Hofe des Königs Carl II geben seine vortrefflichen Berichte 1 ) ausführliche Nachricht. Er war bereits wäh-rend dieser Zeit, am L/ll. Juni 1G76, zum Wirklichen Geheimen Rath ernannt. 2 ' Aber nach dem1679 erfolgten Tode seines Vaters, nach welchem ihm auch das Erbkämmerer-Amt der KurmarkBrandenburg zufiel, 3 » erforderte die ihm überkommene bedeutende Begiiterung, dass er eine Zeitlang demStaatsdienst fern blieb, bis ihn bedeutsame Ereignisse zu neuer diplomatischer Thätigkeit riefen. Die immermehr überhand nehmenden berüchtigten Reunimen Ludwigs XIV, denen auch Strassburg (1681) zum Opfergefallen war, und der -- ebenfalls auf Frankreichs Anstiften — drohende Einfall der Türken in Ungarn,veranlassten den Anschluss Kurbrandenburgs an Oesterreich. 4 ' In Folge dessen ging Otto im Januar 1683als ausserordentlicher Gesandter nach Wien, 5 » von wo er erst im April 1684 zurückkehrte. Bereits imFebruar 1685 aber musste er sich abermals nach Wien begeben, 6 » woselbst er diesmal — freilich erst nachBeseitigung grosser Schwierigkeiten — am 2. Juni die Belehnung mit Magdeburg für den Kurfürsten empfing;auch hatte er dort unter Anderem die Brandenburgischen Ansprüche auf die schlesischen Fürstenthümer inErinnerung zu bringen. 7 » Im Jahr 1686 ging er dann, als sich der König von Dänemark Hamburgs bemäch-tigen wollte, in besonderer Sendung an die braunschweigisch-lüneburgischen Höfe. 8 » Bei seiner Anwesenheitin Berlin wohnte er stets den Sitzungen des Geheimen Baths bei und nahm auch am 1688 an der-
jenigen Theil, in welcher zum letzten Mal der grosse Kurfürst präsidirte und von seinen vertrauten RathenAbschied nahm. 9 » Auch beim Tode dieses grossen Fürsten war er zugegen 10 » und trug endlich bei dem Leichen-begängniss desselben das Scepter. 11 »
Auf des nunmehrigen Kurfürsten Friedrichs III Befehl begutachtete Otto das bekannte, von allenSchriftstellern vielbesprochene Testament des grossen Kurfürsten vom Jahre 1686 dahin, dass dasselbe vonden pactis familiae abweiche , mithin die in demselben festgesetzte Theilung der Länder unzulässig sei undalso der Kurfürst in vollem Umfange die Herrschaft seines Vaters anzutreten habe. 12 » Er begleitete 1689den Kurfürsten während des Feldzuges am Rhein und war insbesondere bei der Belagerung von Bonn zu-gegen. 13 '
In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kurfürst am 16. November 1689 die durch denTod seines Schwagers Blumenthal (vgl. No. 3) erledigte Domprobstei zu Brandenburg, 14 »und er-nannte ihn am 25. März 1693 zum Verweser und Hauptmann der Herzogthümer und AemterCrossen, Züllichau und Schwiebus 16 » mit der besonderen Vergünstigung, 16 » einen Vice-Verweser ausdem Crossenschen Landadel zu bestellen. 17 » Im Jahr 1693 wurde er auch residirender Comthur des Johan-niter-Ordens zu Lagow, 18 »zu dessen Ritter er bereits 17./27. April 1671 geschlagen war. Dagegenentband ihn der Kurfürst im April 1693 wegen der vielen anderen ihm aufgetragenen Aemter von derAmtshauptmannschaft zu Ruppin.
In den Jahren 1696 bis 1699, während welcher Kurfürst Friedrich III auf längere Zeit von Berlinabwesend war, war Otto an der Spitze des Geheimen Rathes 19 »mit der Leitung der Regierungsge-schäfte beauftragt. 20 »
Mehrfach zur Befriedigung beider Theile geführte Verhandlungen mit dem Kaiser Leopold, welcher ihmpersönlich sehr gewogen war, veranlassten am 11. September 1700 seine Erhebung in den Reichs-Grafen-stand, 21 » welchen der Kurfürst am 13. December desselben Jahres seinerseits anerkannte und bestätigte. 22 »
Zu der Königs-Krönung in Königsberg (18. Januar 1701) begleitete er den Kurfürsten nicht, 23 » sondernstand während dessen wieder an-der Spitze der Regierung in Berlin.
1) Dieselben sind gedruckt unter dem Titel: Briefe aus England über die Zeit von 1674 bis 1678, in Gesandtschqfts-Berichten „
des Ministers Otto von Schwerin des Jüngern an den grossen Kurfürsten. Herausgegeben von Leopold von Orlich. Berlin 1837. —
Darin ist auch enthalten: Lebensshizze des Ministers Otto von Schwerin des Jüngern, 72 Seiten. 2) U. B. II. 644. 3) Vgl. U. B.
II. 615. 4) Droysen a. a. O. 2. Aufl. 3. Th. S. 480 ff. 5) Droysen a. a. 0. S. 495 ff. giebt den Inhalt der ihm ertheilten Instruc-
tion. — Pfeffinger, Historie von Braunschweig-Lüneburg III. S. 463 und 471.— Orlich, Geschichte des Preuss. Staates II. S. 503.
6) Ziemlich ausführlich berichtet darüber auch: Fr. Förster, Neuere und neuste Preuss. Geschichte. Supplement I. S. 164 ff. —
Orlich a. a. 0. II. S. 510 ff. 7) Orlich a. a. 0. Urkunden, III. S. 336 ff. No. 421, 422, 424, 426, 427. 8) Orlich a. a. 0. II. S. 530.
9) Droysen a. a. O. 3. Th. S. 569. — Auf einem, diese Sitzung darstellenden, Gemälde von Otto Gennerich befindet sich mithin
auch der Freiherr Otto von Schwerin der Jüngere. 10) Droysen a. a. 0. S. 571. — Orlich a. a. 0. II. S. 548. — Eigenhändige
Handschrift Otto's: die letzten Tage des grossen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. 11) Pauli III. S. 367. 12) Unter dem 12. October
1688 reichte er eine eigenhändige schriftliche Beurtheilung des Testaments an den Kurfürsten ein. Orlich a. a. 0. I. S. 554 ff. —
Fr. Förster a. a. 0. Suppl. I. S. 296 ff. 13) Nachricht aus dem Geh. Staats-Archiv. Vgl. Orlich, Briefe aus England, S. XLV,
wo es heisst, dass Otto in Berlin verblieb. 14) U. B. II. 659. 15) U. B. II. 662. 16) aus special gnaden. 17) Anm. zu U. B.
II. 662. 18) Vgl. U. B. II. 667. 19) U. B. II. 672 wird Otto ältester Wirklicher Geheimer Staatsrath genannt.
20) Wol dieser Stellvertretung halber wird er hier und da als Oberpräsident bezeichnet, doch hatte er weder dieses Amt noch
diesen Titel. 21) U. B. II. 671. 22) U. B. II. 672. 23) Chronist Möller erzählt von den in Berlin zur Feier der Krönung
veranstalteten Festlichkeiten U.A.: — Vor des Geheimen Etats-Ministeri des Herrn Grafen von Schwerins Excellenz
Behausung war eine Fontaine verfertiget, woraus etliche Stunden Wein sprang.
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