbnen Hosnung zu geben, uns wieder z» sehen. Zu eilfertig wird dieses Geschäfte nicht gehen; eS ist mir auch nichts daran gelegen: den ich wünschet- noch ein Jahr in Rom zu bleiben. Grüßen und küssen Sie meinen theuren Freund Herrn Wille/ und endigen Sie bald HhrenLauf. Ich ersterbe». An Muzel--Stosch. lNach London, z Rom, den 6 J«n. j?6t. Ach habe das Schreiben der Gesellschaft der Altertümer in London noch nicht erhalten; so bald ich es bekomme/ werde ich darauf antworten. Vor acht Tagen habe ich mich über den Inhalt Ihres lezten Schreibens umständlich erkläret/ und ich wiederhole noch einmal/ daß ich annehmen/ aber nicht verlangen kan: den dieses wäre wider Schuldigkeit und Dankbarkeit gehandelt/ je-> »es aber stehet in meiner Gewalt. Dieses schreibe ich beute an Herrn "">) nach Wvlfenbüttel; ich muthmaße/ daß ich dahin schreiben müße; den Sie melden es mir nicht. Ich habe mich erboten, wen der Prinz ?) sollte nach Italien gehe» wollen, denselben zuzubereiten durch Unterricht zum wahren Verständniß des Gründlichen in den Altertümern und in der Kunst/ .in Form von Sendschreiben verfasset, entweder im Deutsche» oder Italiänischen, und dieses richtig alle Wochen. Sie werden t) ^crvncc.Z 2) lErbprini von Braun schweigt Briefe. 499 mir/ glaube ich, Recht widerfahren lassen, wen Sie sich in meine Stelle sezen. Ich warte nunmehr» auf Antwort von Braunschwcig und von Ihnen. Ich schrieb Jlme»/ daß ich keinen Brief an Sie gerade auf die Post gegeben habe, und also weiß ich nicht/ wie es zugegangen ist/ daß Sie ihn nicht mit den Briefen des Cbevalier Man erhalten haben. Es war gleichwohl dieses Schreiben iiber die gewöhnliche Form. Unterdessen werde ich künftig nur auf ein kleines Blättchen schreibe«/ damit ich die Höflichkeit nicht mißbrauche. Ich wünsche/ daß ich bald sagen kan: Auf glüklichcS Wiedersehen in Deutschland! An F e v 0 n c e. l Nach Wolfe,ibüttel.) Rom, den 6 Jun. 4764. ?e me sins ex^i^uv ^ ?VIr. <1e 8t08c?i 8ur 1e cvn- ienu de Voire leil-re c^ui reAsr-cle 1'int.<5re5 hne s>re- ne^ ^)0Ul ine s>rrix ^lein er, ^u'etani sttaelie k 1a eoui' cte Ore8l1e c!e8 bienfail.8 i'c)j)08iii0N8 ei cle 1e8 aceep- iei: je ne ^eux ^>l»8 clerna^tler, msi8 je ^>eux veee- voir. I.e8 occn^k»ti0n8 c!ont je ine ^ni8 e!>.«,^er, 8e re^Ierond 8ur inon Wesire cle nie renllie nl.ile, e^ si 500 Freundschaftliche Lc>n ^liesse s kaitle s,rojet cle voir I'Italie, je rn'ok- Lie de ^iieparer soii es^rit -> Ii> solide coanvisssnee clu den» et cle I'anNHue et cle I'srt s>»r des instruc- tions en koime cle lettres, en allemallcl ou en it.ilien, et cel» re^uliüiemeiit eliscsue semsine. ^ke remets le zort cle ms clestinstion cla»s Vos m»ius^ elsllt i»vec le I>lus siucüre estiine et reconuoisssiice etc. An Fero n e f. l^Nach Wolfenbüttel. Z Rom, tden ? Iun.l V^oire arni Mr. 6e 8doseli eorrirnunic^ue le ec)t.eua? ^e Votie leUre ^leine cle livnie ed cle xele z^ciur uu l^ornine, czue Vous ne eonvoisse^ a^^aremmeni c^iie uu c>uvr!l^e 5aiie ^ 1a Iiül.e. ^se 8ni8 penetre, Alonsieui', des avavoes c^ue Vous in'^ Laiies, kiux- c^uels ^je souliail-erois cle pouvoir Vous re^onclre. V011S m'vrclonrie^ ä'eeriie clireetemeni a 8on ^Itesse et cle lui ollVir mes serviees cd cle clire cle Duelles 00- eu^aNons ^je me ^uisse eliar^er ed en meine l.ems cle Laiie l'oiiverdure a V0113, si j'eusse l>esoin cl'eudrer äan8 c^uel^ues clel.ai1s. ÜVIonsieur, l'intered clesinderes- Le czue V0118 ^»lene?. ^>our me ^)ic>eu»ei nn el.nl>1i88e- ineni Iic>n orakle e8d UQ exemple ^ieu ^iratic^ue eu ce znoncle^ mais ^je Slii8 Lacke cle ne ^ouvoir suire le Premier ^>5,8, ^)ar cle8 rai80U8 c^ue j'aurai l'Iic>niieur cle V0118 ex^>08ei', et cle lautre code ^e kalaueai cle Vou8 eerire 8'a^i88ant. ^clan8^ une lan^ue c^ue ^'ai toud-a- Laid ne^li^e, mai8 ^lu8 eneoie ^)ar le s>eii cle lumiere <^ue Hlr. cle 8t08ck m'a vouln clovner clan8 8a let.die^ c^ui ne ec>n dient, c^ue clix li^ne8. ^e l.ii88e a ^aid la ^loute Hue nie cau8e le ^>reclical. cle I^aucl^rave, c^ue Briefe. L01 Vous et. lui doune?. 8on ^lt.e88e, tsue je ve C0M- ^rencls poinr dau8 uu tliseours, c^ui re^arde le Due de Liun8^viclc. ^se u'ai c^u'un seul mo^f czui m'em^eelie de veuir a demander c^uelczue eli08 -, mai8 ee mc)l.ik doit j>re- valoir 8ur mes ^ro^res avanlaAe8 et. sui' Ie8 em^res8e- ineus de ine8 amis: e'e8l. I «?vatNude. ^'?»i i-e^u le8 ^)iemi^!e8 annee8 de mon 8ejour a I^ome une ul.ile pen- sion , laczuelle n'et.ant. s»a8 ^lo^orNouiive ui a 1a ma^ui^eeuee du R.01^ ui a l'^dai et. a 1a 8il.ua- t^iou du peu8i0nnaiie, le K01 a ^»tLl.e 8vu uona^ eile s,a88a siar d'aut^re8 maiu8. I^a eour a^and el.e in- formee a^r^8 de ee t^ue l'ou ^ouvoit 8e ^i-ornet^dre de rnoi, uue ^er80une de eoutldenee du ?riuee lLIee^o- ral me üt^ 8avoir, c^ue le ^riuee m'avoit de8l.iue la cliar^e de ^aide de 8vn eal)iuet. ^e eommeueai d'a- l0r8 (il ^ liura c^uaiie aunees) a entreieuir le ^riuee de8 re1aiion8 rai80nuee8 8ur l.out.e8 Ie8 deeouverte8 d'aut.i^uiie8, c^ui 8e 8c>ut. faid de mon l,em8 ed il ^ en. aura s>oui- faire im ouvia^e, c^ui ue 8eioit ^>a8 iudi^ue de l'attenUou du ^ul)lic. 8ou ^It.e88e lioiale meme ue ru'a douue c^ue de8 ex^ire88iou8 vn^ue8 de Araee ek^ de ^roteediou. ^Ia de8Unal.iou u'e8t doue 81 l)ieu a8- 8uree c^u'elle 8e liiuite a eelte 8eule e8^>erauee, ruai8 Ie8 1)iensüN8 ^)a88^8 de (^011»-, c^uelc^iie8 ee 8oient, 80nt. nn all.kleliemend ^onr nioi, c^ue je ne peux violer z^ar otllir me8 8ervice8 a d'autie8, l't.int. le lien de la Ar?ltil.nde devoue me8 I)ienfaiteni8. HIais, Nc>n8ieii^ je ^>ui8 aeee^l.ei', 8l ori ive leel^eiel^e, ^ionr- vu s^ne lü eour en 8oi^ ^revenu, ee <^ue j'ai fall, faire ^!lr iln 8ei^neul- au^i'L8 de ^lr. le (üomle de ^Va- eliei^arl.Ii, eomme a 1'insii de moi. /e 8ni8 le maidie de me determinei-, 81 on me 5ait de8 ^>ici^l)8idi0v8 au- t.0ii8ee8. ()uani aux 8ervice8 fsne la eonr, ^ivnr la^uelle Vou3 m'ave^ destine, ^eul. a^eudie de 1110!^, je n'en S02 Freundschaftliche zaurois rien cliiei ou c^ne Vous ine prencr ^our let- tre, ou siour suvant llllns litterstuic (»icclzue, ou siour »uti^usire, ou siour ^rsncl conuoisseur cn I» jicinture et cn 1» seulptnre et en »reliiteeture, si ^je ^osseclois toutes ces <^uali>cs en un lle^ie inent, !a cour se Z!iouv»il tout »u ^I»s v»i>ter 1nns üon jzenre. Anis eels ne rencl nucnne »tilite reelle i> I'elat ei I'-lnti^uinrc ou le Aürcle clu esinnei cl» ^linee est un Iionrine, clont on ^ieut liien se ^issser, Älsis ^e ^,ourrois etre inile inclc'^enc?»mnient cle I» elisr^e, en formnnt clsns Ii> ^jeunesse !e don ^ont clu vrui et «Zu Iieau cl»ns les Iiesuv »rts, et e'est un ^»lent c^u'on ne ^lent «c^uerir an-clel» »liitucle et t^miliaiite nvee les ouvrn^es cles »ncienz. ^^r^s tsnt 6'annees c^ue ^j'ui inises » ^»eiseetionner I'liistoire cle I'.irt, cj»e ^je veux füire iin^rinier sons ines ^eux cn ^Ileinn^ne, et ->^>>cs tontesles icclierclies, Hue ^'ili s?it clnns I?s beaux !>rts, ^je liens avcc 80- erste, c^u'il est ^lus nolile cle tracer les connoissün- «es c^ni emlielisseiit et elevent I'csjiiit cll>ns I'srne cles Iioinines c^»e snr la csrte, ^se lenonoe ^>ourt»nt ^neventivement -> tonte zilaee tlans UN collögc ou !l I'acscZemie, ^>our cviter loute «orte cle bri^ue »vec les Aens c^es facultes. I^n inemc lerns ^je crnins ll'üvoir clonne ^un^ air cle ceux, ->vee lesi^nels ^je ne vouclioiz ^>as ctie consonclu; I'iAce Z) Wir «itl'en zu diesem Briefe »och das Fragment eines ander», welches kielier zu gehören scheint, ohne daß wir jedoch beide mit einander Vereinige» wollen. Härtn»an. Briefe. SVZ uie8 1e8 coui8 clu inoncle. (^est. 1e paracli8, c>u la nature a ^>?cxli^ue ses ^ltzsors et toutes 5es I>eau^8. <>'esl. !e ^u?8 cle 1a sn^esse ^eu eonnu stvui-dani cl«8 el.i'an^erL ed meine nt c>u- ver5e8. ^Ilii8 je ne 8en8 sioini la voeau'on c)88e88ion ui8 a cult^iver 1a rai8vn et a lui clonner ca?'i':Li'e. ^ke erc)i8 endrevvir a i^vei8 cle 1'c»l)5eu,jt>e cle 1^ letdi-e cle ^Ir. cle 8l^08eli ^nelc^ne reüexion c^u'on 5aii sur un en^aAernent. a Voire eoiii', 8an8 avoir be- soiu cle ssuiiter' Gabore? l^orue ^)0ur 8ervir le ^iiinee clan? 8on vci^n^e en Ilalie. ^se ^es»on^8 cle 1'uulite c^ii en ^ourroii 7-e8ultei-, ei je iäe^.e!0!8 c^u'on n'ait ^>a8 a 8e i'e^eniir cle 1'!ion- neun cla ce elioix. ?0ur eoneourir a eedie ici^e je in'o/sie ^re^arer I'e8^i-id c?e 8on ^.Ile88e a 1a 8t>l!c1e^ conn0i88anee cle 1'anNc^uiie ei cle 1'a i, ^»oni'^«i'venir au vrai di8eerneineni s>ar cZe8 in8lrucUc)N8 en for'me cle Iett.ie8, eciNe8 c>u en allem^ncl ou en iialien, ed eel^ re^ulierernend toule^ Ie8 8eruaine8. t) Vei diesem so wie bei den sollenden Briefen ist nickt auf den St»!/ sondern blos auf den Inhalt zu sehen. Sie verbreiten über Winckelmc»ns VerlMntsse einiges Licht. Hart mail. Freundschaftliche An F e r o n c e. tNach Wolsenbüttel.l I^oine ce »Z ^suin 17kl. I^okscuritL et. I'extreine ^reeision cle la lettre cle ^lr. de 8tc>8eli ine retenoit cle faire au^»rv8 cle 8c>n u^.ltes8e Leieiiissime le I^ancl^rave le ^>a8 nn ^eu liarcli c^u'il nie ecin8eill(iit cle faire, inai8 8»r nne autre lettre cle «late anterieure, c^ui a taicle ^)ln8 cle c^uiii^e joni'8 en. cliemin, je ine snis enliarcli cle fianel^ir ee ^as, et °vc>iei, ÜVIonsieni', lettre a 8on ^Idesse c»u je lui o^fre zne8 serviees. I^a lettre cle clate ^)08terieure sn^^osoil. eelle cle clate anterienre^ lac^uelle in'e8t venu. a^>r^8 1'autre ^>ar 1a V0)e cle l'urin, ine ^arut ^ni^matic^ue Lan8 la ^>reei «len te, et je ne 1a 8avoi3 clc^rouiller. Air. de 8t08cli vient clone cle rn'a88urer, c^ue le ^rince a dai^ne de faire rellexion 8>ir inoi et. c^u'il a^^reera znon liOinin.iAe et. 1'o^ierte cle nie8 8ervice8. »le me. Lni3 inter^rete ce8 8entin^en8 cle 8on ^Ite88e ccnnine iine oKerte theile, et je eioi8 etre antori8e ^>ar la a ine declarer cl'antant ^>ln8 c^ue ina cle8ti»ation a 1a (üonr c!e Dre8cle n'e8t ^a8 eneore tont, k fait cleeiclc.'e et S88nree. ^'ai eru rnon clevoir cl'en faire s>art a 8on Anrinence le (kardinal ^lexanclre ^Il>ani et. en m^me iein8 clu cle88ein cle 8c»n ^lte88e cle faire le vo^a^e cl'Itulie avee le Auicle s>i0nva l'un et 8e rejouit cle l'antre, Zin^utient cle voir le z>rinee, autour cluc^uel 8'eln^>re8- sera tonte l'Italie. N0n8ienr, je ne 8ai8 corninent j'ai ^>n in^riter la ^revenante iclee i8 a la l)0nte - tre ^enie 8ee0iiiadle, vü Von8 ero^e^ (le ^ouvoir ^ro- (luire et em^lover cle8 t3len8. Keceve?. le cwur d'un aini, uu cceui d'auai teuclre Briefe. ei j)A88i0nnt' t^ue je Vous devoue; je ne ^)eux Vous otirir d'uiidre c^ose. ^se n'ui d'uul^ie ain1)ilion «^ne cle ^ouvoir ru'em- Z)1c>/er incessamment. ei eneore a liome au 8ervice cle 8ou ^Iie88e, el. j'atdencls vodie re^inuse 8ur I'a^rement clu j»1an c^ue j'ai ^1-0^056. ^e me suis limite a la lau- ^ue allemaucle ed ilalieuue; ear je Vc>u8avoue in^enue- inend cl'avoir ue^Ii^e 1a lau^ue kraneoi8e, 8url.ouk cle- ^>ui8 ee8 8ix aunee8 cle ruou 8ejc>ur en Italie. Du re8le ou va im^rimer a ^>re8end ^ I.ei^>8ie cle me8 o1)8erva- l.ic>n8 8ur l'are^it.eeture aneienne ei en ^ui88e un traide sur 1>eautL et. 8ur 1e ^vui ^au8 1a ^)eiul.ure, ouvra^e ^u Premier ^eiul^re cle uc>8 joui'8 et^ . K. z B. l K. ü §. Denkmale, Num, I06.Z 2) tEi» besonderer Grund, diese Schritt auS der Samlnng von Winckelmaiis Werken nicht ausiuschlicken-Z Briefe. 609 und zwar in einem kurzen deutschen Schreibe»/ wel- ches ich Ihnen mitgetheilet habe. Ich wünsche herzlich, die Antwort zu sehen. Hier überschike ich Ihnen das Danksagungschreiben an die Gesellschaft der Altertümer. Ich habe mich in demselben erboten, ihnen eine Schrift zuzueignen, welche ich zum Druk nach Engeland über- schiken werde. Dieselbe wird handeln: von dem ältesten Styl der griechischen Kunst vor den Zeiten des Phidias. Ich ließ dem Graven Wackerbarth von dem mir geschehenen Antrage durch MengS Nachricht geben, welcher aber gestorben ist, ehe der Brief hat anlangen können. Unmittelbar kan ich dieses nicht an den Kurprinzen schreiben; ich will mich aber auch nicht wiederum erniedrigen, und den Bianconi dazu gebrauchen; also habe ich den königlichen Beichtvater zu Warschau^) ersuchet, den Kurprinzen dieses wissen zu lassen. Mir däucht, ich habe Ihnen leztlich auch geschrieben, daß der Herr Cardinal Alexander Ä l- bani eS für eine besondere Ehre halten wird, in die Gesellschaft der Altertümer aufgenommen zu werden. Nur müßen Sie den Herrn NorriS erinnern , daß einem Cardinal der Titel et gegeben wird, und in der Anrede: /V-nce/15, zumal weil er Nipote eines Pabstes ist: den in meinem Schreiben stehet: -Mu- F-Ü/iotZ-eca/Vo. Dieses sollten ja die Herren wissen; den es ist in aller Welt bekamt und angenommen. Der Herr Cardinal ersuchet Sie, ihm mit der ersten Post an den Chevalier Man ein Titelkuvser eines Buches zu schiken. ES ist ein altes Gemälde, welches in dem Hause Massimi war, i) iPattv xco Rauch,) Frclmdschaftliche und von dem verstorbenen Arzte Mead nebst andern gekauft wurde. Es stellet den AugustuS/ den Marcus Agrivva/ und man glaubet auch den MäcenaS und Horaz vor; ein barbarischer König wirft sich dem AugustuS zu Fußen. Es ist ein Kupfer in Quarto vor einer kleinen Dissertation. Wir haben eS nöthig zu einem Gemälde in des Car« dinals Villa. Schonen Sie keine Mühe/ es zu bekommen. Die Schrift ist 1761 gedrukt/ aber nicht in Rom zu finden. Ich kenne dieselbe aus Sachsen her. Der Cardinal wird Ihnen sehr dafür verbunden bleiben. Künftigen Herbst/ wen ich lebe und gesund bin, soll der Anfang zum Druke meiner Geschichte der Kunst/ und zwar in der Schweiz/ gemachet werden; und dieses ist gewiß. Für izo fällt mir nichts anderes zu schreiben ein. An G e ß n e r. LNach Zürich. Z Rom, den 20 Ju». t76t. Mein theurester Freund! (Ao wie Völkern, mit welchen die Sonne handelt, wie die römische Geistlichkeit mit den Laien/ denen sie anstatt Brod und Wein nur Brod allein gibt, eine Flotte Canariensect willkommen sein würde/ (nach den Worten eines englischen Dichters die ich nicht im völligen Gleichnisse mir eigen mache» kan): so erwünscht und angenehm ist mir und meinem Freunde/ hungrig nach Meisterstüken unserer Nation/ Ihr Geschenk gekommen. Der Herr Cardinal, welcher es in Person mit mir von der Post holete/ und es mit eigener Hand auflösete, wünschele auch j) sCowley.l Briefe. 611 wegen des wunderschönen Truks, was mir erlaubt ist, lesen z» können. Ich kan nur Erzt gegen Gold/ wie der Dichter saget/ erwidrigen/ und ich weiß noch nicht einmal auf was vor einem Wege. Heute aber schreibe ich an jemand von des Herrn Graven FirmianS Leuten nach Mailand/ ob ich die Beschreibung der stoschischen geschnittenen Steine ohne Kosten an diesen Herrn/ welcher zugleich Generalpostmeister in Italien ist/ senden könne. Ich werde davon Nachricht geben. Eben hatte ich die zwei ersten Bücher des AbelS in der französischen Übersezung geendiget/ welche sich jemand von Turin auf der Post kommen lassen / und mich versichert/ daß dieses würdige Gedicht von einem seiner Freunde daselbst in italiänische Verse gebracht werde. Ich würde Sie beneiden/ mein Freund! wen der Neid in des CardinalS Bell arm in seinem Katechis- mo nicht unter die Todsünden gesezet wäre. Ich bin leider einer von denen/ welche die Griechen Spät- kluge nennen; Erziehung/ Umstände und Mangel haben mich zurükgehalten/ früher klug zu werden anzufangen. Was die Schrift meines Freundes-) betrift/ so liegt der Druk derselben mehr mir als ihm am Herzen/ und ich wünschete/ daß dieselbe bald erscheinen könte/ aber auch/ daß eS in Ihrem Verlage geschähe. Es sind ja wenige Böge»/ und mit dem vorgeschlagenen Kupfer vor dem Titel ist tS eine langwierige Sache; daher wird es besser sei»/ es ohne alle fremde Schminke erscheinen zu lassen. Ich glaube aber/ der Verfasser werde noch einen Anfang einschi- kcn/ worin die Schönheit deutlicher und eigentlicher auf die Malerei angewendet werden soll. In Absicht 1) lGeßncvs Tod Abels.Z 2) Mc»gs.ü ^12 Freundschaftliche der Erklärung des BegrifS dcr Schönheit haben Sie Recht im Wunsche, aber Sie fordern zu viel; dcr Verfasser liat vermutiilich die Schwierigkeit eines handgreiflich klaren BegrifS/ den niemand hat geben rönnen/ eingesenen, und deßwegen hat er denselben in ein erhabene» Bild gefastet/ welches ich niemals ohne Rührung habe lesen können/ und ich preise Gott/ dcr solche Kraft zu denken in den Menschen geleget hat. In Absicht dcr Schönheit in der Kunst gehe ich mit demselben auf'S Lanzenbrechen/ und ich will gerne wider einen solchen Gegenpart verlieren; aber ich spanne alle Kräfte a«/ gegen ibn zu bestehen. Im übrigen habe ich denselben niemals gemeistert/ und mich geweigert/ Hand an seine Arbeit zu legen; Ihnen aber wird von ihm durch mich gänzliche Vollmacht ertheilet/ zu ändern/ was Sie gut finden. TaS Vriefchen/ welches ich Ihnen durch Herrn Füeßly habe aufhängen lassen/ betnft meine Anmerkungen über die alte Baukunst/ welche ich mit einem entmanneten Sänger nach München au einen andern Wälschen schikcte/ um eS nach Leipzig zu besorgen. Das Manuskript nebst zwei Kupfern dazu kam im Jäner an. Nach drei Monaten von da an schrieb man mir aus München/ man würde es absenden/ und seit der Zeit habe ich weder von da her/ noch aus Leipzig, Nachricht erhalten. Hch habe dein Buchhändler gedrohet/ ich wolle eS zurükforderu/ aber ich kau auch dieses nicht/ wegen der vielen während dcr Zeit cingeschikten Znsäze/ welche ich mir nicht angemerket habe. ES sollte die Schrift dem Herrn Gra- ven von Wackerb arth zugeschrieben werden; da aber derselbe gestorben/ so würde ich die Zuschrift an den Kurprinzen selbst richten. Wen noch nicht an den Druk gedacht wäre/ (welches Sie durch Ihre Freunde daselbst erfahren könne»/) so überlasse ich eS Ihnen/ dieselbe zurükzunehmen/ und überschikc Ihnen Briefe. 513 zu dem Ende die Vollmacht. Gebrauchen Sie dieselbe/ oder nicht/ wie Sie es gut finden Wen ich die Schrift wiederum in Händen hatte/ würden mir ! die mehresten Zufäze wieder in'S Gedächtniß kommen, und ich könte noch andere von neuem hinzuthun. Da ich izo von neuem anseze zu schreiben/ habe ich bedacht/ daß es besser sei, die Sache laufen zu lassen: ich will nichr ferner an die Schrift gedenken/ als weil ich fle nicht gemacht hätte. Unterdessen sei dieses das leztemal mit den deutschen peut-N.-litres; zumal da sich izo eine Anscheinnng für mich aufthut, mir auswärtigem Beistände mein Leben noch einige Jahre in Italien in Ruhe hinzubringen/ und weil dieses zu Stande konit/ so kan mir niemand verdenken/ wen ich.von meinem Verleger mit der Geschichte der Kunst abgehe. Den weü ich nicht nach Sachsen zurükgehe/ und die Schrift nicht unter meinen Augen kan druken lassen/ so ist es nöthig/ 1 mich an Sie zu wenden, sonderlich da alle Posttage » zu erinnern oder zu erklären sein wird/ welches ohne alle Kosten geschehen kan/ da ich auch selbst das Register/ welches viele Bogen ausmachen wird/ zu verfertigen habe/ folglich nach und nach die gedrukten Bogen haben muß/ so ist dieses von Leipzig aus nicht möglich. ES tlmt mir nur wehe/ daß ich wegen der erlaubten Erkentlichkeit meiner Mühe mit einem Freunde handeln muß. Sollte gemeldetes Vorhaben zu Stande kommen/ und ich würde nicht genöthiget/ nach Deutschland zu gehen, so will ich auf Michaelis mit dem ersten und schwersten Theile fertig sein, wen Gott Leben und Gesundheit verleihet; ich werde mich auch mit den Zeichnungen und Kupfern darnach einrichten. Sie werden ausserdem in einigen Monaten eineklei- ° ne Schrift von mir haben, unter dem Titel: N a ch richte n v 0 n d e n E n t d e k u n g e n d e r Zl l t e r t ü m e r i 11 Freundschaftliche Noni/ die während dem Aufenthalte des Verfassers geniachet worden/ mit einigen Kupfern; ich arbeite zuweilen daran. Ich würde alle vier Seiten voll schreiben, wen ich nicht mit viel und wichtigen Briefen überhäufet wäre. Ich umarme Sie und den ed» len Füeßly voll innigster Liebe und ersterbe :c. Nachschr. ES fei einmal vor allemal erinnert/ daß alle meine Briefe in einem bloßen Umschlag an den Herrn Cardinal Alexander Albani abgehen müßen. Den Herrn Cardinal Passion ei hat vor einigen Tagen der Schlag gerübret, auf seinem Nomitorio>) ohnweit Frascati/ und hat ihm die rechte Seite und die Zunge gelähmet/ in seinem ^0 Hahre. Ich habe einen großen Freund in ihm verloren , und Herr Usteri kaii bezeugen/ wie lieb er mich hatte/ ohiige- achtet ich mich seit einiger Zeit von ihm mehr als vorher entfernete. A » M u z e l - S t o s ch. lNach Londons Rom, den 26 Jim. Ach habe heute Ihr Schreiben vom 3t Mai von Salivbury erhalten/ in welchem Sie mir schreiben/ daß Sie meine Briefe auf der Post erhalten. Ich habe Ihnen bereits geschrieben/ daß ich sie alle in des CardinalS Briefen nach Florenz an den Chevalier Man gehen lassen; dieser wird des BriefeschikenS müde sein; aber ein ehrlicher Freund/ wie er es von Ihnen sein will/ sollte die Briefe Ihres Freundes nicht dem guten Glüke überlassen. Ich werde ihn also nicht weiter beschweren. Diesen Brief hat nur t) lEin si cd clei.z Briefe. MengS durch einen hiesigen Engeländer befördert/ und ich wage eS: gebet derselbe verloren/ so soll niemand viel aus demselben fischen. Vor acht Tagen schrieb ich Ihnen in dem bisher gewöhnlichen Wege/ daß ich dem Landgraven meine Dienste angetragen habe/ in einem kurzen Schreiben, von welchem ich Ihnen die Abschrift gab. Der Irrtum von Leipzig ist durch Sie selbst veranlasset: es ist Ihnen der Buchhändler Dyck eingefallen/ und anstatt Li- vorno sezten Sie Leipzig; nun bin ich vergnügt und sehe dem Geschenke sehnlich entgegen. Zur Dankbarkeit werde ich ein Sendschreiben von einer andern Art an Sie richten; izo aber habe ich nicht Zeit; dcn ich mache meine Geschichte der Kunst gegen Michaelis zum Druk fertig/ wie ich Ihnen vorige Woche schrieb. Ich werde suchen eine ^«-tinoa I>ai- trois memkres i-ti^liAers zu erhalten; aber die Veiiuti sind/ so viel ich weiß/ keine Mitglieder.') Ich wünsche längere Briefe von Ihnen zn sehen. Suchen Sie mir Ihre Adresse zu geben/ den ich finde hier allezeit Gelegenheit nach London zu schreiben. Wackerbarth ist gestorben; der Kurprinz aber läßt mich ersuchen/ den Briefwechsel, welchen ich mit jenem unterhalten/ fortzufczen/ und die Nachrichten für Seine Königliche Hoheit an Bian- coni zu schiken/ worüber ich mit mir selbst noch nicht eins bin; wenigstens habe ich mich entschlossen/ nicht wieder an diesen zu schreiben/ und mir das Couvert an ihn zu richten. Da also Wackerbarth dcn Kurprinzen dcn mir geschehenen Antrag nicht hat wissen lassen können: so habe ich mich an den t) Um bei der königlichen Societät der Wissenschaften zu London ausgenommen zn werden, muß man von drei Mitgliedern vorgeschlagen werden; und zwar, wen man selbst abwesend ist, von drei Abwesenden. Nicolai. 616 Freundschaftliche königlichen Beichtvater l) gewendet/ und ihm dieses obne Einwendung aufgewalzet. Ich bin also oline Vorwurf/ wen etwas' geschieht, Gott vergelte es Ihnen! Ich küsse Sie nud ersterbe -c. A n L. U st e r i. lNach Paris ^ Castcl Gandolso, de» 28 Jul. ^ch stehe auf dem Lande in der Einsamkeit; aber in der göttlichen Gegend/ welche Sie nur mit einem flüchtigen Ange durchliefen/ und also nicht schlucken noch genießen konten. Hier genieße ich ein Leben vcindit!» cli cleN.i ineote, »Nd werde biS ZUM September hier verbleiben. Sie beklagen sich/ daß Sie seit Venedig keine Briefe von mir kabeii/ und erinneren sich nicht des SchreibenS/ welches' Ihnen der Herr Grav Firmi- an wird zugestellet haben. Unrichtigkeit oder Nach- laßigkeit im Schreiben und Antworten lasse ich mir nicht vorwerfen. — Herrn MengS werden Sie fernerhin nicht mehr schreiben können; den er hat einen Berns nach Spanien/ als erster Maler des' Königs'/ mit einem Gehalte von Lvo» Scndi/ HauS frei und Wagen mit königlicher Livree, angenommen/ und wird vermuthlich noch künftigen Monat abgehen. Ans der Abreise wird er mich hier besuchen. Dieses ist mir ein unersezlicher Verlust/ welchen mir kein Gliik in der Welt und keine Freundschaft nimmermehr ersezen kan. Für mich ist nunmehro auch gesorget: den der Kurprinz von Sachsen hat mich zum Aufseher seines I) lLeo Rauch.Z Briefe. 617 Musei und zu seinem AntiquariuS ernennet/ ohne Abhänglichkeit von jemand/ mit dem Genuß aller damit verknüpften Ehren und Vortheile; mir freigestellet/ einen anderweitigen Beruf anzunehmen/ wen mich die Noth dringet/ mit dem Bedinge/ an seinen Hof zurükzukommen/ wen ich gerufen werde, mit den ausdrüklichen Worten: „ daß er sich bemü- „ hen werde/ daß ich mit Vergnügen daselbst stehen „ solle." Ich glaube/ Herr Wille werde an dieser Nachricht ein freundschaftliches Antheil nehmen. Die Schrift des Herrn MengS soll ohne alle Zieraten gedrukt werden/ und dieses war schon in Zürich angekündiget/ ehe ich Ihr Schreiben erhielt. Von der angetragenen Freundschaft des Herrn Era- ven hat mir Herr Füeßly keine Nachricht gegeben. Ihre Bücher und Steine kan ich nicht eher als nach meiner Rükkunft nach Rom besorgen; ich bitten Sie aber/ an Herrn L" schreiben zu lassen/ daß derselbe an jemand seiner Correspondenten in Rom Befehl gebe/ die Einpakung und Abfertigung zu besorge»! den auf das lezte verstehe ich mich nicht. Es soll aber alles bei mir eingepakt werden. Mit Kupfern von Strange werde ich nicht dienen können! den ich glaube nicht / daß er sie verkaufe; ich kenne ihn auch weiter nicht/ nachdem ich das erstemal im englischen Kaffee mit ihm redete. Ich kenne den Herrn Crausazius>) nicht/ und weiß nicht/ woher er die Nachricht von mir hat. Le Noy aber bekomr seine Abfertigung in einem großen Werke des Piranefi von der Baukunst/ in lateinischer und italiänischer Sprache, welches fertig ist bis auf das Vildniß des Pabsts/ dem eS zugeeignet worden. ES kostet fünf Zccchini. Ich möchte aber wissen/ wie jemand von dem Land- l) lCrousazZ 613 Freundschaftliche Hause dcS PliniuS richtig schreiben könne, ohne de» Ort selbst und die vermeinten Trümmer von demselben gesehen ;u haben. Ich befürchte/ es werde wie das große Werk eines EngeländerS in Folio von eben der Villa. Der Name fällt mir izo nicht bei. Es hat auch Felibien besonders über dasselbe geschrieben. ES muß noch ein Sachse in Paris, und zwar ein Herr von Ein siedel, sein, von welchem mir der englische Minister in Florenz, ein Man von feiner Nase, sehr viel Gutes gesaget hat. „ Er redet „ so gut englisch wie ich," sagte er mir. Der ObelisiuS ist besichtiget, aber zu sehr zertrümmert, und ist nicht zu gebrauchen. Der Chevalier Diel aber hat zwei andere alte Gemälde bekommen, welche ich noch nicht gesellen habe. Wen ich deS Handels kan einig werden, so kan der Druk meiner Geschichte der Kunst auf Michaelis in Zürich angefangen werden. Ich gebe derselben hier den lezten Segen. Der Cardinal Gualrieri ist zu Frascati vor wenig Tagen gestorben, tüe n»nsit m»n6v,»tto Scudi Schulden, welche er auf seiner Nuntiatur gemachct hat. Diesen .Herbst oder Winter werde ich nach Neapel gehen. Weiter wüßte ich vor izo nichts. Ich bin mit vollkommener Freundschaft?c. A n Weiß e. l Nach Leipzig. Z Rom, den ?lug. Theurer Freund! Ach habe Ihr Schreiben vom 2s Mai erhalten. Es gehet mir sehr nahe, daß ich noch nicht einmal Briefe. >5ts versichert sein kan, dafi die Schrift auf Michaelis erscheinen werde. Unterdessen sind die Kupfer von den Gebäuden zu Pcsto in Neapel zum Vorschein gekommen, und man saget es anch von dem Werke der Engeländer. Es ist besser/ daß ich nicht ferner daran gedenke. Die Schrift, welche mir zugeeignet, ist vom Herrn MengS, welcher als erster Hofmaler des Königs in Spanien die vorige Woche von hier nach Neapel abgegangen/ um mit einem Kriegsschiffe nach Spanien zu gehen. Seine Pension ist tiooo Scudi, d. i. Zecchinen. Er ist mein Freund, und war mein bester Freund auf Erden/ und fein Verlust ist für mich nnerfezlich. Meine Historie der Kunst ist nunmebro bis auf die Abhandlung von der Schönheit völlig abgeschrieben, und ich gehe izo mit mir zu Rathe, wie ich mit derselben hervortreten könne. Mit den Absichten eines gewissen HofeS auf mich hat eS feine Richtigkeit; eS hat mir aber auch sder Kurprinz^ meine Stelle in Dresden völlig versichert, lim jenem zuvorzukommen, wovon man Nachricht erhalten. Da diese aber nicht unter drei Jahre», nach geschlossenem Frieden, besezt werden wird, und auch jene vielleicht auf entfernte Zeiten gehen, so könte vielleicht beides zu spät sein; den man such't mich hierzu behalten. Mein Herr ist kililioiliLcaiius 8, N. Lvel. geworden, und die erste erledigte Stelle in der Vatieana ist mein, und diese wird vermuthlich die hebräische Sprache betreffen. Ein Canonieat habe ich dieser Tage ausgeschlagen: den ich will frei bleiben. Zch bin mit beständiger Freundschaft -c. L20 Freundschaftliche An G e ß n e r. lNach Zürich.