Erlauttrmlg
Seelen, die Werke einer solchen Kunst zn kennenund zu bewundern.
§. 61. Alle Erblichkeiten bis auf diejenige»/die dem größten Haufen der Menschen den uner-kanten großen Schaz/ die Zeit/ rauben/ erhaltenihre Dauer/ und verwahren uns vor Ekel undÜberdruß nach der Maße/ wie sie unsern Verstandbeschäftigen. Blos sittliche Empsindungen aber ge-hen nur bis an die Haut/ und wirken wenig inden Verstand. Die Betrachtung der Landschaften/der Frucht- und Vlumenstüke machet uns ein Ver-gnügen von dieser Art: der Kenner, welcher siesiehet/ hat nicht nöthig mehr zu denken, als derMeister; der Liebhaber oder der Unwissende garnicht.
§. 62. Ein historisches Gemälde / welches Per-sonen und Sachen vorstellet/ wie sie sind oder wiesie geschehen/ kan sich blos durch den Ausdruk derLeidenschaften in den handelnden Personen von Land-schaften unterscheiden: unterdessen sind beide Arten^nach eben der Negel ausgeführet/ inr Wesen eins;und dieses ist die Nachahmung.
§.63. ES scheinet nicht widersprechend, dasidieMalerei eben so weite Gränzen als die Dichtkunsthaben könne / und daß es folglich dem Maler mög-lich fei/ dem Dichter zu folge»/so wie es d>e Mu-sik im Stande ist zu thun.. Nun ist die Geschichteder höchste Vorwurf/ den ein Maler wählen kan;die bloße Nachahmung wird sie nicht zu dem Gradeerheben/ den eine Tragödie oder ein Heldengedicht/das Höchste in der Dichtkunst/ hat. „Homer„hat aus Meuschen Götter gemachst" saget Cice-ro;^) das heißt/ er hat die Wahrheit nicht alleinhöher getrieben/ sondern er hat/ um erhaben zu
j)'lMan vergleiche hierüber Lcssings Laoko on.z
s) (!ic. 'I'usc. l> I. c. 26.