Druckschrift 
3 (1878) Urkundenbuch zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

absonderlich vom Tacito dem Germanio,quod fuerit visu et auditu juxta venerabilis", nachgerühmtwird. Dannenhero unser oberpraesident auch hierauf fleissige aufsieht zu haben, damit unsers chur-prinzen sitten und gebärden recht fürstlich sein und das decorum darin wohl observiret, alles übelanständige aber vermieden werde.

Gestalt er dan auch allen fleisz anzuwenden, dasz er alles rein, deutlich und wohl ausspreche undsich eines guten accents in jedweder spräche beßeissige, zu welchem ende dan alle, die mit ihmsprechen, dahin zu halten, dasz sie selbst ihm in jeder spräche reinlich zureden. Und weil daran ge-legen, dasz der prinz die Französische spräche ex usu lerne, so sollen alle, so dieser spräche mächtig,dahin angewiesen werden, in derselben mit ihm zu reden, unangesehen er noch nicht also antwortenkönne.

III. Was drittens pro captu aetatis bey dem studieren zu thun, solchesHhatt unser oberprae-sident aufs beste zu dirigiren und benebenst dem ephoro den bequernesten methodum zu überlegen undzu ersinnen; jedoch soll allezeit solche moderation dabey gebrauchet werden, dasz unser churprinzkeinen eckeil vor den büchern und studiis bekomme. Vor allen dingen wird anjezo dahin zu sehensein, dasz er fertig lesen und zierlich schreiben lerne. Wie mehr er sonsten in den literis fassen wird,je lieber soll uns solches sein. Weil aber alle ingenia zu derer hierzu nötigen Stetigkeit nicht ge-neiget, so soll sowohl der lioffmeister als ephorus ihr liebden das latein bey aller begebenheit, beymanziehen, ausziehen und spatzieren gehen oder fahren beyzubringen ihnen angelegen sein lassen, prae-mia darauf sezen, wenn etwas behalten wird, und dabey mit fleisz verhüten, dasz kein eckel darübergenommen werde. Wan er auch etwas grösser wird und im latein zunimbt, so sollen sie öfters solcheleuthe zu seinem divertissement zu ihm führen, die latein können und quasi ludendo solches mit bey-bringen.

Was weiter wegen des studirens vor instruetion zu ertheilen, werden des prinzen eigene profectusan die liand geben, alszdann wir auch ferner darin verordnen und soioohl unsers oberpraesidenten alsdes epliori einratlien dabey vernehmen wollen. Indessen aber und bey aller gelegenheit soll der prinzin geographicis als einem nicht weniger nützlichem als lustigem studio fleissig angeführet und darinrecht perfectioniret werden; zu dem ende dan die grosze Charten in seinem gemach aufzuhengen undein globus stets an der hand zu haben, damit alsoforth ein jeglicher ortli, wovon gemeldet, gezeigetund zu desto besser behaltung von den vornehmbsten orthen liistorien erzehlet werden. Dergleichen danauch mit unserer vorfahren in der regierung, marggraffen und cliurfürsten zu Brandenburg, wie nichtweniger der hochlöblichen printzen von Oranien contrefaicten und bildnuszen zu thun und deren genea-logie, vornernbste geschichte und lügenden ihr liebden wohl einzudrücken, damit sie diese domesticaexempla stets vor äugen und im gedächtnüsz haben und denselben nachzuahnen (sie) sich befleissigen.Wie dan auch sonsten allezeit der prinz zu fassung rühmlicher exempel und erzeldung guter historien,insonderheit solcher, die den regenten nüzliche lehren geben, anzuhalten und ihr liebden 'dieselbe sooft deutlich vorzusagen, dasz sie solche recht begreiffen und behalten mögen.

Und weil die eloquenz einem regierenden fürsten nicht allein ein grosses Ornament, besondernauch hochnüzlich ist, so sollen unsers sohns liebden vor allen dingen dazu fleissig gehalten, zu anfangsihm kurze reden auswendig zu lernen vorgeschrieben, künftig aber von ihr liebden selbst ausgearbeitet,dazu aber allezeit solche materien genommen werden, die einem regierenden cliurfürsten in seiner re-gierung täglich vorkommen; wie dan deszfals, wenn unsers sohns liebden sich mit dem reden ein weniqbesser werden belielffen können, rechte actus mit adhibirung anderer knaben anzustellen, icorin unserssohns liebden allezeit des fürsten persohn repraesentiren soll, zu welchen actibus allemahl unsere räthe*und andere zu invitiren, damit unsers sohnes liebden sich dabey deren hierzu nötigen freyheit ange-wehnen möge; wie wir auch selbsten zuweilen denenselben beywohnen wollen.

Sobald auch die jähre es leiden wollen, soll unsers sohnes liebden zu den prineipiis mathematicisangeführet und zu dem ende, sonderlich wenn einige inclination verspüret wird, vom zeichnen der an-fang gemachet werden. Wie es aber künfftig nach erlangten prineipiis latinae linguae weiter mit ihm instudiis anzustellen, darüber soll uns alszdan vom lioffmeister und ephoro ihr unvorgreiffliches unter-thänigstes gutachten eröfnet werden, und wollen wir darauff die fernere gemäsze notturfft verfügen.Und da wir verspürten, dasz der prinz mit mehrerm belieben studiren würde, wen noch jemand seinesalters nebenst ihm wehre, wollen wir auf einen oder andern knaben guten ingenii bedacht sein undwie es damit zu halten alsdan verordnen.

IV. Damit auch unsers sohnes liebden gemütli zu den studiis desto mehr aufgewecket und perintervalla angefrischet, seine gliedmaszen auch gestärcket und die gesundheit, ivelche wir ohnedem unsermoberpraesidenten in allen stücken aufs fleissigste zu beobachten gnädigst anbefehlen, desto besser unter-halten werde, so wird vierdtens nötig sein, dasz die bewegung und exercirung des leibes hinzukomme.