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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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Flügel-Adjutanten ernannte. 1758 ward er nebst andern Adjutanten des Königs zu der Belagerungvon Schweidnitz befehligt und war bei dem Sturm der Forts und der Uebergabe dieser Festung, sowiespäter auch bei der Belagerung von Olmütz zugegen. In der Schlacht bei Zorndorf (25. August 1758)wurde ihm ein Pferd unter dem Leibe erschossen und er selbst, durch einen Hieb auf den Kopf schwerverwundet, gerieth in Russische Kriegsgefangenschaft. In dieser verblieb er zunächst 9 Monate in Königs-berg unter Aufsicht des Lieutenant von Orlow, des nachmals bekannten Fürsten und Gtinstlings der Kaiserin,der ihn auf besonderen Befehl der Kaiserin im Frühjahr 1759 nach Petersburg bringen musste. Hier er-warb er die besondere Gunst des nachmaligen Kaisers Peter III, der ihn vielfach in seine Gesellschaft zog,bis er endlich im März 1760 zu Bütow in Pommern ausgewechselt wurde. Im Gefolge des Königs wohnteer dann der Belagerung von Dresden und am 15. August 1760 der Schlacht bei Liegnitz bei, in welcherer abermals verwundet wurde, und machte auch den Feldzug von 1761, insbesondere das Treffen bei KlosterWahlstadt, mit.

Nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth schickte ihn der König im Februar 1762 nach Petersburg,um seine bei dem Kaiser Peter III erlangte Gunst zum Abschluss des Friedens und eines Bündnisses zuverwenden. Seine Sendung hatte den Erfolg, dass der Bussische General Tschernischew mit 20000 Mannzur Preussischen Armee stiess.

Im Mai 1762 wurde Graf Wilhelm zum Major befördert und war im Feldzuge dieses Jahres beidem Treffen von Burkersdorf (20. Juli), der Schlacht bei Reichenbach (16. August) und der Belagerungvon Schweidnitz zugegen. Der König übertrug ihm darauf die Auswechselung der Kriegsgefangenen inSaalfeld und die in Münster stattfindende Uebernahme der damals verabschiedeten englischen Legion inPreussische Dienste.

Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges verblieb er in der Umgebung des Königs in Potsdam.Am 1. October 1764 ward er in Sonnenburg zum Ritter des Johanniter-Ordens geschlagen und imJuni 1772 zum Oberstlieutenant befördert. 1773 wurde er bei Errichtung des Krockow'schen Füsilier-Regiments 1 ) als Kommandeur des 2. Bataillons zu demselben versetzt; am 26. October 1776 zum Oberstbefördert, machte er 1778 den Baierschen Erbfolgekrieg mit und wurde 1782 Kommandeur des gedachtenRegiments. Im April 1784 erhielt er das bisherige Regiment v. d. Goltz in Braunsberg, 2 ) ward 22. Mai1784 Generalmajor und 1785 Chef des 1773 in Preussisch Holland neuerrichteten Füsilier-Regiments, 3 )welches nunmehr seinen Namen führte.

Im Juli 1787 ward er General-Inspecteur der Westpreussischen Infanterie, welche aus 6 Regi-mentern bestand; am 16. August 1790 Generallieutenant; erhielt 1792 den grossen Rothen Adlerorden,und ward 1793, nach der zweiten Theilung Polens, unter Beibehaltung seiner übrigen Functionen, auchGouverneur von Thorn.

1794 erhielt er den Oberbefehl über die gegen die Polnische Insurrection unter Koscziusko be-stimmte Armee. Es war dem General nicht vergönnt, in diesem ruhmlosen und traurigen 4 ) Kriege Lor-beeren zu ernten; die Eroberung Warschaus 6 ) gelang ihm nicht; der König berief ihn ab 6 ) und bewilligteihm 1795 den erbetenen Abschied. 7 )

Er starb 17. August 1802 zu Doberan in Meklenburg auf einer Reise nach Hamburg. 8 )

"Von den Gütern, welche ihm in Folge der Erb- und Theilungsvergleiche mit seinen Brüdern vom19. Mai 1760 und 31. October 1768 aus der Erbschaft seines Vaters und seines Oheims, des Feld-marschalls, 9 ) zugefallen waren, hatte er Stretense, Tetterin (a), Panschow, Curtshagen und Neuen-

1) Regt. No. 51; 1806 Regt. v. Kaufberg. 2) Regt. No. 53, führte den NamenGraf Schwerin"; 1806 Regt. v. Larisch.3) Regt. No. 52; besteht zum Theil noch gegenwärtig als 1. Westpreuss. Grenadier-Regiment No. 6. 4) Droysen, Leben desFeldmarschalls Grafen York von Wartenburg, Berlin 1854. 1. Bd. S. 72 ff. 5) Die Russen unter Suwarow erstürmten Warschau

4. Novb. 1794. 6) Vgl. auch Taf. XXI. 14. 7) Ueber den Polnischen Feldzug, sowie über die näheren Umstände, welche dieVerabschiedung des Generals bewirkten, siehe: 1. Muster für Stabsoffiziere Rapports zu machen, von einem Schüler Friedrichs II.Wahre und mit Actenstücken belegte Darstellung der Veranlassung, auf welche ich nach 43 Dienstjahren aus dem Königl. Preuss.Militairdienste entlassen worden bin, von W. F. C. Grafen v. Schwerin, Generallieutenant etc. 2. Auflage. Leipzig 1799, in derBaumgärtner'schen Buchhandlung, 265 Seiten, Grossoctav. 2. Berichtigungen einiger Angaben, welche in dem vom Gen.-Lieut.Grafen v. Schwerin herausgegebenen Buche enthalten sind, vom Gen.-Lieut. Grafen v. Klinkowstroem. Berlin 1799. 3. FrancisAndre von Favrat, K. Preuss. Gen.-Lieut., Beiträge zur Geschichte der Polnischen Feldzüge von 17941796, als Antwort aufdie von dem Gen.-Lieut. Grafen von Schwerin ihm gemachten öffentlichen Beschuldigungen. Berlin 1799. (Diese Bücher be-finden sich in der Bibliothek der Königl. Kriegs-Akademie zu Berlin). 4. Vertraute Briefe über den Preussischen Hof. I.

5. 77 ff. 5. Versuch einer Geschichte der letzten Polnischen Revolution vom Jahre 1794. 2 Theile in 1 Band. 1796.

6. Fr. Förster. Neuere und neueste Preussische Geschichte. Berlin 1851. 1. Band. S. 386 ff. 8) Lebensbeschreibungen desGenerals sind enthalten in: (Ordensrath König). Milit. Pantheon. Berlin 1797. 3. Theil. S. 473 ff. Militärisch-genealogischerCalender auf das Jahr 1792. Berlin. S. 57 ff., mit dem Portrait des Generals. 9) U. B. II. 718.

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