Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
Seite
96
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95 Sendschreiben über

§. 89. Die Regungen der Seele/ die mit ein-ander zu streiten scheinen/ fließen hier mit einerfriedlichen Stille zusammen. Die Genesung meldetsich in dem siechen Gesichte/ so wie die Ankündigungder ersten nahen Blike der Morgenröthe/ die unterdem Schleier der Nacht selbst den Tag/ und einekschönen Tag / zu versprechen scheinet.

ß. So. Der Verstand und der Geschmak des Künst-lers breiten sich durch sein ganzes Werk aus bis aufdie Vasen/ die nach den besten Werken des Alter-tums in dieser Art entworfen siird. Das Tisch-gestell vor dem Bette hat er/ wie Ho mer/ von El-fenbein gemachet.

§. 91. Das Hinterwerk des Gemäldes stellet eineprächtige griechische Baukunst vor/ deren Verzierun-gen aus die Handlung selbst zu deuten scheinen.Das Gebälk an einem Portal tragen Karyatid en/die einander umfasse»/ als Bilder einer zärtlichenFreundschaft zwischen Vater und Sohn/ und zugleicheiner ehelichen Verbindung.

s. 92. Der Künstler zeiget sich bei aller Wahr-heit seiner Geschichte/ als einen Dichter/ und ermachte seine Nebenwerke allegorisch/ um gewisseUmstände durch Sinbilder zu malen. Die Sphinxean dem Bette des Prinzen deuteten auf die Nach-forschung des Arztes/ und auf die besondere Ent-dekung der Ursache von der Krankheit desselben.

§. 93. Man hat mir erzählet/ daß junge Künst-ler jenseits der Gebirge/ die dieses Meisterstük ge-sehen/ da ihnen der Arm des Prinzen/ der etwaum eine Linie zu stark sein mag/ in'S Gesicht ge-fallen/ vorbeigegangen/ ohne nach dem Vorwurf des-Gemäldes selbst zu fragen. Wen auch Minervaselbst gewissen Leuten/ wie dem Diomedes/ wollteden Nebel wegnehmen/ so würden sie dennoch nichterleuchtet werden.