^ No>:i, den t? Sept. <7üt. Ä>en Sie den Freund kenneten/ welchen ich verloren/ hätten Sie nicht weniger sagen könne»/ als Sie in Ihrem lezten geschäzten Schreiben gethan haben; und wen Sie mich kcnneten/ würde es Ihnen gehen/ wie mir/ (ohne Vergleich!) da ich den berühmten Wolf persönlich hörete: dasjenige was mir wie im Mondscheine von weitem ein Ungeheuer geschienen/ war ein Kloz/ da ich nahe kam. Mein Freund kan glüklich sein/ aber nicht so leicht als ich; den meine Begierden sind in dem Genusse der Ruhe eingeschränkt / die ich genieße / und schwerlich in dem künftigen vermeinten Glüke genießen werde. Wir fangen an reich zu werden/ wen die Lüsternheit abniiiit/ und arm / wen die Habe zu- nimt. Ich glaube vor allen GlükSfnllen sicher zu sein. Über die Schrift meines Freundes habe ich dem .Herrn Füeßly/ in Betrachtung dessen freundschaftlichen Erinnerung / geschrieben/ wie ich vermuthete / daß der Verfasser von mir verlanget hätte. ES hat derselbe ein größeres Werk in wälscher Sprache unter Händen/ welches ersezen wird/ was jenem mangelt/ und er ist geübter in dieser/ als in jener Sprache/ sich auS- zudrüken. Ich verliere blos in der Zeit; den seine erste öffentliche Schrift ist meinem Namen zugedacht. Ich habe durch Ihre Besorgung von Herrn Dyck auS Leipzig endlich Antwort erhalten: er entschuldigt sich mit dem Papiere; den alle Hadern müßen in die Lazarethe geliefert werden. Ich bin nicht sehr glüklich mit meinen Arbeiten. t) iMengs.Z Briefe. S21 Es sind von neuem ausser Nom zwo alte sehr wohl erhaltene Gemälde von zwo Spannen hohen Figuren entdeket: das eine stellet die Fabel des Erich- thoniuS vor/ welchen Pallas in einem Korbe verschlossen der Tochter des CeeropS/Pandrosia/ anvertraut hatte. Diese nebst ihren zwo Schwestern konten sich nicht enthalten, das in dem Korbe Verschlossene zu sehen;e. Das andere ist ein Tanz von drei Bakchanten weiblichen Geschlechts. Die Zeichnung ist wunderbar schön/ und es sind die ältesten Gemälde in der Welt. Ein reisender Brite glaubet an einem Brustbilde zu Tun»/ welches mit unbekanten Charakteren bezeichnet ist/ die wahre ägyptische Schrift/ welche mit den ältesten sincsischen Buchstaben eine große Verwandtschaft haben soll/ entdeket zu haben. Er lässet hier etwas druken/ welches ich überschiken werde/ wen es nickt weitläuftig ist. In Livorno sind an zwanzig große Kisten voll ägyptischer Altertümer ankommen/ welche der König von Sardinien in Ägypten graben lassen :e. An Verend S., tNach Weimar,) Rom, den 2S Sept. 1761. Lieber Frennd und Bruder! ^ch wünsche/ daß du gesund und zufrieden seiest/ wie ich es bin. Ich esse, trinke/ schlafe / wie ich es in meiner Jugend gethan; nur in einem Punkte t? t Über diese fälschlich für alt ausgegebnen Gemälde sehe man ini 5 Bande S. a mv o l l i o n der Jüngere soll die Hicrovl»vl>en entziffert haben/ und gegenwärtig im Mai 1S25 in Rom viele Inschriften erkläre»-) 22 * 522 Freundschaftliche fühle ich die Jahre; aber es machet mir keine Vorwürfe und mißvergnügte Nächte. Ich bin freier, als ich es in meinem Leben gewesen/ und ich bin in gewisser Maße Herr von meinem Herrn und von dessen Lustschlössern, wohin ich gehe, wan und mit wem ich will. Zweimal in der Woche gehe ich mit dem Cardinal in große Versamlungen, wo eine große Musik ist/ und auf solche Art gebet das Leben vergnügt und empfindlich verbei. Der Cardinal von 70 Jahren ist mein Vertrauter/ und ich unterhalte ibn öfters von meinen AmourS. Der Adel ist hier ohne Stolz/ und die großen Herren ohne Pedanterie. Man kennet hier mehr/ als bei nnS/ worin der Werth des Lebens bestehet; man suchet eS zu genießen und Andere genießen zu lassen. Ich habe an dem zahlreichen Hvfe des CardinalS/ wo ich vorzüglich vor Andern unterschieden bin/ keinen Neider noch Feind/ und eben dieses kan ich sagen von allen, die mich hier kennen. Ich werde also Rom mit Betrübniß verlassen. Nunmehro bin ich zum Aufseher des kur- prinzlichen KabinetS erkläret, und Seine Hoheit erklärte sich mit folgenden Worten: „Ich werde furchen, daß Winckelman mit Vergnügen an mei- „ nein Hofe leben soll. " Es stellet mir derselbe frei/ einen anderwärtigen Beruf in Deutschland anzunehmen, (eS erging an mich ein Antrag von dem Land- graven zu Hessen-Cassel nur daß ich zurükkomme, wen er mich rufen wird. Ich habe alles auSgeschla- gen und mich unmittelbar gegen den Prinzen erkläret. Nunmehro bin ich auch kein Wisch mehr, und werde künftig Herr Hofrath heissen, wie mein Vorgänger, wen ich will. Eine von meinen Bedingungen an den Prinzen war, von keinem Menschen, wer derselbe auch fei/ als allein von seiner Hoheit eignem Befehle, abzuhängen, und denselben unmittelbar zu erhalten/ und dieses ist eingegangen, und Briefe. 62z umständlich bekräftiget. Das Beste hierbei ist/ daß ich niemanden deßwegen Verpflichtungen habe: den dieses alles erfolgte auf ein Schreiben an den Gra- ven Wackerbart h, welches nach dessen Tode von dem Kurprinzen selbst erbrochen worden. Grüße deinen Bruder und andere Bekante in See- hauseii/ die eS verdiene»/ und schreibe mir einige Nachrichten von daher/ welche mir allezeit sebr angenehm sind. Der Herr Grav Bunan wird nach Zürich und bei dieser Gelegenheit an mich schreiben. Lege ein Schreiben bei so weitläuftig du es machen kaiist; den von Zürich aus kostet eS mir nichts. Heute speiset ein wunderschöner junger Castrate bei mir, welcher mit mir deine Gesundheit trinken soll. Meine Anmerkungen über die alt>: Baukunst werden izo in Leipzig an's Licht getreten sei»/ und mein hiesiges Werk/ zu Florenz und hier gedrukt,') überbringt Btanconi nach München/ von da eS der Herr Grav erhalten wird. Diesen Winter wird man meine Geschichte der Kunst zu vrukcn anfangen: eS ist in derselben eine A bh a nd lnn g über die Schönheit vou 6 oder 8 Bogen/ welche einiges Aufsehen/ hoffe ich, machen soll. tt. An L. u st e r i. lNach Zürich, 1 Rom, den Z üct. !76l. ^ch habe heute Ihr Schreiben aus Paris und eines von Herrn Geßner erhalten/ und auf dieses kan ich heute nicht antworten; und weil ich glaube/ daß ^ Sie in daS geliebte Vaterland zurük angelanget sind/ so bitte ich, mich deßhalb zu entschuldigen. t) ^Beschreibung der geschnittene» Steines Freundschaftliche Herr Mengs ist heute vor zwei Monaten nach Neapel, und einige Tage hernach auf einem Kriegsschiffe von 7» Gestüt, von einem andern gleiches Ge- haltS begleitet/ nach Cartagena abgegangen. Von da gehet er zu Lande/ und wir erwarten mit Schmerzen Nachricht aus Madrid. Seine Frau / deren Schwester und seine älteste Tochter und der jüngste Sohn sind mit ilnn gegangen. Ihre Bücher werden vielleicht schon abgegangen sein; ich habe den C h a r i to n >) beigelegt. Von dem ^ Herrn von E habe ich nicht die mindeste Nachricht/ und da ich die Hosnung verloren gegeben/ habeich eben diese Ausgabe de» Dante von jemand meiner Betauten gekaufet. Jzo erwarte ich von Paris den dort gedrukten Ariostv/ und zwar ans groß Papier. Die Schrift meines Freundes Mengst habe ich zurükgefordert; den ich will nicht/ daß ein von dortigen Kennern erklärtes GalimathiaS gedrukt werde. Die über diese Schrift entstandene Mißhelligkeiten bleiben mir ein Geheimniß; mein Weg aber ist der kürzeste. Herr GravCayluS irret/ den er weiß nicht genug. Ich kan viel mehr wissen als er und als die hiesigen Künstler/ und dies ist nicht blos Hier müßte er ein Schüler werden. Meine Abhandlung von der Schönheit zum Exempel/ welche über sechs gedrukte Bogen betragen wird/ sind keine Muthmaßungen. Die Zeit wird eS lebren; den diesen Winter soll der Anfang znm Druk gemachet werden. Zn Zürich wäre es mir sehr bequem gewesen/ aber es ist nicht meine Schuld. Von den zwo gefundenen Gemälden wird Zerr Geßner Nachrici t geben lömttn. Herr Diel von Warsilli) in der Normaudie^I starb plözlich im August/ j) liil'N'sezt Lon G ia co »I elli.z 2) lEinsiedcNZ Briefe. ohne sein Geheimniß jemanden eröfnen zn können. ES suchen viele die Spur zu finden. Von dem Werke des C. Caylns habe ich keine Nachricht/ vielleicht hat eS Paeiandi/ welcher izo in Neapel ist/ und bald nach Parma gehen wird/ als VibliothekariuS über Bücher, welche man kaufen wird/ und als Aufseher über Altertümer/ welche man zu finden gedenket. Der Cardinal Alexander ist üil>Ii»l.l>cc!>,-iu5 8. k, L. geworden/ und wünschet-, daß er mich zum Cu- stode machen könte; eS wird mir aber nicht zu Theil werden können. DaS vermeinte Glük in Dresden ist ebenfalls' noch in weitem Felde/ und man saget mir/ daß die Stelle allererst drei Habre nach dem Frieden werde besezt werden können. Fällt in dieser Zeit hier etwas vor/ so wähle ich allezeit Rom/ wo ich eS gewohnt bin/ vor Dresden/ wo ich fremde sein würde. Unter diesem Aufschub aber ist eine große Arglist verborgen, die mir aber nicht schaden kan / weil ich ste kenne. Ich lasse mir izo das Porträt eines schönen Ca- straten von >4 Zaüren bei mir im Zimmer machen; ich wünsche, daß es gerathen mag. Des CardinalS Passionei Bibliothek soll32/000 Stük Bücher enthalten/ und eben so viel Seudi hat der Pabst den Erben bieten lassen/ welches diesen zu wenig scheint. So viel vor izo; dem edlen Fiicßly und dem theuren Geßner Gruß und Kuß. Ich ersterbe ?e. Nachschr. An meine Dissertation habe ich noch nicht denken können; den meine Nuhe zu Castello wurde nach 12 Tagen gestoret durch jemand von dem Hofe des Kurprinzen, welcher nach Rom kam und über einen Monat hier blieb. Überdies werde ich etwas faul/ und zuweilen bin ich verliebt/ welches noch ärger ist. 626 Freundschaftliche A n G e ß n e r. tNach Zürichs Nom, den leztc» Oct. Theurester Freund! ^ch verschob meine Antwort auf ein Schreiben von Herrn Füeßly/ welches ich vor einigen Tagen erhielt/ und die reine Wahrheit zu sagen, so bin ich einige Zeit her etwas unordentlich gewesen/ und nicht sehr geschikt/ viel Vernünftiges zn denken, welches Ihre Aufforderung zu einem Schreiben erfordert. Ich besorge, eS werde mir ergehen wie den Statuen/ wel« che auf sehr hohen Basen stehen/ wo sie sich sehr verkleinern; oder wie einem Schiffe/ welches auf einem Flusse etwas rechtes und im Meere nichts scheinet. Wen ein mittelmäßiger Sänger allein singet, gefällter: aber in Gesellschaft von bessern, sindet er wenig Gehör. Ich bin hierin nicht so schnell, wie Sie glauben möchten; den ich wollte im Gemälde nicht gerne im Grnnde stehen und mich verlieren; und gleichwohl bin ick eitel genug, zu versuchen, ob ich könne zum Schatten dienen, nicht die Lichter zu erheben, sondern auszufüllen. Ich werde Ihnen mittheilen, was ich werde sagen können. Sie mögen es machen wie die Holländer/ welche, saget man/ zuweilen Specercicn verbrennen/ um dieselben theurer zu machen; werfen Sie aus, was Ihnen nicht gefällt. Das Schlimste ist: ich muß in gewisser Maße wider meine Neigung/ nicht wider meine Empfindung/ reden; den ich möchte selbst nicht mit lateinischen/ schönern Buchstaben gedrukt werden; und man würde sagen, ich predige wider mich selbst. Allein ich werfe den gothischen Druk meiner .Schriften auf die Briefe. 527 Rechnung meiner Verleger. Ich werde mit Ernst auf das Sendschreiben gedenken. Ich nahm mir die Freiheit, nebst den Sachen des Herrn Usteri ein großes Paket an den kaiserlichen geheimden Rath Herrn Graven von Bünau, meinen ehemaligen Herrn, abgehen zu lassen, welches an Sie gerichtet ist. Es sind die hereulattischen Gemälde, welche ich für denselben von dem Minister Tanucei zum Geschenk erhalten. Der Herr Grav wird an Sie schreiben und verordnen, wie er dieselben will übermachet haben. Ich hoffe auch etwas Geld durch Ihre Hand von dem Buchhändler Dyck aus Leipzig zu erhalten. Lassen Sie sich beides bestens empfohlen sein. Dem Herrn Nsteri Gruß und Kuß! Ich ersterbe -e. An Ge ß n e r. lNach Ziirich.) Rom, den 14 Nov. 1761. Ä)Iein vor vierzehen Tagen abgegangenes' Schreiben werden Sie erüallen haben, und ich gedachte Ihnen heute einen Aufsaz zu schiken; aber mir ist unter Briefen und Tändeleien die Zeit vergangen, und ich habe noch nicht daran denken können. Haben Sic ein wenig christliche Geduld mit einem römisch gewordenen Preußen, dessen Geblüt und Fell empfindlicher als vorder geworden ist, woraus ein Hang zur Faulheit entstehet. Gegenwärtige Besorgung, womit ich Sie beschwere, habe ich einem der würdigsten Menschen in Nom nicht versagen können; auS dem offenen Briefe werden Sic dieselbe ersehen. Der 32» Freundschaftliche eine KataloguS ist für Sie; den andern überschiken Sie entweder in den offenen Brief eingeschlagen/ wen Gelegenheit ist/ nach Leipzig Sachen zu über- macheil/ oder wo nichts den Brief allein an jemand Ihrer Freunde in Leipzig/ doch allezeit/ wen Sie in eigenen Angelegenheiten zu schreiben haben/ und in dem leztern Falle behalten Sie den Katalogum zurük/ welcher zu seiner Zeit kan besorget werden. Der Brief kan ohne Umschlag zusammengeschlagen und geilgelt werde» : Noris. Doclem cn l'ki'oloßie, et ?iotesseur en I^nu^ucis Oiieut-ilcs ä Halle. Eines von meineir spanischen Schlössern ist Zürich- Der Geist ist willig/ aber daS Fleisch schwach; unrerdessen sind noch entferntere Sachen geschehen. Durch Herrn Usteri werden Sie mich izo auf allen beiden Seiten kennen; den ich bin / wie mich mein Vater gemachet hat/ ohne alle Verstellung/ einen einzigen Punkt ausgenommen/ welcher weniger kostet - als man glaubet. Den 9 December bin ich geboren/ und wen Sie fröhlich sind/ gedenlen Sie an mich. Ich ersterbe zc. A n L. Uster i. lNach Zürich.) Rom/ den 14 Nov. 1761. Aus der Fälle meiner Seelen freue ich mich über ihre glükliche Rükkunft/ und wen ich an einem an- dörn Orte als in Rom wäre/ würde ich Sie mehr noch beneiden. Wen ich irgend etwas zu Ihrem Unterricht beitragen können / so überwie.zt der gute Name und die Achtung / in welche Sie mich in Ihrer Briefe. Stadt lind unter so würdigen Menschen fezen, alle Vergeltung. Ich muß bekennen/ Ihr Schreiben hat meiner Eigenliebe sehr geschmeichelt / obngeachier ich nicht alles' nach einem strengen Wortverstand nehmen will. Sie bilden steh izo Versprechungen ein, an die nicht gedacht ist: ich nehme die versprochene Über- sezung mit Dank an gegen etwas , was unser Land zeuget und Ihnen angenehm sein köiite. Von der Ausgabe meines Werks bin ich von neuem nicht mehr Herr, den ich habe wiederum an Walthern nach Dresden geschrieben / und muß also Hessen Antwort erwarten; dieser hat sich zu einem Zecchino für den Bogen, Dyck aber in Leipzig zu einem Louisdor erboten; wen ich eS aber in Sachsen druken lasse, muß Walthervorgehen. Ich werde sehen, was er schreibet. Ich suche es mir vom Halse zu schaffen, weil ich nicht eher an etwas anderes mit gänzlicher Aufmerksamkeit denken kan. Der ZluS- druk Herrn GeßnerS schien mir völlige Freiheit zu geben, den Druk desselben in Sachsen zu besorgen, und ich finde izo die Erklärung, wie ich dieselbe anfänglich verstand. Sollte aber Walther die geringste Schwierigkeit machen, so bleibe ich in der Nähe unter Freunden. Wegen der ine n g si sche n Schrift ist kein Mißverstand weiter; unterdessen liegt mir izo mehr daran als dem Verfasser, welcher izo andere Dinge zu denken bat. ES scheinet derselbe sehr zufrieden zu sein; ich wünsch-, daß er eS in einem solchen Lande bleiben könne. Tanne ei aus Neapel gibt mir alle gute Hofnung. ES ist demselben aber noch kein Brief von vier, seit seiner Abreise > eingehändiget worden, obngcachtet dieselben alle von dem hiesigen Minister besorget worden. Hieraus urtheilen Sie, wie schwer es fe n werd. , ihm gedrnkte Sachen ge- Winckelman. 10. 2Z 630 Freundschaftliche schwinde zu übermachen; mit anderen Sachen kau ich etwas zu Wasser abfchikesi. Von Ihrer vorgeschlagenen Reise nach Piacenza hält mich mehr als eine Ursache zurük; die wichtigste aber ist die begreiflichste. Vielleicht gibt der Himmel bessere Zeiten. Paciaudi ist noch in Neapel/ und wird nach Paris gehen/ um sich vollends französisch zu machen. Anstatt dieser Neise wäre ich gesonnen/ den künftigen Sommer nach Urbino/ dem Vaterlande des RaphaelS, zu gehen/ wo ich mit wenig Kosten leben, und eine große Bibliothek im daßgen Hause allein gebrauchen kaii. WaS meine künftige Bestellung b-trift/ so ist dieselbe gewiß/ und des Prinzen auSdrükliche Worte/ die er mir wissen lassen/ sind: „Ich werde suchen/ daß Win- „ ckelman mit Vergnügen an meinem Hof stehe." Unterdessen sehe ich ein/ daß eS Zeit gebrauche/ ehe man überflüssige Leute mit Kosten kommen läßt; wir sehen auch noch dem Krieg kein Ende/ und eS ahnet mir/ ich werde in Nom mein Leben kümmerlich/ aber zufrieden beschließen. Man arbeitet für mich an einer Stelle in der Vaticana/ welche monatlich Scudi beträgt; eS ist aber weiter nichts als die Hofnung. Das dem Abbe Varthelemy bestimte Kupfer können Sie behalten; ich werde es ihm von hier aus und vielleicht durch den Pater Paciaudi schiken. Wie viel Proportionen in Kupfer von A u- dran sind/ entsinne ich mich nicht eigentlich/ wenigstens zehen. Hier sind dieselben sehr selten. Von dem Herrn von" " * mache ich mir vielleicht einen falschen Begrif aus dessen langen Aufenthalte in Florenz/ und aus der Unhöflichke-t/ sich nicht zu entschuldigen über dasjenige, was ihm übcr- i) LEin siedelt Briefe. geben worden. Die Sachsen sind mehr als andere Deutsche Affen der Franzosen und werden eS bleiben in alle Ewigkeit. Jene verstehe» nur die Kindereien von Höflichkeiten/ nicht aber das Wesentliche/ welches der Italiener besser weiß. Ich habe einen Prinzen kennen lernen; durch denselben ist mir alle Gall. über unser verdorbenes Geblüt von neuem rege worden. ES wird daher sehr schwer halten/ daß ein deutscher Reisender von mir Gefälligkeiten erhalte. Pagliarini ist endlich am vergangenen Dienstag zu sieben Jahren Ealeerenstrafe verdamt worden/ welches so gut ist als der Tod/ in der tödlichen Luft am Meere. Man glaubet aber/ er werde von dem Pabst Gnade erhalten. Gott lasse keinen Menschen in der unbarmherzigen Priester Hände gerathen ! ') Meine Anmerkungen über die alte Baukunst miifien an das Licht getreten sein / wen der Buchhändler die Wahrheit saget. Ich habe von neuem beträchtliche Zusäze zu denselben gemachet/ nebst einigen Kupfern. Genießen Sie Ihre schönsten Jahre / die mir in Kummer/ Noth und Arbeit vergangen sind / wie sie ein weiser Man genießen soll/ und bleiben mir gewogen :e. t) Herr Pagliarini ist der Vuchhandler, der sich durch den Druk der l^ekanren Schrift: I »s,i die Verfolgung des i;o ausaelofchenen fund nun wieder auflodern enl Jesuitenordens und die Ungnade des römischen Stuhls zugezogen hat. Er erhielt in der Gefangenschaft von Er. katholischen Majestät die gnädige Versicherung, daß ihm kein Leid geschehen solle, welches ihm nicht crsezt würde; deßwegen auch seine Verurtheilung auf die Galeeren, nach gethanem??ur ohne Kosten ein Buch zu überschikcn: so lassen Sie eins von demselben abfordern' welche» ihm für mich schon im Mai zu Venedig gegeben worden. ES ist der Dante. So bin ich demselben weiter nicht verbunden. Lon I,ul,l,i i 5c>rcsücri !»IIa ist meine Maxime. Der Cardinal lässet Sie grüßen und freuet sich, Sie in Rom wieder zu sehen. An M u z e l -- S t o s ch. lNach Florenz,) Noi»/ den 12 Dec> 176t. ^hre künftige Neise soll bei mir ein Geheimniß bleiben/ auch vor dem Cardinal. Sie können mir also den Dante von ***-'-) abfordern und mitbringen; ich will lieber Sie/ als ihn damit beschweren. Sollte dieser auch zeitiger nach Nom komme»/ so ist es mir dennoch lieber/ daß Sie das Buch zu sich nehmen. Von den Kupfern könte ich Zbnen nur den Ty- deuS fchiken/ welcher izo von neuem gestochen wird/ und gegen Ihre Ankunft geendiget ist. Die fünf 1) sEine Reise mich der Türkei z» tl»m mit dem Engländer Hove, Man sehe den Br. an M u z c l> S t o sch, v. Tag vor Ostern »762.Z 2) lv o n Ein siedelt Z> lBr, an L. Usteri v. t4 ?Iou. t7St ». l2 Jan. 5762.1 4) lEinsied el.1 Bncfc. Helden habe ich bereits nach meinem Titelblatte einrichten lassen.l) HMe ich es aber gewußt, würde auch dieses anders gearbeitet sein. Zzo ist es zn spät/ den ich'habe die ersten zwei Hefte meiner Schrift bereits abgeschiket. Ich erwarte also Ihre Antwort über den TydeuS/ welcher mir ganz überflüssig ist. ES ist auch dieses Kupfer allein, wovon ich schrieb/ so viel ich mich erinnere. Wollten Sie noch von Hhren Steinen Abdrüke in Schwefel machen lassen: bitte ich mir von diesen beiden ein paar, und von einigen andern der schönsten einige auS; den ich will meine Abdrüke in Sigellak verkaufen/ wen sich ein Liebhaber ausser Rom findet. Hier verdirbt mir Christian sDehn^ den Handel/ oder ich ihm. Nachschr. In Rom werden Sie meine Anmerkungen über die Baukunst der Alten ab^edrukt finden^ A n L. Ufter i. lNach Zürichs Nom den 52 Jan. !76Z. Theurester Usteri! Ach kan nicht auf Ihr lezteS Schreiben/ so wenig als auf das von Herrn Geßner/ antworten; es wird aber auf künftigen Posttag geschehen. ES fehlet mir an Zeit; den ich muß einem jungen Graven -) den AntiquariuS machen. Sie würden lachen / wen Sie zugegen wärest/ und mich in meinen Mantel eingcwikclt sähe»/ unter welchem ich nur das Maul hervorziehe/ wen ich gefraget werde: den es sind noch t) lDcnkmalc Num, <05 — 2) lvon Brühl.l 536 Frenndschaftliche zween andere in dessen Gesellschaft. Unterdessen ver liere ich Zeit, und des Abends muß ich bei meinem Herrn neben das Bette sizen. Es hat sich derselbe wegen eines geringen Schnupfens vorgenommen, in ganzer vierzehen Tagen oder drei Wochen nicht aus dem Bette aufzustehen/ zumal er izo nichts verlieret. Deü zur Zeit des Theaters hat er keine Gesellschaft als die meinige. Ich habe dem sächsischen Junker/ welchem Sie den Dante übergeben/ dieses Buch schon vor einem Monate durch Herrn Sto sch e n/ welcher aus Engeland zurük ist/ abfordern lassen/ aber noch keine Antwort eryalten. Heute überschike ich deßhalb eine Vollmacht nach Florenz. Diese Aufführung wird demselben jungen Herrn keinen Nnzen in Rom machen. Bis künftig empfehle ich mich ?c, A n L. uster i. lNach Zürich.Z Nom dm Febr. Theurester Freund! ^sch bin gestern von Neapel zurükgekommen/ nach 32 Tagen meiner Abreise von Rom / und habe Ihr angenehmes Geschenk nebst dem lezten Schreiben gesunde»/ wofür ich Ihnen herzlichen Dank sage. Ich werde die Übersezungen mit großer Aufmerksamkeit lesen. Sie werden meine gültige Entschuldigung über meine unterbliebene Antwort auf Ihr voriges Schreiben statt finden lassen/ und diese wird auch Herr Geßner gültig finden. Ich werde aber nichts schuldig bleiben. Briefe. >537 Flt Neapel habe ick, nichts für Sie ausgerichtet; den Tanucci/ nm den Besuch deSGraven abzulehnen/ empfing mich ziemlich kalt, und ich konte mich nicht überwinden/ es ihm nicht merken zu lassen. Der Pater della Torre findet eS schwer/ Ihnen zu dienen, weil der Minister große Schwierigkeiten machet. Ich wundere mich/ keine Nachricht über den Ab- druk der meng fischen Schrift zu erhalten; es hatte dieselbe ja längst fertig sein müßen. Ich ivinischere nicht/ daß es uns beiden leid würde/ diesen Weg genommen zu haben. Die Leute/ mit welchen ich gereiset bin / haben mich nicht verhindert/ alle Zeit für mich allein zn genieße»/ weil es Ihnen um die Kunst gar nicht zn thun war. Ich habe also meine inehreste Zeit in Portici und in der Gegend nmher zugebracht, und es ist mir gelungen/ viel zu sehe»/ was ich nicht hoffetc, und viel zu erfahren, warauS man ein Geheimniß machet. Ich habe viele Bogen von Anmerkungen zurükgebracht, die mich in Stand sezen, eine besondere Schrift über die hcrcnlanifcheu Altertümer aufzufezen, welche bereits in meinem Kopfe entworfen ist. Viele andere Anmerkungen und Ent- dekungen veranlassen eine große Änderung in meiner Geschichte der Kunst. Die vornelnnste Entdekunae» nach Ihrer Zeit sind vier kleine Gemälde, welche die schönsten von allen sind. Sie sind mit der Mauer anderwärts, und vermuthlich in Griechenland, ausgeschnitten: den sie wurden an der Mauer angelehnet gefunden. Ich werde von denselben eine ganz umständliche Beschreibung bekant machen.') Diese allein sind eines griechischen Pinsels und eines großen MalerS würdig, t) lMan ftlie die kleiner» Schriften u. die E e- s ch i ch t c der Ku » 628 Freundschaftliche Diese Reift wird auch eine vermehrte Ausgabe meiner Anmerkungen über die Baukunst befördern/ an welche ich anfange Hand zu lege». Man suchet mich izo nach Wien zu ziehend) ich habe noch nicht Zeit gehabt/ mich nach Antwort zu erkundigen. Ich kau Ihnen aber nicht verhehle»/ daß mir die Lust vergehet/ an einem deutschen Hofe zu leben. Stosch ist mit dem englischen Minister Gran- ville nach Constantinopel gegangen/ und ich sprach Ihn vor dessen Abreise zu Neapel. Ich sage Ihnen im voraus Dank für das Buch/ welches Sie mir zugedacht haben; die andern habe ich ohne