Enautcrmig
K. 56. Es ist nicht genug/ daß ein Gemäldegefällt; es' muß beständig gefallen: aber ebendasjenige/ wodurch der Maler hat gefallen wollen/machet uns seine Arbeit in kurzer Zeit gleichgültig.Er scheinet nur für den Geruch gearbeitet zu ha«den; den man muß seine Arbeit dem Gesichte sonahe bringen als Blumen. Man wird sie beurthei-len/ wie einen kostbaren Stein/ dessen Werth dergeringste bemerkte Tadel verringert.
§. 57. Die größte Sorgfalt dieser Meister gingalso blos aufeine strenge Nachahmung des Allerkleinstenin der Natur: man scheuete sich das geringste Här-chen anders zu legen/ als man es fand/ um demschärfsten Auge/ ja wen es möglich gewesen wäre/selbst den Vergrößerungsgläsern/ das Unmerklichste inder Natur vorzulegen. Sie sind anzusehen alsSchüler des AnaxagoraS/ der den Grund dermenschlichen Weisheit in der Hand zu findenglaubte, i) Sobald sich aber diese Kunst weiter wagen/und die größer» Verhältnisse des Körpers' / und son-derlich das Nakende hat zeichnen wollen/ sogleichzeiget sich
Inkclix o^cris summs, <^uis pokereNescii, -) ,,
Die Zeichnung bleibet bei einem Maler/ wie die Ac-tiv» bei dem Redner Demosthenes das erste/das zweite/ und das dritte Ding.
ß. 58. Dasjenige/ waSi» dem Sendschreibenan den erhobenen Arbeiten der Alten auSgesezet ist/muß ich zugestehe»/ und mein Urtheil ist aus mei-ner Schrift zu ziehen. Die geringe Wissenschaftder Alten in der Perspectiv/ welche ich daselbst an-gezeiget habe / ist der Grund zu dem Vorwurf/ den
1) De sraterno Qmore,
2) ^ acl. v. 34.^
)) ^uiaül. I. t»; c. Z. Z. 6.Ü