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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
126
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Finkenaugen wiederkäuflich an Nicolaus, Pfarrer zu Wesenberg, und an Meinhard von Wesenberg, welchemLetzteren jedoch diese Höfe nur zum Unterpfande für 25 Mark Finkenaugen, die er dem gedachten Pfarrergeliehen hatte, verschrieben wurden. Nach Rückzahlung dieser 25 Mark entsagte Meinhard von Wesenbergallen Ansprüchen an den eben erwähnten Hufen des Pfarrers, wie es der Rath der Stadt Wesenberg aus-drücklich am 8. September 1386 bezeugt. 1 )

Ausser diesen vier Hufen erwarb der Pfarrer zu Wesenberg noch weiteren Besitz aus den Schwerin-schen Gütern in Arnsberg, indem er von Claus Gizenschlag, der ein Unterlehnsmann Hennings von Schwerinwar, eine Rente von einem halben Stück Geldes aus 2 Hufen daselbst für 13 Mark Finkenaugen wieder-löslich an sich brachte. Am 11. October 1398 ertheilte Henning dem Pfarrer die Belehnung darüber. 8 )

Schliesslich erfahren wir aus einer Urkunde 3 ) vom 8. September 1404, dass Henning früher auch dasDorf Klötenow besessen und ebenfalls an den Pfarrer Nicolaus zu Wesenberg verkauft habe. Am ge-dachten Tage vereignen es die Herzöge von Meklenburg der Georgs-Capelle vor der Stadt Wesenberg.

Henning scheint ohne Lehnserben verstorben und sein sämmtlicher Lehnbesitz im Lande Stargard schonbei seinen Lebzeiten in fremde Hände gekommen zu sein.

19. Dettlof.

1407 1420.

(Sohn von No. 12.)

war Lehnsunterthan (Erlman) der Herzöge von Pommern-Stettin und heisst deren Ritter und Rath; für dasJahr 1420 nennen ihn Klemptzen 4 ) und Micraelius 5 ) Rittmeister und Marschall; Pauli 6 ) nennt ihn: Her-zog Casimir's obersten Feldherrn. Er stand bei seinen Fürsten im höchsten Ansehen und zwar ebenso-wohl als Diplomat wie als Kriegsmann.

Zuerst begegnen wir ihm 1407; er war sicherlich damals noch sehr jung, denn noch 1420 wird er alsjung bezeichnet; so war denn auch die erste That, die wir von ihm erfahren, keine Heldenthat, sondern, wiees scheint, ein im Gefühl jugendlich starker Kraft verübter Gewaltact. Denn in der Neumark auf offenerStrasse ergriff er einen jungen Mann, den Sohn eines Michael Sydow, wir hören nicht weshalb, beraubte ihn,schleppte ihn mit sich fort nach dem Schlosse Torgelow, das Bertram Hase inne hatte, und hielt ihn hiergefangen. Da legte sich Ulrich von Jungingen, der Hochmeister des deutschen Ordens, zu dessen UnterthanenMichael Sydow gehörte, ins Mittel und ersuchte den Herzog Swantibor unter dem 29. October 1407 schrift-lich, 7 ) er möge seinen Lehnsmann Dettlof von Schwerin und Bertram Hase anhalten, den Gefangenen los-zugeben und ihm das Geraubte wieder zu geben oder zu erstatten. Wir erfahren nichts vom Erfolge dieserMahnung.

Einige Jahre später, wahrscheinlich 1411, 8 ) sandte Herzog Casimir VI (+1434) seinen Rath Dettlofvon Schwerin an den nächsten Hochmeister des deutschen Ordens, Heinrich von Plauen, mit dem Auftrage,denselben zum Ersatz des Schadens zu vermögen, den Herzog Casimir und noch mehr sein Yater Swantiborim Kriege gegen Polen, in welchem sie dem Orden Hülfe geleistet, erlitten hätten. Der Hochmeister gabjedoch keine dem Herzoge genügende Antwort und dieser erliess daher am 28. Februar 1412 unter Bezug-nahme auf die vergebliche Sendung Dettlofs an den Hochmeister einen neuen Mahnbrief. 9 )

Im November desselben Jahres 1411 und 1416 diente Dettlof dem genannten Herzoge Casimir undseinem Bruder Otto II als Zeuge; 10 ) 1417 leistete er mit mehreren Anderen seines Geschlechts den Ein-wohnern von Anclam Bürgschaft lür die von seinem Vetter Dietrich (No. 28) und dessen Söhnen Ulrich,Heinrich und Werner (No. 45 bis 47) der Stadt geschworene Urfehde. 11 )

Am 27. März 1420 fand Dettlof ein ruhmreiches Ende 12 ) bei dem Versuche, die Stadt Angermünde demMarkgrafen Friedrich I von Brandenburg zu entreissen.

Er ist der erste seines Geschlechts, von dem die Chroniken berichten, dass er, den sicheren Untergangvor Augen, im Dienste seines Kriegsherrn freudigen Muthes die Schaaren in den Kampf führte, einwürdiger Ahnherr des Helden von Prag, des Feldmarschalls Curd Christoph von Schwerin. 13 )

Ueber den Vorgang selbst theilen wir die Schilderung mit, wie sie von Angelus 14 ) gegeben wird:

1) U. B. II. 210. 2) U. B. II. 232. 3) U. B. II. 241. 4) Handschriftliche Pommersche Chronik im Geh. Staats-Archiv,Manuscr. No. 95. f>) Mierael, Antiquit. Pommer. St. 240. 6) Pauli VI. 806. Valentin ab Eickstett in annal. Pom. 29 nenntDettlof von Schwerin equitem virum strenuum ac scientia et usu rei militaris clarum. 7) U. B. II. 246. 8) Frühstens Ausgangs1410, da Heinrich von Plauen erst seit dem 9. November 1410 als Hochmeister fungirte. 9) U. B. II. 253. 10) U. B. II. 252, 262.

11) U. B. II. 272. Dettlofs Siegel im U. B. Siegeltafel II. 26. 12) U. B. II. 276. 13) Stammtafel X. 32. 14) Annales mar-chiae Brandenburgisae p. 20K Danach auch bei Riedel, Cod. diplom. D. I. p. 44.