alle Kosten, aber auf der französischen Post erhalten. Wie dieses zugehet/ weiß ich nicht. Sie thun mir viel Ehre/ meine Arbeit mit jenem geschüz- ten Werke zu vergleichen; aber ich erkenne hier die Sprache der Freundschaft: den Sie haben das mei» iiige nicht gesehen/ und der erste Entwurf/ welchen Sie gelesen/ gibt keinen Bcgrif von jenem. Bis künftigen Posttag empfehle ich mich Ihnen/ und meinen andern beiden Freunden. An G e ß n e r. lNach Zürich. I Rom dew 27Febr. t^62. The u rester Freund! r Lob ist wie ein Morgenthau dem dürren Lande bei mir: des, der Beifall eines solchen Mannes muß Her; mache»/ und lässet mich um so viel mehr von dem Werke/ an welches ich alle Kräfte ge- l) l?ttß G.'selisch.istir des Cnl'ischoi'S, ohne Dic^st^errflich« Briefe. LZI wendet und alle Segel aufgespannet/ hoffen. Jzo hätte mio dergleichen Arbeit sollen aufgetragen werden. nachdem ich mich in Positur gesezet/ so würde cS besser werden; aber damals ging ich unbereitet und mit großer Furcht an dasselbe, als ein wahrer Anfänger in dieser Art. Hierzu kam die wenige Zeit/ welche mir der Cardinal ließ/ welcher mich Tag nnd Nacht um sich haben wollte. Alle großen Herren sind eine Art Tyrannen/ wen man Ihnen nicht den Kopf bieten will oder kan; und ich wurde endlich genöthiget/ mich in die Fassung zu sezeii/ in welcher ich es aushalten kan. Man hat mir von einer Recension in einem berliner Journal geschrieben; aber ich bekomme hier nichts zu sehen. Zn dem 5o»in->l i^r-tNAcr ist cin so rühmlicher Auszug/ daß derselbe in Wien Aufmerken gemachet hat/ und eS ist mir von weitem ein Antrag gemacht/ auf welchen ich meine Bedingungen gegeben habe. Mein Freund! ich schäme mich: ich bin in Ihrer Schuld; ich will aber alles abtragen. Hch habe einige Zeit hier wegen des Graven nicht viel an mich selbst denken können/ nnd da ich vor acht Tagen voll Neapel znrükgekommen bin/ habe ich eine große Menge Briefe zu beantworten gefunden/ und in der Fasten führen die Cardinäle aus Wohlstand ein eingezogener Leben/ welches auch mich die Abende verlieren machet. Haben Sie Geduld. Ich werde von neuem anfangen/ einige Stiike m das leipziger MonatSbnch (ich weiß nicht, wie eS betitelt ist) cinzuschiken, und wen man wird genug zil einem Bändcheii haben, werde ich dieselben von neuem übersehen/ verbessern und mit einer Vorrede begleiten. Unseres Nsteri Geschenk/ ein mir angenehmes Geschenk/ habe sehr wohl erhalten/ aber noch keinen Freundschaftliche Zlugenblik mit Ruhe so längst verlangte Übersezun- gcn lesen können. ') Zch bitte Sie also/ thenrestcr Freund/ dem Herrn Grauen von Vnnau daö ihm zugedachte Geschenk, mit aller Sorgfalt eingepaket zuzuschiken. Unserm edlen Küeß ly und dem theuren Usteri Gruß und Kuß. Ich ersterbe ;c. An VolkINa n. lNack Hamburg.Z Rom den 3 März t76Z. Theurester Freund! ^sch habe Ihr angenehmes Schreiben vom 22 Jän. a. e. erhalte,,/ da ich von Neapel zurükkam/ wo ich drei lochen gewesen bin. Ihr Beifall meiner Nebenarbeit/ über die Baukunst/ schmeichelt mir nicht wenig/ und ich werde/ sobald der Verleger will/ diese Schrift viel vermehrter und mit einige» Kuvfern geziert von neuem druken lassen. Es ist alles dazu fertig. Durch die Reise nach Neapel bin ich in Stand gesezet/ in meiner Geschichte der Kunst das Kapitel von der griechischen Kunst zu endigen. Man hat die schönsten Werke zu Portici nach unserer Zeit gefunden/ und sonderlich neulich vier Gemälde / deren Figuren 2 Palmen / 2 Zoll cU p->ss«-llo komano hoch/ welche alle andern weit Übertressen. ES sind aber dieselbe nicht in den unterirdischen Städten ausgesäget/ sondern waren anderwärts ausgeschnitten dahin gekommen/ nnd fanden sich an der 1) lDeS ZlNwnicus S l e i »5 ii ch e l s üben'ezunge» des Sophokles und C- uripid eS.) Briefe. Mauer angelehnet. So schäzbare Venkmale mußte ich nothwendig vorher sehen, und nunmehro kan ich erscheinen. ES sind indessen auch hier in Rom alte Gemälde von Figuren in Lebensgröße eutdeket worden/ oder/ ich will sagen, erschienen, dergleichen die Welt vorher noch nicht gesehen hat. Fünfe sind nach Enge- land gegangen, und ich habe von denselben, und zwar insgeheim, nur die Zeichnung sehen können. Das lezte, von vier Figuren, ist für 4izoo Scudi verkauft. Eins ist noch hier, nämlich der Jupiter, welcher den Ganynie des küssen will, dessen ganzes selben e i n Kuß scheinet, so wunderbar schön ist derselbe. Ich gebe von demselben in meiner Historie der Kunst umständliche Nachricht. Man weiß noch nicht, wo dieselben enrdeket sind; den der Vesizer, ein lediger Man, starb plözlich, und mit ihm das Geheimniß. Er war mein Freund: aber so weit ging die Freundschaft nicht. Herrn Strange kenne ich sehr woul; er ist ausser allem Zweifel der größte Künstler unserer und vielleicht aller Zeiten in seiner Kunst. Zch traf ihn zu Neapel -> Lapc, Hlouic an, wo er Titiane zeichnet. Herrn Dawkins>) Tod war mir sehr wohl bekant, und ich habe denselben in der Vorrede zu den Anmerkungen beklaget. Den Herrn von H" habe ich auch wohl gekant, nnd ihm die erste Bekantschaft zu feinem Studio ge' machet; nachher aber wenig mit demselben zu thun gehabt, zumal da ich ihn über ich weiß nicht was für eine elende Schrift, zu Altona gedrukt, welche eine metaphysische Gesellschaft oder dergleichen betrist, kennen lernte. Etwas so erbärmlich geschriebenes habe ich nicht leicht gelesen. Von denen mir !) Dem wirdic N'äcktti.icn Ruine» von Palmiva und Baibek schuldig sind, deren 5olgnil>?en/e -ke' komsni .inUclii, italiänisch und lateinisch in kc>rm-> imj«nii>li herausgegeben/ welches fünf Zccchinen kostet. Von seinem L->m^c> I>I»r?.c> habe ich nicht reden hören. MengS ging im Semptember von hier nach Spanien/ auf einem Schiffe von 72 Kanonen/ nebst seiner Krau, deren Schwester, seiner ältesten Tochter nud ältestem Sohne. Seine Pensio» ist 2noo spanische Dopien, das ist 7»oo römische Scudi / HauS mit allen Möbleii/ Kutsche und Pferde/ und 3000 Scudi Reisegeld. Er hat des Königs höchste Gnade/ welcher ihn malen sieht. Von seiner mir zugeschriebenen Schrift/ welche zehnmal hätte abgedrukt sein können/ habe ich aus Zürich nicht die mindeste Nachricht. Sollte ich noch Briefe. .50 Jahr leben, wollte ich nach meinem großen Werke kein ander deutsches Werk in Italien anfangen. MengS bat unterdessen wol)l gethan; den nunmehr» kan er alle Welt auslachen. Von den, vermeinten Foro des Tempels zu Pozzuolo werde ich in der zweiten Ausgabe meiner Anmerkungen reden. Es ist wahr, daß man unter dem Garten, welcher daran stoßt, eine elende sizende Statue des Serapis herausgeholet, welche auch zu Portici stehet. Aber es ist falsch, daß man angezeigte Figuren daselbst gefunden. Die Nachricht r>k a ok a male ancl kemslc ?igure etc. ist ganz und gar falsch. Die andere aber hat kein Mensch gesehen, ausser damals, da dieselbe von Portici, wo dieselbe gefunden worden, dem König nach Caserta geschikt wurde; und damals werden keine Reisende um denselben gewesen sein. Der König ließ dieses Stük sogleich wiederum verschließen und zurükschiken zu dem königlichen Bildhauer Giuseppe Canart, mit ernstlichem Befehl, dieselbe keinem Menschen ohne eigenhändigen königlichen Befehl sehen zu lassen. Wer hat dieses zu erhalten wagen wollen? Der Bildhauer ist mein guter Freund: er bat mir den Schrank gewiesen, in seinem Schlafzimmer, wo dasselbe verschlossen ist, und er betheuerte mir, daß feine Frau es nicht gesellen. Wer sich dieses rühmet, wie Einige gethan, ist ein Lügner.') An Herrn MengS werde ich mit ehestem ein Sendschreiben einschikcn, dessen vornehmster Inhalt eine Kritik über Natters Werk vom Stein schneiden sein wird. Ich habe darzu Ursache und Materie. Stosch ist mit dem englische» Minister Gran- villc nach Constantiiiopcl gegangen. Er war bei mir in Rom, und wir trafen uns »och in Neapel. l) lEin Sat>>r, der cinc Ziege -c, von Erzt.Z Freundschaftliche Seine Steine sind, nach seiner Aussage/ nicht verkaufet/ und sollen in Florenz stehen. Der Könn; von Preußen stund im Handel; und ich glaube / wen eS wahr ist, was er saget / daß sie jenem endlich möch- t-en j« Theil werden. Sein Atlas ist auch nicht verkauft. Der Vitruvius des Galiani kostet/ däucht mich/ fünf Sendn den er hat heruntergelassen von lieben Scndi/ welches anfänglich der Preis sein sollte. Der Duca di Noja>) hat seine Münzen unendlich vermehret/ nachdem er auf seiner Reise nach Engeland in allen KabinetS Münzen, die zu Groß- griechenland gehörten, theils getaufchet, theils gekauft hat. — Ich bin erstaunt über diesen auserlesenen Dorrath. Von ägyptischen und persischen geschnittenen Steinen hat niemand eine größere Anzahl/ als er. Ich könte izo eine ganz besondere Nachricht von den hereulanischen Cntdekungen geben; aber eS fehlet mir die Zeit, und ich habe nur eine Hand; da andere Schriftsteller wenigstens znm Abschreiben Hülfe haben. Dieses machet mir meine Arbeit sehr schwer. Wie oft habe ich die Geschichte der Kunst abgeschrieben/ und wie viel Stöße von den ersten Entwürfen j? Dieser gelehrte und einsichtsvolle Herr war in seinen junger» Jahren Prosessor der Mathematik zu Neapel gewesen, und wurde nachher General. Er besaß eines der schönsten und reichsten Kabiuete, und ausser den vielen Bildsäulen, geschnittenen Steinen, Schildcreien und der reichen Münzsamlung, »och eine große Menge hetruri- scher Gesäße, über welche er ein prächtiges Werk in Re> galsolio herauszugeben anfing, worüber er aber im Anfange des Druks 1769 starb. Herr Biörustähl meldet in den, ersten Theile seiner Briefe, daß er es bis Seite Z2 abgedrukt gesehen, uud daß bereits alle Ku> v-erplatten dazu gestochen gewesen. Daßdorf. Briefe. Es muß in einer berliner Monatschrist der Allfang von der Beschreibung der Villa des Cardinals/ von mir aufgefezt/ eingerükt sein. Lesen Sie dieselbe. Ich werde sie endigen. ES wird auch die Villa künftigen Sommer geendiget werden. Vor Ostern werde ich einige Zeit nach Nettuno an der See gehen. ES wird Ihnen vielleicht nicht bekant sei»/ daß mich der Kurprinz zum Aufseher seines Musei ernennet; dieses geschahe im vergangenen Julius/ da nur der Landgrav von Hesseneassel einen Antrag thun lieg / und ich nothwendig dort anfragen mußte. TiefcS aber wird allererst ein paar Jahre nach geschlossenem Friede» geschehen. Jzo ist etwas zu Wien im Werke. Allein eS thut mir wehe/ Italien zu verlassen/ da ich das Nothwendige habe; und ich habe verschiedene Reisen/ tlieilS nach Neapel/ theils nach Urbino,,'aus etliche Monate entworfen. Rom ist mir das Vaterland geworden. Im übrigen wieder auf das Qruppo osceno z» komme»/ so waren ehemals zu Dresden zwei ähnliche/ aber viel größer/ (den das zn Portiei ist nur etwa Z Palmen hoch /) und eines / welches zn Nettuno gesunden wurde/ war in dem höchsten Styl, und stellte vor >>n veccliio clie dliAi'-li-!, UN Der Cardinal Alexander Albani verkaufte dieses Grnpo an den verstorbenen König von Polen. Sie wissen/ daß Passionei/ mein großer Gönner und Freund/ gestorben ist. Seine Bibliothek/ welche anS^2v00 Michern^ bestehet/soll verkauft werden. Der Pabst bezeiget Lust darzu, und wen man deS Handels einig wird/ bleibet dieselbe/ wo sie stehet/ zum öffentlichen Gebrauche. Für mich ist dieser Fall ein großer Verlust: den ich war Herr bei diesem gelehrten Cardinal. Der meinige ist vibiia. 22* Freundschaftliche tliccarins 8. k,, ü. d. i. von der Vaticana. Mir aber kömt hieraus kein Vortheil; den ich habe keine Zeit zn verlieren, VarianteS auSzusröbern, nnd wichtige Sachen, von allgemeinem Nuzen, ich meine von alten Schriften, sind nicht vorhanden. Unterdessen habe ich izo einige freiere Hand, wen ich etwa» brauche. Sie sehen also, daß mit der Bequemlichkeit der großen Bibliothek, welche ich unter Händen habe, und mit dem freien Gebrauche so vieler andern, nicht leicht in der Welt für mich in diesem Gtüke mehr Gelegenheit sei. ES fehlet an nicht»/ als an englischen Büchern; den französische lese ich nicht. Dieses sei vor izo genug, bis auf die nächstfolgende Antwort. Ich bin, wie ich jederzeit sein werde ;c. An W i e d e w e l t. lNach Kopenhagen.) Rom, den Z März 5762. Mein theurer Freund! ^ch habe das Gliik, alle meine Freunde im Briefwechsel zu beschämen, und ich will mir diesen Vorzug in der Freundschaft auch bei Euch erhalten, und da ich nach Hamburg zu schreiben habe, will ich auch Euch einige Nachricht von meinen Umständen geben. Zm vergangenen Julius ernennete mich der Kurprinz zum Aufseher seines Musei, um einem Berufe an einem andern Hofe zuvorzukommen. Unterdessen ist die Zeit zur Erfüllung noch nicht da. Ich lebe vergnügt - und glaube, mit schwerem Herzen aus Rom zu gehen. Vor etwa l-i Tagen kam ich von Neapel Briefe« zuruk/ wo ich über drei Woche» gewesen bin. Die schönsten Sachen in Portici sind nach unserer Zeit gefunden; in Statuen : der wunderbar schöne MereuriuS/ und ein junger schlafender Satyr/ Lebensgröße. Von Köpfen in Erzte: ein vermeinter Platv/ dessen Arbeit allen Begris über- trift; ein Kopf eines PtolemänS/ mit 68 frei- hängenden und angelötheten Lokcir sc. Das Vornehmste aber sind vier alte Gemälde auf der Mauer/ mit Figuren/ über 2 römische Palmen hoch/ welche neben ihren Kasten lagen / in welchen dieselben auS Griechenland vermuthlich dahin gebracht worden. Diese übertreffen die andern so weit/ wie das Pferd den Esel. Ich habe izo die Sachen mit einer un- gemeinen Aufmerksamkeit betrachtet. Ich bin zugleich ganz allein alle 8c->v->?iovi durchreifet, von allen fünf verschütteten Städten. Künftigen Herbst werde ich von tteuem auf etliche Monate dahin gehe»/ und beim Pater della Torre, königlichem Bibliothekar/ auf dem Schlosse -» ) Gehör zu geben, und diese von ihm entworfene Reise, wen es immer möglich sein kan, zu bewerkstelligen. Ich bin nicht entfernet, mit ihm zu gehen. Den Schluß Ihres Schreibens vergebe ich Ihnen zum leztenmale. Sie erinnern sich, was ich mehr als einmal geschrieben habe, und ich habe niemals die mindeste Verbindlichkeit gegen mich erkaiit; ich bin theuer genug bezahlet. Wen unsere Freundschaft durch die Gegenwart Nahrung bekommen hätte, würden Sie erfahren haben, daß ich Freund sein kaii bis zur höchsten Verläugnung. Sollte die Reise unternommen werden, wurde ich eine vorläufige Ankündigung über dieselbe drnken lassen, auf welche ich bereits denke, als ein Denkmal unserer Freundschaft an Sie, mein Freund, gerichtet, mit dem Motto unter Ihrem Namen: Und sollte diese Reise nicht Gelegenheit dazu geben, findet sich eine andere. In Rom muß ich befürchten, alles zu verlieren, wen ich reise; aber alsden muß ich mich an Sachsen Halten. Überlegen Sie alleS, und schreiben mir Ihre wahre Meinung nnd Rath. Der nächste Brief soll z-henmal so lang sein; ich küsse Sie und ersterbe ic. t) Von englischer Familie i» Holland geboren; nachl>er General in französische» Diensten. Er hatte vor, nach Cvn, stantinovel zu reise», weiches er auch that, Nieolai. 650 Freundschaftliche A n L. U ft e r i. lNach Zürichs Nvni dc» l M.n 1762. Mein theurer/ werther Ustcri! ^sch war sckoik entschlossen/ nicht eher zn schreibe»/ bis ich die Schrift meines Freundes gedrukt gewußt! den es gehet mir küssen? nahe/ diesen Trnk fast ein ganzes Habr aufhalten zu sehen/ und zwar von einer Schrift von wenig Bogen / deren Kosten keinen Verleger in'S Hospital bringen werden. ES wird dieselbe/ so schlecht Einiger Urtheil gewesen, dennoch wegen der Neuigkeit gesuchet werden. Was mich am meisten kränket/ ist/ daß mich dieser Handel wider die Frenndschast handeln lassen; den ich habe dicserhalb meinem Freunde in Spanien auf einige Briefe nicht geantwortet/ um ihm die verlangte wahre Beschaffenheit dieses Handels nicht zu schreiben; und da ich nicht umhin koiite/ endlich zu schreiben/ so habe ich mich ganz kurz gefasset/ und mich mit der Zeit nnd mit der Unbäßlichkcit meines Herrn entschuldiget/ mit dem Versprechen/ den nächste» Post- tag ausführlicher zu schreiben, in Hosnung/ eS werde eine Nachricht von dem angefangenen Druke einlaufen. Künftige Woche muß ich ihm unumgänglich den wahren Verlauf sagen. Wie viel besser wäre eS gewesen/ mir die Schrist/ da ich dieselbe zurukforderte, wiederum zuzustellen; eS wäre dieselbe nimmermehr an das Tageslicht erschiene»/ und er und ich wären der Kritik nicht auSgesezt gewesen. MengS wird empfindlicher über mich als über Andere sei»/ daß ich nicht mit Ernst auf die Nukgabe gedrungen? ich will eS aber noch izo thun/ wen eS Zeit ist/ und ich wurde es als eine Freundschaft ansehen/ diese Briefe. Schrift nngedrukt in meinen Händen zu haben. Für die Deutschen ist Lairesse gut/ welcher Sie hun- derttausendmal gähnen macht. ES sei indessen geling hiermit; ich wiederhole noch einmal meine leztc Bitte. Den Weg wissen Sie an den Herrn Grau Firmian, welcher mir das Manuscript zuschikcn wird. Unsere und andere Freundschaften sollen dadurch nicht leiden; und ich will Ihnen die klare Wahrheit gestehen: eS ist dieses' des Verfassers' Wille/ welcher diese Schrift bei sich verschließen will/ bis er seine größere Schrift in wälscher Sprache endigen kau. Die verdrießlichen Sachen bei Seite gesezr/ berichte ich Ihnen/ daß ich endlich einmal Ibr schönes und mir höchst angenehmes Geschenk erkalten; den aber/ welcher eS zu überbringen hatte/ habe ich nicht gesehen/ und er wird vielleicht Rom nicht sehen. ES hat sich derselbe in Floren; dermaßen in Schulde» gesezet/ daß er ausweichen müßen/ und man glaubt/ er sei nach Venedig gegangen. Den armen Maler bat er zurükgclasseu / ohne ihm seine Flucht zu ent- deken. Ein Grav von Werther»/ königlich polnischer Kammerherr, welcher hier ist/ hat dieses Ihr Geschenk glüklicherweife unter dessen zurükjebliebc- nen Sachen gerettet. Ich hatte diese Ausgabe!) niemals gesehen/ wohl aber eine kleinere von Verona; diese aber ist viel prächtiger/ und soll in Ma- rocchino gebunden werden/ und Ihre Hand auf dem ersten Blatte werde ich zum Andenken darin erhalten. Ich komme in große Schuld/ die ich nimmermehr bezahlen kan/ als allein wen Sie sollten wiederum nach Rom komme»/ welches nicht geschehe» wird. Meine Geschichte der Kunst könte nunmehro unte r die Presse komme»/ wen die ersten Heft.' ange- j) cleS Dante.'! Freundschaftliche kommen wären / wovon ich noch zur Zeit nicht die mindeste Nachricht habe, ohngeacktet dieselbe vor einigen Monaten von hier abgegangen, und durch den Herrn Graven von Firmian und durch unsern Gesandten in Wien besorget worden. Dieses machet mir nicht wenig Unruhe. Ich lasse mit aller Macht an den Kupfern arbeiten, welche vielleicht an dreissig werden; unter denselben sind zwo alte Gemälde/ welche heimlich gesunden nnd heimlich von hier gegangen sind/ aus großen Blättern gestochen, und Sie werden etwas ausserordentlich Schönes sehen, aber nur die bloßen Conture; den dies hat der Zeichner nur Erlaubniß gehabt zu nehmen/ und ich habe dieselbe aus großer Freundschaft erhalten. Die Anlage zu der Schrift in wälscher Sprache: Erläuterung der schweren Pnnkte in der Mythologie und den Altertümern, hat sich geändert nnd erweitert. ES bekoiiit ein jeder Artikel sein Kupfer, und folglich wird eS ein kostbar Werk, in Absicht ans mich, werden. Da sich aber der Herr Cardinal erboten hat/ den Drnk auf seine Kosten zn besorgen: so ka>1 ich eS also niemand anders als demselben zuschreibe»/ welches auch die Dankbarkeit von mir fordert. Ich habe bereits die Hälfte davon entworfen, nud lasse an Zeichnungen arbeiten. Dieses sind meine eigenen Neuigkeiten. Sie werden wissen, daß Pagliarini sich in Neapel befindet; der König in Portugal hat ihn zum Nirter erkläret/ ihm 6»c>o Scudi s>ro vex» zahle» lassen/ und er genießet lebenslang eine Pension von Scudi. Wir haben unS in Neapel gesprochen, wo er kurz vor meiner Abreise ankam. Ich habe große Lust/ zu Ende des OctoberS dahin zunikzngeheii, j) lEs waren, wie schon erinnert ist, unächte Gemälde! eizcns gemacht, um Wineke.lman zu täuschend Briefe. und bei dem Pater della Torre ein paar Monat zu wohnen. Ich war im Begrif, Ihnen viel mehr zu schreiben/ um einmal auf Ihre Fragen zu antworten; es sind mir aber unvermutbet Briefe zu beantworten vorgefallen/ sonderlich da'ich eben Antwort erhalte/ daß meine ersten Hefte angelanget sind. Ich verspäte das übrige bis auf den nächsten Posttag. Nachschr. Endlich einmal sind meine ersten Hefte angekommen in Dresden. Gruß und Kuß an den edlen Fücßly und den theuren Geßner. An Franke. l Nach Nötheniz.Z Rom, den l Mai js»l>ioo-Ilispz- n» Lscu> i!tlen5is, 1) el. sNi6ic> Mic/i, 8^ro» 4) Der andere Band dieser Lidliotliel:»: -IIi5panD Itkrorum UMNIUN! iN3nu8cr',ptoruin, HUV8 »1-äkice compl)8il.o5 L8curial'ien8i8 evmplectilur, re- cen8ic) et ist erschienen. Von den da« selbst befindlichen griechischen Manuscripten ist auch Briefe. Hlüronitso, kcgis » Lil>liotlieca, l'omus l. M>t>!ti, >7<>». in k»I. Es enthält dieser Band eine Recension der dasigen arabischen Manuscripte; aber es ist wenig Gutes darinen. An englischen Büchern ist hier ein großer Mangel; den die reisenden Engeländer führen nur höchstens ihre Dichter mit sich. Was vor vier Jahren bekant war, sahe und las ich bei dem Herrn Graven von Firmian/ da derselbe Gesandter zu Reavel war. Dieser läßt mit einmal Kisten von 100 Cent« nern aus Engeland kommen. Von griechischen Dichtern habe ich selbst eine auserlesene Samlung zu machen angefangen; unter denselben ist ein seltner^) ^Sophokles, Paris, sp. 'l 'urneliiim, t^i>is kctzlis, »553. in 6. ein Band unter folgendem Titel herausgekommen: Negis: 1769 s»!, Diese drei Bände machen vor izo dieses schäz- bare Werk aus, das auf konialickie Kosten gedrukt, und eigentlich nicht verkauft, sondern nur verschenkt wird. Daüd 0 r f. t) Diese bei l'uruel»,!! gedrukte Ausgabe des Sophokles ist äusserst selten, allein nicht vom Jalire l5Z.i, wie W i nck elma n sagt, sonder» von 155^,wie ma» solche«auf deui Titelblatt? und auch am E"de des Buchs selir deutlich sehen kau. Der datslogut.' livres tle kiiklivil,>?<>»<,> >!u kvi, t. 1. ?6Z hat auch das Jahr lZZZ. Allein, daß dieses verdrukt sein >»ußr, schlicke ich sehr wahrscheinlich daraus, weil unser Eremvlar, das mit der grävlich b r ii h l i sch e n Bibliothek zu uns gekommen, die in der königlich srauzostsche» Bibliothek gewesene und in den dortigen Katalog mit einer falschen.Jahr« zabl bezeichnete Dnvlete ist, wie ich aus dem Bande urtbeüen kaii Diele >chöüe turne bische Ausgabe, der hierauf Hrnr, Stephan us in der friiiigcn meisten« theils gefolgt ist, hat die beigedruktcn Scholia des Dein e t r i i Triclinii. Unter den Buchdrukerstöken stehe» die Worte: -r Daßdorf. Freundschaftliche Ich erwarte izo eine Schrift, in 4 zu Zürich gedrillt, welche I o h a n Winckelmannen zugeschrieben ist. Der Verfasser, welcher sich nicht nennet, ist Herr An ton Raphael MengS, erster Hofmaler der Könige von Spanien und Polen, welcher mit einem Gebalt von 10,000 Scudi') nach Madrid gegangen ist. Die prächtige Bibliothek des verstorbenen Kardinals Passivnei wird der ältere Cardinal Girola- m 0 C 0 l 0 nna, Cainerlcngo, da er eine Erbschaft von mehr als anderthalb Millionen Scudi gethan hat, für wenig Geld, man saget für 32,00» Scudi, kaufen. Mein Herr ist, nach des erstem Tode, demselben in der ansehnlichen Stelle eines Lililioteesrio cloll» 8. k, N. gesolget, und ich hätte izo mehr als vorher Gelegenheit aus der Vaticana zu samlen. Man suchet mir eine Stelle bei derselben zu verschaffen, und zwar in der hebräischen Sprache, welche ich in Italien wieder hervorgesuchet habe. ES ist kein ander Mittel, mir zu helfen, als auf diese Art; den ich schlug ein Ca- nonicat aus, weil ich die Tonsur nicht nehmen will. Ich bin frei geboren und will so sterben. A il B e r q. lNach Paris, 1 Rom, den S Jun. 1762. Edler Freund! ^0 wie eine zärtliche Mutter untröstlich weinet um ein geliebtes Kind, welches ihr ein gewaltthätiger Prinz entreißet und zum gegenwärtigen Tod in'S Schlachtfeld stellet: eben so bejammere ich die Tren- t) lsben heißt es einmal: mit einen, Gehalt von S000 Scudi, und zweimal: mit einem Gekalt von 7NU0 Scudi; hier rechnet er wahrscheinlich noch die freie Wohnung, Pferde ?c, dazu-I Briefe. L>57 nung von Ihnen/ mein süßer freund/ mit Thränen/ die aus der Seele selbst fließen. Ein unbegreiflicher Zug zu Ihnen/ den nicht Gestalt und Gewächs allein erwekct/ ließ mir von dem ersten Augenblikc an/ da ich Sie sahe/ eine Svur von derjenigen Harmonie fühle»/ die über menschliche Begriffe gehet/ und von der ewigen Verbindung der Dinge angestimmet wird. In vierzig Jahren meines Lebens ist dieses der zweite Fall/^) in welchem ich mich befunden/ und es wird vermutblich der lezte sein. Mein werther Freund! eine gleich starke Neigung kau kein Mensch in der Welt gegen Sie tragen; den eine völlige Übereinstimmung der Seelen ist nur allein zwischen zween möglich: alle anderen Neigungen sind nur Absenker aus diesem edlen Stamme. Aber dieser göttliche Trieb ist den mehresten Menschen unbekant/ »nd wird daher von vielen übelverstanden gedeutet. Die Liebe in dem höchsten Grad ihrer Stärke muß sich nach allen möglichen Fähigkeiten äussern: I tliee bot.Ii as mso »nd vvom»» I'or a jierlcpt, love I^ove iv sll easüir.ities; -) lind diese ist der Grund/ worauf die unsterbliche Freundschaften der alten Welt/ eines TheseuS und Pirithous/ eines Achilles und Patroklus gebauet sind. Freundschaft ohne Liebe ist nurBekantschaft. Jene aber ist heroisch und über alles erhaben; sie erniedrigt den willigen Freund bis in den Staub und treibt ihn bis zum Tode. Alle Tugenden sind theils durch andere Neigungen geschwächet/ theils eines falschen Scheines fähig; eine solche Freundschaft/ die bis an die äusserste» Linien der Menschlichkeit gehet/ bricht mit Gewalt hervor/ und ist die höchste Tugend/ die izo unter den Menschenkinder» nnbekant j) sDer erste war seine Zreundschait mit Lamprecht,) 2) Cowley. -68 Freundschaftliche ist/ und also auch das höchste Gut, welches in dem Besize derselben besteht. Die christliche Moral lehret dieselbe nicht: aber die Heiden beteten I^sie^ an, und die größten Thaten des Altertums sind durch dieselbe vollbracht. Ein einziger Monat Ihres verlängerten Aufenthalts in Rom und mehr Muße/ mit Ihnen, mein Freund/ besonders zu sprechen/ wurden diese Freundschaft auf unbeweglichen Grund gesezet haben, und alle meine Zeit wäre Ihnen gewidwet gewesen. Dem- ohngeachtet hätte ich mich in starken und schriftlich unaussprechlichen Worten erklären müßen, wen ich nicht gemerket, daß ich Ihnen in einer ungewöhnlichen Sprache reden würde. S:e können also glauben, daß ich nicht bezahlet sein wolle; Ihre gütige Meinung aber behält, ohne dieselbe statt finden zu lassen, allein ihren Werth, und ich küsse Ihnen die Hände, wie für einen großen Schaz, welchen Sie mir hätten schenken wollen. Der Genius unserer Freundschaft wird Ihnen von ferne folgen bis Paris, und Sie dort in dem Size der thörichten Lüste verlassen; hier aber wird Ihr Bild mein Heiliger sein. Dem theuren Herrn Graven von M**/) welcher aller Menschen Achtung und Liebe erweket und verdienet, werden Sie mich bestens empfehlen. Meine Wünsche folgen demselben nach auf der großen Bahn der Ehre, die er offen sieht, einst ein großer, tugendhafter Man zu fein, von dessen Bekantschaft ich in meinem Alter mit Ruhme sprechen kan. Sie, mein Edler/ Geliebter, küsse ich mit Herz und Geist, und ersterbe:e. Lassen Sie sich, mein gnädiger Herr, des Gra« vina k-i^ion poeüe-, anbefohlen sein; lesen Sie dieselbe zehnmal bis zum Auswendiglernen. Von den Alten lesen Sie den Homcrus in der Übersezuug 1) lMünnich.Z Briefe. 