.'18 . Geschichte der Kunst.
eine marmorne Manier/ das' ist: cill steiner-iiesV todtes Wesen genennet worden. Von Mi- 'chael Angelo bis zum Bernini ist dieses' Ver-derbnis; beständig stufenweis' gegangen/ und obgleichunsere Sitten selbst/ die sich immer mehr vom ge-ziereten Zwang entfernen/ auch zu Erleuchtung indiesem Theile der Kunst beitragen/ so bleibet den-noch allezeit etwas von der neuen Schule übrig.Einer der berühmtesten izo lebenden Maler hat inseinem Herkules zwischen der Tugend undzwischen der Wohllust / welches Stük vor kur-zem nach Rußland abgegangen ist/ die Tugendin der Gestalt der Pallas nicht schon genug zumachen geglaubet/ ohne den rechten vorwärts geseze-ten Fug auf den Zehen allein ruhen zu lassen/ alswen sie eine Nuß zertreten wollte. Ein auf solcheWeise erhobener Fuß würde bei den Alten ein Zei-chen des Stolzes'/oder/ nachdem PetroniuS/^)der Unverschämtheit sein; nach dem EuripideSwar dieses der Stand der Bakchanten.
ß. 26. Alles dieseS/ was sowohl von der Schön-heit überhaupt/ als auch über die Action angemerketworden/ muß derjenige überdenken/ welcher eine Ver-gleichung der alten und neueren Bildhauer machenwill/ und ein gelehrtes' Mitglied der Akademie inFrankreich würde/ wen derselbe einige Kentniß vonden Werken der Alten gehabt hätte/ sich nimmermehrgetrauet haben/ zu sage»/ daß unsere Bildhauer/oder welches derselbe eigentlich sagen will/ die fran-zösischen endlich dahin gelanget sein / nicht alleindas' Schönste/ was Nom und Athen hervorgebracht/
l) ^i'oxert. I. eleA. Z. v. 6.?.) 8al. e. 126. p. 6Z3. Meyer»Laeclt. v. 94 l.