Fünftes Kapitel.
§. ä. Was endlich die Schönheit einzelnerTheile des menschlichen Körpers betrift/ so ist hierdie Natur der beste Lehrer: den im Einzelnen istdieselbe »der die Kunst / so wie diese im Ganzensich über jene erheben kan. Dieses gehet vermuth-lich auf die Bildhauerei/ welche unfähig ist, dasLeben zu erreichen in denjenigen Theilen/ wo dieMalerei im Stande ist/ demselben sehr nahe zu kom-men. Da aber einige vollkommen gebildete Theile/als ein sanftes Profil, in den größten Städtenkaum einigemal gefunden werden, so müßen wirauch aus dieser Ursache (von dem Nakenden nicht zureden) einige Theile an den Bildnissen der Altenbetrachten. Die Beschreibung des Einzelnen aber istin allen Dingen, also auch hier schwer^
ß. 2. Ich bin in Betrachtung der Schönheitanalytisch gegangen, das ist: von dem Ganzenauf die Theile; man könte aber eben so nüzlichsynthetisch lehren, und nach Untersuchung derTheile das Ganze nehmen. Im mündlichen Un-terrichte, welcher durch Fragen geschiehet, scheinetder lezte Weg brauchbarer: den man suchet die Kent-niß des Schönen bei jungen Leuten zu prüfen durchdie verlangete Anzeige der Form des Einzelnen, undbierin bestehet die Probe der Rechnung. Da manaber die Keiitniß allgemeiner Säze vor einzelnen Be-merkungen, obgleich aus diesen jene erwachsen sind,in aller Methode voranssezen muß, so bin ich auchhier derselben gefolget.