Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
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222
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L22 Von der Gratie

würde es in neueren Bildern nicht anders' thun können/als mitzierli ch an Sgestrekten dreileztenFingern.

§.10. DieGratie indem Zufälligen alterFiguren/ dem Schmuke und der Kleidung/ lie-get/ wie an der Figur selbst/ in dem/ was der Na-tur am nächsten komt. An den aller ältestenWerken ist der Wurf der Falten unter dem Gür-tel fast senkrecht/ wie sie an einem dünnen Ge-wände natürlich fallen. Mit dem W ach St um e derKunst wurde die Mannigfaltigkeit gefuchet;aber das Gewand stellete allezeit ein leichtes Ge-webe vor/ nnd die Falten wurden nicht gehäufet/oder hier und dazerstrenet/ sondern sind inganzeMassen vereiniget. Dieses blieben die zwo vor-nehmsten Beobachtungen im Altertume/ wie wir nochan der schönen Flora (nicht der farnefischen)im Campidoglio/ von HadrianS Zeiten/ sehen.An Bakchanten und tanzenden Figuren wurdedas Gewand zerstreuet er und fli e g e n de r gear-beitet/ auch an Statuen/ wie eine im Palast Ric-cardi zu Florenz beweiset; aber der Wohlstandblieb beobachtet/ und die Fähigkeit der Mate-rie wurde nicht übertrieben. Götter und Heldensind wie an heiligen Orten stehend/ wo dieStille wohnet/ nnd nicht als ein Spiel derWinde/oder im Fahnenschwenken vorgestellet; flie-gende und luftige Gewänder suche man son-derlich auf geschnittenen Steinen/ an einer Ata-lant a-/ wo die Person und die Materie eS er-forderte und erlaubet-.

§.11. Die Gratie erstreket sich auf die Klei-dung/ weil sie mit ihren Geschwistern vor Altersbekleidet war/ und die Gratie in der Klei-dung bildet sich wie von selbst in unserem Begriffe/wen wir uns vorstellen, wie wir die Gratien ge-- >kleidet sehen möchten; man würde sie nicht in G a-