2s Gedanken üb. d. Nachahmung
§. 70. Sie wurden im Jahr 5706 in Porticibei Neapel in einem verschütteten Gewölbe gefun-den/ da man den Grund grub zu einem Landhausedes Prinzen von Elbcuf/ und sie kamen unmit-telbar hernach/ nebst andern daselbst entdekten Sta-tuen in Marmor und Erz/ in den Besiz des Prin-zen Eugens nach Wien.
ß. 75. Dieser große Kenner der Künste/ umeinen vorzüglichen Ort zu haben/ wo dieselben kön-ten aufgestellet werden/ hat vornehmlich für diesedrei Figuren eine Sala terrena bauen lassen / wo sienebst einigen andern Statuen ihren Plaz bekom-men haben. Die ganze Akademie und alle Künst-ler in Wien waren gleichsam in Empörung/ daman nur noch ganz dunkel von derselben Verkaufsprach / und ein jeder sahe denselben mit betrübtenAugen nach/ als' sie von Wien nach Dresden fort-geführet wurden.
ß. 72. Der berühmte Matielli/
„ dein Pol»klctdas Maß, und Phidias das Eisen gab, t) "hat/ ehe noch dieses geschahe/ alle drei Vestalenmit dem mühsamsten Fleisse in Thon eopiret/ umsich den Verlust derselben dadurch zu ersezen. Erfolgete ihnen einige gahre hernach/ nnd erfülleteDresden mit ewigen Werken seiner Kunst: aberseine Priesterinen blieben auch hier sein Studiumin der Draperie/ worin seine Stärke bestand/ bisin sein Alter; welches zugleich ein nicht ungegrün--deteS Vorurtheil ihrer Treflichkcit ist.
Z. 7Z. Unter dem Wort Draperie begreifetman alles/ was die Kunst von Bekleidung des Ra-tenden der Figuren und von gebrochenen Gewändernlehret. Diese Wissenschaft ist/ nach der schönen Na-
j) Algarotti.