Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
Seite
266
Einzelbild herunterladen
 

266 Empfindung

Engeland besszet/ darthnn kan; imNakenden aberhat er die raphaelische Reinigkeit nichr errei-chet. Guidv ist sich nicht gleich/ weder in derZ eichnung / noch in der Aus hrung: er kantedie Schönheit/ aber er hat dieselbe nicht allezeiterreichet. Sein Apollo in der berühmten Au-rora ist nichrS weniger als eine schöne Figur/und ist gegen den Apollo von MengS unter denMusen in der Villa Albani / wie ein Knecht gegendessen Herrn. Der Kopf seines Erzengels ist schö»/aber nicht idca lisch. Sei» erstes und starkesColorit verließ er/ und nahm eine helle/ flaue,und un kr ästige Art an. Guercino hat sichim N akenden nicht vornehmlich gezeiget/ und bandsich nicht au die Strenge der raphaelischeuZeichnung / und der Alten/ deren Gewänder undGebräuche er auch in wenig Werken beobachtet undnachgeahmet hat. Seine Bilder sind edel/ abernach seinen eigenen Begriffen entworfen/ so daßer mehr/ als die vorigen/ ein Original heissen kan.Albano ist der Maler der Gratia/ aber nichtder höchsten/ welcher die Alten opferten/ sondernder unteren; seine Köpfe sind mehr liebli ch / alsschön. Nach diesen Anzeigen kan man selbst suchen,über die Schönheit einzelner Figuren in den übrigenMalern/ die es verdienen zu urtheilen.

§.-52. Die Schönheit der Compositionbestehet in der Weisheit/ das ist/ sie soll einerVersamlung von gesitteten und weisen Perso-nen, nicht von wilden und aufgebrachten Gei-stern/ gleichen/ wie die von La Fage sind. Diezwote Eigenschaft ist die Gründlichkeit/ das ist/es soll nichts'müßig und leer in derselben sein,nichts/ wie in Versen um deSReimS willen/ ge-sezet/ so daß die Nebenfiguren nicht wie gepfropfteReifer/ sondern wie Zweige von dem Stamme