559 des Pope/ den Phädrus deSPlatv/ und diesen mit großer Ruhe; es ist dieses göttliche Gespräch aber nur lateinisch und wälsch, und niemals französisch übersezet/ weil die Empfindlichkeit dieser lezten Nation nicht bis dahin reichet. Ferner des Plato Vertheidigung/ in DacierS Übersezung. Nach diesem die Leben des Plutarchs/ von Dacier übersezet. Von Neuern lesen Sie des Pove Tsss/ on Man, und suchen ihn auswendig zu lernen; ich selbst konte denselben fast auswendig. Aber warum haben Sie mir nicht Gelegenheit gegeben/ mündlich mit Ihnen zu sprechen? Wen Sie aus Paris mich mit Schreiben beehren wolle»/ lassen Sie die Briefe dem Secretär des Nuntiv/ Herrn Porta/ welcher mein Bekanter ist/ einhändigen/ damit er dieselbe mit den Briefen seines Herrn nach Nom gehen läßt; die französische Post ist gar zu theuer. Grüßen Sie meinen redlichen Freund/ Herrn Wille/ von welchem ich gestern ein Schreiben bekam; ungleichen Herrn Abt Ar- nauld/ den Verfasser des Journal Suchen Sie den Abt Herrn Varthelemy/ >1» c->- kinet ilu Roi, kennen zu lernen/ und wen keine andere Gelegenheit ist/ lassen Sie sich gefallen/ ihn von mir herzlich zu grüßen. Geben Sie ihm Nachricht von meinem izigen Werke in italiänischer Sprache. Gott erhalte Sie mit Ihrem theuren werthen Gefährten gesund. Ich umarme Sie von neuem. t) Eine Antwort des Herr» von Berg. Paris/ den 26 Sevt. Z7«2. Theuerster Freund! Wie können Sie so grausam sein/ zu glauben, daß ich 66o Freundschaftliche An V o l k m a n. iNach Hamburg.Z Castel Gandolso, den lS Jun. i?SZ. Theurester Freund! ^Lch bin mit meinem Herrn Cardinal auf ein paar Aachen auf sein Landhaus zu Castello gegangen, im Stande wäre, Sie/ theuerster Freund, zu vergessen? Ist es ia möglich/ daß Freunde sich einander vergessen könne»/ so würde ich es von Ihrer Seite zugeben. Meine Verdienste sind viel zu schwach/ um mich bei einem Manne/ wie Sie/ dessen Geist alles in der größten Voll- kommenheit suhlet/ und der sich durch sein erhabnes Denken so merklich von andern Sterblichen uurerschcidet/ i» frischem Andenken zu erhalten. Vorgestern / da ich zu»» erstenmal mein Zimmer in Paris verlassen/ und auch sogleich zu Mr. Porta gefahren war/ erhielt ich erst die wenigen Zeilen/ womit Sie mich in dem Einschlüsse eines Schreibens von Hause beehren. Glauben Sie, daß ich so lange gewartet hätte/ ohne an Sie/ theuerster Freund/ zu schreibe»/ wen ich nicht durch einen verdrieß» licke» Zufall wäre daran gehinderl worden. Gerade mit der Post hätte ich es thun können. Ich wollte aber nicht/ daß Sie mein elendes Gekrizel fo theuer bezahlte»/ und Mr. Porta/ an den Sie mich adressirt/ habe ich nicht eher/ als vor ein paar Tagen sprechen können. Was »leinen Sie/ ist das nicht himmelschreiend/ anderthalb Monat i» Paris zu sei» u»d nicht aus der Stube zu kommen? Wir hatten das llngliik, nahe bei Avignoi» mit unsrer Postchaise umzuschmeissen/ und mein Fuß/ der bei diesem unglnklichen Falle unter die Chaise zu liegen kam/ wurde dergestalt übel zugerichtet/ daß ich bis auf die jezige Stunde noch daran zu pflastern habe. Ich gehe zwar wieder a»S / indessen muß ich ihn sehr in Acht nehmen. Er ist auch noch immer diker wie der andere, und bei Veränderung des Wetters empfinde ich allemal viel Schmerzen. Sehe» Sie, theuerster Freund, das ist Briefe. 561 und hier ist mir die Veranlassung zu gegenwärtigem Schreiben eingefallen/ welche meine Gesch icbte der Kunst der alten Völker, besonders aber der Griechen betrift. Ich habe angefangen die ersten Hefte durch sichere Wege nach Dresden an den Hofbuchdändler Herrn W alt her abzuschiken. Der zunehmende Geldmangel in Sachsen aber läßt mich die Ursache meines langen Stillschweigens/ und Sie kön- nen gewiß versichert sein, dgß ich >>icht wenig verdrießlich gewesen/ diesen angenehmen Briefwechsel ans eine so ge> ranme Zeit unterbrochen zu sehen. Ich müßte alle Empfindungen von wahrer Freundschaft ausgeben/ wen ich kein Vergnügen fühlte, mit einem so würdigen Freund/ als Sie/ den ich über alles in der Welt hochfchäze, mich so Viel als immer möglich zu unterlialte». Ich bi» recht begierig, Dero an Herr» Graven von Brühl gerichtetes S en d sch r ei b e n l) zu lese». Die Schönheit Dero vortrestichen St»ls und der weite Umfang Dero gründlichen Wissenschaften verfvricht mir alles, was man sich in dieser Arr voUkvmmen vorstellen kaii. Sie wollen die besondere Gewogenheit für mich haben, und mir gleichfalls eines widmen. Diefes ist eine Ehre / die ich/ obgleich unverdienter Weife, jedoch mit dem freund- sch.iftlich gehorsamsten Danke annehme. Es wird mich aufmnntern, mich Dero Gewogenheit immer würdiger in machen. Sie Verlange»/ gütigster Freund, hierzu meinen Namen. Sie finde» ihn gänzlich uure» aiisgeschric- be», — Herrn Wille habe noch nicht sehe» können. Ich werde es aber mit dem ehesten thnn und die an ihn mir aufgetrageue Cvmmissiones auss beste auszurichten fuchen. Ich befchäftige mich bis jezo mit Erlernung fremder Sprachen, worunter das Englifche mir ganz ausserordent- lich zu gefallen anfängt. Sobald ich etwas darin zunehmen werde, will ich den I5s,->)' vn N»n von Pope auswendig lernen. Die mir angepriesenen Bucher habe ich mir alle, bis auf den PhädruS des Plato, angefchaft. Der Herr Grav v o n N! ü » n i ch empfiehlt fich Ihnen gehorfamst, und ich habe die Ehre mit der zärtlichsten Freundschaft und Hochachtung ewig zu beharren ic. l) Won den h er cula »ischen Entdekungen.) L62 Freundschaftliche befürchten/ daß nicht allein der Druk werde gehem- met werden, wie es mit der Schrift von der Baukunst gegangen/ welche an zwei Jahren in des Verlegers Händen gewesen; sondern daß ich auch für alle meine Arbeit ganzer sieben Jahre hindurch schwerlich das geringe Honorarium zu hoffen habe. Diese Betrachtungen und Besorgnisse haben mich auf die Gedanken gebracht/ einen Verleger meiner Geschichte/ an welcher mein ganzes Herz hänget/ in Hamburg zu suchen/ und ich würde die schon über- schikten Hefte von dem Buchhändler zurükforder»/ die Ubermachung aber der übrigen Hefte auf dem besten Wege besorgen. Ich trage Ihnen also/ mein Freund/ die Besorgung dieser mir höchstwichtigen Angelegenheit auf. l) Meine Bedingungen betreffen den Druk und die Bezahlung. Der Druk muß auf Schreibepapier in dem größten Formate/ welches zu haben ist / geschehen / und so wie des Canteinir 6 Geschichte^) zu Hamburg gedrukt ist. Die Größe des Formats ist nöthig wegen der Kupferleisten oder Vignetten. Was die Bezahlung betrift/ so kan ich von dem freiwilligen Gebote der Buchhändler in Sachsen/ zumal in diesen betrübten Zeiten/ nicht abgeben : dieses ist ein Louisdor für den gedrukten Bogen, und die Ersezung des Verlags für die Zeichnungen und Kupfer. Wen dieses seine Richtigkeit !) Vvlkman gab sich auch diesfalls viel Müde/ »nd weil die Auffindung eines Verlegers etwas schwer war, so machte er Nch selbst anheischig/ zu dem Stechen der Platten 150 Thaler herzugeben, weil er sehr wünschte, daS Buch unter seinen Augen gedrukt zu sehen. Diesen Plan überschikte er nach Rom; aliein der Brief war verloren gegangen, und Winckelman hatte sich unter der Zeit mit feinem ehemaligen Verleger wieder verglichen. Daß« dorf. 2) »er Größe und des Verfalls der vtvmani' lcben Macht. Hamb. !745. 4 Z Briefe. 663 hätte/ so würde sich der Verleger/ nachdem er das ganze Manuscript in Händen haben wird/ nicht weigern/ mir 20 oder 30 Zecchinen vorzuschießen / zur Bestreitung der noch rükständigen Kupfer/ welche alle niemals bekant gemachte Werke des Altertums vorstellen. AlSden müßte sich der Verleger bequemen, mir alle Bogen/ wie dieselben abgedrukt wären/ nach Nom zu übermachen/ um das Register zu verfertige»/ welches ich selbst ausarbeiten muß. Dieses wird sehr vollständig werden müßen/ und die Bogen desselben werden wie die von dein Werke selbst gerechnet. Das Werk wird über hundert Bogen stark sein, und/ wie es zwei Theile hat/ auch aus zween Bänden bestehen. Die Zuschrift ist an den Kurprinzen von Sachsen/ meinen Herrn. Die Vorrede ist um« ständlich/ und nach derselben folget ein Verzeichniß der angeführten Bücher/ und nach demselben eine Erklärung der Kupfer. Von dem Werke selbst kan ich in einem Briefe keinen Begrif geben. ES sei genug/ zu sagen/ daß ich sieben Jahre mit allen benöthigten Hülfsmitteln/ die nicht leicht jemand gehabt hat noch haben wird/ an demselben gearbeitet/ und zur Samlung der Nachrichten alle alten Scribenten von aller Art von neuem/ und etliche mehr als einmal/ gelesen habe. Ich erwarte hierüber auf das baldigste Nachricht. Dem Verleger kan ich alsdeii eine zweite Auflage meiner Anmerkungen über dieBaukunst überlassen. Ich habe dieselben seit zwei Jahren ansehnlich vermehret. Sie sind zum Druke fertig/ und werden durch einige Kupfer mehrere Zierde bekommen. Endlich ist Herrn MengS Schrift: Gedanken über die Schönheit und über den Ge-- schmak in der Malerei/ welche mir zugeeignet ist/ zu Zürich an'S Licht getreten. Der Lobredner derselben wird ein jeder denkende Leser sein. Es ist Freundschaftliche mehr in derselbe«/ als in allen andern Schriften^ welche in der Welt über die Kunst erschienen sind/ gesaget. ES wird in kurzem ein prächtiges Werk in englischer Sprache/ vermuthlich in Italien/ gedrukt werden/ welches genaue Zeichnungen des Palastes des Kaisers Dioeletianus zu Salona in Dalma» tien/ nebst den Tempeln und andern Überbleibseln zu Pola und an andern Orten in Zllyrien enthält.^) Der Verfasser ist Adam/ ein ninger und sehr reicher Engländer, welcher Baumeister/ Zeichner und Kupferstecher auf feine Kosten hält. Die Kupfer zu diesem Werke sind in seiner Wohnung in Rom gestochen. Der Bericht darzu in englischer Sprache/ welchen er mir durchzufeilen gegeben/ ist mit vielem Verstände und Geschmak entworfen. ES stehet derselbe im Begrif/ auf seine Kosten eine Reise nach Grie- Dieses ungemein prächtige Werk/ das in der Geschichte der alten Baukunst eine so wichtige Erscheinung ist, er> schien unter folgendem Titel: I^uins vt tlie palace of tliL Lmpei'01' Zt Lpalali o in Uainiatia, I>v k.. ^ k'. Zi. 8. k'. 8. ^rclntect tc> tlle an galfolio. Herr Adani war im Jahre 17Z7 mit einige» geschikten Zeichnern ausdriiklich in der Absicht nach Sva> latro gereift, um von den daselbst befindlichen Zinnien des ehemaligen Palasts des Kaisers Dioeletia» einen genauen Riß aufzunehmen, indem einige Reisende, unter andern Spon und Wheler, fehr viel Vor.tlieilhastes davon erzählt hatten. Er sand auch diese seine Erwartungen nicht nur ersiillt, sondern noch weit über, troffen. Der Kupserplatten sind 6<. Die erster» ent, halten die verschiedene» Aussichten von Spalatro, das funfre und sechste den allgemeinen Plan des Palasts, so. Wohl nach der gegenwärtigen als ehemaligen Aussicht, und die folgenden die einzelnen Theile nach architektonischen Ausmessungen. Daßdorf, Briefe. 565 cherland, durch die ganze Levante und durch Ägypten zu thun. Ich könte sein Gefährte sein, wen ich wollte. Ein anderer Engländer, welcher vor wenig Tagen in Rom angekommen, wird el»en diese Reise machen. Seine Absicht aber gehet weiter, und auf die Natur; er gedenket, astronomische, phMaiifche, botanische, gelehrte tt. Entdekungen zu machen. ES ist der Ritter Montag», ein Man von <<7 Jahren, und von großer Wissenschaft, sonderlich in morgenländischen Sprachen. Es ist derselbe in der Jugend mit seinem Vater lange in Constantinopel gewesen, „und „ der erste Europäer, (wie er sagt,) an welchem die „Einpfropfung der Blattern versucht worden." — — Er reiset mit einer Dame, die seine Verwandte sein soll. Nichts hat mich mehr an ihm befremdet, als die Fertigkeit, mit welcher er deutsch spricht. Er hat in Leipzig studiret. Vielleicht kömt mir der Wurm, mit ibm nach Ägypten zu geben. In Erwartung baldiger Antwort bin ich, wie ich sein werde, Ihr ». An Franke. lNach Nöthcniz.) Castel Gandolso, den Zü Im», 1762. Aen mir schmerzlichen Tod Ihres und meines Herrn,') welchen Sie mir in Ihrem lezten Schreiben berichten, hatte ich schon länger als einen Monat durch Herrn Bianeoni erfahren. Ich beklage Sie, mein liebster Freund! aus Grund meiner Seelen in diesem höchstbetrübten Falle, welcher Ihnen lange !) Wes Graven Buuau.l 566 Freundschaftliche gegenwärtig bleiben wird. Ich selbst verliere ein empfindliches Vergnügen/ welches ich einigermaßen im voraus zu schmeken «infing/ das mir theure/ werthe Haupt und den Urheber meines mir genügsamen GlükS/ noch in meinem Leben von Angesicht zu Angesicht zu sehen/ um alles/ was die Dankbarkeit aus- zudrüken vermag/ ihm mundlich zu wiederholen. Ich stellte mir den unerwarteten Überfall vor/ welchen ich ihm auf dem lezten Sizc seiner Ruhe hätte mache» wollen: und nunmehro verschwinden alle diese Träume/ und wer weiß/ ob ich Sie selbst noch werde umarmen können! Ich sinne auf Gelegenheit/ ein öffentliches Denkmal meiner ewigen Dankbarkeit zu hinterlassen; aber/ es wird svät werden/ und vielleicht wird meine Seele mit dessen edlen Seele vereiniget/ehe eS geschieht. Ich bin auf ein paar Wochen hierher auf eines der prächtigsten Landhäuser meines Herrn mit demselben gegangen/ in einer Gegend/ welche die Allmacht und der Quell der Erkcntniß des höchsten Schönen nicht wunderbarer hätte bilden können. Es sind Cardinäle/ Prälaren und DamenS / ja schöne TamenS hier. Des Abends wird gespielt und getanzt: die Alten sehen zu/ und ich gebe zu Bette/ um mit Aufgang der Sonne wieder aufzustehen. Wir gehen bald nach unsrer Nükreise nach Rom von neuem hierher zurük/ wenigstens ich allein zu Ende des künftigen MonatS/ und bringe alsden den ganzen August hier z«/ in einer ungestörten Ruhe. Mein Herr wünschete/ daß er mir das Paradies selbst könte genießen lassen/ und er entbehret meine Gesellschaft lieber, um mir mein einsames Vergnügen zu verschaffen. Vor einigen Monaten ist eine kleine/ aber sehr wichtige Schrift zu Zürich an das Licht getreten, t) Und dieses ist leider geschehen. Franke. Briefe. 567 welche meinem Namen zugeschrieben ist/ unter dem Titel: Gedanken über die Schönheit und über den Geschmak in der Malerei/ herausgegeben von Johan Kaspar Füeßly. Der Verfasser derselben ist unser berühmter Ritter MengS. Suchen Sie diese Schrift zu haben, um etwas zu lesen, was noch nicht gedacht, auch nicht gesaget ist. Von Engländern kenne ich besonders zwei/ welche viel von sich werden reden machen; der eine heißt Adam, ein Liebhaber der Baukunst, welcher sehr reich ist, und einen Baumeister, Kupferstecher und einige Zeichner auf seine Kosten unterhalt. Er gibt ein prächtiges Werk heraus von dem Palast des Diocleti- anus zu Salona in Dalmatien, und stehet im Ve- grif, nach Griechenland, durch die ganze Levante bis in Ägypten zu gehen. Der andere ist der Ritter Montag u, ein Man von Jahren, welcher in seiner Jugend mit seinem Vater, welcher Botschafter an der Pforte war, zu Constantinopel gewesen ist. Er ist ein großer Gelehrter in der Mathematik, Physik, und sonderlich in orientalischen Sprachen. Dieser gehet nach Ägypten und durch Arabien. Voltaire redet von demselben in den sur Iv» ^Vv^Ioi», 5III- I'Inoculnuon ctü. Glauben Sie mir, dieses ist die einzige Nation, welche weise ist. WaS für arme, elende Ritter sind insgemein unsere deutsche Reisende dagegen! Ich hatte in Neapel eine große Versuchung, mit dem englischen Gesandten, Lord Gran- ville, nach Constantinopel zu gehen. Hm übrigen ist mir die Lust, nach Griechenland zu gehen, ganz vergangen. Ich werde alt und etwas bequem, und will suchen, meine übrigen Tage in Ruhe zu genießen. Die berühmte und prächtige Bibliothek des Car- dinals Passionei hat noch keinen Käufer. Das Gerücht, daß sie der Cardinal Camerlengo, C o- Freundschaftliche lonna, kaufen würde, ist wiederum verschwundett. Wen dieselbe mit der Vatieana sollte vereiniget werde»/ ist sie so gut als vergraben. An L. U st e r i. lNach Zürich.) Rom, den 4 Jus. 17S2. Mein theurester Usteri! ^'ch bekam Ihr lezteS Schreiben zu Castel Gandol- fv/ wo ich mit meinem Cardinale war/ und es fehlte an Gelegenheit/ den Tag/ da ich hätte antworten sollen/ Briefe nach Rom zu befördern. Ich danke Ihnen herzlich für den mir mitgetheilten Auszug/ aber ich finde nicht viel darin/ was nicht Bartoli in seinen alten Malereien bekant gemachet oder dazu würdig gefunden. Dieses Werk aber hat den großen Vorzug/ daß die Kupfer die Farben zeigen sollen. t) Wir glauben, unsern Lesern einen angenehme» Dienst i» erweisen? weil mir ihnen hier von dem Werke des Gra> Ven CayluS Nachricht gebe»/ von welchem in diesem Brief die Rede ist: da dasselbe nicht nur wegen seiner Seltenheit, sonder» vielmehr wegen der ganz besondern Art, mit welcher es ausgeführt worden ist, seinesgleichen nicht hat. Gemälde, in den Ruinen römischer Paläste gesunde» »lud sowohl, da sie noch unbeschädigt waren, vonPietro Sante Vartoli gezeichnet, als nach den Originalen gemalt, machen den Gegenstand dieses Werks aus. Ein sonderbarer Zufall war es, daß diese kostbaren Zeich« »uiigcn oh»e Zweifel nach mancherlei Schiksale» und nach Nerfluß so vieler Jahre in die Hände des Mannes gerictlien, der sie besser als jemand ander zu schäzen und zum Ruien der Kunst anzuwenden wußte i der Grav Briefe. 56!) Wie CayluS oder Mariette zu denjenigen Zeichnungen gelanget/ welche stc sich riibmen ans des Cardinal Alexanders Kabinere zu haben/ kaii ich nicht begreife»/ auch der Cardinal nicht; den der Zutritt Caylus traf >>c nämlich von »ngesähr bei einem derjenigen Krämer an, die zu Paris aus offener Straße ihren Verlag von alte» Büchern, Zeichnungen und Kuvfer- stichen feil haben. Ca»lus erkaiite fogleich de» Werth diefer Paviere, erhandelte dieselben, um seine» Freunden und attderen Liebhabern der Kunst ein Geschenk damit zu machen. Er ließ dieselben sogleich in Kuvfer stechen, und zwar nach dem Sviegel, damit die Seiten im Ab- druke nicht verkehrt würden, und desto genauer nach den Originalien gemalt werden köiiten, zu welcher ylrbeit Herr Mariette einigen Frauen besondere Anleitung gab. Nachdem nicht mehr als iZlL Abdrüke von den Kuvfer- platten genomnien waren, wurde» diese wieder umiüz gemacht, und die Zeichnungen dem königlichen Kabinet von Kupferstichen mit dem Beding überlassen, daß sie den wenigen Freunden, welchen Herr Ca » lus die Abdrüke ge< fcheukt hatte, mitgetheilt würden, um darnach ihre Erem- plare malen zu lasse», worüber Herr Mariette aber- mal die Aufstcht hatte. Das Werk hat ZUM Titel: l^ecueil «1o xciului'es an» iixitve? ll>l«!o>i«?nl pour les couleurs et pour Ic li'üit «1 les Düssins co1n^!t!s faits p.ir .^ante Kar- loli. la liescripli«,! xnr Alariette et ris lcli,'?, Lueri»^ >767. gr. sol. sVollständiger, aber in de» ?)!alereien weniger schön ist die Ausgabe psr. cl»?? Atolinl et I.aui)' 179Z— >767. ßr. fol. 2 vol. avec xl-inelioz. Dieses Werk wird selbst in dieser minder' schönen Ausgabe mit ZZoo Francs bezahlt.) Es besteht aus ZZ Ku v f e rb l ä t t e rn halb und ganz Folio, und 31 Seite» Tert, theils Eittlcitung, theils Erklärung der Gemälde. Am Ende ist lgewöhnlichl ein ebenfalls bemalter laber erst 1760 erschienener^ K»vserstich in ganz Folio beigelegt, der den große» Fußbode» von m u- siv,scher Arbeit z» Palestrina vorstellt, mit der Erklärung des Herr» Barthelem«. Die Einleitung enthält Anmerkungen über die Ver- 24 * 570 Freundschaftliche zu demselben ist allezeit schwer gewesen/ und zu co« piren hat gewiß niemand die Bequemlichkeit gehabt, sonderlich keine Franzosen. Vielleicht hat man diesen Namen als ein erhebendes Licht/ in dem Bc- schiedenheit des Geschmaks oder der Manier, die in ungleichen Zeitaltern und bei verschiedenen Nationen in der Malerei geherscht, und sich vornehmlich auf drei Dinge bezicht: aus die Auswahl und Anwendung der Farben, die AuStlicilung von Licht und Schatien, »nd die Zusa»» mensezuilg und Anordnung der Figuren/ die das ganze Gemälde ausmachen. Erziehung und Gewohnheit haben auch hierin einen so starken Einfluß, daß jede Nation die Gemälde der andern verachtet, die von ihrer Manier in diesen Stuten abgehen, welche jedoch das Wesen der Malerei nicht ausmachen Cavlus hält dafür, daß eben ein solches von Gewohnheit verrührendes Vorurtheil daran Schuld sei, daß die Neuern, die den Alten in Absicht aus Zeichnung ohne Widerrede den Vorzug einräumen, sich in erwähnten Stüken weit über sie erhaben glaube». Würde man einmal über dieses Vorurtheil weggehen, so würde auch die Frage ausliören, ob die Malerei von den Alten zu eben dem Grad der Vollkommenheit gebracht worden sei, zu welchem sich die Bildhauerei bei ihnen erhoben; eine Frage, die Canlns, als einer der geübtesten Kenner der alten und neuen Kunstwerke, keinen Anstand »iiiit, mit ja zu beantworten. Da er überdies auch der Malerei al Fresco den Vorzug Vor den Gemälde» in ülsarben beilegt: so dient es der Kunst der Alten keineswegs zum Nachtheil, daß sie diese leztere Art nicht gckaiil haben. Allein er glaubt dabei, daß die izo noch aus dem Altertume vorhandenen Gemälde al Fresco bei weitem nickt hinlänglich seien, ein zuverläßiges Urtheil zu satten und den Vorzug der Neuern vor denselben darzuthun, weil dieselben alle nur römische s?Z Arbeiten sind, die den Glanz, zu welchem sich die Kuiist bei den Griechen erhoben harte, lange nicht erreichen. Demnach, weil eben diese Gemälde, die man nach und n>,ch in Rom entdekt ! hat, gar nicht als Arbeiten der besten römischen Künstler können angesehen werden, indem sie alte aus Mauer ge- Bncfe. richte zu den Kupfern, auf guten Glauben der Leser angebracht. Wir bcsizeu unter anderm einen Band von schönen Deken alter Gebäude/ welche Bartoli gezeichnet und mit den wahren Farben auf das Flcis- malt und in Vorzimmern / Begräbnissen und andern solchen Stellen gesunden worden/ wohin ein großer Künstler sich kauiss^wnrde bequemt habe»/ seine Kunst anzuwenden: so mögen sie höchstens von mittelmäßigen Talenten zeugen. Dessen ungeachtet findet Canlus auch in de» vorhandenen römischen Gemälden Vorzüge und Verdienste/ die sie in mancher Absicht den Gemälden aus den beste» Zeiten nahe sezen. Er glaubt nämlich, daß wir in den noch vorhandene» römischen Gemälden zwar eben dieselbe Anordnung der Figuren/ und die gleiche Abtheilung der Farben überhauvt/ nicht aber eben dieselbe Leichtigkeit in Führung des Pinsels/ nicht die Vollkommenheit des Umrisses/ und daher auch >ucbt eben den Grad des Ausdruks der Leidenschaften antreffe»/ wie bei den Grieche»/ die der Römer ihre Lehrer waren. Es läßt sich dennoch aus andern Eigenschaste»/ aus den wohlgewählten Stellungen/ aus ihrer leichle» und angenehmen Touche/ aus ihren einsachen und lieblichen Farbe»/ vornehmlich aber aus dem darin herschenden natürlichen und naiven Tone gar wohl erkläre»/ wie diese Gemälde bei ei»cr so reizbaren und gesühlreichen Nation die lebhafte Wirkung haben hervorbringen müßen. Es ist deßwegen auch nicht zu verwundern/ daß die größten neuern Künstler die Entdckung alter Gemälde für einen Schaz angesehen/ aus welchem sie zu schövfen Gelegenheit nahmen. Caulns gibt uns hier die Geschichte dieser Entdckunge»/ woraus wir lerne»/ wen, wir dieselben u»d besonders die Zeichnungen zu danken habe»/ welche allein noch übrig sind, da die Originale durch inaucherlei Zufälle und aus Mangel genügsamer Sorgsalt meistens ganz zerstört worden/ oder verblichen sind. lSie sind nun größtentheils wieder ausgedekt.1 Zu R a- phaels Zeit endekte mg» in den Ruinen eines PalastS des Titns eine Reihe von Zimmern/ deren Deke» und Wände bemalt gewesen; ganze Srüke davon waren noch unversehrt/ und die Farben hatten ihren vollen Glanz be- 572 Freundschaftliche sigffe ausgeführet hat. ES ist zu bedauern/ daß wir keine Buchhändler hier haben/ die etwas unternehmen wollen und können; was könte man nicht vor Sachen bckant machen! Mein großes Werk in ita- halten, meistens solche, die ma» Groteske» nent. Nach diesen stndirte Raxhael, und ließ seine Schüler darnach zeichnen. In der Samluilg des Herrn Mariet- te fanden sich einige dieser Zeichnungen von Giov. da Udine, die mit dem größten Fleisse gemacht nicht nur die Umrisse, sondern auch die Ausrheilung der Farben darstellten. In diesem Geschmak malte Ravhaeldie berühmten Galerien im Vatican, die unter dem Namen Loggie del Vaticano bekant sind, so daß mau sich fast nicht enthalten kaii, zu vermuthe», Raphael selbst habe nach diesen Original»» seine Zeichnungen studirt, lMan sehe G. d. K. 7 B. Z K. 4§. Note^ I» deni Eseurial sollen sich mehrere ähnliche Zeichnungen befinden, wovon der Cardinal Massimi Co- xeien mit sich nach Rom gebracht/ wo er seine Samlung niir eben dergleichen Zeichnungen »ach alte» Gemälden, die daselbst gefunden worden, vermehrt hat. Caylus weiß von dieser Samlung »ur so viel, daß sie »ach England gekommen sei, aber nach dem Tode des Doctors Mead ist ihr Besizer unbckant. Eine gleiche Samlung machie um eben die Zeit der Commendator del Pozzo, und diese ist in das Kabinet des Pabsts Clemens Xl. gekoninien. Alle diese Zeichnungen waren von der Hand des Pietro Sante Vartoli, der auch der erste ist, welcher alte Gemälde i» Kuvser gebracht hat, da A»n» ^67i a» der fl a m i n i sch e n Straße die Grabstätte der Familie Na so gefunden worden, die inwendig gemalt war, und der Cardinal Massimi ihm aufgetragen hatte, diese Gemälde, die höchstens aus den Zeiten der Anto- »i»e si»d, z» zeichne», ehe sie das Sclliksal anderer betreffe, die durch de» Zugang der frischen Luft ver> dorben worde»u Anno 1680 wurden sie mit einen» Text von Vellori edirt; und nach dessen Tode kam dgs gleiche Werk mit ander» Blättern vermehrt, die La Chauffe erklärte, 1706 heraus. Cavlus tadelt ai» diese» Zeichnungen, daß sie «u viel vo» der eigene» Ma« Briefe. 