XI.IV
Winckelmans
Zu diesen schlimmen Umstanden gesellte sich nochein Mißverbältniß zwischen ihm und Lamp recht.Erhalte diesen Jüngling nach seinem Herzen »mit aller Mühe und Sorgfalt gebildet; er lebte undschlief mit ihm zu Seehausen in dem nämlichenZimmer; an ihn ist ohne Zweifel der zärtliche Briefgerichtet/ welcher ohne Aufschrift unter den erstender chronologischen Samlung vorkämt; er hatihn nach Kräften unrerstüzt/ als' dessen Vater in übleVermögenSumstände gerathen; er wollte mit ihmeine so edle und hohe Freundschaft unterhalten/ wiein Lucians Gespräche Toxaris Muster davonaufgeführt werden; er fühlte sich sogleich in Zastversezt/ wen er glaubte Ursache zu haben) mit sei-nem Freunde unzufrieden zu fein. Einmal schreibt er:„ Ich lerne immer mehr des Menschen böses Herz„ kennen. — Er hat mich zum leztenmal gesehen.„ Sein Gedächtniß sei bei mir vertilget! " i) Ein »andermal: „Lamp recht hat es durch so viele„ feine potsdamische Kniffe/ die er gegen mich ge-„ brauchet/ endlich dahin gebracht/ daß ich anfange/ .„ ihn zu verachten. — Ich hätte ein besser Herz zu„finden verdienet. Allein: Erkcntlichkcit ver-klangen/ heißt beinahe Undank verdie -„nen. "2) wieder: „Endlich werde ich in
Absicht der Freundschaft anfangen/ klug zu werden.„Ich bin von meiner Passion geheilet/ und werde„ in keine Thorheit von dieser Art ferner verfallen.
Kaum ist aber die erste Aufwallung vorüber/ kaumhat crcin Zeichen der Freundschaft von Lamprechterhalten/ so ist er wieder mit Leib m,d Seele fürihn eingenommen: er will nur zu dessen Besten le-
Br. an Berends/ v. Zj Jan. 1755.
2) Br. an Bercnds, v. 10 März. 47SS.
Z) Br.'an Berends, v. 25 ?v!. 1755.