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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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erhielt den Oberbefehl über die schlesische Armee, 1 ' welche durch Schlesien in Böhmen einbrach,während der König mit der Haupt-Armee in Sachsen einrückte, die sächsische Armee bei Pirna einschlossund die zum Entsatz heraneilenden Oesterreicher unter Brown am 1. October in der Schlacht bei Lowositzschlug. Als der grosse König diesen glänzenden Sieg in einem ausführlichen Bericht dem Feldmarschallmittheilte, erwiederte dieser: 11 n'y a que Vous, Sire, qui ayez pu entreprendre une cliose aussi hardie etqui l'ayez pu CexScuter avec tant de succes. J'ai bSni le ciel d'avoir conservS la sacrSe personne de VotreMajestS dans ce grand danger. Je regrette les braves generaux et vaillans gens qui sont morts pour Sonservice dans cette grande journSe, mais on ne peut jamais cueillir des roses sans ipines, et ces braves gensayant piri pour une si belle cause donnent de VEmulation ä ceux qui les survivent ä finir aussiglorieusement qu'eux. Sieben Monate später besiegelte er diese denkwürdigen aus seiner Seele ge-sprochenen Worte mit seinem Heldentode.

Es waren nach wiederholten und höchst eingehenden Verhandlungen zwischen dem König und demFeldmarschall die Dispositionen zum Einmarsch in Böhmen für das Jahr 1757 getroffen 2 ' und Prag zumYereinigungs-Punkt der gesammten Heere bestimmt. Am Morgen des 6. Mai 1757 waren dieselben auchdort auf dem rechten Ufer der Moldau versammelt.

Prinz Carl von Lothringen stand mit der Oesterreichischen Armee in einer überaus festen Stellung.Der König war für sofortigen Angriff derselben und wies des Feldmarschalls Bedenken mit dem Sprichwortzurück: Frische Fische, gute Fische! Da drückte sich der fast 73jährige Schwerin den Hut fest in dieAugen und sagte: Soll und muss denn heute geschlagen werden, so will ich den Feind gleich hier angreifen,wo ich ihn sehe. Gleich darauf begann die Schlacht. 3 '

Man hatte leider einige entwässerte und mit Hafer besäete Teiche für festen Boden angesehen. Alsdie Preussen in dieselben liineingeriethen, ging es nur langsam vorwärts; aus einer ganzen Reihe von Batte-rien bestrichen, erlitten die Truppen ungeheure Verluste und begannen zu wanken. In diesem Augenblickkam Schwerin herangesprengt. Voll heftigen Unwillens und in jugendlichem Feuereifer riss er dem Stabs-kapitain von Rohr die Fahne aus der Hand, und setzte sich an die Spitze seines Regiments mit dem lautenZuruf: Wer ein braver Kerl ist, der folge mir! Sein Beispiel beseelte die Truppen mit neuem Muthe, aberkaum 12 Schritte waren sie wieder vorgedrungen, als der greise Feldherr hoch in seiner Rechten dieFahne haltend von fünf Kartätschenkugeln getroffen todt vom Pferde sank. 4 ' Doch bald flatterte dieFahne 5 ' wieder über den Häuptern der Preussen, welche den Tod ihres geliebten Führers rächend, Wundervon Tapferkeit verrichteten. Die Prager Schlacht wurde gewonnen. Die Schlacht bei Prag , sagt KönigFriedlich in seiner Geschichte des siebenjährigen Krieges, war eine der mörderischsten des Jahrhunderts,eine wahre Heroenschlacht. Allein Schwerins Tod machte die Lorbeeren dieses Sieges welken. Er fügtdann hinzu: Der Verlust der Preussen betrug 18000 Mann, ohne den Feldmarschall Schwerin zu zählen,welcher allein 10000 Mann galt. 6 '

Die Leiche Schwerins wurde im Kloster St. Margarethen einbalsamirt und feierlich ausgestellt. Auchder König betrachtete sie dort in stummem Schmerz mit Thränen in den Augen; 7 ' dann ward sie in feier-

1) Mebes a. a. 0.: Die Armee bestand aus 26 Bataillonen und 50 Schwadronen, etwa 27000 Mann, und dem Geschütz.

Im Jahr 1757 zählte jene Armee 36 Bataillone und 60 Schwadronen, 41000 Mann. 2) Militär-Wochenblatt, Juni 1867: DieseDispositionen tragen das Gepräge kunstvoller Berechnung und unumstösslicher Gewissheit. 3) Dr. Adolf Müller, Die Schlacht bei

Prag, Eine Jubelschrift. Berlin 1857. 4) Die näheren Umstände dieses Heldentodes finden wir aufgezeichnet in einem im

Archive des grossen Generalstabes zu Berlin befindlichen Aktenstück mit einer Originalcorrespondenz vom Jahre 1781, welchedurch die Wünsche des Malers und Kupferstechers Chodowiecki veranlasst worden ist. Ein Generalstabs-Offizier bittet den

Grafen von Egloffstein, der während der Schlacht bei Prag im Schwerinschen Regimente als Hauptmann stand, um die Beant-wortung von 26 Fragen, welche vermuthlich vom Künstler so aufgestellt sind. Der Graf beantwortet dieselben unter Beihülfe dernoch lebenden Offiziere, welche die Schlacht mitgemacht, und eines Bedienten des Feldmarschalls, welcher als Handelsmann zu-fällig auf der Frankfurter Messe gegenwärtig war. Danach, um nur das Wichtigste hervorzuheben, war der Feldmarschall, alsder tödtliche Schuss ihn traf, zu Pferde; er ritt einen kleinen braunen Polen mit langem Schwanz; ein englisches Pferd war

ihm schon vorher erschossen; die Fahne hielt er in der rechten Hand; 5 Kartätschkugeln trafen ihn und er war augenblicklichtodt; die feindliche Linie war etwa 300 Schritt entfernt; die Stunde seines Todes war 11 Uhr Morgens; der Himmel heiter und

heisses Wetter. Das Aktenstück ist abgedruckt in der kleinen Jubelschrift von Dr. Adolf Müller (Schottmüller): Die Schlachtbei Prag. Berlin 1857. 5) Diese Fahne gerieth in der Schlacht bei Kunersdorf, am 12. August 1759, in die Hände der Russen,ward dann im alten Arsenal zu St. Petersburg aufbewahrt und ward auf Befehl des Kaisers Nicolaus von Russland im Jahr 1838nach Berlin zurückgesendet, woselbst sie im Königlichen Zeughause aufgestellt ist. 6) Oeuvres de Frederic le Grand. T. IY.p. 19. Schon früher hatte der König sich zweimal ähnlich geäussert. Er schrieb an den Feldmarschall 1741: Menagez votrepersonne; eile m'est plus pr&ieuse que dix mille hommes (Oeuvres T. 25. p. 567); und ebenso erwiederte ihm der König beim Aus-bruche des Krieges 1756, als der Feldmarschall das ihm überwiesene schlesische Heer um 10000 Mann schwächer fand, als esihm der König angegeben hatte: Für diese 10000 Mann will ich Ihn rechnen. 7) Prof. W. Camphausen hat diese Scene zumGegenstand eines 1869 zu Berlin ausgestellten Gemäldes gemacht.