er allerdings im December 1678 seinen Abschied, doch lehnte der Kurfürst dies Gesuch mit sehr gnädigenWorten ab, 1 ) liess nur, wie schon früher (1G63) einmal geschehen war, 2 ) eine Erleichterung in seinen Obliegen-heiten eintreten, 3 ) und forderte noch wenige Monate vor des Oberpräsidenten Tode dessen Gutachten undRath in Betreff des 1G79 abzuschliessenden wichtigen Friedens von St. Germain. 4 '
Der Oberpräsident starb im Schlosse zu Berlin 5 ) (Cölln an der Spree) am 4./14. November 1679, imAlter von 63 Jahren 8 Monaten, und ward 12./22. December im Erbbegräbniss der Stadtkirche zu Alt-Landsberg beigesetzt. 6)
Otto von Schwerin war ein Staatsmann von seltener Begabung. Neben einer vielumfassenden klassi-schen Bildung und'der Gabe feiner Beobachtung besass er eine ungewöhnliche Arbeitskraft und Energie, undhandelte stets mit Besonnenheit und Würde. Mit strenger Rechtschaffenheit verband er ein wohlwollendes,menschenfreundliches Wesen und echte Frömmigkeit. Auch zählte er zu den besten Rednern 7 ' seiner Zeit undbesass dichterische Begabung in hervorragender Weise. Ausser den bei Leopold von Orlich abgedrucktengeistlichen Liedern rühren unbezweifelt auch von ihm die der Kurfurstin Luise zugeschriebenen erhabenenLieder, 8 ) wie besonders die allbekannten: Jesus, meine Zuversicht und Ich will von meiner Missethat zumHerren mich bekehren. Besonders bemerkenswerth aber ist seine völlige Ilingabe in den Dienst seinesFürsten, dessen grosse und weittragende Gedanken er stets richtig erfasste, oft fordernd auf sie einwirkteund unermüdlich an ihrer Gestaltung arbeitete. Mit seltener und durch die Jahrzehnte hindurch ungetrübterFreundschaft und nie wankendem Vertrauen lohnte ihm dafür der grosse Kurfürst und dessen edle Gemalin.
Dreimal hatte sich der Oberpräsident vermält: 1) am dritten Osterfeiertag 1642 auf dem Kurfürstl.Schlosse zu Königsberg mit Elisabeth Sophie von Schlabrendorf, einer Tochter des Manasse vonSchlabrendorf auf Glienicke und Drewitz und der Melusina geb. von Thümen a. d. H. Woltersdorf. Siewar geboren zu Drewitz 20. Februar 1620, gehörte der reformirten Kirche an, war Kammerfräulein derverwittweten Kurfürstin, der Mutter des grossen Kurfürsten, und starb nach der Geburt ihres jüngstenSohnes (No. 12) zu Cölln an der Spree 26. Januar 1656; beigesetzt im Dom. Sie hatte ihrem Gemaleilf Kinder geboren.
2) am 1. oder 5. October 1656 auf dem Schlosse zu Königsberg mit Helene Dorothea von Kreytzen,einer Tochter des Landhofmeisters Andreas von Kreytzen auf Domnau und der Anna Maria geb. von derOelsnitz a. d. H. Schippein. Dieselbe war zu Fischhausen 10./20. März 1620 geboren, lutherischer Religion,und seit 1644 Wittwe des Königl. Polnischen Kammerherrn Fabian Erbtruchsess und Freiherrn zu Wald-burg auf Wildenhoff. Ihr einziger Sohn aus dieser ersten Ehe war der Erbtruchsess Freiherr Gebhard zuWaldburg (geb. 20. October 1638), welcher als Kaiserlicher Oberstlieutenant 9. October 1664 bei Wien imDuell erschossen wurde. 9 ) Sie starb 16./26. August 1677 zu Alt-Landsberg und ward in der dortigen Kirchebeigesetzt. ,0 ) Fünf Kinder waren in dieser Ehe geboren.
