ci^xiv. Winckelmans
Kunst des Altertums ein/ wozu vor ihm auchnicht einmal der mindeste Versuch war gemacht wor-den. Er las die zerstreuten Materialien dazu ausSchriften und Überbleibseln zusammen und stellte/Nie Herodot/ zuerst eiu vereinigtes Bild der schön-ten Bestrebungen des menschlichen Kunstvermögensvor Auge». Niemand von Eiustcht und Unparteilich-keit wird es wagen/ den Geschichtschreiber zum bloßenArchäologen oder Antiquar herabwürdigen zu wollen/da dieser nur als unterordneter Gehülfe jenem bei-steht; es sei den/ daß man mit den Worten Archäo-log und Antiquar Begriffe verbindet/ die unsererAprache fremd sind. Winckelman ist ferner nichtnur geradehin ein Geschichtschreiber der Kunst desAltertums.- er verfaßte sein Werk philosophisch undpragmatisch/ indem er sowohl für die Entstehung undAusbildung/ für den höchsten Flor/ die Verschlim-merung und den Verfall , für die Verschiedenheit undÄhnlichkeit der bildenden Künste unter den Völkerndie Gründe und Ursachen/ die Einflüsse und Umständeaufsucht/ als auch Lehren zum Ausüben daraus zieltt/wodurch eine angenehme Erzählung erst nüzlich wird.
Ich weiß eS/ daß er sich in seiner Angabe derGründe manchmal irrte; daß er Thatsachen verwech-selt oder entstellt/ die Belege theils schuldig geblie-ben/ theils verdächtige statt der haltbaren geliefert/und sehr gewagte Muthmaßungen aufgestellt hat.Wie konte es in einem Gebiete ohne Fehltritte ab-laufen/ worin er keinen Wegweiser vor sich sah!Dieser Mängel ungeachtet ist sein Werk so vollkom-men/ als man es von Menschen/ die allesamt irren/erwarten konte. Er zeigte den wahrscheinlichen Ur-sprung der Bildnerei/ die Abstammung und Ähn-lichkeit derselben da und dort; er gab die Merkmalean/ welche an übrig gebliebenen Kunstwerken ein hö-heres oder geringeres Älter/ einen bessern oder schlim-