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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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Am 12. Juli 1701, am Geburtstage des nunmehrigen Königs Friedrich I, verlieh ihm dieser als höchstesZeichen seiner Gunst den neu gestifteten Schwarzen Adler-Orden. Auch am Hofe der philosophischenKönigin Sophie Charlotte erfreute er sich wegen seiner gediegenen Bildung und seiner feinen weltmännischenFormen nicht minderer Gunst. 1 ) Von den Staatsgeschäften scheint er sich seit 1702 mehr fern gehalten 2 *und auf seinen Gütern, namentlich zu Alt-Landsberg, gelebt zu haben, woselbst er, im Alter von 60 Jahren,am 8. Mai 1705 an der Schwindsucht starb. 3 ) Er ward in der Stadtkirche zu Alt-Landsberg beigesetzt.

Yermält war er seit 1669 mit Ermgard Marie Freiin von Quadt zu Wykradt, ein-

zigen Tochter des Freiherrn Wilhelm Thomas von Quadt zu Wykradt und der Maria geb. von Türck, Erb-tochter zu Hemert. Dieselbe war geboren zu Wykradt 1651, wurde zum Beweise besonderer Hoch-achtung laut Parlaments-Acte aus London vom 15./25. Februar 1678 in England nationalisirt, und starbals Wittwe erst 25 Jahre nach dem Tode ihres Mannes, mit dem sie ein so freudenreiches ehelichesLeben geführt hatte, wie es nur wenigen Menschen beschieden wird*) zu Alt-Landsberg 12. November 1730.Sie wurde an der Seite ihres Gatten beigesetzt.

Die reiche Mitgift seiner Gemalin hatte Graf Otto 1674 mitverwendet zu dem Ankauf der im Jülich'-sclien belegenen Herrschaft Nothhausen, zu welcher auch die Herrschaft Gierath und Gubberath gehörte.

Ausser dieser Begüterung aber hatte er noch weiteren sehr ansehnlichen Besitz:

Aus der väterlichen Erbschaft 5 ) hatte er 1679 erhalten: nach dem Recht der Erstgeburt 1) die Herr-schaft Alt-Landsberg und 2) die Wildenhoffschen Güter; dazu 3) die von seinem Oheim Bogislav(Taf. XVII. 8) herrührenden Zuchenschen Güter: Zuchen, Schübben, Repkow und Larss, nebst Allem,was sein Vater dazu gekauft;®) und endlich 4) das in der Brüderstrasse zu Berlin belegene Haus.

Mit diesem letzteren ward er 1680 förmlich belehnt. 7 ' Er bewohnte dasselbe auch, verkaufte es jedoch,nebst den noch dazu erworbenen Grundstücken, 8 ) 1698 auf besonderes Begehren an den Kurfürsten 9 ) underwarb für die erhaltene Kaufsumme von 16,000 Thalern 10 ) 1699 ein anderes, in der Spandauer Strasse No. 3belegenes Haus, 11 'welches er ausbaute, mit neuen Seitengebäuden versah und 1705 testamentarisch zumMajorat legte. 12 )

Mit der Herrschaft Alt-Landsberg ward er 1680 in dem vollem Umfange, wie sie sein Vater be-sessen, belehnt. 13 ) Er verkaufte davon nur einei^. Rähmel zu Tasdorf; 14 )dagegen erwarb er noch dazu:die ihm noch nicht gehörigen Antheile an Gross -Barun und Wustrow, mit denen er 1693 noch besondersbelehnt wurde; 15 ) ferner 1700 die Hälfte der Feldmark Känstorff (Kensdorf, Kiensdorf) 16 > und 1681 das GutPetershagen, dessen Belehnung er 1687 erhielt; 17 ) und empfing dann 1701 nochmals einen Gesammt-Lehn-brief über diesen nunmehrigen Besitz. 18 ) Ueber einen Theil desselben, die sogenannten PredikowschenGüter, kam es jedoch zu einem langwierigen Rechtsstreit mit der Familie von Barfuss, 19 ) in Folge dessendurch Gutachten der juristischen Facultäten zu Jena und Königsberg beiden Familien das Besitzrecht ab-gesprochen wurde. Doch erst nach dem Tode des Grafen Otto wurden diese Güter 1706 als heimgefallenesLehen vom Könige an Paul Anton von Kamecke verliehen.

Die Wildenhoffschen Güter erweiterte er noch durch den Kauf des Gutes Paustern (1691) unddes Vorwerks Berslack (1693); 2 °) legte auch das Vorwerk Gottesgnade an 21 ) und erbaute von 1683 bis1685 das Schloss zu Wildenhoff. 1693 erhielt er von den beiden Oberständen das Indigenat inPreussen. 22 )

Nach dem Tode seines Bruders Friedrich Heinrich (No. 11) trat er auch in den Besitz der diesemzugefallenen 23 ) Wolfshagenschen Güter, welche er schon seit 1686 verwaltet hatte. Er kaufte dazu

1) Borussia, Museum für Preuss. Vaterlandskunde. 2. Bd. S. 178. 2) Am 4. April 1702 übertrug König Friedrich I

für die Zeit seiner Abwesenheit in Cleve die Leitung der Regierung dem Markgrafen Philipp Wilhelm, woraus zu schliessen, dass

Otto nicht in Berlin anwesend war. Vgl. Baltische Studien IV. G. 1 S. 49. Brief vom 22. Juni 1702. 3) Der König zeigt

seiner Schwiegermutter (Berlin 9. Mai 1705) eigenhändig diesen Todesfall an und schliesst mit den Worten: Also gehet einer nachdem andern ab, biss es endtlich an Mir auch die Reihe ist 4) Orlich, Briefe aus England, S. LXXI. 5) U. B. IL 649. 6) Diese

Güter verblieben zunächst als Leibgedinge der Wittwe seines Vaters, mit welcher er dieserhalb 28. Mai 1687 einen Vergleich

schloss, gegen den aber der inzwischen mit jener Wittwe wieder vermälte Feldmarschall von Spaen Einsprache erhob.

7) U. B. II. 650. 8) Lehnscopiale des Kammergerichts zu Berlin. (S. auch U. B. II. 660). 9) U. B. II. 668. 10) Geh. Staats-

Archiv. Das Haus wird 1699 als Collegienhaus bezeichnet. 11) Die Spandauer-Strasse hiess früher Stralauer-Strasse. Das

Haus gehörte dem Consistorialrath Buchholz; seine Lage wird verschieden angegeben: vor dem Spandauer Thor, in der Scheunen-

Gasse, Bollen-Gasse. Jetzt (1877) ist es Molkenmarkt No. 3, gehört zum Königlichen Polizei-Präsidium und trägt noch das Keichs-

freiherrlich von Schwerinsche Wappen. 12) Archiv in Wildenhof IV. vol. 79 No. 3. 13) U. B. II. 651. Auch 1688 beim Thron-

wechsel belehnt, Copiale des Kammergerichts. 14) U. B. II. 652. 15) U. B. II. 664. Vgl. U. B. II. 675. 16) U. B. II. 673.

17) Vgl. U. B. II. 675. 18) U. B. II. 675. (S. auch U. B. II. 661). 19) Vgl. Anm. 17 auf S. 309. Acten im Geh. Staats-

Archiv. 20) U. B. II. 663. 21) Dagegen sah er sich genöthigt, das Dorf Liepnicken in ein Vorwerk zu verwandeln, weil die

Pauern sich so übel verhalten und alles durchgebracht. 22) XJ. B. II. 665. 23) U. B. II. 649.

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