Werke der Kunst» 205
v°der geringer/ den Unterschied unter Künstlern ma-chet/ nnd das wenige Unmerkliche ein Dorwnrf den-s kender empfindlicher Geschöpfe ist; das Viele undjs Handgreifliche aber schlaffe Sinne und einen stumpfenVerstand beschäftiget: so wird der Künstler/ der sichKlugen zu gefallen begnüget/ im Einzelnen groß/und im Wiederholten und Bekanten mannigfal-tig und denkend erscheinen können. Ich rede hierwie aus dem Munde des Altertums. Dieses lehrendie Werke der Alten/ und es würde ihnen Ahnlich g e-^ schrieben und gebildet werden/ wen ihre Schrif-ten wie ihre Bilder betrachtet und untersuchetwürden.
§. Der Stolz in dem Gesichte des Apollo^ iinssert sich vornehmlich in dem Kin und in der Un-terlefze; der Zorn in den Nüstern seinerI Nase / und die V erachtu ng in derÖ fnnn g desMundes; auf den übrigen Theilen dieses göttlichen» Hauptes wohnen die Grat ien/ und die Schön h eitbleibet bei der Empfindung unvermischet und rein/ wiedie S 0 n ne / deren Bild er ist. ImÄa 0 k 0 0 n siehestim bei dem Schmerz den Unmu th (wie über einunwü r d ige s Leiden/) in dem Krausen derNase/j und das väterliche Mitleiden auf den Aug-^ iipfeln/ wie einen trüben Duft/ schwimmen.Diese Schönheiten in einem einzigen Druke sindwie ein Bild in einem Worte beim Homerus;nur der kan sie finden/ welcher sie kennet. Glaubegewiß/ daß Veralten Künstler/ so wie ihrer WeisenAbsicht war/ mit Wenigem Viel anzudeuten. Daherlieget der Verstand der Alten tief in ihren Wer-ken; in der neueren Welt ist es mehrentheils wie beij verarmetenKrämer«/ die a lleihre Waare ausstellen.
HomernS gibt ein höheres Bild/ wen alle Götter' <ich von ihrem Size erheben/ da Apollo unter ihnenerscheinet/ als KallimachuS mit seinem ganzen