XXXII, Winckelmanö
auch bei seinen Bekanteil in Salzwedel aufhielt.Hier saß er einst bis' Mitternacht bei seinem FreundeCleinow/ und dieser begleitete ihn beim Wegge-hen/ wie gewöhnlich/ gegen seine Wohnung. WeileS sehr hell und still war/ spazierten sie auf demKirchhofe/ über den sie der Weg führte/ hin undher/ und da klagte Winckelman viel über seineSchwachheiten/ besonders über seine Schlaflosigkeit.Cleinow ermunterte ihn zum fleissigen Gebrauchealler nöthigen Mittel/ und sezte hinzu: „Wen„Sie darin nachläßig sind/ so werden Sie noch„hier den Todten beigefügt werden/ auf deren Grä-„ bern wir wandeln. " Diese Worte waren nochnicht völlig ausgesprochen/ so siel ihm Winckelma iium den Hals'/ und sprach : „ Ach/ -Freund! sagen Sie„ mir davon nichts! " Und als Cleinow erwiderte:„ Sie haben ja wohl nach dem Tode/ wie Ihre„ Meinung zu sein scheint/ nichts zu fürchten/ noch„ zu hoffen; 5) " so sagte Winckelman heftig: „ Un-„ sere Freundschaft hat ein Ende/ weil Sie noch„weiter ein Wort davon reden!"^)— Sein anBeschäftigung gewöhnter Geist trieb ihn jedoch frü-her wieder von dieser Erholungsreise nach Nöthxnizznrük/ als er sich vorgenommen hatte.
Ende Februars 1752 konte er sich länger nichtenthalte»/ seinen lieben Zögling und Freund Lam-Vrecht/ Secretär bei dem Obristen Rezow/ inPotsdam zu besuchen. Er schreibt von dieser Reisean VerendS: „Ich gedachte/ dir etwas nicht„ wissen zu lassen/ weil ich besorge/ dn möchtest„anfangen/ mir zu moralisiren; allein ich kan eS„ dir nicht verbergen. Ich habe eine Reise nach
O Winckelman scheint demnach um diese Zeit überdie Unsterblichkeit der Seele etwas zweifelhast gewesenzu sein.
2) Gurlitts Program v. I. IZ2o. S. 12.