Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

dcr Gedanken

qoras beitrete». Die Erfahrung selbst kail/ ohneBetrachtung des' hohen Ausdruks in den Gesichterndes RaphaelS/ Wahrheit nnd Schönheit findenlind lehren. Ein schönes Gesicht gefällt/ aber eswird mehr reizen/ wen es durch eine gewisseüberdenkende Mine etwas Ernsthaftes erhält. DasAltertum selbst scheinet also geurtheilet zu haben:ihre Künstler haben diese Mine in alle Köpfe desAntinouS geleget; die mit den vordern Loken bc-dekte Stirn desselben gibt ihm dieselbe nicht. Manwcifi ferner/ daß dasjenige/ was bei dem erstenAngenblike gefällt/ nach demselben vielmals aufhöretzu gefallen: was der vorübergehende Vlik hat sam-meln können/ zerstreuet ein aufmerksameres Auge/und die Schminke verschwindet. Alle Rcizungen erhal-ten ihre Dauer durch Nachforschung und Überlegung/und man suchet in da5 verborgene Gefällige tiefereinzudringen. Eine ernsthafte Schönheit wird unsniemals völlig satt nnd zufrieden gehen lassen; manglaubet beständig neue Rcizungen zu entdekcn; undso sind RaphaelS und dcr alten Meister ihreSchönheiten beschaffen: nicht spielend und liebreich/aber wohlgebildet und erfüllet mit einer wahrhaftenund ursprünglichen Schönheit.^) D'.'rch Rcizungenvon dieser Art ist Kleopatra durch alle Zeitenhindurch berühmt worden. Ihr Gesicht sezete nie-mand in Erstaune»/ aber ihr Wesen hinterließ beiallen / die sie ansahen / sehr viel zurük/ und sie siegteohne Widerstand/ wo sie wollte.^) Einer franzö-sische» Venus vor ihrem Nachttische wird es er-gehend) wie jemand von dem Einreichen beim

1) ^6<Ii88vn's^ Lpecl.ator. n. 413.

2) Icon. x. 91.

Z) ^'it. c. 27.^

4) 01)8eivai.. sur les QNs, elc. x. 66.