Druckschrift 
4 (1825)
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

4 Buch/ 2 Kap.

§. -jo. Nach der Wahl und der harmonischenVereinigung und Einverleibung vorzüglicher einzelnerschönen Theile der Bildung verschiedener Menschen/ging die Betrachtung der Künstler zu Hervorbringung

Hermaphrodit eil mit dem feinste» poetische» Sinnegefaßt u»d mit nnübcrtrcslichem Kuustgeschmake zur An-schaumig gebracht ist, gibt es noch mehr andere in Stel-lung und Handlung verschiedene eben diesen Gegenstanddarstellende Figuren, von denen Winckelman selbsteine kleine stehende aus der Villa Albani anführt.Einer einzigen wollen wir noch gedenken, von ausneh»mend schöner Arbeit, welche, weil die Stellung etwasfrech ist, in der Villa Borghese in einem Wand-schrank? verschlossen gehalten wurde; sie hat ungefähr na-türliche Größe, steht rükwärts ein wenig übergebogen,und ist mit einem weiblichen, von beiden Händen vornaufgehobenen Cewande angethan. Lieblicher, ge-schmeidiger, runder und vornehmlich we«cherkan man nichts sehen als diese Züge, diese Glieder.Zwar hat das Gestcht keinen hohen Charakter, derauch zum Ganzen nicht passen würde, allein es ist sehranmuthig, rund, lieblich, voll Lust und Be-hagen; um die Wangen und den Mund wußte derKünstler etwas nicht eben Niedriges aber doch gemeinMenschliches, einen Zug von Sittlichkeit anzu-bringen, und selbst dadurch die Reizungen seines Werkszu erhöhen. Die Nasenspize, wie auch der größte Theildes Haupts und der Haare, das rechte Nein, der linkeFuß und die Zeichen des mänlichen Geschlechts sind neu.Ursprünglich schon war diese Figur sür eine Nische be-sinnt , indem ihre Rükseite sehr flüchtig behandelt odervielmehr nur entworfen ist. Sie foll unweit MontePorzio gefunden worden fein, an dem Qrte, wo ver-muthlich eines der Landhäuser des Lucius Verus ge-legen war, welches wir indessen keineswegs deßhalb an-merken, als glaubten wir, das Denkmal fei zu diesesKaisers Zeit verfertigt. Im Gegentheile hat es alle Keii-zeichen einer ächt griechischen Arbeit des weichlichenspätern St»ls, wie den auch der Marmor griechischist. Meyer.