4S Gedanken üb. d. Nachahmung
kleinen Augen sind. Die großen Augen der grie-chischen Köpfe auf Steinen und Münzen köntendiese Muthmaßungen unterstiizen.
Z. 36. Die römischen Kaiserinen wurden vonden Griechen auf ihren Münzen nach eben diesenIdeen gebildet: der Kopf einer Livia und einerAgrippina hat eben dasselbe Profil/ welches' derKopf einer Artemisia und einer Kleopatra hat.
Z. 36. Bei allen diesen bemerket man/ daß dasvon den Thebanern ihren Künstlern vorgeschriebeneGese;: dieNatnr bei S t r a f e a u f'S beste na ch-zu ahmen/ auch von andern Künstlern in Grie-chenland als ein Gese; betrachtet worden. ') Wödas sanfte griechische Profil ohne Nachtheil derÄhnlichkeit nicht anzubringen war/ solgeten sie derWahrheit der Natur/ wie an dem schönen Kopfder Julia/ Kaisers Titus Tochter/ von der Handdes EvoduS/ zu sehen ist.
ß. 37. Das Gesez aber: die Personen ahn-lich und zu gleicher Zeit schöner zu ma-chen/ war allezeit das höchste Gesez/ welches diegriechischen Künstler über sich erkanten/ und sezetnothwendig eine Absicht des Meisters auf eine schö-nere und vollkommenere Natur voraus. Polygno-tnS hat dasselbe beständig beobachtet.
Z. 38. Wen also von einigen Künstlern berich-tet wird/ daß sie wie Praxiteles verfahren/ wel-cher seine kindische VenuS nach seiner Beischlä-ferin Kratina gebildet/^) oder wie andere Ma-ler/ welche die LaiS zum Modell der Gratiengenommen:''') so glaube ich/ sei es geschehen/ ohne
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