Druckschrift 
2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
204
Einzelbild herunterladen
 

lichem Zuge über Dresden, Kottbus, 1 ' Frankfurt a. 0. nach Pommern gebracht und in dem Erbbegiäbnisszu Wussecken beigesetzt.

Den Schwarzen Adler-Orden am blutbespritzten Bande, welches der Held in der Prager Schlacht ge-tragen, überliess der König der Schwerinschen Familie zu ruhmvoller Erinnerung. 2 )

Im Auftrage des Königs vollendete im October 1761 der Hofmaler Bernhard Rode ein für die Garni-sonkirche in Berlin bestimmtes und noch dort befindliches Bild, den Heldentod Schwerins darstellend.Gleichfalls auf Befehl des Königs ward am 28. April 1769 auf dem Wilhelmsplatz zu Berlin das Standbilddes Feldmarschalls aufgestellt, welches die Bildhauer Caspar Balthasar Adam aus Nancy und SigisbertMichel aus Paris in carrarischem Marmor ausgeführt hatten. Dieses Bildwerk ward 1863 nach dem Hofedes Kadettenhauses in der Neuen Friedrichstrasse versetzt, und an dessen Stelle kam die gegenwärtig dortbefindliche Bronce - Statue, welche von Bauch begonnen und von Kiss vollendet ist. Auf dem 1851 vonProf. Bauch vollendeten grossen Monument Friedrichs des Grossen zu Berlin erscheint im Belief auch Feldmar-schall Schwerin zu Pferde. Die bekanntesten Bilder, welche Schwerins Tod darstellen, sind vom HofmalerFrisch, 3 ^ vom Prof. W. Camphausen 4 ' und vom Prof. Otto Heyden 5 ' gemalt; von Daniel Chodowiecki sind2 kleine Kupferstiche vorhanden. 6 ) Ein lebensgrosses Beiterbild, gemalt von Antoine Pesne, der längereZeit sich in Schwerinsburg aufhielt, befindet sich im Schlosse zu Putzar und von derselben Künstlerhandist auch das Porträt des Feldmarschalls, welches ihn nach der Schlacht bei Mollwitz darstellt. Der jüngsteNeffe des Feldmarschalls (Taf. XII. 5) lies ihm die auf dem Schlosshofe zu Schwerinsburg am 26. October1790 enthüllte Sandstein-Statue errichten, welche Prof. Bettkober fertigte. Auch an der Stelle, wo er seinenruhmvollen Tod fand, steht ein würdiges Denkmal. Hier erwies seinem Andenken Kaiser Joseph II ehrendeAnerkennung, als er am 7. September 1776 sechs Grenadierbataillone einen Kreis schliessen und, zuEhren der Heldentugenden des im Kampfe gegen Oesterreich gefallenen Feldherrn, mit Geschütz und Ge-wehrfeuer eine dreimalige Salve geben liess, wobei der Kaiser jedesmal den Hut abnahm. 7 )

Schwerins Name lebt im Munde des Volkes und manches soldatische Lied feiert seine Tapferkeit undseinen Tod. 8 )

Der Feldmarschall hatte sich zweimal vermält. Zuerst, als 23jähriger Oberst, am 15. Juli 1708 9 ) zuPutzar mit Ulrike Eleonore Freiin von Krassow, ältesten Tochter des Königlich Schwedischen Generallieu-tenants Ernst Dettlof Freiherrn von Krassow auf Pansewitz auf Bügen und der Auguste Wilhelmine geb.von Wolfrath. Sie war am 2. Mai 1693 zu Mastricht in Brabant geboren und starb nach 46jähriger Eheam Nachmittag des 30. Juni 1754 zu Schwerinsburg. 10 )

Es wird von ihr berichtet, dass sie männlichen Sinn hatte und diesen mit Erfolg auf ihr grossesHauswesen, welches fast ein Hofstaat zu nennen war, sowie auf die Verwaltung der weitläufigen Güter unddie eigentliche Bewirtschaftung derselben anwendete. In ihrem Namen hatte ihr Gatte am 17. August1735 auf die von ihrem Bruder, dem Kaiserlichen Generalmajor Freiherrn Carl Wilhelm von Krassow,hinterlassenen Lehngüter gegen eine Abfindung von 20000 Thalern verzichtet. 11 ' Diese Summe verordnetesie in ihrem aus Schwerinsburg vom 13. Juni 1754 datirten Testamente zu einem Fideikommiss, von dessenZinsen das Schwerinsburger Schloss in beständig gutem Stande erhalten werden sollte. 12 '

Am 20. October 1754 schritt der schon siebzigjährige Feldmarschall zu seiner zweiten Ehe. Andiesem Tage wurde er zu Schwerinsburg mit der Aebtissin des adelichen Stifts zu Barth in Vorpommern,Philippine Luise von Wackenitz getraut. Dieselbe, eine Tochter des Königlich Schwedischen Landes-hauptmanns zu Wesenberg, Adam Philipp von Wackenitz auf Boltenhagen und der Sophie Magdalene geb.von Glöden a. d. H. Boggenhagen, Hofmeisterin der Markgräfin Albrecht von Brandenburg, war am 19. März1696 geboren, starb im fast vollendeten 82. Lebensjahre am 14. Februar 1778 zu Anclam und ward zuWussecken beigesetzt. Sie war in ihrer Jugend Hofdame der Kronprinzessin Sophie Dorothea von Preussen,der Gemalin des nachherigen Königs Friedrich Wilhelm I, gewesen und galt für die schönste Person am

1) Lieder-Chronik der Stadt Kottbus von C. Stäber. 1845. S. 185. 2) Orden und Band werden jetzt (1876) in Putzar

aufbewahrt. 3) 1787 in Berlin ausgestellt und von Daniel Berger in Kupfer gestochen. 4) Um das Jahr 1860 gemalt. 5) 1862

in Berlin ausgestellt. Vgl. National-Zeitung vom 17. Juni 1862 (No. 274): Berliner Atelierbesuche von Adolf Stahr. 6) Im

Berlinisch genealogisch-militärischen Taschenkalender für das Jahr 1787. 7) Friedrich der Grosse selbst theilte diese Auszeich-nung dem Oberstallmeister Grafen von Schwerin (Taf. XIY. 6) aus Potsdam am 22. September 1776 mit. Näheres sieheJ. D. E. Preuss, Lebensgeschichte Friedrichs des Grossen. Bd. II. S. 49 und Bd. III. S. 484; Gesterding, Pommersches Magazin III.

S. 47, IV. S. 87, VI. S. 100. 8) Gleim, Ramler, Lichtwer, Willibald Alexis, Theodor Fontane und viele Andere haben den

Feldmarschall und die Prager Schlacht besungen. Von den Volksliedern, welche beide feiern, ist wol das bekannteste: Als die

Preussen marschirten vor Prag. 9) U. B. II. 680. 10) Ihr lebensgrosses Bildniss befindet sich im Schlosse zu Putzar. Das auf

demselben neben ihr befindliche junge Mädchen ist ein Fräulein v. Platen. Ihre Leiche ist in der Kirche zu Wussecken beige-

setzt. 11) U. B. II. 703. 12) Vgl. ü. B. II. 718.