573 li,Wischer Sprache bin ich genöthiget auf meine Kosten zu besorgen. Ich schrieb an den Herrn Geßner etwa vor acht Tagen/ und trug demselben den Druk meiner G eschi ch- »ier der Zeichner habe», bei welcher man die Leichtigkeit der Originale zu sehr vermisse. Im Jahre 1740 gab der gelehrte Engländer Turn, bull zum Beschluß seiner Abhandlung Von der Male« rei der Alten eine Samlung von alten Gemälden i» Kuvser heraus, die aus der oben erwähnten Samlung des Cardinals Massimi, hernach DoctorS Mead, und nach ander» Zeichnungen auS der Samlung des Cardinals Albani und des sarne si sch e n Hauses genommen waren. Allein er fand selbst, daß diese Art Kuvser, die nur den Umriß, und vermittelst der Schrasur Licht, Schatten nnd Persvectiv anzeigen, einen sehr unvollkom- mcnen Begrif von Gemälden geben können, deßwegen er einigen Blättern noch andere beifügte, die nichts als den Umriß darstellten, aber vermittelst Ziffern und einem beigelegten Texte die Farben anzeigten, die an jedem Ort aufgetragen waren. Wie unzulänglich gleichwohl dieses Hülfsmittel fei, läßt sich auS der Unähnlichkeit abueh- men, die man an so Vielen Blättern gewahr wird, die »ach dergleichen Anzeige, aber von unnleichen Händen ausgemalt fein mögen. Herr Canlus nahm sich deßwegen vor, etwas Bollkommenes zu liefern. Er ließ, wie Turnbull, nur die Umrisse stechen, aber auf diefe mußten die mit Gummi angemachten Farben mit dem Pinsel auf das Sorgfältigste »ach de» vor Auge» liegenden Zeichnungen aufgetragen werden: eine Art, alte Gemälde zu ediren, die so vollkommen ist, als man sie nur immer erwarten kaii, aber zu kostbar, als daß sie viele Liebhaber hätte finde» könne», deßwegen cr sich auch auf eine so kleine Anzahl Abdriike eingeschränkt hat. Dieses ist der Inhalt der Einleitung, die zwölf Seiten einnimt. Dan folger auf IS Seiten die Erklärung der tinzelnen Blätter, nebst der Anzeige, wo iedes Stiik gesunden worden, nach dem Bericht, der auf den Zeichnungen selbst stand. Da diese Erklärung ohne die Vorstellungen selbst we- 67-i Freundschaftliche te der Kunst an, weil gar kein Anschein übrig war/ zu der verlangten Beihülfe meines Verlegers in Dresden; es hat derselbe aber, wider alles mein Vermuthen, dieselbe möglich zu machen gesuchet/ und nig Lehrreiches enthält, so wird es fchiklicher sein, Überhaupt von dem Inhalt und der Beschaffenheit de» Blätter Nachricht zu geben- I. VII VIII. und XXXIII enthalten Grundrisse und Durchschnitte der Gebäude, in welchen diese Gemälde ge» funden worden. IX. XVIII. XXI. XXII. und XXIII, lezteres in ganz Folio, erstere in halb Folio, enthalten ganze Deken von Zimmern mit durcheinander gestochenen Zieraten, die man Grotesken »eilt. XIX in gleichem Geschmak ein Stük von einer bemalten Wand. XVIII. ist, wiewohl nicht sogrost, von Bellori edirt. ((-ronov. tlies. antic^. t. >?.. p. g. l!g. 61) XVII. und XX. stnd Wände von Columbarien; die ei? »e mit Aschenurnen, die andere mit einen« Marmorsarg, beide mit grotesken Berzierungen. (Oronov. I. c. x. 14. I!g >?.) XXVIII und XXX. enthalten Stuke eines Frieses von Laubwerk mit Figuren. XXX. XXXI. und xxxn sind musivische Arbeiten; lezteres nur von weissen und schwarzen Steinen. Die übrigen Blätter stelle» theils einzelne Figuren, theils ganze Gruven vor -, in einigen stnd die Figuren nakt, ix andern bekleidet; viele davon sind aus kleinen dunkelfarbigen Feldern in den Deken oder Plafonds, und sind deßwegen auf besondere Blätter gemalt, so daß die Figur ungefähr die Höhe von 4 bis 5 Zoll halt. Die reichsten Comvositionen sind XXIV. und XXV. Erstere stellt einen schönen, »akren Jüngling mit seiner Gefährtin vor, die am Meere auf einem Felfen sizen, von da sie Kindern zusehen, wovon einige im Wasser schwimmen, andere in Schissen hin und her sahren, uud sich mit dem Fischfang oder mit musikalischen Instrumenten belustigen. Man kan sich Bakchus und Ariadne auf Navos dabei denken. XXV. stellt die Geburt der Venus vor, wie sie von jeder Gratis geziert auS Briefe. 575 ich bleibe also in dessen Händen, Dieses, bitte ich, unserm Freunde unverzüglich wissen zu lassen. Ich erinnere mich sehr wohl/ daß ich Ihnen eine Antwort auf sehr viele und nicht leicht zu beantwortende Fragen schuldig bin; und ich bitte noch um ein wenig Geduld; den ich weiß mich nicht vor Arbeit zu retten. Ich schäme und ärgere mich/ daß ich eine mir rühmliche Gelegenheit versäumet/ in unseres Freunde» Schriften einen stolzen Plaz zu bekommen : >) so gehet es/ wen man Sachen aufschiebt; es ist wie mit der Buße/ wie die lutherischen Prädi- cantcn lehren. Mein enges Gehirn ist vornehmlich den Fluche» hervorkömt. Um sie her schweben kleine Liebessörter, und eine Menge Kinder am Gestade vreiftn ihre Ankunft mit Gesang und musikalischen Jnstrumen- ten, und sammeln Blumen, die sie auf den Weg streuen. Den Beschluß des ganzen Werks macht der berühmte Fußboden zu Palestrina von niusivi scher Arbeit. Da man schon verschiedene Abbildungen davon in Ku< Vser hatte, aber mit vielen Fehlern: so ließ Cavlus durch einen italiänischen Künstler die allcrgenaueste Zeichnung aus folgende Weise nehmen. Der Zeichner bedekt« den Boden selbst mir gcsirnißtem, durchsiliitigem Parier, auf welchem er das Original Zug ,'ür Zug nachzeichnete. Diese Zeichnung, die hiemit die völlige Größe des Originals hatte, und demselben in allen Theile» ähnlich sei» mußte, wurde »ach Paris gesandt, in s Kleine gebracht, und zu Palestriua vo» neuem mit dem Original genau verglichen und nach demselbe» genialt; so daß man in dem Umriß und an den Farben die größte Ähnlichkeit hat, die irgend eine Covie haben kau. Zu dieser ?ase> hat Herr Barthelemy eine gelehrte, ausfiibrliche Er- klärnng geliefert. Man sehe die G- d. K. tÄ. 7 — 8 §.) Usteri. 1) Winckclm a ii war von Geßner ersucht worden, ihm seine Gedanken über den Gebrauch der lateinischen Letter in deutsche» Schriften, anstatt der alten gothische», in einem Schreiben mitzutheilen, welches Geßner seine» Wirken vorzuftzen in» Sinne gehabt. Usteri. 676 Frc»lldschaftliche daran Schuld/ welches nicht zwei wichtige Dinge auf > einmal fassen kan/ und ich erkenne und fühle an inir die Wahrheit dessen, was Plato saget/ „daß der „ Mensch nur einen Kopf habe."!) Ich habe sehr viel Zeit mit einigen Fremden verloren/ denen ich mich zu entzieken gesucht hatte/ weil sich nicht eine Passion mit eingemischet hätte/ die mich hernach freiwillig laufen machte. 2) ES ist aber der Schluß gemachet/ niemanden ausser meinem Zimmer zu unterrichten. ES sind hier zwei Engländer/ welche im Begrif stehen/ große Reifen zn unternehmen: einer heißt Adam/ ein gemeiner Squire/ welcher einen erfahrnen Baumeister/ einen gefchiklen Kupferstecher und ein paar Zeichner auf seine Kosten unterhält/ und mit ihnen nach Griechenland gehet. ES gibt derselbe in viel prächtigen Blättern den Palast des Diocle- tianus zu Salona herauS/ und dessen Bericht dazu im Englischen/ welchen er mir im Manuscript mitgetheilet hat/ ist geschrieben/ wie ich hätte zu schreiben gesuchet. Der andere ist,der Ritter Montag»/ Mitglied vom Parlamente und der englischen Gesellschaft/ ein Man von ^>7 Jahren, welcher in der Jugend einige Jahre mit seinem Vater in Constan- tinopel gewesen. Voltaire redet von diesem/ als dem Sohne/ in dem Schreiben von der Ein- Pfröpfling der Blattern. ES besizet derselbe eine weitläuftige Wissenschaft, auch in nioraenländi- schen Sprachen/ und gehet nach Ägypten und Arabien/ wo er sich/ sonderlich am rothen Meere/ ein ganzes Jahr aufzuhalten und Untersuchungen von lVermutlilich lmtte Winckelman hier Plaros T>« niaus im Sinne. Ma» sehe daselbst x. io56. l Ilorat. exist. I. 2.) Briefe. -5? 7 allerlei Art zu machen gedenket. Mit diesem habe ich eine genaue Bekaiitschaft gemachet. Es haben sich einige Entdekungen aufgcthan; es fehlet mir aber die Zeit/ davon zu reden. Ich schließe mit der Ankündigung eines Besuchs/ welchen ich künftigen Sommer zu machen gedenke. Hch hoffe mein Wort zu halten. Ich ersterbe?c. An Franke. tNach Nötheniz.1 Rom, dcn 2S Sevt. t7«I2. ^ch babe ein besorgliches Fieber gehabt, von welchem ich nur izo mich wieder zu erholen anfange; aber ich bin noch sebr schwach. In dieser meiner Krankheit, welche sich bereits auf dem Lande zu melden anfing, habe ich sonderlich die Liebe meines Herrn gegen mich erfahren.' den es ist kein Tag vorbeigegangen, daß er mich nicht zweimal besuchet. Die passiv n cische Bibliothek hat noch kein be- stiiiiteS Schiksal. Man saget/ der General des Ordens der Augustiner wolle dieselbe kaufen, welches mir sehr licb wäre; den ich kenne dieselbe besser, als irqend ieinand, und es würde ein Verlust für mich sein / wen dieselbe ausser Rom ginge. An Ufter i. lNach Zürich, Z Rom/ den 26 Oct. i762. Ach bin an einem bösartigen Fieber gefährlich krank gewesen, und ich fing bereits an zu kränkeln in Ca- Wittckelinaii. lc>. 26 57!? Freundschaftliche stello, welches' mein langes Stillschweigen entschuldigen wird. Ich habe mich kaum wieder eryolet, inid der Herr Cardinal, der wie ein Vater handelt, und manche Viertelstunde bei meinem Bette gesessen, futtert mich izo wieder auf an seiner Tafel. Ich begnüge mich in diesem Schreiben, Zeichen meines Lebens und Wohlbefindens zu geben, und kan nicht auf alles, wie ich sollte, antworten. ES fiel mir zu Castello ein, etwas von den her- eulanischen Entdekungen anszusczen, und ich fertigte die Bogen, so wie sie voll waren, nach und nach in Briefen nach Dresden ab , und ich glaube dieser Aufsaz werde bereits im Druk erschienen sein, und über ein halbes Alphabet ausmachen. Ich habe es in Form eines Sendschreibens an den Grav Vrühl, welcher in Nom war, gerichtet, und mit drei Kupfern auSgezieret, unter welchen das Brustbild des DemostheneS zu Portici am Ende der Schrift ge« sezet sein wird. Meng 6 zeichnete mir dasselbe verstohlen, da er die Bequemlichkeit dazu fand.') Ich samle izo zu einer neuen Ausgabe dieser Schrift, deren baldigen Abgang ich mir verspreche. Meine A »- inerkungen über die Baukunst habe ich nochmal so stark vermehret, und izo gefällt mir dieses Werk- chen fast vor allem, was ich gemacht habe. Ich werde verschiedene Kupfer von unbekanten schönen Stüken der Baukunst dazu stechen lassen. Au meinem italiänischen Werke habe ich bereits 10 Platten fertig. MengS kan es in Spanien nicht ausstehen; seine Briefe enthalten nichts als Klagen, und ich hoffe ihn binnen Jahresfrist wiederum in Nom zu sehen: Gott gebe, in Umständen, wie ich es wünsche. Sein großer Plafond, woran er izo arbeitet, stellet ll besten bei Visconti tlcannZrnp?,. pl. Zn. n. Z.) und darnach unrer unsern Abbildungen Nuni, 16.1 Briefe. 57S die Vergötterung des Herkules vor, in mehr als sechzig Figuren über Lebensgroße: das ,Feld ist römische Palme» oder Spannen nach allen Seiten. Montag» hat bereits seinen Bart wachsen lassen, und wird ehestens nach Ägypten abgehen: seine Neise ist a»f zehen Jahre zugeschnitten. Diesen Monat weihet der Ci'.rdina! seine Villa, und im künftigen Carneval werden wir daselbst zusammen leben. Nach Neapel kau ich nicht eher als künftigen Mär; gehen. Ich wiinschete herzlich das mir bestimte Paket z» haben: ich könte eS von Mailand ohne alle Kosten bekomme», wen der Herr GrapFirmian es dem mailändischen Conrier wollte geben lassen; aber ich habe nicht das Herz, es von ihm zu fordern. Ich habe noch um nichcS gebeten, und wollte nicht gerne mit dem Pakete anfangcn; wen eS ein Anderer für mich thäte, würde er eS mir eben so großer Bereitwilligkeit tl>un, als von mir selbst ersucht. Mein Exemplar von der mengsischen Schrift habe ich nach Madrid geschiket, da ich sie kaum flüchtig gelesen hatte. MengS glaubet, eS sei leicht, ihm einige Exemplare durch Buchhändler zu Genf oder Lausanne, die nach Madrid Verkehr haben, zu über- machen. Er wundert sich, daß Herr Füeßly ihm nicht geschrieben. Sagen Sie eS diesem werthen Freunde: MengS achtet keinen Ducaten für einen Brief, woran ihm gelegen ist. Den theuren Geßner küsse ich von Herzen, in wahrer Liebe und Freundschaft; dem edlen Füeßly sagen Sie eben dieses. Ich bin/ wie ich sein werde ?e. Freundschaftliche A n B e r g. rNach Paris, z Rom, den Z Nov. t762. ^Vch habe Ihr Schreiben auf dem vorgeschlagenen Wege mit großer Freude erhalten, da ich schon anfing zu zweifeln/ weil die Bekantschaften / welche Fremde in Rom machen/ nur ihre überflüssige Neugier zum Grunde haben/ die nachher entfernt in Vergessenheit gerathen/ wie die Entfernung an allen und jeden Engeländern zeiget. Ich gedachte von Ihnen nicht viel besser/ (ich muß es Ihnen frei gestehen/ und ich kan mich nicht enthalten/ einen kleinen Unwillen auszuschütten/ ) da Sie aus Rom/ welches Sie kaum halb und in der Flucht gesehen/ wie unter andern das Campidoglio beweiset/ nach Monatsfrist eileten/ um noch in Florenz an sechs ganzer Wochen zuzubringen , nachdem Sie bereits vorher zwei ganze Monate daselbst verloren. Ich habe mich äusserst gekränket/ daß ich nicht einmal einen einzigen Tag gewinnen können/ um Ihnen besondern Unterricht zu gebe»/ wie ich mir doch beständig auSgebeten hatte; deil in einer Menge/ wo alle einen andern Weg gehen/ sind gewisse Dinge verschwendet und weggeworfen. Ich hätte Ahnen einen ganzen Monat vom Morgen bis auf den Abend geben wollen; allein Rom gefiel nicht mehr/ und alle Gedanken waren schon in Florenz. Ich hatte Ihnen ein Sendschreiben vom nüzlichen Reisen in Italien zugedacht/ welches ich zu Castello anfing zu entwerfen: dieses aber kan mit gutem Gewissen nicht mehr geschehen/ und man muß/ um Wort zu halte»/ auf eine andere Materie gedenken. Briefe. Theurester Freund! die wahre Liebe zu Ihnen läßt mich dieses schreiben: den ohne dieselbe könte cS mir gleichgültig sein/ wo und wie Sie Ihre Zeit am angenehmsten zu vertreiben vermeinen. Es liegt mir nichts in der Welt an dem/ was der Herr v.* oder der " macht: aber Sie/ mein Freund/ kan ich nicht aus den Gedanken lassen. Diese Bekümmerniß ist um so viel reiner/ da ich nicht das Klük haben werde/ Sie in meinem Leben wieder zu sehen. ES nüzet zwar Ihnen nichts / wie bekümmert ich auch sein mag; aber unangenehm kan es Ihnen nicht sein / daß ein Mensch/ der viel denken kan/ beständig an Sie wie ein Vater an seinen Sohn denket. Ich kan Ihnen weiter nicht dienen/ aber wen ich das Leben erhalte/ will ich Ihren Neveux/ wen sie hie- her kommen/ zeige«/ wie lieb ich Sie habe/ und jene sollen mir empfohlen sein. Aber unterrichten Sie dieselben durch Ihren Schaden und Versäumniß: schreiben Sie ihnen unter andern vor / höchstens nur 8 Tage in Florenz/ aber zween Monate und mehr in Rom zu sein. Ich hatte meinem Buchhändler auSdrüklich befohlen, Ihnen ein Exemplar des Sendschreibens nach Paris zu schiken / wen er an den Herrn Gravc^ von Vrühl dahin die gehörigen Stüke abgehen ließe. ES ist aber dieser vermuthlich schon in Deutschland zurük angelanget/ und die Exemplare für ihn gehen also nach Polen. Die Schrift wird über ein halb Alphabet stark sein/ und ist mit drei Kupfern gezieret. Lassen Sie steh von Zürich aus der Schweiz Herrn Mengs Schrift von der Schönheit kommen. Ihre Schwefel sind zu Anfang des Septembers Ihrem Wechsler übergeben. Ich lag damals an einem gefährlichen Fieber krank und habe diese Sam- lung iiicht sehen können; ich zweifele aber nicht/ es 5Z2 Freundschaftliche werde dieselbe, wie ich und Sie eö wünsche»/ ge- wedlet und ausgesucht sein. Ich wünscke Ihnen Glük zu Ihrem Studio in Sprachen! nur verlieren Sie keine Zeit in Lesung mittelmäßiger Dichter und kleiner nichtswürdiger französischer Toiletteschriften. Gewöbnen Sie sich an das eigene Denken, nnd suchen Sie Ihre eigenen Gedanken zu entwerfen: ein einziger eigener Gedanke, welcher Ihnen neu scheinet, ist einen gan',en Tag werth. Alcdan werden Sie eine ungefüllte Wollust schmeken, die in der Zeugung im Verstände besteht. Hierdurch können Sie sich im Voraus die Einsamkeit des Landlebens schmakhaft machen. Es sei genug mit dieser Predigt. Grüßen Sie meinen theuren Freund, Herrn Wille. Ich erdreiste mich, Sie um eine Gefälligkeit zu bitten. Ich höre, es ist in Paris ein junger Hamburger, Herr Dr. Volkman, welcher leicht zu erfragen fein wird. Wen Sie denselben kenneten, ersuchte ich Sie, ihn zu bitten, mir den Ariosto mitzubringen, welcher in Paris in ä Bänden in Duodez gedrukt ist. Notabene: aber auf groß Papier; den man hat eben diese Ausgabe auch in kleinerem Papier. Ich habe verschiedentlich um dieses Buch schreiben lassen, ohne es zu erhalten. Ich will diesem Herrn das ausgelegte Geld mit Freuden erstatten. Mit dieser Gele- genbcit tönte mir auch Herr Wille ein paar Kupfer von seiner Arbeit übermachen. Suchen Sie bei dem Marquis de Croixmare z wei Pastelstüke auf Holz vom Herrn MengS zusehen: eS sind halbe Figuren in Lebensgröße; das eine stellet eine griechische Tänzerin vor; das andere einen Philosophen, den EpiktetuS,alszwo cntgegengesezte Personen. Sie werden etwas ansscrordentlich Schönes sehen. i) lcliea krallt. 17/56-) Briefe. 583 Hier sind nach Ihrer Zeit verschiedene Entdekun- gen gemacht; unter andern ein großes Gefäß von Marmor/ über römische Palme im Umkreis/ welches umher die Thaten des Herkules vorstellet, ist in unserer Villa. — Ferner ein Musaicv/ welches die Fabel der Hesione/ der Tochter deS Priamus vorstellet/ die einem Meerungeheuer auSge- sezet war und vom Herkules erlöset wurde/ welcher dieselbe seinem Freunde Telamon zur Ehe gab. Die Arbeit ist so schön und sein/ als an den Tauben des CardinalS Furietti/ und eS ist also dieses izo das schönste Musaico in der Welt; es ist in unserer Villa. 2) Andere Entdekungen will ich nicht berühren. Künftigen März gehe ich nach Neapel; weil Sie etwas dahin zu befehlen haben/ soll es richtig bestellt werden. Ich bin mit unaufhörlicher Liebe und Freundschaft;c. Nachschr. Es wird der Herr Dr. Volkman bereitwillig sein zu der verlangten Gefälligkeit/ weil ich dessen Herrn Bruder hier in Rom in seiner Krankheit mich nicht entzöge»/ und nachher einen Briefwechsel mit demselben fortgesezet. Ich verstehe den des Ariosto.^) t) sDenkmale Rum. 64 — 6S.Z 2) lEbendas. Rum. 66.^1 3) Antwort von Berg: lParis.s Theuerster Freund! Wie haben Sie niick) so undankbar und so empfindungslos glauben können, Sie, theuerster Freund, der sich durch die thätigste» Freundfchastsvroben so sehr um mich verdient gemacht, vergessen zu haben. Sie müßen mich für keinen barbarischen oder flüchtig denkenden Russen halten. Livländrr sind schon Vor langen Zeiten sür ehrliche lind aufrichtige Leute betaut, und ob wir gleich unter der Gewalt der Russen stehen, so ist diese Gewalt doch »och nicht bis auf unire Hcnen gegangen, und ohne meiner Freundschaftliche An U st e r i. lNach Zürich.Z Rom, den 27 Nov. 1762. ^as Angenehmste Ihres' angenehmen Schreibens ist mir die Nachricht von einem so theuren und seltenen Sohne Ihrer Stadt/ den ich das Vergnügen haben soll/ in Rom zu sehen/ und die Gelegenheit/ Nation einen größer» Lobsprucki »u geben, so können Sie/ liebster Freund/ von mir fest versichert sei»/ daß nichts in der Welt sahig ist/ Sie aus meinem Gedächtniß zu bringen. Jbr Andenken soll mir ewig neu bleiben/ und ich werde mich Jlires sreundschaftlicken und sür mich so »üblichen Umgangs allemal mit ganz ausnehmendem Vergnüge» erinnern. Mit wie vieler Wohllust lese ich nickt allemal Ihre Briese/ woraus ich immer/ als aus der reinsten Quelle/ Lehren schövse / wie mein Leben glüklich und zufrieden zu machen. Sie haben ganz recht / das; unser Hos für einen jeden ein schreklicker Slnblik ist. Noch kürzlich ist wieder eine fürchterliche Verschwörung wider die Person unsrer gnädigen Monarch!»/ die mit vieler Klugheit und großem Verstände ihr unruhiges Reich re- giret/ entdekt worden. Was kan man sich vor Zufriedenheit und dauerhaftes Gluk bei einem folchen Hofe versprechen/ wo allemal der Thron wanket und alle»/ die ihn mit Eiser und patriotischen Gesinnungen nnterstüzen/ der grausamste Untergang droht. Das taumelnde und gedankenlose Hosleben ist mir jederzeit zuwider gewesen/ und ka» ick meinen eigne» Neigungen folge»/ so werde ich die schlechteste Landhütte/ worin ich mein Brod olme Neider mit Zufriedenheit genieße, allemal dem prächtigsten Palaste vorziehen / wo man sich in alle» Wohllüste» wühlet/ aber bei allen, diesen scheinbare» Vergnüge» keinen Zlugenblik sicher ist/ sich von hundert Neidern/ die mich täglich umgeben und aus meinen Fall s>»»c»/ endlich gestürzt zu sehen. Wie rnhig kaii ich in meiner Hütte schlafen/ dagegen ich am Hofe und besonders in Rußland Briefe. die Sie mir dadurch geben / Ihnen meine Liebe/ und meinem edlen Freunde/ dessen Namen derselbe führet/ einiges Zeichen der Dankbarkeit zu beweisend Der Name Füeßly war hinreichend / ilm mir herz« licb willkommen zu machen: Ihr Begrif von demselben erweket auch ein Verlangen nach ihm. Ich erbiete demselben alleS/ was ich weiß und kan, und so viel immer meine eingeschränkte Zeit erlaubet. Wen demselben die Zeit meiner sestgesezten Neise beständig fürchten muß/ -ins meinem Nette gerissen und drir Henkern um'chuldigcrweise überliefert zu werden Wie viele» Großen ist es bei uns nickt schon geschehen, die für das Beste ihres Landes unermiider gearbeitet, und »ur Belohnung ihren Kopf auf dem Henkerblok verlieren müßen. Verfährt man gelinde, so schikt man solche ver- diente Leute in ein wüstes Land, wo man von aller vernünftigen Gesellsckast auf ewig entfernt ist, und sich a.is langer Weile, indem einem alle Corresvondenz, ja sogar die Lesung vernünftiger Bücher Verboten ist, lieber den Tod als das Leben wünschet. Ich halte Sie, liebster Freund, zu Viel mit der fürchterlichen Beschreibung un, seres Hofes auf. Sie können aber daraus meinen Widerwillen für das Hofleben abnehmen. Ich werde mich gewiß niemals hiezn widmen, sondern lieber ein rubiges Landleben mir ein oder ein vaar guten Freunden jederzeit demselben vorziehen, und mir die Landlust noch an- genehmer zu machen, so suche mein Möglichstes anzuweu- den, Svrachen zu erlernen, beständig gute Bücher in alle» Sprachen zu kaufen, nn> durch Leung derfelben meiner Wißbegierde ein Genüge zn leisten, und auf diese Art meine Lebenszeit auf's angenehmste zu verkürzen. Herr Volk man weiß noch nicht, waü er von hier abreiße» wird. Es ist auch »och ei» anderer Hamburger, Namens Ell erman, hier, der vor kurzem aus Svanien gekommen und schon seit vielen Jahren in fremden Ländern herumreiset. Dieser ist Willens, innerhalb drei Monaten nach Italien zn gehen und mit demselbcn will ich, theuerster Freund, Ihnen den Ariosto nbe> schiken, wofern ich ihn habhaft werden kan. Die Edition, die Sie verla». LL6 Freundschaftliche nach Neapel zu einiger Nachricht dienen kan, so tan ich als ganz gewiß angeben, daß ich den erste» Camstag in der Hasten/ nach geendigtein Carneval, abgehen werde: nicht/ nm hier die Zeit der eingebildeten Lustbarkeiten abzuwarten, sondern weil ich Vermuthe, mein Herr werde die lezten Tage des Leu, ist ab«' so rar, daß wenig Hosnung dgzu übrig bler» bet. Ich habe mir die Edition in kleinem Parier an- ge schait, die a»el> recht liübsch ist; auch sogar die>'e muß man mit vieler Mühe suche» Herrn Wille habe noch nicht zu sprechen bekomme» können. Erstlich dauerte eS sehr lange, ehe ich seine Wolmung ausfragen konte, und nachdem ich solche endlich ersnhren, bin ich unterschiede- nemale bei ilmi gewesen/ ohne ilni zu Hause anzutreffen. Des Morgens bin ich mit meinen Maitres sehr beschäftigt und dalier habe ick> nickt anders als des Nachmittags ausfahren können; glsdaii ist aber Herr Wille niemals, wie mir seine Frau das leztemal gesaget, zu Hause. Ich will also von meinen Stunden etwas abbrechen, um mit dem nächsten des Morgens zu ihm zu geben, um alsdan die an ilm ausgetragenen Commissiones auszurichten. Für die Nachrichten der neuen Entdekuuae» der Altertümer bin ich Jlmen recht verbunden, nnd Sie werde» mich >!anz unaemein vervfiichten, wen Sie in Mittheilung derselben weiterhin sortsahren wollen. Ich bin mit der reinste» Freundschaft und Hochachtung ic. Nachschr. Meine Schweselgüsse habe ich noch nicht erhalten. Wciii der Himmel, wo die hiugeratbe» st»d. Ich würde Jhneu, theuerster Freuud, wohl uneiidliche» Dank wissen, wen Sie sich dieserwegen bei den, Herrn Ranieri erkundigen wollten, durch welchen Weg Sie selbige nur übersckikt habe». Es wird mir leid sei», wen sie verloren gegangen stnd. Herr Krav von Müunich emvstehlt stch Ihnen auf'S sreundschastlichste und ergebenste. Der Herr Mrav von Werther» thut desgleichen. Er erwartet das, was Sie ihm schike» woile», mit vieleni Verlange». Er hat vor einige» Tage» den Kammerhernischlüssel von seincni Hose hier in PgrjL erhallen. Briefe. L8? CarnevalS auf seiner noch nicht eingeweiheten Villa sei» wollen. Zeh werde einen Monat in Neapel zubringen, wo ich nicht dort den Vorsaz ändere/ und wen ich allein reise, bei dem Pater della Torre/ 5>o .li wohnen. Folglich werde ich vor oder nach Ostern wiederum zuruk sein. Mein Sendschreiben, von zwölf Bogen in Quarto/ von den bereula nischen Entdeknn- geii/ ist zu Anfang des vorigen Monats im Druke erschienen/ und ich erwarte es zu se en. Nach dem Abgang dieses DrukS werde ich eine vollständige Schrift aus demselben machen; >ch fau le bereits dazu/ lind auf meiner Neise werde ich alles von neuem/ nach der seltenen Bequemlichkeit/ welche ich dazu habe/ untersuchen. Hch habe izo angefangen/ an eine Allegorie für Künstler zu denken. In dem Sendschreiben werden Sie/ wie mich däucht/ viele von Ihren Fragen beantwortet finden: ich werde aber meine Schuld auslöschen. Unterdessen freue ich mich/ daß ich in Absicht des englischen Buchs !) ein besser Gedächtniß/ als Sie/ habe. Ich habe Ihnen von diesem Buche geschrieben/ daß das Beste aus einem geschriebenen Äufsaze von der Malerei genommen ist, welchen Meng6 dem Verfasser/ welchen ich sehr wohl gekaut habe/ mittheilete. Dennoch saget dieser Gek: „ eS finde sich kein Maler, „ welcher gewisse von il>m erborgete Betrachtungen i, zu machen im Stande sei. " Sie baben mir auf diese Nachricht geantwortet. Ist dieses Werk eben dieses Webb/ aber verschieden von jenem, dessen von im Jahre 176S eine deutsche ül'ersenmg mit einem Briefe von H. Füeßl» erschienen ist/ welcher Anmerkun^e» über die Kunst enthalt, zu welchen ihm seine Ncisc durch Italien Anlaß gegeben. Usteri. ^88 Frcimdschaftliche eigentlichen Titel ich nicht weiß/ so habe ich Schuld. Unterdessen bat Webb die Gemälde mehr als sonst jemand, welcher kein Künstler ist/ studiret, Ich glaube aber, Ihnen den Mangel des Gedächtnisses ohne Grund vorgeworfen zu haben. Sie se^en allezeit viele Dinge voraus'/ wie: daß ich könte den Entwurf zu dem Wörterbuche des Herrn SulzerS über die schonen Wissenschaften gesehen haben; ich habe ja meine eigenen gedrillten kleinen Auffäze nicht gesehen. Gruße» Sie ihn von ganzem Herzen: ich freue mich/ daß er in einem Lande ist/ wo er freien Athem schöpfen