3iz Geschichte der Kunst.
dm. Was' die sogenante Vestale betrift/ so istkaum glaublich/ daß man eine solche Figur/ anwelcher nicht einmal die Füße sichtbar sind/ ausGriechenland nach'Nom gefiihret habe/ da aus' Nach-richten des PausaniaS erhellet/ daß in Griechen-land die allerältesten Werke unberühret geblieben sind.Die Diana des herculanischen Musei ist im Gehenvorgestellet/ wie die mehresten Figuren dieser Göt-tin. Die Winkel des Mundes sind auswärts gezo-gen/ und das Kin ist kleinlich; aber man siehet sehrwohl/ daß es kein Porträt oder bestickte Personsein soll/ sondern es ist eine unvollkommene Bildungder Schönheit; dem ohnerachtet sind die Füße ungemeinzierlich/ und finden sich nicht schöner an wirklichgriechischen Figuren. Ihre Haare hängen über derStirne in kleinen Loken; und die Geitenhaare inlangen Stripen auf die Achseln herunter; hintenaber sind dieselben lang vom Haupte gebunden / undübrigens durch ein Diadema umgeben/ auf welchemacht erhobene rothe Nosen stehen. Die Kleidungist weiß angestrichen. Das Hemde oder Unterkleidhat weite Ärmel/ welche in gekrepte oder gekniffeneFalten geleget/ und der kurze Mantel in geplätteteParallele Falte»/ so wie der Nok. Der Saum desMantels ist an dem äussern Nande mit einem klei-nen goldgelben Streifen eingefasset/ und unmittelbarüber demselben gehet ein breiterer Streifen vonLakfarbe mit Weissem Blumenwerke/ Stikerei anzu-deuten; iiber diesem gehet ein dritter Streife»/gleichfalls von Lakz eben so ist der Saum des NokSgemalet. Der Riem des Köchers auf der Schulter/welcher von der rechten Achsel über die Brust gehet/ist roth wie die Riemen der Sohlen. ES stand die-se Statne in einem kleinen Tempel/ welcher zu ei-ner Villa der alten verschütteten Stadt Pompejigehörete.