Briefe. 621
An N i e d e s e l.
lS.ach Venedigs
Rom tun Avvil) 1762.
O-
^»ch habe ein paar Posttage überschlagen/ um diesemeine Antwort zu gleicher Zeit mit Ihnen in Vene-dig eintreffen zu lassen.
Der erste Punkt Ihres' angenehmen Schreibensbetrist den Herrn von S"*. >) Was in dieser Sa-che gesprochen ist/ sei wohl gemacht. Ich habe bis-hero geschwiegen/ und werde eS auch von nun anthun, zumal da ich in Neapel nur auf die geringsteErwähnung seiner Schuld und Schuldigkeit warte-te/ um demselben mit der freundschaftlichsten Art ei»Geschenk meiner Forderung zu machen.
Der zweite Punkt ist meine aus der Art geschla-gene Schönheit. 2) Ihr Urtheil ist mit dem Auge ei-nes Kenners gemacht/ und in dieser Überzeugunghabe ich es von niemand in so vielen Hahren meinerEittsernung von Florenz/ als von Ihnen ganz allein/verlanget. Ich habe niemals desselben schriftlich ge-gen den Rath Neiffenstein gedacht.
Stofch irrste: da jener noch nicht die Grän-zen der Zünglingschaft betreten; aber seine lezte Nach-richt ist durch Sie bestätiget. Ich bin wahrhaftigbetrübt über die Vergänglichkeit eines so hohen Gutsund über den schnellen Lauf des Frühlings unseresLebenS/ welcher in seltnen Bildungen ewig dauernsollte. Man gehet also gewisser und mit beständi-ger» Ideen in marmornen Schönheiten/ unter wel-chen ein Kopf eines jungen FaunS/ mit zweiHörnerchen auf der Stirn/ seit weniger Zeit erschie-nen ist/ welcher alle hohe Schönheiten/ die ich bis«5 her betrachten können/ übertrift.
t) iSto sch?)
2) lNicolo Castellani.)