24 Gedanken nb. d. Nachahmung
aber würde die Natur bilden, wie sie es verlanget/'und Figuren malen/ wie Naphael.
ß. 66. Könte auch die Nachahmung der Naturdem Künstler alles gebe»/ so würde gewiß die Nich-tigkeit im Contur durch sie nicht zu erhalten sein;diese muß von den Griechen allein erlernet werden.
K. 67. Der edelste Contur vereiniget oder um-^ schreibet alle Theile der schönsten Natur und deridealischen Schönheiten in den Figuren der Grie-chen; oder er ist vielmehr der höchste Begrifin bei-den. Enphranor/ der nach des ZeuxiS Zeitensich hervorthat/ wird für den ersten gehalten/ derdemselben die erhabenere Manier gegeben.
§. 68. Viele unter den neuern Künstlern habenden griechischen Contur nachzuahmen gesuchet/ undfast niemanden ist es gelungen, Der große Rn-bens ist weit entfernt von dem griechischen Umrisseder Körper/ und in denjenigen unter seinen Wer-ken/ die er vor seiner Reise nach Italien/ und vordem Studio der Antiken gemachet hat/ am wei-testen.
§. 69. Die Linie/ welche das Völlige derNatur von dem Überflüssigen derselben scheidet/ist sehr klein/ und die größten neuern Meister sindüber diese nicht allezeit greifliche Gränze auf bei-den Seiten zu sehr abgewichen. Derjenige/ wel-cher einen ausgehungerten Contur vermeiden wol-le»/ ist in die Schwulst verfallen; der diese ver-meiden wolle«/ in das Magere.
Z. 69. MichaelAngelo ist vielleicht der einzige/von dem man sagen tönte/ daß er das Altertum errei-chet; aber -nur in starken muskulösen Figuren/ inKörpern aus der Heldenzeit; nicht in zärtlich ju-gendliche»/ uicht in weiblichen Figuren/ welche un-ter seiner Hand zu Amazonen geworden sind.
§. 6t. Der griechische Künstler hingegen hat