kau. Ich werde Jtinen auch den Nuffiano>) bei Herrn Meng S machen. Er muß Ihren Brief nicht bekommen haben/ weil er dieses Antrags' gegen mich gedacht hätte. Ich glaube indessen eher/ daß er nach Engeland gehen könte/ als nach Rom znrükkcliren: wo die Frau nicht die Oberhand behält- Aber hier bestehet alles auf Arbeit von Engeländern. Wen er ein Kabinetstük für Sie übernimt/ so wird er sich einen Vorwurf wäl-len/ der Ihnen angenehm sein tan. Der ionische Tcinvel in der Villa deS Cardinals ist längst geendiget; in der Nische stehet eine schöne Diana Ephefia. ES ist seil Ihrer Zeit ein ander Gebäude angehänget/ voll von Statuen und erhobenen Arbeiten. Es sind zwo neue Fontänen angeleget, mit zween liegenden Flüssen. Ein anderes neues Behältniß ist mit hetrurischen Begräbnißnr- nen besezet. Die Galerie aber/ wo derParnaß von Mengs ist, übertritt alles, was schön ist in der Welt, nach meinem Urtheile. Gott vergelte unserm edle» Füeßly/ daß er gethan hat/ was ich nicht das Herz zu rhun hatte. lMan sehe de» Br. a» Muzel'Stosck v. 16 Scpt. Briefe. Nunmeliro aber ka>1 ich an den Herrn Graven schreiben/ diese Freiheit zu entschuldigen / und boffe das Geschenk bald zu überkommen. Hch wünschete einen anderen Weg zu wisse»/ ein Stük von feinem Ca- nevaS/ zu Camisölern für den Sommer/ aus der Schweiz kommen zu lassen; eS wäre mi- ein halbes Stük hinlänglich genug/ den ein ganzes ist zu viel für mich. Derienige CanevaS/ welcher kierver von Augsburg koii't/ ist so grob und wird »elten sehr weiß. Die Bezahlung sollte unverzüglich erfolgen. Die verlangten Kuvfer l) werde» hier fast mit Golde ausgewogen/ und sind folglich unendlich selten; ja mich wundert/ daß man noch davon findet. Der beste Kauf von Kupfern ist in Engeland. Was der Engelander nach Hause bringt, wird ihm bald ekel; cS wird verschenkt und verkauft. Die Kupfer steigen liier auf so übermäßigen Preis/ daß ich gesehen/ die heilige Familie von Raphael/ von Dorigny gestochen, mit 45 Scudi bezahlen; nämlich das Blatt. Daß jene theuer sein müßen, können Sie sich daraus vorstellen, daß der König in Polen von jedem Blatte des Marc-An to n i o tt. drei Stük haben wollen/ und sein Minister eben so viel. Meinen vorläufigen Gruß an den iungen Herrn Füeßlv, den ich bald zu sehen hoffe. Ich bin ?e. Nachschr. Ich habe izo selbst an den Herrn Graven Firmian geschrieben, und Herrn FüeßlyS Freiheit entschuldiget. Sollten die Scbriften noch nicht abgegangen sein, kau eS izo geschehen. Herr Fiießly muß aber nicht sich merken lassen/ daß ich selbst izo darum geschrieben. t) lVo» Marc- Antonios 590 Freundschaftliche An Marpnrg. lNach Berlin, 1 Rom, dc» S Dec. <762. i» 1 ) Theure!? er Freund und Bruder! ^U/ der du mir der einzige übrig geblieben bist/ an welchen ich als Bruder schreibe! Von dir glaubte ich, da uns Berge und Flüsse trennen / vergessen zu sein/ da mir dein mir angenenmeS Schreiben ein- Lehändiget wurde. Ich habe es an Herz und Mund gedrürt/ weil es von dessen Händen komt/ zu dem mich eine geheime Neigung zog in der ersten Blüthe unserer Jahre. Ich stelle mir/ wie in einem Bilde/ unsere ganze iugeiidliche Geschichte vor. Du verlangest/mein Schaz/ meines Lebens Geschichte zu wisse»/ und diese ist sehr kurz/ weil ich dasselbe nach dem Genuß abmesse. M. PlautiuS/ Consul und welcher über die Jllyrier triumvhiret hatte/ ließ an sein Grabmal/ welches sich ohnweit Tivoli erhalten hat/ unter allen seinen angeführten Thaten sezen: v-zir ix. >) Ich würde sagen: ich habe bis in da 6 achte Jahr gelebt; dieses ist die Zeit meines Aufenthalts in Rom und in ander» Städten von Italien. Hier habe ich meine Jugend/ die ich theils in der Wildheit/ theils in Armurv und Kummer verloren/ zurükzurufen gesuchet/ und ich sterbe wenigstens zufriedner; den ich habe alleS/ waS ich wünschte / erlanget; ja/ mehr als ich denken/ hoffen und verdienen konre. Ich bin bei dem größten Cardinal und Enkel von Clemens XI, nicht zu dienen/ sondern damit mein Herr sagen könne/ daß ich ihm an- ! sV'lI-A. I. 204 20?).^ 2) lG. d. K. ll B. 2 K. 1l §.? Briefe. 69 t gehör?. Ick bin dessen BibliothekarinS; aber seine große und prächtige Bibliothek ist blos zu meinem Gebrauche; ich genieße dieselbe für mich allein; ich bin mit aller Arbeit verschonet: ich thue nichts als mit demselben auSfahren. Es kau keine Freundschaft genauer fein, als das Verhältniß, Wonnen ich mit demfelben stehe, welches auch kein Neid, und nur der Tod allein trennen kau. Ihm offenbare ich die geheimsten Winkel meines Herzens, und ich genieße von seiner Seiten eben diese Vertraulichkeit. Ich fchäze mich also für einen von den seltnen Menschen in der Welt, welche völlig zufrieden sind und nichts zu verlangen übrig haben. Suche einen Andern, welcher dieses von Herzen sagen kan! Bisher habe ich alle mir angetrazne Stellen auSgeschlagen, weil für mein Alter in Dresden gesorget ist; den Se. Königliche Ho?eit der Kurprinz hat mir bereits vor vier Jahren die ansehnliche und ruhige Stelle eines Aufsehers über dessen Museum angetragen, und mir hierüber wiederholte Versicherungen gegeben, da man in Engeland an mich gedacht, wo ich neulich auch zum Mitgliede der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften bin ernant worden. In dieser Absicht und um mich an den Hof gebunden zu erhalten, genieße ich noch einen Theil meiner Pension, welche mir richtig aus den Händen des Königs selbst bis j izo ausgezahlet worden, ohnerachtet ich dieselbe ganz und gar selbst freiwillig verbeten hatte, da ich vor vier Jahren meine izige Stelle erhielt. Bis dahin lebte ich ausser allem Verhältnisse, und ich hatte ein paar Jahre die Aufsicht über des Cardinals Archin- to Bibliothek, ohne in Solc, zu stehen! theils, weil ich es bei dem völligen Genusse meiner Pension nicht nöthig hatte; theils, weil dieser Man, welcher in Dresden das Werkzeng meiner Bekehrung war, nicht nach meinem Sinne geschnitten war, und vornehm- S92 Freundschaftliche lich, weil ich blos als ein königlicher PenssonariiiS wollte geachtet werden. Ich genoß zn gleicher Zeit die Freundschaft des' großen/ gelehrten Cardinals Passion ei; ich erschien, wen ich wollte, an dessen Tafel; ich fuhr mit demselben beständig aus, sowohl in der Stadt, als auch auf sei» Landhaus, und diese Freundschaft hob mich in Rom und gab mir Credit. Sein Tod war mir ein großer Verlust. Vor vier Zähren war ich neun Monate zu Florenz, wohin ich berufen war, die Beschreibung der geschniltenen Steine deS Baron vonStssch zu machen. Ein halbes Jahr vorher that ich meine erste Reise nach Neapel, und von da bis nach Ta- ranro; den vergangenen Winter that ich dieselbe znm zweitenmale mit dem Kamnierherrn von Brühl, welchem ich das Sendschreiben von den hercu- lanischen Entdekungen zugeschrieben habe. Diese künftige Fasten werde ich zum drittenmale dahin gehen bis nach Ostern, und in einer angenehmen Ge« sellschaft werde ich deine Gesundheit in dem beste» Svrakuser ausbringen. Meine vorige Geschichte nehme ich kurz zusammen. In Seehausen war ich achthalb Jahre, als Conrector an der dasigen Schule. BibliothekariuS des Herrn Graven von Bunan bin ich eben so lang gewesen,^) und ein Jahr lebte ich in Dresden vor meiner Reise. In dieser Zeit that ich in gewissen eignen Angelegenheiten binnen zwei Monaten zweimal eine Reise nach Potsdam; und der Freund, den ich besuchte, gab mir nicht Zeit, Berlin zu sehen. Wen die Sachen in Deutschland ein besser Ansehen gewinnen, werde ich eine Reise durch die Schweiz nach Sachsen thun; aber »ach t) (Dieses ist unrichtig, deii cr war nur snnsthalb Jal>! re in Seedaui'cn, und s Jahre in Nötheniz, Man sehe die Biograph, e.Z Briefe. 693 Rom zurükgeheil/ bis ich dasjenige/ was ich angefangen habe/ endige. Meine größte Arbeit ist bisher die Geschichte der Kunst des A l t er tu ms/ sonderlich der Bildhauerei/ gewesen/ welche diesen Winter gedrukt wird. Ferner ist ein italiänisches Werk/ wozu über hundert Kupfer/ von mir entworfen unter dem Titel: Erklärung schwerer Punkte in der Mythologie/ den Ge» brauchen und der alten Geschichte/ alles ausunbekantcnDenkmalendesAltertumS/ welche hier zum erstenmal erscheinen werden. Dieses Werk in Folio lasse ich auf eigene Kosten in Rom druken. Beiläufig arbeite ich an einer Allegorie für Künstler. Diesesist das Leben und dieWunderJo- han Winckelmans/ zu Stendal in der Altmark zu Anfang des 57 i 8 Jahres') geboren I—MeineNebenstunden wende ich aufdie arabische Sprache und eine Samlung von Altertümern/ von Münzen und von Kupfern/ damit ich künftig ferner von den hiefigen Schäzen etwas zum Svielwerk habe. Ich wünsche dir/ daß du zu der Zufriedenheit gelangen mögest/ die ich hier genieße und genossen habe/ und bin beständig -c. Nachfchr. ES wird eine kleine Schrift/ von der Schönheit in der Malerei/ bei euch bekant geworden sei»/ welche der Ritter MengS/ erster Hofmaler des Königs in Spanien/ ohne fich zu nennen/ mir zugeschrieben hat. ES ist derselbe in Madrid; Fneßl« ist nur der Besorger/ welches ich erinnere/ weil einige diesen/ einige mich selbst vor den Verfasser halten. 5) sNickt so, sondern dk» y Dec. 5757. Man sehe den Ansang der Biographie.) Freundschaftliche A n Uster i. lNach Zürichs Rom/ den t7 Dec. l7S2. ^hr Urtheil über meine in Eil' entworfene Schrift gibt mir eine Versicherung von Anderer Beifall: -!? .v-- i) Was in derselben fehlet/ wird in der neuen Form, die ich ihr geben werde/ zu ersczen sein; aber was die Sachen nicht haben/ kan ich ihnen nicht geben. Der MercuriuS im Museo zu Portici ist schön; aber weil er von Erzt ist, scheinet cr wegen der Seltenheit viel schöner, als er ist, und als ein MercuriuS sein kan, welcher nicht die Schönheit eincS Avollo im Belvedere und eines BakchuS in der Villa Medicis hat, noch haben kan. Wen der MercuriuS meine Einbildung crbizet hätte, würde ich die Gelegenheit, etwas zu dichten, nicht haben entgehen lassen; den ich versichere, daß ich dieselbe gesuchet habe. Wen mir mein Freund in Portici nicht zu sehr auf die Fiuger sähe, wurde ich mehr NüzlicheS haben sagen können: aber cr merkte, daß ich mit Schreiben umging. ES ist nicht zu sagen, wie viel Muhe eS mich gekostet hat, den Grundriß der unterirdischen Arbeiten zu sehen, nnd ich bin versichert, eS sei niemanden als mir allein gelungen. Hier hätte ich mehr sagen können, aber ich wollte der neuen Ausgabe meiner Anmerkungen über die Baukunst keinen Nachtheil verursachen. Ich erwarte izo den dritten Band der hercu- lanischen Gemälde, in dessen Vorrede der stolze Pater Paeiaudi auf eine grausame und in nnsern gesitteten Zeiten unerhörte Art hcruntergcworfen worden. Nachdem man in dem Texte der Vorrede i) IVe. XVI. i > ^ Briefe. .595 selbst sich über diejenigen beschweret/ die verstohlener- weise Abbildungen von dortigen Denkmalen geliefert u»d zum Theil erkläret haben / wird der Pater Thea- tiner namentlich angeführt, weil er in denen col rnolo »m^ullaso e tla k»>si larj^o ri gli s»li^u»ri herausgegebenen IVIoolimeiilis ?elc>- ^>onnesiaois den kleinen Sonnen - und Stundenzeiger/ in Gestalt eines kleinen Schinkens von Erzt in dem Museo Herculanv/ in Kupfer gegeben und sehr wohl consilio er ope alioiius erkläret hat. Hierauf kamt eine Note unter dem Texte/ von 6t Zeilen/ die diesen Theatiner angehet. Der Herr Cardinal Spinelli las mir dieselbe aus einem Briefe vor/ und sie hebet etwa folgender Gestalt an: yuesw xio- ldergleich wohl ein Man von etlichen so Jahren ist) cvin^iirvc, lemsio a I' «riil con »lccisioni s ^iic>ml?o, e ^>ro- cuinuclc, <1'iiu^c»re col liliro suo sciil^to con ternuni semmiiiili, e i»w>siam
  • e las, welche mit Zuversicht auf ungczwcifclten Beifall und auf schon erlangetc Achtung geschriebeu ist, glaubte ich viel Neues zu finden, und ich fand einen kleinen, metaphysischen Schwäzer. Es ist auch ein Kapitel von der Schönheit/ welches I^selbst^ ein Grönländer hätte schreiben j >) s ve l'Niüglne 6cs des et i!es Lcienccs, V»I> G 00 Uet 1 SS 8 Freundschaftliche können. Zeh sehe/ die Natur thut nicht mehr Wunder in Engeland, als bei uns' / und das Publicum urtheilet dort/ so wie bei unS/ nickt allezeit zuver- l/ißig, welches der Beifall des kostbare» und schlechten Buchs des 'IH-'uIiuII's cik !>ncieni?i>!liNnß bezeuget. In die Kunst mische sich der Brite nicht; und wir werden auch iiimmermekr, so wenig als unsere Nachkommen/ erleben/ daß die Kunst/ wie sich einige Engeländer schmeicheln, Italien verlassen und nach Engeland gehen werde. Ich habe davon auch die physikalischen Ursachen in der Geschichte der Kunst angesiihret! wenigstens habe ich es thun wollen, und dieselbe entworfen gehabt. Hch werde auch des Webbs Schrift bekommen. Vierzehen Tage nach dem neuen Zakre werde ich mit dem Herrn Cardinal Spinelli auf eben so viel Tage nach Ostia am Meere, in dessen Bistum, gehen, und hoffe in der Gesellschaft dieses vernünftigen ManneS/ welcher mir nicht weniger als mein Herr (der ihm feind ist) wohl will, vergnügt zu zu sein. Er will daselbst auf mein Angeben graben lassen, und vielleicht bin ich sso^I glüklich/ etwas zu finden. Um die Mitte der Fasten gehe ich nach Neapel/ und das Ouartier ist bei dem Pater della Torrc schon bestellet. Nach Oster»/ weil ich zurülkomme, gehe ich M 't dem Cardinal auf dessen Villa. Diese Nachrichten schreibe ich für Ihren Füeßly. Ich kaii. demselben auf der Villa eben so gut diene»/ als in der Stadt. Mich däucht, das! ich Ihnen gemeldet habe, daß die Augustinianer des Cardinals Passiv nei Bibliothekfür Zv/voo Scudi gekaufet haben; ungleiche»/ daß der König von Engeland (il Ko »U 1») die Zeichnungen und Kupfer des Cardinals A lex a n der für ^/U«»o Scudi erhalten hat. Von Zeichnungen ist jzo in Rom nichts übrig, als im Palasie B.racciano. Briefe. 599 Wir müßen uns trösten mit dem Navhael/ welchen man von den Mauern nicht wegnehmen kau. Man arbeitet izo/ mir einen Posten in der Va« ticana zu verschaffe»/ wenigstens die Anwartschaft auf das Scrittorato in der hebräischen Sprache. Ich werde es annehmen/ weil ich des Jammers in Sachsen kein Ende sehe/ und weil ich hier nun einmal cssen kan/ welches ich habe f?^> und mehr als zum Leben nöthig ist. Der Pabst könte mehr thu»/ da er mich sehr wohl kennen gelernet bat. Mein Lord ist ein Original/ welcher eine Beschreibung verdienete. Er glaubet/ er habe zu viel Verstaub/ und Gott köüte ein Drittel in Stärke verwandeln. Er ist alles müde worden in der Welt; die Villa Borghese sahen wir in einer halben Viertelstunde: aus diesem Grunde gebet er nach Constantinopel zu Lande/ wo er einige Jahre/ warum weiß er selbst nicht/ bleiben will. Seine Gesellschaft ist eine schöne junge Engländerin/ aber er suchet einen mänlichen Reisegefährten/ welchen er hier schwerlich finden wird. Ich bin an dem Ende meines Laufs mit demselben/ und nicht zu bewegen/ auch nur »ach Neapel mit demselben zn gehen. Mich däucht/ Sie werden merken / daß ich keine Materie zum schreiben habe; man ist auch nicht allezeit gleich wohl znm Schreiben aufgelegt. Ich wiederhole meinen unendlichen Dank für daS mir theure, werthe und schäzbarc Geschenk/ und bin/ wie ich sein werde?c. 600 Freundschaftliche A n U ft e r i. lNach Zürich,) Rom, den IS Jan. 17SZ. Al>re Briefe sind wie die Tage im Frühlinge: je langer, je angenehmer und schöner; und dieser erste Brief im Jahre verspricht mir in demselben eben dadurch viel Vergnügen: das größte aber würde sein, wen ich in diesem Jahre persönlich mit Ihnen reden könre/ wie es mit Ihrem Freunde von Angesicht zu Angesicht geschehen wird. Jenes tönte sehr leicht geschehe»/ wen ihr junge Herren nicht/ wie das ganze französische Heer nach dem Entsaz von Turin, in Rom selbst voller Ungeduld cn I'rance! VN 1'>»nce! riefet. Die kaiserlichen Völker wären vor Hunger gestorben, wen jene sich in das Mai- ländische geworfen lürtcii/ und ihr würdet/ anstatt durch die Nase plaudern zulernen/ oder die lezten Sylben nach pariser Art zu verschlingen/ in einem Monate länger in Rom/ und von hier nach Hause/ das Gehirn voll bringen/ anstatt daß en ^i»»ce das Gute nothwendig der Narrlieit weichen muß. Dieses verursachet mich meine Sehnsucht zuschreiben: aber ich glaube/ eS sei zu gleicher Aeit die Stimme der Wahrheit. Der vornehmste Grund aber ist/ weil ich «inen ähnlichen Anschlag zur Neise JhreS Freundes zu errathen glaube; den wen er im Frühlinge von Gens abgehet/ so kan er nicht länger als einen Monat in Nom bleiben/ weil man wenigstens drei Woche» auf die neapelsche Reise rechnen muß. Im Julius muß er nach Nom wegen der nahen großen Hize abgehen. Folglich wird er alles ca»,'» TV/lu?» /vA,sehen müßen. Von hier wird er nach Paris gehen, welches man wegen der Mode/ einem guten Briefe. 601 Gefährte» bis zürük in'S Vaterland/ vorziehen wird. Aber ich habe allezeit in diesem Punkte tauben Ohren geprediget. Ich frage Sie? haben Sie daS/ was nach meiner Meinung das Schönste in Paris ist, gesehen? Die heilige Familie vom Raphael, welche Edelink und Frey gestochen haben? Nein.— DaS größte Münzkabinet in der Welt/ eines gewissen Lommi» ? — Nein. — Die zwo Pastelgemälde von MengS/ beim Marquis dc Cr 0 ixmare ? — Ich zweifele. Nennen Sie mir etwas SchöncreS/ und deuten Sie mir den Nuzen aus Paris an. Da ich sehe/ daß die Kupfer von Marc - Antonio rasend in Paris bezahlet werden/ so bitte ich mir ein Verzeichmß ans von denen/ welche Sie bereits besizen; sie sind nicht wohlfeil in Nom/ werden aber dennoch nur als Kupfer/ nicht als Gemälde bezahlet. Herrn Professor Sulz er empfehlen Sie mich iit allen möglichen AuSdrüken der Freundschaft; eS ist mir leid, daß wir in dem einen Punkte nicht übereinstimmen können. Die gütige Meinung aber/ welche dieser Freund von mir heget/ würde mehr Grund haben/ wen meine Geschichte der Kunst erschienen wäre/ an deren Druk wegen deS gegenwärtigen unbeschreiblichen Hammers in Leipzig diesen Winter nicht kan gedacht werden. Der Endzwek meiner Allegorie ist/ dieselbe nüzlich/ brauchbar und leicht zu machen. Dieses kaii nicht durch allgemeine Betrachtungen geschehen/ sondern durch Anzeige der besten Bilder. Es sind zwei t) Dieses Gemälde stand ehedem zu Versailles über einem Kamin. Man hat es Herrn Wille zn danken, das, es vom Nauch entfernt und i» ein Vorzimmer ohne Kami» versezt worden. Usteri. Wmckelmaii. ja- 26 602 Freundschaftliche Kapitel, Von der Allegorie der Grieche» überhaupt: in ihren ältesten Zeiten. L. in ihren erleuchteten Zeiten. », Ihrer Götter. K, Z» Bedeutung der Tugenden und Laster. <-, Und anderer allgemeiner Begriffe. 6, Von zufälligen Umständen genommen. Von Anspielungen auf die Namen -c. k. Von zweifelhaften Allegorien, x. Von erzwungenen Erklärungen alter Allegorien. I>. Von Verlornen Allegorien. II, Von der Allegorie der Neueren :c. Dieses Unternehmen wird mir izo schwerer, nachdem ich bereits den ganzen Entwurf gemacht habe, als' vorher. Das Werk von den Gr» ndsäzen deSSchönen in Künsten würde mir vielleicht nüzlich sein können zu meinem andern Entwurf: von Kentniß des Schönen in der Kunst. Ich merke, dieses wird izo daS Modeargu> ment, wie eS vorher in Deutschland die Ontologie, K osmologie tc. war. sulI' »nivers»1e von clui InoAlii kcicile; il clillicile ^ I'ii>.v Mein Freund! ich weiß nicht, wie wir eS werden mit dem CanevaS halten. Ich merke, Sie wollen mir abermal ein Geschenk machen, nnd in dieser Abfuhr wollte ich eS nicht gerne annehmen; ich wollte eS nnt Freuden bezahlen: den hier ist von solchem Zeuge nichts Gutes zu haben. Wir werden weiter davon zu reden Gelegenheit haben. Die Briefe für mich können Sie an den p, cloUa '1'orre, IZ>I>Iic>tI>e- enrio e lki 8. 1^1. richten; ich habe schon das Quartier bei demselben c-ip» cli Mo»^ bestellet. Ych samle auserlesene alte Fragmente, unter welchen zwei Bassorilievi beschädigt nnd zerbrochen sind; aber was ganz ist, ist schön; ich werde diese in me-nem italiänischen Werke anbringen, da die Vorstellung derselben selten ist.') Ich habe zween t) lNum, 120 und I4l dir Denkmale,! Briefe. 60Z kleine ägyptische/ völlig ganze Köpft in Basalt/ von welchen der eine in dem schönsten und ältesten Styl ans das Fleissigste gearbeitet ist. Meine Samlung von griechischen Münzen und Kupfern wachst auch allmälig aii/ und mein Büchervorrath ist durch Sie gewachsen. Ic> sono vicino !>IIc> rogn», couic »i llice in Il^!>In>ni>, >>!>> si A>!>I,U>, ^>iü vuol esserc -zrattat». Ael oresccro 1-» rol>!>, crcsce li> voglia. Die Villa Albani ist ausser dein bereits angezeigten schonen und seltene» Musaico/ mit einem von gleicher Größe/ welches im Urbinatischen gefunden ist, bereichert worden und stellet eine Schule von Weltweisen vor. i) Ihr Freund wird eS Ihnen cigenrlicher beschreiben; ich will demselben nicht vorgreifen. ES ist anch hinter dem ionischen Tempel der Diana ein neues Zimmer gebauet für hetrurische Vegräbnißnrnen und für kleine Stiikc. Ausserdem sind zwei große Fontänen von liegenden Flüssen/ i» mehr als Lebensgröße/ angeleget und völlig fertig; der eine ist der Nil von schwarzem Marmors) /Z/s-o genant. ES sind drei oder vier ägyptische Statuen nach Ihrer Zeit aufgerichtet/ und inwendig ist alles fertig. Die Stuhle und Faulbetter in der Galerie sind alle von güldenen Stüken, oder besser/ von Sammet mit einem goldenen Grunde. In andern Zimmern sind auch alle Tische gesclmizt/ stark vergoldet und die Blätter sind Porphyr; einige von altem feinen Musaico/ andere von orientalischem Alabaster. Zulezt erinnere ich/ daß daS/ was mir von einer Neise zu Ihnen im Unwillen zu Anfang des Briefes «nlfahren/ als ein fliegender Gedanke zu nehmen ist/ welcher viel Überlegung gebrauchte. Ich wünsche/ daß Ihr lieber Füeßly Zeit habe- seine Neise an dem vornehmsten Orte zu nüzen. Ich vin -e. <> lNum, IS5 der Denkmales 2) LSchwan «,'egeil seines »lU'ekaiile» Urspnmgs.j Freundschaftliche Nachschr. Mein Herr stehet mit dem Cardinal Furietti im Handel/ über seine beide Centauren mit l^den^ Namen ihrer Künstler/ und zwar für die Vaticana, um dieselben an den Eingang deSMuseo Profano in derselben zu sezen. Rathen Sie aber wie theuer? — ES sind t>»00 Scudi geboten. Die Kriegslist/ mich in die Vaticana zu sezen/ ohngeachtet kein Plaz lebig ist/ wird sein/ mir aufzutragen/ ein Register zu machen über die deutschen Manuskripte der heidelbergischen Bibliothek, t) Was däuckt Sie von dieser Handarbeit? Unterdessen gibt es keine Zwangdienste wie in deutschen Ländern. Man arbeitet so viel man Lust hat; nur daß man in den gehörigen Stunden erscheinet. vi»»» illvellicnt, xwfcxsv «XXo -rs?-' cö-X»?. Herr Casanova/ welchen Sie aus dem mengst schen Hause kennen/ hat seine große Zeichnung nach dem Raphacl a 8. ?ietro in ^lontorio an Lord Baltimore für 3-S» Zecchini verkauft/ und sie gehet als ein Geschenk an den König/ um dieselbe in Hamptoncourt neben den Cartons des Na- phaelS aufzustellen. Ich werde ein Bandchen römischer Briefe schreiben/ vornehmlich von Sachen, die zur Kunst gehören/ welche ich an meine Freunde richten will. Rathen Sie/ ob Sie werden in dieselben kommen? 1) ^Diese /'a/at/na ist »UN seit lSi7 wieder in Heidelberg. 1 2) Da dieses Altarblatt (la 1>nn5kAui'.'>7.io7ie) herab ge« »onnnen ward / uni einen Carton zu machen, nach wel> cheni dasselbe für die Peterskirche in Mulivarbeir gese^t worden, vekam Herr C a sa nova Erlaubniß, eine Zeichnung von gleicher Größe siir sich zu machen, von welcher hier die Nede ist, Usteri, Briefe. 606 An Franke. lNach Nöthciiiz.Z Rom/ den 15 Jiin. 1763. Ah habe einige Wochen hindurch einen englischen Lord, Baltimore/ in Rom geführet/ welches der ausserordentlichste Engeländer ist/ den ich unter so vielen bisher kennen lernen. Er ist müde von allem/ was in der Welt ist/ und es hat ihm nichts als die Petcrskirckeund der vaticanische Apollo gefallen. Er will aus bloßer Desperation nach Constantinopel gehen. ES wurde mir derselbe dermaßen unerträglich/ daß ich ihm meine Meinung sagte/ und nicht wieder zu ihm gehe. Er hat 30/»ac> Pfund Sterling jährliches Einkomme»/ die er nicht zu genieße» weiß. Im vorigen Jahre war der Herzog von Rox- burgh hier/ von gleichem Schlage. Ich wünschete vor meinem Ende Sachse»/ unser Vaterland/ wieder zu sehen; aber ich sehe wenig Anschein dazu. Der Kurprinz hat mir des Hofrath Nichters Stelle^) ungesucht gegeben/ welche aber nicht eher/ als nach einigen Jahren/ nach dem noch weitaussebenden Frieden/ besezt werden kan. Unterdessen muß ich mir hier ein nothdiirstig Brod auf Lebenszeit suche»/ welches ich auch in der Vaticana zu finden hoffe/ wen eine Stelle erlediget wird. Unter andern Bücher»/ welche ich neulich aus der Schweiz für meine eigene kleine Samlung erhalten habe/ ist: Online clcs I^vix, lies ^,1'ts et cles Lciences Paris >760, iu 3. vc>1. 6, eiNeS der Nämlich die Aussicht übt'r das königliche Miinzkübinet in Dresdt», Dak'dvef, 2) lVon Goglict.Z 606 Freundschaftliche besten Werke/ welche ich gelesen habe. Ich habe ausser den Büchern angefangen Kupfermünzen und Altertümer in Marmor und Erzt zu saiiilcn/ unter ' welchen seltne Stüle sind. An Heinrich F ü e ß l?. lNach Zürichs Rom , den 2S Jan. t7SZ. Mein Herr! Eie werden nicht begieriger sein zu lernen/ als ich zu l ebr e n/ welches ich mündlich mit mehr Vergnügen als schriftlich thue/ weil hierzu eine würdige Gelegenheit selten ist. Nom sei auf Ihrer ganzen Neife das Ziel/ und andere Ort- Nebenaussichten/ die uns oft auf dem großen Wege unnuzltch verzögern. Ihre Zuschrift hat den ersten Schritt zu der Freundschaft gemacht, die sich unser U steri zwischen »ins verspricht/ mit welcher ich bin ?c. An Ufter i. lNach Zürich,) Rom, den 2S Jan. !76Z. (X. ^ch werde der inir gegebenen Anweisung zufolge den Canevas in Neapel erfragen und abfordern; aber nicht izo allererst schäme ich mich/ daß ich ihn Bricsc. gefordert. Ich will unterdessen von izo nicht weiter davon sprechen. Für das Exemplar des Sendschreibens an Herrn Grav Firmian danke ich Ihnen herzlich/ und er selbst wird eS anch thun. Meinen Lord kabe ich nach tä Tagen sizen lasse»/ weil er mir unerträglich wurde. Er ist einer von den bestialischen, unglüklichen Engeländern, die alles in der Welt müde sind. ES ist ein Mensch von etwa ^0 Jahren, welcher verbeirathet gewesen mit einer Tochter der Dutcheß Bridgewater/ von der er keine Kinder, wohl aber von andern Men< schern hat, und eine führet er mit sich. Ich glaube von dem Gefährten eines andern EngeländerS in der Schweiz/ daß er besser thue, sich auf sein Tagebuch, als auf sich selbst zu berufen. Wir wissen/ wie diese Patrons reisen. A n U ft e r i. lNach Zürichs Rom, den Febr> <7SZ. ^Lch fand Ihren Brief nach meiner Nükkunst von Ostia, welches den 16 ivar, wo ich die zehen Tage des CarneralS/ nebst den Patern Jaquier und L e Sueur, mit dem Cardinal Spinelli sehr vergnügt gewesen bi»/ und ich habe eines der größten Bassorilievi in der Welt daselbst entdeket/ wel' cheS zugleich eines der seltensten und der schönsten ist: den eS stellet den TheseuS vor/ wie er den Schuh und den Degen seines Vaters findet/ in ^sieben^ Figuren. Ich habe eS für mein italiänisches Werk gezeichnet, !) lD. l>. zeichnen lassen, tinrsr?!m». S6 der Denk' in a l e.) 6v8 Freundschaftliche Wen ich auch nicht gemeldet hätte, wie ich gleichwohl werde gethan haben/ daß Sie unter denjenigen sind/ an die ich Sendschreiben richte/ so verstehet sich dieses von selbst. Auf Ihr Schreiben/ mein Freund/ habe ich viel zu antworten: der erste Punkt ist der Vorschlag nach Berlin. Ich bin den Sachsen und dem Hose eben so wenig als den Preußen verbunden; den das Wenige/ was ich hier genossen kabe/ nämlich seit vier Jahren jährlich 100 Reichsthaler/ sind eine Beisteuer deS Beichtvaters. Ich hasse und liebe mit gleicher Heftigkeit/ und ich habe mich auch gegen den gnten Willen deS HoseS erkentlich bezeigen wollen. Daß ich gegen jenes Land keinen Haß hege/ beweiset ein Aufenthalt von 6 Wochen zu Potsdam/ ein Jahr vor meiner Reise nach Italien: und warum? meinen damals besten Freund in der Welt zu bewege»/ sich wegen meiner Reise/ welche nur auf zwei Jahre bestimmet war/ zufrieden zu geben/ oder mir zu folgen, wozu ich damals die Mittel zu sinden glaubte. Dieser Freund/ auf den ich Gesundheit, Leib und Leben verschwendet, war undankbar nnd ist es geblieben ; aber nicht vergessen/ und ich hätte ihn,/ mit Ausschluß aller Absichten/ meine Geschichte der , Kunst zugeschrieben, lieber/ als einem Könige/ wen er mir nur ein einzigesmal geschrieben hätte. In Rom bin ich vor izo gut/ aber nicht auf meine alten Tage. Die Stelle bei dem Kurvrinzen/ welche ehemals Algarotti/ und nach ibm ein .Hofrath Richter/ welcher mit dem Prinzen gerei- set ist/ gehabt hat, soll allererst drei oder vier Jahre nach dem Frieden besezet werden/ wie mir hier in Rom derjenige/ dem daran gelegen ist, daß ich nicht t) lLamvrecht.Z Briefe. 