26» Empfindung
durch Anmeldung einer lieblichen Morgenröthe. ESist auch die l,estige Eiupftndung der Betrachtungund dem Genusse des Schonen nachtheilig, weil sie zukurz ist : den sie führet auf einmal dahin/ was sie 'stufenweife fühlen sollte. Auch in dieser Betrach-tung scheinet das Altertum seine Gedanken in Bil-der eingekleidet zu haben, und verdekete den Sinderselbe»/ um dem Verstände das Vergnügen zugönnen/ mittelbar dahin zu gelangen. Es sind da-her sehr feurige/ flüchtige Köpfe zur Empfindungdes Schönen nicht die fähigsten/ und fo wie der Genugunser selbst/ und das wahre Vergnügen in der Ruhedes Geistes und des Körpers zu erlangen ist: so istes auch das Gefühl und der Genuß des Schönen/welches also zart und sanft sein muß/ und wie einmilder Thau komt/ nicht wie ein Plazregen. Dasich auch das wahre Schöne der menschlichen Figurinsgemein in der unschuldigen stillen Natur einzu-kleiden pfleget/ so will es durch einen ähnlichen Singefühlet und erkant werden. Hier ist kein Pegasusnöthig/ dnrch die Luft zu fahren / sondern Pallas/die uns führet.
K. 19. Die dritte von mir angegebene Eigen-schaft des innern GefühlS/ welche in einer lebhaf-ten Bildung des betrachteten Schönen be-stehet/ ist eine Folge der beiden ersteren / und nichtohne jene; aber ihre Kraft wächset/ wie das Gedächt-niß/ durch die Übung / welche zu jenen nichts beiträget.Das empfindlichste Gefühl kan diese Eigenschaft un-vollkommener/ als ein geübter Maler ohne Gefühl/haben / dergestalt/ daß das eingedrukte Bild allge-mein lebhaft und deutlich ist/ abergeschwächetwird/wen wir uns dasselbe stükweise genau vorstellen wol-len: wie eS mit dem Bilde des entfernten Geliebtenzu geschehen pfleget/ wie wir auch in den mehrestenDingen erfahren? zu sehr in das Getheilte gehen