xi^viil. Wittckelmans
such bei dem Nuntius Archinto/ um Abschied vonihm zu nehmen/ weil eS hieß/ derselbe werde schleu-nig abreisen. Archinto brachte ihn durch sein Be-zeigen aus aller Fassung; er war schon im Begriffe/ihm um den Hals zu fallen/ und sagte zu ihm/ un-ter einem beständigen Händedrüken: „Mein lieberWinckelman! „folgen Sie mir/ gehen Sie mit„mir/ Sie sollen sehen/ daß ich ein ehrlicher Man„ bin/ der mehr leistet als er verspricht; ich will„Ihr Glük machen auf eine Art/ die Sie selbst„ sich nicht vorstellen. " — Das machte keinen Ein-druk auf Winckelman; er schüzte vor/ daß ereinen Freund habe/ den er nicht verlassen könne;er erzählte den Ursprung dieser Freundschaft/ undsagte/ daß er sich entschließen wollte/ wenn er sähe/wie der Freund sein Gliik mache/ den er hoffe/ ihnmitnehmen zu können; ausserdem sei er zu einer Ar-beit verbunden/ die er als ehrlicher Man vollendenmüße. Beim Weggehen mußte Winckelman ver-sprechen/ wieder zu kommen/ und Archinto sagtenoch zu ihm: „Mein lieber Freund! ich muß Ihnen„ aufrichtig sagen/ daß Sie sich und mir einen schlech-ten Begrif bei der königlichen Herschaft/ der ich„ Sie damals bestens empfohlen/ und alles Gute„ von Ihnen gesagt/ gemachet haben. "
Winckelman ließ es einen ganzen Monat an-stehen/ bis er wieder zum Nuntius ging. Eineunaussprechliche Unruhe hatte sich seiner bemächtiget;er schrieb zuweilen nach Potsdam/ um seinen FreundLamprecht aufzuweken; da er aber endlich glaubte/eS sei von demselben in'S Künftige für ihn nichtsmehr zu hoffen; da er wohl fühlte/ daß seiner Ge-sundheit nicht anders als durch eine Veränderungdes Gemüths und Aufenthaltes könne geholfen wer-
Br. an Bercnds, v. ^2 Jul< >1754.