268 Empfindung
Entfernung/ unter cincm entlegenen Himmel / lässetmir keine Hofnung übrig/ Sie wieder zu sehen. Essei dieser Äufsaz ein Denkmal unserer Freundschaft/die bei mir rein ist von allen ersinlichen Ablichten,und Ihnen beständig unterhalten und geweihet bleibet.
5.3. Die Fähigkeit/ das Schöne in derKunst zu empfinden/ ist ein Begrif/ welcher zu-gleich diePerson und Sache/ das Enthaltendeund das Enthaltene in sich fasset / welches ich aberin Eines schließe/ so daß ich hier vornehmlich aufdas erstere mein Absehen richte/ und vorläufig be-merke/ daß das Schöne von weiterem Umfangeals die Schönheit ist: diese gehet eigentlichdie Bildung an/ und ist die höchste Absicht derKunst/ jenes erstreket sich auf alles/ was ge-dacht/ entworfen und ausgearbeitet wird.
K. 4. ES ist mit dieser Fähigkeit/ wie mit demgemeinen gesunden Verstände; ein jeder glaubet/ den-selben zu besizen, (welcher gleichwolil seltener als derWiz ist): weil man Augen hat wie ein anderer/ sowill man so gut/ als ein anderer/ sehen können.So wie sich selbst nicht leicht ein Mädchen für gar-stig hält/ so verlanget ein jeder das Schöne zukennen. Es ist nichts empfindlicher/ als jemandenden guten Geschmak/ welcher in einem andern Worteeben diese Fähigkeit bedeutet/ absprechen wollen;man bekennet sich selbst eher mangelhaft in allen Ar-ten von Kenlnissen/ als daß man den Vorwurf hö-re/ zur Kentniß des Schönen unfähig zu sein. DieNn ersah ren heit in dieser Kentniß gestehet man zurNoth zn/ aber die Fähigkeit zu derselben will manbehaupten. ES ist dieselbe/ wie der poetische Geist/eine Gabe des Himmels; bildet sich aber so wenia/