44 Gedanken üb. d. Nachahmung
Z. 129. Der Künstler »ahm ein Gefäß nach derForm der Maße zu seiner Figur, die wir ein lan-ges Vierek fezen wollen. Er bezeichnete die Ober-fläche der Seiten dieses vierekigen Kastens mit ge-wissen Abtheilungen/ die er nach einem vergrößerten,Maßstabe auf seinen Stein hinübertrug/ und aus-ser dem bemerkte er die inwendigen Seiten dessel-ben von oben bis auf den Grund mit gewissen Gra-den. In den Kasten legte er sein Modell von schwe-rer Materie/ oder befestigte eS an den Boden/ wen,cS von Wachs war. Er bespannete etwa den Ka-sten mit einem Gitter nach den gemachten Abthei-lungen/ nach welchen er Linien auf seinen Steinzeichnete/ und vermuthlich unmittelbar hernach seineFigur. Auf das Modell goß er Wasser, bis es andie äussersten Punkte der erhobenen Theile reichete,und nachdem er denjenigen Theil bemerket hatte /-der auf seiner gezeichneten Fignr erhoben werdenmußte/ ließ er em gewisses Maß Wasser ab/ umden erhobenen Theil des Modells etwas weiter her-vorgehen zu lassen/ und fing alsden an/ diesen Theil,zu bearbeiten/ nach der Maße der Grade/ wie ersich entdekete. War zu gleicher Zeit ein anderer-Theil seines Modells sichtbar geworden/ so wurdeer auch/ so weit er bloß war/ bearbeitet/ und so.verfuhr er mit allen erhobenen Theilen.
S. 1Z0. ES wurde mehr Wasser abgelassen/ bisanch die Vertiefungen hervorlagen. Die Gradedes Kastens zeigeten ihm allemal die Höhe des ge-fallenen WasserS/ und die Fläche des Wassers dieäusserste Grundlinie der Tiefen an. Eben so vielGrade auf feinem Steine waren seine wahren Maße.
§. 131. Das Wasser beschrieb ihm nicht alleindie Höhen und Tiefe«/ sondern auch den Contnrseines Modells; und der Raum von den innerenSeiten des Kastens bis an den Umriß der Linie des