Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
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22
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22 Gedanken üb. d. Nachahmung

sich über die mehr als menschlichen Verhältnisse ei-ner schönen Gottheit in dem va titanischenAvollo nichts bilden können: was Natur/ Geistund Kunst hervorzubringen vermögend gewesen,lieget hier vor Augen.

§. ^S. Ich glaube/ ihre Nachahmung könnelehren/ geschwinder klug zu werden/ weil sie hierin dem einen den Jnbegrif desjenigen findet/ wasin der ganzen Natur ausgetheilet ist/ und in demander»/ wie weit die schönste Natur sich über sichselbst / kühn aber weislich/ erheben kan. Sie wirdlehren/ mit Sicherheit zu denken und zu entwerfen/indem sie hier die höchsten Gränzen des menschlichund zugleich des göttlich Schönen besinnt siehet.

K. öv. Wen der Künstler auf diesen Grundbauet/ und sich die griechische Regel der SchönheitHand und Sinne führen lässet/ so ist er auf demWege/ der ihn sicher zur Nachahmung der Naturführen wird. Die Begriffe des Ganzen/ des Voll-kommenen in der Natur des Altertums/ werden dieBegriffe des Getheilten in unserer Natur bei ihmläutern und sinlicher machen: er wird bei Entde-kuug der Schönheiten derselben diese mit dem voll-kommenen Schönen zu verbinden wissen / und durchHülfe der ihm beständig gegenwärtigen erhabenenFormen wird er sich selbst eine Regel werden.

Z. 5t. AlSdan und nicht eher kan er/ sonder-lich der Maler/ sich der Nachahmung der Naturüberlassen iu solchen Fällen/ wo ihm die Kunstverstattet/ vou dem Marmor abzugehen/ wie in Ge-wändern/ und sich mehr Freiheit zu geben/ wiePoussin gethan; den „derjenige/ welcher bestän-„ dig andern nachgehet/ wird niemals vorauskom-„men; und welcher aus sich selbst nichts Gutes zu„ machen weiß/ wird sich auch der Sachen von an-