Biographie. cxi.
einfach schönen Formen und Wendungen/ worin alleindas Wesen des StylS besteht/ als zweite Natur an-genommen hatten: so überwog endlich in dem Wider-streite der Sprachen diejenige/ welche er mit derMuttermilch eingesogen/ und sein Hauptwerk wurdedeutsch abgefaßt. Nach vielmaligem Abschreibe»/nach wiederholten Abänderungen der ersten Ent-würfet) klagt er in einem Briefe an SalomoGeßner: 2) „ Wenige Menschen haben wie ich Ge-„ legenheit und Begierde gehabt/ die Altertümer nnd„ und die Kunst/ in so fern in diese meine Einsicht„ gehen kaü/ zu erforschen: aber ich bin wie jener„ Tänzer aus dem Altertume/ welcher beständig ging/„ ohne von der Stelle zu kommen. Morgen verwerfe„ ich zuweilen/ was ich gestern richtig erkante. ES„ war endlich einmal/ nach fast dreihundert Jahre»/„Zeit/ daß jemand sich an ein System« der alten„ Kunst wägete/ nicht die unsrige dadurch zu verbes-„ sern/ die es in wenigen/ welche dieselbe treiben/„ fähig ist/ sondern jene betrachten und bewundern„ zu lernen. Hier half kein Gewäsch/ sondern man„sollte bestimt und gesezmäßig lehren: wo ich den„ oft nicht unsichtbaren Punkt nicht treffe/ muß ich„ den ganzen Weg zurük machen / den ich vorher„ nahm. Wen diese Arbeit der Kunst selbst nüzlich„ sein könte/ welches unsere Zeiten fast unmöglich,. machen/ so würde sie Lob verdienen. Aber ich„ hätte an dieses Unternehmen vor dem dreißigsten„ Jahr gehen sollen; den izo bin ich ans vierzig her-„ anS/ und also in einem Alter/ wo mit dem Leben
nicht stark mehr zu scherzen ist. Ich merke auch/„ daß ein gewisser feiner Geist anfängt zu verrauchen/„ mit welchem ich mich auf mächtigen Schwingen in
1) Nr, an Volk in a >1 / v. Z März i762.
2) 25 April t7Sl.