Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
298
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2!)8 Geschichte der Kunst.

§. 8. An einer jungfräulichen Brust sowohl alsan Göttinen ist/ wenigstens in Marmor, die War-ze nicht sichtbar gemacher, und würde auch in Ge-mälden nicht erhoben sein können, so wie es dieForm der Brüste in der reinen Unschuld der Jahreist. Da nun die Warze völlig sichtbar ist an dervermeineten Venus in Lebensgröße, auf einem al-ten Gemälde in dem Palaste Barberini, schlie-ße ich daraus, daß diese Figur keine Göttin vor-stellen könne. Hierin sind einige der größten neu-ern Künstler tadelhaft: und unter andern hat derberühmte D o m en i ch i n o, an einer in Freseo ge-nialsten Deke eines' Zimmers im Hanse Costagutizu Rom, die Wahrheit, welche sich der Zeit zuentreissen suchet, mit Warzen auf den Brüsten ge-nialer, die eine Frau, nachdem sie viele Kinder ge-stillet, nicht erhobener/ sviziger und größer habenkönte. 2) Niemand unter den Malern hat die jung-

t) Diese Venus ist größtentheils modern, und wie mairgewöhnlich glaubt (Du kns, 5!>r I» poes, pari,

l, sc>ct. Zg. p- z ?7') von Carlo Maratta, wahr-scheinlicher jedoch von Pietro da Covtona ausge-bessert. Fea>

2) Nicht die Wahrheit suchet sich der Zeit zu entreis-sen; vielmehr ist ihr der Zeitgott behülslich, hebtund trägt sie dem Sonnenwagen, oder dem Lichtentgegen. Der allegorische Sin hievon kan kein ande-rer sein, als dak die Wahrheit von der Zeit geos-senbaret werde. Die zu groß gerathenen Warzen an denBrüsten tadelt der Autor nicht ohne Grund; übrigensaber ist sie im Ganzen vortreflich gezeichnet und schöncolorirt. Das edle, reine, schuldlose Gesicht wird vomgelungenen rührenden Ausdrnke des Verlangens, des Hin-ausstrebens beseelt. Von den gesamten Malereien andieser Deke, welche unter die geschäztesten Arbeiten desDomenichino gehört, und wo besonders einige derschwebenden Kinder mit der preiswürdigsten Kunst aus-