609 komme, und welcher bei dem Prinzen allmächtig ist, gesagthat.') Diese Stelle betrug 600 NeichSthaler, und wird wenigstens auf soo NeichSthaler herunter- gesezt werden müßen, und dieses würde mit Mühe zureichen. Dieses alles aber hat mich nicht abge- schrekct, (wie jemand glaubte,) bei meinem Vorsa; zu bleiben; ich habe aber unserem Minister an den Ge« neralstaate» im Haag, einem großen Freund des Graven Brühl, geschrieben, daß man übel handele, sich meiner Person nicht besser zu versichern, zumal da ich mich zum Unterricht des Erbprinzen erboten. Mein einziges Bedenken über diesen Vorschlag machet mir der Beichtvater, welchen ich, wen dieser Fall entstünde, sehr beleidigen würde; allein er ist beständig kränklich, auch in der schönsten Luft von Warschau, und ich fürchte beständig, diesen Wohlthäter zu verlieren. Ich fühle keinen Widerwillen in mir; aber eS würde nothwendig sein, diesen Antrag zu erwarten, und alsdan dem Hofe in Dresden Nachricht davon zu geben. Sind die Vortheile gleich, auch m Absicht der Zeit, so müßte der erste vorzuziehen sein. Diese Bedingung muß man einem iedcn zugestehen. Ich kenne die Schäze des Königs in Preußen aus I?egeri Vlies.iuro ürsixleliur^ico, il <^li,ile il sno lectore n »n c1ii>IoAi8inc> i«si^>i?!n Vertan, gen, ihn bald wieder aus Italien jurükjuft'lx-n, in den verbindlichsten Ausdrüke» bezeugen lassen, »lad sich über die Gesinnungen erkundiget, die er haben mochte, wen ihm Von dem berlinischen Hose Anträge geschähen, Allein diese »nterbliebe», weil der Hos damals mit Auge« legenheiten beschäftigt war, welche die Sorgen siir die Künste des Friedens verdrängen. Usteri. 2) Diese Anmerkung betrift das Blatt, welches Preußler nach Le Sueur gestochen, welches Loth mit seinen zwei Töchtern in der Höhle vorstellet, und wovon das Original sür Rnphaels Arbeit gehalten wurde. Uster i. Briefe. Deutschland nachdem jämmerlichen Des Pikes und nach dem Verfasser des -l^Vies er i c!>^>elli cl'^n ti-sre !>V!>nl.i nel >1isvoisc>, rna sl.e,itero> '!t trov»re il jii>e. sdo?!c> della IrnnZliAui'.i/.ioiie in casa nostia (/^I- lli^into tla knisaelle^ se ej;Ii mecle5iino I'uvcsse tlise^riato kiirlo ili^in^ere cla l^eisclier, cj>ie8to t?I.iu<1ese limi s»iclit>e ->rriv»I.c> all» va^Ileü» e »I ineantesimo »lel colnrito. Ich bin Zweifelhaft, ob Sie dieses Wunderwerk der Kunst gesehen haben. Aber Sie werden sich in Absicht des Colorits auf den schönen Rüken Vereinen Gra tic alla Farnesina entsinne»/welcheSdie einzige Figur ist , welche der Meister in dem großen von ihm entworfenen Werke daselbst mit eigener Hand ausgeführet hat. Von der berühmten Zeichnung des vorgegebenen RaphaelS ist schwerlich in Deutschland ein richtiges Urtheil zu fallen: den man kan keine Vergleichung machen. Der einzige Ravhael in Deutschland/ ausser dem in Wien, ist von seiner ersten Manier »nd auf Leinwand/ komt also nicht in Vergleich. Dieser ist zu Dresden. Herrn Dieter ich in Dresden kenne ich sehr genau: es ist derRayhacl unserer und aller Zeiten in Lan lisch aften. Er hat für den Königin Prenßen l-> lVo«t<- «lel ^oi-i-exßio eovirt; dieses aber ist sein Werk nicht. Er wurde/ nachdem er schon berühmt war/ auf Kosten des Königs von Polen nach Rom geschikt/ war aber nur neun Monate hier, weil seiner Frau zu Dresden die Zeit zu lange wabrete. t) sWen er die Gemälde selbst a u s su h r t e.l 2) Dieses Sink bat ungefähr I t/2 Fuß i» der Höbe, und >var darum s-Ittver zu sehe», weil es in dem SckUafzim- iner der Prinzessin ?tlba»i aufbewahrt wurde. Usteri. 612 Freundschaftliche Ich habe den Namen des Verfassers, des mir geschenkten, mir werthen Buchs erfahren: er heißt Z»I', -lc I.ixn!><:, >) und ist vor kurzer Zeit in der Blüthe seines Lebens, etliche 20 Zakre alt, gestorben. Sein Werk aber lebet nach ihm, und scheinet kein Werk eines jungen Menschen zu sein. Man hat eine zweite Auflage in Quarto -vol. welche der Cardinal Spinelli besizet, und zu Lucea soll es über« sezet sein, in eben dem Format und zwei Bänden. DeSWebb Buch habe ich vor ein paar Jahren bereits gelesen, welches ich ganzlich vergessen hatte. Ich habe damals, wie ich finde, etliche Anmerkungen aus demselben gemacht. Über das Sendschreiben kan der Herr Grav Firmian ganz recht geurtheilet haben, und ich bitte Sie, die Stellen zu untersuchen, die eS sein könten. Horchen Sie bei Andern, was ihnen mißfällt und was sie wünscheten geändert oder weggelassen zu sehen, und dieses alles sezen Sie mir ordentlich auf, den dieses soll mir zur Regel bei der Umarbeitung dienen. Ich erwarte diese Anmerkungen wenigstens gegen meine Nükkunft von Neapel. Meine Abreise wird in vierzehen Tagen sei». Von der Geschichte der Kunst wurde auf mein Verlangen ein halber Bogen zur Probe gedrukt, welchen ich bekam; mehr aber ist nicht gedrukt. Herr Walther hoffet eS gegen die MichaeliSmesse zu liefern. Ihrer Freundin sagen Sie alles von meiner Seite, was Sie glauben, daß Sie gerne höret. Ich würde ihr, was ich über die Gratie sin der Geschichte der Kunst^ gesagt habe, mittheilen, Wender Druk des Werks nicht nahe wäre. i) Winckelmall irret liier: Goguet ist, wie bekant, der Verfasser des Buchs I^oix. «le. ust er i. Briefe. 613 Ich wünschte zu wisse»/ was MIM vor Punkte in den An m er kun gen ü b er die Baukunst vermisset. — Einen herzlichen Gruß an Ihren Herrn Bruder und an alle andern Freunde. Ich bin Ihnen also in der Länge des Briefes nichts schuldig geblieben, und bin mit ewiger Freundschaft tt. Nach sehr. Ich kan Ihnen nickt bergen, daß mir bei Überdenkung des sulzeri sehen Vorschlags allezeit ein kleiner Widerwillen wider mein Vaterland aufsteigt. Der vornehmste Grund, glaube ich, ist die Liebe zur Freiheit; den ich bin wie ein wildes Kraut, meinem eigenen Triebe überlassen, aufgewachsen, und ich glaubte im Stande gewesen zu sein, einen andern und mich selbst aufzuopfern, wen Mördern der Tyrannen Ehrensäulen gesezet würden. Fragen Sie Herrn Professor Sulz er, ob der Prediger Kübze in Berlin noch am Leben ist. ES bat mir derselbe Gutes gethan, da ich daselbst auf der Schule war. Ich würde aus Nom an ih» geschrieben haben, wen ich nicht bcsorgete, daß mein Schreiben, wegen meiner Religion, nickt wohl aufgenommen würde. Ich ersuche Herrn Professor S u l-> zer, demselben die Gesinnungen meiner Erkentlich- kcit wissen lassen. Ausser diesem kenne ich den Neetor Dam, wen er noch lebet. Seit meinem strbenzehn- ten Jahre habe ich Berlin nicht wieder gesehen. An Uster i. lNach Zürich.! Rom, den tS März t76Z. (gestern erhielt ich Ihr LezteS vom i dieses, und Sie werden zur rechten Zeit auch meine Antwort Freundschaftliche auf Herrn SulzerS Vorschlag erkalten haben. Ich wunschete meinem Vaterlande nüzlich zu sein/ welches mit Lehren und Unterricht/ öffentlich und besonders/ ohne alle Absichten unermüdet geschehen sollte. Aber ich sehe die Schwierigkeit/ mich von der ersten Verpflichtung los zu mache»/ und die Wahrheit zu sagen/ es ziehet mich kein starker Magnet nach Deutschland. Ich habe zu befürchten / eine geruge Figur zu machen; den wen ich von dem et- wanigen Gehalte 100 Neichsthaler für einen Bedienten abrechne/ und zu meiner Einrichtung eine beträchtliche Summe auSsezen muß/ so werde ich schwerlich reichen, das Nothwendige zu bestreiken. In Rom hingegen/ wo ich keinen Bedienten und keine Einuchtung nöthig habe/ kan ich mit 20 Seudi monatlich/ welche mir mit der Zeit zufallen sollten/ mehi ausrichten / als in Deutschland mit noch zweimal so viel. DaS Gerücht von dem Tode des Königs in Polen muß falsch sein / weil eS hier nicht bekant ist; man weiß hingegen/ daß er von seiner lezten Krankheit genesen ist. Dieser bevorstehende Tod mnget mir den Verlust von 100 NeichSthalern iährlic»/ und machet in der Hauptsache keine Änderung i, der Absicht nach Dresden zu gehen; den ich hänge ton dem Kurprinzen ab/ und die mir zugedachte Stelle ist über dessen eigenes Kabinet. Man könte mir aber zugleich die Aufsicht über die alte» Statuen geben, und alSdan stünde ich sehr gut. Ich schob meine Neise nach Neapel auf/ weil ich von zween englischen Herren/ dem Duke of Gordon nebst dessen Bruder Lord Gordon und Mv- lord Hove ersuchet wurde, jeden insbesondere in Rom zu führen. Sie theileten sich in die Tage der Woche, und ich nahm es über mich/ mehr dem Cardinal zu Gefallen/ als aus Neigung. Ich kündigte ihnen aber den Handel nach Tagen auf, da kei- Briefe. ner von ihnen Gefchmak und Empfindung des' Schönen bat. Der erstere gab kaum ein Zeichen des Lebens im Wagen von sich, wen ich ihm mit den ausgesuchtesten ZlnSdriiken und mit den erhabensten Bildern von den Schönheiten der alten Werke redete. Nunmehro aber habe ich eiir Gelübde gemachet/ keinem Mcnschen in diesem Aalle zu dienen/ als dem/ der mir gefällt und eS würdig ist. Ich kenne Lipperten und dessen Abdrüke/ welche nicht in Schwefel/ sondern inGyps sind. ES fehlen demselben sehr beträchtliche Stüke des sto- schischen sowohl als an.derer Kabinete in Italien/ und eine große Anzahl sind in Pasten von GlaS gegossen, welche über Abdrüke von Schwefel und nicht über die Steine selbst geformet sind/ daher diese nothwendig etwas stumpf sein müßen. Ich befürchte auch, daß unter der ungeheuern Menge von drei Taufend sehr viel nnie Sachen sein werden; den Christian Dehn, "welcher der einzige in Rom ist in dieser Arbeit von Abdrüken, wird nicht über 1200 haben. Er verkaufet aber einen jeden Abdruk in rothem Schwefel für einen Paolo, welches sehr hoch tomt. Man hat ober das Auslesen, und ich habe selbst -Wo für emen jungen Livländer/ den Baron von Berg/ machen lassen. Zur Keutniß des StylS und der Schönheit können die Abdrüke ungemein viel helfen; aber Lippert wird arm sein an Abdrüken von hetrurischen Steinen/ und ich zweifele/ ob er nberbauvt davon habe. Den Gesandtschaftsrath vou Hagedorn, einen Bruder des bekanten Dichters, kenne ich sehr genau, und vor dem Kriege war ich mit demselben in Briefwechsel. Er hat eine große Kentniß iu der Malerei, welche er sich zu Wien,, zu Düsseldorf, zu München und Dresden erworben hat. ES mnsi aber feine Keiitniß theils mangelhaft/ theils nicht völlig 616 Freundschaftliche richtig sein/ weil er Italien selbst nicht gescheit hat. Sein Werk von der Malerei ist mir von vielen aus Sachsen angekündiget/ weiter aber habe ich keine Nachricht von demselben. Er spricht sehr viel und ich wünsche/ daß diese Gabe nicht in dieser seiner Arbeit zu merken sein möge. Den Sonabend nach Ostern gehe ich endlich nach Neapel ab. Von einer andern künftigen Reise dahin sprechen Sie sehr zuversichtlich/ und es könte vielleicht geschehen. Diesen Sommer werde ich ganz allein mein Quartier in der Villa des Cardinals vor der Porta Salara nehmen/ um daselbst mich allein zu genießeit. Von Mengs habe ich seit der Zeit ein kurzes Schreiben erhalten/ aber ohne Antwort auf Ihr Verlangen/ welches ich vor einiger Zeit wiederholet habe. Es scheinet/ daß seine Absicht sei/ nach Engeland zu gehen / ohnerachtet der Vortheile in Spanien. Ich bin mit Schwindeln überfallen/ und schließe daher mit einem herzlichen Gruß an Ihre und meine Freunde als Ihr se. An R i e d e s e l. Mach Florenz-^ Rom/ den l» März 176Z. Tb eure st er Freundl ^sch habe allererst gestern Ihr angenehmes Schreiben erkalten. Ihr Urtheil von Florenz ist völlig gegründet: in der Malerei ist das Trokne/ Harte ^ und Übertriebne der Herrurier auch ihren besten Künstlern eigen/ und wen Michael Angelo in Briefe. in? Steine geschnitten hätte, würden seine Figuren dem Tydens und dem PeleuS ähnlich gewesen sein. Der Palast Pitti zeuget auch in den besten Zeiten von den toscanischen Begriffen im Banen. Die Schreibart der Florentiner ist/ wie ihre Malerei, ängstlich/ gesucht und was man miser nennen möchte. Zzo, da kein Hof mehr daselbst ist/ sind die Künste gänzlich gefallen mit samt der Gelehrsamkeit/ und der Florentiner/ welcher von Natur ein eitles Wesen ist/ wird in der Unwissenheit/ in welcher er dennoch als etwas erscheinen will/ lächerlich. Das Haupt der Gelehrsamkeit in Florenz ist ein Mensch/ welcher seine Herberge den ganzen Tag in einem Kaffee bei dem Sch weizer hat. Er heisset der Doctor L" l)/ aufgeblasen wie eine Kröte. Der einzige Man von Kentniß und Gelehrsamkeit ist der ZIbate Niceolini/ welchen Sie billig sollten kennen lernen. Die Armuth in Florenz zeiget sich beim Eintritt in die Stadt auch unter dem gemeinen Man: ich habe nirgends so viel Mäntel tragen sehen. Ich glaubte nicht/ daß Sie den schönen jungen Menschen vergessen hätten/ von welchem ich Hhncn mehr als einmal gesprochen. Er heifit Rico lo Castellani/ aus einem der besten Häuser. Zu meiner Zeit war er etwa 16 Jahr/ aber ein vollkommenes Gewächs. Stosch sagte mir im vergangnen Jahre/ daß er viel von seiner Schönheit verloren habe. Wenige Menschen werden ihn kennen; den es scheinet/ die florcntiinschen Schönen finden nur ein unbedeutendes britisches Gesicht schön. Der Herr Grav von W"?) l,at Unrecht/ sich über mein Stillschweigen zu beschweren; ich bin demselben keine Antwort schuldig; aber mit allen und t) tLami-1 2) lWerthcrn.I 26 * 6is Freundschaftliche jeden/ die ich in Rom kennen lerne, kan ich keinen Briefwechsel unterhalten. Die Anmerkungen aber zu meinem Aufsaze habe ich ihm gleich anfangs nach ' Deutschland zu senden versprochen/ damit nicht etwa ein W" i) in Paris groß thun möge mit Nachrichten/ mit welchen ich noch nicht öffentlich erschienen. Ich werde alles/ was Sie mir aufgetragen haben/ getreulich ausrichten/ und ersuche Sie/ dem Herrn Chevalier Man meine unterthänigste Empfehlung zu machen/ und den Herrn Rath Rei ffen st ei n herzlich zu grüßen/ und ihm zu sagen/ daß der Herr Baron von Berg geschrieben/ dem ich künftigen Posttag antworte. Ich bin mit immerwährender Hochachtung und Freundschaft Ihr ganz eigener ;c. An Berg. Mach Paris.z Rom, den 22 März 576Z. Mein theure st er Freund! Auf Ihr lezteS Schreiben vom vorigen Posttage (ohne Ort/ Tag und Jahr) haben Sie mich einige Zeit warten lassen; aber die edle Aufrichtigkeit/ mit welcher Sie diesen Verzug cingestchen/ dienet statt aller Entschuldigung. Ich gestehe Ihnen wideruni/ daß ich mich vergangen in der Erklärung des mir zugedachten Geschenks: eS fiel mir zu gleicher Zeit die Nnhöflichkeit desjenigen ein/ der eS hätte überbringen können/ und das schlechte Bezeigen seines Bruders 2) gegen viele demselben erwiesenen Dienste/ welches die Willfährigkeit gegen Fremde verleiden könte. Dieses aber sei unter uns gesagt. IWille.Z 2) lVoikmail.l Bricfc. Das Sendschreiben an Sie würde bereits zum Druke/ und zwar besonders, fertig sein» weil ich vorhersehen können/ daß Sie sich so lange in Paris aufhalten würden, Sie würden es an allen Orten gcdrukt gefunden haben. Ich lasse eS aber dennoch vielleicht besonders druken; aber in diesem Falle muß es wenigstens mit drei Kupfern gezieret sein/ welches Zeit haben will. Ich habe indessen dem Commercien- rath und königlichen Buchhändler in Dresden/ Herrn Walt her/ Ihre Ankunft angekündigt/ und die Liebhaber und Kenner der Kunst daselbst werden begierig sein/ den liebenswürdigen Livländer zu sehen. Erinnern Sie sich daselbst Ihres Freundes/ und gehen Sie ausser Dresden eine halbe Meile an den Ort meiner langen Einsamkeit/ nach Nöthenij/ wo die berühmte und kostbare Bibliothek des verstorbenen Eraven von Bünan stehet. Der BibliothekariuS weiß von Ihnen und wird Ihnen sehr viel Seltenheiten zeigen. Das Sendschreiben von den h er en l a ni sch en A lt ert ü in e rn / welches mehren- theils abgegangen ist/ wird ohne Zweifel in Straß- durg zu haben sein: einen nähern Weg weiß ich nicht. Künftigen Sommer werde ich meine Anmerkungen über die Baukunst der Alte»/ noch mehr als einmal so stark vermehrt/ druken lassen. Ich hoffe auch künftigen Herbst mit meinem großen italiänischen Werke hervorzutreten. — Den Sonabend nach Ostern gehe ich auf einen Monat nach Neapel / nm neue Untersuchungen zu einer andern Ausgabe der Schrift über die herculanischen Entdekungen zu machen/ welche wenigstens nm die Hälfte vermehrt erscheinen wird. — Künftigen Posttag werde ich suchen/ Ihnen mein Profil, von Casanova gezeichnet/zu überschiken. I Wen cS nicht mit dem Paket des Hofes abgehen kan, t) lBiogvaphie S. LI.VIII/I 620 Freundschaftliche werden Sie erlaube»/ den Brief an die Banquiers Torton und Bauer zu richte»/ wo Sie können nachfragen lassen. Wünscheten Sie das königliche Münzkabinet genau zu sehen/ so verlangen Sie von mir ein Schreiben an den Herrn Lartliclem^, L.ircle <1>I Lsdinet, tl» koi, Sie müßen sich aber vorher erkundigen/ ob cr nicht auf's Land gehet/ wie gewöhnlich. Ich bin zwar versichert/ man wird Ihnen allenthalben mir Höflichkeit zuvorkommen; aber ich wäre begierig/ auch durch mich Ihnen nüzlich zu sein. Herrn Graven von Werth ern und von Mün- nich cmvfchle mich auf das allerunterthänigste. Dem erstern will ich auf den ersten Wink das Versprochene nach Deutschland überschiken: den ich kan nicht umhin/ verschiedene Dinge anzumerken/ die niemand ausser mir wissen kan, und die leicht einem Franzosen dienen könten/ ehe ich mit denselben an s Licht getreten. Sagen Sie demselben/ daß ich vermuthlich künftiges Jahr eine Reise nach Sachsen thun möchte/ um Deutschland zum leztenmal zu sehen, und ich hoffe das Vergnügen zu haben/ demselben meine Aufwartung machen zu können. Ich wünschete/ daß es eben so leicht wäre/ Sie/ liebster Freund/ noch einmal im Leben zu umarmen. Ich schmeichle mir indessen/ Ihr geliebtes Bild in Ihren Enkeln hier in Rom zu sehen. Mein Entschluß ist gefaßt/ niemals aus Rom zu gehen. Diesen Sommer werde ich auf der Villa wohnen und im Herbst nach Urbino gehen. Mit solcher Freiheit kan ich nicht so lange vorher Anschläge machen an Orten/ wo die Freiheit in keinem Stande ist. Einliegendes Briefchen bitte ich Herrn Wille zustellen zu lassen. Ich küsse Ihnen die Hände ic. Briefe. 621 An N i e d e s e l. lS.ach Venedigs Rom tun Avvil) 1762. O- ^»ch habe ein paar Posttage überschlagen/ um diese meine Antwort zu gleicher Zeit mit Ihnen in Venedig eintreffen zu lassen. Der erste Punkt Ihres' angenehmen Schreibens betrist den Herrn von S"*. >) Was in dieser Sache gesprochen ist/ sei wohl gemacht. Ich habe bis- hero geschwiegen/ und werde eS auch von nun an thun, zumal da ich in Neapel nur auf die geringste Erwähnung seiner Schuld und Schuldigkeit wartete/ um demselben mit der freundschaftlichsten Art ei» Geschenk meiner Forderung zu machen. Der zweite Punkt ist meine aus der Art geschlagene Schönheit. 2) Ihr Urtheil ist mit dem Auge eines Kenners gemacht/ und in dieser Überzeugung habe ich es von niemand in so vielen Hahren meiner Eittsernung von Florenz/ als von Ihnen ganz allein/ verlanget. Ich habe niemals desselben schriftlich gegen den Rath Neiffenstein gedacht. Stofch irrste: da jener noch nicht die Gränzen der Zünglingschaft betreten; aber seine lezte Nachricht ist durch Sie bestätiget. Ich bin wahrhaftig betrübt über die Vergänglichkeit eines so hohen Guts und über den schnellen Lauf des Frühlings unseres LebenS/ welcher in seltnen Bildungen ewig dauern sollte. Man gehet also gewisser und mit beständiger» Ideen in marmornen Schönheiten/ unter welchen ein Kopf eines jungen FaunS/ mit zwei Hörnerchen auf der Stirn/ seit weniger Zeit erschienen ist/ welcher alle hohe Schönheiten/ die ich bis« 5 her betrachten können/ übertrift. t) iSto sch?) 2) lNicolo Castellani.) 622 Freundschaftliche Cavaceppi ist der Besizer desselben/ und eS wird derselbe wohl endlich noch einem Briten zu Theil werden. Wer will und kan dergleichen ausser dieser Nation bezahlen? So viel ist indessen gewiß, daß ich/ so lange es möglich ist/ verhindern werde, daß dieser Kopf nicht ans Rom gehe.!) Von der großen Schale von Marmor von 35 Palmen/ mit den Arbeiten desHerkuleS in der Villa des CardinalS/ sind die mangelnden Stüke bis auf einen Palm entdekt/ welches Stük man zu finden hoffet. Jener Bildhauer ^Cavaeeppi^ hat verschiedne andere neue Enldcknngen bekommen/ unter andern eine wunderschöne Pallas von etwa drei Palmen/aber ohneKopsund Hände; einen sehr schönen weiblich gekleideten Fau»/ welcher tanzet/ undsich den Nok mit beiden Händen züchtig in die Höhe hält/ wie unsere Bürgermädchen in kleinen Städten thun / die zum erstenmale auf einer Hochzeit tanzen wollen oder müßen. Das Allcrschönstc aber ist ein fizender Gefangner ohne Arm' nnd Beine/ welcher nicht weit unter denLaokoon zu sezen ist. Aus Griechenland ist nebst andern Sachen eine weiblich bekleidete Statue/ ohne Kops und Arme/ angekommen/ mit dem Namen des Künstlers/ von welchem sich aber nur der Name des Vaters desselben erhalten.... xnoii-i. will sagen: Der Cardinal hat einen schönen Jupiter in Ca- meo für Z6 Seudi gekauft; wen man in Rom ist/ merket man nicht/ wie viel Entdekungen sich aufthun; aber in einem Monat Abwesenheit ist eS merklich. -') V i n ck e l m a i> selbst kam in den Best; dieses Kunst- Werks. G. d. K> 5 B. t K. S §. Den k ni a l e Num. 5?.1 2) tül'er diese Antiken selie man d. G. d> K. lind die an< der» Schriften an vielen Orten.) Briefe. 623 Ich komme »och einmal auf die Schönheit Auch Vittoriuccia fangt an zu fallen: es hat dieses mit mir mehr als einer gemerket, auch von denen , die nicht von der Kunst sind. Ihre Züge werden grob; die Bakenknochen (oss» ^uA»l»ris), welche bei ihr von Natur stark sind/ werden sichtbarer, und es wird mit der Zeit nichts bleiben, als die Auge» und der Muud. Von den, vermeinten Porträt deS RavhaelS, oder vielmehr deS Bindo Altoviti in diesem Hause zu Florenz, >) redet V a sari in des RaphaelS Leben; weiter braucht eS keinen Beweis, die Florentiner der Unwissenheit zu überführen. Ich glaube nicht, daß sie wider diesen Scribenten streiten wollen, welcher den Raphael selbst von Person hätte kennen können, wenigstens hat Altoviti denselben genau gekant. Zn einiger Zeit wird man daselbst kaum den Namen Benvenuto Cellini^) kennen. lWovon ein zweites Original i» der Galerie z» Mnn> chen ist. Mein Freund und Landsniaii, Herr Hofmaler und Professor Zoll in Freibura, hat davon eine ganz vortresliche Covie gemacht, die Herr Director, Langer zu Mimchcn die beste »ante. Morghcns schöner Kupferstich dieses Porträts ist bekant.Z 2) Was Winckelniaii hier befürchtet, hat mir mein würdiger Freund, Herr Lessing, bei seiner Nükkehr aus Italien gewissermaßen bestätigt. Er koiite die Sri- ginalausgabe von den« Werke dieses großen Florentiners, die ich ihm in hiesiger kurfürstlichen Bibliothek zeigte, bei dem sorgfältigsten Nachforschen in Italien nirgends aus, finden. Da dieses Buch so selten ist, und doch viel brauchbare Anmerkungen enthält, so wird eine kurze litterarische Nachricht davon hier nicht am unrechten Orte stehn Die erste Ausgabe dieses höchst seltnen Buchs erschien 156S, zwei Jahre vor dem Tode seines Versassers. Der vollständige Titel desselben heißt: vue li-.iu-u, IUI0 iulorao ulle vllo »Nt vcls ok il>e in Kupfer stechen lassen. Ich habe dieses Haus nicht gesehen. Ich bin lebenslang mit der größten Achtung und Freundschaft?e. l'altro in mater!» Zcll' arte öella ZCuIwra z ilove zi vcg- Aono iniiniti segreti nel lavorar le ligure inarmo e zweite Ausgabe dieses Buchs erschien i» 4 zu Florenz. Da ick> diese Ausgaben verglichen, so will ich den unter beiden bemerkten Unterschied liier ansühren. Die neuere Ausgabe hat einen unterhaltenden Vorbericht von 24 Seiten, wo man viel gute Nachrichten von dem Leben, den Schriften und Kunstwerken des Cellini beisammen antrist. Ferner ist am Ende ein bisher ungedruk, tes Fragment dieses Künstlers über die Grundsäze und Art, die Zeichnungsknnst z» lehren, beigefügt, welches, so klein es auch immer ist, (den es besteht nur aus vier Blättern,) doch verschiedene artige Gedanken enthält. Hingegen hat man in der neuern Ausgabe die in der ersten am Ende befindlichen Lobgedickte verschieduer grossen Männer aus die Arbeiten dieses Künstlers ausgelassen, wosür ein kleines Sachregister beigefügt ist. Die Lebensbeschreibung diese? grossen Künstlers, die er selbst aufge- sezt, ist unter folgendem Titel: Vita >!i //ni) vr^kco a scultore ?iorentinc>, Iu> memo »critta, >» coleni», (zu Neavel t?ZV.) in Quarto her, ausgekommen. Sie ist mit vieler Lebhaftigkeit und Laune geschrieben, und überaus unterhaltend, weil sie viel merkwürdige Anekdoten und Erläuterungen über den Zustand der Künste und der Geschichte seiner Zeit enthält. Daß- d o r f. lDiese Biographie Cellinis ist nun in Deutschland durch Göthes ilbersezung genugsam bckant Z Briefe. 