Erstes Kapitel.
§. i. Dieser Auszug der schönsten Formen wurdegleichsam zusammengeschmolzen/ und aus diesem In-begriffe erstand wie durch eine neue geistige Zeugungeine edlere Geburt/ deren höchster Begris eine im-merwährende Zug end war, zu welcher noth-wendig die Betrachtung des Schönen führen mußte.Den der Geist vernünftig denkender Wesen hat eineeingepflanzete Neigung und Begierde/ sich über dieMaterie in die geistige Sphäre der Begriffe zu er-heben, und dessen wabre Zufriedenheit ist die Her-vorbringung neuer und verfeinerter Hdeen. Diegroßen Künstler der Griechen/ die sich gleichsam alsneue Schöpfer anzusehen hatten/ ob sie gleich we-niger für den Verstand/ als für die Sinne arbeite-ten/ sucheten den harten Gegenstand der Materiezu überwinden/ und/ weil es möglich gewesen wäre/dieselbe zu begeistern: dieses edle Bestreben dersel-ben auch in früheren Zeiten der Kunst gab Gelegen-heit zu der Fabel von Pygmalions Statue.Den durch ihre Hände wurden die Gegenständeheiliger Verehrung hervorgebracht/ welche/ um Ehr-furcht zu crwekcn/ Bilder von höheren Natnren ge-nommen zu sein scheinen mußten. Zu diesen Bil-dern gaben die erflen Stifter der Religion / welches'Dichter waren / die hohen Begriffe/ und diese gabender Einbildung Flügel/ ihr Werk über sich selbstund über das Siüliche zu erheben. Was konte
Ovicki l. lv. v. 247.