Druckschrift 
1 (1825)
Entstehung
Seite
LX
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Wir.ckelmanö

zweiten Tage that er den Antrag/ Winckelmanmöchte/ ibmzu Gefallen/eine neue übersezung des Pin«darns und dessen Scholiasten unternehmen. Daer damit nicht durchdrang / schlug er eine ganz wört-liche Übersezung des griechischen Arztes DioSko-rideS vor/ woraus er sodaii/ da er das Griechischenicht verstand/ eine zierliche Umschreibung verferti-gen wollte. Um der Arbeit einen besondern Werthzu gebe»/ sollte der griechische Codex des Dios«korideS in Wien/ der über 430» Jahre alt ist,und den man bis jezo noch nie bei einer Ausgabedieses Arztes bennzt hat/ verglichen werden. Weildieses Geschäft aber eine längere Zeit erfoderte,wollte er Winckelman bei sich behalten / und ihmeine kleine Pension verschaffen. Das ging / troz desversuchten Anfanges'/ noch weniger. Endlich rükte«r mit dem Antrag hervor/ eine Übersezung des klei-nen Buches: Oe moikis muliei-nm, welches vondem griechischen Arzte Moschion herrührt/ zn ver-fertigen. Winckelman war aber nun der Zumu-thungen überdrüssig/ lehnte alle derlei Arbeiten vonsich ab/ und stellte seine Besuche beiBianconi ein.

Alle Tage zeichnete er etliche Stunden/ und sonststndirte er ausser ordentlich streng/ wozuihm die königliche Bibliothek den nöthigen VorrathBücher an die Hand gab. Er fühlte sich wohl undzufrieden/ obgleich ihm viele Dinge mangelten. DerBeichtvater des Königs hatte bei der Zurükkunft deSHofes aus Warschau keine Meldung von Geld gethan,das Winckelman so nöthig brauchte; und diesernahm sich vor/ bis auf den lezten Heller auSzuhal-

Z) Es ist i?SZ zu Wien erschienen, unter dem Titel: ve

2) Vr. au Berends, v. 2S Dec. t754.

Z) An cbendens. V. 25 Iul. 1755.