625 An Kaspar Fiießly. Rom, den ? April t76Z. Theurester Freund! ^ch habe einen Posttag angestanden, Ihnen zu antworten , um Ihnen mit Gewißheit sagen zu können, daß mir die durch den Tod des bekanten Abate Ve- nuti erledigte Stelle eineSO bera u sseherS aller Altertümer in und um Rom, oder eines A n- tiquarii der apostolischen Kam mer, vor vielen andern, die sich ängstlich und kräftig darum bewarben, ertheilet worden. Folglich werde ich meine Hütte in Nom aufschlagen, und wen mir kan eine Stelle in der vaticanischen Bibliothek zu Theil werden, fo bin ich auf meine Lebenszeit versorget. Geben Sie unserm theuren Usteri davon Nachricht, an welchen ich nicht Zeit zu schreiben habe, damit ihm dieses die Maßregel sei in seiner Bewerbung um mich an Herrn Professor Sulz er. Ich entsage gerne allem Glanz in Deutschland, wo ich allenthalben nur das höchst Nothdürftige haben würde. Diese Stelle ist mit sehr weniger Arbeit verknüpft, ist ansehnlich und trägt monatlich i>Z Scudi. Das Urtheil über Herrn Hedlinger habe ich keineswegs von mir ablehnen wollen, wie Sie vielleicht gedenken köiitcu; aber es würde erfordert, um ein bestimteS Urtheil zu fällen, einige von feinen Arbeiten vor Augen zu haben, und ich weiß nicht, bei wem ich etwas von ihm suchen soll. Ein allgemeines Lob eines so großen Künstlers saget nichts; ein jeder kan und wird es geben. Von Donner weiß ich aus ÖserS Munde, was ick weiß: den ich bin nicht in Wien gewesen. Oser ist ein Mali von dem größten Talente zur Kunst; aber er ist faul, und es ist kein öffentlich Werk von demselben vor- Winckelmail. lo. 27 626 Freundschaftliche banden. Seiner Zeichnung fehlet eine strenge Nichtigkeit der Allen, und sein Colorit ist nicht reif genug. ES ist ein rubc ns'sch crPinscl:abcri>esseii Zeichnung ist viel edler. ES ist ein Man, der einen großen fertigen Verstand bat, und, so viel man ausser Italien wissen kan, weiß. Donner hat Italien nicht gesellen, so viel weiß ich. Sie versprechen sich zu viel, mein Freund, von mir in Engeland, für Ihren Herrn Sohn: ich bin Wenigen bekant, und vermeide diese inhosvitale Nation, wo ich kan. Ich werde aber allezeit ein großes Vergnügen haben, wen der Sohn meines würdigsten Freundes sich mit mir unterhalten will. Vielleicht findet er in Engeland einen Freund von uns beiden, welcher ihm statt aller sein würde. ES ist sehr glaublich, daß Herr MengS nach Engeland gehen wird, wohin ihn vier von den reichsten Herren rufen. Ich will aber in dieses Geheimniß nicht weiter forschen, weil man mir Schuld gibt- ich hätte ihm, durch eine unzeitige Nachricht bei dem hiesigen spanischen Minister, Verdruß zugezogen. Ich bore auch, daß seine Frau auf der Nükreise nach Rom sei. Von ihm selbst habe ich seit langer Zeit keine Nachricht erhalten. Die Menge von Briefen, welche ich zu schreiben habe, nöthigt mich, abzubrechen. Ich bin, wie ich beständig sein werde:c. An R i c d e s < l. lNach Venedig. 1 Rom, den ? Avril t7«Z. Ach habe geglaubet, Ihnen, und dem Herrn Ra- t) lDieser Heinrich Füeßl» , wclcker nach Enqland reiste , wurde Director der Malerakademie daselbst, und ist dieses Jahr zu London in einem hohen Alter gestorben.) Briefe. 627 tbe vor allen andern melden zu müßen / daß ich an die Stelle des verstorbenen AbaleVenuti zum Oberaufseher der Altertümer in und um Nom, oder zum Antiquario d er avosto l is ch en Kammer bin ernennet worden/ und künftigen Montag in Eid und Pflicht genommen werde. Diese Stelle/ welche monatlich >2 Scudi/ und mir den inceni» Scudi beträgt/ gibt wenig oder nichts zu thun/ und also können Sie sich vorstellen/ wie viele Concurrenten zu derselben gewesen / von denen ein jeder einen oder mehr Cardinale auf seiner Seite hatte. Meine beiden Gönner sind endlich über- Ivichtig worden. Diese Stelle sezet mich in den Stand/ die kleinen Kläffer/ wen ich wollte/ zu züchtigen; und izo kan nichts aufbliken ohne meine Nachricht. Bin ich so glüllich/ noch ein ->Na V--u- csns zu erhalten/ so bin ich hinlänglich auf meine Lebenszeit versorgt/ und kan meine Tage in dem Lande der Menschlichkeit endigen/ wie ich wünsche und hoffen kan. Ich werde aber der Reise nach Nea» xel dieses Frühjahr entsagen müßen; jedoch gehe ich auf acht Tage zur Prinzessin Albani nach Nettuno. Meine vornehmste Beschäftigung wird diesen Sommer sein, meine Abhandlung von der Schönheit/ mit den besten Stelle» aus der Geschichte der Kunst vermehrt/ in'S Wälscke zu übersezen; die Zuschrift wird an den Cardinal Nezzonieo sein. Lch warte mit Verlangen auf Nachricht über die Aufnahme meiner Abhandlung von der Schönheit und bin mit herzlicher Empfehlung an Herrn Rath Nciffen stein tt. I) Mcisse,Istein,? Z) sZlltant und Spinells Freundschaftliche An L. U st e r t. lNach Zürich,Z Rom, dc» t6 April t76Z. ^»s meinem lezten Schreiben an unsern Freund/ den edlen Füeßly, werden Sie vernommen haben, daß ich zum Oberaufseher de r A l tertü m e r der apostolischen Kammer von Sr. Heiligkeit bin ernennet worden. Es ist eine ansehnliche Stelle: nur von 12 Scudi Gehalt monatlich, aber auch ohne Arbeit. Meine Freiheit leidet nicht dadurch/ nur bin ich etwas eingeschränkt, wen ich eine große Reise zu machen hätte; es wird sich aber auch hierzu Rath finden. Die Ursache dieser Schwierigkeit ist ein schriftliches Zeugniß / welches ich geben muß/ dasjenige zu bekräftigen, welches zwei AssessoreS auf das Memorial an den Cardinal Camerlengo geben, über Gemälde sowohl als Marmore/ welche aus dem Lande gehen. Diese AssessoreS sind meine Unterge- 1 bene und verpflichtet, diese Sachen zu besehen: ich nicht wie jene; aber mir stehet frei / alles von neuem zu besehen, und jener Urtheil ungültig zumachen. Ferner müßen mir a Nipa, wo die Sachen eingeschiffet werden, alle Kasten geöfnet werden, welche bis zu meiner Besichtigung nicht völlig verschlossen und verschlagen werden können. Meine Pflicht ist ferner, über alle Altertümer in und um Rom ein wachsames Auge zu haben. ES darf auch niemand ohne meine Erlaubniß nach Altertümern auch in seinem eigenen Grunde graben. ES muß mir daher alles gezeiget werden/ und was aufbüket/ bleibt mir nicht verborgen. Diese Stelle ist unserem Füeßly in Genf in etwas nachtbeilig. Den da mein Vorgänger Venuti aus einem alten ade- j lichen Hause/ aber aus Nothdurft/ in die ihn sein Unverstand gebracht, sich herunterlassen müßen, Frem- Briefe. 62s de in Nom zu führen, welches ihm von Personen, die denken wie sie sollen, übel ausgeleget wurde: so habe ich gleichsam ein Gelübde gemachet/ keinem Menschen, ausser mündlichem Unterricht, hierin zu dienen. Ich werde jenem aber so viel sagen können, als er nöthig hat, und auch von diesem Gelübde in Absicht der vornehmsten Orte abgehen können. Er soll aber der einzige sein und bleiben, weil ich ihm mein Versprechen vor diesem Falle gegeben habe. Ihrem jungen Baumeister werde ich mit Rath und That beistehen, wo ich kan. Ich bin zuerst unendlich verbunden für die Abschrift des fulzeri sehen Briefes, und zweitens für die Erinnerungen. Das mich, anstatt dich, im 201 muß ein Drukfehler sein. Über die Tessera werde ich Nachricht einholen, imgleichen von den Tafeln. Ob mich gleich der Wohlstand des Tiroeinii meiner Stelle zurükhält, nach Neapel zu gehen, (welches ich setmlich wünschete,) so soll dieses dennoch keine Verhinderung an einer neuen Ausgabe sein. Den ich habe unendlich viele Sachen gesammelt, und die Nachrichten, die ich verlange, sind schriftlich zu erhalten. Aber den Truk des Sendschreibens habe ich noch nicht gesehen. Ich erwarte auch von Neapel Ihr angenehmes Geschenk, wen eS wird angekommen sein. Ich müßte ein Schöpfer sein, um Ihrem mi« rühmlichen Verlangen in meinen Arbeiten ein Genügen zu thun. Seit einiger Zeit habe ich keine Feder ausezen können, und von nun an muß ich auf Rom und auf Italien gedenken. Diesen Sommer werde ich meine Abhandlung von der Schönheit in'S Italiänische übersezen, und dem Cardinal Nezzonieo zuschreiben. Au dem großen italiänischen t) lJm 2 Bande S. 16L, welches als» darnach zu verbessern ist ^ 6Z'. an Riedesel/ v, Axril 176Z.Z Briefe. 634 Bequemlichkeiten, die ich genieße. Eine nächst zu errichtende Stelle eines Aufsehers der Altertümer in der Vaticana kan mir nicht entgehen, und wen ich künftig noch ein Scrittorato in derselben erhalte, tausche ich mit keinem Geheimdenratbe in Deutschland : den die Freiheit, die ich genieße, ist »nein» geschränkt, und niemand fragt mich, was ich mache. Mein Gönner, der große und gelehrte Cardinal Decano Spinelli, dem ich jene Stelle zu danken habe, starb wenige Tage nachher, zu meiner äussersten Betrübniß, im 69 Jahre; ich habe aber die Vornehmsten in diesem Collegio zu Freunden. In einigen Tagen gehe ich mit meinem Herrn und Freunde auf dessen Lustschloß zu Nettnno an der See und nachher wird er seine prächtige Villa einweihen. In den heissen Monaten aber werde ich allein daselbst meine Residenz nehmen. Dieses ist die Aussicht meines Lebens bis auf den Herbst, und alsdan werde ich längs dem adriatischen Meer eine Reise nach Urbino machen. Meine Reise nach Neapel muß ich bis künftiges Frühjahr »ersparen. Ich bin sehr geneigt, nachher eine Reise in die Schweiz, und von da eine Ausflucht nach Sachsen zu machen. Ich boffe izo in der ^estlelnie cles Inscri^>l>ionz ed Keiles I^edtres lle Paris als Correspondent aufgenommen zu werden. Man suchte mich nach Berlin zu ziehen, welches ich nicht eingehen konte, zumal izo, da ich hier besser stehe, als anderwärts geschehen kan, und Rom zu verlassen, ist: mich von meinem Liebsten trennen. 632 Freundschaftliche An U st e r i. lNaK Zürich.) Rom / den 22 Mai 57SZ. Äie Briefe nach der Schweiz durch meinen gewöhnlichen Weg müßen sehr langsam gehen / weil ich sehe/ daß Sie von meinen Neuigkeiten gar nicht unterrichtet sind. Ich habe Ihr lezteS Schreiben vom ^ dieses vor ein paar Tagen erhalten. Ich wiederhole also/ daß ich die Stelle eines Präsidenten der römischen Altertümer/ nach dem Tode des Abate Venuti/ erhalten habe/ welche an 160 Scudi trägt/ ohne die mindeste Arbeit. Ferner bin ich mit einer ausserordentlichen Pension von 60 Scudi jährlich in die Vaticana gesezet/ unter dem Vorwand/ die deutschen Ntanuscripta in Ordnung zu dringen/ die Absicht aber ist/ mich hier zu binden/ und daS erste vacante Scrittorato ist für mich/ mit Bei« behalt der Pension. Ich habe also izo schon 320 Scudi. Ferner errichtet man izo ein Hlnscum xrokaa-trum in der Vaticana/ welches diesen Sommer fertig wird/ und die Aufsicht desselben ist mir ebenfalls zugedacht. Folglich kan und muß ich izo mich der süßen Hofnung/ meinem Vaterlande nüzlich zu sein/ begebe»/ und ich sage Herrn Professor Sulzer verbindlichen und ewigen Dank für dessen freundschaftliche Absichten. In Dresden ist es keine sehr angenehme Nachricht gewesen; allein ich bin nicht Schuld daran. Ich muß das Eisen schmieden/ weil eS warm ist/ und nicht auf Eisen hoffe»/ ob eS kommen will. Ich will nunmehro meine Tage in Ruhe hier beschließen; aber wen ich Erlaubniß erhalten kan / gedenke ich künftiges Jahr eine Neise nach Deutschland j» thun. Briefe. 6zz Walther in Dresden hat den Entschluß gefasset, die Geschichte der Kunst/ so wie die Bogen im Deutschen abgedrukt seien > einen nach dem andern, in's Französische übersezen zu lassen/ wen er jemand tüchtig dazu findet/ um die Übersezung zugleich mit dem Originale an das Licht treten zu lassen. Von Ihrem Geschenke >) aus Neapel habe ich noch keine Nachricht! wen es angekommen ist/ hoffe ich eS durch einen jungen Reisenden zu haben. Dieses ist ein junger Freiherr von Dalberg/ Domherr zu Mainz zc. (welcher Titel bei mir sonst von übler Bedeutung gewesen ist) liebenswürdig/ von gutem Geschmak, vieler Einsicht und Wissenschaft, welcher nach seiner Rükkunft in Deutschland das Griechische studiren will. Man muß so seltene Menschen, zumal aus katholischen Ländern in Deutschland/ seinen Freunden bekant machen. Er reiset mit vieler Würdigkeit/ aber Frankreich will er nicht sehen. Man hat zu Pompeji ein Musaico mit dem Namen des Künstlers gefunden/ wovon ich ehestens umständliche Nachricht erwarte. Bei Mbano ist ein prächtiges Gefäß von Alabaster, ein schöner Kopf des HadrianS und andere Stüke auSgegraben. Und in diesem Augenblik gibt mir der Prinz Aktie ri/ dem diese Sachen gehören, Nachricht/ daß sich eben daselbst eine Statue gefunden. Wir finden hier mehr in einem Monat/ als bei Neapel in einem ganzen Hahre. Ich fange izo an/ meine Bücher zu vermehre»/ t) fCanevas.1 2) lDicser Baron vo» Dalberg ist d?r aufgeklärte, berühmte Bisckof Primas von Deutschland und Groß, Herzog von Frankfurts Freundschaftliche und habe um einige nach Engeland geschrieben; andere erwarte ich aus Deutschland. Von Berlin habe ich keine Nachricht. Meinen herzlichen Gruß an Herrn Füeßly und Herrn Gcsine r. Ich bin?c. An R i e d e s e l. l?!ach Venedig,Z Rom, den 22 Mai l76Z. Äie Flüchtigkeit des Frühlings unserer Jahre hat mir wie Ihnen manche betrübte Betrachtung verursachet/ sonderlich/ da mir keine billige Proportion unter den verschiedenen Altern des Lebens zu sein scheinet. Die schöne Jugend ist mehrentheilS/ wie der heurige Frühling/ kaum zu merken. Hierzu fanden die Morgenländer in unserm Geschlechte durch die Verschneidung ein Mittel, und vielleicht hatte die Beschneidung der jungen Mädchen bei ihnen eben die Wirkung. Digby/l) ein Engeländer/ hat ein t) Das Bück, das Winckelmaii liier meint, muß fleissig sein gelesen worden, da man eS so os: ausgelegt hat. ellition r«.vue, cori-i^ec et silßmi'ntee 6'ui» Volum«, I-> >71?. in g. Der Verfasser des Buchs, der 16S5 starb, war ein englischer Ritter, Ke> n e l in u s Di g b y, der sich sehr der Medicin und Chemie widmete, und einige Zeit zu Mvntvellier lebte. Sein Vater war der bekante Everbard Digb», der wegen der Pulververschwörung mit enthauptet wurde. Daß« d » r f. -Briefe. Buch geschrieben von Erhaltung der Schönheit; bat er aber kein anderes Mittel gewußt, als Vipern, die seine Liebste essen mußte, so verdienet sein Buch keine Aufmerksamkeit. Zzo sehe ich ein schönes Gesicht und Gewächs viel gleichgültiger an/ als ehemals: aber ich mache allezeit die traurige Betrachtung über die kurze Dauer. — Sie werden in einigen Monaten, und zwar zu Ende des Julius eine kleine neue Schrift mit ein paar Kupfern von mir, gedrukt sehen. Walther in Dresden ist gesonnen, meine Geschichte der Kunst in's Französische über- sezen zu lassen. Der Prinz Altieri hat bei Albano verschiedene Altertümer auSgraben lassen, unter andern ein schönes Gefäß von Alabaster, eylindrischer Form, zur Todtenasche, welches an 200 Scudi geschäzet wird. Heute hat er eine Statue kommen lassen, welche ich diesen Abend sehen werde. — Ich bin mit ewiger Liebe und Freundschaft Ihr ?e. Nach fch r. Die Statue beim Prinzen Altieri ist ein schöner junger Faun, »vn bello cl'ille», m» caricsto «lü , in Lebensgröße, welcher eine Muschel hält, die zu einem Springwasser diente. ES fehlet nur ein Schienbein und die Arme vom Ellebogen bis an die Knöchel der Hand. Der Kopf hat sich auch im Umsturz nicht abgelöset. An U st e r i. lNach Zürichs Villa kuor la portz gll II (ZillßNL 176Z. Ä)?ein Schreiben vom vorigen Posttag« werden Sie 636 Freundschaftliche erhalten haben. Dieses kan ich/ weil ich ausser Rom bin/ nicht mit Briefen der Nuntiatur abgeben lassen. Sie werden nunmebro wissen/ daß ich meinen Fuß in die Vaticana gesezethabe; welche mir zu der ersten erledigten Stelle Hofnung gibt.') Einer von t) lDer Cardinal Alban! hatte ihn durch das nachfolgen« de Schreiben an den Pabft in diese Bibliothek empfohlen:) Leati88»mo II ^.Idani, iilnilis'Ztmo 8Ul?6ito Briefe. 6Z7 den Scrittori ist 76 Jahr und dürfte eS nicht lange mehr treiben. Man wird mir einen päbstlichen Befehl auswirken zu Verfertigung der mangelnden Register der griechischen Manuskripte und hernach eines GeneralregisterS der Manuskripte in dieser Sprache/ die sich in den vier Bibliotheken der Vaticana befinden. Den ich habe gar keine Lust, in deutschen Sachen zu arbeiten. Die Collation des Demo sth e n es kan Ihnen vom Vernazza, dem griechischen Scrittore, gemacht werden; er läßt sich gut bezahlen. Man musi aber vorher wissen, ob würdige Codices da sind, welches ich nicht eher als im Herbste wissen kan; den die Ferien haben bereits angefangen, und Vernazza ist verreiset. Die Stelle des Antiquarii trägt Scudi und die andere nur 50. Ein Scrittora- to aber macht Scudi monatlich. Ich schenke allen Höfen ibre Pensionen für Franzosen und für Ge- never und Wälsche: die mögen sie die Künste lehren. Meine izige Beschäftigung in der Vaticana schneidet dem Herrn Füeßly alle Hofnung ab, ihm anders als mündlich in meiner Kammer nüzlich zu sein: den ich muß alle Morgen vom November an bis zum ZuniuS eine halbe deutsche Meile hin und eine andere zurük zu Fuße machen. Meine neue kleine Schrift von etwa 6 oder 5 Bogen ist bereits nach Dresden zum Druk abge- nelle quali xli -Itr'i Lcrittor! xono vkNßKti 11» via?,?-» Icslrin!, in Nom gebauet, die auch »och izo diesem Hause zustehen, dieselben allhier gesammelt habe. Unter den Sachen in der Bibliothek ist ein schönes verstümmeltes Bassorilievo, welches ein Seegefechte vorstellt. Dieses war zu Fulvii Urfini Zeiten, d. i. unter Pabst Paul III. noch in Rom, wie ich aus dessen Zeichnungen in der Vaticana sehe. DaS Beste im Hause Grimani muß die Statue von M. Agrippa sein, welche Poeocke in seiner voscrip- »ioi> ok tiie Rast 2) in Kupfer gestochen beibringt. Ich bin mit ewiger Freundschaft Dero zc. j) lBr. an L. Usteri, v. t! Ju». t76Z-l 2) Im englischen Sriainale steht sie im zweiten Theile deZ zweiten Bandes, S- 212. t->I>. XLVll, In der deut- scken w i nd h ei m i,'ch e n überseumg, die zu Erlangen in drei Quartl'änden erschienen, im dritten Theile, S- Zll. Daxdvr5 5-w Freundschaftliche An Franke. (Nach Nöthenij. Z Rom, den N Jun. 176Z. 58)as meine Beschäftigung in der Vaticana betrift, so kan ich Ihnen izo melden, daß man mir einen päbstlichen Befehl auswirken wird, zu Verfertigung eines besseren Verzeichnisses der griechischen Manu- scripte, und durch diesen Weg komme ich endlich zu den gewünschten Geheimnissen. Unsere Ferien in der Vaticana haben bereits angefangen und währen bis zum November. Sehen Sie, wie menschlich die Arbeit hier eingerichtet ist. An Berg. lNack Livland.1 Rom, den 2t Jun. 176Z. Ach habe Ihr Schreiben aus Hamburg vom Mai den tb Juni erhalten; diese meine Antwort aber wird längere Zeit brauchen, durch halb Europa zu gehen: wen Sie aber dieselbe erhalte» haben, wird ein längeres an Sie abzugehen bereit sein. Dieses ist die an Sie gerichtete Schrift: von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen in der Kunst, welche mit drei Kupfern gezieret in Leipzig auf vier oder fünf Bogen in groß Quarto gedrukt wird. Die lezten geschriebenen Blätter sind vor acht Tagen abgegangen. Das Format wird das größte sein, welches zu finden ist, damit dieselbe an die Geschichte der Kunst, welche auf Michaelis Briefe. erscheinet/ kan gebunden werden. Ich habe drei Exemplare für Sie auf Negalpapier bestellet. Sie können also unverzüglich an den königlichen Buchhändler Herrn Georg Konrad Walther nach Dresden schreiben/ und sich so viel Exemplare/ als Sie verlangen / kommen lassen. Ich habe keine/ wie es gewöhnlich gewesen wäre/ zum Geschenke druken lassen/ weil ich nicht weiß, wohin dieselben sollten ge- schikt werden; Sie werden sich also deßwegen mit ihm abzufinden haben. Ich habe noch ein Versprechen zu erfüllen / welches ebenfalls in einer Zuschrift an meinen Freund Mengs in Spanien bestehet/ auf welchen die entworfene Allegorie für Künstler wartet: und nachher keine Znfchrifr weiter an niemand. Mein großes italiänisches Werk von wenigstens Kupfern wird gegen künftige Ostern erscheinen. Ich habe nunmehro meine Hütte auf ewig in Rom aufgeschlagen / nachdem ich nach des Abate Dell uti Tode zum Präsidenten der Altertümer in Rom bin ernennet worden, und bald nachher erhjrlt ich eine kleine Pension in der Vatieana/ mit dem Versprechen deS ersten erledigten Scrittoratv/ welches in der hebräischen Sprache sein wird/ für mich. Meine Freunde denken auch noch auf etwas anderes für mich. Ich entsage also der Thorbeit des HofeS. Ich befinde mich izo mit meinem erhabensten Freunde auf dessen Villa feit vierzehn Tagen / und wir werden bis gegen die Hälfte des künftigen Monats lner bleibe»; ich aber nachher allein den ganzen Sommer. Im September werde ich mit Herrn Casanova eine Reise nach Urbino machen. Dieser hat für einen Engeländer die schöne Pa ll a s in der Villa zu zeichnen, und wird auf einige Tage zu mir herauskommen/ da alsdan mein Profil für Sie gewiß soll gezeichnet werden. 27 * 6i2 Freundschaftliche Die Ausfertigung meiner Bedienungen hat mich verhindert, nach Neapel zu gehen; ich habe aber von allen Entdekungen genaue Nachricht/ und den 2» April ist zu Pompeji ein Musaico gefunden worden, mit dem Namen des Künstlers 2^102, DioSkorideS von Samos, als das einzige seiner Art, und es übertrift auch in der Feinheit der Arbeit alle andern. Wen Ihre Herrn Enkel künftig kommen, und Tanucci ist noch am Leben, so verspreche ich Ihnen das herculanische Werk; den wir haben Friede gemachct und schreiben von neuem an einander. In unserer Villa wird izo ein runder Tempel mit einem Säulengange von l6 Säulen gebauet, in welchen ein großes Gesäß von Marmor mit den Arbeiten des Herkules von 35 Palmen im Umkreise gesezet wird. Ferner wird an einer Cascade hinter dem runden Portico gebauet. ES ist auch hinter dem ionischen Tempel ein schönes Zimmer, mit den schönsten kleinen Figuren und erhobenen Arbeiten besezt, fertig worden, welche Sie alle in meinem großen Werke gestochen und beschrieben finden werden. Um wiederum auf Ihre Schrift zu kommen, ss versichere ich Ihnen, daß ich mir viel Gewalt an- tlnm müßen, um nicht mehr zu sagen, als ich gesagt habe; wie ich würde gethan haben, wen ich meiner Passion hätte folgen wollen. Aus eben diesem Grunde schreibe ich izo nicht, wie ich sonst schreiben würde. Aber ich liebe Sie nicht weniger, als da ich Sie gegenwärtig hatte. Hch küsse Ihnen die Hände und ersterbe:e. Briefe. 6^Z An Franke. lNach Nötheniz.) Villa Albani, i>en 2S Jun. 17SZ. ^ch habe mehr erlanget/ als ich verdiene/ und als ich im Traume mir bilden können. Mein einziger Wunsch wäre noch übrig zu erfüllen/ Sie / als den einzigen Freund von den ältesten / der mir übrig ist, hier zu sehen: den in Sachsen kau ich es nicht hoffen. Es stehet izo bei mir/ ohne eines andern Hülse zu leben/ und mein Entschluß beruhet auf meinem großen italiänischen Werke ->n- iic!l>i ss)ieAl>ii ei5t>worzu die Kupfer gezeichnet und gestochen werden/ deren über I.5N sind. Diese Unternehmung geschieht auf meine Kosten/ und der beste Zeichner in Nom, Herr Casano va/ ist bis zur Hälfte. Der Anschlag ist auf 1000 Exemplaria gemachet und die Kosten werden sich auf töoo Sm« di belaufen. Ich hoffe/ weü kein Nnglük geschieht/ gegen Ostern mit demselben hervorzutreten.. An Nfter i. lNack Ziivich.Z Villa Albani, den Ju«. <763. ^ ' ^ch bin angestanden/Ihnen auf Ihr leztereS Schreiben zu antworten; um Nachricht von Neapel über Hhr Geschenk zu erwarten. ES ist dasselbe bereits vor einiger Zeit daselbst anaelanget/ aber der Pater della Torre hat es nicht annehmen wollen, und der Kaufman hat es zurükgenommen. Izo erwar- Freundschaftliche te ich es durch den Pagliarini, und sage Ihnen nochmals verbindlichsten Dank. Vielleicht gelinget es mir/ Ihnen ein Geschenk mit den hereu- lanischen Gemälden zu machen; wenigstens werde ich mir dieselben ausbitten/ wen ich dem Tanne ci mein Werk zuschiken kaii. Ich hoffe/ es sollte gegen Ostern fertig werden. Jzo habe ich es so weit gebracht, daß ich eine väterliche Liebe gegen dasselbe bei mir merke/ wie gegen einen woblgera- tbenen Solin / wie Sie sind. Sie werden in demselben durch Hülfe seltener Denkmale Stellen des Homerus/ des Sovho kl es, des PausaniaS und anderer Scribenteii erkläret sinden, die bisher nicht verstanden sind/ auch nicht verstanden werden können. Der Preis desselben wird vermuthlich an 2 Zeechini sein. Ti>- Vorlesung desselben ist die angenehmste Beschäftigung meincS Herrn in unserer Villeggiatura gewesen. Seut' gehet derselbe nach Rom zurük und ich bleibe allein zurük/ um hier den ganzen Sommer bis zum Oetober zu bleiben. Von dem Maler in Berlin / von welchem Sie Nachricht verlangen/ weiß ich nichts; ich stelle mir aber nicht- Besonderes vor. Von dem dortigen besten Miniaturmaler habe ich in Florenz deS Königs Porträt gesehen/ welches seyr schlecht gearbeitet war; und ich kenne diesen Man von Dresden her: er heißt Tim born. In einem Lande wie Svarta können die Künste nicht Wurzel fassen/ und sie werden ge- xflanzet ausarten. Mein Versuch ei ner Alleg o rie für K ii nstier ist auf guten Wegen und kan vielleicht künftigen Winter zum Druke fertig sein; die Zuschrift ist Herrn Mengs zugedacht. Künftig ein Mehrere?. Gruß und Kuß an Herrn Füeßly/ Geßner und an Ihren Herrn Bruder. Ich ersterbe Briefe. An Kaspar Fiießly. lNach Zürich,) Rom, den 6 Aug. 176Z. Es bat mir Herr in den lezten Tagen vergangenen Monats Ihr geschäzteS Schreiben überleben, und hat in wenigen Tagen nach seiner Ankunft seine Reise nach Neapel fortgesezet, wie ich ihm selbst gerathen habe, nachdem er mich zum z.veitenmale mit seinem Besuche beehret. Ich werde demselben/ wen ich besser von dessen Emvstndnng und Geschma- ke überzeuget werde, nach seiner Rükkunst, so viel mir möglich ist/ mit demjenigen Unterrichte dienen/ den er wird annehmen wollen und können. Ich habe gemerket/ daß er das ganz Schlechte vom Guten in der Kunst/ welches die Huuprabsicht seiner Reise scheinet/ nicht unterscheiden kaä/ wie er und ein jeder das Gegentheil von sich selbst glaubet; wer sich aber hier nicht unwissend erkennet/ pfleget eS zu bleiben. Zch komme bei Ihnen hiermit als mit einer Rechtfertigung zuvor/ und ich werde/ wie ich frei schreibe / also auch frei mit demselben zu dessen Nuzen und Unterricht reden. Dessen Betragen ist gefällig/ und seine Absicht in Anwendung der Zeit in Rom löblich. Von Ihrem Herrn Sohne habe ich keine Nachricht. Ich wünschete/ daß er nach der weiten Reise das Glük habe/ Rom zu sehen/ und ich ihn/ um ihm den Freund seines würdigen Vaters zu zeigen. Herr N steri wird Ihnen von dem großen Werke/ welches mich izo beschäftiget/ Nachricht gegeben haben : es bestehet aus 200 Kupfern niemals bekant gemachter Werke in Marmor und in geschnittenen Srcinen / welche von dem größten Zeichner in Rom 646 Freundschaftliche ausgeführet sind. ^ 5o Kupfer sind fertig und künftiges Frühjahr könte es in Negalfolio erscheinen. Dieses Werk/ hoffe ich/ soll mehr Licht und Unterricht geben, als was andere Antiquar« über die Kunst geschrieben haben. Es ist aber in Wälsch geschrieben. Mit ewiger Ergebenheit ersterbe ich ic.