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Empfindung
Hat das Auge in einigen Jahren von beständigerÜbung diese Proportion nicht erlanget/ so ist die-selbe vergebens zu hoffen.
Z. Da nun dasjenige/was wir auch an geübe-ten Künstlern bemerken/ von einer Unrichtigkeitihres AugeS herrühret: so wird dieses noch häufigerbei andern Personen sein/ die diesen Sin nicht aufgleiche Art geübet haben. Ist aber die Anlage zurNichtigkeit vorhanden / so wird dieselbe durch dieÜbung gewiß/ wie selbst im Gefichte geschehen kan:der Herr Cardinal Alexander Albani ist imStande/ blos durch Tasten und Fühlen vieler Mün-zen zu sage»/ welchen Kaiser dieselben vorstellen.
§. 16. Wen der äussere Sin richtig ist/ so istzu wünschen/ daß der innere diesem gemäß voll-kommen sei : den es ist derselbe ein zweiter Spie-gel/ in welchem wir das Wesentliche unserer eige-nen Äimlichkeit/ durch das Profil/ sehen. Der in-nere Sin ist die Vorstellung und Bildung der Ein-drüke in dem äusseren Sinne/ und/ mit einemWorte/was wir E mp sin du ng nennen. Der innereSin aber ist nicht allezeit dem äusseren proportio-nirt/ das ist/ es ist jener nicht in gleichem Gradeempfindlich mit der Rich tigkeit von diesem/weiler m e ch anisch verfährt, wo dort eine geistige Wir-kung ist. ES kaii also richtige Zeichner geben ohneEmpfindung/ und ich kenne einen solchen; dieseaber find höchstens nur geschikt/ das Schöne nachzu-ahmen/ nicht selbst zu finden und zu entwerfen.Dem Bernini war diese Empfindung in der Bild-hauerei von der Natur versagetz L 0 renzett 0 aber warmit derselben / wie es scheinet / mehr / als andere Bild-hauer neuerer Zeiten/ begäbet. Er war des Ra-phaels Schüler/ und sein ZonaS/ in der KapelleChigi/ ist bekant; ein vollkommener Werk abervon ihm/ imPantheon / eine stehende Madon-