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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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gegen, welches sich 11. October jenes Jahres den Franzosen unter dem berühmten Prinzen von Conde ergab.Nach Beendigung des Feldzuges begleitete er den Herzog Christian Ludwig auf einer Reise an den Kaiser-hof nach Wien, durch Frankreich, Italien und Deutschland und kehrte 1647 in Kurbrandenburgische Dienstezurück. Noch im selben Jahr wurde er in Cleve zum Stallmeister der Kurfurstin Luise Henriette er-nannt und gleich darauf auch zumKapitain und Chef der 2. Kompagnie des Trott'sehen Regiments 1 ) unterdem Oberst Caspar von Potthausen. 1651 wurde er Oberstwachtmeister (Major) und befehligte 1653als Oberstlieutenant eine Escadron , 3 ' welche in jenem Jahre unter dem Generalfeldzeugmeister von Sparr 8 'die Festung Kolberg besetzte, 4 ' als deren Commandant seitdem Bogislav erscheint.

In dieser Stellung, welche übrigens damals ausser den auf die Festung sich beziehenden auch sonstigemilitärische und Verwaltungs-Angelegenheiten umfasste, entfaltete er eine' sehr rege und erspriesslicheThätigkeit. Sein Werk war der Aufbau des Mündner Thores; 5 ' auf seine Anregung und unter seiner fort-dauernd eifrigen Beförderung begründete der Kurfürst die Ritter-Akademie in Kolberg, 6 ' woselbst dieSöhne des zahlreichen Pommerschen Adels zu Offizieren vorgebildet wurden; auch war es hauptsächlich seinVerdienst, dass schon 1656 das erst seit drei Jahren in Brandenburgischem Besitz befindliche Pommern sozahlreiche militärische Kräfte entwickeln konnte, denn unermüdlich hatte er die dort errichteten Regimentergemustert und auch die Landfolge und die Dienstpflichtigen vielfachen Prüfungen unterworfen; endlich rich-tete er in der Kriegszeit auf seine Kosten auch eine Art Feldpost durch reitende Boten ein. 7 ' Durch einangenehmes Wesen, welches er mit soldatischer Strenge verband, erwarb er überdies die Achtung und Liebeder Ortsbewohner. Und in wie hohem Grade er das Vertrauen des Kurfürsten besass, ergiebt die Ver-ordnung, nach welcher alle von ihm für nöthig erkannten Ausgaben im Voraus als vom Kurfürsten ge-nehmigt angesehen werden sollten.

Im Juni oder Juli des Jahres 1656 8 'ward Bogislav Oberst 9 'und Chef des Regiments, zu welchemseine Escadron verstärkt worden war. 10 > Dasselbe persönlich gegen den Feind zu führen, war ihm indessennicht vergönnt. Bei Beginn des schwedisch - polnischen Krieges musste der Kurfürst das wichtige Kolbergunter bewährtem Schutze lassen; so nahm das Schwerinsche Regiment keinen Antheil an dem ruhmvollenSiege bei Warschau (18. bis 20. Juli 1656) und als es endlich im April 1657 Marschbefehl nach Preussenerhielt, musste es doch seinen Chef zurücklassen, den sein Kriegsherr auf einem so wichtigen Posten nichtmissen wollte. Mit dem lebhaftesten Interesse jedoch sorgte Bogislav für sein Regiment, welches er erst20 Jahre später als es nicht mehr das seine war auf dem Felde der Ehre wieder begrüsste, u ' undstand dieserhalb mit dem Oberstlieutenant von Bonin, der es an seiner Statt commandirte, in beständigemVerkehr. 1658 wurde er Gouverneur der Feste Kolberg 12 ' und im April 1659 ernannte ihn der Kurfürstzum Kriegsrath mit Sitz und Stimme im Kriegs-Raths-Collegium zu Berlin bei etwaiger Anwesenheitdaselbst und mit der Befugniss, dass alle von der Pommerschen Regierung in militärischen Angelegenheitengefassten Beschlüsse zu ihrer Gültigkeit seiner Zustimmung bedurften. 13 ' 1664 ward er Generalmajor(General-Wachtmeister) und am 2. Juni 1668 erhielt er an Stelle seines bisherigen Regiments das durchden Tod des Generalfeldmarschalls Otto Christoph Freiherrn von Sparre erledigte Regiment, welches dieGarnison von Kolberg bildete. In letztgedachtem Jahr übertrug ihm der Kurfürst neben dem KolbergerGouvernement auch dasjenige der gesammten Pommerschen Miliz, w 'wodurch er gewissermassendie Stellung eines heutigen kommandirenden Generals einnahm.

1) Oberst Georg Friedrich von Trott war seit 1639 Chef des bisherigen Alt-Kracht'schen Regiments. 2) In der Bedeutung

eines heutigen Bataillons; bestand aus 4 Kompagnien. 3) Sparr wurde zwar zum Gouverneur von Kolberg ernannt, hielt sich

jedoch fast niemals dort auf, weshalb auch alle Dienstschreiben in Betreff Kolbergs an Bogislav von Schwerin gerichtet wurden.

4) Im Westfälischen Frieden 1648 war der Besitz von Hinterpommern dem Kurfürsten von Brandenburg zuerkannt. Indessen

hielten es die Schweden noch bis 1653 besetzt. Erst eine Stunde vor Sparr's Einrücken räumte das Schwedische Regiment

Flitwoodt die Stadt Kolberg. 5) Dem Kurfürsten schrieb er darüber, dass er sich erlaubt habe, den Kurfürstl. Adler an dem

Thore anzubringen, ohne Kosten für die Staatskasse, mit dem Wunsche, dass es Sr. Durchlaucht zum gnädigsten Gefallen gereichen

möge. 6) Dieselbe wurde 1716 von König Friedrich Wilhelm I nach Berlin verlegt und bildet den Stamm des heutigen Cadetten-

Corps. 7) Z. B. 1656 nach Driesen, dem Hauptquartier des Derfflingerschen Korps. 8) Vom 1. Juli 1656 ab bezog er die Kompe-

tenzen für den vollen Regimentsstab. 9) Von den Pommerschen Rathen, welche mit ihm nur in seiner Eigenschaft als Komman-

danten zu thun hatten, wird er auch schon früher Oberst titulirt, dann aber auch wieder Oberstlieutenant. Erst seit der gedachtenZeit wird er immer Oberst genannt. 10) Das Regiment wurde auf 8 Kompagnien gesetzt. 11) 1676 bei der Peenemünder Schanze.

12) Nach einigen Nachrichten wurde er hierzu erst 1661 ernannt. Urkundlich erscheint er aber schon 1658 als solcher. Vgl.U. B. II. 619. In der im Archiv zu Wildenhof befindlichen handschriftlichen Lebensbeschreibung Bogislavs heisst es: Anno1658, in den damaliligen Kriegen mit der Oron Schweden, secundirte er die Occupation der Vestungen Damm vnndt Wollin. Es ist daseine Verwechselung mit den in das Jahr 1675 fallenden Kriegsthaten Bogislavs. 1658 verblieb derselbe in Kolberg. 13) Ausdiesem letzteren Grunde wird er auch Pommerscher Regimentsrath genannt. Milit. Pantheon. 3. Theil, S. 466. 14) Die

direction über die milice stand sonst gewöhnlich dem Statthalter zu. Der General wird wol dieserhalb auch Gouverneur in Pommerngenannt. Vgl. U. B. II. 648.

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