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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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311
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3. Freiin Luise Hedwig.

16441700.

(2. Tochter von No. 1 [1. Ehe].)

geboren zu Cölln a. d. Spree 8./18. Januar 1644, vermalt daselbst 12./22. October 1660 mit dem Kur-brandenburgischen Geheimen Staatsrath und Minister Christoph Caspar Freiherrn von Blumenthalauf Stavenow, Domprobst zu Brandenburg und des Johanniter-Ordens Comthur zu Süpplingen (f 1689), alsdessen Wittwe sie im Mai 1700 starb. Der Generalfeldmarschall Otto Christoph Freiherr von Sparr ver-machte ihr, als der Tochter seines lieben Freundes, testamentarisch 3. Mai 1668 das ihm 1658 verlieheneFreihaus zu Berlin in der Spandauer Strasse, l > dessen Besitz ihr 1698 nochmals bestätigt wurde.

4. Graf Otto.

1645 1705.-

(Aeltester Sohn von No. 1 [1. Ehe], Vater von No. 18 bis 25.)

war ein ausgezeichneter Diplomat, der unter der Regierung des grossen Kurfürsten von Brandenburg inhervorragender Weise als Gesandter thätig war, und später als Minister des ersten Preussischen Königsdessen Vertrauen in hohem Grade besass. Er war seines bedeutenden Vaters bedeutender Sohn. 2 )

Otto der Jüngere, wie er im Gegensatz zu seinem Vater, so lange dieser lebte, genannt wird, 3 ) wurdezu Cölln an der Spree (Berlin) 11./21. April 1645 geboren, 4 ' studirte 1658 in Halle, 1660 in Heidelberg,war dann von 1661 bis 1662 bei seinem Vater in Preussen in der Lehre , 1662 bis 1664 auf der Univer-sität zu Leyden, bis 1665 zu Frankfurt a. d. Oder, 5 ) machte dann die übliche Eeise, ging durch Hollandund Belgien nach Frankreich und blieb längere Zeit in Paris, der damaligen Schule für angehende Diplo-maten, wo er auch 1667, damals 22 Jahr alt, in besonderer Audienz dem König Ludwig XIV ein Schreibenseines Kurfürsten in der Jülich-Cleveschen Angelegenheit überreichte 6 ) der erste ihm gewordene Auftrag.Gleich nach seiner Rückkehr in die Heimath bestellte ihn der Kurfürst am 7. Juni 1667 zum Hauptmannder Grafschaft Ruppin und des Landes Bellin, 7 ) auf welches Amt ihm schon 19. Juli 1663 dieAnwartschaft ertheilt war, und schon am 4./14. Januar 1668 erfolgte seine Ernennung zum Hof- undKammergerichtsrath. 8 ) Im selben Jahr wohnte er nebst seinem Vater der zweiten Vermälung desgrossen Kurfürsten mit der verwittweten Herzogin Dorothea von Braunschweig bei und ward am 1/11. Augustj. J. zum Kammerherrn ernannt. Die politischen Verwickelungen, welche dem Ausbruch des Kriegesgegen Frankreich vorhergingen, 9 ) veranlassten 1672 eine diplomatische Sendung Otto's an die Höfe zu Dresden,Celle, Zerbst, Heidelberg 10 ) u. A. und dann auf den sächsischen Kreistag zu Leipzig. Des grossen KurfürstenZufriedenheit bezeugte die am 12./22. Januar 1673 erfolgte Berufung zum Geheimen Rath, 11 ) dessenSitzungen welchen sein Vater so umsichtig und würdevoll präsidirte er nunmehr beizuwohnen hatte.Als ein besonderer Beweis des Kurfürstlichen Vertrauens ist es wol zu betrachten, dass er damals 28 Jahralt in demselben Jahr (1673) als Gesandter zu dem Friedens-Kongress nach Cöln 12 ' geschickt wurde,an welchem sich fast alle europäischen Mächte betheiligten. Auch ward er darauf zur Fortsetzung der dortgescheiterten Friedens-Unterhandlungen 1674 nach London bevollmächtigt. 13 ) Bei dieser Gelegenheit erhielter am 7. Juli 1674 von der Universität Oxford die Würde eines Doctor juris. 14 ) 1675 ging er abermalsals Gesandter nach London, woselbst er diesmal 4 Jahre verblieb und erst im December 1678 nach Berlinzurück kehrte. Ueber seinen Aufenthalt in England und seine bedeutungsvolle diplomatische Thätigkeit am

1) Das Haus gehört jetzt (1877) dem Kaiserlich deutschen Reichs-Post-Amt. 2) Orlich, Briefe aus England, S. I: In dem

Gange mensch lischer Entwicklung ein seltener Umstand, dass ein ausgezeichneter Vater einen ebenso ausgezeichneten Sohn auftreten sieht!

3) Vgl. U. ß. II. 640, 644. 4) Im Archiv zu Wolfshagen befindet sich ein bis zum Jahr 1075 reichendes eigenhändiges curri-

culum vitae Otto's des Jüngern. 5) Ein dort ihm ausgestelltes sehr günstiges Zeugniss wird im Geh. Staats - Archiv zu Berlin

aufbewahrt. 6) Vgl. U. B. II. 636. 7) U. B. II. 634. Riedel, codex diplom. A. IV. S. 37. 8) U. B. II. 636. 9) Droysen,

Geschichte der Preuss. Politik, der Staat des grossen Kurfürsten, 3. Th. S. 248 ff. 10) Pfeffinger, Historie von Braunsclnveig-

Lüneburg III. S. 101. 11) U. B. II. 640. 12) Droysen a. a. O. 3. Th. S. 298 theilt den ihm gewordenen Auftrag mit.

Orlich, Geschichte des Preuss. Staates, 2. Th. S. 94 ff. Im Archiv zu Walsleben befindet sich der eigenhändige Gesandtschafts-

bericht Otto's des Jüngeren an den grossen Kurfürsten aus Cöln am Rhein. Pufendorf, Lib. XI. § 85 92. 13) Orlich a. a. 0.

S. 108, 299 ff. 14) Nach dem oben erwähnten curriculum vitae.