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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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Als 1671 ein Krieg mit Ludwig XIY auszubrechen drohte, bereiste Bogislav die französische Grenzevon Breisach bis nach dem Haag und erstattete dem Kurfürsten von dieser Rekognoszirung Bericht. Anden folgenden nur unbedeutenden Kriegsereignissen bis zum Frieden von "Vossem (1673) nahm er jedochnicht Theil. Erst als der grosse Kurfürst 1. Juli 1674 dem von dem Kaiser, Spanien und den General-staaten geschlossenen Trutz- und Schutz-Bündniss gegen Frankreich beitrat, begab sich Bogislav nach Hollandzu der Armee der Verbündeten und machte am 11. August 1674 als Volontair 1 ) die äusserst blutige Schlachtbei Senef im Hennegau mit, deren Sieg sich sowol der Prinz Wilhelm von Oranien als auch der Prinz vonConde zuschrieb. 2 ) Bogislav selbst erhielt in derselben einen Prellschuss auf seinen Kürass, während nebenihm sein Adoptivsohn, Baron Bogislav von Schwerin (Taf. XVHI. 12), schwer verwundet wurde. Er begabsich darauf in das Lager vor Grave (de Graaf), wohnte der langwierigen Belagerung dieser kleinen, aberstarken und berühmten Festung in der Provinz Nordbrabant, welche sich seit 1672 in Händen der Franzosenbefand, bei und nahm an deren Einnahme Theil, bei welcher neben den niederländischen auch brandenburgischeTruppen mitwirkten.

Auf die Nachricht von einem drohenden Einfall der Schweden in die Brandenburgischen Lande, eilteder General sofort in sein Pommersches Gouvernement zurück und traf dort alle nöthigen Vertheidigungs-massregeln, wobei er besonders darauf Bedacht nahm, die übergrosse Furcht vor den Schweden, welche schonein grosses Flüchten aus dem Lande zur Folge gehabt hatte, nach Möglichkeit zu massigen. 3 ) Noch vorSchluss des Jahres 1674 überschritten in der That die Schweden die Grenze und verübten unerhörte Gräuel-thaten, bis der vom Rhein herbeigeeilte grosse Kurfürst denselben durch den glänzenden Sieg von Fehrbellin(18. Juni 1675) ein Ende machte. Nach diesem Erfolge war für Kolberg Nichts mehr zu befürchten undso übernahm der General am 28. September den Befehl über die bei Camin vereinigten Truppen, 4) um zumAngriff nach Vorpommern vorzugehen und zunächst die Insel Wollin zu überraschen. Es gelang ihm, denFeind über den beabsichtigten Punkt des Uebergangs zu täuschen, welchen er mittelst 30 Böten die erauf Wagen von Kolberg mitgeführt bewerkstelligte; er überrumpelte die Divenower Schanze und ging,den Eindruck der Ueberraschung benutzend, in der Frühe des 3./13. October zum Sturm auf die FestungWollin vor, deren Thore er, trotz der heftigsten Gegenwehr, in kürzester Frist eröffnete. Er eroberte dort34 grosse eiserne und 2 metallene Kanonen. 5 ) Am 16. Januar 1676 ging er drei Meilen über das zugefrorenekleine Haff und eroberte die von den Schweden unter Oberst Wangelin besetzte Insel Usedom. Durch Zu-sammenwirken mit dem Korps des Feldmarschalls Derfflinger entsetzte und verproviantirte er darauf dasvon dem Schwedischen General Mardefeld 6 Monate lang belagerte Wolgast, bemächtigte sich am 1. JuliSwinemündes, unterstützte von Usedom aus den Angriff des Kurfürsten auf Peenemünde und trug am 4. Julisehr wesentlich zur Eroberung der starken Peenemünder Schanze bei. Endlich rückte er gegen das festeSchloss Damm vor, welches sich ihm 13. September 1676 ergab, worauf er auch noch das von den Schwedenverlassene Städtchen Damm und die am rechten Oder-Ufer gelegene Vorstadt von Stettin, die Lastadie,in Besitz nahm. Der Versuch des grossen Kurfürsten, Stettin selbst durch ein Bombardement zur Ueber-gabe zu zwingen, gelang nicht, und so begann erst nach gehörigen Vorbereitungen im Sommer des Jahres1677 die förmliche Belagerung dieser starken Festung, welche unter des Kurfürsten persönlichem Oberbefehlder Feldmarschall Derfflinger leitete. General Schwerin, welcher inzwischen auch zum GeheimenKriegs-rath 6) ernannt war, hatte zunächst das Kommando auf dem rechten Oder-Ufer. Dort eroberte er, mit Ueber-windung ausserordentlicher Hindernisse, das feste Blockhaus und die sogenannte Zollschanze, wodurch demFeinde die Futterung und die Verbindung mit der Oder abgeschnitten wurde. Am 4. August wurde ihmdie Anlage der Batterien und die selbstständige Leitung des Angriffs auf dem linken Ufer der Oder über-tragen. Die ungeheuren Anstrengungen aber, denen er sich während der Belagerung unterzog, die anhaltendeNässe und der dauernde Aufenthalt in den kalten Sümpfen erschütterten seine Gesundheit so völlig, dasser sich auf des Kurfürsten besonderes Zureden im Spätherbst auf einige Zeit zur Erholung nach Stargardbegab, von wo er jedoch gleich nach der am 16. December 1677 erfolgten Kapitulation Stettins dorthinzurückkehrte. Am 27. December begleitete er den Kurfürsten beim Einzüge, nahm darauf der Bürgerschaftden Huldigungseid ab und wurde zum Gouverneur von Stettin ernannt.

1) Der Kurfürst brach im August 1674 mit 20000 Mann nach dem Oberrhein (Elsass) gegen Türenne auf. Bogislav befand

sich bei der Armee in Holland vermuthlich in der Stellung eines heutigen Militär-Bevollmächtigten. 2) L. v. Orlich, Geschichtedes Preuss. Staates im 17. Jahrhundert. 2. Theil, S. 148. 3) Bericht des Generals vom 29. October 1674 im Geh. Archiv zuDessau. Tit. IV. No. 12. 4) Dieselben bestanden aus den Regimentern Hohendorf und Schlieben, den Reutern unter Nettel-horst nebst 4 aus Kolberg detachirten Kompagnien, 50 Pferden unter Oberstlieut. von Manteuffel, 60 Dragonern unter Kapitainv. d. Groeben und 5 Geschützen, im Ganzen etwa 2000 Mann. 5) L. v. Orlich, Geschichte des Preuss. Staats im 17. Jahr-hundert. 2. Theil, S. 199 ff. Pufendorf, de rebus gestis Friderici Wilhelmi Magni, 1693. Lib. XIV. pag. 1080 sqq. 6) Als

solcher wird er urkundlich 1678 genannt. Vgl. U. B. II. 648.