Zweites Kapitel.
Von der Allegorie der Götter, l)
Z. 66. Die Allegorie der Götter/ welchein der Wissenschaft der verschiedenen Vorstellung der-selben und der ihnen beigelegten Zeichen bestehet/ist / wie dem Gelehrten/ also dem Künstler nöthig/ja unentbehrlich/ nämlich/ theils Bilder aus derFabel oder aus der Heldeuzeit zu entwerfen; theilsBilder allgemeiner Begriffe aus derselben zu ziehenoder zusammenzusezen/ und die häufigste Gelegenheitzu Anwendung dieses Theils der Allegorie findet sichin Verzierungen.
t) über daS Ganze des zweiten Kapitels erlauben wir unshier folgende Bemerkung. Die Bilder der Götter grie-chischer Kunst sind nur alsdan im eigentlichen Sinne alle-gorische Darstellungen zu nennen/ wen die ihnen beige-legte Handlungen oder Zeichen noch eine fernere Bedeu-tung haben/ wie z. B. Jupiter'die Victoria aufder Hand haltend/ oder Amor mir der Beute des Her-kules/ oder ebenderselbe einen Löwen bezähmend/ wieer auf dem berühmten Cameo von Plutarchus ge-schnitten erscheint. Götterbilder aber, an sich selbst/ ha>den keine sernere Beziehung, sondern sind wirklich wassie darstellen: Jupiter/ das Bild höchster Würde/ un-umschränkter Macht; Minerva/ sinnender Weisheit;Herkules/ der Kraft; Benns/ des znr Liebe geschaf-fenen Weibes u> s. w.; also Charaktere von der höch-ste» Art/ oder allgemeine von der Kunst verkörperte Be-griffe/ und solche Darstellungen nent man/ zum Unter-schiede von eigentlichen Allegorien/ Svmbole. In ih-nen spricht sich die Kunst höher und ihrer selbst würdigeraus/ als in Allegorie» geschehen ka»/ weil diese nicht so