XX.
WmckelmanS.
Wie verhalten sich diese Aussagen zweier Män-ner zusammen/ von denen der eine sich durch denAbbruch an fremdein Verdienst etwas zu Gute thunwill/ und der andere nur geradezu mit seinemErwerb das 'HanS bestellt?
Das wäre genug zu WinckelmanS Rechtferti-gung; den seine Aussage hält der andern mehr alsdas Gleichgewicht; aber die weitere Erzählung vonseiner Wirksamkeit in Seehausen/ und unverwerf-liche Zeugnisse/ werden noch mehr thun.
Beim Antritte seines Amtes fand er/ daß seineSchüler noch nicht weit über die Anfangsgründeder griechischen und lateinischen Sprache hinanSwaren; und da ihr voriger Lehrer (Boysen) einOrbiliuS gewesen/ so fehlte eS ihnen nicht nuran allem Geschmake/ sondern auch an Liebe zu denWissenschaften. Aus diesem Schlummer wekte ersie nun durch seinen schönen Vortrag und eine sanfteBehandlung. Aber ein großes Hinderniß/ das il»nbei seinem guten Willen und Eifer im Wege stand/tonte er nur durch seinen eisernen Fleiß wegräu-men. Die ärmern Schüler hatten- die griechischenAutoren nicht/ welche er mit ihnen lesen wollte/und da schrieb er den für sie die auSerwähltenStüke mit eigener Hand vielmal ab. Damit siezugleich im Lesen alter Handschriften geübt würden/bediente er sich spater auch der Abbreviaturen undder UncialbuchstabeN/ wie die antiken Codices sie füh-ren. Doctor Gurlitt in Hamburg bewahrt jeztnoch einen ganzen in dieser Art von dessen eignenHand schön geschriebenen Anakreon und einigeOden des nämlichen Dichters in mehrern Abschrif-ten. l)
l) Gurlitts Pro gram von 4825. S. 7 — 8, wo
diese Nachrichten von glaubwürdigen Zeugen herrühren.