4o Gedanken üb. d. Nachahmung
sie/ wie man cm Gemälde durch ein Gitter ver-jünget und vergrößert/ und eben so viel einanderdurchschneidende Linien werden auf den Stein ge-tragen.
§. 112. ES zeiget also ein jedes kleine Vierekdeck Modells seine Flächenmaße auf jedes große Vierekdes Steines an. Allein/ weil dadurch nicht der kör-perliche Inhalt bestimmet werden kan/ folglich auchweder der rechte Grad der Erhöhung und Vertie-fung des Modells hier gar genau zu beschreiben ist:so wird der Künstler zwar seiner künftigen Figurein gewisses Verhältniß des Modells geben können:aber da er sich nur der Kentniß seines Auges über-lassen muß/ so wird er beständig zweifelhaft bleiben/ob er zu tief oder zu flach nach seinem Entwurf ge-arbeitet / ob er zu viel oder zu wenig Maße weg-genommen.
K. 11Z. Er kan auch weder den äusser» Umriß/noch denjenigen/ welcher die innern Theile des Mo-dells / oder diejenigen/ welche gegen das Mittel zugehe»/ oft nur wie mit einem Hauch anzeiget/durchsolche Linien bestimmen/ durch die er ganz untrüg-lich und ohne die geringste Abweichung eben diesel-ben Umrisse ans seinen Stein entwerfen könte.
§. 111. Hierzu komt/ daß in einer weitläusti-gen Arbeit/ welche der Bildhauer allein nicht be-streiken kan/ er sich der Hand seiner Gehülfen be-dienen muß/ die nicht allezeit geschikt sind / die Ab-sichten von jenem zu erreichen. Geschiehet es/ daßeinmal etwas verhauen ist / weil unmöglich nach die-ser Art Gränzen der Tiefen können gefezet werden/so ist der Fehler unersezlich.
§. 116. Überhaupt ist hier zu merke«/ daß der-jenige Bildhauer/ der schon bei der ersten Bearbei-tung seines Steins seine Tiefen bohret/ so weit alssie reichen sollen/ und dieselben nicht nach und nach