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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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Berliner Hofe . x ' Zu jener Zeit hatte der Feldmarschall ein nahes Verhältniss mit ihr angeknüpft und soist diese seine zweite Ehe, zu welcher er bereits wenige Monate nach dem Tode seiner ersten Gemalinschritt welcher er doch aufrichtig und herzlich zugethan gewesen war gewissermassen nur als eineSühne früheren Unrechts anzusehen. Die durch diese Heirath legitimirte Tochter 2 ) Christina Char lottevon Schwerin war mit dem Major Christoph Adam von Stedingk auf Lentschow verheirathet und"ward die Mutter der nachmals in Schwedischen Diensten als Feldmarschall und als Admiral berühmt ge-wordenen Gebrüder Grafen von Stedingk.

Andgre Nachkommen hinterliess der Feldmarächall nicht, da seine Kinder aus erster Ehe be-

reits in frühster Jugend gestorben waren. Er setzte daher durch Testament 3 ' vom 14. März 1755 die dreiSöhne seines vor ihm verstorbenen Bruders, des Grafen Hans Bogislav (Taf. XII. 1), zu Erben seiner be-deutenden Güter ein.

Diese Güter rührten zum Theil aus der Erbschaft seines Yaters und seines Oheims Dettlof (No. 23) 4 >her. Aus derselben waren ihm in Folge eines Vergleiches mit seinem mehrerwähnten Bruder Hans Bogislavvom 18. Juli 1708 Löwitz, Wittstock, Neuendorff (a), Ducherow, der väterliche Antheil an Cum-merow, Antheile an Stretense und Panschow, und 4 Bauerhöfe in Busow zugefallen.

Abgegeben hatte er von diesem Erbe nur 5 ) die letztgenannten Höfe, welche er 1710 mit Otto Jacobvon Schwerin (Taf. XV. 1) gegen dessen Lehen in Cummerow vertauschte/) Dagegen hatte er weitere Er-werbungen gemacht:

Zunächst war er in den Besitz von ganz Cummerow gelangt, nachdem er 1710 von den Erben desCurd Dettlof (Taf. XIII. 17) auch dessen Antheil daran gekauft hatte. 7 ) Daselbst hatte er 1733 den Baueines prächtigen Schlosses vollendet, und König Friedrich Wilhelm I, der mehrmals zum Besuch dort weilte,hatte bei seiner Anwesenheit am 14. August 1733 diesem Orte den Namen Schwerinsburg gegeben 8 ) unddemselben allerlei städtische Gerechtigkeiten verliehen.

Durch Kauf und Tausch hatte sich der Feldmarschall ferner in den ungetheilten Besitz der GüterWussecken, 9 ' Stretense 10 ) und Ducherow 11 ' gesetzt und war mit denselben 1741 ausdrücklich belehntworden. 13 ) Von seinem Bruder Hans Bogislav (Taf. XII. 1) hatte er am 24. Juni 1721 dessen Ackerwerkzu Drevelow, sowie dessen Besitz in Thurow gekauft und zu letzterem späterhin weitere Antheile er-worbm- 13 r"eBenso hatte er sich in Tetterin angekauft und weitere Antheile daselbst 1742 gegen das injenem Jahr gekaufte halbe Gut Neuenkirchen eingetauscht; 14 ' endlich hatte er das alte Schwerinsche Lehn-gut Müggenburg (b), welches 1626 von den Erben des Rüdiger von Schwerin (Taf. VIII. 23) verkauftwar, 15 ) reluirt. 16 )

Aber der Feldmarschall hatte nicht nur seinen Grundbesitz auf diese Weise erweitert, sondern mitUmsicht und unermüdlicher Ausdauer hatte er durch eine treffliche Bewirtschaftung die Ertragsfahigkeitseiner Güter bedeutend gehoben. Von den Vorwerken, welche er anlegte, ist bereits das zu Ducherow ge-hörige Mollwitz erwähnt worden; von Neuendorff hatte er durch Kodungen aus einem Buschkaten dasVorwerk Curtshagen abgezweigt, welches später zum selbstständigen Rittergut wurde und gegenwärtig (1876)der Sitz einer danach benannten Linie des von Schwerinschen Geschlechts (Taf. VI. A.) ist.

Die Einlösung der Spantekower Güter, 17 ) auf welche der Feldmarschall seit dem Jahr 1721 wiederholtseine Ansprüche geltend gemacht hatte, war ihm nicht gelungen; die persönliche Feindschaft, welchezwischen ihm und dem damaligen Grosskanzler von Cocceji bestand, 18 ) war auf eine in der PreussischenRechtsgeschichte beispiellosen Weise nicht ohne Einfluss auf die Rechtsverhandlungen geblieben. 19 )

Die altväterlichen Lehen waren dem Feldmarschall in den Lehnbriefen 20 ) von 1705, 1723 und 1741und in dem letzteren auch noch insbesondere das Erbküchenmeister-Amt bestätigt worden.

Zum Gedächtniss des berühmten Ahnherrn begründeten die Gebrüder Maximilian und Victor Grafenvon Schwerin auf Putzar und Schwerinsburg (Taf. XII. 26, 31) am hundertjährigen Tage der Schlacht von

1) Adolph Streckfuss, Berlin seit 500 Jahren, Berlin 1865. Karl Eduard Vehse, Geschichte des Preussischen Hofes.

2 ) Geste H ing , Pnmmnr^na Magan'n TT T.. £ j ^ 3, 3) JJ. B. II. 718. 4) U.B. II. 675. 5) Zwar hatte er 1738 auch Wittstock

verkauft, dasselbe jedoch 1750 wieder zurückerhalten. U. 15. II. 706, 716. 6) U. B. II. 682. 7) U. B. II. 683. 8) Im U. B.

finden wir jenen Namen zuerst am 8. Februar 1738, U. B. II. 706; im Lehnbrief von 1741: Cummerow modo Schwerinsburg,

U. B. II. 709. 9) U. B. II. 683, 691, 695 bis 697, 701. Auch den an Hans Bogislav (Taf. XII. 1) gefallenen Antheil hatte Curd

Christoph schon am 6. August 1714 erworben. 10) U. B. II. 691. 11) U. B. II. 700, 702. Am 25. August 1727 hatte er auch

die drei Höfe, welche Werner Dettlof (Taf. VI. B. 1) daselbst besass, gekauft. Die auf S. 112 dieses Buches ausgesprochene

Yermuthung, dass diese Höfe an die Gebrüder Friedrich Leopold und Otto Martin (Taf. XV. 8, 9) übergegangen seien, ist also

irrthümlich. 12) U. B. II. 709. 13) U. B. II. 704, 710, 711. 14) U. B. II. 704, 712, 713. 15) Familien-Buch der von Eck-

stedt. S. 781. 16) Geh. Staats Archiv. Rep. 8. No. 170 d. Pomm. Diplomatar. No. 46. Familien-Buch der von Eickstedt.

S. 779 ff. 17) Vgl. Taf. VIII. 53, 54, 18) Yarnhagen von Ense, Leben des Feldmarschalls, S. 55 ff. 19) Kunowski, Sammlung

der wesentlichsten Actenstücke und Urkunden über die Reluition von Spantekow. 20) U. B. II. 677, 695, 709.

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