Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

des Schönen' !c. 24L

nen würden: eben so kan die Empfindung verwöhnetund unrichtig werde»/ wen die Vorwürfe der erstenbetrachtenden Jahre mittelmäßig oder schlecht gewe-sen. Ich erinnere mich/ daß Personen von Talentan Orten / wo die Kunst ihren Siz nicht nehmenkari/ über die hervorliegendeu Adern au den Niän-nerchen in unseren alten Domkirchen viel sprachen/um ihren Geschmak zu zeigen: diese hatten nichtsBesseres gesehen/ wie die Mailänder/ die ihrenDom der Kirche von St. Peter zu Rom vorziehen.

§. n. Das wahre Gesühl des Schönen gleicheteinem flüssigen Gypse/ welcher über den Kopf desApollo gegossen wird / und denselben in allen Thei-len berühret und umgibt. Der Vorwurs dieses Ge-fühls ist nicht/ was Trieb/ Freundschaft und Gefäl-ligkeit anpreisen/ sondern was der innere feinereSiii/ welcher von allen Absichten geläutert sein soll/um des Schönen willen selbst/ empfindet. Sie wer-den hier sagen/ mein Liebster/ ich stimme mit pla-tonischen Begriffen an/ die Vielen diese Empfindungabsprechen könten; Sie wissen aber/ daß man inLehren/ wie in Gesezen/ den höchsteir Ton suchenmuß/ weil die Saite von selbst »achlässet: ich sage/was sein sollte/ nicht was zu sein pfleget/und mein Begrif ist wie die Probe von der Rich-tigkeit der Rechnung.

H. 12. Das Werkzeug diescrEmpfiudnngistderäussere Sin/ und der Siz derselben derinnere:jener muß richtig/ und dieser empfindlich undfein sein. Es ist aber Nichtigkeit des Auges eine Gabe/welche vielen mangelt/ wie ein feines Gehör/ undein empfindlicher Geruch. Einer der berühmtestengegenwärtigen Sänger in Italien hat alle Eigen-schaften seiner Kunst/ bis auf ein richtiges Gehör;ihm fehlet daS/ was der blinde Saunderson/ desNewtons Nachfolger/ überflüssig hatte. Viele