2o Gedanken üb. d. Nachahmung
und öfters nur durch ein gelehrtes Gefühl bemerketwerden.
§. 42. ES bietet sich hier allezeit die Wahr-scheinlichkeit von selbst dar, daß in der Bildung derschönen griechischen Körper/ wie in den Werken ih-rer Meister / mehr Einheit des ganzen Baues'/ eineedlere Verbindung der Theile/ ein reicheres MaßFülle gewesen/ ohne magere Spannungen/ und ohneviele eingefallene Höhlungen unserer Körper.
K. 43. Man kau weiter nicht/ als bis zur Wahr-scheinlichkeit gehen. ES verdienet aber diese Wahr-scheinlichkeit die Aufmerksamkeit unserer Künstlerund .Kenner der Kunst; und dieses um soviel mehr/da eS nothwendig ist/ die Verehrung der Denkmaleder Griechen von dem ihr von vielen beigemessenenVornrtheile zn befreien/ um nicht zu scheinen/ derNachahmung derselben blos durch den Moder derZeit ein Verdienst beizulegen.
K. 44. Dieser Punkt/ über welchen die Stim-men der Künstler getheilet sind / erforderte eine aus-führlichere Abhandlung/ als in gegenwärtiger Ab-sicht geschehen können.
§. 46. Mau weisi/ daß der grosse Bernini ei-ner von denen gewesen/ die den Griechen den Vor-zug einer theils schönern Natur/ theils idealischenSchönheit iyrer Figuren/ hat streitig machen wol-len. Er war ausserdem der Meinung/ „daß die„ Natur allen ihren Theilen das erforderliche Schöne„ zu gcven wisse : die Kunst bestehe darin / es zu fin-„ den. " Er hat sich gerühmet/ ein Vorurtheil ab-geleget zu haben/ worin er in Ansehung des Reizesder med iee i sch e n V e nuS anfänglich gewesen/ dener jedoch nach einem mühsamen Studio bei verschie-denen Gelegenheiten in der Natur wahrgenom-men. i)
r) Kaldinucci, Vila 6e! <Üav. Lei'iiini.