3) 1679 n )zu Alt-Landsberg mit Dorothea von Flemming, einer Tochter des Ewald Joachim vonFlemming auf Rippertow und der Agnes geb. von der Osten a. d. H. Woldenburg. Sie war Wittwe desObersten Bodo von Schlieben auf Papitz und Klützow und vermälte sich als des Oberpräsidenten Wittwe 12 )zum dritten Mal am 10. Mai 1687 zu Berlin mit dem Kurbrandenburgischen Generalfeldmarschall
1) Der Kurfürst schrieb 22. December 1678: — Wir auch zu Euch das gnädigste Vertrauen haben, Ihr werdet uns bei jetzigengefährlichen conjuncturen euren getreuen rath, dessen wir Uns nun 42 jähre her gebrauchet, nicht entziehen, sondern Uns vielmehr damit
bisz zum beschlusse eures lebens, insonderheit jetziger Zeith, getreulich an handt gehen, so wird es Uns sonders lieb und angenemb seyn,
wan ihr deszfals Tceine fernere instancen thuet. Orlich III. S. 298. 2) Orlich III. S. 167 No. 173. 3) Orlich III. S. 299 No. 388.
4) Orlich II. S. 325 ff. — Orlich III. S. 303 ff. Schreiben des Kurfürsten an den Oberpräsidenten vom 1 ./II., 4./14. und1I./21. August 1679. — Vgl. auch Pufendorf XVII. § 62 ff. — Stenzel, Geschichte des Preuss. Staates II. S. 406. 5) Seine
Wohnung in demselben lag über den nachmals vom König Friedrich Wilhelm IV bewohnten Gemächern. 6) Nach einer Notiz
des Rector Küster ward sein Körper balsamiret und ist A°• 1718 noch unverweset gesehen worden. 1720 ward sein Sarg fest ge-
schlossen und 1730 das ganze Schwerinsche Gewölbe in Alt-Landsberg, in dem 15 Särge stehen, auf Königlichen Befehl zu-
gemauert. 7) Lünig, Grosser Herrn, vornehmer Ministren und anderer berühmten Männer gehaltene Reden. Leipzig 1709, 2 Bde. —
Unter den in 12 Kapiteln vertheilten 342 Reden sind No. 62, 91, 93, 101, 152 und 212 von Otto v. Schwerin. — Vgl. R. v. Iiolly
a. a. 0. S. 22. 8) Orlich I. S. 545: Diese Lieder gaben wol deshalb Veranlassung zu der Behauptung, dass die Kurfürstin Ver-
fasserin derselben sei, weil sie der Ausdruck ihres frommen Wesens, ihrer Demuth und Würde sind. Aber sie war der deutschenSprache nicht so mächtig, um poetische Gedanken entwerfen zu können, denn sie schrieb sehr selten deutsch, mehrentheils
französisch oder holländisch. Dagegen verfasste der Oberpräsident, welcher ja zugleich ihr Oberhofmeister und treuer Freundwar, auf ihren Wunsch vielfach für sie Gebete und fromme Lieder. Orlich III. S. 379 ff. 9) Beigesetzt im SchwerinschenErbbegräbniss zu Alt-Landsberg. 10) Auf ihren Tod wurden 1677 bei Christoph Runge in Berlin vier Trauer-, Trost- und Ge-dächtniss-Predigten gedruckt; ebenso zu Frankfurt ein von Johann Bogislaus von Schwerin (Taf. XVII. 11) verfasstes lateinischesGedicht. Des grossen Kurfürsten Beileidschreiben bei dieser Gelegenheit siehe bei Orlich III. S. 274, 276. 11) Am 12. Februar1679 erbat der Oberpräsident vom Kurfürsten die Erlaubniss zu seiner Wiederverheirathung, um Pflege in seinen vielen Schwach-heiten zu haben. 12) U. B. II. 656.