Erläuterung
lichkeit der Person / die er schildert. Beide bleibellnoch immer bei der Nachahmung; nur daß dieselbeweise ist. Man will sogar in van DykS Kopsendie sehr genaue Beobachtung der Natur als einekleine UnVollkommenheit ansehen; und in allen hi-storischen Gemälden würde sie ein Fehler sein.
§.65. Die Wahrheit/ so liebenswürdig sie ansich selbst ist/ gefällt und machet einen stärkern Ein-druk/ weil sie in eine Fabel eingekleidet ist: wasbei Kindern die Fabel/ im engsten Verstände genom-men / ist / das ist die Allegorie einem reifern Alter.Und in dieser Gestalt ist die Wahrheit in den un-gesittetesten Zeiten angenehmer gewesen/ auch nachder sehr alten Meinung/ daß die Poesie älter alsProsa sei/ welche durch die Nachrichten von denältesten Zeiten verschiedener Völker bestätiget wird.
§.66. Unser Verstand hat ausserdem die Unart/nur auf dasjenige aufmerksam zu sein/ was ihmnicht der erste Blik entdeket/ und nachläßig zu über-gehe»/ was ihm klar wie die Sonne ist. Bildervon der leztern Art werden daher/ wie ein Schif imWasser/ oftmals nur eine augenblikliche Spur indem Gedächtnisse hinterlassen. Aus keinem andernGrunde dauern die Begriffe von unserer Kindheitlänger / weil wir alleS/ was uns vorgekommen / alsausserordentlich angesehen haben. Die Natur selbstlehret uns also/ daß sie nicht durch gemeine Sachenbeweget wird. „ Die Kunst sol! hierin die Natur„nachahmen/" saget der Scribent der Bücher vonder Redekunst; i) sie soll erfinden/ was jeneverlanget.
§.67. Eine jede Idee wird stärker/ wen sie voneiner oder mehr Ideen begleitet ist/ wie in Verglei-chungen / und um so viel stärker/ je entfernter da§
>) KI«:t, »6 Nerean, I. Z, Lc. 22 — Z6.Z