Druckschrift 
2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Mitwochs nach Judica (etliche setzen den Freytag) hat marggraff Fridericli, churfürst zu Brandenburgetc. die Stadt Neu Angermünd in der Uclcermarck, welche in die siebenzig jar von den liertzogen zu Stettininnen gehalten, bestritten und eingenomen, unnd weil er das schloss nicht bald sampt der stadt hat könnenerobern, hat ers belagert. So schreibt man auch dass der kastner') der hcrtzogen zu Stettin nicht alleindas schloss, sondern auch das eine thor noch eingeliabt habe. Da nu hertzog Casirnirus in Pommern, dissnamens der sechste, vernommen, dass er das schloss und das eine thor noch frey hatte, ist er willens ge-wesen, mit gewalt da hinein zu fallen und die Märcker wider aus der Stadt zu jagen. Weil er aber vonseinen kundscliaffem gehöret, dass sich die Märcker mitten auffm marck wol beschantzet hatten und das einherr von Putlitz mit vier hundert reutern vor dem thor zum liinterhalt lege, hat herr Dethleff von Schwe-rin, ritt er, gerahten, er solte sich erstlich an dess von Putlitz häufen machen unnd denselben trennen, da-mit er hernach desto besser in die stadt ohn widerstand kommen möchte. ^ Diesen ralitschlag hat der hert-zog nicht wollen annemen, sondern ist mit seinem hellen Hauffen zur stadt zugezogen, unnd da er durch dasthor, so sein kastner noch innen gehabt, hinein kommen, hat er in dreyen gassen drey panier auffgerichtet.Nun hatte der marggraff sein volck am meisten in den herbergen losiret und hin und her in der stadt ge-lassen. Er selbst aber hatte sich mit etlichen reutern auffm marckt mit den wagen beschantzet und sichdarauff zur ruhe begeben, weil er die vorige nacht in eröberung der stadt grosse mühe und arbeit gehabtunnd nicht viel geschlaffen hatte. A Is nun hertzog Casirnirus unvorsehens in die Stadt kommen und ihm mitden seinen nicht anders gedacht, denn er liette die stadt wider in seiner gewalt, haben sie alle geschryen:Stettin, Stettin, Stettin! Von solchen geschrey ist der churfürst sampt den seinen erwachet, hat sich mitseinem panier der marck Brandenburg bald lierfür gemacht und ist mit den Pomern in einen harten streitmitten in der stadt gekommen, und ist da Dethleff von Schwerin unnd Peter Trampe, beyde rittern,in der spitzen dess liertzoges mit vielen andern blieben unnd erschlagen worden. 3 > Und weil der herr vonPutlitz mit seinen vier hundert reutern auch hinzugedrungen und die Pomern also recht mitten unter denfeinden gewesen, dass sie sich hinten und fornen haben wehren müssen, ists ihnen unmöglich gewesen, etwastreffliches auszurichten, sondern haben wider durch das thor, dadurch sie hineingekommen, müssen zurück-weichen. Da das geschehen hat der marggraff mit gewaltiger gewapneter hand den kastner vom schlössegetrieben, über drey hundert mann von den Pomern und Polen und über fünff hundert pferde gefangen be-kommen, welche die Märcker folgendes tages unter sich getheilet haben. 4 )

1) Der Pommersche Kommandant des Schlosses zu Angermünde war Johann von Briesen. 2) So berichtet auch Vanselo.3) Dettlof von Schwerin hatte den Auftrag erhalten, zur Nachtzeit, während der Herzog vom Schloss aus die Wagenburg angriff,von der anderen Seite her in die Stadt zu dringen.

4) 1. Angelus, a. a. 0., S. 202 fügt seiner Erzählung noch ein diesen Kampf besingendes Lied bei. Die auf Dett-lofs von Schwerin Heldentod bezüglichen zwei Verse lauten:

De schwerder gingen den klincker den lclanclc,

Herr Dethleff van Schwerin die was dermanclc,

Den pres wolde he erwerven,

Des muste herr Dethleff van Schwerin

Vor seinen erffherm sterven.

Da die hertig dat gesach,

Dat da herr Dethleff vör im lach,

Gespeltet als ein brade,

Ach milder Christe van Himmelrick,

Weren wy nu tho dem Vierraden!

2. Niclas von Klemptzen in seiner handschriftlichen Pommerschen Chronik (Geh. Staats-Archiv. Mscpt. No. 95)erzählt über Dettlofs Theilnahme an jenem Kampfe:

Under denjenigen, die erschlagen wurden, war herr Deitloff von Schwerin, ridmeister unnd marschalck, ein sehr feinerKriegsman, der viel arbeitete, man solte die sache so nicht anfangen, insonderheit wolte ehr, man solte zu herr Gans von Podlitz erst an-greiften, die auszerhalb der stad in dem hinderhaldt verstocket; das demnach der hertzog nicht hören wolte und zu herr Deitlaff ge-saget hette, wie in einem alten leide stehet:

Her Deitlaff, gi fruchten juw tiff,

Juw ist leide vor juw junge lieffUnd vor juw schöne wiff.

Daruff her Deitlaff geandwortet solle haben:

Mir ist nicht leide vor mein junge lieff,

Auch nicht vor mein schöne wiff,

Hueden wil ich vor juw sterbenn.

Welches er auch ehrlich gethan nnd deshalben seiner noch des ortts in allem besten gedacht wirt.

3. Thomas Kantzow in seiner Pomerania, herausgegeben von Kosegarten Bd. II. S. 17, giebt ebenfalls eine aus-

führliche Beschreibung jenes Kampfes, und weicht von den genannten beiden Schriftstellern besonders darin ab, dass nach ihm