Werke der Kunst. 207
zu wissen, daß man nicht denket. Von diesemSchlage ist derjenige/ welcher für einen Prinzen dieVermählung der Psyche/ die ihm vorgeschrie-ben wurde/ verfertigte. Er hatte vermuthlich keineandere gesehen/ als die vom Raphael in Klein-Farnese; die seinige könte auch eine Königinaus Saba sein. Die mehresten lezten großen Sta-tuen der Heiligen in St. Peter zu Nom sind von die-ser Art: große Stüke Marmor/ welche ungearbeitetjedes 600 Scudi kosten. Wer eine siehet/ hat siealle gesehen.
§.7. DaS zweite Augenmerk bei Betrachtungder Werke der Kunst soll die Sch ö nh eit sein. Derhöchste Vorwurf der Kunst für denkende Menschen istder Mensch/ oder nur dessen äussere Fläche,und diese ist für den Künstler so schwer auszuforschen,wie von den Weifen das In n er e desselben, und dasSchwerste ist/ was eS nicht scheinet/ die Schön-heit/ weil sie/ eigentlich zu reden/ nicht unterZahl und Maß fällt. Eben dalier ist das Ver-ständniß des Verhältnisses des Ganzen, dieWissenschaft von Gebeinen und Muskelnnicht so schwer, And allgemeiner/ als die KentnißdeS Schönen; und wen auch das Schöne durcheinen allgemeinen B e g r i s könte bestimmet wer-den/ welches man wünschet und suchet: so würde siedem/ welchem der Himmel das Gefühl versaget hat/nicht helfen. DaSSchöne bestehet in der Man-nigfaltigkeit im Einfachen; dieses ist derStein der Weisen/ den die Künstler zu suchenhaben/ und welchen wenige finden; nur der verstehetdie wenigen Worte/ der sich diesen Begrif aus sichselbst gemachet hat. Die Linie/ die das Schöne be-schreibet/ ist elliptisch, und in derselben ist daSEinfache und eine beständige Veränderung:den sie kan mit keinem Zirkel beschrieben wer-