Betrachtung der
Gesänge voller Gelehrsamkeit. Ist ein Vorurtheil ni!j°lich/ so ist es die Überzeugung von dem/was ich sage;mit derselben nähere dich zu den Werken des Altertumsin Hosnung, viel zu finden, so wirst du vielsuchen. Aber du mußt dieselbe mit großer Nuhebetrachten; den das' Viele im Wenigen, und die stilleEinfalt wird dich sonst unerbanet lassen, wie dieeilfertige Lesung deck nngeschmükcen großen Keno-Vho n.
§.5. Gegen das e i g e n e Denken seze ich dasNachahmen, nicht die Nachahmung: unterjenem verstehe ich die knechtische Fo lge; in die-ser aber kan das Nachgeahmete, wen eS mit Ver-nunft geftthret wird, gleichsam eine andere Naturannehmen, und etwas Eigenes werden. Dome-nichino, der Maler der Zärtlichkeit, hat dieKöpfe des sogenanten Alexanders zu Florenz, undder Niobe zu Nom, zu Mustern gewählet; sie sindin seinen Figuren zu erkennen, (Alexander imJohannes zu S. Andrea della Valle in Nom, undNiobe in dem Gemälde des Tesoro zu S. Gen-naro in Neapel,) aber doch sind sie nicht eben diesel-ben. Auf Steinen und Münzen findet man sehr vieleBilder aus Poussins Gemälden; Salomon inseinem Urtheil ist der Jupiter auf inaeeKo-nischen Münzen; aber sie sind bei ihm wie eineversezete Pflanze, die sich verschieden vom ersten Grundezeiget.
K. 6. Nachmachen ohne zu denken ist: eineMadonna vom Maratta, einen h. Joseph vomB aroeei, und andere Figuren anderswo nehmenund ein Ganzes machen, wie eine große MengeAltarblätter auch in Nom sind. Ein solcher Malerwar der kürzlich verstorbene berühmte Masueei zuRom. Nachmachen nenne ich ferner, gleichsamnach einem gewissen Formular arbeiten, ohne selbst